Beschämende Pfiffe – und zwei Traumtore

Spanien – Frankreich 2:1

Offensive lacht

Leichtes Aufatmen bei mir: Das pragmatische Frankreich ist draußen. Bezwungen vom Turnierfavoriten Spanien.
Es ging fulminant los, fast mit offenem Visier auf beiden Seiten, was mich gerade bei den bisher so zurückhaltenden Franzosen ziemlich verwundert hat. Les Bleus hatten die linke Abwehrseite der Spanier als Schwachstelle ausgemacht, weil dort der 38-jährige Jesus Navas den gesperrten Daniel Carvajal ersetzen musste. Von dort fiel auch der Führungstreffer, als Kylian Mbappé einen hohen Ball kunstvoll unter Kontrolle brachte und eine maßgeschneiderte Flanke auf den Kopf von Ex-Frankfurter Kolo Muani setze, der nahezu ungehindert einnetzte.
Die Spanier nahmen das zur Kenntnis, ohne in Hektik zu verfallen, es war ja auch noch genug Zeit. Zwei Tore drehten die Partie, und was für welche! Erst narrte das 16-jährige Supertalent Lamine Yamal die französische Deckung und zirkelte den Ball fast aus dem Stand punktgenau via Innenpfosten in den Winkel. Für mich fast noch schöner war das 2:1 durch Dani Olmo. Nach einer schnellen Kombination nahme er das Spielgerät virtuos an, versetzte William Saliba mit einer sehenswerten, an Eleganz nicht zu überbietende Finte und schloss beherzt ab. Das nötige Glück half ihn, denn eigentlich hätte Jules Kounde den Schuss noch klären können.
So toll die Partie begann – sie flachte zunehmend ab. Auch als die Franzosen in der 2. Halbzeit endlich die Offensive suchten – es kam erstaunlich wenig Gefährliches zustande. So wurde Spaniens Torwart Unai Simon nicht ein einziges Mal ernsthaft geprüft. Gute Schussmöglichkeiten der Franzosen landeten in den Wolken. Die beste hatte Mbappé von der Strafraumgrenze nach herrlicher Vorarbeit des ansonsten sehr blassen Theo Hernandez, auch der Starstürmer verfehlte das Ziel weit. Apropos Mbappé: Insgesamt ein extrem enttäuschendes Turnier des zurzeit angeblich besten Fußballers der Welt. Ein Attribut, das er allerdings zumindest in diesem Jahr absolut nicht verdient hat, denn zuletzt war er auch bei PSG alles andere als in Top-Form. Natürlich behinderte ihn seine gebrochene Nase, obwohl er ohne Maske spielte, aber die alleine lasse ich als Entschuldigung nicht gelten, denn er ließ sich ja aufstellen.
Am Ende, keinerlei Aufbäumen, kein letztes Risiko gegen die ballfertigen Spanier, die sich wie gegen Dutschland allzusehr auf ihrem Vorsprung ausruhten. Aber im Gegensatz zu den Deutschen, die ja einige Top-Chancen herausspielten und sich den Ausgleich mehr als verdienten, blieben Les Bleus blass, trotz der tollen Namen, die da vorne so rumturnten. Namen, denen sie allerdings keine Ehre machten.Jetzt stellt sich die fast schon philosophische Frage: Hat Trainer Didier Deschamps erkannt, wie wenig mit seiner Offensive zu gewinnen ist und ließ deshalb so ultra-defensiv spielen. Oder hat der Coach mit dieser Defensivtaktik in einem Monat jegliche Spielfreude und Kreativität  ausgetrieben, dass sie diese nicht mehr finden konnten, als sie gebraucht waren.

Das pfeifende Ärgernis

Der Buhmann der Deutschen ist seit Freitag der Spanier Marc Cucurella. Jener Verteidiger, der mit seinem „hundertprozentig strafbarem Handspiel“ (Michael Ballack u.v.a.m.) einen doch so klaren Elfmeter verursachte, den der tomatenblinde Schiedsrichter Michael Taylor nur leider, leider nicht gab. Der Boulevard feuerte kräftig nach („die Hand Zottels“), und „Hand-TäterCucurella bekam den Zorn eines nicht kleinen Teils der deutschen Fans zu hören. Bei jeder seiner Ballberührungen drang ein gellendes Pfeifkonzert durch die Arena. Man stelle sich das vor: Zuschauer zahlen mehrere hundert Euro für ein Fußballspiel, sind dann beleidigt, dass ihr deutsches Team nicht mitspielt und pfeifen sich die Seele aus dem Leib – und das 90 Minuten lang. Ich fand das zum Fremdschämen, und wenn ich einige relativierende Kommentare lese (neben vielen, die das wie ich höchst unsportlich finden) schäme ich mich gleich noch mal fremd. Unter anderem wird Cucurella vorgeworfen, nicht nur dieses verbrecherische Handspiel begangen, sondern sich danach auch noch lustig gemacht zu haben. Ich kann das zumindest in diesem Interview zu keiner Sekunde erkennen.
https://www.youtube.com/watch?v=fE2h2P38PAA

Den besten Spruch dazu hat Patrick Strasser gebracht: „Cucurella auszupfeifen ist gerade so, als würde ich die zerlaufene Butter anschreien, weil der Kühlschrank seinen Dienst aufgegeben hat.“
Ein Letztes: Zeugen vor Ort haben beobachtet, dass auch einige Franzosen sich am Pfeifkonzert beteiligten. Das kann niemanden wirklich verwundern, wer bei den French Open das sich absurd echauffierende Publikum verfolgt. Diese Unfairness sucht ihresgleichen auf den Tenniscourts dieser Welt.

