Warum die Champs Champs sind

Erst Real Madrid, dann Novak Djokovik: Samstagabend bis früh in die Nacht durfte der Sportfan mal wieder erleben, dass die wahren Champs wirklich erst dann geschlagen sind, wenn der Schlusspfiff ertönt  oder der Matchball gespielt ist. Leidtragende waren erst Borussia Dortmund und Lorenzo Musetti: Überlegen, doch letztlich den Sack nicht zumachend und am Ende überrollt.

Wer die Chancen nicht nutzt …

Was war das für eine erste Halbzeit des BVB. Praktisch an die Wand spielten die Borussen die Königlichen von Real Madrid, allein es fehlten die Tore. Die beste Chance vergab Karim Adeyemi nach brillantem Zuspiel von Mats Hummels, der jedem Vergleich zum Toni-Kroos-Traumpass gegen die Bayern standhält (did you see that, Mr. Nagelsmann?). Doch er konnte Real-Torwart Thibault Courtois nicht überwinden. Wie überhaupt der Belgier, der nach seinem Kreuzbandriss sein erstes CL–Spiel in dieser Saison bestritt, eine unglaubliche Ruhe ausstrahlte und den Dortmundern den Zahn zog. Außerdem war es fast tragisch, wie wirkungslos die Borussen-Ecken verpufften. Und so ließen die Madrilenen das Angriffs-Feuerwerk, leider aus Borussensicht nicht effizient abgeschlossen über sich ergehen mit dem Wissen, ja Wissen!, dass sie das schon überstehen würden. Da fällt mir ein wenig besserwisserisch ein: Wenn Experten und andere von nicht effektiv sprechen, meinen sie „nicht effizient“. bastian Sick und viele andere haben sich darüber schon länger ausgelassen.

Und fast erwartbar sollte sich der Chancenwucher rächen. Nach der Pause und wahrscheinlich ein paar sehr klaren und treffenden Worten von Trainer Carlo Ancelotti gab es halt dann nicht mehr die sperrangelweiten Real-Lücken in der Abwehr. Mit zunehmender Spieldauer kippte das Geschehen in Richtung Madrid. Und dann zeigte Toni Kroos, wie man eine Ecke schlägt. Scharf und und punktgenau auf den Kopf von Daniel Carvajal, und der nur 1,73 Meter große Verteidiger (ehemals Bayer LeverkusenI überwand Gregor Kobel. Danach zeigte Real seine ganze Königsklassen-Klasse, setzte die Borussen enorm unter Druck sodass Fehler nicht ausblieben. Einen grausamen Fehlpass von Maatsen in der eigenen Hälfte nutzte letztlich Vinicius jr zum 2:0, die Entscheidung, zumal Niklas Füllkrug bei seinem vermeintlichen Anschlusstreffer knapp aber doch eindeutig im Abseits stand.
So durfte Toni Kroos in seinem letzten Real-Spiel sich mit dem insgesamt 6. Champions-League-Titel krönen, so viele hat nur der große Francisco Gento und außerdem auch der gestern eingewechselte Luca Modric.

Die Auferstehung des Djokers

Zum 27. Mal: Ich bin kein Fan von Novak Djokovic, im Gegenteil, ich mag ihn nicht, wegen seiner Art, seiner endlosen Balltipperei beim Aufschlag. Aber ebenfalls zum 27. Mal: Aus für mich leidvoller Erfahrung weiß ich, dass der Serbe wirklich erst bei einem vom Gegner verwandelten Matchball geschlagen ist (Federer Wimbledon-Finale 2019, ein Albtraum). So auch heute Morgen beim faszinierendem Drittrundenspiel der French Open gegen einen zeitweise brillanten Lorenzo Musetti. Die Partie begann aufgrund der Wetterkapriolen erst um 22.40 Uhr Pariser Zeit und endete weit nach 3 Uhr nachts nach mehr als 4 Stunden Spielzeit. Musetti hatte nach verlorenem ersten Satz sich die beiden nächsten Sätze geholt. Da sah Djokovic wie ein wandelnder Leichnam aus, schlurfte nur über den Platz, vermeintlich sich ergebend. „Am Rande einer Niederlage“ sei er, konstatierte Wolle Nadvornik am Eurosport-Mikrofon, und jeder wird diesen Eindruck gehabt haben – wenn es halt nicht der Djokovic wäre.
Und dann? Drückte der Serve den Turbo-Boost wie einst Michael Knight bei bei seinem Wunderauto KITT, der irgendwo in seinem Körper versteckt sein muss. Quasi von einer Sekunde auf die andere war da plötzlich ein springlebendiger Djokovic auf dem Platz, als sei es nicht weit nach Mitternacht, als seien nicht mehr als drei Stunden gespielt. Beim Stand von 2:2 im 4. Satz gelang ihn ein Break, und danach gab es den  besten Djokovic in diesem Jahr, das für ihn bisher so gar nicht laufen wollte. Musetti spielte weiter großartig, doch Djokovic agierte in eigenen Tennis-Sphären, praktisch fehlerlos. Ich streiche für den letzten Satz das „praktisch“. Er verwandelte den ersten Matchball nach 4:32 Stunden, es war 3:20 Uhr. Genau ein Game sollte er in dieser  Zeit trotz erbitterter Gegenwehr von Musetti abgeben. So endete der 5. Satz 6:0, dauerte aber auch 37 Minuten, also gut 6 Minuten per Game. Klar, auch weil es die Spieler mit der Gameclock nicht mehr ganz so genau nahmen. So feierte Djokovic ausgelassen, Musetti bleibt die Ehre, ein großes Spiel geliefert zu haben. Mit einem Sieg hätte er  seinem italienischen Landsmann Jannik Sinner zur Nummer 1 der Weltrangliste verholfen. Der muss das jetzt selbst hinkriegen, indem er wenigstens das Halbfinale in Paris erreicht.

