Torwart – der Höllenjob

Das war es mit Wembley reloaded. Nachdem der BVB auch das Rückspiel gegen Paris St Germain mit 1:0 gewann und ins Londoner Champions-League-Finale einzog, verpasste Bayern München das Weiterkommen bei Real Madrid nur knapp. Nur ein paar Minuten fehlten zum Coup  und der Wiederholung des rein deutschen Finales, doch zwei späte Tore für Real, die ihre 267. remontada (Aufholjagd) in ihrem lauten und gerade modernisierten Fußballtempel feierten.

Es war das erwartete Spiel auf Augenhöhe, allerdings doch mit durchgehenden Vorteilen bei Real, die deutlich mehr Aktivität in Richtung Bayern-Kasten offenbarten als umgekehrt. Doch dieses mal agierte die Münchner Abwehr nahezu fehlerfrei, und was aufs Tor kam, das wurde zur Beute des famosen Manuel Neuer, von dem noch die Rede sein soll …

In der 2. Halbzeit erhöhten die Madrilenen den Druck, doch zwei fabulöse Neuer-Paraden, verhinderten die Führung. Die Münchner verlegten sich aufs Konter, und einer von ihnen führte zum Erfolg. Harry Kane schlug einen Toni-Kroos-Gedächtnis-Pass über 40 Meter direkt in den Lauf von Anthony Davies. Der. Kanadier, früh für Serge Gnabry ins Spiel gekommen, nahm Fahrt auf, wackelte den deutschen Nationalverteidiger Toni Rüidger aus und bezwang Sergej Lunin mit einem satten Schuss.

Doch Real Madrid ist in Dutzenden Schlachten Rückschläge gewohnt. Doch nachdem der vermeintlich schnelle Ausgleich wegen eines klaren Foulspiels an Kimmich zurückgenommen wurde, schienen die Felle davonzuschwimmen. Denn wer sollte denn Manuel Neuer bezwingen? Die Antwort folgte in der 89. Minute: praktisch er selbst: Nachdem er völlig unnötig mit einem weiten Abwurf nur einen Real-Spieler fand, kam Reals Vini jr zum Schuss. Völlig harmlos aus weiter Entfernung, doch Neuer schätzte den Ball falsch ein, dieser sprang von seiner Brust vor die Füße des schnell reagierenden Joselu, der keine Mühe mehr hatte. Das grausame Torwart-Los, es hatte wieder zugeschlagen. Die grandiose Leistung war kaum mehr etwas wert. Ich mag ja Neuer nicht besonders, das Hofieren zu ihm geht mir seit Langem auf die Nerven, insgesamt finde ich, dass er dietolle Klasse von einst schon länger nicht mehr hat. Aber jetzt spielte er seine beste Partie seit Jahren und dann dieser lächerliche Fauxpas, der ihm in dieser Form bei 10 000 Bällen nicht wieder widerfahren wird. Ein kleiner Maulwurfshügel sei Schuld gewesen, analysierte er mit einem Anflug von Galgenhumor. Tja: Seine Monsterleistung geriet ins Hintertreffen. Schnell kamen (nicht nur) bei mir Erinnerungen an Oliver Kahn bei der WM 2002 hoch. Allein dem damaligen Nationaltorwart war es zu verdanken, dass eine äußerst limitiete deutsche Mannschaft ins WM-Finale einzog. Dort zeigte sie die beste Turnierleistung, bis ein ähnlich läppischer Kahn-Abpraller die brasilianische Führung ermöglichte. Die alte Fußball-Weisheit hat immer noch Gültigkeit: Ein Stürmer kann Chance um Chance jämmerlich verhühnern, wenn er zum Siegtor angeschossen wird, ist er der Held, ein Torwart kann Wunderdinge zaubern, macht er einen entscheidenden Fehler, ist er der Depp. Man schaue sich die Notengebung der Zeitungen an, egal ob Boulevard oder Fachblatt.

Bernabeu explodierte, und in diesem Tohuwabohu setzte Joselu noch den zweiten Streich und verwertete eine scharfe Hereingabe von Rüdiger. Ausgerechnet Joselu, der bei Real begann, dann eine jahrelange Odyssee bei verschiedenen europäischen Clubs (u. a. Hoffenheim, Bremen, Frankfurt) unternahm, ehe er dieses Jahr zu Real zurückkehrte, aber auch nur, weil zuvor Harry Kane nicht nach Madrid, sondern nach München wechselte.

