Warum ich Sport so liebe

Rory McIlroy puttet sich zur Legende

 

Da stand Rory McIlroy an Loch 18 des Augusta-Kurses vor seinem 1-Meter-Putt wenn überhaupt, der ihn in die Unsterblichkeit bringen könnte. Diese Entfernung ist ein Witz für jeden ambitionierten Golfprofi. Wenn allerdings – ich übertreibe jetzt maßlos – nicht nur der  erste Masters-Sieg, sondern das Wohl und Wehe einer ganzen Karriere dranhängt, dann ist das unendlich weit und das Loch scheint so klein wie ein Centstück. Gut eine Viertelstunde zuvor hatte McIlroy schon mal die Chance gehabt, ebenfalls an Loch 18, als er aus der etwa gleichen Entfernung den Ball am Loch vorbeirollen ließ.

Jetzt also die 2. Chance – im Stechen gegen seinen guten Ryder-Cup-Kumpel Justin Rose: Rory McIlroy nahm sich der herkulisch anmutenden Aufgabe an, und der Ball rollte anstandslos ins Loch. Es war vollbracht: der Karriere-Grand-Slam, der Olymp für jeden Golfer, dem nur die Allergrößten dieses Sportes angehören, dem zuletzt Tiger Woods beitrat vor gut 20 Jahren. McIlroy sank in die Knie, endlich befreit vom gewaltigen Druck: Denn der beste Golfer dieses Jahrzehnts war so lange sieglos gewesen in einem Major, genauer gesagt seit 2014. Statistiker zählten, dass er seitdem zehnmal in Augusta gescheitert sei, den Karriere-Grand-Slam zu vollenden, also die Majorsiege US Open, British Open, PGA Championship und eben das Masters. Die Amerikaner jubelten McIlroy zu wie einem der ihren. Sie leiben diesen charismatioschen Nordiren, seine so lange vergebliche Jagd nach dem großen Sieg ließ niemanden kalt. Immer war er Mitfavorit, immer geschah etwas, das den Triumph verhinderte; doofe Schläge, ein Gegner in Überform.

Es war eine ikonische Schlussrunde mit unzähligen Auf und Abs, die McIlroy und seine Kombatanten auf dem herrlichen Kurs bei strahlendem Sonnenschein von Augusta hinlegten. Mit Dramen und Volten, die kein Drehbuchschreiber sich je auszudenken wagte. McIroy, als Führender in die Schlussrunde gestartet, begann mit einem Doppel-Bogey, schlimmer gehts nimmer. Doch er fing sich erstaunlich schnell, und nach den ersten 10 Löchern schien der Nordire unaufhaltsam dem Triumph entgegenzugolfen, zumal der vermeintlich schärfste Konkurrent Bryson DeCambeau einen gebrauchten Tag hatte und Schlag um Schlag verlor. Sogar seine Nemesis 2011, die 10. Bahn,, als McIlroy ebenfalls klar in Führung liegend einen Triple-Bogey fabrizierte und den vermeintlich sicheren Turniersieg verhunzte, überstand er schadlos. McIlroy gelangen Traumschläge. Doch Golf ist eine böses Spiel mit so vielen Tücken. Eine solche ereilte den mittlerweile 35-Jährigen an Loch 13, auf dem Papier ein eher einfaches Par 5. Er lag glänzend und drosch seinen 3. Schlag völlig absurd ins Wasser, Doppel-Bogey statt Birdie. Ewiges Golferschicksal

Ein faszinierender Zweikampf mit Rose auf den letzten Löchern begann. Die beiden – in unterschiedlichen Flights eingeteilt – schafften Traumschläge, produzierten aber auch haarsträubende Fehler. Am Ende der insgesamt 72 Bahnen lagen sie gleichauf, also Stechen: Wer beim ersten Loch besser ist, gewinnt. Sudden Death! Der an diesem Tag so großartige Rose legte mit einer fantastischen Annäherung vor, McIlroy konterte mit einer noch besseren. Rose verpasste den Putt um Millimeter, McIlroy vollendete sicher. Jetzt gehört auch ihm das Grüne Jackett des Masters-Sieges, die begehrteste Trophäe im Golf. Wirklich zu Herzen ging mir, wie fair Justin Rose sofort mit einer innigen Umarmung gratulierte. Thats sportsmanship at its best.