Für Djokovic geht die Reise weiter, und vielleicht war genau dieses Spiel der Schlüssel zu einem doch noch erfolgreichen Jahr. Er hat eindrucksvoll gezeigt, dass er es noch kann, die Frage ist jetzt halt, wie er diesen Kraftakt zu dieser sehr späten Zeit wegsteckt und ob er so was wiederholen kann. Morgen trifft er im Achtelfinale auf den Argentinier Francisco Cerundolo, wir dürfen gespannt sein. Ich persönlich befürchte allerdings bei allem Respekt, dass das eine eher leichte Aufgabe für ihn wird.

 

Was so übrigblieb

Nadals Abschied – für immer?

Roland Garros – das ist Nadal-Terrain. 14-mal hat der Spanier die French Open dort gewonnen, nicht Spiele, sondern das Grand-Slam-Turnier. Ein Rekord für die Ewigkeit.
Jetzt ereilte ihn am Montag das Erstrunden-Aus, zum ersten Mal in seiner Karriere. Klar, er ist älter geworden und die Verletzungen sind kaum mehr alle aufzuzählen. Hüfte, Bauchmuskel, Knie, Arm, der Kuckuck weiß, was noch alles. Und dennoch: Egal in welchem Zustand Rafa dort antritt, es darf viel erwartet werden. Nun ergab das Erstrundenlos ausgerechnet einen der zurzeit heißesten Spieler der Tour: Alexander Zverev. Und obwohl Nadal wahrscheinlich das beste Tennis seit zwei Jahren auspackte, als er zum letzten Mal in Paris triumphierte, es reicht nicht. Nadal bezog beim 20. Antreten erst seine vierte Niederlage. Zweimal verlor er gegen Novak Djokovic, einmal gegen Robin Söderling 2009, immer noch völlig unerklärlich, und jetzt eben gegen Zverev. Ich wage die Behauptung, dass Nadal gegen 90 Prozent der möglichen Gegner gewonnen hätte.
Und für Zverev schließt sich der Kreis. Eben 2022 spielte er das schon epische Spiel im Halbfinale der FO gegen Nadal: Nach 3 Stunden waren noch nicht einmal 2 Sätze gespielt, als Zverev im Tiebreak schwer umknickte und sich alle Bänder im Fuß riss. Vielleicht/wahrscheinlich/sicher/ganz sicher (sucht es euch aus) hätte Zverev gegen den ermüdenden nadal gewonnen und dann auch das Finale gegen Christian Ruud. Es sollte nicht sein.
Doch es war keine Revanche, dazu haben sich die Vorzeichen zu sehr geändert. Zverev zeigte im Sieg Größe, überließ Nadal die Bühne für dessen Publikum, das viel versuchte, um „seinen“ Rafa zum sieg zu brüllen. Nadal bedankte sich, ein Hintertürchen für die French Open ließ er offen, zumindest lässt er seine Jünger hoffen. Auf jeden FAll aber wird er im Sommer bei Olympia an seinen liebsten Sportplatz zurückkommen, wobei ich über die Qualifikations-Modalitäten oder eventuelle Wildcards noch nicht schlau werde.

