von Münchner Löwe | Aug. 3, 2024 | basketball, Olympia, Paris, Schwimmen
Französischer Feiertag
Er hat es wieder getan. Leon Marchand gewann auch sein viertes Einzelrennen und avanciert endgültig zum französischen Sporthelden. Über 200 Meter Lagen deklassierte er erneut die Konkurrenz und schrammte nur um sechs Hundertstelsekunden an seinem eigenen Weltrekord vorbei. Seine Schmetterlingsstrecke sei nicht optimal gewesen, bekannte er. Marchands Olympia ist damit vorbei. Mit 22 Jahren steht er ja erst am Beginn seier Sportkarrierre. Ich bin gespannt, ob das Multitalent bei seinen Strecken bleibt oder sich neue Herausforderungen sucht. Langstrecke, Sprint – alles scheint möglich.
Schrieb ich Heldenstatus? Den hat Judoka Teddy Riner in Frankreich längst inne, so durfte er vor einer Woche zusammen mit 400-Meter-Legende Marie-Jose Perec das olympische Feuer entzünden (das, wie ich las, gar kein Feuer ist, sondern aus künstlichem Licht besteht. Gestern schlug Riner auch sportlich zu, bildlich gesehen. Im Superschwergewicht legte er alle Konkurrenten per Ippon auf die Matte und sicherte sich sein 3. Olympiagold in Folge.
Und weil die Franzosen so schön am Feiern waren, gab es am Abend noch einen Dreifacherfolg im BMX-Rennen. Joris Daudet siegte vor Sylvain Andre und Romain Mahieu, Namen, die mir gar nichts sagen. Ich kann mit diesem BMX-Rennen ehrlich gesagt wenig anfangen. Überholen ist praktisch unmöglich, wer nach de ersten Kurve vorn ist, hat praktisch gewonnen, zumal es nur über eine Runde geht. Spannend geht anders.
Aber auch für Franzosen wachsen die Bäume nicht in den Himmel. So schied Felix Lebrun im Tischtennis-Halbfinale gegen den Chinesen Fan Zhendong mehr oder weniger chancenlos aus. Fan bekommt es im Finale mit Truls Moregard zu tun, dem Schweden mit dem eckigen Schläger. Bei dem warte ich förmlich, dass er irgendwann explodiert.
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Die Basketballer ganz groß – mit zwei Siegen über französische Teams (Bäume nicht im Himmel und so). Praktisch gleichzeitig trafen die Männer-Weltmeister und das Frauen 3×3-Team auf die Gastgeber. Das von den formidablen Dennis Schröder und Franz Wagner angeführte Team ließ der Equipe Tricolore um Wunderkind Victor Wembanyama nie den Hauch einer Chance und gewann letztlich souverän mit 85:71, teilweise führten sie mit mehr als 20 Punkten. Schröder und Wagner sammelten je 26 Zähler, und Letzterer scheint seinen Wurf wiedergefunden zu haben. 8 von 15 fanden das Ziel, davon 3/7 Dreier. Der Erfolg war deshalb sehr wichtig, weil die Weltmeister so den haushohen Goldfavoriten bis zum Finale aus dem Weg gehen, der Weg dahin wird schwer genug, führt wahrscheinlich über Griechenland und Serbien.
Zum Nägelkauen spannend war dagegen das 3×3-Spiel der Frauen gegen Frankreich. 10 Minuten reine Spielzeit dauert eine Partie. Nur, werdet ihr sagen. Aber in diesen 10 Minuten gibt es für keine Protagonistin auf dem Feld eine Pause, es geht andauernd zur Sache. Kleine Einschränkung: Ein Team besteht aus 4 Spielerinnen, Wechsel sind zu jeder Zeit möglich. Auch wenn die Deutschinnen zunächst wenig trafen, auf ihre Kapitänin Svenja Bronckhorst ist Verlass. Heute mit einem Sieg gegen Spanien würden sie mindestens Platz 2 in der Vorrunde sicher haben und damit fix ins Halbfinale einziehen. Bei einer Niederlage muss der Rechenschieber ran, aber auch als Dritter hätte das Team in den Play-Ins heute Abend(wahrscheinlich vs Aserbaidschan oder China)
Leo Neugebauer auf Goldkurs. Der Zehnkämpfer führt recht klar nach dem ersten Tag und zeigte mehr als solide Leistungen. Über 400 Meter stellte er mit 47,30 Sekunden gar eine persönliche Bestleistung auf. Wenn man die bisher so erbrachten Leistungen aller in den einzelnen Disziplinen hochrechnet, ist Neugebauer nicht mehr einzuholen. Aber niemand weiß natürlich, wie es in den Köpfen der Sportler aussieht. Immerhin: Die 110 Meter Hürden, immer sehr tricky, hat er mit 14,51 Sekunden schon mal im Soll absolviert.
