Fassungslos über Rasensport

Eigentlich sollte mich nach 60 Jahren Bundesliga, sie ist damit übrigens genau vier Tage älter als ich, falls das irgendjemanden interessiert, nichts mehr überraschen. Aber dann gibt es eben doch Meldungen, die mich umhauen. Wie die von gestern, als der RB Leipzig in fünf dürren Worten vermeldete, dass er sich von Sportdirektor Max Eberl getrennt habe. Und diese Meldung haut der Club einen Tag vor der wegweisenden Partie gegen Bayern München raus. Das muss man erst mal schaffen. Und dass man es nicht einmal für nötig befunden hat, Trainer Marco Rose diesen Schritt mitzuteilen, bevor er es im Internet lesen durfte, spricht für sich.

Die Trennung an sich kam jetzt gar nicht sooo überraschend für diejenigen, die die vergangenen Wochen verfolgten. Die Verantwortlichen waren nicht zufrieden mit der Arbeitsauffassung von Eberl, der sich angeblich zu oft in seinem schmucken Häuschen mit seiner Freundin in München aufhielt und manchmal erst um 10 (!) im Vereinsgelände auftauchte. Als ob es sich in Leipzig immer noch nicht herumgesprochen hat, dass es Telefon, Skype etc gibt, dass es also einem Spielervermittler in, sagen wir Marseille, völlig egal ist, ob der Gesprächspartner in München, Leipzig oder Timbuktu ist.

Ich hätte nie gedacht, einmal Helmut Kohl zu zitieren: Aber wichtig ist, was hinten raus kommt. Und da ist es Eberl und seinem Team in der Sommerpause gelungen, trotz der Abgänge von absoluten Leistungsträgern wie Nkunku, Szobozlai und Guardiol ein schlagkräftiges, ja unter Umständen sogar bundesliga-titelreifes Team zusammenzustellen; das nota bene, die Bayern im Supercup mit 3:0 zertrümmerte.

Man warf Eberl vor, sich nicht genug zum Verein zu bekennen. Wobei „Verein“ RB Leipzig ohnehin absurd klingt mit seinen nicht mal 1000 Mitgliedern, von denen gerade 20 stimmberechtigt sind. Außerdem sind diese Bekenntnisse ohnehin das Papier nicht wert. Ich erinnere mit Grausen an Falko Götz, der damals bei der Vorstellung als Trainer bei 1860 sagte, er sei glücklich bei seinem absoluten Lieblingsverein zu landen. Leere Worte

Jedem war klar, dass der Herzensverein von Eberl seit Kindesbeinen die Bayern sind. Okay, das Verhältnis zu RedBull-Impressario Oliver Mintzlaff war wohl nicht das Beste, aber Freundschaften auf der Führungsebene sind dann doch eher die Ausnahme wie zurzeit etwa in Heidenheim. Wichtig ist eine konstruktive ZUsammenarbeit, in der man durchaus mal auch unterschiedlicher Auffassung sein darf. Vielleicht hat es auch da geknarzt, aber doch  nicht unüberwindbar

Doch zurück zum Ausgangspunkt, dem irrsinnig anmutenden Zeitpunkt. Warum wartet man, wenn man Eberl schon unbedingt rausschmeißen will, nicht die Partie gegen Bayern ab? Hatte man Angst vor einem Sieg, der den Rauswurf dann doch ziemlich unverständlich machen würde? Vielleicht hat es ja tatsächlich einen aktuell-konkreten, handfesten Anlass gegeben, den allerdings blieb uns RB bisher schuldig.

Was bleibt, ist eine völlig unnötige Aufregung vor einer Partie, die der ganzen Konzentration bedarf. Und mir kann keiner erzählen, dass das die Spieler die vergangenen Stunden nicht extrem beschäftigt hat. Da sind ja immerhin einige Profis, die Eberl im Sommer verpflichtet hat mit Worten wie: „Hier kannst Du Dich entfalten, besser werden. Ich vertraue Dir.“ Und jetzt müssen diese Spieler erstens mitansehen, wie schnell das mit einem Rauswurf gehen kann und müssen sich zweitens Gedanken machen, ob der Nachfolger ebensolches Vertrauen hat. Das alles lenkt ab, und wenn es nur diese zwei Prozent sind, die am Ende fehlen.

Ich war dem Konstrukt RB bei aller Kritik immer recht aufgeschlossen, gönne als langjährig in Frankfurt (Oder) gelebt habend dem Osten und gerade Leipzig einen zumindest nationalen Spitzenverein. Aber alle Hater haben jetzt wieder neue Nahrung gefunden.

Ich habe übrigens eine ganz einfache Erklärung für den Rauswurf: Max Eberl hat sich geweigert, das widerliche Gesöff Red Bull in der Öffentlichkeit zu sich zu nehmen. Das ist die wahre Verbundenheit gewesen, die gefehlt hat.