Verdammte Relegation

Es sah tatsächlich danach aus, als würde Fortuna Düsseldorf den Zweitliga-Fluch durchbrechen und sich gegen den Bundesliga-16. VfL Bochum durchsetzen. 3:0 im Hinspiel im Ruhrstadion – was sollte da da zu Hause passieren. Nun, es passierte ein völlig verwandelter VfL und eine zaghafte Fortuna. 1:0 stand es zur Pause, noch kein Beinbruch, aber die Neven … Ein Doppelschlag der Gäste innerhalb von zwei Minuten stellte Mitte der 2. Halbzeit den Gesamtstand wieder auf Unentschieden. Danach wagte niemand auf Teufel komm raus die Entscheidung, und so musste das Elferschießen  den 18, und letzten Bundesligisten für die Saison 24/25 ermitteln. Auch hier ging es in die Verlängerung, weil auf beiden Seiten von der ersten Fünf ein Schütze am gegnerischen Torwart scheiterte. Wobei die Bochumer Versuche deutlich sicherer wirkten als die der Fortunen. Und sie hatten zudem den Vorteil, immer vorlegen zu dürfen. Kein ABBA, sondern ABAB, wie leider üblich. So kam es, wie es kommen musste. Dem 7. Düsseldorfer SchützenTakashi Uchini versagten die Nerven, und er jagte den Ball Uli-Hoeneß-Like nicht in den Belgrader, aber in den Düsseldorfer Nachthimmel. Er brach zusammen, und war natürlich untröstlich, obwohl viele Düsseldorfer zum Trösten kamen. Brutaler kann sich Fußball nicht zeigten. Die Fortuna-Fans zeigten Größe, blieben leise trauern auf ihren Sitzen und stürmten eben nicht den Platz.

Verdammte Relegation, habe ich getitelt. Ich bin klarer Gegner dieser elendigen Regelung, und im Elferschießen erst recht. Drei Absteiger, drei Aufsteiger – so müsste es sein. Es mag ja unterhaltsam für die neutralen Zuschauer sein, sich am Glück (und vor allem Unglück!) anderer zu weiden, aber braucht es nach so einer langen Saison wirklich noch zwei zusätzliche, die eine ganze Spielzeit ad absurdum führen. Auf keinen Fall aber darf eine solche Entscheidung im Elferschießen fallen. Die Fallhöhe, mit einem einzigen Fehlschuss eine ganze Saison kaputtzumachen, ist einfach zu hoch. Viel schlimmer, als in einer K.o.Runde zu scheitern.
Den Düsseldorfern bleibt der gar nicht so kleine Trost, dass die 2. Liga von den Namen her extrem attraktiv daherkommt. Sie war ja schon in diesem Jahr höchst unterhaltsam, und jetzt kommt noch der Rheinrivale 1. FC Köln dazu.

Was so übrigbleibt

Einen Tag pausiere ich, und schon überrollt mich das Sportgeschehen. Bayers Serienende, Bayern Trainersuche, Eishockey-WM, Basketball-Play-offs. Und am Wochenende volles Programm mit Pokal, Motorsport in Indy und Monte and so on

Serientäter vorgeführt

Nichts ist aus Bayer Leverkusens perfekter Saison geeworden. Im Europa_league-Endspielin Dublin fand die Werkself mit Atalanta Bergamo ihren Meister. Chancenlos war der Deutsche Meister gegen das Dauerpressing der Italiener, der sie zu ungeahnten und folgeschweren Fehlern zwang. Sicher: Bayer hatte nicht den besten Tag, aber das lag halt an der von Trainer Piero Gasperini glänzend eingestellten Bergamasken, die ihren ersten internationalen Titel holten. Mann des Spiels war Antionio Lookman mit drei blitzsauberen Toren.
Bayer bleibt der Trost der Meisterschaft und das Pokalfinale am Samstag in Berlin, wo es gegen den 1. FC Kaiserslautern haushoher Favorit ist. Bergamo kann in der Serie A noch Vierter werden und somit der AS Roma die Champions League kaputtmachen.

Fündige Bayern?

Die unendlich anmutende Trainersuche hat des FC Bayern hat den nächsten angeblich sicheren Kandidaten hervorgebracht. Vincent Kompany soll  sich mit den Münchnern einig sein, jetzt müssen die „nur“ noch mit Kompany derzeitigem Club FC Burnley einig werden. Dieses „nur“ kann aber noch ein bösartiger Stolperstein werden, denn der Absteiger aus der Premier League hat mit dem Ex-HSV- und Ciy-Profi noch einen Vertrag bis 2028, offenbar ohne Ausstiegsklausel. Es ist also auf jeden Fall eine Ablöse fällig, kolportiert wird gerade, dass Burnley so 20 Millionen Euro (Pfund?) aufzurufen gedenkt, und die Verzweiflung der Münchner, endlich zu Potte zu kommen, macht die Sache bestimmt nicht einfacher. Zumal der Tegernsee (Hoeneß) schon grollt, mit Ablösen für Trainer nach den unguten Erfahrungen mit Nagelsmann (25 Mios an RB Leipzig) bitte (=unbedingt) bitte sparsamer umzugehen.
Unterhaltsame Fortsetzung folgt, gerne auch hier zu verfolgen.