Enttäuschung der Springreiter: Als bestes Team der Qualifikation gingen Deutschland ins Finale und leistete sich vor der märchenhaften Kulisse Schloss Vesailles letztlich 2 Springfehler zu viel, also nur Platz 5. Das britische Team gewann. Das neue Format des Nationenpreises gefällt mir überhaupt nicht. Eine Equipe besteht nur noch aus drei Reitern oder Reiterinnen statt bisher vier, und es gibt nur einen statt zwei Durchgängen.
Silberjubel im Bogenschießen: Das Mixed Michelle Kroppen/Florian Unruh musste sich erst im Finale Südkorea geschlagen geben, holten in dieser Disziplin aber zum ersten Mal Silber bei Olympia. Die Südkoreaner schafften im dritten Pariser Wettbewerb das dritte Gold. Bogenschießnation halt.
von Münchner Löwe | Aug. 2, 2024 | basketball, Olympia, Paris, Tennis, Tischtennis, Turnen
Die sportliche Vielfalt, das macht Olympia aus. Und für mich persönlich: Dass ich bis zum Schluss nicht weiß, im Idealfall zumindest, ob mein auserkorener Favorit am Ende gewinnt oder nicht.
Japanische Dramen an der Platte
Nehmen wir das gestrige Tischtennis-Viertelfinale. „Meine“ Sportart, weil ich hier selbst wahrscheinlich am begabtesten bin. Früher am Fernsehen kaum zu verfolgen, heute eine der telegensten Sportarten überhaupt. Unglaubliche Ballwechsel. Und gestern zwei Japaner in den tragischen Hauptrollen. Zunächst Miu Hirano gegen die Yubin Shin. Ein nervenzerreißendes Auf und Ab über sieben prickelnde Sätze. Zwei Matchbälle hatte Mirano, zweimal vergab sie oder wehrte Shin gekonnt ab – je nach Sichtweise. Sie selbst nutzte ihre erste Möglichkeit. Danach weinten beide, die eine vor Glückselgikeit, die andere aus Enttäuschung. Wenig später traf Tonukazo Harimoto auf Zhendong Fan. Harimoto war ein Wunderkind, mischte schon als 13-Jähriger die Weltelite auf. Jetzt ist er 21, gesettled in der Weltelite, das schon, aber noch ohne die großen Titel, die ihm damals alle Experten en masse zugetraut hatten. Auch gegen Fan gab es ein begeisterndes 7-Sätze-Match, auch hier mit stetem Auf und Ab. Harimoto durfte beim Stand von 7:6 im 7. vom Sieg träumen, doch Fan rettete die chinsesische Ehre und gewann letztlich mit 11:7. Er verhinderte damit eine veritable Staatskrise, denn bei seinem Ausscheiden wäre die Tischtennis-Nation China ohne Männer-Medaille geblieben. Ein Trost für Japan: Mit Hina Hayata hat wenigstens eine Spielerin das Halbfinale erreicht.
