Das war die Woche, die war

Wo anfangen, wo aufhören. Zig Welt- und Europameisterschaften, dazu das geballte Fußball-Programm in den europäischen Ligen (die ich hier schnöde ignoriere), und dies und das und jenes. Ich versuche das mal zu sortieren. Wie erwähnt: Rein subjektiv und mit viel Mut zur Lücke.

16 Jahre jung und sooo erfolgreich

Ich gebe es ja zu, die Rhythmische Sportgymnastik steht jetzt nicht ganz oben meiner bevorzugten Sportarten. Hin und wieder ein Blick dahin, Faszination und auch ein bisschen Irritation darüber, wie beweglich der menschlichen Körper sein kann. Ich fürchte, es wird bitter nachgeholfen. Aber wenn ein 16-jähriges deutsches Mädchen (mit russischen Wurzeln) bei einer Weltmeisterschaft wie gerade in Valencia fünf von fünf Titeln abgreift, das ist das jede Erwähnung wert. Darja Varvolomeev heißt das Wunderkind, das die Fachwelt entzückt. Vergesst Regina Weber oder Magdalena Brzeska, falls die Euch ein Begriff sind. Ich hoffe, wenigstens im Nachgang erhält sie die Aufmerksamkeit, die ihr bisher doch ziemlich versagt blieb. Aber vielleicht ist ihr das auch recht, nicht so im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. Schade für sie, dass es bei Olympia nur die Mehrkampfentscheidung gibt. Und da ist vielleicht sogar das deutsche Fernsehen live dabei.

Traurige Nullnummer in Budapest

Wirklich viele Medaillen durfte der deutsche Leichtathletik bei der WM nicht erwarten, erst recht nach prominenten Ausfällen wie Weitspringerin Malaika Mihambo. Aber gar kein Edelmetall – das ist doch eine veritable Enttäuschung und hat es auch noch nie gegeben. Und was eigentlich noch mehr Sorgen macht, wie brach man in manchen Disziplinen darstellt. Dass man in den Laufwettbewerben mit den Stars aus den USA, der Karibik und Afrika nicht mithalten kann, ist bekannt. Andererseits zeigen etwa die Norweger und die grandiose Femke Bol, dass man auch als weißer Europäer(in) in die Phalanx einbrechen kann. Was mich wirklich irritierte war der Umstand, dass es auch in den Wurfdisziplinen, sonst verlässliche „Retter“ der deutschen Bilanz, unfassbare Lücken gab wie Kugelstoßen der Männer oder Speerwerfen der Frauen. Da läuft einiges schief. Ich habe vieles nur relive gesehen weil zeitweise Bodensee-urlaubend, aber das sind meine drei Höhepunkte einer insgesamt sehr stimmungsvollen WM mit sehr spannenden Entscheidungen. Ich hoffe einfach mal, dass die Sieger- und Medaillenlisten nicht nachträglich korrigiert werden müssen.

– das Beste kommt zum Schluss, und das beinahe wortwörtlich. Der unglaubliche Endspurt der Femke Bol in der 400-m-Staffel, der die Holländerinnen im letzten Wettbewerb der WM noch zum Sieg führte. Hier hat jemand alles gegeben und nicht nur heiße Luft produziert. (Ich sag jetzt nicht, an wen ich gerade denken muss …). Und das nach dem furchtbaren Auftakt, als sie in der Mixed-Staffel (schön, dass es das auch bei den Leichtathleten gibt) den vermeintlich sicheren Sieg durch einen Sturz kurz vor Schluss wegwarf. Das Gold über 400 m Hürden war ja fest eingepreist, aber dass sie ihre Staffel in dieser Form zum Sieg führen würde. Wau!

– Stabhochsprungshow. Was für ein Wettbewerb. Keine Medaille mit 5,90 Metern. „Nur“ Silber mit 6,00 Metern. Und Mondo Duplantis in anderen Sphären. Es war schlicht grandios, was die Stabis am Samstag zeigten, wobei sie natürlich von idealen Bedingungen (kein Wind, große Wärme) profitierten. Wer das nicht spannend fand, dem ist nicht zu helfen. Und auch die Frauen-Konkurrenz war außerordentlich mit am Ende zwei Goldmedaillen für Nina Kennedy und Katie Moon, die sich auf den geteilten Sieg einigten. Schön, dass es diese Möglichkeit gibt und nicht bis zum Exzess „gerittert“ werden muss.

