Molympico Giorno

Zum Ersten, zum Zweiten, van Allmen

 

Der König der Alpinen ist gekrönt. Abfahrts- und Team-Olympiasieger Franjo van Allmen war auch im Super-G nicht zu schlagen und eroberte die dritte Goldmedaille.

Als der Schweizer mt der Startnummer 7 nur knapp mit knappen Vorsprung auf den Außenseiter Ryan Cochran-Siegle den ersten Platz übernahm, da begann das Zittern. Viele dachten, das sei nicht genug, aber mir imponierte die Fahrt, zumal Cochran Siegle einen fehlerfreien Lauf auf die etwas weicher gewordene Stelvio-Piste hingezaubert hatte. Am Ende reichte es für den US-Amerikaner zur eher unerwarteten Silbermedaille („Ich bin schockiert“), weil auch der hochgewettete Marco Odermatt wieder kleine Fehler einbaute und sich mit Bronze zufriedengeben musste. „Natürlich wollte ich Gold, aber wenn ich bedenke, dass der Vierte (Nils Allegre/d. A.) nur drei Hundertstel hinter mir war, muss ich zufrieden sein.“

In seiner Heimat hat ihn jetzt aber erst mal van Allmen den Rang abgelaufen. Der gelernte Zimmerer ist offenbar ein Mann der großen Rennen, denn vor einem Jahr krönte er sich schon zum Abfahrtsweltmeister. Großes Pech hatte der italienische Lokalmatador Dominik Paris, dem nach einem Schlag die Bindung aufgegangen war. Es ist der ewige Konflikt der Techniker, genau die richtige Festigket der Bindung einzustellen. Sie soll beim Sturz aufgehen, sonst aber bitte nicht.

Anders als Bode Miller vor Jahren bei einer Ski-Weltmeisterschaft fuhr Paris nicht auf einem Ski die Stelvio hinunter. Von diesem (brotlosen) Kunststück des Amerikaners schwärmen heute noch alle Ski-Fans.
https://www.youtube.com/watch?v=QHxmVRXoVMA

 

Öftebrö – ein würdiger Riiber-Nachfolger

 

Unfassbar, diese Norweger. Auch den Rücktritt des Herrschers der Nordischen Kombination Jarl Magnus Riiber haben sie aufgefangen – wie im Biathlon. Jens Luraas Öftebrö sicherte sich Gold vor dem Österreicher Johannes Lamparter und dem Sensations-Finnen Eero Hirvonen.
Schon nach dem Springen war relativ klar, dass Öftebrö das Gold kaum zu nehmen sein würde, denn der bekannt gute Langläufer war schon nach der ersten Teildisziplin ganz vorn zu finden.
In der 2. Runde bildete sich eine 7er-Spitzengruppe, in der auch der Deutsche Vincenz Geiger kämnpfte – trotz offfensichtlich nicht den allerbesten Skiern unter den Füßen. Er brach dann in der Schlussrunde regelrecht ein, offenbar hatte er in der Vorbereitung auch mit gesundheitlichen S Problemen zu kämpfen, das ewige Dilemma der langlaufenden Wiintersportler im kalten Freien.

In der Schlussrunde erhöhte Öftebrö das Tempo, einmal konnte Lamparter noch aufschließen, beim zweiten Mal war er dem Tempo nicht gewachsen, sicherte sich aber den zweiten Platz vor demerstaunlichen Hirvonen. Der hatte seit Jahren nicht mehr so ein gutes Ergebnis vorzuweisen, der Sportart kann es nur gut tun, dass eine vierte nation in die Phalanx Norwegen, Deutschand, Österreich eingebrochen ist.

Die Kombinierer kämpfen ja um ihre Olympische Zukunft. Als einzige Sportart haben in Italien nur Männer Wettbewerbe, das Klagen der IOC-Granden ist deutlich vernehmbar. Zu unattraktiv sei das, und es gebe zu wenig konkurrenzfähige Nationen.

