Die Basketball-WM der Frauen beginnt, dazu Formel 1 in Monza und der Abschluss der Diamond League in Brüssel.
WM im Hauruck-Verfahren
Heim-Weltmeisterschaft in Berlin ab Freitag, das wird sicher ein Freudenfest fürs Frauen-Basketball. Leider mit einem sehr starken Makel: Denn das Turnier wird im Hauruck-Verfahren durchgeprügelt, ich kann es nicht anders sagen. Bereits 9 Tage nach dem ersten Tipp-off wird die neue Titelträgerin feststehen. Das bedeutet, dass die Weltmeisterinnen innerhalb von nur 9 Tagen mindestens 6 Partien austragen müssen. Eine absurde Terminhatz, die einzig und allein der amerikanischen Profiliga WNBA geschuldet ist. Länger als für gut zwei Wochen will diese den Spielbetrieb nicht ruhen lassen. Wo, das muss ich gleichzeitig zugeben, die Spielerinnen mittlerweile sehr gut verdienen mit stark steigender Tendenz; so viel wie vielleicht in keiner anderen Mansnchaftssportart (gefährlichstes Halbwissen, was weiß ich über Volleyball in der Türkei?).
Die Leidtragenden sind die Spielerinnen, die diesen Irrsinn mitmachen müssen. Großen Widerstand gegen das egomanische Auftreten der WNBA hat es meines Wissens nicht gegeben: Die Funktionäre des Weltverbandes haben sich schlicht und ergreifend erpressen lassen, damit die besten Spielerinnen der Welt (von denen eben sehr viele in den Staaten engagiert sind) auch dabei sind. Dass Verband und Liga damit ihrem Turnier aber vielleicht sogar eher schaden als nutzen (weil es schlicht und ergreifend unmöglich ist, in so kurzer Zeit regelmäßig Höchstleistungen zu zeigen + akute Verletzungsgefahr wg Überbelastung), steht auf einem anderen Blatt. Ich frage mich ernsthaft, welchen Schaden die WNBA genommen hätte, wenn das Turnier eine Woche länger gedauert hätte (in der ja auch eine Woche länger Werbung für die Profiliga gemacht worden wäre).
Ändern lässt sich das nun nicht mehr, und so blicke ich zum Sportlichen. Haushohe Favoritinnen sind natürlich die USA (zuletzt fünfmal Weltmeisterin), die ein mit Stars gespicktes Team in die deutsche Hauptstadt schicken. Allerdings hat die vielleicht beste Spielerin der Welt, Aja Wilson, noch kurzfristig die Teilnahme abgesagt. Dennoch wird das Team zweifelsohne begeistern – und zwar nicht nur die seit College-Zeiten so gehypte Caitlin Clark, sondern vor allem auch Ausnahme-Könnerinnen wie Napheesa Collier, Kahleah Copper und Angel Reese.
Hinter den USA sehen die Experten (zu denen ich mich bei aller Begeisterung für Frauen-Basketball nicht anmaße dazuzugehören) vor allem drei Herausforderinnen, die höchstwahrscheinlich die restlichen Medaillen unter sich ausmachen: Australien, Belgien und Frankreich. Die Aussies erreichten bei den vergangenen acht WMs siebenmal das Halbfinale, Belgien ist amtierender Eruopameister und gespickt mit Top-Spielerinnen (Emma Meesemann), und die Französinnen begeisterten zuletzt beim Olympischen Turnier zu Hause in Paris und Lille, wo sie die Silbemedaille eroberten (knappe Final-Niederlage gegen die USA).
Deutsche mit Verletzungspech
Ob die deutsche Spielerinnen in diesen Medaillenkampf eingreifen können, erscheint mir doch zweifelhaft. Ausgerechnet vorm Heimturnier sind einige Stars angeschlagen oder müssen gar komplett passen wie die überragende und vielleicht beste Akteurin, Satou Sabally (Gehirnerschütterung). Ob ihre Schwester Nyara fit wird, ist noch nicht sicher, im Vollbesitz ihrer Kräfte wird sie bestimmt nicht sein. Ähnliches gilt für Leonie Fiebich, die gerade von einer Verletzung zurückgekommen ist. Trotzdem erscheint mir das Team absolut wettbewerbsfähig unter anderem mit den WNBA-Profis Frida Buehner und Luisa Geiselsöder an der Spitze.