– Der Halbzeit-Weltmeister. Ein großer Vorteil der Zehnkämpfer ist, dass man sie in zwei Tagen bestens kennenlernen kann mit ihren Höhen und Tiefen. Man denke an Frank Busemann, Silbermedaillen-Gewinner 1996 und immer noch in der ARD präsent. Und jetzt fasziniert Leo Neugebauer die darbende deutsche Leichtathletik. Und er menschelte, was ihn fast noch sympathischer macht, war er doch nach einem unglaublichen Auftakt nach dem ersten Tag auf Gold-, aber auf jeden Fall Medaillenkurs. Zeigt Schwächen zu Beginn des zweiten Tages, rappelt sich am Ende auf mit zwei persönlichen Bestleistungen. Es reichte dann halt nicht zur Medaille, weil andere weniger Ausschläge hatten. Und am Ende jubelte Kanada mit Gold und Silber. Nichtdestotrotz ist Neugebauer einer der wenigen deutschen LA-Hoffnungen für die Zukunft.

Nur der Himmel als Grenze?

Was für ein Start der deutschen Basketballer. Klar, den Sieg über Japan durfte man erwarten, die andererseits immerhin Finnland mit ihrem NBA-Star Lauri Markkanenbezwangen. Aber dass sie ohne ihren besten Franz Wagner die mit NBA-Profis gespickten Australier bügeln würden, hätte ich ehrlich gesagt nicht geglaubt. Dennis Schröder überflügelte mit seinen 30 Punkten sogar Dirk Nowitzki bei einem deutschen WM-Spiel. Maodo Lo blühte gerade noch rechtzeitig auf, Daniel Theis war in der Defensive eine Bank. Man darf also hoffen, dass es tatsächlich sehr weit gehen kann. Das Viertelfinale ist zumindest ganz nah, denn dafür dürften Siege gegen Finnland und die Kap Verden reichen, die mit allem Respekt zu bezwingen sind. Und dann? Ist alles möglich. Wobei für mich Kanada und die USA noch ein Stückerl besser einzuschätzen sind.

Frankreich dagegen ist schon draußen. Auch wenn ich sie nicht im Viertelfinale gesehen habe, mit so einem frühen Aus und einer Niederlage gegen Lettland war nicht zu rechnen. Sie werden sich hoffentlich steigern für Heim-Olympia 24.

Unglück im Übermaß

Eine Warnung für die Basketballer: Auch die Volleyballerinnen sind mit zwei Siegen in die EM gestartet, und dann folgte das Desaster. Niederlagen gegen die als schwächer eingeschätzten Tschechinnen und Schwedinnen. Chancenlos gegen die Türkei und Polen. Und schwere Verletzungen bei den Zuspielerinnen Hanna Ortmann und Anne Hölzig. Ein Turnier zum Vergessen und leider sehr trübe Aussichten, was eine Olympia-Qualifikation betrifft. Aber auch hier: faszinierende Spiele und Lust auf mehr im Viertelfinale, auch ohne die Deutschinnen.