Zwei junge Europäer sind ebenfalls noch im Medaillenrennen. Der erste 21-jährige Felix Lebrun , ein 21-jähriger Franzose, wie ein Philophiestudent aussehend mit seinem kurzen blonden Haar mit Nickelbrille. Er begeistert die Landsleute, die die Halle in ein Tollhaus verwandeln. Und da ist Truls Moredgard. Ein Schwede, der mit einem eckigen Schläger spielt als einziger der Weltelite. Herrlich (oder doch nervend?) aufbrausend. Episch jetzt schon die Szene, als er nach einem vergebenen Satzball wie ein ganz trotziges Kind wütend auf und ab sprang. Hat mich an meine eigenen Dramen an der heimischen Platte gegen Papa erinnert, seufz. Es könnte also ein französich-schwedisches Finale geben. Wie 1992 in Barcelona, als der große Jan-Ove Waldner auf Jean-Philippe Gatien traf. https://olympics.com/en/video/barcelona-1992-gold-medal-table-tennis-match
Unglaubliche Simone Biles
Die amerikanische Turnerin gewann den Mehrkampf, so weit, so erwartet. denn dass sie nach ihrem olympischen Nervenkollaps 2020 wieder in Topform ist, hat sie die Tage zuvor nachdrücklich gestätigt. Aber was sie am Boden ablieferte, ließ mich staunend und fassungslos zurück. Ja, der Untergrund federt, aber wie sie sich bei einem Schwung höchst in die Lüfte erhob wie ein stolzer Adler auf Beutejagd, dann Saltis und Schrauben noch und nöcher drehte (ich komm da beim Zählen nicht mehr mit), um dann fast wie festgemauert wieder zu landen, war mal wieder einer dieser olympischen Momente. Hier die Übungen. https://www.eurosport.de/kunstturnen/olympia-paris-2024/2024/olympia-2024-highlights-mehrkampf-gold-simone-biles-bleibt-gottin-des-kunstturnens-nur-rebeca-andrade-halt-mit_vid2200955/video.shtml
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– Die Basketballerinnen machen weiter extrem viel Spaß. In der regulären Version stehen sie bereits im Viertelfinale. Nach dem völlig überraschenden Sieg gegen Europameister Belgien gewannen sie auch gegen Japan, immerhin Silbermedaillengewinnerinnen 2020. Auch wenn diese nicht mehr so gut sind wie damals in Tokio -es war schon erstaunlich, wie abgezockt die deutschen Frauen sich den Sieg erarbeiteten. Grandios Satou Sabally, die allein in der 1. Hälfte 23 Punkte sammelte. Sie ist der Anker des deutschen Teams, Gott sei Dank hat sie ihre schwere Schulterverletzung, die sie im Qualifikationsturnier in Brasilien erlitt, offenbar bestens kuriert. Jetzt folgt noch ein (sportlich letztlich unbedeutendes) Zuckerl in der Vorrunde gegen die übermächtigen USA, bevor es im Viertelfinale ernst wird. Egal gegen wen es dort geht (die USA kommen ja nicht in Frage), ich sehe durchaus Gewinn-Chancen.
Genauso erstaunlich ist der Siegeszug des 3×3-Teams. Dieses steht nach dem Sieg heute Morgen gegen China bereits bei 4:1 Siegen. Im Achterfeld scheint ein Platz unter den besten 2 mehr als realistisch, das schon die direkte Halbfinal-Qualifikation bedeuten würde. Die Play-Ins dazu, also mindestens Platz 6, sind schon fix. Auch hier: Alles ist möglich. Heute Abend geht es noch gegen Gastgeber Frankreich, das wird ein Spektakel für sich am Place de la Concorde.
– Dass Sofia Polcanova das Tischtennis-Viertelfinale erreichte, ist ein Riesen-Erfolg, den niemand erwarten durfte. Die Österreicherin war die letzte europäische Vertreterin in der Runde der besten Acht. Dort allerdings erhielt sie von der Chinesin Meng Cheng beim 0:4 eine Lehrstunde, musste einen Satz gar mit 0:11 abgeben.