Die Entscheidung? Mochte man glauben, weil Bayern-trainer Thomas Tuchel alle Offensiv-Kräfte (Kane, Sané, Musiala) entkräftet und angeschlagen vom Feld nehmen musste (so seine Version. Doch dann die Szene, die jetzt schon allen Stoff zur Legendenbildung innehat. Ein weiter Schlag der Münchner, Mazraoui gewinnt ein Kopfball-Duell, der Ball gelangt über Umwege zu Eric Dier, der den Ball per Direktschuss ins Tor beförderte. Soweit klingt das schon ganz gut. Der große Haken war nur, dass der Schiedsrichter-Assistent Mazraoui im Abseits sah, seine Fahne hob und Schiri  Szyman Marciniak aus Polen die Szene hörbar lange vor dem Dier-Schuss abpfiff. Vorschnell, wie sich herausstellte, denn zumindest die ersten Fernsehbilder legten eher den Schuss nahe, dass Mazraoui nicht im abseits stand. Und gerade in solch knappen Situationen ist es strikte Anweisung ans Schiedsrichter-Gespann, die Szene erst mal weiter laufenzulassen, um gegebenenfalls die Fernsehbilder per Videoreview zu konsultieren. Dieses war jetzt eben nicht mehr möglich, weil mit dem Schiri-Pfiff das Spiel formell unterbrochen war.

Die Bayern tobten und toben wahrscheinlich immer noch. Michael Ballack am DAZN-Mikrofon überschlug sich förmlich vor Empörung über diesen unmöglichen Fehler. Es war fast lustig zu sehen, wie er sich mehr und mehr in Rage redete, die Sätze lkaum mehr zusammenbekam und mehr und mehr auch ins Sächsische verfiel. Der Chemnitzer dachte mit Grausen an ein Champions-League-Spiel 2009  mit Chelsea, als der Schiri im Rückspiel gegen den FC Barcelona einfach trotz mehrerer reichlich eindeutiger Szenen schlichtweg keinen Elfer geben wollte.

https://www.kicker.de/oevreboes-skandalspiel_ballacks-boesen-sprint-uebersah-er-auch-717684/artikel

Die Spieler tobten (nicht ganz so schlimm) Max Eberl, gerade gut zwei Monate als Sportvorstand verstieg sich gar in die Behauptung, alle hätten das deutsche Finale dringend gewünscht, nur die Polnischen (sid!) Schiedsrichter nicht. und die „Bild“ verstieg sich gar zum „schlimmsten Torraub“ seit Wembley 66, gnädig ein paar ähnliche Fälle (Lampard 2010 gegen Neuer) ignorierend.

Ich kann den Ärger sehr gut verstehen, aber:

  1. Wie gesagt: Die Szene war abgepfiffen, und einige Real-Spieler nicht mehr bei der Sache. Vor allem ihr Torwart Lunin ließ den Ball von Dier teilnahmslos relativ nah an sich vorbei ins Tor rollen, der weder besonders fest noch platziert geschossen war. Nach Lage der Dinge hätten vollkonzentrierte Madrilenen und insbesondere Lunin den Treffer mit Leichtigkeit verhindert.
  2. Und sogar wenn dieses Tor gefallen wäre. Wenn wir schon im Spekulatius sind, dann bitte auch über die dann erforderliche Verlängerung, lange 30 Minuten gegen völlig erschöpfte Münchner, die von der Bank nichts mehr hätten nachlegen können. Klar, den Neuer hätte real erst mal bezwingen müssen

Die Münchner täten also sehr gut daran, sich jetzt allein auf diese Szene zu kaprizieren. Natürlich war das Verhalten vom Schiri (auf Eberls Herumreiten aufs „Polnische“ möchte ich lieber nicht eingehen) ein furchtbarer Fehler,  zumal er bei Joselus zweitem Tor bei einer ähnlich knappen Abseitsfrage nicht abpfiff, so dass eine Kontrolle möglich war. Aber insgesamt waren die Münchner den Madrilenen doch ziemlich unterlegen, und da gilt es jetzt, den Hebel anzusetzen.

Und Tuchel muss sich bei allem Lob über die Taktik gegen Real schon fragen lassen, warum all seine Offensiv-Kräfte aus dem letzten Loch pfiffen. Klar, Veletzungen bei Sané und Musiala, aber musste ein Harry Kane in letztlich belanglosen Bundesliga-Spielen wirklich praktisch immer von der ersten bis zur letzten Minute spielen?