Rubiales nervt tierisch

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich Egomanen an ihren Ämtern festhalten und einfach nicht wissen, wann genug genug ist. Siehe Luis Rubiales, Chef des spanischen Fußball-Verbandes. Eigentlich müsste Spanien auf einer Wolke der Glückseligkeit schweben nach dem WM-Triumph der Fußballerinnen vor einer Woche. Stattdessen debattiert das Land über den auf- und ausfälligen Rubiales, der Jenni Hermoso auf den Mund küsste und unmittelbar neben seiner Königin (und deren Tochter) sich ans Gemächt fasste. Das ist schon schlimm genug. Aber wie er jetzt gegen die nahezu komplette spanische und auch internationale Öffentlichkeit weiter an seinem Posten klebt, ist schon fast wieder bewundernswert. War doch nicht so schlimm, sie wollte es doch auch. Immer wieder ungern gehört sind diese Ausflüchte. Rubiales plant sogar eine Klage gegen Hermoso, die Anwälte wird es freuen. Doch sogar die FIFA hat von dem Gebahren genug und suspendierte Rubiales. Hilft alles nicht. Er will weitermachen. Sollen die verdammten Spielerinnen doch streiken, egal was die Regierung sagt und die männliche Fußballprominenz um Xavi und Xavi  und Real und Barca. Immerhin: Die Mama hält noch zu ihm und ist wegen der unmöglichen Behandlung ihres Sohnes in den Hungerstreik getreten. Ach ja. Kalle findet es auch nicht schlimm. „Wenn man Weltmeister wird, ist man emotional. Und was er da gemacht hat, ist – sorry, mit Verlaub – absolut okay“, sagte der 67-Jährige jüngst am Rande des „Sport-Bild-Awards“. Was man bei derlei Anlässen halt von sich gibt an Chauvi-Sprüchen.

Ein Großer tritt ab

Wirklich große Titel hat John Isner nie gewonnen, und doch dürfte in den vergangenen 15 Jahren kaum ein Spieler im Wortsinn so großen Eindruck hinterlassen wie der 2,06-Meter-Rise aus den USA.  Jetzt hat er bekannt gegeben, dass er nach heute startenden  US Open dem aktiven Profitennis Good bye sagen wird. Unfassbare 14 000 Asse hat er laut ATP geschlagen, so viele wie kein anderer. Die retteten ihn oft ins Tiebreak. Und für die Ewigkeit ist das Duell mit Nicolas Mahut in Wimbledon. 70:68 im 5. Satz, das wird es nicht mehr geben. Ein eigener Wiki-Eintrag für ein einzelnes Match. Muss man auch erst mal schaffen.. https://de.wikipedia.org/wiki/John_Isner_%E2%80%93_Nicolas_Mahut_(Wimbledon_2010)

Geldregen für Hovland

Und noch ein erfolgreicher Norweger nach den Leichtathleten Ingebrigtsen und Warholm. Dieses Volk ist unglaublich. Golfprofi Viktor Hovland sicherte sich beim PGA-Finale in Atlanta die Fedex-Wertung der PGA. Versüßt wird dieser Triumph mit insgesamt 18 Millionen. Zweiter wurde Xander Schauffele, Amerikaner mit deutschen Wurzeln (man greift nach allem, was möglich ist). Bester Deutschsprachiger aus DACH war der Österreicher Sepp Straka.

Ein Rekord für Verstappen

Neunter Formel-1-Sieg in Folge für Max Verstappen, und das vorm heimischen holländischen Publikum in Zandvoort. Das ist dann doch einer Erwähnung wert in einer sonst ziemlich langweiligen WM. Der Red Bull ist natürlich das beste Auto, aber die PS so konstant auf die Straße zu bringen, das ist grandios. Man sieht das ja an Teamkollegen Sergio Perez, der mit dem gleichen Auto manchmal weit hinterherfährt. Verstappen wird Weltmeister, darüber gibt es schon jetzt keine ernsthaften Zweifel mehr. Zwei Fragen bleiben offen: Gewinnt Red Bull alle Rennen der Saison, und wie hoch wird die Sieges-Rekordmarke von Verstappen sein? Ach ja: Haudegen Fernando Alonso sorgt als Zweiter noch für einen sportlichen Höhepunkt für Spanien.

Das wird die Woche, die wird

Am heutigen Montag beginnen die US Open. Ich habe dann doch zugegriffen und mir das Ticket bei sportdeutschland.tv besorgt für letztlich 20 Euronen. Verheißungsvoll:  Man kann die Spiele offenbar ohne Spoiler auch relive sehen, das macht die Nachtspiele interessant. Mehr zum Tennis in einem gesonderten Post heute oder morgen. Heute am 17 Uhr steht u. a. die Partie Thiem vs Bublik auf dem Programm, ich ahne nichts Gutes für den Österreicher.

Basketball-WM geht weiter mit dem dritten Vorrundenspiel und dann zwei Zwischenrunde-Partien. Für D schaut es wie geschrieben sehr gut aus. Magenta Sport überträgt jede Partie, gegebenenfalls mit englischen O-Ton.