Das alles als McIlroy-Fan zu verfolgen, der ich seit Jahren bin, kostete enorm Nerven. Jubel nach einem unglaublichen Schlag hier, Entsetzen nach einem Katastrophenball hier. Kaum auszuhalten dieses Nichtwissen, wie es ausgeht, aber eben das ist es, was den Sport ausmacht.

Das wird die Woche, die wird

Europa-Pokal-Rückrunde, Play-Ins im Basketball und Tennis (fast) vor meiner Haustüre. Und was mache ich? Fliege am Donnerstag nach Lanzarote. Deshalb schon die Anmerkung, dass ich danach 10 Tage eher still bin, schaun mer mal.

 

Bayern hofft aufs Wunder von Mailand

 

Die Viertelfinal-Rückspiele in den europäioschen Wettbewerben stehen an. Ich verweise auf meine Ausführungen vom Freitag https://blickueberdenteich.de/hoehepunkt-der-fussball-saison/

 

Champions League

Di., 21:00: Dortmund – Barca (0:4)
Di., 21:00: Aston Villa – PSG (1:3)
Mi., 21:00: Inter – FC Bayern (2:1)
Mi., 21:00: Real – Arsenal

 

Europa League

 

Do., 21:00: Athletic Bilbao – Glasgow Rangers (0:0)
Do., 21:00: Frankfurt – Tottenham
Do., 21:00: Manchester United – Olympique Lyon (1:1)
Do., 21:00: Lazio – Bodo Glimt (0:2)

 

Conference League

 

Do., 18:45: Florenz – Celje (2:1)
Do., 21:00: Rapid Wien – Djurgardens
Do., 21:00: Chelsea – Legia Warschau (3:0)
Do., 21:00: Bialostock – Betis Sevilla (0:2)

 

Bayern-Basketballer hoffen auch auf ein Wunder

 

Nachdem die Münchner durch zwei Niederlagen am Ende der Euroleague die direkte Viertelfinal-Qualifikation verblasen haben, müssen sie in die Play Ins. Als Neunter sind sie am Dienstag im SAP Garden Gastgeber für Roter Stern Belgrad. Wenn sie verleiren, sind sie ausgeschieden, wenn sie gewinnen, müssen sie beim Verlierer des Duells Rea Madrid gegen Paris Basketball antreten – extrem schwierig. Und wenn sie diese Partie auch siegreich bestreiten sollten, wartet im Viertelfinale der Liga-Beste Olympiakos.

Auch in der NBA stehen die Play-Ins an. Die Orlando Magic haben zu Hause zwei Matchbälle, erst gegen die Atlanta Hawks und im Falle einer Niederlage am Donnerstag gegen de Sieger Heat vs Bulls. Mehr dazu morgen oder übermorgen, wenn auch im Westen die Platzierungen klar sind.

 

Schafft Zverev die Wende

 

