Bisher hat Jürgen Klopp so getan, als ginge ihn der Ausgang der ersten Spiele seiner Amtszeit als Bundestrainer nichts an, als interessierten ihn die Ergebnisse nicht. Obwohl diese Partien sogar zu einem offiziellen Wettbewerb gehören, der mehr oder weniger wohlgelittenen Nation League. Klopp tat jedenfalls einiges, um das Desinteresses zu verdeutlichen: die 44 berufenen Profis, die ohne große (zumindest mir erkennbare) Logik in zwei etwa gleichstarke Teams aufgeteilt wurden, die jeweils zwei Partien bestreiten sollten. Das lustige Wechselspiel, vor dem nicht mal der nominelle Kapitän Joshua Kimmich gefeit war, der nach 2 Spielen abreisen musste wie eben der Großteil des 1. Teams. Man durfte Klopp abnehmen, dass die vier Spiele Ende September/Anfang Oktober wirklich nur ein Casting unter Wettkampf-Bedingungen seien. Dementsprechend zahm fielen die Reaktionen und Kritiken nach dem eher desaströsen 0:1 gegen Griechenland aus.
Jetzt aber ist plötzlich alles ganz anders. Heute Abend steht in Thessaloniki das Rückspiel gegen Griechenland an. Da will Klopp keineswegs verlieren, wie er bekannte. Denn eine Niederlage würde wahrscheinlich schon das Aus in der Nation League bedeuten, weil dann die ersten beiden Gruppen-Plätze hinter Griechenland und Holland kaum mehr zu erreichen sind. Und so umstritten der Wettbewerb ist: Es schmückt schon, wenn man in der K.-o.Runde steht und sich mit weiteren Hochkarätern messen darf.
Deshalb rückt Klopp von seinem fröhlichen Bäumchen-wechsel-Dich-Spiel ab. Zu spüren bekommt das Finn Dahmen. Jener Torwart des FC Augsburg, der zwar als einer der wenigen in beiden Klopp-Kadern stand, der bisher aber nur auf der Bank saß. Die allgemeine Erwartung war also, dass er in Griechenland das Tor hüten würde (oder gar der ebenfalls nominierte Joel Atubolo). Doch daraus wird nichts, denn Jonas Urbig wird in Saloniki spielen. Die nächste Torwart-Verarsche im Nationalteam zu Gunsten eines Münchners, nachdem Oliver Baumann vor der WM wie der letzte Dreck behandelt wurde, als Julian Nagelsmann plötzlich Manuel Neuer vorzog
Jener Urbig stand schon am Donnerstag in München im Tor und hielt mit einer tadellosen Leistung die Null beim 2:0-Erfolg. Also aus rein sportlicher Sicht ein durchaus nachvollziehbarer Schritt von Klopp. Nur die Begründung, die finde ich erbärmlich und klingt nach fauler Ausrede. Er wolle Urbig Spielpraxis verschaffen, weil er beim FC Bayern eben nicht spielt, sagte der Coach und lachte selbst über den schlechten Witz. Dort stellt nämlich Trainer Vincent Kompany Jonas Urbig ins Tor, sondern Manuel Neuer erhält den Vorzug. Nicht weil dieser besser ist, sondern weil er die Neuer-Lobby im Club hat, gegen die nicht mal ein Kompany vorzugehen wagt.
Klopp betonte noch, es sei keinerlei Vorentscheidung im Kampf um die Nummer 1 gefallen, doch diese Lüge ist augenscheinlich (und sogar ein Friedrich Merz würde wahrscheinlich Rot werden vor Scham). Denn alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Urbig tatsächlich die Nummer 1 im Nationaltor sein wird, spätestens 2027, wenn der dann 42-jährige Neuer tatsächlich zurückgetreten sein sollte und Urbig dessen Platz auch im Bayern-Kasten einnimmt. Wirklich schade, dass Klopp zu feige ist, Farbe zu bekennen und nicht für seine Entscheidung einsteht. Verdient hätten es alle Beteiligten, am meisten alle betroffenen Torhüter.
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