– Die Leiden des Sascha Z.: Der Hamburger Tennisprofi war in seinem Viertelfinale den Italiener Lorenzo Musetti körperlich sichtlich nicht auf der Höhe. Es war fast nicht anzusehen, wie er litt. Das erkannte offenbar auch die griechische Stuhlschiedsrichterin, die gnädig über seine längeri Pausen hinwegsah und ihn nicht wegen Zeitüberschreitungen verwarnte. Musetti ließ sich nicht beeindrucken. Der Italiener beendete die Partie mit einer seiner so wunderbaren anzusehenden einhändigen Rückhand. Jetzt darf er gegen Novak Djokovic ran. Der Serbe gewann gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas, obwohl auch er im 2. Satz wie einwandelnder Leichnam aussah. Er bekam eine Pille, offenbar eine mit Wunderwirkung, denn plötzlich rannte er wieder leicht wie ein lebhaftes Füllen umher. Für die haushohe Favoritin Iga Swiatek ist der Goldtraum dagegen passé. Im Halbfinale unterlag sie der Kerber-Bezwingerin Qinwen Zheng. Sensationell ebenfalls im Endspiel steht die Kroatin Donna Vekic, die eigentlich nach den French Open im Juni an hleicher Stelle ihre Karriere beenden wollte, aber es „ein letztes Mal“ noch mal probieren wollte. Jetzt hat die Kroatin mit dem starken Aufschlag Silber, Gold könnte es werden. Erinnerungen werden wach an das One-Hint-wonder Monica Puig 2016, die mit ihrem Endspielsieg gegen Angelique Kerber in Rio Gold holte.
von Münchner Löwe | Juli 31, 2024 | Allgemein, basketball, Olympia, Paris, Rugby, Schwimmen
Mal was zum Fernsehen und den Streams. Es ist schon toll, wie ARD/ZDF und discoveryplus vor allem in ihrem Streams das Geschehen abdecken. Dann dürfen sie in ihren Hauptsendungen gerne auch mal das eine oder andere Interview senden, obwohl es parallel Live Sport gibt. Von all den Experten und Expertinnen möchte ich Dorothea Brandt beim Schwimmen herausheben, die technische Feinheiten nicht nur sieht, sondern sie auch erklären kann. Und von den Reportern ist Carsten Sostmeyer beim ARD-Reiten schon seit Jahren eine Marke für sich. Nicht zu erklären und vor allem von niemandem zu imitieren.
Ein Ärgernis ist allerdings, dass bei discovery+ viele Streams ohne deutschen Ton gesendet werden. Gehört sich nicht für ein Bezahlprodukt. Ich könnte natürlich sagen: Danke, dass ihr mein Englisch verbessern wollt. Oder gar Finnisch?
Die Kiwinesses triumphieren
Was den neuseeländischen Männern im Rugby versagt blieb, dass schafften die Frauen. Gold in der 7er-Version. Im Endspiel gegen die hartnäckigen Kanadierinnen mussten sie allerdings alle Kräfte aufbieten. Erneut war das Stade de France ausverkauft, obwohl die französischen Frauen mit de Maedaillenvergabe nichts zu tun hatten.
Sensation durrch die Basketballerinnen im Dreier
Nämlich ein Sieg gegen den haushohen Goldfavoriten USA. Eine durch und durch großartige Leistung in einem spektakulären Sport, in dem es ohne jede Verschnaufspause hn und her geht.
Simone Biles verscheucht die Olympia-Geister
2020 in Tokio war die Ausnahmeturnerin aus den USA mit den Nerven völlig am Ende, musste für den Mannschaftswettbewerb passen. Jetzt ist sie wieder voll dabei und führte ihr US-Team zu Gold. Und sie hat noch vier weitere Möglichkeiten, ihre Medaillenbilanz aufzustocken.Die USA siegten vor den eerstaunlichen Italienerinnen.
Briten triumphieren
In der Königsdisziplin im Schwimmen. Die spektakuläre 4x 200-m-Freistilstaffel wurde eine klare Angelegenheit. USA und Australien blieben nur die Plätze und den Deutschen ein achter Platz.
Und sonst
– Sensations durch Ägyptens Fußballer. Die Nordafrikaner gewannen gegen Spanien mit 2:1. Besser machten es Spaniens Basketballer, die Grichenland um Giannis Antetokuonpo mit 84:77 bezwangen. Hier standen die Japaner vor einer faustdicken Überraschung gegen Frankreich, doch durch einen Dreier plus Foul konnte Victor Wembanyama die Schmach noch abwenden.
– Auch das Unentschieden von Angolas handballerinnen gegen Ungarn war nicht ungedingt zu erwarten.