Österreich feiert, Italien hofft

Gut zwei Drittel haben die Teams in der Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft absolviert, drei oder vier Partien stehen noch aus. Fix qualifiziert hat sich neben Gastgeber Deutschland noch kein Team. Aber in vielen Ländern kann man die Tickets nach Germany schon buchen. Es gibt zehn Gruppen, in denen sich jeweils die besten zwei Teams qualifizieren. Der restlichen drei Tickets werden über die Nations League nächsten März ausgespielt. Wie das dann konkret abläuft, darüber zerbreche ich mir den Kopf, wenn es ansteht. Aber wie schaut es jetzt in den Gruppen aus? Ein Überblick.

Gruppe A

Schottland ist mit 5 Siegen aus 5 Spielen, darunter auch gegen Spanien, perfekt gestartet. Auch für die Spanier schaut es sehr gut aus. Norwegen muss auf Ausrutscher hoffen, sonst ist das Land mit den Giganten-Fußballern Haaland und Ödegaard nicht dabei (außer Nations League? s. o.)

Gruppe B

Frankreich ebenfalls perfekt nach fünf Spielen. Holland muss sich noch ein bisschen strecken, wobei es am Sonntag einen ganz wichtigen Sieg in Irland nach Rückstand feierte. Nächstens zu Hause vs Frankreich. Griechenland lauert, hat aber jetzt die schwere Aufgabe bei den allerdings schon chancenlosen Iren vor sich.

Gruppe C

England ist quasi durch. Italien kann nach den elementar wichtigen Sieg gegen die Ukraine ein bisschen durchatmen. Die Azzurri sind punktgleich mit der Ukraine und Nordmazedonien, haben aber ein Spiel weniger absolviert.

Gruppe D

Hier sieht es für Kroatien sehr gut aus. Punktgleich mit der Türkei und drei vor Armenien und Wales, dabei ein Spiel weniger. Es bahnt sich ein netter Dreikampf zwischen der Türkei, Armenien und Wales um den zweiten Platz an. Türkei mit dem deutschen Trainer Stefan Kuntz in der Vorderhand.

Gruppe E

Tabellenführer ist, man lese und staune, Albanien, das zehn Punkte in fünf Spielen sammelte. Alles ist aber noch sehr eng; Tschechien mit einem Spiel weniger nur zwei Punkte dahinter. Und sogar das bisher so enttäuschende Polen kann mit einem Schlussspurt in den ausstehenden drei Partien noch das Deutschland-Ticket lösen.

Gruppe F

Hier sind alle Messen gesungen. Belgien und Österreich können bei jeweils sieben Punkten Vorsprung auf Platz 3 numehr in der Theorie abgefangen werden. Die Österreicher überzeugten gestern vor allem in der zweiten Halbzeit beim 3:1 in Schweden. Gregoritsch und zweimal Arnautovic ließen Austria jubeln. Die Ösis mit Trainer Ralf Rangnick sind übrigens im November der letzte Testspielgegner der Deutschen 2023.

Gruppe G

Ungarn mit den besten Karten. Gleichauf mit Serbien, aber ein Spiel weniger. Die Serben im Zweikampf mit Montenegro. Es kommt am 17. Oktober in Belgrad noch zum direkten Duell.

Gruppe H

Hier ist in der Sechsergruppe alles offen. Die ersten Vier Slowenien, Dänemark, Finnland und Kasachstan trennen nur ein Punkt. Alle haben noch zwei Heim- und zwei Auswärtsspiele. Am 14. 10.empfängt Slowenien Finnland und Dänemark Kasachstan.

Gruppe I

Mit einem äußerst mühseligen3:0 über Andorra hat die Schweiz die Spitze übernommen und führt mit zwei Punkten vor Rumänien und drei vor Israel. Allein diese drei Teams haben noch Chancen auf die zwei EM-Plätze.

Gruppe J

Portugal makellos nach sechs Spielen. Dahinter ein Zweikampf um Platz 2 zwischen der Slowakei und, man lese und staune erneut, Luxemburg. Das hätte was, wenn sich der einstige Fußballzwerg qualifizieren würde. Island 2016 reloaded?

Das war die Woche, die war, Teil I

Nach dem f+r ich sehr anstrengenden Wochenende mache ich es diesmal in zwei Teilen. Heute Basketball und Fußball. Morgen der Rest und der Ausblick auf die kommende Woche.

Meine Nerven

Es ist für mich immer noch unwirklich, aber die deutschen Basketballer sind tatsächlich Weltmeister geworden. Acht Spiele acht Siege, lautet die beeindruckende Bilanz. Im Endspiel gegen die Serben war es die erwartet enge Partie, aber am verdienten Erfolg wird hoffentlich niemand deuteln. Und Dennis Schröder ist MvP – völlig verdient. Matchwinner gegen Serbien, als er am Ende wie ein Champion Verantwortung übernahm und sich mit einem Solo für die „deutsche Basketball“-Ewigkeit durch die serbische Abwehr schlängelte. Aber er war nur Primus inter pares einer mannschaftlich extrem geschlossenen Einheit, angeleitet von Trainer Gordie Herbert, der einerseits Freiräume gewährleistete, andererseits auch eine klare Linie verfolgte an der sich alle halten mussten und hielten.