Die Analyse wird folgen, die der eigenen Fehler auch (nicht der von Neuer, der wird nie mehr passieren). Jetzt muss aber schleunigst ein neuer Trainer gefunden werden, denn erst danach erscheint mir die Verpflichtung neuer Spieler sinnvoll mal abgesehen davon, dass diese schon gerne wüssten, unter wem sie trainieren und spielen müssen und welche Idee des Fußballs der Coach hat. Spannende Zeiten, versprechen große Unterhaltung (für die unbeteiligten Betrachter zumindest). Und Borussia Dortmund hat die zweifelhafte Ehre, Real am Samstag in 3 Wochen herauszufordern in Wembley.

Das war die Woche, die war

Tod eines Trainer-Giganten

Für mich hat Cesar Luis Menotti vielleicht als erster nicht-deutscher Trainer bleibenden Eindruck hinterlassen. 1978 war das, als er Argentinien in seinem Land, in dem die Militär-Junta furchtbare Verbrechen beging an kritischen Geistern, zum WM-Titel führte. Den Aufschrei gegen dieses Regime habe ich nicht mitbekommen, wollte ich vielleicht nicht mitbekommen. Und so drückte ich den Argentiniern die Daumen, die grandiose Atmosphäre in den Stadien, wo vor der Partien das Unmengen von Papierschnitzeln in die Höhe warf, die nur notdürftig vom Spielfeld geräumt wurden. Ein Brauch, der in den folgenden Jahren auch in der Bundesliga und anderen europäischen Ländern gepflegt wurde

Auf der argentinischen Bank saß ein kettenrauchender, schlanker, ja dünner Mann. El Flacco, der Dünne, wurde er genannt. Er ließ mitreißenden Fußball spielen. Im Endspiel gegen Holland verhinderte nur der Pfosten in der schlussminute Rob Rensenbrinks Siegtreffer für Oranje.

Später fiel er mir durch extrem intelligente Interviews auf, die weit über den Fußball hinausgingen. Er liebte nicht nur seine Zigaretten, sondern auch den Tango, den Wein, die argentinische Lebensart, von der er auch in seine europäischen Stationen nicht lassen wollte. In Barcelona verlegte er das Training extra auf den späteren Abend.

Jetzt ist die Stimme, die so viel Kluges über Fußball, Gott und die Welt zu erzählen wusste, für immer verstummt. Es war erstaunlicherweise nicht so sehr die Lunge, die sein Leben im Alter von 85 Jahren beendete, sondern ein Sturz in seinem Haus und folgende Blutarmut. Nach Maradona ist er für mich der wichtigste Argentinier im Fußball.

Deutsches Finale winkt

Borussia Dortmund reist mit einem 1:0 zum Halbfinalrückspiel nach Paris, Bayern München war ein mindestens ebenbürtiger Gegner von Real Madrid. Am Mittwoch in der spanischen Hauptstadt geht es nach dem 2:2 wieder bei Null los, weil die Auswärtstorregel vor ein paar Jahren gekappt wurde. Alles ist in der Champions League also möglich. Ein rein deutsches Finale in Wembley wie 2013, aber auch eines ohne Beteiligung aus Germany.
Praktisch sicher im Finale der Europa League steht Bayer Leverkusen nach dem 2:0 in Rom. Das anvisierte Triple wird zunehmend konkret.

Köln am Abgrund

Da an der Tabellenspitze praktisch alles entschieden ist, konzentriert sich das Interesse auf den Abstiegskampf. Nach dem sicheren Abstieg von Darmstadt 98 sieht es auch für den 1. FC Köln sehr düster aus. 5 Punkte beträgt der Rückstand auf Platz 16, gar 6 auf Platz 15. Eine allerletzte Chance gibt es nächsten Samstag im Heimspiel gegen den 1. FC Union. Die Berliner ihrerseits kommen mit einem neuen Trainer. Nach dem 3:4 gegen VfL Bochum feuerten sie Nenad Bjelica, den sie erst im November als Nachfolger des glücklosen Urs Fischer geholt hatten. Bjelica hatte anfangs durchaus Erfolg, Union schien schon gerettet, aber eine zuletzt schwarze Serie mit nur 2 Punkten in 6 Spielen brachte Union in allerhöchste Gefahr. Und da man sich von Bjelica ohnehin zum Saisonende trennen wollte, zogen die Verantwortlichen halt ein paar Wochen vorher ie Notbremse.