Nach der krachenden Final-Niederlage  Ende Januar bei den Australian Open gegen Jannik Sinner läuft es für den Deutschen überhaupt nicht mehr. In keinem seiner insgesamt 6 gespielten Turniere erreichte er das Halbfinale, verlor oft unnötig nach Satzvorsprung. Jetzt also das Turnier in Mün chen, aufgewertet als 500er.
Ob hier die Wende zum Besseren geschieht? Die Auslosung meint es recht gut mit dem Hamburger, erst gegen Alexandre Muller, danach gegen Daniel Altmaier oder einen Qualifikanten. Woch viel wichtiger als ein Turniersieg (den ich nicht sehe) wäre, dass er zu seiner Spielfreude zurückfindet und damit auch wieder Selbstvertrauen tankt.
Titelverteidiger ist Jan-Lennard Struff, der allerdings bisher ein katastrophalses Jahr hat. Er hat es mit Francesco Cerundolo aus Argentinien weitaus schwerer getroffen.
Die Besetzung kann sich sehen lassen: Gemeldet haben auch Ben Shelton aus den USA (allerdings nicht als Sandmann bekannt), Felix Auger-Aliassime (durchwachsenes Frühjahr). Sehr gespannt bin ich auf den ersten Auftritt von Jakub Mensik nach seinem Sieg in Miami. Ein echtes Erst´rundenschmankerl wartet mit der Partie Gael Monfils gegen Denis Shapavalov.
Lange Zeit war diese Sportveranstaltung am Aumeisterweg die nächste zu meinem Wohnsitz (saublödes Wort). Auch jetzt wäre es nicht weit, aber mich plagt das Fernweh nach Lanzarote. Gutes Timing, Löwe.

Die Frauen sind auch in Deutschland zu Gange: Das Stuttgarter Turnier ist grandios besetzt, von den Top 10 sind allein Madison Keys, Paula Badosa und Lena Rybakina nicht dabei, wohl aber die besten 4 Aryna Sabalenka, Iga Swiatek, Jessica Pegula und Coco Gauff. Die deutschen Farben vertreten per Wild Card Eva Lys und Tatjana Maria.

 

Und sonst?

  • Bundesliga: Das Meister-Fernduell Bayern-Bayer geht weiter (sofern noch spannend angesichts der 6 Punkte Vorsprung der Münchner) mit 2 heiklen Auswärtsaufgaben. Die Müncher am Samstag beim 1. FC Heidenheim, Leverkusen tags darauf beim FC Augsburg.
    Heidenheim seinerseits hat einen Abstiegsdreikampf um Relegationsplatz 16gegen Bocum und Kiel zu bestehen. Mehr scheint nicht mehr drin.
    Das Hauen und Stechen um die internationalen Plätze geht in die Zielgerade. Teams wie Dortmund und Stuttgart hoffen noch auf den Einbruch etwa von Mainz, Gladbach und anderen. Selbst müssen sie ihre Partien auch gewinnen, der VfB im Topspiel am Samstag beim 1. FC Union, der BVB zu Hause gegen Gladbach
  • 2. Bundesliga: Weiter ein Schneckenrennen um den Aufstieg. Der HSV ist am Samstag auf Schalke gefordert, der 1. FC Köln versucht zu Hause gegen Preußen Münster sein Glück, und der gegenwärtige Dritte Elversberg (vor den heutigen Spielen) empfängt Fortuna Düsseldorf. Ich mache keinerlei Vorhersagen mehr, ist mir bei der Unkonstanz alle Teams zu doof.
  • Englischer Fußball:  Die Meisetrschaft: entschieden (FC Liverpool), der Abstieg entschieden (Ipswich, Leicester, Southampton), bleibt der Kampf um die internationalen Plätze, insbesondere die der Champions League (insgesamt 5). Darum kämpfen (neben Liverpool und dem sicheren Zweiten Arsenal) ein halbes Dutzend Teams. Direkte Duelle wie am Samstag Aston Villa vs Newcastle sind da von besonderer Bedeutung.
  • Tennis: Außer in München/Stuttgart  spielen die Männer auch in Barcelona (Alcaraz, Ruud, Tsitsipas) und die Frauen in Rouen (noch in der Halle auf Sand).
  • Radsport: Die Klassiker-Hatz geht weiter: Am Sonntag mit dem Amstel Gold Race, direkt unter den 5 Monumenten anzusiedeln. Alles-Gewinner Tadej Pogacar hat ebenso gemeldet wie der Belgier Wout van Aert

 

Höhepunkt der Fußball-Saison

Jahr für Jahr ist es Dasselbe in de Champions League. Eine ziemlich langweilige Vorrunde (auch im neuen super-duper 36er-Ligen-Format), sanfte Steigerung in der 1. K.-o.-Runde – und absolut spektakulärer Fußball in den Viertel- und Halbfinali.