Mann des Tages
Dani Olmo: Erneut eine herausragende Leistung des Leipzigers, der angesichts seiner Glanzvorstellungen vielleicht nicht mehr lange für Red Bull spielt. Ballfertig, viel Spielübersicht und auch noch torgefährlich. Primus inter pares. Lamine Yamal setzt vielleicht noch glitzerndere Glanzlichter, aber er verstrickt sich in seinem jugendlichem Genietum manchmal in nicht aufzulösende Situationen. Das muss er auch unbedingt tun, und in zwei, drei jahren wird er dann ein absoluter Ausnahmeakteur sein. Vorausgesetzt, er darf sich bei Barca unter Trainer Hansi Flick weiter so entwickeln.

Stark trotz der Niederlage
Ousmane Dembele:Er versuchte es immer wieder über die Flügel mit Tempodribblings, aber er fand schlicht zu wenig Unterstützung

Und sonst?
letzte deutsche Revanche? Beim Versuch, nach dem Spiel einen Flitzer zu stoppen rutschte ein deutscher Ordner aus und prallte gegen das Bein von Spaniens Kapitän Alvaro Morata. Nein, es war natürlich keine Absicht, aber trotzdem sichtbar schmerzhaft für Morata, der höchstwahrscheinlich dennoch am Sonntag wieder fit sein dürfte.

Ausblick der Sieger
Wer soll sie stoppen, die Spanier? Vielleicht ihr eigener Stolz, eine gewisse Überheblichkeit. Doch Trainer Luis de la Fuente hat es bisher geschafft, das Team bei der Stange zu halten, warum sollte er seinen Weg verlassen. Zumal die gesperrten Carvajal und LeNormand wieder zurückkehren?

Die Verlierer
Zurück bleibt herbe Enttäuschung: Und zumindest bei mir der Gedanke, dass ich nie das „wahre“ Frankreich gesehen habe, dass mir perlender Champagnerfußball von einem allzu pragmatisch denkenden Didier Deschamps versagt wurde. Nicht wirklich überraschend angesichts der vergangenen Turniere, höchstens das Ausmaß, wie konsequent die Franzosen ihren „uns-völlig-wurscht-dass unser-Fußball-unnattraktiv ist, schaut doch was anderes“ Stiefel heruntergespielt haben. Ich hab ja auf die Fubßall-Verweigerer getippt und bin froh, danebengelegen zu haben.

Finale horribils oder Traumendspiel

Heute und morgen stehen bei der EURO und der Copa América die Halbfinali an.Was können wir erwarten, was erhoffen? Bei der EM hoffe ich auf ein Finale Spanien vs Holland und befürchte ein Endspiel Frankreich vs England

Di., 21.00: Spanien – Frankreich  in München
Die letzte Partie in der WM-Arena. Die Spanier sind bisher nach Ansicht aller Fachleute und auch Fans die beste Mannschaft im Turnier. 5 Spiele, 5 Siege, lautet die perfekte Bilanz. Und sie haben die aus ihrer Sicht sehr komplizierte Partie gegen Deutschland erfolgreich absolviert, zum ersten Mal in der Geschichte einen EM-Gastgeber besiegt. Mit dem nötigen Glück, aber bestimmt nicht unverdient. Jet aber ich glaube nicht, dass das wirklich ein Problem istzt fehlen mit Carvajal und LeNormand zwei Spieler Gelb-gesperrt sowie der von Toni Kroos rausgefoulte Pedri, aber ich denke, de breite Kader kann das auffangen.
Die Franzosen bestechen durch eine famose Defensive, mit Maignan haben sie sicher den besten Torwart der verbliebenen vier Teams. Das Verteidiugungsrezept von Trainer Didier Deschamps funktioniert, auch wenn vorne weit nicht alles so läuft wie er sich das wahrscheinlich vorgestellt hat. Was wiederum damit zusammenhängt, dass Kylian Mbappé seiner Glanzform weit hinterherläuft und obendrein ihn seine Nasenbeinbruch-Maske sichtlich und in seiner Sicht behindert. Schön anzusehen ist das wahrlich nicht, aber erfolgreich.
Tipp: Spanien

Mi., 21:00: England – Holland in Dortmund
Wie Frankreich, aber alles eine Klasse schwächer, behaupte ich jetzt mal böse. Die Abwehr ist nicht sicher, der Sturm nicht gefährlich, und die Stars wirken fast lustlos. Oder ist das alles Taktik von Fuchs Gareth Southgate? Dass sie den Gegner fast einschläfern wie die Schweizer im Viertelfinale, die am Ende genauso paralysiert waren wie England selbst. Und das Traurige ist: Sie können ja, wenn sie wollen respektive dürfen. Die 5 Minuten nach dem eher zufälligen Rückstand gegen die Schweiz waren genaus das England, dem so viele den Titel nach 1966 wünschen würden. Da haben sie gezeigt, was in ihnen steckt.
Und die Holländer? Noch so ein Fragezeichen des Turniers. Wetterwendisch wie kaum ein anderes Turnier. Sie haben mit Gazpo, Depay und dem meist von der Bank kommenden Malen fantasiereiche und torgefährliche Angreifer, gute Abwehrleute, gefährliche Standards. Andererseits immer wieder Aussetzer. Welces Oranje werden wir morgen sehen?
Tipp: Holland

Mi., 02:00: Argentinien – Kanada in New York
Beide Teams benötigten im Viertelfinale ein Elfmeterschießen, wobei bei der Copa es außer im Finale keine Velängerungen gibt. Argentinien ist gegen den einzig verbliebenen WM-Gastgeber 2026 klarer Favorit. Messi scheint wieder fit, Martinez trifft (fast) nach Belieben. Kanada ist jetzt schon die positive Überraschung mit dem Münchner Anführer Alphonso Davies.
Die Partie gabe es schon mal bei dieser Copa. Im Eröffnungsspiel gewann Argentinien letztlich ungefährdet mit 2:0
Tipp: Argentinien

Do., 02:00: Kolumbien – Uruguay in Charlotte
Kolumbien ist für mich die spielstärkste Mannschaft der Copa. James Rodriguez knüpft dabei an seine Topform der WM 2014 an, als er Torschützenkönig wurde. Glänzender  Ballverteiler, das Hirn und Herz der technisch perfekten und auch robusten Kolumbianer. Die Urus haben immerhin Brasilien rausgekegelt, wenn auch erst im Elferschießen. Faustpfand ist die Defensive, allerdings fehlt morgen Nacht Araujo vom FC Barcelona wegen einer Muskelverletzung. Bester Mann ist Fernando Valverde von Real Madrid
Tipp: Kolumbien

 

 

Holland, hilf!