Der Aufschwung der deutschen Basketballerinnen ist unverkennbar; natürlich nicht ganz so spektakulär wie der der Männer-Weltmeister und -Europameister, aber wer hätte noch vor 10 Jahren gedacht, dass die Frauen bei großen Turnieren nicht nur regelmäßig dabei sind (waren sie zuvor häufig nämlich nicht), sondern auch erfolgreich spielen. Wie eben bei Olympia, als sie sich völlig überraschend in der Vorrunde gegen Belgien und Japan durchsetzten, ehe sie etwas unglücklich im Viertelfinale an Frankreich scheiterten. Nyara Sabally und Leonie Fiebich triumphierten zudem 2024 in der WNBA mit New York Liberty, das haben bisher bei den Männern (in der NBA, versteht sich …) auch nur eine Handvoll Profis geschafft.
Die Frauen haben also einen guten Teil zur Basketball-Begeisterung im Land beigetragen. Die Vorrunden-Partien des Teams in der Halle am Ostbahnhof sind schon längst ausverkauft wie überhaupt das Turnier sehr hohen Anklang findet. Es war eine tolle Idee der Veranstalter, dass sie dieses komprimierte Turnier komplett in Berlin stattfinden lassen. Gespielt wird also in der Halle am Ostbahnhof (mittlerweile schimpft sie sich, glaube ich, Uber-Arena) sowie in der altehrwürdigen Max-Schmeling-Halle.
Das Format
16 Teams haben sich qualifiziert, die von Freitag an in vier Vorrundengruppen je 3 Partien austragen (bis einschließlich Montag, also immerhin je ein Ruhetag, da wäre doch noch was gegangen in Sachen Komprimierung, liebe WNBA). Die Gruppensiegerinnen qualifizieren sich direkt fürs Viertelfinale, die Zweiten und Dritten tragen überkreuz noch eine Zwischenrunde aus. Die 4 Viertelfinali finden am 10. September statt (Donnerstag), Halbfinale und Finalspiele folgen am Wochenende (12./13. September). Diesen Zeitplan sollte man mal Fußballspielern zumuten.
Deutschland trifft zunächst auf Spanien (Fr., 17:45), es folgen die Partien gegen Japan (Sa., 18:00) und Mali (Mo., 17:50). Als Gruppensieger würde das Team im Viertelfinale auf einen Zwischenrundensieger treffen, als Zweiter oder Dritter auf den Dritten oder Zweiten der Gruppe B (Frankreich, Ungarn, Südkorea, Nigeria). Das Viertelfinale ist also auf jeden Fall drin, danach muss man einfach weitersehen.
Zu sehen sind die Partien mit deutscher Beteiligung und ausgesuchte K.-o.-Spiele bei Pro7 und Sat.1 respektive deren Live-Streams. Ansonsten auch per VPN sich internationale Sender suchen …
Antonellis Heimspiel
Der Große Preis von Italien in Monza ist eigentlich eine Ferrari-Angelegenheit. Doch diesmal werden im Autodromo bestimmt viele Azzurri zumindest verschämt auch ihrem Landsmann Kimi Antonelli die Daumen drücken, der mit seinem Mercedes drauf und dran ist, dass er die Fahrer-WM gewinnt (er wäre der erste Italiener seit * (na???). Dabei wird Wehmut aufkommen, dass Antonelli nicht für die Scuderia fährt.
Die ganz große Überlegenheit der McLarens ist zwar dahin (die Konkurrenz hat spätestens die Sommerpause zum Aufholen genutzt), aber mittlerweile hat Antonelli in der WM-Wertung einen komfortablen Vorsprung. 59 Punkte sind es schon auf den Teamgefährten George Russell und Lewis Hamilton im Ferrari, das sind schon mehr als 2 Siege (für den gibt es 25 Zähler) und gleichzeitigem Ausfall. Andererseits ist die Saison noch lang, Monza ist gerade der 13. und 24 WM-Läufen, es wird also gerade die 2. Hälfte eingeläutet, die gerade zum Ende eine unfassbare Terminhatz wird mit 5 Läufen innerhalb von nur 6 Wochenenden.