Das Spiel, an das ich  sehr lange denken werde, war allerdings die Partie gegen die USA – mein Sporthöhepunkt des Jahres und noch viel mehr. Hier sind die Deutschen über sich hinausgewachsen, haben in einer grandiosen Art und Weise dagegengehalten. Dass dann ein Andi Obst so aus dem Sattel herausgeht und die Dreier nur so versenkt, war in dieser Form nicht zu erwarten, obwohl der Bayern-Profi schon so manchen Sahnetag erwischt hat.

Ja, es fehlten einige Superstars bei den USA, und auch die Serben mit einem Nicola Jokic wären wohl noch stärker gewesen; höchstwahrscheinlich wären diese beiden Teams zu schwer gewesen, aber weiß man es? Es können sich halt nur die messen, die da waren, und da waren die Deutschen halt am besten. Punkt. Und mit Sicherheit war das US-Team keine Ansammlung drittklassiger Spieler, wie ich in manchen Kommentaren bei anderen Seiten lesen musste. Die Zeiten eines Dreamteams 92, als die Gegner Fotos von Jordan, Johnson und Co machten, sind ohnehin vorbei. Kein Grund also, den Triumph in irgendeiner Form madig zu machen. Umso größere Vorfreude auf Olympia 24 in Paris, wenn dann wahrscheinlich wirklich die Besten der Besten am Start sind.

Ende mit Schrecken

Es war klar, dass nach dem 1:4 der deutschen Fußballer gegen Japan Bundestrainer Hansi Flick nicht mehr zu halten war. Für viele völlig unverständlich, hielt der DFB trotz des frühen Vorrundenaus in Katar und den furchtbaren Testspielen im ersten Halbjahr weiter an Flick fest. Dessen Trainer-Reputation resultiert ohnehin allein auf dem „Sextuble“ 2021 mit den Bayern. als sie, in den schwersten Corona-Zeiten, alles abräumten, was abzuräumen war. Sicher eine tolle Trainer-Leistung, aber davor hatte er nie gezeigt, dass er ein Team formen kann und junge Spieler besser.

Jetzt ist Flick also Geschichte, aber allein deshalb ist bestimmt nicht alles gut. Es war ja nicht Flick, sondern gestandene Profis, die sich von den Japanern haben vorführen lassen. Und Flick hat auch nicht auf dem Rasen diese grotesken Fehler gemacht, die wir am Samstag gegen Nippon (und auch die Spiele zuvor) aus deutscher Sicht erleiden mussten. Die Willenslosigkeit, die da einige auf dem Platz zeigten, war allerdings bemerkenswert. Spielten da einige gegen den Trainer?

Jetzt also gegen Frankreich für ein Spiel, und bitte auch wirklich nur ein Spiel, mit Rudi Völler auf der Bank. Der ewige Rudi, der immer wieder einspringt, wenn Not am Mann ist. Ich würde ihm gönnen, wenn das morgen kein Desaster wird gegen ein absolutes Klasseteam. Aber dann möge es auch gut sein mit Tante Käthe, zumindest als Trainer.

Aber einen guten Nachfolger zu finden, wird mitten in der Saison sehr schwierig. Matthäus und Sammer haben schon abgesagt – mal schauen, ob sie dabei bleiben. Es dürfte auf Julian Nagelsmann hinauslaufen: Ein guter Trainer zweifelsohne, aber ob er geeignet für den Job eines Bundestrainers ist? Er ist halt noch sehr jung, und ich sehe ihn eher als Vereinstrainer mit dort täglicher Arbeit. Sonst würde sich ein Blick ins Ausland lohnen. Allen Ernstes fiel ja schon der Name Louis van Gaal – der hätte wirklich was.

Watzkes Irrflug

Bisher hatte sich Hans-Joachim Watzke einen glänzenden Ruf als Fußball-Funktionär erarbeitet, der Borussia Dortmund vorm Ruin gerettet und in erfolgreiche Zeiten geführt hat. Dieser Ruf hat extrem gelitten – und wahrscheinlich nicht nur bei mir. Wie er vor ein paar Monaten gegen all die wetterten, die sich gegen einem Investor der DFL sträubten, war schon peinlich genug. Uneinsichtig wie ein bockiges Kind räumte er damals alle Bedenken beiseite, obwohl das Konzept einfach nicht ausgereift genug war, um es durchzuwinken..

Wie er in der vergangenen Woche gegen das neue Ausbildungskonzept wetterte, setzte allerdings allem die Krone auf. Ohne Sachkenntnis, wie sich zeigte. Kurz gesagt soll bei den ganz jungen Spielern der Spaß an der Sache und nicht der tabellarische Erfolg im Vordergrund stehen. Mit neuen Spielformen wie zum Beispiel mit einem Kleinfeld auf vier Tore. Da kann sich keiner mehr verstecken, ist viel öfter am Ball, muss sich technisch durchsetzen.

Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, muss sich zeigen. Aber es ist nicht der Untergang des Abendlandes, wenn nicht Monate danach noch Tabellen auf Ergebnisse hinweisen. Und jeder, der sich auch in irgendeiner Form sportlich mit anderen misst, will auch gewinnen. Ich erinnere mich mit Grausen an frühe Tischtennis-Partien mit meinem Vater und – noch schlimmer – an eine desaströse Niederlage gegen die Mädchen unserer Klasse. Natürlich war der Schiedsrichter schuld … Das nagt, und im „Revanche“Spel“ schoss ich vier Tore. Na ja

Was ich damit sagen will: uch wenn es keine offiziell bekundeten Spiele mehr geben sollte. Man strengt sich trotzdem an – und wir reden hier von Kindern, die höchstens zehn Jahre alt sind. Ich persönlich kann von all den Jugendtiteln ohnehin wenig anfangen: Viel wichtiger ist die Ausbildung zu einem gestandenen Profi, aber viele Trainer sehen leider nur den kurzfristigen Erfolg. Ein Fehler des Systems?

Und Rubiales geht doch

Mitten in den Sportwahnsinn am Sonntag mit Fußball, Basketball, Rugby et all ploppte die Meldung auf, dass Luis Rubiales jetzt doch als Präsident des spanischen Fußball-Verbandes zurücktritt. Jener Rubiales, der die Frauen-Weltmeisterin Jenni Hermoso bei der Siegerehrung auf den Mund geküsst hat, offenbar ohne deren Willen. Ich persönlich fand es ja noch viel schlimmer, als er nach dem Schlusspfiff sich ungeniert und in unmittelbarer Nähe seiner Königin und deren Tochter längere Zeit sich ungeniert vor Freude an den, Entschuldigung, Sack gefasst hat und später eine Spielerin wie einen Sack Mehl über den Platz trug. Die folgenden Wochen waren furchtbar: über den Triumph der Spanierinnen sprach kein Mensch mehr, sondern es gab nur noch die Diskussion über die Statthaftigkeit. Juristen hatten ihre Freude, ob das Verhalten von Rubiales eine „schwere“ oder „sehr schwere“ gewesen sein. Dass dann die Mama aus Protest sich in den Hungerstreik in einer Kirche verzog, war dann zum Drüberstreuen. Wird sie jetzt wieder essen?

Immerhin konnten wir auch in Deutschland so einiges lernen, wie einige Fußball-Granden es mit den Frauenrechten so halten. Karl-Heinz  Rummenigge, ein guter Bekannter von Rubiales, fand das „nicht so schlimm“. Na ja, der Kalle halt …

 

Der Offenbarungseid

Größer könnte die Diskrepanz nicht sein: hier die Basketballer, die am Freitag in einer begeisternden Partie die favorisierten USA bezwangen und heute gegen Serbien um WM-Gold kämpfen. Das war individuelle Klasse gepaart mit Mannschaftsgeist, das bis zu Tode strapazierte „Einer für alle, alle für einen“ wurde hier tatsächlich mit Leben erfüllt, man kann die einzelnen Heldentaten gar nicht alle aufzählen. Und dort am gestrigen Samstag? Sahen wir fürchterliche deutsche Fußballer, die völlig verdient auch in dieser Höhe mit 1:4 gegen Japan verloren. Hier gab es Fehler über Fehler, niemand half den anderen. Die Auftritte bei der WM, als man trotz der Niederlage eben jenen Japanern überlegen war und im ersten Halbjahr wurden noch einmal übertroffen in negativer Hinsicht – man möchte es kaum glauben.

Fast noch bizarrer als die Leistung der Mannschaft war hinterher der Auftritt von Hansi Flick. Reichlich konfus analysierte er hinterher bei RTL die Partie, das sei ihm noch zugestanden nach dieser auch für ihn wahrscheinlich nicht zu erwartenden Demontage seiner Elf. Doch auch in der PK mit einigem Abstand behauptete er: „Ich finde, wir machen das gut, und ich bin der richtige Trainer. Wir sind überzeugt, von den, was wir tun, und deshalb geht es mit mir auch weiter.“ Kein Wort der Selbstkritik. Er habe seine Mannschaft gut auf den Gegner vorbereitet. Aha.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll: vielleicht beim Abwehrverbund, in dem sage und schreibe drei der kriselnden Dortmunder ihr Unheil anrichten durften noch dazu auf – wie bei Nico Schlotterbeck links – auf einer für ihn völlig ungewohnten  Position. Die Dortmunder haben ja schon Defensiv-Probleme, wenn es gut läuft, aber jetzt … Und warum Flick den völlig überforderten und fehlerhaften Schlotterbeck nicht wenigstens zur Pause von seinen Leiden erlöste – es bleibt Flicks Geheimnis. Aber Schlotterbeck war nur der Schlechteste unter vielen Schlechten

Erschütternd war die mangelnde Kreativität. Wo war eigentlich der spritzige Florian Wirtz, der in den drei Bundesligapartien zuvor mit Lob überhäuft wurde. Einmal, bei der feinen Vorlage vor dem 1:1 durch Leroy Sané blitzte sein außergewöhnliches Können auf. Doch in der 2. Halbzeit, als die Japaner sich zurückzogen, fiel auch ihm nicht das Geringste ein, die Abwehr auszuhebeln. Es war furchtbar, mit anzusehen.