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Erfolgreiche Basketballer. Die Weltmeister buchten durch den Sieg über Brasilien das Viertelfinale. Dabei war allerdings nicht alles Gold, was glänzt. So kassierte das Team im 2. Viertel gleich 31 Punkte. Und Franz Wagner hat seinen Wurf völlig verloren. Den brauchen sie allerdings in Bestform, um die erhoffte Medaille auch zu erobern.
Handballerinnen wahren Chance: Das Team um Emily Bölk gewann nach zwei herben Klatschen klar gegen Slowenien. Allerdings muss höchstwahrscheinlich ein weiterer Sieg gegen die sehr hoch eingeschätzten Däninnen oder Norwegerinnen her, um das Viertelfinale zu sichern.
von Münchner Löwe | Juli 29, 2024 | basketball, Olympia, Paris, Radsport, Schwimmen
Geländeritt vorm Schloss Versailles, Beachvolleyball unterm Eiffelturm Fechten in den erhabenen Hallen des Grand Palais- und dazu auch noch Sonnenschein. Paris bietet schon.
Statement des US-Teams
Das Sammelsurium der US-NBA-Stars hat gezeigt, dass nicht nur jeder für sich Extraklasse darstellt, sondern auch als Team funktioniert. Gegen die überaus ambitionierten Serben setzten sich die USA letztlich souverän mit 110:84 durch. Anfangs konnten die Serben einigermaßen mithalten, angeführt von Nikola Jokic und Bogdan Bogdanovic, doch spätestens wenn die Bankspieler reinkommen, wird es halt schwierig. Da wirft ein Kevin Durant halt mal 5 von 5 Dreier. Trainer Steve Kerr, selbst ein brillanter Distanzwerfer und überaus erfolgreicher Coach der Golden State Warriors, hat es offenbar geschafft, seine Stars bei Laune zu halten auch bei geringeren Einsatzzeiten, als sie es bei ihren Clubs gewohnt sind. Der serbische Trainer findet ja, dass dieses US-Team besser ist als das legendäre Dream Team 1992 mit Magic Johnson und Michael Jordan – ein Sakrileg. Diese Mannschaft wird ein für alle Mal einmalig bleiben, Vergleiche verbieten sich.
Marchand schwimmt – und die Halle fliegt weg
Der Franzose ist ein Schwimm-Genie, es hat wahrscheinlich noch nie einen gegeben, der in allen Disziplinen Weltklasse ist. Die 400 Meter Lagen sind für ihn prädensteniert, und er lieferte. Er deklassierte die Konkurrenz um mehr als 8 Sekunden, eine Schwimm-Ewigkeit. Die ohnehin sehr stimmungsvolle Halle kochte förmlich über, das Dach flog weg. Und Leon Marchand? War nicht hundert Prozent zufrieden mit sich, denn den angepeilten Weltrekord, den selbstverständlich er selbst hält, verpasste er. Die Anzeichen verdichten sich, dass das Becken nicht das allerschnellste ist, hat es doch noch überhaupt keinen Weltrekord gegeben, höchst ungewöhnlich bei Olympischen Spielen im Schwimmen. Das Becken ist nur 2 Meter tief, bei den Tauchphasen müssen die Aktiven tatsächlich aufpassen, nicht an die Unterwasserkameras zu stoßen.
Weltmeisterin Anelika Köhler verpasste über 100 Meter Schmetterling als Vierte eine Medaille. Sie war untröstlich und voller Ärger. Nämlich darüber, dass eine überführte Dopingsünderin Bronze holte. Zhang gehörte nämlich zu den 21 Chinesinnen und Chinesen, die noch vor den Spielen 2020 positiv getestet wurde und unter fadenscheinigsten Gründen (verseuchtes Essen in der Kantinee) erst vom nationalen Verband, später auch vom IOC exkulpiert wurden. Ein veritabler Skandal, der jegliche Anti-Doping-Kampagnen des IOC ad absurdum führt. Dieses will Geschäfte machen, und die Chinesen undihre Sponsoren zahlen Aber-Millionen, will man nicht verärgern. Die anderen Schwimmer werden dann halt um Medaillen betrogen und stehen auch noch als schlechte Verlierer da, wenn sie sich darüber beschweren.