* Ich musste auch nachschauen: Es war Alberto Ascari 1953 (!), dazwischen unter anderem 3 Finnen, 2 Deutsche und sogar 2 Österreicher.
Leichtathletik-Weltklasse in Brüssel
Schon traditionell ist das Meeting in der belgischen Hauptstadt der Abschluss der Diamond League. Benannt nach Ivo van Damme, einen früheren Weltklasse-Läufer über die Mittelstrecke, der viel zu früh verstorben ist. Gleich über 2 Tage erstreckt sich das Programm, weil jede der 40 Disziplinen zu ihrem Recht kommt. Die versammelte Weltklasse wird am Start sein, sehr spannend wird das Kräftemessen der Eurpameister mit der Welt-Elite. Ob allerdings das Meeting von Zürich mit 2 Weltrekorden getoppt werden kann, steht in den Sternen (zumal die Wetteraussichten mit Regen nicht ideal sind). In Form sind die Damen und Herren jedenfalls, spektakuläre und spannende Wettbewerbe sind quasi garantiert, vielleicht mit den Höhepunkten Stabhochsprung der Männer (Duplantis vs Karalis) und 800 Meter der Frauen (Werro vs Bol).
Und sonst?
- Volleyball: Die EM der Frauen geht in die entscheidende Phase. Heute der Abschluss des Achtelfinals, wo unter anderem das deutsche Team gegen Belgien sich durchaus Chancen ausrechnen darf, obwohl die Vorrunde mit Platz 4 nicht nach Wunsch lief. Bei einem Sieg würden die Deutschinnen höchstwahrscheinlich erneut auf Co-Gastgeberin Türkei treffen, gegen die sie sich in der Vorrunde achtbar schlugen, letztlich aber sich beugen mussten auch wegen der absolut grandiosen Türkin Vargas.
- Pokal: Borussia Dortmund und Titelverteidiger FC Bayern komplettieren die 1. Runde mit ihren Partien bei HEBC Hamburg (Dienstag im Volksparkstadion) und in Osnabrück (Mittwoch). Alles andere als Siege der Bundesligisten wäre eine Sensation.
- Bundesliga: Der 2. Spieltag am Wochenende. Sogenanntes Topspiel ist die Begegnung von Aufsteiger Schalke 04 gegen Titelverteidiger FC Bayern (Sa., 17:30).. Die Münchner sind nach dem 5:1 gegen Stuttgart schon Tabellenführer, ein hoher Erfolg würde einen Start-Ziel-Sieg in Richtung Titel schon ziemlich wahrscheinlich machen.
Stuttgart will die (erwartete) Pleite in München am Freitag zu Hause gegen den 1. FC Köln wieder wettmachen. Borussia Dortmund ist in Hoffenheim gefordert. - Internationale Ligen, England: Meister Arsenal ist mit 2 Siegen in die Saison gestartet, genauso wie der Londoner Stadtrivale FC Chelsea. am Sonntag (17:30) treffen die Teams im Emirates Stadium aufeinander, eine echte Standort-Bestimmung.
Spanien: Schon der 4. Spieltag, und noch sind Barca und Real ohne Punktverlust. Die Madrilenen streben bei Betis Sevilla den 4. Erfolg an (Fr., 20:30), die Katalanen müssen zum FC Valencia. - Basketball: Saisoneröffnung des FC Bayern am Sonntag im BMW-Park (Rudi Sedlmaier-Halle). Neben der Teampräsentation gibt es ein Testspiel gegen Brose Bamberg, es ist eine Art Ablösepartie für Trainer Anton Gavel, der von Bamberg nach München wechselte. Als Basketball-Fan bin ich live vor Ort, nur deshalb erwähne ich das Ereignis …
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