Viertelfinale, Tag 2

Der Minimalistenfußball feiert weiter unfreuliche Urständ. England steht damit im Halbfinale. Dort treffen die Three Lions auf Holland, das die Türkei in einer unterhaltsamen Partie nach Rückstand noch ausschaltete.

England – Schweiz 5:3 nach Elfmeterschießen

England siegt nach Penalties, und damit ist schon viel gesagt, denn diese Art der Entscheidung liegt den Briten gar nicht. Die 120 Minuten zuvor waren doch sehr ermüdend. Allen wäre viel erspart geblieben, wenn man sich das gar nicht erst angetan hätte. Die Engländer bauen weiterhin erfolgreich auf ihre Abwehr, die Schweizer waren schlicht zu feige, vielleicht auch, weil Granit Xhaka mit einem Bändereinriss gehandicapt war. Chancen waren somit an den Fingern einer Hand abzuzählen, und wenn ein Finger fehlte, machte das auch nichts.
Dass die Schweizer trotzdem in Führung gingen durch Breel Embolo, war erstaunlich genug. Und plötzlich spielte England den Fußball, den alle Welt an ihnen schätzt: druckvoll, mit Power. Leider mit schnellem Erfolg, muss ich sagen, eil Saka mit einem herrlichen Schuss Yann Sommer überwand, denn danach fielen sie gleich wieder in ihre Lethargie zurück. Am Ende zählten gnädige Statistiker 3:3 Schüsse aufs Tor. Die Szene des Spiels. Xherdans fantastische Ecke direkt aufs Tor, mit der er leider nur das Lattenkreu traf.
Am Ende bauten alle auf ein Elfmeterschießen, das dann die Engländer ohne Fehlschuss für sich entschieden, weil Akanji mit einem ganz schwachen Versuch an Jordan Pickford scheiterte. Mich hat da tatsächlich gewundert, dass der Schweizer Trainer Murat Yakin fürs Shootout keinen Torwartwechsel vornahm, und nicht auf Gregor Kobel setzte, der eine weit bessere Elferbilanz hat als Sommer. Es gibt Trainer, die so etwas schon gemacht haben.

Mann der Partie
Bukayo Sako: Nicht nur wegen des Tores. Noch der einfallsreichste in einem einfallslosen Ensemble auch mit sehr starker Defensivarbeit.

Stark trotz der Niederlage
Granit Xhaka: Trotz seines Handicaps der spiritus rector. Schade, dass sich die Schweizer nicht mehr zugetraut haben.

Ausblick des Siegers
England steht im Halbfinale als Meister der Effizienz. Die Abwehr erscheint sicher, und vorne haben sie Ausnahmespieler. Zumindest in der Theorie. Das Finalae muss noch nicht Endstation sein, befürchte ich.

Und die Verlierer
Gute Leistungen gegen Deutschland und vor allem gegen Italien. Auf dem Papier klingt ein K.-o.-Aus gegen England gar nicht so schlecht, aber da war mehr drin.

Holland – Türkei 2:1
Sicher das unterhaltsamste Spiel auch wegen der unvergleichlichen Stimmung auf den Rängen (auf die beschämenden Wolfsgrüße will ich hier nicht eingehen). Da spielten zwei Mannschaften, die wenigstens die kontrollierte Offensive (und manchmal auch mehr) wagten. Die Türken waren in der ersten Halbzeit bestimmend, ihre Führung durchaus verdient. Im zweiten Durchgang war es die erwartete Abwehrschlacht, wie am Dienstag gegen Österreich. Doch die Holländer hatten mehr Glück/Können vorm Tor und drehten die Partie noch durch fast zwangsläufige Treffer von Stefan de Vrij und Cody Gakpo. Gakpo? Nein, die UEFA benannte Müldür als Eigentorschütze. In der Hinsicht macht sich der Verband einen regelreichten Spaß draus, warum auch immer.

Mann des Spiels
Wout Weghorst! Warum? Mit dem zur Pause eingewechselten Stürmer hatte Oranje einen steten Gefahrenherd, der die Türken vor fast unlösbare Probleme stellte. Und dann war da noch seine Rettungstat vorm eigenen Strafraum, als er am Boden liegend gerade noch den Ball vor einem einschussbereiten Türken zur Seite spitzelte. Die Verteidigungstat des Turniers. 05:17 https://www.youtube.com/watch?v=8EMJPNRtThI

Stark trotz der Niederlage
Arda Güler: Was für ein wunderbarer Fußballer.Das türkische Juwel.

Ausblick des Siegers
Als Gruppendritter im Halbfinale, und warum eigentlich nicht mehr. Der Kader gibt das auf jeden Fall her: viel offensives Potenzial und eine meist sichere Abwehr. Und ein Frimpong sitzt sogar nur auf der Bank

Und die Verlierer?
Die Mannschaft mit dem meisten Herzblut. Nie erlahmender Elan. Auch gestern. Diesmal nicht nur in einer veritablen Abwehrschlacht, sonden am Ende auch mit dem Mute der Verzweiflung, der um ein Haar sogar noch die verlängerung gebracht hätte. Sie können stolz sein auf dieses Team.