Die 4 Hinspiele am Dienstag und Mittwoch bestätigten eindrucksvoll diesen Trend. Ich wage mal die steile Behauptung: Besseren Fußball kann man in einer Saison nicht sehen, weder (international noch in Länderspielen. Diesmal bemerkenswert: So viele fantastisch schöne Tore in so entscheidenden Partien und in so schneller Abfolge habe ich selten gesehen. Die beiden Sensations-Freistöße von Declan Rice, die brillant herausgespielten Treffer von Barca, die fulminanten Schüsse von PSG, die klugen Konter von Inter – welches Fußballherz lacht da nicht voller Freude??? Vielleicht sogar das der jeweiligen Gegner (heimlich natürlich!).

Acht bestens besetzte und glänzend eingespielte Mannschaften trafen da aufeinander. Sicher: Nicht jedes Team genügte höchsten Ansprüchen, nicht wahr BVB? nicht wahr, ihr Königlichen? Doch gerade die Westfalen haben sich weit unter Wert verkauft. Das 0:4 beim FC Barcelona gibt nicht wider, dass der BVB gut eine Halbzeit ein fast gleichwertiger Gegner war. Danach ist man halt in einem unvergleichlichen Barca-Wirbel untergegangen, passiert auch anderen.

Die drei Mannschaften, die zurzeit den schönsten Fußball auf dem Kontinent spielen, stehen vor dem Einzug ins Halbfinale (alphabetische Reihenfolge).

1. FC Arsenal:
Seit Jahren für den herausragenden Kombinationsfußball bekannt. Verletzungen (Calafiori, Havertz, Jesus, Sterling) interessieren gerade nicht. Was die Londoner 90 Minuten gegen Real Madrid zeigten, war zum Verlieben, und die Fans wurde durch zwei Momente von Declan Rice belohnt: der erste Freistoß an der (vielleicht schlecht postierten Mauer) vorbeigedrhte, der zweite fulminant in den Winkel gehauen (for the eternity). Merinos 3:0 sorgte dann dafür, dass die Real-Aufholjagd nächsten Mittwoch noch ein bisschen schwieriger wird. Doch Bernabéu hat schon manch unfassbare „Remontada“ gesehen. Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.
2. FC Barcelona:
Diese Offensiv-Power ist schlicht unfassbar: der brillante Jungstar Lamine Yamal, der abgezockte Robert Lewandowski und der Torjäger Raphinha – und dieses Trio infernale wird auch noch bestens bedient von den Jungstars um Pedri, Fermin Lopez oder den eingewechselten Fati und Gavi. Vermeintliche Abwehrschwächen, die sich jeder Gegner erhofft auszunutzen, werden so kompensiert (allerdings: wehe, wenn Guirassy trifft).
3. Paris St. Germain:
Der neue Liebling (nicht nur) der feuilletonistisch angehauchten Fußball-Fans. Vorbei das Stargehabe mit dem irrwitzigen Trio Messi, Neymar und Mbappé (äußerst namhaft, aber nicht harmonierend). Alle 3 sind entschwunden, und jetzt rockt PSG Europa im Achtelfinale die reife Leistung gegen den vermeintlich übermächtigen FC Liverpool, jetzt das Überrennen im Prinzenpark von Aston Villa trotz 0:1-Rückstand. Ein echtes Ensemble spielt auf höchstem Niveau zusammen, dirigiert vom Trainer Luis Enrique. Garniert mit den so aufregenden und sich perfekt ergänzenden Solisten Desiré Doue (die Entdeckung dieser Saison/welch ein Schuss zum 1:1), Kvitcha Kvaratshelia (Napolis Kvaradona/welch ein Solo samt krachenden Abschluss zum 2:1) und Ousmane Dembélé (endlich, endlich zeigt er seine ganze Klasse/welch ein Traumpass vor dem 3:1). Tout Paris und viele andere sind verliebt. Wird die Liebe mit einer Trophäe versüßt?