Die Volleyball-EM der Frauen hat die entscheidende Woche mit der K.-o.-Runde ab Viertelfinale. Trotzdem oder deshalb?) toller Sport

Liga satt in den europäischen Fußball-Ligen. Und auch ein Blick nach Amerika zu Messi und die MLS dürfte sich lohnen. Bisher schießt er alles kurz und klein.

Rückspiele in der Qualifikation der europäischen Wettbewerbe. Eintracht am Donnerstag gegen Levski Sofia, Hinspiel 1:1.

 

Spanisches Tollhaus

Angriff ist die Verteidigung. Das denkt sich der Präsident des spanischen Fußball-Verbandes und droht eine Klage an. Und zwar will Señor Rubiales die Weltmeisterin Jenni Hermoso vor Gericht zerren, also die Spielerin, die er nach dem WM-Finale geküsst hat, gegen ihren Willen, sagt sie, und genau das, so behauptet Rubiales, sei eine Lüge. Und der Verband? Steht wie eine 1 ihrem Präsidenten. Diese habe ihn bei der Siegerehrung in Sydney hochgehoben, ihn an ihren Körper gezogen und dem Kuss ausdrücklich zugestimmt. Es gebe Fotos, die das belegen. Diese habe ihn bei der Siegerehrung in Sydney hochgehoben, ihn an ihren Körper gezogen und dem Kuss ausdrücklich zugestimmt.

Es ist ein Trauerspiel, in dem der spanische Machismo entsetzliche Urstände feiert. Und das zeigt sich ausgerechnet in der Woche, in denen die spanischen Fußballfrauen nach ihrem WM-Triumph über alle Maßen gefeiert werden müssten, und ein großer Teil des Landes macht das ja auch.

Zum Glück erhält Hermoso viel Beistand: Alle aktuellen Nationalspielerinnen und auch diejenigen die seit fast einem Jahr in Streik getreten sind, weil sie die Zustände im Verband für unzumutbar halten (jetzt bekommt man hierzulande langsam ein Gefühl, was da wohl abgelaufen ist), wollen nicht mehr spielen, bis Rubiales weg ist. Die Großclubs Real und Barca schließen sich dieser Forderung unverhohlen an, vielleicht auch wegen des öffentlichen Drucks.

Und jetzt hat sogar die FIFA reagiert, bestimmt nicht berühmt als Wächter ideeller Werte. Sie suspendierte Rubiales für 90 Tage für alle fußballerischen Aktivitäten national und international.Außerdem verfügte sie ein Kontaktverbot mit Hermoso, direkt und auch indirekt über Dritte, also den Verband.

Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man lachen. Vor nicht mal einer Woche wurde Spanien Weltmeisterin. Kein Mensch redet mehr wieder, aber Jenni Hermoso ist mittlerweile die bekannteste unter ihnen. Eine Berühmtheit, auf die sie wahrscheinlich gerne verzichtet hätte.

 

Der Rücktritt bleibt natürlich aus

Gestern war ich wirklich verstört, als ich las, dass Luis Rubiales, Chef des spanischen Fußball-Verbandes, aus dem Kuss-Gate nach dem spanischen WM-Triumph tatsächlich die Konsequenz ziehen würde und zurücktreten werden. Kann das wirklich sein? Ein hochstehender Sportfunktionär zieht sich tatsächlich wegen eines Fehlverhaltens, das fünf Tage den WM-Sieg von La Roja fast überdeckte, zurück? https://web.de/magazine/sport/fussball/wm/skandal-wm-finale-verbandspraesident-rubiales-kuesst-hermoso-mund-38547524

Heute bin ich dagegen sehr beruhigt. Luis Rubiales denkt überhaupt nicht daran zurückzutreten. Wo kämen wir denn da hin, freiwillig aus dem Licht der Öffentlichkeit zu verschwinden, auf Ruhm, Ansehen (naja, das war schon vorher reichlich angekratzt), Privilegien aller Art und viel Geld zu verzichten. Dabei war doch nichts weiter passiert, als dass ein Mann eine Frau ungefragt auf den Mund geküsst hat. Passiert doch andauernd, und im Überschwang des Glücks, muss man das doch dürfen, meint der stolze Senor. „Das mache ich bei meinen Töchtern auch andauernd. Ich trete nicht zurück. Ich kämpfe bis zum Ende.“ Natürlich ganz uneigennützig, denn wie werden verweigerte Rücktritte nicht nur im Sport so gerne begründet? „Ich will mich nicht aus der Verantwortung stehlen.“