Vizeweltmeister draußen

Die deutschen Eishackler haben das Halbfinale bei der WM in Tschechien dieses Mal verpasst. Das 1:3 gegen die Schweiz, zuletzt ein Lieblingsgegner, war trotzdem aller Ehren wert. Hier die Schweizer mit absoluten NHL-Stars wie der grandiose Verteidiger Roman Josi oder der gegen Deutschland zweimal erfolgreiche Nico Hischler, dort die Deutschen, wo die ibei der WM 2023 so überragenden Moritz Seider und Tim Stützle fehlten, von einem Leon Draisaitl, der mit den Edmonton Oilers im NHL-Halbfinale steht, will ich gar nicht erst reden.
Die Schweiz wird morgen im Halbfinale auf Kanada treffen, das sich gegen die Slowakei deutlich mit 6:3 durchsetzte. Das andere Semifinale bestreiten Tschechien (1:0 gegen die USA) und Schweden (2:1 OT gegen Finnland, seufz).

Alba marschiert

Die Berliner stehen nach 3 souveränen Siegen gegen die Telekom Baskets Bonn im Halbfinale der BBL, wo sie auf die Niners Chemnitz treffen, die sich gegen Rasta Vechta mit einiger Mühe mit 3:1 durchsetzen. Heute können die Bayern in Ludwigsburg (2:1) und Würzburg gegen Titelverteidiger Ulm (2:1) nachziehen. Ein Siel 5 würde jeweils am Sonntag stattfinden.
Zumindest die europäischen Basketball-Fans werden mit mehr als einem Auge nach Berlin schauen, wo in der Arena am Ostbahnhof das Final Four der Euroleague stattfindet. Heute im Halbfinale Panathinaikos – Fenerbahnce und Olympiakos – Reaal Madrid. Finale und vorher Spiel um Platz 3 am Sonntag.

Wagner kann auch Judo

Wahrscheinlich auch der Basketball-Franz. Auf jeden Fall sicherte sich die Ravensburgerin Anna Maria Wagner in der Kategorie -79 kg zum zweiten Mal den WM-Titel nach 2021 und ist Deutschlands erste Doppelweltmeisterin. Gleichzeitig sicherte sie sich in der beinharten nationalen Qualifikation den Platz für Olympia. Wie ich mir von einem Experten sagen ließ, viele Grüße an Elias Frank, ist die Klasse die dichteste bei den Frauen, auch international.

Und sonst? (Vorschau und Rückschau)
– Hammerlos für Zverev: Der Hamburger hat bei den French Open ab Sonntag die zweifelhafte Ehre, gleich zum Auftakt den 14-maligen Champion Rafael Nadal zu fordern, der ja in diesem Jahr auf Abschiedsturnee ist. Auch wenn der Spanier nicht mehr in Topform ist, rein körperlich – Nadal auf Sand und das auch noch im Wohnzimmer Roland Garros, das ist ein Kapitel für sich. Einzig Robin Söderling 2009, wofür ihn der spätere Turniersieger Roger Federer auf ewig dankbar sein müsste) und zweimal Novak Djokovic konnten ihn überhaupt auf der Pariser Asche bezwingen. Zverev war vor zwei  Jahren im Halbfinale (vielleicht?) dicht davor, bevor er seinen schweren Bänderriss erlitt. Zumindest stimmt seine Form, wie der Turniersieg beim Masters in Rom belegt.
– Bochum praktisch abgestiegen: Im Relegations-Hinspiel kassierte der VfL eine empfindliche 0:3-Niederlage zu Hause gegen Fortuna Düsseldorf. Schwer vorstellbar, dass sie das am Montag in Düsseldorf drehen können.
– Littlers Durchmarsch: Bei seiner ersten Teilnahme an der Premier League im Darts und in seiner ersten Profisaison überhaupt gewann der 17-Jährige souverän. In einem hochklassigen  Endspiel am Donnerstag in London setzte er sich in einer Neuauflage des WM-Finals gegen Weltmeister Luke Humphries mit 11:7 Legs durch. Er schaffte einen Schnitt von 105 (Humphries auch tolle 102)
– Motorsport satt: Es stehen am Sonntag an: die Klassiker Indy 500 und der Grand Prix von Monaco. Außerdem MotoGP in Barcelona und DTM am Lausitzring.
– Pokalteilnehmer gesucht: Wie immer am Pokalwochenende gibt es den sogenannten Tag der Amateure mit den Landespokalendspielen zu verschiedenen Anstoßzeiten in allen Verbänden. Die ARD ist wie immer live dabei.
– Manchester-Derby: Pokalfinale auch in England wie immer in Wembley zwischen den Manchester-Clubs City und United. City kann das Double fixieren, United mit einem Sieg die desaströse Saison retten, der dann auch die Europa League Qual für die nächste Saison bedeuten würde.

