Uli Hoeneß, unfassbar unsachlich

 

Der beschämendste Post der Woche (zumindest im Sport) stammt von Uli Hoeneß. Nach dem 1:1 von Bayer Leverkusen gegen seinen FC Bayern wetterte der Ehrenpräsident, die Leistung des Schiedsrichters sei die „schlechteste gewesen, die es je in der Bundesliga gab“. Darauf antworte ich ähnlich sachlich: Uli Hoeneß hat endgültig den Verstand verloren. Wahrscheinlich hat er durch übermäßigen Verzehr seiner widerwärtigen Würschtl einige Gehirnwindungen verloren.
Was hatte sich also Christian Dingert zu Schulden kommen lassen, dass er diesen Furor gegen sich auslöste? Er wagte es, dass er zwei Bayern-Tore nach Handspiel annullierte. Beim einen war der Fall klar, weil ein Torschütze wie Tah dabei nie unmittelbar die Hand benutzen darf. Auch Kanes Einsatz vorm vermeintlichen 2:1 mit der Hand war zumindest grenzwertig. Außerdem wagte es Dingert nach Konsultation der Fernsehbilder, den Münchner Jackson für ein Brutalo-Foul vom Platz zu stellen. Kein Mensch bei Verstand (noch nicht mal Hoeneß selbst!) würde die Richtigkeit dieser Entscheidung anzweifeln.
Bleibt als „Fehler“ noch eine in der Tat zweifelhafte Gelb-Rote Karte, die Dingert Luis Diaz nach einer vermeintlichen Schwalbe zeigte. Der Schiri selbst befand nach dem Spiel und Ansicht der Fernsehbilder (die er während der Partie nicht nutzen durfte), dass diese Entscheidung „zu hart“ gewesen sei. Ein gutes Zeichen gegen die wieder unerträglich grassierende Fallsucht aller Fußball-Profis und -Amateure war es allemal.

Die Eskalation der üblen Stimme vom Tegernsee kam natürlich mit vollem Bedacht: Schiedsrichter, so die unverhohlene Drohung, haben ein sehr, sehr schweres Leben, wenn sie (auch nur im Zweifel) gegen den FC Bayern pfeifen. Übersetzter Klartext:: „Pfeift im Zweifel für uns, und ich lasse Euch in Ruhe! Wenn nicht, gibt es extremen Ärger!“ Samt dem unfassbaren Ärger doch die zahllosen Bayern-Fans, wie die Kommentare zu den meist sachlichen Spielberichten zeigten.
Schade, dass der DFB zwar Schiedsrichtet Dingert für seine Entscheidungen zwar weitgehend in Schutz nahm, auf Angriffe gegen den unsachlichen Ekel-Brüller vom Tegernsee verzichtete.

Sogar die den Bayern und insbesondere Uli Hoeneß ergebene „Bild“ fand mit übrigens die SR-Leistung alles andere als „die schlechteste aller Zeiten“ und vergab die Note „3“. Krawalliger da schon das ehemalige Fachmagazin „Kicker“ (Note „5“. „Eine unangemessene Spielleitung“ bescheinigten die Kicker-Männer (im Fußball immer noch ein reiner Männer-Club, ein trauriges Kapitel für sich) und unterschlugen dabei, dass die Bayern-Profis gegen wirklich jede Entschedung gegen sie lautstark reklamierten und auch deshalb diese hektik aufkam. Nicht nur der Kapitän Kimmich meckerte und motzte, sondern vor allem auch Kane und Stanisic. Meines Erachtes war der größte Fehler von Dingert, dass er gegen diese Maulhelden nicht mit Gelben Karten vorging.

In der ganzen Schiri-Keilerei ging unter, dass Bayer gegen Bayern ein äußerst unterhaltsames Fußballspiel war. Mit einem höchst unwahrscheinlichen Helden, denn es war letztlich Bayerns nominell dritter Torwart Sven Ulreich, der mit feinen Paraden trotz 9:11-Unterzahl das Remis feshielt. Tragisch, dass der Ersatz-Ersatzmann sich einen Muskelbündelriss zuzog und nun 6 Wochen fehlt. Im spiel stand ihm auch das Glück zur Seite, denn dass Jonas Hofmann bei seinem vemeitlichen Siegtreffer in der Nachspielzeit im Abseits stand, war durch Standbild und angeblich kalibrierter bestenfalls zu erahnen. Proteste der Leverkusener? Fehlanzeige. Obwohl Bayer die verlorenen Punkte im Kampf um Champions-League-Plätze sehr viel mehr schmerzen als den Münchnern, die immer noch souverän die Tabelle anführen mit 9 Punkten auf Borussia Dortmund. Wozu also die Aufregung, frage ich noch mal fassungslos?

 

Ich schaue neidvoll nach Italien

 

Nicht wegen ihrer Fußballer, Gott bewahre! Aber Italia trumpft in zwei Sprtarten auf, die ich sehr gerne mag und in denen Deutschland noch nicht einmal eine Nebenrolle spielt, geschweige denn eine oscar-würdige. Ich rede von Baseball und Rugby, in denen Spieler aus Bella Italia mehr als bella figura machen und machten.