Und weil Señor Rubiales so schön in Fahrt war, benannte er die wahren Schuldigen, wie es so viele vor ihm getan haben. Es sind natürlich die Medien. „Hier geht es nicht um Gerechtigkeit, sondern um eine soziale Hinrichtung“, sagte Rubiales. Es sei doch ein einvernehmlicher Kuss gewesen.

Da ließ er vornehm beiseite, der Gentleman genießt und schweigt, dass sich das Kussopfer Jenni Hermoso sich alles andere als wohlgefühlt hat beim Kuss auf dem Mund und nachdrücklich strenge Konsequenzen forderte. Allein das Hin und Her um die Aussagen der Nationalspielerin war ein Trauerspiel. Zuerst die leichte Beschwerde, dann ein Statement, dass alles nicht so schlimm sei (wobei sich hier hartnäckig das Gerücht hält, dass sie derlei nie selbst gesagt hat) und dann die unverhohlene Forderung nach dem Rücktritt. Diese äußerte praktisch expressis verbis auch die spanische Regierung. Aber das stört den stolzen Spanier nicht. „Man wollte mich öffentlich ermorden“, klagte Rubiales.

Immerhin: Für einen weiteren Fauxpas unmittelbar nach dem Schlusspfiff des Finales, entschuldigte er sich. Praktisch unmittelbar neben seiner Königin und deren Tochter hatte er sich ans Gemächt gefasst, um seiner Freude Ausdruck zu verleihen. „Ich war so emotional, dass ich meine Kontrolle verloren habe.“

Auch wenn Rubiales einen freiwilligen Rücktritt ablehnt, es ist nicht sicher, ob er im Amt bleiben darf. Der Verband hat eine Untersuchung gegen den eigenen Chef angekündigt, allein diese Tatsache ist bermerkenswert. Sogar die FIFA will ermitteln. Torwart-Ikone Iker Casillas nannte das Verhalten „zum Fremdschämen“. Aber vor allem der Gegenwind der mächtigen spanischen Liga in Person von Javier Tebas dürfte nicht so leicht vom Tisch zu bekommen sein. „Beleidigungen, Angeberei, Erpressung, Drohungen, Spionage und Verfolgung, betrügerische Nutzung von Verbandsorganen, wir leiden unter vielem und haben vieles angeprangert. Die Liste der Frauen und Männer, die in diesen Jahren von Luis Rubiales geschädigt wurden, ist zu lang und das muss aufhören“, schrieb Tebas auf X. „Es ist unmöglich, sein frauenfeindliches und verabscheuungswürdiges Verhalten einer absurden Verschwörung zuzuschreiben, wenn der Rufschaden für den gesamten spanischen Fußball bereits unvermeidlich ist“, fügte Tebas hinzu.

Wie gut für Rubiales, dass es noch Fürsprecher gibt wie Kalle Rummenigge. „Ich glaube, man soll da nicht übertreiben und die Kirche im Dorf lassen“, sagte der Ex-Nationalspieler und Bayerns Aufsichtsratsmitglied.  Der WM-Titel emotionalisiere schließlich jeden, „und was er da gemacht hat, ist – sorry, mit Verlaub – absolut okay.“ Rummenigge https://www.t-online.de/sport/fussball/frauenfussball/wm/id_100229458/aussagen-von-rummenigge-zum-kuss-eklat-bei-wm-das-kann-nicht-sein-ernst-sein-.html folgt dabei nur Beckenbauer, der sang. „Echte Freunde kann niemand trennen.“ Und da steht man eben den guten Kumpel bei, den man in verschiedenen UEFA-Gremien, wo Frauen eh praktisch nix zu suchen haben, schätzen gelernt hat, und nimmt auch den folgenden Shitstorm gerne in Kauf.