Und dann sind da noch die beiden „Alten Granden“ FC Bayern und Inter Mailand im vierten Viertelfinale. Die Münchner ereilt gerade jetzt ein unfassbares Verletzungspech (Neuer, Upamecano, Davies, Ito, Musiala, Coman, Pavlovic). Ausfälle werden ungern als Erklärung gebraucht (weil oft als Ausrede missbraucht), aber ein solches Septett kann auch der tollste Kader nicht adäquat ersetzen. Und doch bot man Inter in der heimischen Arena einen tollen Kampf, mit der kitschig anmutenden Müller-Story, der (gerade ausgesiebt für die nächste Saison ff) zum Ausgleich traf. Doch das war dem Drehbuchschreiber dieser Partie offenbar zu viel, und er fügte in sein Skript noch den die Arena verstummenden Siegtreffer der Mailänder zu, der die Aufgabe am Mittwoch im San Siro erheblich komplizierter macht.

Es ist also angerichtet für die Rückspiele und viele offenen Fragen: Gelingt Real der nächste unglaubliche Aufhol-Coup. Können die jungen Pariser auch im Villa Park bestehen (wer die Anfield Road rockt, den dürfte dieser nicht fürchten), und gelingt dem FCB ein erneutes „Wunder von Mailand“ (wie 1989, als die Münchner eben dort eine Hinspielniederlage kompensierte?

 

Die Eintracht stürmt erneut Europa

 

Zumindest erarbeiten sich die Frankfurter mit dem 1:1 bei den Tottenham Hotspur eine vorzügliche Ausgangslage fürs heimische Rückspiel nächsten Donnerstag. Eine gmahde Wiesn dürfte es allerdings nicht geben, denn dieses Unentschieden war letztlich doch recht glücklich und einzig und allein der brillanten Torwartleistung von Kaua Santos zu verdanken, der etliche Topchancen der Nordlondoner mit Weltklasse-Paraden zunichte machte. Und doch: Das Halbfinale winkt, wo dann mit Bodo Glimt oder Lazio Rom ein schlagbarer Kontrahent warten würde. Ich darf ja mal weit denken …, vielleicht sogar an einen Titel wie 2022? Wobei ich zugegebenermaßen auch für die Spurs viel übrig habe, meinem derzeitigen Lieblingsteam in der Premier League, großer Seufzer.
Auch im Viertelfinale der Europa League gibt es im übrigen tollen Fußball. Vielleicht nicht so starbesetzte wie die Königsklasse, aber auch hier tolle mannschaftliche Leistungen.. Und dieses erstaunliche Bodo Glimt aus Norwegen, das bei Eiseskälte Lazio mit 2:0 besiegte und vor dem Halbrinaleinzug steht. Eines dieser Fußball-Märchen, die trotz der Überkapitalisierung immer wieder passieren.

Irrsinn in der NBA – Nuggets feuern Meistercoach

Die erratische Zoll-Politik (und viele andere Maßnahmen) des US-Präsidenten treibt die Welt langsam in den Ruin/Irrsinn. Wer nämlich Ablenkung im Sport sucht, hier der NBA, muss ähnlich vollkommen unsinnig erscheinende Entscheidungen verdauen – wahrscheinlich weit weniger wichtig für jeden einzelnen und doch kaum nachvollziehbar.