Kiel und Pauli praktisch am Ziel

Nur noch theoretisch können diese beiden Teams von den ersten (direkten Aufstiegs)plätzen verdrängt werden. Zumindest verhinderte der HSV im Hamburger Derby am Freitag mit dem 1:0, dass die Paulianer im Volksparstadion den Aufstieg auch rechnerisch perfekt machen konnten. Pauli half aber mit einer seltsam lustlosen Leistung. Der HSV selbst liegt 4 Punkte und 13 Tore hinter Fortuna Düsseldorf und Platz 3. Nur Fantasten träumen da noch von der Relegation.

Turnier der Maladen

Zumindest das Endspiel des Tennis-Masters der Männer konnte zu Ende gespielt werden. In einem mitreißenden Dreisatz-Krimi gewann der Russe Andrej Rublew gegen den Felix Auger-Alliasime. Der Kanadier kam auch deshalb  ins Endspiel, weil gleich drei seiner Gegner entweder gar nicht erst antreten konnten (Jannik Sinner) oder die Partie aufgaben (die beiden Tschechen Jakub Mensik und Jiri Lehecka).
Auch Daniil Medwedew musste w.o. geben, wie die Österreicher die Aufgabe so charmant nennen (steht für walkover). Und die Spanier Rafael Nadal (wahrscheinlich bei seinem letzten Auftritt in Madrid) und Carlos Alcaraz waren von ihrer Bestform noch entfernt.

Das spektakulärere Tennis boten die oft im Schatten stehenden Frauen. Die Weißrussin Aryna Sabalenka erwies sich als besonders widerstandsfähig und sicherte sich den Turniersieg. Dabei gelang ihr das Kunststück, sowohl im Halbfinale gegen Lena Rybakina als auch im Finale gegen Iga Swiatek im Tiebreak des 3. Satzes zu gewinnen (gegen Swiatek wehrte sie gar einen Matchball ab.

Erstaunliche Endspielpaarung im Snooker

Jak Jones gegen Kyren Wilson – auf dieses Duell wäre ich, aber wahrscheinlich die meisten Experten, nicht als letztes Duell 24 im Crucible Theatre gekommen. Noch heute Abend gibt es also einen neuen Weltmeister. Vor dem letzten Abschnitt führt Wilson mit 15:10, braucht also noch 3 Siege

Bayern ist doch noch Meister

Nämlich die Fußball-Frauen. Es passt zu den Kuriositäten des Sports, dass die Münchnerinnen den Titel ausgerechnet mit einem Sieg bei Bayer Leverkusen fixierten. Schon gibt es Spötter (?), die Erfolgstrainer wörle zu den Männern befördern (im doppelten Wortsinn) wollen. Denn die kassieren auf der Suche nach einem Tuchel-Nachfolger Korb für Korb. Apropos Körbe. Auch die Basketballer sind klar auf Titelkurs: Nach einem deutlichen Sieg gegen Dauerrivale Alba Berlin werden sie die Saison als Erster beenden. Den Titel müssen sie dann allerdings in den Play-offs holen.Und sonst?

– kein Sieg für Max Verstappen: In Miami wurde der Holländer tatsächlich mal auf der Strecke besiegt. Lando Norris im McLaren fuhr zu seinem ersten Grand-Prix-Sieg, profitierte von einer für ihn optimalen Safety-Car-Phase. Nach der Siegerehrung lobpreiste er den in der Box auftauchenden Donald Trump. So kann man es sich mit mir verderben.
– aber ein Sieg für Luke Littler: Der Vizeweltmeister gewann den Premier-League-Abend in Aberdeen
-Sturm Graz vorm Triumph: Selbst kamen die Steirer zwar nicht über ein Remis in Hartberg hinaus. Stunden später durften sie ausgelassen jubeln, weil der einzige Verfolger RB Salzburg mit 0:2 bei Rapid verlor.
– Meister auf dem Sofa: Dort saßen die Spieler von Real Madrid, als der FC Barcelona mit 2:4 beim FC Girona verlor. Zum ersten Mal seit Langem dürfte Barca damit nicht al mehr kataloniens bestes Team sein. Irgendwann werden sie schon mal hinter Espanyol platziert gewesen sein.