Dass die Frauen nicht dabei sind, empfinde ich als Skandal. Erst seit ein paar jahren finden Weltcups statt, und in dieser Zeit ist die Konkurrenz enorm gestiegen und vielleiczt sogar höher als bei den Männern. Auf der einen Seite will man den Frauen die Kombination schmackhaft machen, auf der anderen Seite schmeißt man ihnen die Olympische Tür zu. Es fehlt dann ja nicht nur das einmalige Erlebnis, auch Förderungen, Werbepartner etc. sind dann gefährdet. Auch sind manche Schanzen in ersnthafter gefahr, wenn sie in Zukunft nur noch von den Sprung-Spezialisten benutzt werden.

 

Slowenien souverän zum Mannschafts-Gold

 

Jetzt haben alle 4 skispringenden Prevc-Geschwister wenigstens eine olympische Medaille. Im Mixed-Team gewann Slowenien klar vor Norwegen und Japan. Das deutsche Team um Einzel-Olympiasieger Philipp Raimund blieb ohne Medaille. Nach eigener Aussage verkief die Godfeier nicht spurenlos.
Neben Nika Vokan und Ante Lanisek trugen auch Nika und Domen Prevc zum Triumph bei. In Peking 2022 siegte Peter Prevc mit dem slowenischen Mixed-Team und holte mit Cene Prevc auch noch Silber mit der slowenischen Mannschaft. Der Triumphzug muss noch lange nicht zu Ende sein, es warten noch die Wettbewerbe von der Großschanze.
Es gibt noch eine Schwester. Erstaunlicherweise tanzt die 16-jährige Ema Ballett lieber Ballett weit entfernt von Skisprungschanzen. Auch beim olympischen Triumph der beiden Geschwister war sie nicht live vor Ort; sie zog einen Schulausflug in London vor. Die junge Dame weiß, Prioritäten zu setzen. Auch Cene hat sich von der Skisprung-Szene verabschiedet und ist in der Heimat als Stand-Up-Comedian bekannt (geblieben).

 

Und sonst

 

  • Nächstes Rodelgold für Deutschland: Julia Taubitz setzte 4 blitzsauberre Läufe in die Eisrinne und siegte vor der Lettin Elina Bota und der Amerikanerin Ashley Arquharason. Sie machte damit ihr Missgeschick von Peking wett, als sie ebenfalls als hohe Favoritn einen Lauf komplett verhaute und ohne Medaille blieb. Pech hatte Merle Malou Fraebel, die mit einem schweren Patzer im 3. Lauf alle Chancen einbüßte.
  • Curling: Das schwedische Mixed-Team holte sich etwaas überraschend Gold. Im Finale siegte Sverige mit 6:5 über die USA. Die Sportart wird uns die gesamten Spielke begleiten, denn es stehen noch die Wettbewerbe bei den Frauen und Männern an.

 

Das wird molympia, Donnerstag

Nächste Medaille für Emma Aicher? Erster Auftritt von Leon Drasaitl und Co, und ein fast sicheres deutsches Rodel-Gold (nona).

 

Pflichtprogramm

 

11:30: Super-G, Frauen

 

Unerschütterlich bleib‘ ich dabei, die Alpinen wie Sauerbier anzupreisen. Die nächste veritable Medaillen-Chance von Emma Aicher, wenn sie nicht einen ihrer Susi-Sorglos-Fehler einbaut und an absurden Stelllen rausfällt, die für niemanden sonst ein Problem darstellen. Mit Lindley Vonn fehlt eine Top-Speedfahrerin, das Feld erscheint sehr offe. Aber wenn Aicher gut runterkommt müsste sie vorn dabei sein.
Härteste Konkurrentinnen sind die Italienerinnen um Sofia Goggia (wenn die denn nicht zu viel Risiko nimmt). Die Österreicherin Ariane Rädler kommt mit der Tofana-Strecke glänzend zurecht und mal sehen, ob Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson auch der etwas langsamer gesteckte Super-G taugt.

