Das wird Molympia, Mittwoch

Ein wunderbarer Beitrag ist leider im Orkus verschwunden. Schöne Gedanken zur NHL verschwunden. Übrig geblieben ist nur Skifoan.

Pflichtprogramm

 

11:30: Super-G der Männer

 

Ich erwarte wieder einen Zweikampf Schweiz gegen Italien. Nicht nur Marco Odermatt hier und Giovanni Franzoni dort. Auch die weiteren Starter für die Eidgenossen respektive Gastgeber sind sehr zu beachten, vor allem natürlich Olympiasieger Franjo van Allmen und Cortina-Spezialist Dominik Paris.
Der Rest ist allerdings nicht gewillt, bloß Staffage zu sein. Vincent Kriechmayr aus Österreich dürfte die Team-Medaille Auftrieb gegeben haben, der Norweger Fredric Möller ist immer für eine Überraschung gut.

Im Super-G gibt es keine Trainingsläufe. Groß von der Abfahrt von der Stelvio dürfte sich der Kurs alledings nicht unterscheiden.

 

In aller Kürze: Das Männer-Eishockey-Turnier beginnt. Die Deutschen sind allerdings erst am Donnerstag mit der Partie gegen Dänemark am Start (21:10). Ansonsten verweise ichn auf die Buckelpiste der Frauen (14:15), die Eistanzkür (19:30) und die Nordische Kombination (Springen von der Normalschanze und 10 Kilometer in der Gundersen-Methode). Meinen Rant, dass die Frauen nicht dabei sein dürfen, verschiebe ich auf später.

Giorno Molympico

Großer Sieger der besten Olympia-Abfahrt

 

Kaiserwetter, eine perfekt präparierte Stelvio, die sich schwierig aber nicht unfahrbar präsentierte – alles war bereit für ein Skifest. Und es wurde eine der besten Abfahrtsveranstaltungen der Geschichte, vielleicht die Beste, die es je bei Olympia gegeben hat.
Ein Zweikampf Schweiz gegen Italien war erwartet wurde, und die Startnummernvergabe verhieß zusätzliche Spannung, als habe Hitchcock und nicht der Zufall bei der Auslosung Pate gestanden. Zunächst die Schweizer, Odermatt setzte mit der „7“ eine Bestzeit, aber Zweifel kamen mir auf, weil er in ein paar Passagen doch recht viel Zeit verloren hatte. Diese Zweifel bestätigten sich schon beim nächsten Läufer: Franjo van Allmen, seines Zeichens Weltmeister und zurzeit der Verwegenste der Verwegenen, raste wie vom Teufel verfolgt die so schwierigen 3500 Meter (900 Meter Höhenunterschied) hinunter. Schon jetzt ikonisch ist das Bild, wie er am San-Pietro-Sprung abhob zu einem enormen Luftstand und erst bei 53 Metern wieder landete, wie uns die eingeblendeten Zahlen verrieten. 7 Zehntel hatte er im Ziel, das musste doch reichen, oder Matt?

https://www.eurosport.de/ski-alpin/olympia-mailand-cortina/2026/franjo-von-allmen-pulverisiert-zeit-von-teamkollege-marco-odermatt-in-der-abfahrt-von-bormio_vid60053055/video.shtml

Aber am Ende der ersten Startgruppe (wie immer von 6 bis 15) kam noch die italienische Fraktion. Zuerst Giovanni Franzoni, der junge Heißsporn, der dieses Jahr unter anderem mit einem Sieg in Kitzbühel in die Weltelite gestürmt war. Er war in den Zwischenzeiten immer knapp dran an van Allmen, aber am Ende fehlten doch zwei Zehntel. Danach Dominik Paris, der 2-Meter-Riese, mittlerweile 36 Jahre alt. Die Stelvio liebt er, hier hat er in Abfahrt und Super-G schon 5 Weltcup-Triumphe gefeiert. Bei vielleicht nicht ganz so perfekten Licht gelang ihm ein großartiger Lauf, der ihn auf Rang 3 hievte und Odermatt aus den Medaillenrängen schubste. Dementsprechend sparsam schaute der Skidominator. Reif für Gold war hingegen Dominik Paris‘ Kommentar: Gar nicht schlecht sei es gewesen, dass die Sicht nicht so gut gewesen ist, da habe er die gefährlichen Buckel und Wellen nicht sehen müssen.

Spätestens, als die ebenfalls hochgewetteten Italiener Mattia Cassia und Florian Schieder im Ziel waren, stand fest: Franjo van Allmen ist neuer Olympiasieger. Der zurzeit beste Abfahrer der Welt hat sich mit Gold belohnt (was wahrlich nicht immer der Fall ist). Der Schweizer ist damit der Erste seit seinem Landsmann Bernhard Russi (1970/Gröden und 1972/Sapporo), der als amtierender Abfahrts-Weltmeister zu Olympiagold fuhr.