 

 

Was vom Tage übrigbleibt

Bayer bleibt ungeschlagen

Eine formstarke AS Rom in der Europa League. Kein Problem für die Leverkusener auch im rümischen Olympiastadion. Nach dem 2:0 im Halbfinal-Hinspiel steht die Tür für das Finale in Dublin sperrangelweit offen. Florian Wirtz und Robert Andrich mit einem herrlichen Distanzschuss waren ausschlaggeben nach einer insgesamt sehr reifen Leistung.

Eine Trainerin für Fußball-Profis

Das hat es in Deutschland noch nicht gegeben. Sabrina Wittmann hat den Cheftrainerin des Drittligisten FC Ingolstadt übernommern und wird Nachfolgerin des 3 Spieltage vor Saisonende gefeueten Michael Köllmer, dem die schwache Rückrunde zum Verhängnis wurde. Sie ist die erste Frau, die in Deutschland als Cheftrainerin arbeitet. Der Druck ist erst mal nicht allzu hoch. Der FC Ingolstadt steckt im Niemandsland der 3. Liga, weder nach vorne noch nach hinten kann sich Entscheidendes tun. Und doch ist es für Wittmann, eine gebürtige Ingolstädterin, die Chance, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und aus der Übergangs- eine Dauerlösung zu werden. Ihr erstes Spiel ist zu Hause gegen Waldhof Mannheim, das noch mitten im Abstiegskampf steckt. Wünschen wir ihr Glück.

Tolles Tennis in Madrid

Mit Lena Rybakina und Aryna Sabalenka trafen die Nummer 3 und Nummer 2 im Halbfinale von Madrid aufeinander. Nach 1:6 im ersten Satz setzte sich Sabalenka in einer hochklassigen Partie im Tiebreak des 3. Satzes durch. Im Endspiel trifft die Weißrussin auf die an Nummer 1 gesetzte Polin Iga Swiatek. Magerkost gab es am Donnerstag bei den Männern. Jannik Sinner trat wegen seiner Hüftbeschwerden zum Halbfinale gegen Felix Auger-Alliasime gar nicht an, Daniil Medwedew gab gegen den tschechischen Aufschlagriesen Jiri Lehecka nach verlorenem ersten Satz sichtlich angeschlagen auf.

Kieler Hölle

Eine 9-Tore-Niederlage hatte sich der THW im Champions-LeagueViertelfinal-Hinspiel in Montpellier eingehandelt. Doch den Nordeeutwschen gelang eine punktgenaue Aufholjagd. Mit einem fulminanten 7:1-Endspurt gewannen sie mit 31:21 und qualifizierten sich doch noch für das Final 4 in Köln. Dort steht auch der SC Magdeburg, das gegen Kielce ein 7-Meter-Werfen brauchte. Außerdem in der Köln-Arena dabei: Aalborg und der FC Barcelona. Die Halbfinal-Partien werden noch ausgelost.

Rangnicks weise Entscheidung

Überraschung, Überraschung: Ralf Rangnick wird auch nicht neuer Bayern-Trainer, obwohl das vermeintlich gut informierte Kreise wie Bild, Sky und SZ schon als praktisch sicher gemeldet haben. Da würde mich schon sehr interessieren, wie sie zu dieser Erkenntnis gelangt sind. Klar, die Bayern gaben sich zumindest zu Wochenanfang sehr optimistisch, sie haben offenbar ja auch ein sehr gutes Angebot vorgelegt. 10 Mio Euro/Jahr. Und dass Rangnick tatsächlich konkretes Interesse hatte und sich die Übernahme des deutschen Vorzeige-Clubs ernsthaft überlegt hat, will ich gerne glauben. Andererseits: eine konkrete Stellungnahme von Rangnick selbst habe ich nicht gefunden. Für mich ist diese Entscheidung also kein abrupter Meinungswechsel, sondern das (weise) Ergebnis einer langen Abwägung Pro und Contra

Denn insgesamt sprach aus objektiver Sicht zu viel gegen einen Wechsel vom österreichischen Nationalteam