Pauline Prevot wie Pogacar
Auch im Mountainbike der Frauen durfte Frankreich Gold bejubeln. Pauline Prevot fuhr der Konkurrenz wie gerade Tadej Pogacar bei der Tour auf und davon und siegte mit mehr als 3 Minuten Vorsprung. Es war ein spektakulärer Kurs über Stock und Stein und manch künstlicher Barriere wie Treppenstufen oder ein Fels-Labyrinth. Schöne spektakuläre Bilder, aber leider auch schwere Stürze. Am schlimmsten erwischte es die Französin Loana Lecomte. Sie blieb zunächst bewegungslos liegen, doch die Ärzte konnten Entwarnung geben. „Nur“ eine Gehirnerschütterung und Gesichtsprellungen hat sie erlitten
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Pech hatte Slalom-Kanutin Ricarda Funk. Mit der besten Halbfinalzeit aller Teilnehmerinnen hatte sie sich fürs Finale qualifiziert und durfte Medaillenhoffnungen hegen. Auf dem Weg dahin verpasste sie allerdings ein Tor und kassierte 50 Strafsekunden. Ein kleiner Trost, wenn man so will: Auch ohne diesen Fauxpas hätte es nicht zu einer Medaille gereicht, und Gold für die Australierin Jessica Fox war nach deren Traumfahrt gerade im unteren Teil ohnehin außer Reichweite.
Mehr als eine Talentprobe lieferte Mountainbikerin Laura Stigger, die als Sechste bisher das beste österreichische Ergebnis bei Olympia herausfuhr. Lange hielt sie sich in der ersten Verfolgungsgruppe hinter Prevot, musste dann aber abreißen lassen.
Einen brillanten Ritt durchs Gelände absolvierte Vielseitigkeitsreiter Michael Jung auf Chipmunk, der vor dem abschließenden Springen heute Nachmittag in Führung liegt, allerdings darf er sich dort nur einen minimalen Zeitfehler leisten, wenn die Britin Laura Collett fehlerlos bleibt. Dagegen haben sich die Hoffnungen auf eine Mannschaftsmedaille zerschlagen, weil Christoph Wahler kurz vor Schluss stürzte.
Und sonst?
– Fecht-Spektakel im Grand Palais: Dabei behielt im Degen-Einzel der Japaner Koki Kano die Nerven und siegte in der tobenden Halle sicher gegen den Lokalmatadoren Yannick Borel mit 15:7.Im Frauen-Florett gab es durch Lee Kiefer und Lauren Scruggs einen US-amerikanischen Doppelerfolg. Die Deutsche Anne Sauer scheietrte im Viertelfinale an der späteren Bronzemedaiilen-Gewinnerin Alice Volpi aus Italien.
– Jugend forsch: Die erste Skateboard-Entscheidung mutierte zum Mädchen-Wettbewerb.Es siegte die Japanerin Coco Yoshizawa(15) vor ihrer Landsfrau Liz Akawa (16) und Rayssa Leal (15) aus Brasilien. Das Podest ist richtig alt gegenüber dem von Tokio (13, 13, 16). Schon witzig, dass das in meiner Jugend aufgekommene Skateboarding (also in den 70ern) immer noch so trendig ist.
von Münchner Löwe | Juni 20, 2024 | basketball, Eishockey, NBA, NHL
Hallo zusammen, nach Gott sei Dank nur kurzer OP-Pause melde ich mich wieder zurück. Viel ist passiert, und nachdem ich die NBA-Saison so intensiv begleitet habe möchte ich ihr Ende nicht unkommentiert lassen, auch nicht die NHL, wo die Finalserie zwischen Panthers und Oilers noch (oder wieder?) spannend ist.
Blick über den Teich
BOSTON CELTICS* – Dallas Mavericks 106:88 (4:1)
Spannend war es wirklich nicht mehr im TD Garden zu Boston. Nach ihrer Klatsche in Spiel 4 zeigten die Celtics von Beginn an, wer Herr im (Zu)hause ist. Zur Pause war schon alles entschieden beim Stand von 67:46 – der Rest war Schaulaufen. Ein banaler Grund: die furchtbare Dreierquote der Mavericks und insbesondere von Luka Doncic. Der Spielmacher traf in den letzten 3 Spielen nur 3 von 24 Versuchen – indiskutabel.