Jürgen Klopp: So geht Abschied

Als im Januar Jürgen Klopp bekanntgab, er wolle Ende der Saisonals Trainer beim FC Livepool aufhören, weil er keine Kraft mehr haben, war die Trauer bei den Reds groß, man konnte es sich nicht vorstellen. Immerhin: Alle hatten Zeit genug, sich auf den Abschied vorzubereiten und alle Beteiligten (nicht zuletzt Klopp selbst) haben diese Zeit bestens genutzt: Es waren großartige Momente  an der legendären Anfield Road.

Gestern war es also soweit, das letzte Spiel der Reds unter Klopps Ägide. Es ging um nichts mehr, und das war auch gut so,  auch wenn Pool gerne noch im Meisterschaftsrennen gewesen wäre oder den Titel gar gewonnen hätte. So geriet die Partie zur Nebensache, weil auch Gegner Wolverhampton Wanderers den erstrebten Klassenerhalt längt gesichert hatte. Kein bangender Blick zu anderen Spielständen, alle konnten auf den Abschied konzentrieren. Unzählige Plakate teils sogar in Schwarz-Rot-gold waren zu sehen. „Thank you, Boss“ stand drauf oder „Thank You Jürgen“, sogar mit den für Angelsachsen untypischen Punkten überm „U“. Und sie sangen die Lieder für ihren Jürgen, vor allem immer wieder das Jürgen-Klopp-Lied nach der Beatles-Melodie „I Feel Fine“.
„Jürgen said to me, you know / We win the Premier League, you know / He said so / I’m in love with him and I feel fine / I’m so glad that Jürgen is a Red / I’m so glad he delivered what he said“.
Eine Liebeserklärung der Fans, des Clubs, ja der ganzen Stadt, die Klopp seit Oktober 2015 im Sturm erobert hat. Lassen wir die Versprengten, die zum Lokalrivalen FC Everton halten, gnädig außen vor.
Sogar das Wetter außergewöhnlich schön mit strahlendem Sonnenschein, als wolle sich Petrus persönlich für die oft so grauen sturmgepeitschten Tage am Merseyside entschuldigen. Nach dem Schlusspfiff (für Statistiker 2:0 für Liverpool) eilte Klopp nach ersten Gratulationen und Umarmungen erst mal in die Katakomben; um sich zu sammeln, zu begreifen, was da alles auf ihn einprasselt. Ich musste an Dirk Nowitzki nach dem NBA-Triumph für Dallas 2011 denken.
Und dann wurden alle einzeln vomn Club herausgeholt, die den Verein verlassen. Erst die Spieler, der begnadete Thiago, leider so oft verletzt, Joel Matip, den Klopp 2016 zu den Reds geholt wurde und sich dort zu einem Klasse-Verteidiger entwickelt hat. Es folgte der gesamte Trainerstab, der ja geschlossen mit Klopp den Club verlassen wird.
Und dann der Meister selbst. Über das ganze Gesicht strahlend, die markanten Zähne zeigend. Ein rundum glücklicher Mann. Und er reagierte wie so oft groß, lobpreiste das Team, die Zeit, die Stadt, den Brexit (äh nein!). Und auch wenn er jetzt geht, er wird nicht nur sprichwörtlich weiter einen Koffer in Liverpool haben. Dort wo er zu den ganz großen Legenden aufgestiegen ist, zu den immer noch heiß geliebten und verehrten Bill Shankley und Bob Paisley.