 

Lollobrigida – für einen Tag bekannter als Gina Nazionale

 

Gleich der erste Tag bescherte den italienischen Gastgebern Gold. Nämlich in der Eisschnelllaufhalle. Der Siegername ist schon preiswürdig: Francesca Lollobrigida, tatsächlich einen  Großnichte von Gina Nazionale. 3000 Meter, ihre Spezialdisziplin. Sie startete relativ verhalten, doch mit zwei unfassbar schnellen  Runden am Ende  (jetzt hatte auch Eurosport-Reporter/eher -Zumutung Matthias Stach mitgekriegt, dass sie schnell war) pulverisierte sie den Olympischen Rekord  auf 3:54,28 Minute. Eine Zeit auf der angeblich so schwierig zu fahrende Bahn, an der sich die verbleibenden 4 Starterinnen die Zähne ausbeißen sollten.
Francesca Lollobrigida, was für ein Name, was für eine Geschichte. Sie begann als Inline-Skaterin, ehe sie relativ spät auf Eis wechselte, wo sie schnell in die Weltelite stürmte. In Peking 2022 wurde sie schon Zweite über 3000 Meter und Dritte im Massenstart, jetzt also der unwiderstehliche Goldlauf.

Geburtstag hatte sie am Samstag auch noch, sie wurde 35 Jahre jung. Die bisherige Saison war absolut nicht nach Wunsch gelaufen nach einer Virusinfektion, sie wollte schon alles hinwerfen, aber Olympia in der Heimat war dann doch ein zu verlockendes Ziel der Mutter eines fast dreijährigen Sohnes. Tommasso war dann auch der Erste, den Lollobrigida nach dem Goldlauf suchte und herzte. Die nächsten ikonischen Olympia-Bilder.

Die die Eisschnelllauf-verrückten Holländer mit gemischten Gefühlen ansehen dürften. Einerseits sind sie fair genug, um auch anderen tollen Sportlern Erfolge zu gönnen, andererseits mussten sie mit ansehen, wie ihre Oranje Meisjes um mehrere Sekunden an den Medaillen vorbeifuhren. Silber holte sich die Norwegerin Ragne Wiklund, Bronze Valerie Maltais. Erste Stimmen der Kritik werden schon laut, ob nicht die knallharte Olympia-Ausscheidung ein Fehler gewesen ist, die nächsten Wettbewerbe werden es zeigen.

 

Nika Prevc schlägt sich tatsächlich selbst

 

„Der Zweite ist der erste Verlierer“. Wer nach dem Skispringen von der Normalschanze in die zutiefst enttäuschten und tränenreichen Augen von Nika Prevc schaute, der weiß, dass in diesem eigentlich unverschämten Spruch viel Wahrheit steckt. Die hochfavorisierte Slowenin, die noch im Probedurchgang allen davongesprungen war, musste sich mit Silber zufriedengeben. Zweimal hatte sie den Absprung verpasst, sie war jeweils zu früh dran, und es war nur ihrem außergewöhnlichen Gefühl in der Luft zu verdanken, dass es überhaupt noch zum zweiten Platz reichte. Tröstlich war es nicht, wie ein Häufchen Elend ließ die 20-Jährige die Siegerehrung über sich ergehen.

Gold ging an Norwegen: Anna Odine Ström (ein Name, den Landsmann Knut Hamsun nicht besser hätte erfinden können für eine Heldin) lieferte zwei tadellose Sprünge ab, mit denen sie Prevc um 1,2 Punkte distanzierte. Dritte wurde die Japanerin Nzumi Mayurama. Die deutschen Starterinnen mussten schon nach dem verpatzten ersten Durchgang alle Medaillenhoffnungen begraben, immerhin steigerte sich Selina Freitag und kam nach sehr ordentlichem zweiten Durchgang noch auf Rang 7, leider in der Olympischen Welt, wo nur Edelmetall zählt, ein Muster ohne Wert.

Trost für Nina Prevc und andere Geschlagene: Erstmals gibt es für die Frauen auch einen Wettbewerb von der Großschanze, dazu auch noch die Entschedungen im Zweierteam und Mixed. Es ist also durchaus möglich, wenn nicht sogar wahrcheinlich, dass wir Prevc noch ganz oben auf dem Stockerl seen werden.

 

Und sonst?