Jetzt ploppte also die Meldung auf, dass die Denver Nuggets sich mit sofortiger Wirkung von Chefcoach Mike Malone trennen. Was fast noch irrsinniger erscheint als jeder 102-prozentiger China-Zoll vom Donald, der diesen immerhin angekündigt hatte. Klar, auch in der besten Basketball-Liga werden Trainer gerne vor Vertragsschluss gefeuert, aber von diesem sind sämtliche Experten völlig überrascht, denn

 

  • Der Rauswurf erfolgte in der letzten Woche der Saison vor den Play-offs. Und auch wenn die Nuggets zuletzt eine desaströse Bilanz hatten (4 Niederlage in Folge), gelten sie doch weiter als einer der Mitfavoriten, gerade in Bestbesetzung. So spät hat noch nie ein sogenannter Contender, also Titel-Mitfavorit, den sportlichen Chef in die Wüste geschickt. Ich dachte, dass die Memphis Grizzlies vor zwei Wochen mit dem Feuern von Trainer Jenkins Maßstäbe für die Ewigkeit gesetzt hätten.
  • Mike Malone ist ja nicht irgendein Coach der Nuggets, vielmehr führte er sie 2023 zum Titel, den ersten in der Geschichte der Franchise. Ihm gelang es perfekt, ein System auf den Ausnahmespieler Nikola Jokic zu schneidern. Dass es jetzt nicht ganz nach Wunsch lief, lag auch an zahlreichen Verletzungen wie die von Murray zum Beispiel. Seit 10 Jahren war er Coach der Nuggets, die er aus dem schnöden Liga-Mittelmaß in die absolute Spitze führte.

Eine echte Begründung der Teamführung  fand ich nicht für diesen radikalen Schnitt, und so bleibt nur der Spekulatius. Und dann lande ich unweigerlich bei Jokic. Für mich kaum vorstellbar, dass diese Entscheidung ohne Rücksprache mit dem besten Basketballspieler der Welt geschah, es sei denn, der Team-Inhaber will den Serben möglichst schnell ebenfalls loswerden (der sich in Denver überaus wohl fühlt). Klar, es gab bei Jokic viel Frust über die jetzige Situation, aber gerechtfertigt der diesen radikalen Schritt? Offenbar hofft die Teamspitze auf einen befreienden Ruck.

Neben Malone muss auch General Manager Calvin Booth gehen, wenngleich offenbar erst zum Ende der Saison. Interimistischer Trainer wird der bisherige Assistent David Adelman, Sohn der Traine-Legende und Hall of Famer Rick Adelman. Der ist mit seinem Team gleich heute Nacht bei den Sacramento Kungs gefragt, jeder Sieg in den verleibenden 3 Spielen ist äußerst wichtig im völlig offenen Kampf in der Western Conference m die Plätze 3 bis 6 und den direkten Einzug in die Play-offs. Was eh nur das Minimalziel in Mile-High-Town ist, man liebäugelt mit Titel Nummer 2.

 

Champions League?, pah, Tschaikowski live!

Ein Sportblogger, der auf ein Champions-League-Viertelfinale zwischen Bayern und Inter live verzichtet (oder wenigstens live am Fernseher) und lieber mit der lieben Schwester in die Isarphilharmonie pilgert? Das muss Gründe haben. Der Grund lautete: Tschaikowskis 1. Klavierkonzert und nach der Pause quasi zum Drüberstreuen Beethovens 5. Symphonie. Was diese beiden Meisterwerke eint: jeweils der unfassbare Auftakt, den niemand vergisst, der ihn jemals gehört hat. Hier „da da da damm, Zack!!!“ dort „ Da, da, da, Daaa!
Mehr und bekannter geht kaum in der Klassischen Musik, und wenn dann noch die höchstgelobte und mit Preisen überhäufte Pianistin Julianna Adveewa sich die Ehre gibt, gibt es halt keine Alternative, auch nicht Bayern vs Inter, geschweige denn Arsenal vs Real Madrid.