 

Eishockey der Männer

 

Das erste Spiel der deutschen Männer mit so vielen NHL-Profis wie noch nie gegen Dänemark (Do., 21:10).. Eben nicht nur Leon Draisaitl, sondern auf allen Positionen Top-Performer: Ob Philipp Grubauer (Tor), Moritz Seider (Abwehr) und Angriff (Tim Stützle, JJ Peterka). Die große Frage: Wie gut passt das alles zusammen, viel Zeit zum Kennenlernen hatten sie ja nicht, andrerseits kennen sie sich zum Teil schon aus Jugendtagen.
Das olympische Programm gibt diese zeit zum Kennenlernen. In den drei Vorrundenpartien geht es noch nicht um Alles, Ausschedin ist unmöglich.
Drei Gruppen à 4 Teams gibt es. Die Gruppensieger und der beste Zweite qualfizieren sich direkt fürs Viertelfinale, der Rest muss in eine Zwischenrunde, in der in 4 Partien 4 weitere Viertelfinalisten ermittelt werden.
Klarer Favorit sind die Kanadier, die auch in der 4. Reihe  noch mit absoluten Superstars besetzt sind. Ich pesönlich rechne sehr mit Schweden. Aber auch „meine“ Finnen, natürlich die USA und Tschechien sind sehr zu beachten.
Die Russen sind nicht dabei, weil ein Team diese Kriegsnation nicht vertreten darf. Fürs Eishockey schon ein bisschen traurig, weil einige Superstars fehlen. Deshalb ist es auch nicht das bestbesetzte Turnier aller Zeiten.

 

Wird sicher spannend

 

14:46: Snowboard Cross, Finale 

 

4 Läufer sind gleichzeitig am Start. Ein kurviger Kurs mit Sprüngen, in dem sich die Männer auch sehr nahekommen (ein bisschen Checken ist auch erlaubt). Nett anzusehen, hab ich dieses Jahr allerdings noch nicht gesehen. Deshalb bin ich auch ahnungslos über Favoriten und so. Vorm Finale gibts schon Viertelfinali und Halbfinali, in denen jeweils 2 Läufer weiterkommen.
Es kann viel passieren, wie Lindsey Jacobellis bestätigen wird.

https://www.eurosport.de/olympia/olympia-peking/2022/olympia-ruckblick-sturz-kostet-gold-lindsey-jacobellis-wirft-triumph-im-snowboard-cross-in-turin-2006-weg_vid1570813/video.shtml

 

18:30: Rodeln, Team

 

Obs spannend wird, sei mal dahingestellt, denn das Team Deutschland ist klarer Favorit. Aber mal was anderes. Männer, Frauen, sowie die Doppelsitzer fahren natürlich einzeln. Die Staffelübergabe geht wie folgt: Der Mann am Ziuel schlägt an eine große Scheibe, erst dann darf die Frau losfahren und so fort (ich glaub, dass die reihenfolge so ist). Österreich, Italien und Lettland dürften die weiteren Medaillen unter sich ausmachen.

 

Und sonst?

 

  • Snowboard, Halfpipe, Frauen: Für mich die am wenigsten attraktive Disziplin der Snowboarder. Die Frauen bleiben hier doch weit hinter den Männern zurück, was Waghalsigkeit der Sprünge betrifft. Muss ich so deutlich sagen.
  • Shorttrack: die Entscheidungen über 500 Meter (Frauen) und 1000 Meter (Männer). 4 fahren jeweils gleichzeitig auf einer viel küzreren Runde als im „normalen“ Eisschnelllauf. Die Hände auf dem Eis gehören genauso dazu wie gegenseitiges Checken (in Grenzen).

 

Das wird Molympia, Mittwoch

Ein wunderbarer Beitrag ist leider im Orkus verschwunden. Schöne Gedanken zur NHL verschwunden. Übrig geblieben ist nur Skifoan.