Doch sein Leben geht ja weiter, erst mal mit einer längeren Pause, die er mit seiner Frau Ulla zu verbringen gedenkt und vielleicht tatsächlich mit seligem Nichtstun. Doch mit seinen 56 Jahren und vor allem seinem Tateendrang ist er zu jung für den endgültigen Ruhestand, und da stellt sich mir ernsthaft die Frage, welchen Verein er nach diesen Gefühl-Overkill noch trainieren will. In England? Undenkbar. In Deutschland? Nach Borussia Dortmund, wo er ja (fast?) genauso verehrt wird. Klar, der FC Bayern wäre eine Option, aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Nicht der Dortmunder Erzrivale, nicht der großkopferte Mia-san.mia-Verein. Nicht jetzt und auch nicht in einem Jahr oder später.

Also Spanien oder Italien. Der Barcelona, das wäre schon reizvoll, das mit der Sprache würde schon hinhauen, aber irgendwie passen diese Super-Großclubs wie Barca, Real, Milan und Juve nicht zu Kloppo. Am ehesten noch Inter.
Oder zwei verwegene Ideen: Athletic Bilbao, enorm viel Tradition und Begeisterung, der immer noch nur baskische Spieler zulässt, aber eben auch nicht-baskische Trainer wie einst Jupp Heynckes, der dort zum Spitzencoach reifte. Aber halt doch recht weit von der absoluten Spitze. Und dann wäre da noch der HSV. Der ja Ende der Nuller-Jahre schon drauf und dran war, ihn als Trainer zu verpflichten und nicht verstummenden Gerüchten nach vor allem deshalb drauf verzichtete, weil ihnen Kloppos Fünf-Tagesbart und die zerrissenen Jeans nicht gefielen. Darüber würden sogar die edlen HSVer heute großzügig hinwegsehen, aber auch nur vielleicht.

Jetzt muss Klopp erst mal diese unfassbare kollektive Liebesbezeugung verarbeiten, nicht abheben (er neigt ja zur Besserwisserei). Und dann wird er schon wieder irgendwo auftauchen, vielleicht als Sportdirektor, wieder Fernse-Experte, aber wahrscheinlich da, wo ihn jetzt keiner vermutet.

Was so übrigbleibt

Unendliche Trainersuche

Jetzt hat also Thomas Tuchel abges

Unendliche Trainersuche

Jetzt hat also Thomas Tuchel abgesagt bei den Bayern. Besser gesagt, die Ansage der Münchner vom, ihn zum Saisonende seiner Trainerpflichten zu entbinden, bestätigt. In ihrer langsam verzweifelten und deshalb für Nicht-Beteilige so unterhaltsamen Trainersuche kursierte zuletzt ernsthaft die Idee, es noch einmal mit dem Trainer zu versuchen. Offenbar haben die Vorstellungen in der Champions League, in denen die glänzend gecoachten Bayern nur unglücklich an Real Madrid gescheitert sind, zumindest bei einigen Verantwortlichen und vor allem bei der Mannschaft großen Eindruck hinterlassen. Aber jetzt erinnerte sich Thomas Tuchel offenbar der schmachvollen Suspendierung, an die Worte des Ehrenpräsidenten Uli Hoeneß, der ihm vorwarf, er könne und wolle junge Spieler nicht entwickeln und blies heute die Ideen in den Wind. Seine Zukunft sieht er in England. Oder gar Katalonien, weil dort der FC Barcelona plötzlich doch nicht mehr mit Xavi nächstes Jahr weitermachen will? Zwei planlose Vereine sind da zu beobachten.

Mir fehlt mittlerweile jegliche Idee, wer den Trainerjob bei Bayern übernehmen kann und auch dazu bereit ist. Das Problem ist vor allem, dass dort mindestens fünf Menschen sich auf einen Kandidaten einigen müssen; von einem Plan, ob, wie und wie stark der personelle Umbruch bei den Spielern werden soll, ist nichts ersichtlich. Gegensätzlichere Kandidaten wie Alonso, Nagelsmann und Rangnick sind auch bei intensivster Suche kaum aufzufinden. Und spätestens jetzt weiß jeder Kandidat, dass er bestenfalls fünfte oder sechste Wahl ist.