  1. das Alter: Ralf Rangnick ist 65 Jahre alt. Da noch mal ein solches Himmelfahrtskommando mit viel Stress praktisch täglich mit erwartbaren Querschlägen vom Tegernsee (Hoeneß!), aufreibender Tagesarbeit zu übernehmen, wäre der Wahnsinn. Nur weil das ein Jupp Heynckes geschafft hat, muss das nicht jeder schaffen.
  2. das Bayern-Problem: Die vergangene Saison hat gezeigt: die Mannschaft braucht frisches Blut, einen Umbruch. Nur ist der Club mittlerweile gar nicht mehr sooo attraktiv, wie eer sich darstellt. Die Spitzenspieler haben allesamt gute Alternativen. Klar, es klingt theoretisch reizvoll, die Bayern wieder auf Vordermann zu bringen, und dass es sogar die jetzigen Spieler in den Beinen haben, zeigen sie ja in der Champions League. Doch das Riesenproblem ist das Umfeld. Vor allem Uli Hoeneß kann nicht loslassen. Die Geduld mit all den nahmhaften Trainern war praktisch nicht vorhanden. Und die Fundamentalkritik etwa an Tuchel von Hoeneß lässt mich mittlerweile zweifeln, ob er wirklich noch weiß, was er tut. Diese Brandrede war vielleicht der letzte Beweggrund für Rangnick, sich dieses Abenteuer icht anzutun.
  3. die äußerst attraktive Alternative: Beim ÖFB hat Rangnick ein für ihn ideales Betätigungsfeld. Er kann einigermaßen in Ruhe arbeiten, nachdem die souveräne EM-Qualifikation die Zweifler erst mal verstummen ließ. Er kann seine Ideen einbringen und relativ freie Hand. Das Volk u+frisst ihm aus der Hand, und er genießt die volle Rückendeckung des Verbandes. Und als Nationaltrainer muss er sich auch nicht den täglichen Trainingsfron antun. Das heißt ja nicht, dass er nur auf der faulen Haut liegt, aber er kann jetzt halt in Ruhe weitere Ideen ausbrüten.
    Außerdem ist er mit Team Austria noch lange nicht am Ende der Entwicklung angelangt. Nicht nur die EM steht bevor, noch dazu in seinem Heimatland, sondern auch die WM in zwei Jahren in Amerika. Ein Wechsel hätte enorme Unruhe ins Team und die EM-Vorbereitung gebracht.

Und letztlich wird er beim ÖFB auch nicht verhungern.

Gibt es also gar kein Risiko? Natürlich schon. Eine völlig vermurkste EM, und die zurzeit stummen Kritiker wie Krankl, Prohaska und Konsorten werden auf den Plan treten. Allerdings ist die Erwartungshaltung zumindest seriöser Experten angesichts der Gruppengegner Frankreich, Holland und Polen nicht allzu hoch. Ein einigermaßen ehrenvolles Ausscheiden sogar schon in der Vorrunde würde hoffentlich keinen Aufstand entfachen. Gefragt ist er dann in der WM-Qualifikation, die allgemein erwartet wird

Top-Spiel ohne Sieger

Zurück auf Anfang

Die Champions League hat viele Nachteile. Dass immer dieselbe Handvoll von Teams ausschließlich aus den „großen“ europäischen Ligen den Sieger unter sich ausmachen. Dass die Unsummen an alle Teilnehmer viele nationale Ligen zur Farce machen. Aber eines ist auch klar: Spätestens ab dem Viertelfinale kann man keinen besseren, aufregenderen Fußball sehen als in der Königsklasse.
Die gestrige Partie Bayern gegen Real bestätigte diese meine Einschätzung. Die Partie ist ja schon ein Halbfinal-Klassiker. Die Münchner Arena ein würdiger Rahmen eines fulminanten Spiels, und diesmal herrschte auch Stimmung. Nicht so laut wie im Westfalenstadion oder Metropolitan Arena (Atlético), aber immerhin. Fußball hat die schöne Eigenschaft, dass sich das Spielglück von einer Sekunde auf die andere komplett ändern kann. Drei Tore fielen praktisch aus dem Nichts, als eigentlich jeweils das andere Team die Oberhand zu haben schien.
Nach dem perfekt getimten Steilpass von Toni Kroos überwand Vini jr Manuel Neuer, der sich gegen ein brachiales Herauslaufen entschied, was erstaunlicherweise bei der Analyse überhaupt kein Thema war. Sakrosankter Neuer halt. Kroos ist ein Phänomen, er zeigte mal wieder, mit seiner Ballsicherheit, seiner unerschütterlichen  welchen Verlust die Bayern bei seinem Abgang erlitten.
Nicht weniger überraschend kam der Ausgleich vom sehr starken Leroy Sané kurz nach der Pause, als Real am zweiten treffer bastelte. In Robben-Manier zog er von rechts nach innen und überwand mit einem strammen, aber nicht unhaltbar wirkenden Schuss in die kurze Ecke Real-Schlussmann Lunin, der noch in der 1. Minute glänzend gegen Sané gerettet hatte. Jetzt waren die Bayern am Drücker, und fast folgerichtig fiel durch Harry Kanes souverän verwandelten Elfer die Führung. Es gab durchaus Chancen zur Erhöhung, doch langsam befreite sich Real. Der Ausgleich nach Kims unglücklichem Einsteigen gegen Rodrygo und Vinis Elfer fiel trotzdem überraschend..
Da die Auswärtstore nicht mehr doppelt zählen, geht es nächsten Mittwoch im Bernabéu-Stadion wieder bei Null los. Real ist bekannt für die Heimstärke, aber in diesem Jahr blieben sie in den K.-o.-Spielen RB Leipzig (1:1) und ManCity (3:3) sieglos und mussten jeweils über das Unentschieden noch froh sein. Gerade die Leipzig-Partie veranschaulicht bestens, dass Real verwundbar ist. Andererseits wird auch Real aus dieser Partie seine Lehren ziehen. Ich sehe die Chancen weiter 50:50.