Mann des Spiels
Jayson Tatum: 31 Punkte, 11 Assists und 8 Rebounds – starke Zahlen, auch wenn auch er von der Dreierlinie extrem schwächelte (1/7). Hervorheben möchte ich aber Jrue Holiday, der beste Verteidiger der so starken Boston-Defese. Zu der überraschend auch Kristaps Porzingis seinen Anteil beitrug trotz der Verletzung, die eine OP unausweichlich machte.
Stark trotz der Niederlage
Trotz allem: Luka Doncic. Trotz lästigster Dauerbewachung ist er dasUm und Auf der Mavericks. 28 harterkämpfte Punkte sammelte er. Seine Zweierquote war mit 10/16 herausragend. Allerdings erhielt er keine große Unterstützung. Gerade Kyrie Irving enttäuschte abermals im Bostoner TD Garden. Ein Lichtblick: Josh Green und siene 4/6 Dreier.
🇩🇪 Deutsche Brille 👓
Maxi Kleber erhielt 13:26 Einsatzzeit. 2 Punkte, 3 Rebounds – alles andere als berühmt. Aber seine Verletzung behindert in sehr stark
Fazit und Ausblick
Mit den Celtics gewann das beste Team der NBA-Saison auch den Titel. Sie hatten die beste Bilanz im Grunddurchgang und waren in der K.o.-Runde nie gefährdet. 16:3 Siege sind schon sehr beeindruckend. Sie haben mit Jayson Tatum und Jaylen Brown ein herausragendes Duo. Brown wurde zum MvP gewählt, Geschmackssache, mir hätte es besser gefallen, wenn beide zusammen geehrt worden wären. Die beste Defense hat die Championship tatsächllich gewonnen. Vor allem Brown und Hliday leisteten gegen Doncic fantastische ArbeitMüßig zu spekulieren, ob ihnen die Bucks/Pacers/Heat in Bestbesetzung mim Osten mehr gefährdet hätten, ob sie in den Finals mit den Timberwolves oder Nuggets mehr Schwierigkeiten gehabt hätten.
Die Mannschaft bleibt zusammen, und sie ist ja bis auf Al Horford noch jung. Gerade Tatum, Brown und Holiday haben noch sehr gute Jahre vor sich. Klar, man muss abwarten, wie Porzingis seine OP übersteht, und seine Verletzungsanfälligkeit wird bleiben. Großer finanzieller Spielraum für echte Verstärkungen gibt es nicht.
Ähnlich schaut es bei den Mavericks aus. Doncic war schon sehr gut, aber er kann noch (viel besser werden, wenn er sich aufs Spielen konzentriert. Die dauernde Reklamerierei ist schon fast toxisch, hier muss Trainer Jason Kidd ansetzen. Kyrie Irving ist ebenfalls ein herausragender Spielr, der großen Anteil am Erreichen der Finalserie hat, wo er dann leider seine Bestform nicht abrufen konnte. Ansonsten ist auch hier viel Potenzial, zumal die erst im Februar verpflichteten PJ Washington und Daniel Gafford jetzt Zeit haben, in die Spielsysteme besser eingebunden zu werden.Gespannt bin ich, ob wie Kidd einen Dante Exum, einen Dereck Lively noch besser machen kann.
Ich freue mich schon auf die Saison 2024/2025
Die Oilers leben noch
Schafft Edmonton das Unmögliche. Die Hoffnung ist da nach dem beeindruckenden 5:3 in Spiel 5 der Finalserie bei den Florida Panthers, mit dem sie in der Serie auf 2:3 verkürzten. Und das liegt vor allem an Conor McDavid: 2 Tore, zwei Assists gelangen ihm in Sunrise. Er hält jetzt bei 40 Play-off-Scorerpunkten, das haben in einer Saison nur die absoluten Legenden Wayne Gretzky und Mario Lemieux geschafft. Die Bilanz der Finalserie. In den ersten 3 Spielen gerade mal 3 Assists, bei den beiden Siegen zuletzt: 3 Tore, 5 Assists
Draisaitl-Watch
Im Punkte-Tief. Der Kölner kommt einfach nicht ins Rollen. Weiter in der Finalserie ohne Torerfolg und nur 2 Assists. Am Dienstag in Sunrise auch nur ein Schuss und nur 40 Prozent der Bullys gewonnen.