Österreichische Eishockey-Wunder

Seit gut einer Woche läuft die WM in Tschechien, und mittlerweile reden alle über Team Austria. Es begann negativ-normal mit einem 1:5 gegen Dänemark. Schon das knappe 5:6 gegen die Schweiz ließ aufholen. Die Partie gewannen die Eidgenossen nur durch ein Überzahltor in der Schlussminute, und über die Berechtigung der Strafe lässt sich schon schön streiten.
Und dann das Spiel am Dienstag gegen Kanada. 1:6 lagen die Ösis nach dem 2. Drittel zurück, man musste eine zweistellige Klatsche befürchten. Und dann? Schoss Österreich ein Tor nach dem anderen und in der Schlussminute durch NHL-Profi Marco Rossi den Ausgleich. 5 Treffer im letzten Drittel aufzuholen, das hat in der Geschichte der WM noch nie ein Team geschafft. In der Eishockey-Bundesliga hat es das mal gegeben, als die Berliner Preussen beim EV Landshut (long, long away) sogar ein 0:7 in ein 7:7 verwandelten. Da es Unentschieden im Eishockey jetzt nicht mehr gibt, entschied die Overtime, und gegen völlig euphorisierte und deshalb sehr nachvollziehbar unkonzentrierte Österreicher erzielte Joel Tavarez bereits nach 15 Sekunden den Siegestreffer.
Nicht zu toppen? Oh doch. Gestern gegen Finnland. Noch nie hatte ein Team Austria gegen die Suomis gewonnen (bei 20 Versuchen sprangen gerade zwei Remis heraus), und früh waren diese mit 2:0 in Führung gegangen. 2:0 – pah. Den Österreichern gelang durch einen Bilderbuchangriff der Anschlusstreffer. Der vermeintliche Ausgleich durch einen brachialen Schlagschuss wurde wegen Torraumabseits aberkannt (vertretbar). Er fiel dann kurze Zeit später und Baumgartner gelang in der Schlusssekunde gar der Siegestreffer. Exakt 0,2 Sekunden vor der Sirene überquerte der Puck die Torlinie, wie dann auch das Videostudium klar zeigte.
Angetreten waren die Österreicher wie so oft, um nur den Klassenerhalt in der A-Gruppe zu sichern. Dieser dürfte kaum noch gefährdet sein. Heute muss Austria erneut ran in Prag, gegen Gastgeber Tschechien. Ich will es kaum schreiben, aber mit einem Sieg wäre plötzlich das Viertelfinale ganz nah.

Fußball-Fans, die merkwürdigen Wesen

Gerade gegen Ende der Saison werden die dem Fußball zugeneigten Menschen (m/w/d) noch wundersamer als ohnehin schon. Zu beobachten etwa in Köln, als nach dem wundersamen Siegtreffer des FC gegen 1. FC Union ein ganzes Stadion vor Freude weinte. Dabei ist die Rettung, sprich Klassenerhalt immer noch sehr, sehr weit weg.

Okay, kennen wir. Wiederholt sich ähnlich Jahr für Jahr. Doch das, was am Dienstag die Fans von Tottenham veranstalteten, war in dieser Qualität neu. Zumindest ein erheblicher Teil der Fans drückte nämlich im eigenem noch immer sehr neuen Stadion nicht den Spurs die Daumen, sondern dem Gegner. Der nämlich kann dem Nordlondoner Erzrivalen Arsenal noch die Meisterschaft entreißen. Dass das eigene Team selbst einen Sieg dringend gebraucht hätte, um noch einen nukrativen Champions-League-Platz zu ergattern, interessierte diese Fans nicht, was Spurs-Spieler und den Trainer sichtlich irritierte. Aber lieber erträgt viele Tottenhamer eine königsklassenlose Saison im nächsten Jahr, als den meisterschaftstrunkenen Arsenal-Fan in der U-Bahn oder gar im Gemeinschaftsbüro zu ertragen. Das Sehnen wurde erhört. Als Spurs-Stürmer Son mit einer hundertprozentigen Chance kurz vor Schluss am formidabel reagierenden deutschen Torwart Stefan Ortega (ein Ex-Löwe, seufz) scheiterte, war der City-Triumph gesichert. Witzig war dann schon mit anzuhören wie ein Teil der Spurs-Fans enttäuscht aufstöhnte und der andere Teil erleichtert aufatmete.
Dank der 3 Punkte hat es City zu Hause gegen West Ham, noch ein Club aus London, in der Hand, mit einem Sieg sich den Titel zu sichern.

 

Das wird die Woche, die wird, Fußball

Fußball-Rechnereien

Schafft der FC das zweite Wunder?