Pflichtprogramm

 

11:30: Super-G der Männer

 

Ich erwarte wieder einen Zweikampf Schweiz gegen Italien. Nicht nur Marco Odermatt hier und Giovanni Franzoni dort. Auch die weiteren Starter für die Eidgenossen respektive Gastgeber sind sehr zu beachten, vor allem natürlich Olympiasieger Franjo van Allmen und Cortina-Spezialist Dominik Paris.
Der Rest ist allerdings nicht gewillt, bloß Staffage zu sein. Vincent Kriechmayr aus Österreich dürfte die Team-Medaille Auftrieb gegeben haben, der Norweger Fredric Möller ist immer für eine Überraschung gut.

Im Super-G gibt es keine Trainingsläufe. Groß von der Abfahrt von der Stelvio dürfte sich der Kurs alledings nicht unterscheiden.

 

In aller Kürze: Das Männer-Eishockey-Turnier beginnt. Die Deutschen sind allerdings erst am Donnerstag mit der Partie gegen Dänemark am Start (21:10). Ansonsten verweise ichn auf die Buckelpiste der Frauen (14:15), die Eistanzkür (19:30) und die Nordische Kombination (Springen von der Normalschanze und 10 Kilometer in der Gundersen-Methode). Meinen Rant, dass die Frauen nicht dabei sein dürfen, verschiebe ich auf später.

Giorno Molympico

Eine kleine Änderung: Ich befasse mich heute nicht jur mit dem gestrigen Tag, sondern auch mit dem was am Dienstag bis jetzt passiert ist.

 

Gold für den österreichischen Kurssetzer

 

Das ist natürlich eine Übertreibung, denn gefahren ist Katharina Huber den Slalom im Teamwettbewerb schon selbst – und das großartig. Aber Martin Pfeifer wurde seinem Ruf gerecht und setzte heute einen Lauf, der äußerst tricky war. Und gerade in dem für Huber maßgeschneiderten (und wahrscheinlich bis zum Erbrechen geübter Torfolge) Teil holte sie dann die entscheidenden Hundertstelsekunden gegenüber der Deutschen Emma Aicher heraus. Am Ende lagen Abfahrerin Ariane Rädler und Slalomartistin Katharina Huber fünf Hundertstelsekunden vor Kira Weidle-Winkelmann/Emma Aicher. Dritte wurden die US-Amerikanerinnen Jaqueline Wiles/Paula Moltzan. Eine herbe Enttäuschung erlebte Mikaela Shiffrin. Alles schien angerichtet für Gold, nachdem ihre Landsfrau Breezy Johnson erneut die beste Abfahrtszeit hingelegt hatte, sie also sogar mit Vorsprung ihren Lauf in Angiff nahm. Doch der mit Abstand besten Slalomfahrerin versagten die Nerven, und sie legte einen für ihre Verhältnisse fast indiskutablen Lauf hin. Das Team fiel noch auf den undankbaren 4. Platz zurück. Shiffrin und Olympia – das war ja in Peking 2022 schon das große Drama, als sie als große Favoritin weder im Riesenslalom noch im Slalom das Ziel erreichte.

„Alles richtig gemacht“, konnten dagegen die deutschen Trainer bilanzieren. Es war ja ein Pokerspiel, mit dem Jolly Joker Emma Aicher, die in Abfahrt und Slalom herausragend ist. Die Frage war: Passt das besser mit der Abfahrerin Kira Weidle-Wnkelmann im Slalom oder mit der Slalomartistin Lena Dürr im Slalom. Man setzte auf Rot Slalom, und Aicher legte dort Laufbestzeit hin, mehr geht nicht. Dass sie erneut nur um Hundertstel Gold verpasste nach Abfahrtssilber, störte da wenig.

