Endlich kam das vertraute Grünwalder-Stadion-Feeling auf. Das Flutlicht brannte, der Regen prasselte, und auf dem Platz sowie auf den Rängen tobte das Leben. Gekommen war am Dienstagabend die SpVgg Bayreuth, eine durchaus gute Mannschaft und mit ihr auch einige Fans aus Oberfranken.

Schon vor dem Anpfiff galt es allerdings für alle in der Löwen-Familie, einen großen Schock zu verdauen. Denn die Verletzung, die sich der herausragende Mittelfeldmann Tunay Deniz am Samstag in Illertissen zugezogen hat, zwingt ihn zu einer langen Pause. Eine genaue Diagnose will der Verein zwar „aus Datenschutzgründen“ nicht verkünden, aber den 32-Jahren hat es nach dem Kreuzbandriss vor einem Jahr wieder am Knie erwischt; nach übereinstimmender Berichte der in dieser Hinsicht meist gut informierten „Abendzeitung“ und „Bild“ muss er operiert werden – es droht das Saison-Aus.

Deniz war bisher in der Saison der mit Abstand auffälligste Akteur – mit viel Übersicht, großartiger Technik. Die er bei einigen sehenswerten Treffern Marke „Tor des Monats“ auch in zählbaren Erfolg ummünzen konnte.

Ich will mich gar nicht allzu lange allzu lange mit dem Spielbericht aufhalten (im Nachinein gesehen: offenbar doch …). Die Löwen gingen in de 1. Halbzeit durch einen Kopfball von Michael Eberwein nach feinem Eckball in Führung, die bis zur Pause Bestand hatte. Wobei ihnen gerade in den letzten zehn Minuten der Zugriff auf die Partie verloren ging.

Nach dem Wechsel unterliefen dem jungen Lasse Fiedler (19) binnen kürzester zeit zwei dumme wie klare Fouls, für die er jeweils zurecht die Gelbe Karte sah, also Gelb-Rot (64.). Sechzig eine halbe Stunde in Unterzahl, und als für die Gäste Patrick Scheder recht schnell ausglich (69.), schwante mir wie dem Rest der Fans Böses. Das konnte doch gar nicht gut gehen.

Tatsächlich gerieten die Löwen gehörig unter Druck, doch bei einem der wenigen Entlastungs-Angriffe gab es Freistoß aus aussichtsreicher Position, zentral, 20 Meter vorm Tor. Da wäre jetzt was für den Deniz, dachte ich und war bestimmt nicht allein mit diesem Gedanken. Nach kurzer Diskussion mit Stürmer Florian Niederlechner lief Eric Uhlmann an und versenkte den Ball unhaltbar in die Maschen. Grenzenloser Jubel auf den Tribünen (bis auf die Schar der Bayreuther, die die Schönheit des Treffers sicher nicht genießen konnten).

Es folgten die bisher spannendsten und ergreifendsten (großes Wort, ich weiß) Minuten für mich seit meiner „Rückkehr“ ins Grünwalder. Der Grund, warum ich dort auch in der Regionalliga unbedingt hingehen wollte. Leidenschaft pur auf dem Rasen, wo die Löwen in Unterzahl fast verzweifelt kämpften. Lautstark unterstützt von den Fans: Die Stehhalle, die  hauptsächlich eine Sitztribüne ist, wurde ihrem Namen gerecht. Niemand saß, jeder feuerte an, alle litten. Spiel auf ein Tor, nämlich das der Löwen. Wirklich gefährliche Szenen gab es zwar nicht, aber gerade Vitus Eicher ließ mir öfter das Blut in den Adern gefrieren. Der Schlussmann hat offenbar beschlossen, Flanken vor sein Tor zu ignorieren (sie also nicht per Heruaslaufen zu klären). Vielmehr verlässt er sich auf seine immer noch hervorragenden Reflexe auf der Linie. Irgendwie verständlich, er hatte hat seine aktive Karriere schon beendet und war nicht mehr in bester körperlicher Vergfassung, bevor ihn vor der Saison der Ruf der Neuanfang-Sechzger in Not  ereilte. Aber nicht sonderlich gut fürs Nervenkostüm der Fans. Irgendwie ging es gut …

Endlich waren dann auch die gut vier Minuten Nachspielzeit zu Ende, und der insgesamt hervorragende Schiedsrichter pfiff die Partie ab. Die Spieler sanken erschöpft zu Boden, die Fans jubelten begeistert. Das Leiden hatte sich also gelohnt, die Löwen bleiben oben dran. Noch ist es viel zu früh, die aktuelle Tabellensituation nähe zu erörtern. Nur so viel: Der Wiederaufstieg ist absolut im Bereich des Möglichen, trotz des Fehlens von Deniz.

 

Schreck in der „Garderobe“

 

Das alles hatte ich ohne Rucksack erlebt, den ich leichtsinnigerweise mitgebracht hatte. Denn obwohl er sehr klein ist, er war nicht klein genug, damit er von den Kontrolleuren durchgewinkt wurde, obwohl ich mein Glück bei einigen Aufsichts-Personen versuchte. Also zur Aufbewahrungsstelle, ziemlich weit entfernt hinter der Stehtribüne, wo tatsächlich eine junge Frau in einem Kabäuschen saß. „Fünf Euro, bitte nur mit Karte“, verlangte sie. „Abholen bis spätestens 45 Minuten nach Schlusspfiff.“ Wenn ich nicht pünktlich sei, ergänzte sie auf Nachfrage, müsse ich bis zum nächsten Heimspiel warten.
Nach der Partie ohne schuldhaftes Zögern der Weg zum Kabäuschen und das „Auslösen“ des guten Stücks, das sich auch schnell fand. Nur die von mir vielleicht sehr naiv erwartete Rückzahlung der 5 Euro, die fand nicht statt. „Sie sind nicht der erste, der sich beschwert, ich mach nicht die Preise, das ist Vereinspolitik“, bat die junge Frau um Verständnis. Habe ich zwar in gewisser Weise, weil die Löwen jedes Geld dringend brauchen können. Aber 5 Euro fürs bloße und noch dazu unfreiwillige Unterstellen irgendwo im Nirgendwo? – das sind Preise, die ich noch nicht einmal in der Münchner Philharmonie bezahle. Bisher zumindest …

 

Jetzt gegen die „kleinen“ Bayern

 

Am Sonntag folgt schon das nächste Heimspiel. Es geht gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern, und erwartet wird eine extrem hitzige Partie. Auf dem Platz und auf den Rängen. Die Rivalität der beiden Münchner Teams ist legendär, und da tut es auch nicht den geringsten Abbruch, dass für den FCB nicht die Superstars Olise, Kane und Co auflaufen, sondern nur ein Nachwuchsteam. Zumal dessen Spieler  top ausgebildet sind und zudem extrem ehrgeizig und ambitioniert. Denn jeder will natürlich mal in der 1. Mannschaft spielen oder wenigstens bei einem anderen Bundesligisten. Bisher klappte es für die „kleinen“ Bayern in der Regionalliga nicht besonders (Platz 13), doch das besagt für Sonntag nichts.
Ich freue mich sehr auf mein erstes Derby live vor Ort seit Jahrzehnten, und der Rucksack bleibt zuhause – ganz bestimmt.