Ausblick
Es geht jetzt wieder nach Edmonton, wo in der Nacht zu Samstag Spiel 6 ansteht. Die Oilers mit Rückenwind, die Panthers mit Sorgen. Noch haben sie die Statistik auf ihrer Seite und eben die 3:2-Führung. Aber 1942 rückt näher, als zum ersten und einzigen Mal die Toronto Maple Leafs in einer Finalserie einen 0:3-Rückstand noch drehen konnten, damals gegen die Boston Bruins. Ein Faustpfand der Oilers ist dann dieser Draisaitl, der ja das Eishockeyspielen und Toreschießen nicht verlernt haben kann. Wenn der auch noch aufblüht …
Ansetzung
Sa., 02:00: Edmonton Oilers – Florida Panthers (2:3)
von Münchner Löwe | Juni 15, 2024 | basketball, NBA
Blick über den Teich, NBA
Dallas Mavericks – Boston Celtics 122:84 (1:3)
So dürften sich das die Mavs-Fans vorgestellt haben. Eine frühe Führung, Ausbau zu einem komfortablen Vorsprung und lockers Ausspielen im Schlussabschnitt, wo dann einige Ersatzleute auftrumpfen können.
So fand Luka Doncic früh in den Flow (13 Punkte im 1. Quarter), traf Kyrie Irving (9), und weil es von Anfang an so toll lief, gelang Dereck Lively sogar ein Dreier, der erste in der gesamten Saison.
Nach ausgeglichenem Beginn war es mit der Boston-Herrlichkeit schnell vorbei, sie trafen außer Jayson Tatum nicht mal mehr einen Möbelwagen. Im 2. Viertel nahm ihr Desaster seinen Lauf, als die Mavs praktisch ohne Gegenwehr auf 50:25 davonzogen. Zur Pause stand es 61:35, und in dieser Tonart ging es munter weiter. 45 Punkte war der höchste Vorsprung, der Sieg mit +38 noch deutlich genug.
Auffällig war, dass die Mavs viel schneller spielten als bisher, dass nicht nur Doncic die Angriffe orchestrierte (er war wichtig genug). So wurde die Celtics-Defense ein ums andere Mal ziemlich hergespielt
Mann des Tages
Luka Doncic: 25 Punkte in der ersten Hälfte – und das, obwohl er keinen Dreier traf (4 Versuche) Ansosten die Wurfquote aus dem Feld überragende 10 von 14. Nicht ddas Um und Auf, und in der 2. Hälfte konnte er sich und seinen geschundenen Körper
Stark trotz der Niederlage
Fehlanzeige
x-Faktor
Dereck Lively: Dominierte gerade in der 1. Halbzeit die Bretter. 10 Rebounds, 6 davon offensiv.
🇩🇪 Deutsche Brille 👓
Maxi Kleber mit 23:12 Einsatzzeit, in denen er 5 Punkte sammelte.
Und sonst?
– Tim Hardaway kam erst in Spiel, als alles entschieden war. Trotzdem beeindruckend seine 5/7 Dreier. Auch ein Dante Exum konnte sich empfehlen.
– die Celtics trafen nur 29/80 Würfe, darunter 14/41 Dreier. Unterirdisch.
Ausblick
Spiel für Spiel, das ist die Maxime der Mavs. Sie haben gezeigt, dass auch der Celtics-Defense beizukommen ist. Allerdings dürfte Boston nicht noch mal so eine verheerende Wurfquote zusammenstümpern, gerade im heimischen TD Garden. Sie bleiben Favorit um den Titel, müssen aber diese Klatsche erst mal aus den Kleiden schütteln.
Ansetzung
Di., 02:30: Dallas Mavericks – Boston Celtics (1:3)
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