Rangnick wirklich ante Portas?

Dem Vernehmen nach hat der Coach mehr als angedeutet, dass er großes Interesse am Trainerposten des FCB hat. Kein geruhsames Leben in Austria, sondern ein täglich fordernder Knochenjob physisch und psychis mit vielen Nebenkriegsschauplätzen. Der Job ist ja erst mal sehr reizvoll und sehr viel besser dotiert als der des österreichischen Teamchefs. Glaube ich den sogenanten Experten bei Sky und Bild und auch SZ, liegt jetzt der Ball beim österreichischen Verband und welche Summe er als Ablöse abruft. Sollte Rangnick auch dem ÖFB gegenüber bekunden, dass er unbedingt das Münchner Abenteuer angehen will, wird dieser kaum ein Veto in Form einer zu hohen Ablöse einlegen. Weniger aus Dankbarkeit, sondern eher dem Umstand geschuldet, dass eine EURO unmittelbar bevorsteht. Am liebsten trotz allem mit Rangnick, der in den zwei Jahren in Österreich viel Grundlegendes angeschoben hat und das Fundament für auch weiter erfolgreiche Zeiten gelegt hat.
Rangnick wird sich im Klaren sein, dass die Arbeit bei Bayern große Tücken hat. Das geht schon damit los, dass er, weil er mit Österreich die EM offenbar auf jeden Fall bestreitet, frühestens im Juli mit voller Kraft zur Verfügung steht, ohne Urlaub nach einem fordernden Großturnier, versteht sich; in die wichtige Saisonplanung (wer kommt?, wer geht?) er also nur in begrenztem Maß Einfluss haben kann, weil er auch von allen Seiten kritisch beäugt wird, wie viel Zeit er vor allem in der unmittelbaren Turniervorbereitung und EM selbst erübrigt für die Münchner Probleme – und die gibt es mehr als genug.
Hinzu kommt aber vor allem, dass der FCB aus den verschiedensten Gründen zuletzt namhafte Trainer en masse nach relativ kurzer Zeit wieder rausgeschmissen hat, wobei eine echte Linie nie zu erkennen war. Und wenn ein Uli Hoeneß ankündigt, ja androht, sich wieder verstärkt n die Alltagsarbeit mit Wort und Tat einzubringen, bedeutet das mittleweile nichts Gutes, wie die nicht nur vom Zeitpunkt her nicht nur mich mich fassungslos machende Fundamentalkritik an Thomas Tuchel vor dem CL-Halbfinale schlechtestens belegt.
Und die Vorgabe ist für nächstes Jahr klar: das Champions-League-Endspiel in der eigenen Arena, das Finale dahoam II. Ein vorzeitiges Scheitern in der Königsklasse , und spätestens dann gibt es die nächste Trainer-Diskussion. Auf jeden Fall ist viel Popcorn gefragt fürs Münchner Theater.