Was ist gegen das Statement eines Weltmannes vom Schlage Rummenigge dagegen die Rücktrittsankündigung eines spanischen Nationalspielers. Borja Iglesias (!) stehe erst wieder zur Verfügung, „wenn derartige Vorfälle nicht mehr straflos bleiben“. Ganz im Ernst: Es wäre sehr schön, wenn Iglesias noch weitaus prominentere Mitstreiter folgen würden.

Erwartet wird ein gemeinsames Statement der Nationalspielerinnen, nachdem sich Weltfußballerin Alexia Putellas („Das ist unakzeptabel“) schon geäußert haben. „Se acarbo“ (Das wars), lautet das Motto. Doch so einfach wird es nicht sein im vom Machismo triefenden Verband.

 

Was vom Tage übrig blieb

Die (fast) übersehende Weltmeisterin

Vier WM-Triumphe – und (fast) keiner bekommt es mit. Das ist das Los der Randsportler und -innen nicht nur in Deutschland. Deshalb sei hier als Erste die Sportgymnastin Darja Varfolomeev erwähnt. Die 16-Jährige gewann bei der WM in Valencia vier Titel in allen Einzelkonkurrenzen, also Keulen, Band, Ball und Reifen. Am Samstag steht noch die Entscheidung im Vierkampf an, vielleicht erbarmt sich ja ein Sender …

Eine Hockey-Enttäuschung

Die deutschen  Frauen waren bei der EM in Gladbach souverän ins Halbfinale gekommen mit klaren zu Null-Siegen. Doch nach dem 0:1 gegen Belgien bleiben nur Tränen ob des verpassten Titels. Morgen ist noch die Partie um den dritten Platz gegen England, aber der wäre ein schwacher Trost. Belgien trifft im Finale auf Holland

Bereits heute treten die deutschen Männer im Halbfinale gegen England an. Die zweite Partie lautet Belgien vs Holland. Noch Fragen, wer die vier führenden Hockey-Nationen in Europa bei Männlein und Weiblein sind?

Rehabilitation für die Holländerin

Jetzt hat Femke Bol ihren WM-Titel, den sie zuvor in der 400-m-Mixed-Staffel nach einem Sturz kurz vor dem Ziel weggeworfen hat(im Wortsinn, denn der Stab flog allein über die Ziellinie). Über 400 m Hürden wurde die Holländerin ihrer klaren Favoritenrolle gerecht und siegte mit starken 51,70 Sekunden. Sie profitierte natürllich von der verletzungsbedingten Absage von Weltrekordlerin und Titelverteidigerin Sydney-McLaughlin. Wir dürfen uns jetzt schon auf Olympia 24 freuen.

Zwei Goldmedaillen gingen am Donnerstag nach Jamaika. Antoine Watson gewann über 400 m in 44,22 s vor dem Briten Hudson-Smith und Quincey Hall aus den USA. Danielle Williams war über 100 m Hürden in 12,43 s nicht zu schlagen.

Einen Zwischenfall gab es vor dem Halbfinale über 200 m der Männer. Das Golfwagen, der unter anderem Noah Lyles und der Jamaikaner saßen, stieß mit einem anderen Wagen zusammen. Lyles blieb unverletzt, doch Hudson trug eine Augenverletzung davon. Er startete dennoch, verpasste zwar sportlich das Finale, wurde aber nachnominiert. Gut, dass die Anlage neun Bahnen hat. Mal sehen, in welcher Verfassung er heute ist.

Schwere Lose in New York

Eine knifflige Aufgabe wartet auf Sascha Zverev in der 1. Runde. Alexander Vukic aus Australien ließ zuletzt in Toronto mit siegen über Gael Monfils und Borna Coric aufhorchen. Au h dewr weitere Weg hat es in sich. In einer 3. Runde könnte er auf Andy Murray oder Grigor Dimitrov treffen, im Achtelfinale auf Jannik Sinner, mit dem es wiederum Yannick Hanfmann bereits in der 1. Runde zu tun bekommt. Ein noch härterer Brocken wartet da auf Dominic Köpfer, der es mit Carlos Alcaraz zu tun bekommt.