 

Schweizer Triumph bei den Männern

 

Tags zuvor durfte Franjo van Allmen den zweiten Olympiasieg feiern. Er selbst wurde in der Abfahrt zwar nur Vierter, doch sein Slalompartner Tanguy Nef zauberte einen wahren Traumlauf in den Schnee – das reichte. Silber gewannen zeitgleich die Schweizer Marco Odermatt/Loic Meillard (der eigentlich als der bessere Slalolmfahrer als Nef galt) und Vincent Kriechmayr/Mario Feller aus Österreich. Zum Unglücksraben avancierte Alex Vinatzer. Der italienische Slalomfahrer ging nach der Abfahrtsbestzeit seines Partners Giovanni Franzoni als Letzter in den Slalom, doch der war nach eigener Aussage „mit der Situation überfordert“ und kam nach 18. Laufzeit nur auf Rang 7. „Ich muss mich bei Giovanni entschuldigen.“ Dass es Mikaela Shiffrin ähnlich erging, wird ihm kein Trost sein.

 

Die Gunst der Schanze genutzt

 

Dass Philipp Raimund mit der Anlage in Predazzo glänzend zurechtkam, deutete sich schon im Training an, als er mehrmals den besten Sprung hinlegte. Doch Training und Wettkampf sind oft zwei paar Schuhe, und da war die Hypothek, das Raimund vorher noch nie einen Weltcup gewonnen hatte. Doch „Hippe“ (was für ein Spitzname für diesen Vornamen, noch nie gehört) ließ sich nicht beirren: In Durchgang 1 sprang er schon an die Spitze, und auch, als die Konkurrenz im 2. Durchgang sehr gute Weiten hinlegte, ließ er sich nicht beirren: Er verteidigte nicht nur seinen knappen Vorsprung, er baute ihn sogar mit dem wiederum besten Sprung aus. Am Ende lag er 3,4 Punkte vor dem Sensationszweiten Kacpar Tomasiak aus Polen und gar 8,1 vor Gregor Deschwanden und Ren Nikaido, die sich Bronze teilten. 
Domen Prevc ging als Sechster leer aus. Beim Saisondominator hatte sich im Training schon abgezeichnet, dass er mit der Schanze nicht so zurecht kam.
Schwer geschlagen auch die Österreicher: Als Bester der erfolgsverwöhnten Adler landete Stefan Embacher auf den siebten Platz.

Apropos Vorname: Ich habe (mit KI) geschaut, ob schon mal ein Namensvetter von mir (Philipp) deutsches Gold bei Winterspielen geholt hat. Es hat keine Treffer gegeben.

 

Fehlerlos zu Gold, Gedanken beim toten Freund

 

Es war schon absehbar, dass Norwegens Biathlon-Männer den Rücktritt der Bö-Brüder gut verkraften würden. Beim ersten Einzelwettbewerb über den langen 20-Kilometer-Kanten siegte dann auch ein Landsmann: Johan-Olaf Botn verfehlte keine einzige der 20 Scheiben, und weil er in der Loipe flott genug unterwegs war, lag er im Ziel 15 Sekunden vor dem Franzosen Eric Perrot und 48 für Sture Lagreid, die jeweils einmal danebenschossen.
Bei seiner Zieleinfahrt gedachte Botn mit zum Himmel gerecken Händen seines Landsmanns und Trainingskollegen Sivert Guttorm Bakken. Botn hatte ihn im Dezember leblos in einem Hotelzimmer gefunden, mit einer Atemmaske über dem Mund. Noch immer ist der Tod nicht aufgeklärt. „Ich habe auf der letzten Runde kaum an mich selbst gedacht, meine Gedanken und Gefühle für Sivert kamen direkt nach dem letzten Schießen.“

 

Wer soll diesen Klaebo schlagen

 

Die Überlegenheit war absurd. Im Sprint, eigentlich eine wirklich knappe Angelegenheit, lief der Norweger Johannes Hoesflot Klaebo in der ganz eigenen Liga. Als hätte er einen Motorantrieb, lief er der Konkurrenz auf und davon. Viel fehlte nicht, und er hätte sich sogar die Zeit nehmen können, sich vor dem Zieleinlauf noch eine norwegische Fahne zu schnappen. Silber holte der ersstaunliche Amerikaner Ben Ogden vor Klaebos Landsmann Oskar Opstad Vike.
Vier Wettbewerbe stehen für Klaebo noch an, und angesichts seiner Sonderklasse ist es äußerst unwahrscheinlich, dass er nicht vier weitere Goldmedaillen holt (wie 2025 bei der WM in Trondheim.