Der letzte Bundesliga-Spieltag am Samstag, tatsächlich alle Spiele zur gleichen Zeit, steht ganz im Zeichen des Abstiegskampfes. Vier Teams sind noch involviert

1. (Und 2.) Der VfL Bochum und Mainz 05 können nicht mehr direkt absteigen. Um auch die Relegation sicher zu vermeiden, brauchen sie bei Werder Bremen respektive beim VfL Wolfsburg jeweils einen Punkt (ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass der 1. FC Union nicht mit 12 Toren Unterschied gegen Freiburg gewinnt.
3. Der 1. FC Union braucht einen Punkt, um den sicheren Abstieg sicher zu entgehen. Wenn die Berliner gewinnen, vermeiden sie die Relegation nur, wenn Bochum oder Mainz verlieren. Verlieren sie, sind sie in der Relegation oder steigen gar direkt ab, wenn der 1. FC Köln gewinnt und im Torverhältnis 4 Treffer aufholt.
4. Der 1. FC Köln kann den sicheren Klassenerhalt nicht schaffen. Um wenigstens die Relegation zu erreichen, muss er in Heidenheim gewinnen und 4 Tore gegen Union aufholen, das velieren muss

Es gibt noch einen rechnerischen Kampf um Platz 6, der ja für die Champions League berechtigen würde, wenn Borussia Dortmund am 1. Juni das Endspiel gegen Real gewinnt. Eintracht Frankfurt spielt zu Hause gegen RB Leipzig, 1899 empfängt den FC Bayern. Eintracht führt mit 3 Punkten und 3 Toren. Platz 6 und 7 sind sichere Europapokal-Plätze. Alle Verantwortlichen werden sehr erleichtert sein, dass Leipzig sicher Platz 4 inne hat, von den Dortmundern nicht mehr eingeholt werden können. Das erspart gerade der Eintracht viel Kopfzerbrechen, ob man gar freiwillig gegen Leipzig verliert.

Wenn Dortmund gegen Real gewinnt
– berechtigt Platz 6 zur Champions League
– berechtigt Platz 7 zur Europa League oder Conference League, wenn Kaiserslautern gegen Leverkusen Pokalsieger wird
– Platz 8 zur Conference League, wenn kaiserslautern verliert.

wenn Dortmund verliert
– berechtigt Platz 6 zur Europa League,
– Platz 7 zur Europa League, wenn Lautern verliert oder Conference League, wenn Lautern verliert
– Platz 8 zur Conference League, wenn Lautern verliert.

Eintracht ist mit einem Punkt sicher Sechster
Hoffenheim in diesem Fall mit einem Sieg sicher Siebter
Hoffenheim mit einem Remis 7., wenn Freiburg bei Union nicht gewinnt
Freiburg 7., wenn es gewinnt und Hoffenheim nicht gewinnt
Freiburg 8. bei einem Remis oder einem Sieg und einem Hoffenheimer Sieg
Chancen auf Platz 8 haben bei einer Freiburger Niederlage mit 3 Punkten dahinter die punktgleichen 1. FC Heidenheim (Torverhältnis 46:54), FC Augsburg (49:48) und Werder Bremen (44:53)

Fernduell Wehen-Wiesbaden – Rostock

In der 2. Liga ist oben alles entschieden bis auf die Frage, ob St. Pauli oder Kiel Platz 1 holen und damit die Radkappentrlophäe. Düsseldorf ist sicher in der Relegation. Im Abstiegskampf geht es zwischen Wehen-Wiesbaden und Hansa Rostock nur noch um Platz 16 und 17. Wehen hat einen Punkt mehr und das bessere Torverhältnis. Hansa bräuchte also einen Sieg zu Hause gegen Paderborn und einen Nichtsieg von Wehen.

Arsenal oder City

Auch in England steht am Sonntag der letzte Spieltag an. Zuvor allerdings gibt es heute für den Meisterkampf eine eminent wichtige Partie, wenn Manchester City sein Nachholspiel bei den Tottenham Hotspur bestreitet. Gewinnt City, würden sie mit zwei Punkten auf Arsenal ins letzte Heimspiel gegen West Ham gehen. Arsenal empfängt gleichzeitig den FC Everton. Spielt City Unentschieden, wären beide Teams punktgleich , aber Arsenal hätte dann eine um +2 bessere Tordifferenz, allerdings mit weniger geschossenen Toren. Verliert City gar, könnte Arsenal mit einem Heimsieg egal in welcher Höhe die Meisterschaft sichern. Tottenham selbst hat noch Interesse am Punkten. Mit einem Remis würden die Londoner Platz 5 und die Europa League sichern. Mit einem Sieg noch die Chance im Kampf um den letzten Champions-League-Platz gegen Aston Villa zu wahren.

Schafft Sturm die Ablösung?

Auch in Österreich wird die Meisterfrage am letzten Spieltag entschieden. Sturm Graz hat 2 Punkte Vorsprung auf RB Salzburg. Es braucht also ein Punkt im letzten Spiel gegen Austria Klagenfurt um den Titel zu sichern . Bei einem Remis oder  Niederlage und einem Salzburger Sieg gegen den LASK würden die Steirer noch abgefangen werden. Es wäre tragisch.