Elferbetrug? oder etwa doch nicht?

Viertelfinale, Tag 1

Spanien und Frankreich im Halbfinale, Deutschland raus mit Applaus und Portugal raus, ohne dass diese (eigentlich) so offensivstarke Mannschaft in zwei K.o.-Spielen und 240 Minuten auch nur ein Tor zustande gebracht häte.

Spanien – Deutschland 2:1 n. V.

Ich fange gleich mit der Frage aller Fragen an: Warum zur Hölle hat Schiedsrichter Mr. Taylor nicht auf Elfmeter entschieden, als in der 106. Minute Jamal Musiala mit einem Schuss aufs Spanien-Tor den abgespreizten Arm von Marc Cucurella traf. War das nicht ein klarer Strafstoß, nach dem Irrsinn, den wir alles gesehen haben? Gerade die Deutschen waren irritiert, hatten sie nicht im Achtelfinale einen Elfer in einer viel irrwirzigeren Situation erhalten?.
Dazu mächte ich ein paar Gedanken anmerken. Ich gehe davon aus, dass Taylor nach besten Wissen und Gewissen entschieden hat und nicht dem Wahnsinn verfallen ist. Er hatte beste Sicht auf das Geschehen. Er signalisierte, dass er das Handspiel erkannt hat, und gleichzeitig verneinte er die Absicht des Spaniers fürs Handspiel. Das muss man einfach mal so stehenlassen, aber es bleiben Ungereimtheiten.

Frage 1: Aber ist nicht die abgespreizte Hand ein klares Indiz für Absicht? Nach einer Lesart ist das so, aber Cucurella hat tatsächlich versucht, seinen Arm wegzubringen, der Arm war ja auch völlig ohne Anspannung. Das spricht gegen die Absicht.
Frage 2: Aber den anderen Arm hat er doch angelegt bekommen? Ja, aber der schwang mit der Bewegung, seinen „Hand“-Arm musste er entgegenstemmen, das geht nicht so schnell. Und wir reden von einem scharfen Schuss aus kurzer Entfernung, der ihn traf, also sehr wenig aktiver Reaktionszeit.
Frage 3: Aber die anderen Elfmeter, die bei der EURO gegeben wurden? Im Jurastudium, long, long ago, war einer der ersten Sätze, der mir im Verfassungsrecht eingebläut wurde: keine Gleichheit im Unrecht. Auf die EM übertragen. Es gelten die zuvor ausgemachten Regeln und Auslegungen vor der EM, und nur, weil in den Partien zuvor Unsinn gepfiffen wurde, darf ich nicht aus Gleichheitsgründen denselben Unsinn pfeifen. Deswegen ist auch die sogenannte Konzessionsentscheidung unrecht, auch wenn sie gerecht sein mag.
Frage 4: Aber warum keine VAR-Überprüfung? Der VAR wurde eingeführt, um Situationen zu überprüfen, die der Schiri auf dem Feld entweder nicht gesehen haben oder zweitens eine grobe Fehlentscheiung darstellen. Gesehen hat Mr. Taylor alles, und beim Handspiel besteht ein großes Ermessen beim SR (das kann und muss man vielleicht sogar bedauern). Wenn man so will, haben Taylor und sein SR-Team den VAR perfekt angewendet. Und auch hier gilt: Nur weil das andere Schiris oft anders handhaben, ist das nicht plötzlich richtig. Und genau diesen Punkt verstehen viele nicht. Wie etwa Johannes Kerner, der nicht begreifen konnte, dass eine Situation die eine ODER andere Entscheidung hergibt. Das hat ja auch der Schiri-Experte Patrick Ittrich so erklärt, der zum Schluss kam, dass das Prozedere in Ordnung ging, also vor allem auch der Verzicht auf den VAR, er selbst aber eher Handelfmeter gegeben hätte.
Frage 5: Und wie hätte ich selbst entschieden: Ich neige schwer dazu, dass ich den Elfmeter gegeben hätte, weil eben diese Auslegung in derlei Situationen zurzeit der common sense ist.. Auf der anderen Seite finde ich es gut, wenn in solchen Situationen in Zukunft nicht auf Elfmeter entschieden werden würde. Wobei es zurzeit auch völlig egal ist, ob der Schuss, dem die Hand entgegensteht, in Richtung Tor oder in Richtung obere Tribünen gegangen wäre. In der Hinsicht weinte Julian Nagelsmann auch böse Krokodilstränen, als er sinngemäß  sagte, bei einem Tribünenschuss wolle er gar keinen Elfer haben. Aber genau einen solchen Elfer bekam das deutsche Team im Achtelfinale gegen Dänemark, und Nagelsmann entzog sich jeglicher Diskussion, als er nonchalant auf die Regeln hinwies, nach denen der Strafstoß doch vollkommen berechtigt gewesen sei und er nichts daran auszusetzen habe. Gewinnmitnahme at its worst.
Conclusio: Die richtige Entscheidungsfindung, aber wohl mit der falschen Entscheidung. In Mathe gibt es dafür eine 3.

