Diese Übernahme-Fantasie hat sich dann doch schnell erledigt. Nicht einmal eine Woche, nachdem Gianni Infantinos Plan, Teile der WM-Rechte an eine Investoren-Gesellschaft im Dunstkreis von Donald Trump zu verhökern, folgte der Rückzieher. Zu stark die Kritik: nicht nur die UEFA, die mit einem Boykott aller FIFA-Turniere drohte, solange dieser Plan nicht komplett abgeräumt werde, sondern auch von anderen Kontinental-Verbänden aus Nordamerika und Asien.

Infantino zog also gestern Nacht die Notbremse, erklärte das Unternehmen für beendet. Er bedauere die Unstimmigkeiten, er habe nur zum Wohle des Fußballs gehandelt. Das Ziel der Fifa sei es, stets zu vereinen und zu verbessern, sagte Infantino weiter. „Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt.“

 

Da sprach ein gescheiterter Herrscher, aber nicht aus Überzeugung, sondern allein, um den Schaden, den er angerichtet hat, zu minimieren. Den Schaden, den er persönlich erleiden könnte. Denn zumindest die UEFA will jetzt Blut sehen, Infantinos Blut. Das ohnehin schon angeknackste Verhältnis zwischen dem wichtigsten Kontinentalverband und der Infantino-FIFA ist jetzt komplett zerrüttet. Jetzt hat der umtriebige Schweizer aus Sicht der Verbände alles erträgliche Maß überschritten, sämtliches Vertrauen ist verspielt.

Es war ja nicht nur der aberwitzige Plan an sich von Infantino, die WM-Rechte zu verscherbeln. Sondern vor allem auch die Art und Weise, die extrem sauer aufstieß: nämlich die übelsten Hinterzimmer-Deals ohne irgendwelche konkreten Rechte und Pflichten, aber auch ohne jegliches Einbeziehen der wichtigsten Gremien. Das Ganze kam am Montag ja nur durch eine Indiskretion heraus. Offenbar wollte Infantino den Entscheidern (also den 211 FIFA-Verbänden noch weniger Zeit geben. Die 20 Millionen, die jedem Verband bei einem Ja zustehen würden, sollten jedwede rationale überlegung ausschalten. Platt gesagt: Infantino rechnete schlicht damit, dass viele Funktionärskollegen mindestens so skrupellos und geldgierig wären wie er, ganz falsch liegt er mit dieser Annahme wahrscheinlich gar nicht. Aber nicht nur für ihn kam die harsche und unwiderrufliche Reaktion samt Boykott-Androhung überraschend.

 

Infantinos Zukunft sehr unsicher

 

Es ist gerade schwer vorstellbar, wie Infantino selbst auch nur ein einigermaßen normales Verhältnis mit dem europäischen Verband wiederherstellen will. Zu harsch die Kritik, und bei einigen, die bisher mit der Faust in der Tasche jede noch so große Sauerei Infantinos (der Friedenspreis für Trump fällt mir gerade ein) mitgemacht haben, knallt jetzt der ganze Frust ungefiltert heraus. Die UEFA warf Infantino vor, einen schäbigen und undurchsichtigen Deal eingefädelt zu haben. Dass dieser gescheitert sei, sei zwar ein Sieg für den gesamten Fußball. „Aber das darf nicht das Ende sein.“

Da der machtbesessene Infantino aus freien Stücken nicht abdanken wird, muss er eben abgewählt werden. Im März 2027 steht die Wahl zum FIFA-Präsidenten an. Noch immer kann sich Infantino im Normalfall auf sehr viele kleinere Verbände verlassen, deren Top-Funktionäre Geldgeschenken sehr zugetan sind. Um den Schweizer wirklich abzuwählen, braucht es jetzt einen starken Kandidaten (eine Kandidatin wäre leider in vielen Ländern immer noch nicht vorstellbar). Wenn die UEFA sich geschlossen auf einen geeigneten Mann einigen könnte (vielleicht ein Ex-Profi, der überall Sympathien gewonnen hat?), der auch für andere Kontinententalverbände wählbar ist, dann könnte tatsäclich das bis vor zwei Wochen Undenkbare geschehen: dass Infantino bald nicht mehr FIFA-Präsident ist. Dessen Widerstandfähigkeit darf aber niemand unterschätzen.