Bei den Frauen dagegen erwarte ich einen schwedischen Durchmarsch. Nach dem Doppelerfolg im Skiathlon durch Frida Karlsson und Ebba Andersson überließ beim Sprint Team Sverige dem Rest der Welt noch nicht mal die Bronzemedaille. Es siegte Linn Svahn vor Jonna Sundling und Maja Dahlqvist.

 

Und sonst

 

  • Gasser chancenlos: Die zweifache Olympiasiegerin im Big Air hatte im Finale nichts mehr zu melden. Mit unfassbaren Sprüngen siegte die Japanerin Kokomo Murase vor Zoi Sadowski Synnot aus Neuseeland und Seunggeun Yu. Die Österreicherin Anna Gasser hatte die ersten beiden Sprünge verpatzt, aber auch wenn alles geklappt hätte, eine Medaille wäre wohl außer Reichweite geblieben.
  • Gold für Holland: Im dritten Wettbewerb gab es für die Eisschnelllauf-Nation endlich die ersten Medaillen. Jutta Leerdam siegte vor Landsfrau Femke Kok und der Japanerin Miho Tagaki. Um Leerdam hatte es reichlich Wirbel gegeben: Das Glamourgirl war mit einem Privatflugzeug samt Top-Verpflegung eingeschwbt und hatte Pressekonferenzen geschwänzt.

 

 

Giorno Molympico

Natürlich komme auch nicht nicht um Lindley Vonn herum. Aber ich möchte die Erfolgreichen in den Vordergrund stellen, anders als so viele Zeitungen, sogar diejenigen, die sich Qualitätsmedien nennen.

 

Wackelfahrt zur Medaille

 

Das Wort Traumlauf fällt mir jetzt nicht auf Anhieb ein, wenn ich an Emma Aicher denke. Am Anfang wurde sie herumgeschleudert, als wäre sie in eine Waschmaschine geraten und auch danach hatte sie gerade bei den Sprüngen einige Unsicherheiten. Doch das Wichtigste: Die Ski zeigten immer abwärts, und wenn denn eine Abfahrtstrecke Fehler verzeiht, dann die die Tofana hinunter.

Extrem anspruchsvoll zeigte sie sich, eine echte Herausforderung. Als Erste von den Top-Fahrerinnen nahm Breezy Johnson die Fahrt auf und schnell Fahrt auf. Einmal verlor sie allerdings ziemlich die Linie, doch gerade in den kurvigen Teil hatte sie den perfekten Kurs genommen. Hier erarbeitete sie sich den Vorsprung, der letztlich zu Gold reichen sollte. Hier schließt sich der Kreis, denn 2002 hatte sich Johnson auf der Tofana so schwer verletzt, dass sie Olympia streichen musste

Emma Aicher: Ihre Fahrten schauen ja nie sehr schnell aus. Aber in der Ruhe, die sie offenbar von ihrer schwedischen Mutter mitgekommen hat (ich lasse auch kein Klischee aus) liegt nicht nur Kraft, sondern Schnelligkeit. Am Ende fehlten vier Hundertstelsekungen – es ist völlig unsinnig die Fahrt jetzt nach dieser Winzigkeit abzusuchen. Als ich die Zeitlupenaufnahmen sah, fiel mir der wehene Zopf auf, und ich stellte mir die Frage: Muss das in Zeiten sein, wo Aerodynamiker bei Anzug, Stöcke und Ski auch nach den allerkleinsten Verbesserungsmöglichkeiten suchen.
Aicher gebührt jedenfalls Gold für den besten Spruch des Tages: Ich bin ja eigentlich nie nervös und im Ziel jetzt heute – brutal. Also ich ging mir selber schon auf den Sack, weil ich einfach nervös war.“