Die Elfmeter-Entscheidung überstrahlte natürlich das ganze Spiel, das ja schon zum epischen Klassiker hochstilisiert wird. Dabei war die erste Halbzeit ziemlich fürchterlich, man lese einen objektiven Live-Ticker nach. Die Deutschen versuchten mit großer Härte, den Spaniern den Schneid abzukaufen. Gerade Toni Kroos, der nach zwei ziemlich brutalen Fouls gegen Pedri jeweils die Gelbe Karte hätte sehen müssen. Ein unerträglicher Bonus des Starspielers. Der gefoulte Pedri musste nach acht Minuten angeschlagen das Feld verlassen, und dass der für ihn eingewechselte Dani Olmo letzlich zum Matchwinner wurde, ist ein Kapitel für sich.
In der 2. Halbzeit erzielte eben Olmo das 1:0 per Flachschuss, den ein Manuel Neuer in seinen besten Tagen ziemlich sicher gehalten hätte, weil dieser weder wirklich gut platziert nochbesonders scharf war. Aber das sehe ich vielleicht überkritisch. Den Deutschen und auch Nagelsmann muss ich konzedieren, dass sie sich mit allem gegen die Niederlage und das Aus stemmten, und allein diese Tatsache ist gar nicht hoch genug zu loben, weil ich derlei Widerstand in den vergangenen Jahren bei erschütternden Turnieren  nicht erlebt habe. Die Spanier ihrerseits zogen sich unverständlich weit zurück und wollten nur noch das 1:0 über die Zeit retten, doch Florian Wirtz nach außergewöhnlicher Kopfballablage von Joshua Kimmich besorgte noch den Ausgleich.
In der Verlängerung scheuten beide Teams das letzte Risiko, viele Spieler waren auch mit ihren Kräften am Ende. Und dann eben das Aus, das der Ex-Dortmunder Merino nach Maßflanke von Olmo mit einem großartigen Kopfball herbeiführte. Was das deutsche Publikum nach einer kurzen Schockstarre nicht abhielt, ihre Mannschaft mit Riesenapplaus und Sprechchören feiernd zu verabschieden. Die Zeiten, in denen das Nationalteam und Fans arg fremdelten, scheinen tatsächlich vorbei.

Mann des Tages
Dani Olmo: 1 Tor selbst erzielt, 1 Vorlage und auch sonst mit seiner Ballfertigkeit ein steter Gefahrenherd. Aber insgesamt haben die schon einen Haufen von Ausnahmekönnern, die Spanier.

Stark trotz der Niederlage
Anthony Rüdiger: 119 Minuten bärenstark, im Zweikampf eine Bank, obwohl er früh Gelb sah und er wusste, in einem möglichen Halbfinale gesperrt zu sein. Bügelte zahlreiche heikle Situationen aus. Und dann die Flanke des Verderbens, als er Merino aus den Augen verlor und nur noch entsetzt zuschauen konnte, als dieser so gekonnt einnetzte.

Und sonst?
Das Spiel wurde ja im Vorfeld teilweise auf das Duell der Supertalente hier (Yamal, Williams) und dort (Musiala, Wirtz) reduziert. Alle 4 hatten auch sehr starke Szenen, aber wirklich prägend waren andere, gerade bei Espana. Aber das war schon mehr als eine Talentprobe des Quartetts, von dem wir noch sehr viel Gutes sehen werden.

Analyse des Siegers
Noch mal davongekommen, das ist auch der Tenor in Kommentaren. Erstmals ein Sieg gegen einen EURO-Gastgeber, was es nicht alles gibt. Sie haben bis Dienstag Zeit, sich zu erholen, müssen aber auf die gesperrten Carvajal, Morata und LeNormand verzichten. Gegen Frankreich braucnen sie mehr Mut, um deren Bollwerk zu knacken.

Und die Verlierer?
Verlassen das Turniere erhobenen Hauptes. Eine ehrenvolle Niederlage gegen den Top-Favoriten des Turniers bis dato auch in Top-Formnoch dazu begünstigt durch eine Schiedsrichter-Entscheidung, das ist weitaus mehr, als ich im November nach den beiden verheerenden Niederlagen gegen die Türkei und in Österreich erwarten durfte. Jetzt sind die Aussichten blendend. Mit Musiala und Wirtz hat das Teams zwei Ausnahmekönner in der Offensive, die viel gelernt haben dürften. Allerdings: Toni Kroos wird nicht mehr dabei sein, wahrscheinlich auch nicht Kapitän Ilkay Gündogan, Thomas Müller und Manuel Neuer. Aber zur WM 2026 in Amerika sind es noch zwei Jahre, da hat Nagelsmann viel Zeit, seinen Weg weiterzugehen und vielleicht sogar noch konsequenter als bisher. Und der Coach hat auch das Glück, dass seine fragwürdigen Entscheidungen bezüglich der Anfangself (Can für Andrich, SDané für Wirtz) kaum ein thema mehr waren.

Frankreich – Portugal 5:3 n. E.

Tja, was soll ich sagen? Es war ein durchaus ansehnliches Spiel, das allerdings bei der Riesenklasse beider Offensivreihe noch viel besser und aufregender hätte sein müssen. Aber Safety First, das war vor allem bei den Franzosen die Devise. Selbst bei Kontermöglichkeiten blieben immer genug Leute hinten, um nicht in einen Gegenkonter zu laufen. Und auch die Portugiesen scheuten das letzte Risiko, die Offensivstärke blitzte höchstens auf.
Und dann halt noch das leidige Thema Cristiano Ronaldo: Nachdem der Vorgänger-Trainer Fernando Santos es bei der WM 2022 es gewagt hatte, seinen Superstar auch mal auf die Bank zu setzen, vollführte jetzt Roberto Martinez die Rolle rückwärts: Ronaldo spielt immer, lautete dessen Devise ungeachtet der Schar brillanter Offensivkräfte, die er dafür auf der Bank schmoren ließ. Aber Ronaldo ist halt nicht mehr in Topform, das war in jeder Situation zu sehen. Zweikampfschwach, lauffaul, und schwache Abschlüsse. Und dennoch hat er nicht eine Minute gefehlt – trotz zweier kräftezehrenden Verlängerungen und nicht einmal in dem für Portugal bedeutungslosen Spiel gegen Georgien. Es bleibt festzuhalten: Kein Tor in 5 Spielen, allerdings auch zwei sicher verwandelte Versuche im Elfmeterschießen gegen Slowenien und Frankreich. Dennoch: Ronaldo hat den richtigen Zeitpunkt des Absprungs verpasst

Mann des Spiels
Jules Kounde: Der beste Verteidiger des Turniers. Im Zweikampf nicht zu bezwingen, tolle Technik toller Spielaufbau. Und er ist erst 25 Jahre altAnalyse des Siegers
5 Spiele mit den Ergebnissen: 1:0, 0:0, 1:1, 1:0, 0:0: Die drei erzielten Treffer resultierten aus zwei Eigentoren (bei den beiden 1:0 und einem Elfer von Kylan Mbappé.