Klar, die Japaner können wunderbar Fußball spielen, vor allem wenn man sie lässt. Sie zeigten die Leichtigkeit und Inspiration, die ich bei den Deutschen vermisste, und nur ter Stegen und ihrem Unvermögen vor dem Tor sei gedankt, dass es ergebnismäßig nicht noch schlimmer wurde.

In einem dreiviertel Jahr steht die Heim-EM an. Mehr denn je ist zweifelhaft, ob dann Flick noch der Trainer ist; ich hoffe nicht, wenn ich das mal so sagen darf. Von Vorfreude kann nicht im Entferntesten die Rede sein eher von Angst, was am Dienstag die Franzosen um Kylian Mbappé mit diesem defensiven Trümmerhaufen anstellen könnten. Aber vielleicht noch schlimmer im Hinblick auf die Zukunft und die EM wäre ein dahingewurschteltes Unentschieden, das den DFB-Verantwortlichen wahrscheinlich mit einem verbandstypischen Weiter so quittieren würden.

Dagegen steigt meine Vorfreude aufs Basketball-Finale von Minute zu Minute. Bringt den Cup nach Hause! Und sogar wenn nicht, weil die Serben eine extrem gute Mannschaft sind auch ohne Superstar Nicola Jovic: diesen großen Sportmoment vom Freitag kann euch und uns niemand mehr nehmen.

Das war die Woche, die war

Wo anfangen, wo aufhören. Zig Welt- und Europameisterschaften, dazu das geballte Fußball-Programm in den europäischen Ligen (die ich hier schnöde ignoriere), und dies und das und jenes. Ich versuche das mal zu sortieren. Wie erwähnt: Rein subjektiv und mit viel Mut zur Lücke.

16 Jahre jung und sooo erfolgreich

Ich gebe es ja zu, die Rhythmische Sportgymnastik steht jetzt nicht ganz oben meiner bevorzugten Sportarten. Hin und wieder ein Blick dahin, Faszination und auch ein bisschen Irritation darüber, wie beweglich der menschlichen Körper sein kann. Ich fürchte, es wird bitter nachgeholfen. Aber wenn ein 16-jähriges deutsches Mädchen (mit russischen Wurzeln) bei einer Weltmeisterschaft wie gerade in Valencia fünf von fünf Titeln abgreift, das ist das jede Erwähnung wert. Darja Varvolomeev heißt das Wunderkind, das die Fachwelt entzückt. Vergesst Regina Weber oder Magdalena Brzeska, falls die Euch ein Begriff sind. Ich hoffe, wenigstens im Nachgang erhält sie die Aufmerksamkeit, die ihr bisher doch ziemlich versagt blieb. Aber vielleicht ist ihr das auch recht, nicht so im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. Schade für sie, dass es bei Olympia nur die Mehrkampfentscheidung gibt. Und da ist vielleicht sogar das deutsche Fernsehen live dabei.

Traurige Nullnummer in Budapest

Wirklich viele Medaillen durfte der deutsche Leichtathletik bei der WM nicht erwarten, erst recht nach prominenten Ausfällen wie Weitspringerin Malaika Mihambo. Aber gar kein Edelmetall – das ist doch eine veritable Enttäuschung und hat es auch noch nie gegeben. Und was eigentlich noch mehr Sorgen macht, wie brach man in manchen Disziplinen darstellt. Dass man in den Laufwettbewerben mit den Stars aus den USA, der Karibik und Afrika nicht mithalten kann, ist bekannt. Andererseits zeigen etwa die Norweger und die grandiose Femke Bol, dass man auch als weißer Europäer(in) in die Phalanx einbrechen kann. Was mich wirklich irritierte war der Umstand, dass es auch in den Wurfdisziplinen, sonst verlässliche „Retter“ der deutschen Bilanz, unfassbare Lücken gab wie Kugelstoßen der Männer oder Speerwerfen der Frauen. Da läuft einiges schief. Ich habe vieles nur relive gesehen weil zeitweise Bodensee-urlaubend, aber das sind meine drei Höhepunkte einer insgesamt sehr stimmungsvollen WM mit sehr spannenden Entscheidungen. Ich hoffe einfach mal, dass die Sieger- und Medaillenlisten nicht nachträglich korrigiert werden müssen.

– das Beste kommt zum Schluss, und das beinahe wortwörtlich. Der unglaubliche Endspurt der Femke Bol in der 400-m-Staffel, der die Holländerinnen im letzten Wettbewerb der WM noch zum Sieg führte. Hier hat jemand alles gegeben und nicht nur heiße Luft produziert. (Ich sag jetzt nicht, an wen ich gerade denken muss …). Und das nach dem furchtbaren Auftakt, als sie in der Mixed-Staffel (schön, dass es das auch bei den Leichtathleten gibt) den vermeintlich sicheren Sieg durch einen Sturz kurz vor Schluss wegwarf. Das Gold über 400 m Hürden war ja fest eingepreist, aber dass sie ihre Staffel in dieser Form zum Sieg führen würde. Wau!