Tatjana Maria trifft in Runde 1 auf die Kroatin Petra Martic, Anna-Lena Friedsam auf Elena Svitolina. Laura Siegemund und Eva Lys können sich noch über die Qualifikation ins Hauptfeld spielen.

Gute Ausgangsposition für die Eintracht

Die Frankfurter erreichten bei Lewski Sofia ein 1:1 und können nächste Woche im heimischen Waldstadion den Einzug in die Gruppenphase der Conference League klarmachen.Kolo Muani (wer sonst?) traf bereits nach 5 Minuten, doch in der Nachspielzeit gelang den Bulgaren noch der Ausgleich. Chance gewahrt.

Das steht heute an:

LA-WM: Der 1. Tag der Zehnkämpfer hat begonnen mit den deutschen Medaillenkandidaten Neugebauer und Kaul. Außerdem 4 Entscheidungen: Männer: 200 m. Frauen: Dreisprung, Speerwerfen und 200 m.

Fußball: 2. Bundesligaspieltag beginnt mit Leipzig vs Stuttgart.

Und dann darf man gespannt sein, ob Spaniens Verbandspräsident Rubiales die Konsequnz aus der Kussaffäre und wie kolportiert wird heute zurücktritt. Um Entschuldigung gebeten hat er, aber das reicht natürlich nicht. Mal schauen, was mir im Laufe des Tages noch einfällt. Rummenigge fand es nicht so schlimm. Blöder alter Mann.

Basketball: Die Deutschen beginnen das WM-Unternehemn mit der Partie vs Japan (14:10). Außerdem u. a. der Schlager der Medaillenkandidaten Kanada vs Frankreich (15:30).

Ambitioniert nach Asien

Jetzt wird es ernst (nicht nur) für die deutschen Basketball-Männer. Am Freitag beginnt die Weltmeisterschaft in Japan, Indonesien und den Philippinen. Das Ziel der deutschen Mannschaft ist mit dem Medaillenwunsch reichlich ambitioniert aufgrund der Konkurrenz, erscheint andererseits aber auch nicht als utopisch.

Der deutsche Kader

Vier NBA-Spieler bilden das Gerüst. Spielmacher Dennis Schröder von den Raptors, die Wagner-Brüder Franz und Moritz Wagner von den Magic. Vor allem Franz wird mit Vorschusslorbeer überschüttet. Außerdem Verteidiger-Ass Daniel Theis. Ich persönlich bedaure sehr, dass mit Maxi Kleber ein herausragender Defensivspieler und Drei-Punkter-Schütze nicht dabei ist, nachdem ihn Schröder mangelnden Teamgeist vorwarf, weil er für die EM 22 abgesagt hat. Zumindest nach außen wurde das Thema begraben, aber dem Bundestrainer Herbert kann es nicht gefallen haben, dass Schröder hinterrücks seine Nominierung derart in Frage gestellt hat. Dass Kleber dann von sich aus seinen Rückzug bekannt gab, um die Angelegenheit nicht eskalieren zu lassen, spricht für ihn. Er wäre im Kader auf jeden Fall eine Verstärkung gewesen. Indes berechtigen gestandene BBL-Profis wie Dreier-Spezialist Andreas Obst, Nils Giffey und Maodo Lo zu Hoffnungen.

Insbesondere die Testspiele insbesondere gegen Kanada und USA machen Mut. Man sollte sie aber nicht zu hoch hängen. Gerade das Turnier in drei asiatischen Ländern ist voll von Unwägbarkeiten

Die deutsche Gruppe E

Spielort ist das japanische Okinawa. Erster Gegner am Freitag ist Co-Gastgeber Japan, für mich eine unbekannte Größe, die trotz Heimvorteil nur Außenseiter ist, zumal Hashimoto von den Lakers fehlt. Es folgt am Sonntag die Partie gegen Australien, auf dem Papier der stärkste Vorrundenkontrahent. Abschließend geht es am Dienstag gegen Finnland, bestimmt nicht zu unterschätzen, denn unter anderem haben sie Laurie Markkanen dabei, der in der vergangenen Saison in der NBA durchgestartet ist.

Und wie würde es weitergehen?