Stark trotz der Niederlage
Nuno Mendez: Was für ein Pensum Hinten stark, vorne brandgefährlich. Und nicht zuletzt, ein ganz sicher verwandelter Versuch im Elferschießen. Den hätte ich gerne noch länger im Tunrier gesehen.

Und sonst?
Portugals Torwart Diogo Costa war noch im Achtelfinale der gefeierte Held, als er alle drei Versuche der Slowenen im Elferschießen abwehrte. Diesmal hatte er bei 5 Schüssen keinerlei Abwehr-Chance, zu gut waren diese auch geschossen. Acuh wenn man die Nervensanspannung nicht wirklich trainieren kann, die richtige Schusstechnik umso mehr. Man muss es nur tun.. Wobei der einzige Fehlschüütze Joao Felix (der unglückliche Felix) schlicht Pec mit seinem Pfostenschuss hatte.

Analyse des Siegers
Trainer Didier Deschamps setzt auf die Defensive, der Erfolg gibt ihm recht, egal wie unansehnlich das Gekicke ist. Die Abwehr scheint in der Tat unüberwindlich, auch weil mit Mike Maignan ein Klassemann zwischen den Pfosten steht, der dann das wenige souverän klärt, was doch durch die Abwehr kommt. So gewinnt man Turniere, so sehr das der objektive Fußball-Fan bedauern mag, sofern er nicht an einer Magisterarbeit über maximale defensive Effektivität brütet und Anschauungsmaterial braucht.

Und die Verlierer?
Portugal war mein „kicktipp“-Europameister – daraus wird nichts. Vertane Gelegenheit, aber auch mit Gründen. Siehe Ronaldo. Der tritt jetzt hoffentlich von der internationalen Bühne freiwillig ab – am besten sofort. Er wird natürlich mit seiner Klasse und auch Ausstrahlung nie zu ersetzen sein, aber es gibt genug Talente, die den Ver,lust  auf andere Art und Weise kompensieren.

Angstgegner – na und?

Heute und morgen stehen die Viertelfinale an. 4 spannende Auseinadersetzungen mit keinem echten Favoriten, oder? Ich wage die Vorhersagen.

Spanien – Deutschland (Fr., 18.00/Magenta und ARD)

Für viele ist es das vorweggenommene Finale, weil diese beiden Teams insgesamt den stärksten Eindruck gemacht haben. Zumindest Franzosen und Portugisen werden aufheulen, vielleicht sogar auch die Holländer. Sei es drum. Die Spanier hätten sich sicher nicht um den Ausrichter als Viertelfinal-Gegner gewünscht und dieser sicher auch nicht die bisher am meisten übewrzeugenden Iberer. Für die Deutschen spricht die Begeisterungsfähigkeit, die Hoffn ung auf Neuer-Wundertaten im Tor (und nicht die ebenso möglichen Aussetzer. Spannend wird sein, wie die Spanier mit ihrer neuformierten Defensive zurechtkommen, wenn sie wirklich unter Druck geraten. Und Wirtz, Musiala und Havertz haben durchaus das Zeug, jede Verteidigung durcheinanderzuwirbeln. Auf der anderen Seite jedoch gibt es mit Yamal und Nico Williams auch zwei brillante Wirbler, mit Rodri dazu den besten defensiven Mittelfeldmann der Welt. Die Einfachkeit des Seins wird es für kein Team, dafür hoffentlich ein Augenschmaus mit Spannung.
Viel war im Vorfeld ja die Rede davon, dass die Spanien „unser“ Angstgegner sind, weil Deutschland seit 1988 kein Pflichtspiel mehr gegen sie gewonnen hat. Damals 2:1 in München bei der EM. Klingt tatsächlich sehr lang her. Tatsächlich hat es seitdem 4 Partien bei Turnier-Endrunden gegeben und zwei 1:1 Unentschieden (94 und 23) und zwei 0:1-Niederlagen (08, 10). Die letzte Niederlage ist also 14 Jahre her, von den Spaniern ist niemand mehr im Kader, von den Deutschen immerhin Manuel Neuer, Toni Kroos und der damals gesperrte und so schreklich vermisste Thomas Müller. Also ist das mit dem Angstgegner allein wegen der Statistik Quatsch, die jetzige Spielstärke von ihnen reicht durchaus.
Tipp: Spanien

Portugal – Frankreich in Hamburg (Fr., 21.00/ZDF und Magenta)

Eigentlich gilt für die Franzosen dasselbe wie für die Engländer. Sie könnten in der Theorie viel besser spielen, aber ihr Safety first ist halt erfolgreich. Wobei die Defensive von Les Bleus wirklich save ist (Kounde, Tchouameni) und der Angriff viel mehr Esprit (und Kylian Mbappé!) hat als der von Old England (das good verkneif ich mir). Auf der anderen Seite die Portugiesen, aus denen ich immer noch nicht schlau werde. Ist Cristiano Ronaldo jetzt eher ein Bremsklotz oder doch eine ballsichere Anspielstation? Stellt er sein Ego zugunsten der Mannschat zurück oder muss er alles selber machen. Er titt jeden Freistoß auch nur ansatzweise in Tornähe – ohne Erfolg. Aber er bindet halt auch Gegenspieler, ist immer noch gut in Form. Nicht mehr in überragender Form, siehe viele verfehlte Flanken, die er früher mit seinem brillanten Timing locker erwischt und per Kopf in Tore verwandelt hätte..Tatsache ist, dass die Portugiesen eine bärenstarke Mannschaft haben.
Tipp: Portugal