– Stabhochsprungshow. Was für ein Wettbewerb. Keine Medaille mit 5,90 Metern. „Nur“ Silber mit 6,00 Metern. Und Mondo Duplantis in anderen Sphären. Es war schlicht grandios, was die Stabis am Samstag zeigten, wobei sie natürlich von idealen Bedingungen (kein Wind, große Wärme) profitierten. Wer das nicht spannend fand, dem ist nicht zu helfen. Und auch die Frauen-Konkurrenz war außerordentlich mit am Ende zwei Goldmedaillen für Nina Kennedy und Katie Moon, die sich auf den geteilten Sieg einigten. Schön, dass es diese Möglichkeit gibt und nicht bis zum Exzess „gerittert“ werden muss.

– Der Halbzeit-Weltmeister. Ein großer Vorteil der Zehnkämpfer ist, dass man sie in zwei Tagen bestens kennenlernen kann mit ihren Höhen und Tiefen. Man denke an Frank Busemann, Silbermedaillen-Gewinner 1996 und immer noch in der ARD präsent. Und jetzt fasziniert Leo Neugebauer die darbende deutsche Leichtathletik. Und er menschelte, was ihn fast noch sympathischer macht, war er doch nach einem unglaublichen Auftakt nach dem ersten Tag auf Gold-, aber auf jeden Fall Medaillenkurs. Zeigt Schwächen zu Beginn des zweiten Tages, rappelt sich am Ende auf mit zwei persönlichen Bestleistungen. Es reichte dann halt nicht zur Medaille, weil andere weniger Ausschläge hatten. Und am Ende jubelte Kanada mit Gold und Silber. Nichtdestotrotz ist Neugebauer einer der wenigen deutschen LA-Hoffnungen für die Zukunft.

Nur der Himmel als Grenze?

Was für ein Start der deutschen Basketballer. Klar, den Sieg über Japan durfte man erwarten, die andererseits immerhin Finnland mit ihrem NBA-Star Lauri Markkanenbezwangen. Aber dass sie ohne ihren besten Franz Wagner die mit NBA-Profis gespickten Australier bügeln würden, hätte ich ehrlich gesagt nicht geglaubt. Dennis Schröder überflügelte mit seinen 30 Punkten sogar Dirk Nowitzki bei einem deutschen WM-Spiel. Maodo Lo blühte gerade noch rechtzeitig auf, Daniel Theis war in der Defensive eine Bank. Man darf also hoffen, dass es tatsächlich sehr weit gehen kann. Das Viertelfinale ist zumindest ganz nah, denn dafür dürften Siege gegen Finnland und die Kap Verden reichen, die mit allem Respekt zu bezwingen sind. Und dann? Ist alles möglich. Wobei für mich Kanada und die USA noch ein Stückerl besser einzuschätzen sind.

Frankreich dagegen ist schon draußen. Auch wenn ich sie nicht im Viertelfinale gesehen habe, mit so einem frühen Aus und einer Niederlage gegen Lettland war nicht zu rechnen. Sie werden sich hoffentlich steigern für Heim-Olympia 24.

Unglück im Übermaß

Eine Warnung für die Basketballer: Auch die Volleyballerinnen sind mit zwei Siegen in die EM gestartet, und dann folgte das Desaster. Niederlagen gegen die als schwächer eingeschätzten Tschechinnen und Schwedinnen. Chancenlos gegen die Türkei und Polen. Und schwere Verletzungen bei den Zuspielerinnen Hanna Ortmann und Anne Hölzig. Ein Turnier zum Vergessen und leider sehr trübe Aussichten, was eine Olympia-Qualifikation betrifft. Aber auch hier: faszinierende Spiele und Lust auf mehr im Viertelfinale, auch ohne die Deutschinnen.

Rubiales nervt tierisch

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich Egomanen an ihren Ämtern festhalten und einfach nicht wissen, wann genug genug ist. Siehe Luis Rubiales, Chef des spanischen Fußball-Verbandes. Eigentlich müsste Spanien auf einer Wolke der Glückseligkeit schweben nach dem WM-Triumph der Fußballerinnen vor einer Woche. Stattdessen debattiert das Land über den auf- und ausfälligen Rubiales, der Jenni Hermoso auf den Mund küsste und unmittelbar neben seiner Königin (und deren Tochter) sich ans Gemächt fasste. Das ist schon schlimm genug. Aber wie er jetzt gegen die nahezu komplette spanische und auch internationale Öffentlichkeit weiter an seinem Posten klebt, ist schon fast wieder bewundernswert. War doch nicht so schlimm, sie wollte es doch auch. Immer wieder ungern gehört sind diese Ausflüchte. Rubiales plant sogar eine Klage gegen Hermoso, die Anwälte wird es freuen. Doch sogar die FIFA hat von dem Gebahren genug und suspendierte Rubiales. Hilft alles nicht. Er will weitermachen. Sollen die verdammten Spielerinnen doch streiken, egal was die Regierung sagt und die männliche Fußballprominenz um Xavi und Xavi  und Real und Barca. Immerhin: Die Mama hält noch zu ihm und ist wegen der unmöglichen Behandlung ihres Sohnes in den Hungerstreik getreten. Ach ja. Kalle findet es auch nicht schlimm. „Wenn man Weltmeister wird, ist man emotional. Und was er da gemacht hat, ist – sorry, mit Verlaub – absolut okay“, sagte der 67-Jährige jüngst am Rande des „Sport-Bild-Awards“. Was man bei derlei Anlässen halt von sich gibt an Chauvi-Sprüchen.

