Das präsidiale Eingreifen ging also komplett nach hinten los. Ein furchtbares US-Team mit dem von Trump und Infantino begnadigten Balogun (offiziell war es eine unabhängige FIFA-Kommission, wers glaubt) hatte gegen wie aufgeputscht wirkende Belgier nicht den Hauch einer Chance und verabschiedete sich mit einem 1:4 als letzter der drei nordamerikanischen WM-Gastgeber aus dem Turnier.
Während Belgien hochkonzentriert und wegen des absurden Eingriffs von ganz oben in jede Sportgerechtigkeit besonders motiviert wirkte, schienen die bisher so lebhaften US-Boys wie gelähmt. Noch nicht mal ein geschenkter Freistoß des ansonsten vorzüglichen Schiedsrichters zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich half. Quasi im Gegenzug schafften die Belgier wieder die Führung, die sie in der 2. Halbzeit zunächst sicher verwalteten, dann nach 2 haarsträubenden US-Abwehrfehlern auf 4:1 ausbauten.
Balogun, um dessen skandalöse Spielberechtigung (trotz Roter Karte und damit zwingender Sperre für mindestens ein Spiel) war ein Schatten seiner selbst, dem praktisch nichts gelang. Er hatte ja dem Vernehmen nach selbst nicht mehr mit seiner Spielberechtigung gerechnet. Dass er jetzt doch auflaufen durfte (gar MUSSTE per präsdialem Dekret?), schien ihn und die gesamte Mannschaft weitaus mehr zu verunsichern als den Gegner.
Alle Sympathien verloren
Was Trump nachhaltig geschafft hat (und vielleicht war das tatsächlich seine Intention): aufkommende Sympathie zu zerstören mit den US-Spielern, die diese mit ihren munteren und fairen Auftritten (trotz der Roten Karte) zuvor gewonnen hatten.
Ich muss es ja klar sagen: Die WM ist trotz allen Unbills (Politik, Kartenpreise etc) ein Erfolg. Die mitgereisten Fans aus Europa und der Welt sind begeistert von den freundlichen Gastgebern, und die Amerikaner sind begeistert von den so toll und meist friedlich feiernden Fans (Boston wollte die Schotten dem Vernehmen nach gar nicht mehr aus der Stadt lassen, die New Yorker nicht die Ruder-Norweger). Überall Verbrüderung.
Trump war ja bis dato bei der WM unsichtbar, er hatte noch nicht mal das Turnier als „seinen“ Erfolg reklamiert. Umso entsetzlicher die jetzige Zerstörung, die all die Freude fast zur Makulatur werden ließ. „Fast“, weil das US-Team ausschied.
Ich könnte mir also gut vorstellen, dass ich nicht der einzige bin, der trotz der Irrsinns-Politik zumindest Grundsympathie mit den USA (nur im Fußball!) entwickelt hatte, der allerdings angesichts der Umstände allerdings komplett ins belgische Lager geschwenkt ist. Zyniker sagen ja: So viel Zuneigung auch von neutralen Anhängern hat noch nie ein belgisches Team erfahren. Nicht nur aus Europa übrigens, sondern weltweit. Auch vielen US-Anhängern wird dieses unfassbare Einmischen peinlich gewesen sein. Sie legen ja im Sport noch viel mehr Wert darauf, dass Regeln eingehalten werden. Die der disruptive Trump dagegen immer bricht, in der Politik wie im Golf.
Der Fall muss heiß bleiben!
Will heißen: Mit dem Ausscheiden trotz unzulässigem Eingreifens hat sich die Sache nicht erledigt, wie vielleicht die FIFA hofft. Die europäischen Verbände müssen dran bleiben und das skandalöse Verhalten gerade des FIFA-Präsidenten beleuchten (Trump scheint dann doch außer Reichweite der Sportfunktionäre zu sein …). Gianni Infantino behauptet in einer nachgereichten Stellungnahme allen Ernstes, dass eine unabhängige Kommission entschieden habe, aufgrund besonderer Umstände die Sperre auszusetzen (welche Umstände das waren, wurde nicht gesagt). Mit dieser Erklärung darf sich niemand zufriedengeben.
Wenn sogar der ansonsten Infantino-hörige DFB-Chef Bernd Neuendorf um „Aufklärung“ bittet und „Rote Linien überschritten sind“, muss auch entsprechend gehandelt/nachgeforscht werden. Dass Infantino und sein FIFA-Machtzirkel allerdings ernsthaft in Gefahr geraten, wie hier und da suggeriert wird, bezweifle ich allerdings stark. Dazu ist seine Basis zu stark, sind seine Handlanger zu mächtig
Collinas erbärmliche Rolle
Vorweg: Ich liebe Pierluigi Collina, aber nur den fantastischen Schiedsrichter der Nuller-Jahre mit der markanten Glatze. Die trägt er immer noch (gestern in der Stadion-Box im Seattle-Stadion war eine erschütternde Ähnlichkeit mit dem ebenfalls barhäuptigen Infantino erkennbar), aber als Chef der Schiedsrichter-Kommission macht er seit Jahren eine entsetzliche Figur. Mit seltsamen SR-(Nicht)-Ansetzungen und noch seltsameren Erklärungen, warum diese oder jene haarsträubende Entscheidung doch richtig gewesen sei. Wie bei dem Tor der Deutschen gegen Paraguay (es scheint Lichtjahre her), als plötzlich eine strafbare Torwartbehinderung herhalten musste, die ansonsten wirklich niemand sah (Ähnliches bei der Partie Spanien vs Österreich).
Jetzt bisher kein Wort zu den Balogun-Vorkommnissen; auch nicht zum Skandal-Schiedsrichter aus Usbekistan bei der Partie Frankreich gegen Usbekistan, der offensichtlich die Anweisung hatte, die starken Franzosen zu eliminieren – anders ist diese (Nicht)-Pfeiferei schlicht nicht zu erklären. Nein, der sonst so wortgewaltige Italiener schweigt beredter als jede Mafia-Omertà.
Die Sperren-Regel selbst
Ein Gutes bringt dieser entsetzliche Vorgang, hoffe ich. Es wird vielleicht ernsthaft über die zwingende Sperre nach einer Roten Karte nachgedacht. Die ja weltweit gilt, in jeder Liga. Den einzelnen Verbänden ist es verboten, davon abzurücken: Abweichlern drohen drakonische Strafen (bis hin zum Ausschluss von FIFA-Wettbewerben). Egal wie ungerecht der Platzverweis gewesen ist, 1 Spiel Sperre war bisher absolut das Minimum und obligatorisch (einzige Ausnahme, aber auch nur vielleicht: Spielerverwechslung). Dass dieser Absolutismus jetzt aufgeweicht wurde, und seien die Umstände noch so skandalös, wäre doch ein Signal zum Nachdenken!
Die Gelegenheit dazu ergibt sich sehr früh. Im Achtelfinale England gegen Mexiko (3:2) sah Jarell Quansah die Rote Karte. Das Vergehen des Engländers war ganz ähnlich wie das von Balogun. Wie beim Amerikaner wurde auch hier erst nach Konsultation der Fernsehbilder überhaupt auf Foul erkannt, das zudem Rot-würdig gewesen sein soll. Wenn die FIFA-Kommission es ernst meint mit den „besonderen Umständen“: Hier liegen sie dann ebenfalls vor, und die Engländer haben Protest eingelegt. Das Blöde: Nicht durch King Charles, sondern den Regeln entsprechend nur durch den Verband, immerhin ist dort Prinz William Schirmherr.
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