Fast die größte Hochachtung habe ich vor Sofia Goggia. Sie musste die endlose Pause nach Vonns Sturz ertragen, vielleicht hat sie ihn sogar mitangesehen und die Schreie gehört. Die beiden verstehen sich ja sehr gut. Selbst hat die Italienerin ja auch schon schwere Sturzverletzungen erlitten, weil sie allzu viel Risiko nahm (auch in Cortina). Doch diesmal gelang Goggia eine für ihre Verhältnisse fast ereignisloser Lauf und belohnte sich völlig zurecht mit der Bronzemedaille. Jahrelang war sie ja nach Vonns Rücktritt die beste Abfahrerin im Skizirkus.

 

Das Drama um Lindsey Vonn

 

Für die Abergläubischen. Vonn fuhr mit Startnummer 13 und ihre Fahrt war nach 13 Sekunden zu Ende. Schrecklich die Bilder, wie sie es in die Luft stellte und im Schnee liegenblieb. Dass die Ski nicht aufgegangen waren, konnte nichts Gutes verheißen. Die Diagnose lautet Bruch des Unterschenkels, noch glimpflich, wenn ihr mich fragt. Sie wurde bereits zweimal operiert, die Karriere dürfte unwiderruflich zu Ende sein.

Soviel zu den dürren Fakten, und alle stellen sich jetzt die Frage. Konnte das mit gerissenem Kreuzband überhaupt gut gehen, und war es nicht verantwortungslos von den Betreuern, die überehrgeizige Vonn fahren zu lassen. Dazu gebe ich zu bedenken: Lindsey Vonn ist nicht die mit Abstand besten Abfahrerin aller Zeiten geworden, als dass man (etwa ihr Trainer Aksel Lund Svindal) ihr die Fahrt ihres Lebens hätte ausreden können. Auf das sie zwei Jahre hingearbeitet hat: Allein der Umstand, dass die olympische Abfahrt auf der von ihr geliebten Tofana (12 Weltcup-Siege) stattfinden würde, hat sie angeblich erst zu ihrer Rückkehr bewegt.
Zudem: Die Ärzte gaben ihr medizinisches Okay, wenngleich mit Bauchgrimmen. Es wurde ja auch in allen Medien von Medizinern bestätigt, dass diese Fahrt ohne Kreuzband zwar risikobehaftet sei, aber durchaus möglich, auch weil Vonns Beine außergewöhnlich gut trainiert waren. Und machte sie nicht in den Trainings einen guten Eindruck, im Gegensatz etwa zu Emma Aicher, die in einem Lauf mehrere Tore verpasste?

Es sollte der Lauf ihres Lebens werden. Es war klar, dass sie nicht nur dabei sein wollte, sondern gewinnen (wenigstens eine Medaille). Ich hatte ja prophezeit: Sieg oder Akkia (Hubschraubertransport), und sehr viele, die sie überehrgeizig am Start sahen, ahnte, dass ein Sturz sehr wahrscheinlich war. Der ja unglücklich zustandekam, weil sie ein Tor zu eng nahm und mit der Schulter daran hängen blieb und ersten Analysen zufolge nichts damit zu tun hatte, dass ihr Knie ohne Kreuzband und deshalb instabil war. Vielleicht war es sogar ein Glück, dass sie mit vergleichsweise geringer Geschwindigkeit stürzte und nicht mit 130 Sachen nach dem Tofana-Sprung.

Ich finde die Medien extrem heuchlerisch. Die eigentlich Frau Vonn dankbar sein müssten, weil die Amerikanerin sie eine Woche, ach was: fast 2 Jahre lang  lang mit Stoff versorgte. Jetzt zu schreiben, sie hätte gar nicht starten dürfen, finde ich heuchlerisch. Genau wie die Berichterstattung zum Sturz. Dem „Spiegel“ war das eine sofortige Push-Nachricht wert, lange bevor das Rennen zu Ende war. Auch in allen Nachrichtensendungen ging es erst um den Sturz und erst dann um die grandiose Emma Aicher; wer gewonnen hatte, erfuhr man eher beiläufig. Sogar „meine“ SZ kommentierte natürlich Vonns „Irrsinn“. Die Medien gieren nach Sensationen, und Vonn, mit dem Medienzirkus bestens vertraut, „lieferte“.