Ein Großer tritt ab

Wirklich große Titel hat John Isner nie gewonnen, und doch dürfte in den vergangenen 15 Jahren kaum ein Spieler im Wortsinn so großen Eindruck hinterlassen wie der 2,06-Meter-Rise aus den USA.  Jetzt hat er bekannt gegeben, dass er nach heute startenden  US Open dem aktiven Profitennis Good bye sagen wird. Unfassbare 14 000 Asse hat er laut ATP geschlagen, so viele wie kein anderer. Die retteten ihn oft ins Tiebreak. Und für die Ewigkeit ist das Duell mit Nicolas Mahut in Wimbledon. 70:68 im 5. Satz, das wird es nicht mehr geben. Ein eigener Wiki-Eintrag für ein einzelnes Match. Muss man auch erst mal schaffen.. https://de.wikipedia.org/wiki/John_Isner_%E2%80%93_Nicolas_Mahut_(Wimbledon_2010)

Geldregen für Hovland

Und noch ein erfolgreicher Norweger nach den Leichtathleten Ingebrigtsen und Warholm. Dieses Volk ist unglaublich. Golfprofi Viktor Hovland sicherte sich beim PGA-Finale in Atlanta die Fedex-Wertung der PGA. Versüßt wird dieser Triumph mit insgesamt 18 Millionen. Zweiter wurde Xander Schauffele, Amerikaner mit deutschen Wurzeln (man greift nach allem, was möglich ist). Bester Deutschsprachiger aus DACH war der Österreicher Sepp Straka.

Ein Rekord für Verstappen

Neunter Formel-1-Sieg in Folge für Max Verstappen, und das vorm heimischen holländischen Publikum in Zandvoort. Das ist dann doch einer Erwähnung wert in einer sonst ziemlich langweiligen WM. Der Red Bull ist natürlich das beste Auto, aber die PS so konstant auf die Straße zu bringen, das ist grandios. Man sieht das ja an Teamkollegen Sergio Perez, der mit dem gleichen Auto manchmal weit hinterherfährt. Verstappen wird Weltmeister, darüber gibt es schon jetzt keine ernsthaften Zweifel mehr. Zwei Fragen bleiben offen: Gewinnt Red Bull alle Rennen der Saison, und wie hoch wird die Sieges-Rekordmarke von Verstappen sein? Ach ja: Haudegen Fernando Alonso sorgt als Zweiter noch für einen sportlichen Höhepunkt für Spanien.

Das wird die Woche, die wird

Am heutigen Montag beginnen die US Open. Ich habe dann doch zugegriffen und mir das Ticket bei sportdeutschland.tv besorgt für letztlich 20 Euronen. Verheißungsvoll:  Man kann die Spiele offenbar ohne Spoiler auch relive sehen, das macht die Nachtspiele interessant. Mehr zum Tennis in einem gesonderten Post heute oder morgen. Heute am 17 Uhr steht u. a. die Partie Thiem vs Bublik auf dem Programm, ich ahne nichts Gutes für den Österreicher.

Basketball-WM geht weiter mit dem dritten Vorrundenspiel und dann zwei Zwischenrunde-Partien. Für D schaut es wie geschrieben sehr gut aus. Magenta Sport überträgt jede Partie, gegebenenfalls mit englischen O-Ton.

Die Volleyball-EM der Frauen hat die entscheidende Woche mit der K.-o.-Runde ab Viertelfinale. Trotzdem oder deshalb?) toller Sport

Liga satt in den europäischen Fußball-Ligen. Und auch ein Blick nach Amerika zu Messi und die MLS dürfte sich lohnen. Bisher schießt er alles kurz und klein.

Rückspiele in der Qualifikation der europäischen Wettbewerbe. Eintracht am Donnerstag gegen Levski Sofia, Hinspiel 1:1.

 

Der Rücktritt bleibt natürlich aus

Gestern war ich wirklich verstört, als ich las, dass Luis Rubiales, Chef des spanischen Fußball-Verbandes, aus dem Kuss-Gate nach dem spanischen WM-Triumph tatsächlich die Konsequenz ziehen würde und zurücktreten werden. Kann das wirklich sein? Ein hochstehender Sportfunktionär zieht sich tatsächlich wegen eines Fehlverhaltens, das fünf Tage den WM-Sieg von La Roja fast überdeckte, zurück? https://web.de/magazine/sport/fussball/wm/skandal-wm-finale-verbandspraesident-rubiales-kuesst-hermoso-mund-38547524