Deutschland muss unter die besten zwei kommen, sonst bleibt nur noch die Trostrunde. Das müsste drin sein, und Platz 1 in der Gruppe möglichst unbesiegt wäre wichtig, denn die Punkte werden in die Zwischenrunde mitgenommen. Dort kommen zwei Begegnungen gegen die ersten zwei der Gruppe F. Hier spielen Slowenien, sicher am stärksten einzuschätzen mit Superstar Luka Doncic von den Mavericks und gestandenen Profis wie Zoran Dragic. Um den zweiten Platz balgen sich Venezuela, Georgien und Kap Verde, allesamt absolut schlagbar. Gespielt wird abermals in Okinawa, und zwar am 1. und 3. September.

Die zwei besten Teams der Zwischenrunde, insgesamt gibt es vier Gruppen, kommen ins Viertelfinale. Dort würde höchstwahrscheinlich ein echter Brocken landen, denn als Gegner kommen Kanada, Spanien, Frankreich und Brasilien in Betracht. Der „deutsche“ Ast trägt das Viertelfinale am 6. September aus. Die Halbfinals ist am 8. September und das Finale am 10. September. Das Turnier dauert also nur gut zwei Wochen.

Viele Stars fehlen

Es ist fast ein Allstar-Team, das der WM fernbleibt, meist wegen strapaziösen NBA-Saison, die hinter und vor den besten Profis liegt. Die USA müssen fast ohne die gesamte erste Garde auskommen. Also kein LeBron James, kein Steven Curry, kein Kevin Durant, kein Jason Tatum und so fort.. Den Griechen und Serben fehlen mit Giannis und Nikola Jolic die NBA-MVPs der vergangenen drei Jahre, Kanada muss ohne den aufstrebenden Jamal Murray auskommen. Und auch der kommende Superstar der Szene, der Franzose  Victor Wenbanyama und Nr. 1 Pick für die anstehende Saison, hat abgesagt. Den hätte ich sehr gerne gesehen. Die Spanier müssen bis auf Hernangomez auf alle NBA-Profis, unter anderem Rickie Rubio, verzichten.

Und wer sind dann die Stars?

Aus der NBA stechen Shai Gilgeous-Alexander, Luca Doncic und das französische Verteidigungs-Monster Rudy Gobert heraus neben der jungen US-Garde. Sehr gespannt bin ich, wie sich Franz Wagner schlägt, ob er nach seiner guten EM sogar noch einen Schritt weitergeht. Bei den Spaniern sind die Altstars um Llull nicht totzukriegen.

Meine Favoriten

Selbstredend trotz der vielen prominenten Absagen die USA, die aus dem schier unerschöpflichen Reservoir immer noch einen schlagkraftigen Kader zusammengebastelt haben, aus dem mE Brunsun, Edwards, Bridges und der Rookie of the Year der NBA, Banchero von den Magic, hervorstechen. Zumal haben sie mit Steve Kerr einen Top-Coach an der Seitenlinie, der weiß, wie man ein Team zum Titel coacht. Und alle haben noch nicht so viel gewonnen, dürften also hungrig sein. Aus der oberen Tableauhälfte sind trotz allem die Serben und Griechen zu beachten.

Mein nicht mehr so geheime Geheimfavorit ist Kanada mit vielen NBA-Profis, darunter der brillante Gilgeous-Alexander, der eine Monstersaison hingelegt hat. Nie zu unterschätzen sind die Spanier. Sie haben die meiste Erfahrung, wissen, wie man Titel holt und sind eingespielt. Weltmeister, Europameister, und Real Madrid ist der amtierende Euroleague-Champion, man weiß eigentlich nicht, warum. Spanien muss man einfach erst mal schlagen. Frankreich mit Gobert und einer Handvoll NBA-Profis schätze ich nicht ganz so stark ein. Ein Fehler?

Und wo kann ich es schauen

In Deutschland ist jede Partie bei magenta.tv bzw Magenta Sport zu sehen, die deutschen Partien kostenlos. Nicht auszuschließen ist bei erfolgreichem deutschen Turnierverlauf eine Sublizenz wie ab dem EM-Viertelfinale 22 an RTL. Die Answurf-Zeiten sind natürlich suboptimal am Morgen und frühem Nachmittag.

Viel Vergnügen