Wer  Vonn kritisiert, kritisiert eigentlich die Disziplin Abfahrt. Nämlich den kompletten Irrsinn, sich mit weit mehr als 100 Sachen eine zum Teil vereiste Piste runterzustürzen. Je mehr Risiko, desto gut. Bei Abfahrtsolympiasieger Franjo van Allmen hält man automatisch die Luft an, so verwegen rast er hinunter. Vor zwei Jahren, als Cyprien Sarrazin mit unfassbarem Risiko einen Doppel-Triumph in Kitzbühel schaffte, da bekannte der damals 32-jährige Vincent Kriechmayr, er sei doch nicht verrückt, so zu fahren. Knapp 10 Monate später stürzte Sarrazin in Bormio so schwer, dass sein Leben ernsthaft in Gefahr war. Es ist sehr fraglich, ob er auf die Abfahrtspisten zurückkommt.

Nicht falsch verstehen: Ich selbst bin von der Abfahrt fasziniert. aber von den Typinnen und Typen auf den schmalen Brettern von Vernunft geleitete Entscheidungen zu erwarten, wäre wirkllich vermessen.

Jetzt wünsche ich Lindsey Vonn nur, dass sie wieder gesundet. Sie hat das Unögliche versucht und dafür teuer bezahlt. Aber wenigstens nicht mit dem Leben oder einer dauernden körperlichen Schaden.

 

Bronze trotz der Waschmaschine

 

Die deutschen Biathleten atmen auf. Schon im ersten Wettbewerb schafften sie die ersehnte Medaille, der Rest ist Zugabe. Es war ein Rennen, das wie so oft erst am letzten Schießen entschieden wurde. Die Französin Julia Simon setzte in Rekordzeit einen Treffer dem anderen – Gold. Lisa Vitozzi machte es ihr als italienische Schlussläuferin gleich – Silber. Drama beim Zweikampf um Bronze zwischen der Deutschen Franziska Preuß und der Norwegerin Maren Kirkeeide. Fehler blinkten auf – hier wie dort, und das erstaunlich oft. Am Ende musste Preuß einmal in die Strafrunde, und wirkte sich jur deshalb nicht nachteilig aus, weill ihre Kontrahentein zweimal in die zusätzlichen 50 Meter musste.
Die „Waschmaschine“ habe sie gehabt, berichtete Preuß hinterher. So nennen die Biathleten das Zittern in Beinen und dem ganzen Körper, das sie manchmal ereilt, wenn sie am Schießstand zu lange stehen müssen.
Unfassbar die Schießleistungen der anderen Deutschen, die nicht eine Scheibe verfehlten. Justus Strelow, Philipp Nawrath und Vanessa Voigt trafen alle 10 Scheiben – wie übrigens auch Franzi Preuß beim Liegendschießen.

 

Und sonst?

 

  • Rodel-Gold: Vier Fahrten, viermal Bahnrekord. Max Langenhan setzte Maßstäbe. Der Deutsche siegte klar vor dem Österreicher Jonas Müller und Dominik Fischnaller aus Italien.
  • Ösi-Gold: Snowboarder Benjamin Karl wiederholte seinen Triumph von Paking im Parallel-Riesenslalom. Nach seinem Sieg im Finallauf gegen den Koreaner Sang-Kyum Kim entblätterte er sich wie angekündigt. Gleich vier Schichten musste er abragen, bis der 40-Jährige seinen Adonis-Oberkörper präsentieren konnte. Wie leicht hatte es da Diskusriese Robert harting, der nur ein dünnes Shirt zerfetzen musste.
    Den österreichischen Triumph machte Sabine Payer perfekt, die sich erst im Finale der Tschechin Zuzana Maderova geschlagen geben musste, über ihre Silbermedaille hocherfreut war.