 

Italien im Baseball-WM-Halbfinale

 

Als ich das Ergebnis aus der Vorrunde las, konnte ich es kaum glauben: USA – Italien 6:8. Es verlor also die Baseball-Nation Nummer 1, gespickt mit zwei Dutzend topdotierter MLB-Stars gegen ein Land, das ich bisher überhaupt nicht mir diesem schönen Sport in Vebindung gebracht habe. Natürlich auch wegen meine Ignoranz, denn zumindest Pasquantino von den Kansas City Royals ist mir durchaus ein Begriff. Nur hätte ich ihn trotz des namens nie mit Italien in Verbindung gebracht. Noch einige Spieler mehr sind bei MLB-Clubs angestellt, aber sie sind mir nie in einer tragenden Rolle aufgefallen. Und diese No-name-Truppe besiegt die USA – einer der größgten und gleichzeitig schönsten Rätsel des Sports.
Dieser Triumph war keine Eintagsfliege. Nicht nur gelang den Azzurri der Gruppensieg in der Vorrunde, sie bezwangen auch im Viertelfinale Puerto Rico und treffen heute Nacht auf Venezuela. Höchstwahrscheinlich wird gegen diese Baseball-Nation der Siegeslauf ein Ende finden, aber das tut dem Erfolg nicht den geringsten Abbruch. Als Deutscher, der die zig teils grotesken Fehlversuche eines Aufbaus eines heimischen Nationalteams nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis nimmt, bleibt da nur der allerhöchste Respekt. In Italien wissen Menschen offenbar zumindest im Baseball, was sie tun.

Italien 4. bei den Six Nations

Das gilt fast noch mehr im Rugby. Im traditionellen Turnier der sechs besten europäischen Teams schafften die Azzurri einen vor Jahren noch für unmöglich gehaltenen vierten Platz – vor den ausgemachten Rugby-Nationen England und Wales. Erstmals konnten sie dabei den Ex-Weltmeister England bezwingen, außerdem gelang ein Heimerfolg gegen Schottland (und so blieb man im jeweils nahezu ausverkauften Römer Olympiastadion diese Saison tatsächlich unbesiegt). Die Italiener lieben ihre Rugbyspieler, die ihr Geld auch in lukrativen Profiligen wie Frankreich und England verdienen.

Das europäische Topturnier verlief so spannend wie noch nie. Erst mit einem Straftritt nach Ablauf der 80 Minuten sicherte sich im allerletzten Spiel Frankreich den spektakulären 48:46-Sieg gegen England und die erforderlichen Punkte, um Irland noch von der Tabellenspitze zu verdrängen.

 

Und sonst? (wirklich nur das Wichtigste)

 

 

  • Tennis: Masters-Siege für Aryna Sabalenka und Jannik Sinner. In Indian Wells gewann die Weißrussin ein spektakuläres und hochklassiges Finale gegen Lena Rybakina und revanchierte sich für die Niederlage im Endspiel de Australian Open. Dabe vergab Rybakina im Tiebreak des entscheidnden Satzes einen Matchball.
    Sinner bezwang im Endspielden Russen Daniil Medwedew mit 7:6, 7:6. Medwedew seinerseits, der ein grauenhaftes Jahr 2025 hinter sich hat, bestätigte seinen klaren Formanstieg mit einem beeindruckenden Halbfinal-Erfolg über den Weltranglistenerersten Carlos Alcáraz, der die erste Niederlage des jahres kassierte..
  • Ski alpin: Emma Aicher gibt im Kampf um den Gesamtweltcup nicht auf: Die 22-Jährige fuhr in Are als Vierte im Riesenslalom und Zweite im Slalom jeweils ihre besten Disziplin-Ergebnisse ein. Dabei genoss die in Schweden aufgewachsene Aicher sichtlich ihren Heimvorteil. Was für ein Glück für den Deutschen Skiverband, dass sie sich im Alter von 16 jahren entschied, dass sie für das Heimatland ihrer Mutter fahren will.
    Den Slalom gewann, natürlich, Mikaela Shiffrin. Die Amerikanerin führt jetzt mit 140 Punkten vor der Deutschen. Jeweils ein Wettbewerb pro Disziplin findet ab nächsten Samstag beim Saisonfinale in Lillehammer noch statt. Aufholjagd ist sicher möclich, letztlich aber unwahrscheinlich.
    Einen schönen Erfolg feierte die Österreicherin Julia Scheib. Sie gewann nicht nur den Riesenslalom in Are, sondern holte sich auch die Disziplin-Wertung. Kaum zu glauben: Es ist der erste Riesenslalom-Weltcup für die Skination Austria seit 10 Jahren. Schweib wiederum entschädigte sich für das entäuschende Olympia-Rennen, als sie als klare Favoritin ohne Medaille blieb.
  • Golf: Wie Indian Wells im Tennis gilt The Players in Ponte Vedra bei den Golfprofis als fünftes Major-Turnier. Spannender hätte das Ende kaum sein können, als die schlaggleichen Führenden Camron Young (USA) und Matthew Fitzpatrick (England) im gleichen Flight auf die letzte Bahn gingen. Am Ende hatte Young im äußerst fair geführten Duell (trotz Ryder-Cup-Vibes bei den Zuschauern) die Nase um einen Schlag vorn. Ein Desaster auf der Schlussrunde erlitt der junge Schwede Ludvig Aberg, de mit einer desaströsen 76er-Runde von Platz 1 auf Rang 5 zurückfiel.