Tschaikowskis Klavierkonzert, das ist so etwas wie der Heilige Gral für jeden Pianisten (ja, es gibt noch den Liszt und den Rachmannimow). Schon der 1. Satz eine Herausforderung, die eine unglaubliche Fingerfertigkeit verlangen. Dabei muss es richtig scheppern, und bei Julianna Avdeewa und dem Orchestra Svizzera schepperte es, so dass es (gegen alle Konzertbesucher-Usancen) schon nach dem 1. Satz vereinzelt Beifall gab. Doch das alles ist kein Vergleich zum 3. Satz, der mit den eigentlich unspielbaren Oktav-Akkorden, je schneller und chaotischer, desto besser. Meine  geburtstagsbeschenkte Schwester Henriette erzählte mir die schöne Anekdote des legendären Pianisten Wladimir Horowitz (der allerbeste?) und dem nicht minder legendären Dirigenten Alberto Toscanini. Dieser ließ seinen Schwiegersohn (vielleicht aus Rache für die Ehelichung seiner Tochter?) die Passage 40-mal üben. Danach beherrschte Horowitz das Stück zwar (wobei hier nicht von Beherrschen im Sinne von fehlerfrei spielen die Rede sein kann, sondern vielmehr „irgendwie einen irrwitzigen Weg durch den unspielbaren Dschungel“ finden nach dem Motto: je mehr Fehler, desto lieber). Danach war Horowitz aber reif fürs Irrenhaus; und zwar nicht nur symbolisch, vielmehr ließ sich der Sage nach tatsächlich in ein solches einweisen.
Julianna Avdeewa wagte sich also an diese gigantische Aufgabe, und sie bewältigte sie meisterhaft. Allerdings ein bisschen zu brav, wie die Kritikertochter Henriette gegenüber dem Kritikersohn Philipp befand. Sprich, Avdeewa habe versucht, möglichst fehlerfrei zu spielen und sei deshalb etwas zu langsam gewesen (dieses Höllen tempo zu langsam? Wirklich??). Aber doch sehr, sehr gut, räumte H. ein, und das bezeugte auch der tobende Beifall des begeisterten Publikums in der nicht ganz ausverkauften Philharnmonie. Warum sich die 39-jährige Russin angesichts dieses fulminanten Stückes in einen eher braven, apricot-farbenen und auch noch viel zu weit geschnittenen Hosenanzug gekleidet hatte, war für uns nicht zu eruieren. An der Kostüm-Beratung muss die fantastische Klavierspielerin also noch ein wenig feilen. Das farbenfrohe Violett, in dem sie aus dem Programmheft lächselte, hätte viel besser gepasst.
Nach dem grandiosen Tschaikowski gab Andreewa noch zwei bezaubernde Zugaben, die allerdings weder ich noch H. erkannten. Unser Papa hätte es bestimmt gewusst, seufz … In einem waren wir uns bei der Heimfahrt einig: Diese Juliana Avdeewa werden wir im Auge behalten.

Was bleibt einem Konzertveranstalter nach dem unfassbar tollem Tschaikowski nach der Pause übrig an Programm?München Music entschied sich für den vielleicht größten Gassenhauer der Klassik:  Beethovens ikonische Fünfte, und doch blieb manch vorher besetzter Platz leer, der Fußball? Jetzt durfte das tolle Ensemble Swizzera Italiana aus Lugano seine große Klasse zeigen (die natürlich auch schon beim Tschaikowski zu hören war). Ich persönlich mag ja den 2. Satz der „Fünften“ noch lieber als den berühmten ersten, und so gut habe ich ihn noch selten gehört, das Live-Erlebnis? Dirigent Markus Poschner ist ein gebürtiger Münchner, der dieses Ensemble mit 41 fest angestellten Musikern seit 2015 leitet, und die daraus entstehende Harmonie war förmlich spürbar, auf jeden Fall hörbar.

Ein absolut lohnender Klavier-Abend, und ich darf jeden beruhigen: Zu Hause wieder angekommen, konnte ich ungespoilert (erstaunlicherweise) relive mir FC Bayern vs Inter und die unglaubliche und doch unvollendete Thomas-Müller-Saga zu Gemüte führen.