Vergnüglicher Abend mit ungewöhnlicher Lesung

Viel Spaß mit Javier Cáceres

Manchen Münchner Fußball-Fans dürfte das „Stadion an der Schleißheimer Straße“ ein Begriff sein. Es ist kein Stadion, sondern eine Fußballkneipe im besten Sinne. Unzählige Wimpel, Trikots und andere Fanartikel schmücken die Wände. Es liegen uralte Ausgaben vom Kicker und anderen Sportzeitschriften wie das längst vergessene „fußball-magazin“ aus. Hier gibt es auf großen Monitoren Live-Übertragungen unzähliger Fußball-Spiele national und international, manchmal auch unterschiedliche zur selben Zeit.
Der ideale Ort also, ein Fußball-Buch vorzustellen, was auch schon viele Autoren gemacht haben wie etwa der wunderbare Ronald Reng. Also trat gestern Javier Caceres zur Lesung an für sein ungewöhnliches Buch „Tore wie gemalt“. Der in Santiago de Chile geborene Cáceres ist langjähriger SZ-Redakteur, kümmert sich um den Berliner Fußball, aber vor allem auch um alles, was nur am Rande mit spanisch-sprachigem Fußball zu tun hat. Seine Kontakte sind weitreichend, und er kann eben nicht nur fußball-spezifisches in seinen Texten unterbringen, sondern auch die besonderen Sitten und Gebräuche in Spanien und Südamerika.

„Eine Lesung ist auch keine Lösung“. So lautet der einzige Satz eines kompletten Kapitels des großartiges Bandes „Das Schwarze sind die Buchstaben“ (ein Buch über dieses Buch) des leider schon verstorbenen österreichischen Großkritikers Hans Weigel. https://www.zvab.com/9783222114595/Schwarze-Buchstaben-Buch-Weigel-Hans-3222114595/plp
Zumindest der gestrige Abend entsprach dem allerdings überhaupt nicht. Für die Zuschauer war es höchst unterhaltsam. Cáceres erzählte, der Sportchef Claudio Catuogno moderierte launig. (Vor)gelesen wurde relativ wenig, darunter Teile des herrlichen Vorwortes des argentinischen Weltmeisters Jorge Valdano (1986, seufz). Mehr denn je galt der Spruch „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Der Autor brachte nämlich insgesamt 118 namhafte Fußballspieler dazu, ihr wichtigstes Tor aufzuzeichnen. Zu jedem Treffer gibt es auch einen kurzen Text des Schützen und die Umstände. Diese Tore gibt es (fast) alle auf Youtube.

Als besonderen Clou gab es einen in München sehr beliebten Stargast: Giovane Elber, 1997 bis 2003 glanzvoller Stürmer des FC Bayern, zuvor Mitglied des magischen Dreiecks beim VfB Stuttgart mit Krassimir Balakow und Giovane Elber. Er beschrieb sein sagenhaftes Tor damals bei Hansa Rostock, als er den Ball praktisch von der Eckfahne ins vom Hansa-Schlussmann Perry Bräutigam verlassene Tor zirkelte.Das machte den Abend einer äußerst gelungenen Veranstaltung richtig rund. Und so habe ich, der Nicht-Autogrammsammler, tatsächlich eine echte Unterschrift des mir immer schon sympathischen Brasilianers (obwohl er für Bayern spielte🙂) aus Londrina.

Wahrscheinlich nicht nur für mich das tollste Tor ist aber der Zauberschuss von Roberto Carlos in einem Freundschaftsspiel gegen Frankreich 1997 in Lyon.
Die physikalisch unmögliche Flugbahn des Balles und das fassungslose Gesicht von Frankreichs Schlussmann Fabien Barthez – einfach unvergesslich.

Die Zeichnungen entsprechen vielleicht nicht den allerhöchsten künstlerischen Ansprüchen. Doch viele der sich zunächst sträubenden Fußballer („Wir arbeiten mit dem Fuß und nicht mit der Hand“) überredete Cáceres, indem er die ebenfalls ausbaufähigen Bilder der anderen Spieler zeigte.

Nach Ende der Lesung liefen übrigens auf stummen Monitoren wieder Fußballspiele, und beim 5:0 von Arsenal gegen Chelsea waren einige sehenswerte Treffer dabei. Vielleicht sogar welche für eine Fortsetzung?

Klare Kauf-Empfehlung für Fußballfans, die in Erinnerungen schwelgen und sich vielleicht auch überraschen lassen wollen. Und zwar bitte als echtes Buch und nicht nur als E-Book.

Javier Cáceres: Tore wie gemalt Insel Verlag ISBN 978-3-458-64444-6, 22 Euro

Disclaimer: Aus meiner Zeit als Sportredakteur bei der Märkischen Oderzeitung und Spielen beim FC Energie Cottbus kenne ich sowohl Javier Cáceres und Claudio Catuogno persönlich.