Die letzte Tour-Woche, deutsche Finals in Hannover und tatsächlich schon wieder Fußball-Champions-League, wenn gleich „nur“ Qualifikation.

 

Pogacar ohne Gegner – oder?

 

Die Tour de France ist in der letzten Woche vor dem Ziel am Sonntag in Paris. Doch schon heute ist ein klarer Anwärter aufs Podest wegen eines Sturzes ausgeschieden. Bei einer sehr tückischen Abfahrt im Zeitfahren rutschte Florian Lipowitz in einer engen Kurve mit dem Hinterrad weg, er schlitterte mit der Schulter gegen eine nicht abgesicherte Bordsteinkante und konnte nicht weiterfahren. Stattdessen wurde er mit dem Krankenwagen abtransportiert.
Für mich ein absolutes Unding: zum einen so eine gefährliche Abfahrt in das Einzel-Zeitfahren einzubauen und diese zum anderen nicht im Geringsten zu schützen. Ein Sturz war fast naheliegend und offenbar von den sensationslüsternen Organisatoren fast schon eingepreist. Auch der klar Führende Tadej Pogacar hatte an dieser Stelle seine Mühe, obwohl der Slowene nicht das Letzte riskiert haben dürfte.
Pogacar dürfte nach Rang 2 hinter Remco Evenepoel, aber nur 28 Sekunden Zeitverlust auf den absoluten Spezialisten im Kampf gegen die Uhr, der Gesamtsieg nicht mehr zu nehmen sein bei 4:32 Minuten Vorsprung auf den Belgier. Auch wenn die anstehenden Alpenetappen unter anderem mit zweimal Alpe d’Huez kein Zuckerschlecken werden. Evenepoel hat beste Chancen auf Rang 2, es wäre seine mit Abstand beste Tour-Platzierung in Paris. Allerdings fehlt ihm mit Lipowitz ein sehr wichtiger Helfer in den Bergen, der Rest des Red-Bull-Hansgrohe-Team ist dort kein Faktor. Mal schauen, ob er über die ganz hohen Berge auch gut rüberkommt, das war in den vergangene jahren sien Problem.
Sehr spannend wird der Kampf um Platz 3 (nach dem Ausfall von Lipowitz und zuvor Jonas Vingegaard). Der Mexikaner Isaac del Toro und der Franzose Paul Seixas kämpfen nicht nur um den Podestplatz, sondern auch ums Weiße Trikot es besten Nachwuchsfahrers (bei der Tour sind das alle Profis unter 25 jahren).

 

Deutsche Titel im Hunderterpack

 

Ab Donnerstag ist es wieder soweit. In gleich 23 Sportarten kämpfen Athletinnen und Athleten um deutsche Meistertitel. Neben Traditions-Sportarten wie Schwimmen, Bogensport und Turnen, die schon öfter in den sogenannten deutschen Finals dabei waren, kämpfen erstmals auch solche aus Jiu Jitsu und Rapid Surfen, aber auch Beachvolleyball und Wasserball um Meisterehren. Die Wettbewerbe sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt, für diejenigen, die sich nicht extra nach Hannover aufmachen (ich gehe mal davon aus, dass keiner meiner Leser dort wohnt …), bietet die ARD zahlreiche Live-Streams an.

Mein persönlicher Liebling: die 3×3-Basketballer und das Rugby-7-Turnier (jeweils Frauen und Männer), auch wenn hier die Nationalspieler wegen der nahen Europameisterschaft unabkömmlich sein werden.

Extrawurscht der Leichtathleten – aus Gründen!

Auch diese kämpfen dieses Wochenende um Titel und Platzierungen. Allerdings nicht in Hannover, sondern in Bochum-Wattenscheid, im altehrwürdigen Stadion an der Lohrheide, wo in den 80er-Jahren auch die Bundesliga-Kicker von Wattenscheid 09 spielten (heute Regionalliga).
Der Grund für den Sonderweg ist profan: Nach dem Umbau des Niedersachsenstadions in eine reine Fußball-Arena (für die WM 2006!) gibt es dort keine wettkampftaugliches Leichtathletik-Stadion. Der Zuschauer daheim wird nix merken, auch hier ist das Fernsehen live dabei, wahrscheinlich sogar besonders ausführlich, wie es sich für die olympische Kernsportart gehört.

 

Sturms erster Schritt zur Königsklasse 

 

Sturm Graz gegen Hearts of Midliothian – so lautet aus meiner austriaphiler Sicht der Schlager der 2. Qualifikationsrunde (Di., 20:30, ORF1).  Beide Teams wurden in der nationalen Meisterschaft Zweiter, die Hearts verpassten herzzerreißend in fast letzter Minute mit einer Niederlage beim direkten Konkurrenten Celtic Glasgow den Titel. Sowohl Österreicher als auch Schotten waren ja bei der WM dabei, beide Teams schieden früh aus. Inwieweit Spieler fehlen, vemag ich nicht zu sagen, noch weniger weiß ich über die Form: Aber gerade die Hearts haben im Sommer einen erheblichen Aderlass erlitten, die besten Profis haben sich davongemacht.

Ansonsten sticht noch die Partie FC Thun gegen Dinamo Zagreb heraus (Di., 20 Uhr/SRF), immerhin der Schweizer Meister (ohne Meistercoach Lustrinelli, der in Richtung 1. FC Union nach Berlin entschwand) gegen den Titelträger Kroatiens.

Insgesamt sind vier Qualifikationsrunden zu überstehen, bevor die Geldtöpfe der Königsklasse anvisiert werden können. In der 3. Runde greift dann auch der österreichische Titelträger LASK ein.

 

Und sonst?

 

  • Formel 1: Letzter Lauf vor der einmonatigen Sommerpause in Budapest (Sonntag, 15 Uhr). WM-Leader Kimi Antonelli im Mercedes muss sich de stärker werdenden Konkurrenz der Ferraris und von max Verstappen (Red Bull) erwehren.
  • Tennis: Traditionelle Sandplatzturniere der Männer in Kitzbühel (unter anderem mit Bublik, Vacherot, Struff und Altmaier) und Estoril (Rublew, Darderi, Wawrinka). Die Frauen messen sich in Hamburg (Olyinikova, Kalinina, Korpatsch) und Prag (Bouskova, Krejikova, Tagger).
    Das Gros der Spielerinnen und Spieler hat sich bereits nach Nordamerika aufgemacht, wo ab nächste Woche die Sommer-Hartplatz-Saison mit dem Höhepunkt US Open (ab 31. August) ansteht.