Heute bin ich dagegen sehr beruhigt. Luis Rubiales denkt überhaupt nicht daran zurückzutreten. Wo kämen wir denn da hin, freiwillig aus dem Licht der Öffentlichkeit zu verschwinden, auf Ruhm, Ansehen (naja, das war schon vorher reichlich angekratzt), Privilegien aller Art und viel Geld zu verzichten. Dabei war doch nichts weiter passiert, als dass ein Mann eine Frau ungefragt auf den Mund geküsst hat. Passiert doch andauernd, und im Überschwang des Glücks, muss man das doch dürfen, meint der stolze Senor. „Das mache ich bei meinen Töchtern auch andauernd. Ich trete nicht zurück. Ich kämpfe bis zum Ende.“ Natürlich ganz uneigennützig, denn wie werden verweigerte Rücktritte nicht nur im Sport so gerne begründet? „Ich will mich nicht aus der Verantwortung stehlen.“

Und weil Señor Rubiales so schön in Fahrt war, benannte er die wahren Schuldigen, wie es so viele vor ihm getan haben. Es sind natürlich die Medien. „Hier geht es nicht um Gerechtigkeit, sondern um eine soziale Hinrichtung“, sagte Rubiales. Es sei doch ein einvernehmlicher Kuss gewesen.

Da ließ er vornehm beiseite, der Gentleman genießt und schweigt, dass sich das Kussopfer Jenni Hermoso sich alles andere als wohlgefühlt hat beim Kuss auf dem Mund und nachdrücklich strenge Konsequenzen forderte. Allein das Hin und Her um die Aussagen der Nationalspielerin war ein Trauerspiel. Zuerst die leichte Beschwerde, dann ein Statement, dass alles nicht so schlimm sei (wobei sich hier hartnäckig das Gerücht hält, dass sie derlei nie selbst gesagt hat) und dann die unverhohlene Forderung nach dem Rücktritt. Diese äußerte praktisch expressis verbis auch die spanische Regierung. Aber das stört den stolzen Spanier nicht. „Man wollte mich öffentlich ermorden“, klagte Rubiales.

Immerhin: Für einen weiteren Fauxpas unmittelbar nach dem Schlusspfiff des Finales, entschuldigte er sich. Praktisch unmittelbar neben seiner Königin und deren Tochter hatte er sich ans Gemächt gefasst, um seiner Freude Ausdruck zu verleihen. „Ich war so emotional, dass ich meine Kontrolle verloren habe.“

Auch wenn Rubiales einen freiwilligen Rücktritt ablehnt, es ist nicht sicher, ob er im Amt bleiben darf. Der Verband hat eine Untersuchung gegen den eigenen Chef angekündigt, allein diese Tatsache ist bermerkenswert. Sogar die FIFA will ermitteln. Torwart-Ikone Iker Casillas nannte das Verhalten „zum Fremdschämen“. Aber vor allem der Gegenwind der mächtigen spanischen Liga in Person von Javier Tebas dürfte nicht so leicht vom Tisch zu bekommen sein. „Beleidigungen, Angeberei, Erpressung, Drohungen, Spionage und Verfolgung, betrügerische Nutzung von Verbandsorganen, wir leiden unter vielem und haben vieles angeprangert. Die Liste der Frauen und Männer, die in diesen Jahren von Luis Rubiales geschädigt wurden, ist zu lang und das muss aufhören“, schrieb Tebas auf X. „Es ist unmöglich, sein frauenfeindliches und verabscheuungswürdiges Verhalten einer absurden Verschwörung zuzuschreiben, wenn der Rufschaden für den gesamten spanischen Fußball bereits unvermeidlich ist“, fügte Tebas hinzu.

Wie gut für Rubiales, dass es noch Fürsprecher gibt wie Kalle Rummenigge. „Ich glaube, man soll da nicht übertreiben und die Kirche im Dorf lassen“, sagte der Ex-Nationalspieler und Bayerns Aufsichtsratsmitglied.  Der WM-Titel emotionalisiere schließlich jeden, „und was er da gemacht hat, ist – sorry, mit Verlaub – absolut okay.“ Rummenigge https://www.t-online.de/sport/fussball/frauenfussball/wm/id_100229458/aussagen-von-rummenigge-zum-kuss-eklat-bei-wm-das-kann-nicht-sein-ernst-sein-.html folgt dabei nur Beckenbauer, der sang. „Echte Freunde kann niemand trennen.“ Und da steht man eben den guten Kumpel bei, den man in verschiedenen UEFA-Gremien, wo Frauen eh praktisch nix zu suchen haben, schätzen gelernt hat, und nimmt auch den folgenden Shitstorm gerne in Kauf.

Was ist gegen das Statement eines Weltmannes vom Schlage Rummenigge dagegen die Rücktrittsankündigung eines spanischen Nationalspielers. Borja Iglesias (!) stehe erst wieder zur Verfügung, „wenn derartige Vorfälle nicht mehr straflos bleiben“. Ganz im Ernst: Es wäre sehr schön, wenn Iglesias noch weitaus prominentere Mitstreiter folgen würden.

Erwartet wird ein gemeinsames Statement der Nationalspielerinnen, nachdem sich Weltfußballerin Alexia Putellas („Das ist unakzeptabel“) schon geäußert haben. „Se acarbo“ (Das wars), lautet das Motto. Doch so einfach wird es nicht sein im vom Machismo triefenden Verband.