England – Schweiz in Düsseldorf (Sa., 18.00/ZDF und Magenta)

War was? Fast ausgeschieden. What shells, wie der Engländer nicht sagt (ein Dauerspruch meines Englischlehrer, sorry). Tatsache ist. England ist noch im Turnier, wie sie dahingekommeen sind, interessiert niemanden wirklich Und fürs Viertelfinale das Beste: Jude Bellingham darf dabei sein, ungeachtet seiner obszönen Geste (schaut selber nach) im Spiel gegen die Slowaken, als er den Gegner beleidigte. 30 000 Euro muss er bleichen, wird dem Mann mit dem 20 Millionen+x/Jahr-Gehalt sehr jucken. Eine Sperre wäre zwar sehr hart gewesen, aber wenn die UEFA Wanking und so nicht haben will, müssen die Strafen schon abschreckend sein. die Schweizer fand ich bisher sehr gut, gerade auch im Achtelfinale gegen Italien. Und trotzdem traue ich Granit Xhaka und Co. wieder nicht den Sieg zu, sondern den zybischen Three Lion
Tipp: England

Holland – Türkei in Berlin (Sa., 21.00/RTL und Magenta)

Zumindest dem ersten Anschein nach die klarste Angelegenheit. Während die Holländer im Achtelfinale gegen Rumänien voll überzeugten und sogar noch höher als 3:0 hätten gewinnen können/müssen, brauchten die Türken gegen Österreich viel Glück und einen überragenden Torwart. Glück des Tüctigen, denn mit wieviel Energie und Hingabe sie den knappen Zeitpunkt über die Zeit brachten, war bewundernsert. Und im Berliner Olympiastadion fühlen sie sich wohl, es ist quasi ihr Wohnzimmer, und sie dürften die (knappe Mehrheitdes Publikums hinter sich haben, allerdings gegen eine starke Oranje-Fraktion. Holland hat die besseren Einzelspieler, keine Frage. Gakpo und zuletzt auch Malen sind endlich im Turnier angekommen. Den Türken fehlen dagegen drei wichtige Akteure aus dem Achtelfinale. Köcü und Yuksek sowie vor allem Demiral, einer der Väter des Sieges mit fast perfekter Abwehrarbeit und zwei erzielten Toren. Er ist auch gesperrt wegen seines „Wolfgrußes, dem Zeichen der rechtsextremistischen Vereinigung „Graue Wölfe“.Die in Deutschland allerdings (noch?) nicht verboten ist. Der Fall hat die hohe Politik erreicht. Die Türkei bestellte den deutschen Botschafter ein und verbat sich deutsche Kritik. Daraufhin hat Deutschlan den türkischen Botschafter einbestellt .. Jetzt lässt es sich Präsident Erdogan nicht nehmen, live vor Ort im Olympiastadion das Spiel zu verfolgen, ganz ohne politischen Hintergrund, versteht sich … (Und dabei will ich es auch bewenden lassen …
Mein zu Österreich haltendes Herz hat schon geblutet, aber nicht aus „Revanche“-Gedanken mache ich den
Tipp: Holland

 

Der war doch schon drin!

Achtelfinale, Tag 4

Das Beste kam zum Schluss. Nämlich Österreichs Anrennen in einem an Leidenschaft nicht zu überbietendem Spiel. Letztlich vergebens, und so kommt es im Viertelfinale in Berlin zum Treffen der Holländer gegen die Türkei und dem hoffentlich friedlichen Clash der größten Fangruppen.

Rumänien – Niederlande 0:3
Nach der recht mühsamen Anfangsviertelstunde ein sehr dominierender und überzeugender Auftritt von Oranje. In dieser Form könnte es tatsächlich weit gehen für die Holländer. Die Rumänen hatten der Spielkunst recht wenig entgegenzusetzen. Das 3:0 war auch in der Höhe verdient, es wurden ja auch noch Chancen vergeben.

Mann des Spiels
Cody Gakpo: Der Angreifer des FC Livepool war nie zu stoppen. Das 1:0 erzielte er selbst, wobei Rumäniens Schlussmann Florin Nita nicht glücklich aussah, um es vorsichtig auszudrücken. Das die Partie entscheidende 2:0 legte er mit einem brillanten Solo an der Grundlinie perfekt auf, so dass der eingewechslete Donyell Malen nur noch einzuschieben brauchte. Der Dortmunder besorgte dann auch das 3:0 – es war der erste Doppelpack eines Spielers in diesem Turnier; im bereits 43. Spiel.

Stark trotz der Niederlage
Keiner fiel besonders auf, keiner fiel besonders ab. Das ganze Team wirkte überfordert.

Ausblick des Siegers
Gruppendritter und doch im Viertelfinale – das gibt der EM-Modus her. Und dort muss noch lange nicht Schluss sein. Gerade offensiv haben die Holländer doch große Qualität, und Ronald Koeman lässt Gott sei Dank auch offensiv spielen.Oranje ist nach wie vor mein Vavorit in diesem Turnier-Ast, also Finalkandidat.

