Endlich reden mal wieder alle von Manuel Neuer. Der Schlussmann patzte gegen den FC Augsburg spektakulär und verursachte den schnellsten Bundesliga-Treffer der Geschichte. Unmittelbar nach dem Anpfiff passten die Münchner den Ball wie gehabt zurück, der Torwart wollte den Ball am heranstürmenden Robin Fellhauer vorbei-chippen, traf aber nur den Mittelfeldspieler, der den Ball mühlelos aufnahm und ins leere Tor bugsierte. 8,5 Sekunden waren da gerade gespielt, noch damit löste er die bisherigen Rekordhalter Karim Bellarabi und Kevin Volland ab, die glatte 9 Sekunden für den Tor-Erfolg brauchten.
Auch beim zweiten Augsburge Treffer patzte Neuer, als er einen zwar recht harten, aber nicht sonderlich platzierten Schuss  nach vorne abprallen ließ und Rodrigo Ribeiro mühelos vollenden durfte. Wobei in dieser Szene gerne auch ein Verteidiger mithelfen hätte dürfen, die aber lieber tatenlos das „Manu, machs gut-„Nichtstun pflegten anstatt zurückzulaufen.

Ob sie es wollen oder nicht – bei den Bayern ist jetzt die Torwart-Debatte erneut voll entbrannt. Zu deutlich ist mittlerweile wohl jedem Fan und  auch Verantwortlichen (wenn sie ehrlich sind), dass Jonas Urbig der klar bessere Mann zwischen den Pfosten ist. Immer mehr zeigt sich der verhängnisvolle Fehler der Clubführung, Neuer einen weiteren 15-Millionen-Vertrag bis 2027 anzubieten, den dieser natürlich freudigst annahm. Dies verbunden mit dem Standing, das sich der Schlussmann in vielen herausragenden Jahren durchaus verdient hat, führt dazu, dass er wider besseren Wissens immer wieder aufgestellt wird. Weil niemand den Mut hat, ihm zu sagen, dass auch für die Besten irgendwann Schluss ist. Sarkastisch könnte ich anmerken: Mit ihrer Ignoranz machen die Münchner wenigstens die Bundesliga spannend.

Schon wird Neuer mit dem unwürdigen Cristiano Ronaldo verglichen, der gerade im portugiesischen Team einen indiskutablen Ego-Aufstand anzettelte und durch seinen unrühmlichen Abgang pe Privatflugzeug gar eine interne Strafe ausfasste. Soweit unten ist es mit Neuer bei all seinem Ehrgeiz doch noch nicht. Er hat ja bei seiner Vertrags-Verlängerung angeblich explizit zugestanden, dass Urbig mehr Spiele erhalten soll. Die Frage ist halt, ob das auch die wichtigen sind. Vor allem ist die Frage, ob Kompany den Mut aufbringt, einen Neuer in einer wirklich wichtigen Partie (etwa in der K.-o.-Runde der Champions League) auf die Bank zu setzen, obwohl dieser sich spielbereit erklärt.

Freundlicherweise hat sich Neuer zumindest vor der Partie heute Abend bei Viking Stavanger eine Fußverletzung zugezogen, die seinen Einsatz unmöglich macht. Das jedenfalls kommunizierte der Verein offiziell und wer bin ich, das anzuzweifeln … Doch das Thema ist damit bestenfalls aufgeschoben.

Urbig muss klare Nummer 1 werden

 

Für mich als Außenstehender gibt es aus Sicht der Bayern nur eine sinnvolle Lösung. Ein ganz klares Bekenntnis von Kompany zu Gunsten von Urbig, das die volle Unterstützung der Verantwortlichen um Team-Manager Max Eberl findet, aber auch die der grauen Club-Eminzenz Uli Hoeneß. Urbig braucht Spielpraxis, er muss sich mit seinen Vorderleuten einspielen. Er muss alle wichtigen Partien bestreiten und zwar ohne Angst, beim ersten Fehler gleich wieder auf die Bank verbannt zu werden, weil die Medien das Neuer-Getöse anstimmen.
Die naheliegendste Lösung wäre, dass Eberl und Co sich spätestens in der Winterpause mit Neuer zusammensetzen und den ehrenvollen Abgang diskutieren. Den Neuer bei all der jüngsten Kritik (und da denke ich vor allem an die irrsinnige Rückholaktion zur WM) einfach verdient hätte.