Und die Verlierer?
Gruppensieger und doch ausgeschieden- das gibt der EM-Modus her. Gegen Holland ist das keine Schande, das Team hat einfach seine Grenzen, und die hat Rumänien noch nicht einmal erreicht. Drei Mannschaften aus der Gruppe E standen im Achtelfinale, alle drei sind raus. Und niemand wird ihnen wirklich hinterherweinen

Österreich – Türkei 1:2

Eine letzte österreichische Flanke flog in den türkischen Strafraum. Sie erreichte zielgenau Christian Baumgartner, der lehrbuchmäßig den Kopfball entgegen die Laufrichtung von Schlussmann Mert Günok ansetzte. Das musste doch der längst fällige Ausgleich sein
https://www.youtube.com/watch?v=OnVL_StP9YI
. (05:00)
Die Live-Reporter hatten schon den Torschrei auf den Lippen, doch zu früh. Mit einer Glanzparade, der besten des Turniers, verhinderte Günok den Einschlag, und wenig später standen die Türken als Sieger fest. Sie hatten nicht mehr die Kraft zum Jubeln und sanken ermattet in nasse Gras – wie die Österreicher, die allerdings eher aus bleierner Enttäuschung.
Dieses rassige Spiel entschädigte doch sehr für manch graupeligePartien im Achtelfinale, es hatte alles, was zum Fußball dazugehört. Einen krachenden Beginn mit dem Führungstor der Türken nach nur 57 Sekunden. Tolle Chancen der Österreicher danach fast im Minutentakt. Nach 20 Minuten Abebben des Ansturms. Nach der Pause hatte Marco Arnautovic vielleicht die Beste Möglichkeit, er scheiterte frei am glänzend reagierenden Günok. die vermeintliche Entscheidung, als erneut Meih Demiral erneut nach einer Ecke traf. Hoffnungsschimmer nach dem Anschlusstreffer durch Michael Gregoritsch, auch nach einer Ecke.
In der 65. Minute war das, also grundsätzlich genug Zeit. Es folgte das besagte Anrennen, und alles passte, was einen Krimi ausmacht. Der ströende Regen, ein glänzender Schiedsrichter, der das Spiel, wo es nur ging, laufen ließ (und manchmal auch, wenn es eigentlich nicht ging …), kein Getue auf dem Platz, erstaunlich wenig Zeitspiel der Türken. Ja, sie ließen sich wegen Krämpfen behandeln, aber das war echtes Leiden, tatsächlicher Kräfteverlust. Und niemand im Stadion, an den Fernsehgeräten kannte das Ende – bis zum Showdown, dem Duell Schütze gegen Torwart, das eben so ausging, wie es dem Fußball-Gott gefiel, denn irgendeine Instanz muss für dieses Drama doch verantwortlich zeichnen.

Mann des Spiels
Mert Günok: Vor der Partie habe ich venommen, dass er zu Hause nicht unumstritten sein soll, das Trainer Vicenzo Montella doch bitte jemand anderen aufstellen sollte, dass er ein Schwachpunkt des Teams sei. Dann legt er eine praktisch fehlerlose Partie hin mit dieser Parade, die sich jetzt schon unauslöschlich ins Hirn zumindest aller türkischen und österreichischen Fans eingegraben hat (und bei jedem Rückblick hervorgekramt werden wird). Ein englischer Reporter verglich sie mit der von Gordon Banks 1970 (!) bei der WM gegen Pelé, bisher die Mutter aller Saves. https://www.youtube.com/watch?v=HNLam4RAbg8

Stark trotz der Niederlage
Christoph Baumgartner: Unermüdlicher Antreiber. Suchte den Abschluss, schrammte in der 2. Minute ganz knapp am Ausgleichstreffer vorbei. Und dann sein Kopfball, der ihn  sein Leben lang verfolgen wird …“Ich würde alles wieder so machen“, bekannte er fassungslos.

Ausblick der Sieger
Die Türken müssen vor allem wieder zu Kräften kommen. Sie werden sich wieder mit allem, was sie haben, den Holländern entgegenwerfen. Zumindest ist Hakan Caljanoglou nach seiner Gelbsperre dabei. Eine Sperre droht allerdings dem zweifachen Torschützen Demiral, der den sogenannten Wolfsgruß beim torjubel zeigte.dem Symboldre rechtsextremen „Grauen Wölfe“, die der Verfassungsschutz beobachtet. Das überschattet den Sieg erheblich, doch egal wer spielt: Oranje ist gewarnt.

Und die Verlierer?
Vielleicht war das alles zu viel. Das Hochjubeln nach den beiden Siegen gegen Polen und Holland nicht nur in der Heimat in der Vorrunde. Das Gerede von „leichten“ Turnierast, dem möglichen Finale, das so greifbar sei. Der Hype um Trainer Ralf Rangnick. Plötzlich war Austria Favorit, eine bis dato unbekannte Rolle – und dann natürlich die kalte Dusche in der 1. Minute.
So sehr die mannschaftliche Geschlossenheit zu recht gelobt wurde, jetzt fehlte er eben, der Ausnahmekönner, dem  in der Offensive die Ausnahmeaktion gelingt. So war es ein zwar stetes Anrennen, auch nicht blind, aber außer  für Baumgartner gab es keine echte Tochance gegen das türkische Bollwerk. Dass in der Schlussphase keine frischen Offensiv-Kräfte, keine Brecher mehr zur Verfügung standen und auch deshalb einsichtlich erschöpfter Arnautovic durchspielen musste, das erkklärt die Niederlage ein wenig, so unverdient sie erscheinen mag.
Doch insgesamt überwiegt das Positive. Ich verfolge jetzt den österreichischen Fußball jetzt seit mehr als 50 Jahren (genauer gesagt, seit Novewmber 1973 und demnatürlich verlorenen WM-Quali-Entscheidungsspiel gegen Schweden) mehr oder weniger regelmäßig, ja ich leide mit ihnen. Und ich habe gestern mit ihnen gelitten. Doch noch nie habe ich ein österreichisches Team derart leidenschaftlich gegen eine drohende Niederlage sich aufbäumen, als insgesamt klar besseres Team ausscheiden sehen. Jetzt die Ruhe bewahren, Trainer Ralf Rangnick weiter machen lassen und vor allem weitermachen lassen, und da kann echt was entstehen. See you WM in America. Und nicht nur zum Frühstück.