 

  • Heja Sverige: Frida Karlsson war im Skiathlon eine Klasse für sich und siegte vor Landsfrau Ebba Anderson und Heidi Weng aus Norwegen. Die Abstände waren riesig wie noch nie. 51 Sekunden lag Karlsson vor Andersen, vor Weng waren es gar 1:26 Minuten.
  • Erster Sieg: Die deutschen Eishockeyfrauen gewannen mit 5:2 gegen Japan und haben gute Chance aufs Viertelfinale. Einen unvergesslichen Abend erlebte die Schweizer Torfrau Saskia Maurer. Zwar konnte sie die 0:4-Niederlage gegen die unbezwingbaren Kanadierinnen nicht verhindern, aber ihre Weltklasseleistung war in aller Munde. Erst nach 27 Minuten wurde sie erstmals bezwungen, am Ende standen für sie 51 Paraden zu Buche, ein herausragender Wert.
  • Goldhoffnung: Zweimal Bahnrekord und Halbzeitführung. Rodler Max Langenhan ist auf dem besten Weg zum Olympiasieg. Der Zweite Jonas Müller aus Österreich ist 16 Hundertstelsekunden zurück, im Rodeln ist das schon ein echter Faustpfand. Überhaupt nicht zurecht kam der dreifache Olympiasieger Felix Loch, der als Achter keine Medaillenchancen mehr hat.
  • Goldsprung: Das Big Air der Männer wurde zur asiatischen Angelegenheit. Der Japaner Kira Kimura siegte dank eines gigantischen 3. Versuchs vor Landsmann Ryoma Kimata und Yiming Su aus China.https://www.eurosport.de/snowboard/olympia-mailand-cortina/2026/kira-kimura-gewinnt-goldmedaille-mit-spektakulaerem-sprung-beim-big-air-finale-in-livigno_vid60053396/video.shtml

    In der Vorschau habe ich in meiner Naivität was von Dreifachsaltos samt Schrauben geschrieben. Damit hätte man keinen Blumentopf gewonnen. Unter fünffachen Drehungen um sich selbst ging gar nichts.

Das wird molympico, Samstag

Anmerkung: So lang wie diesmal wird es nicht mehr werden können, wenn Ski und Rodel erst mal gut, sprich los  sind. Trotzdem noch mal der Hinweis: Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Das gilt vor allem auch für meine FavoritInnen.

 

Pflichtprogramm

 

11:30: Abfahrt der Männer (ARD und Eurosport) 

 

Paukenschlag mit der 1. Entscheidung überhaupt, oder: Das Beste kommt zuerst. Die Abfahrt gilt als Königsdisziplin der Alpinen, und für Österreicher wie Schweizer ist das vielleicht sogar der wichtigste Wettbewerb der gesamten Spiele. Hier ein Triumph, und die Bilanz ist schon mal gerettet. Wie 1976 in Innsbruck, als ebenfalls die Männer-Abfahrt der erste olympische Wettbewerb war. Alle Last lag auf Franz Klammer, der gewinnen MUSSTE! Tagelang gab es kein anderes Thema als seine Skier, ob er mit einem Lochmodell starten würde oder nicht (er tat es nicht). Irgendwie behielt der Kärntner die Nerven beisammen, stürzte sich verwegen den Patscherkofel hinunter und fing mit Startnummer 15 den führenden Bernhard Russi noch ab. Österreich jubelte, die Spiele waren gerettet!
Ganz so viel Seelenheil werden die Italiener hoffentlich nicht in ihre 4 Abfahrer legen, aber das Quartett gilt auf der schwierigen, wenngleich diesmal nicht ganz so eisigen Stelvio nach Bormio hinunter mit Sicherheit zu den Favoriten. Ob Kitzbühel-Sieger Giovanni Franzoni, der 2-Meter-Riese Dominik Paris und die jederzeit zu beachtenden Mattia Cassia und Florian Schieder. Die Trainingszeiten sind zwar mit Vorsicht zu genießen, aber gerade Franzoni und Cassia trumpften mit Bestzeiten in den ersten beiden Läufen.
Und doch: Gold geht wohl nur über die Schweizer Franjo van Allmen und Marco Odermatt. Mich hat van Allmen zuletzt bei der Abfahrt in Crans Montana schwer beeindruckt, als er die Konkurrenz förmlich deklassierte, über Odermatts Ausnahmetalent auf (Abfahrts)-Skiern brauche ich hier nicht zu diskutieren.
Echte Außenseiter haben auf der anspruchsvollen Stelvio erfahrungsgemäß nichts zu melden, aber natürlich gilt es bei Großereignissen, immer auch die Nordamerikaner zu beachten, egal ob aus den USA (Ryan Cochran Siegle) oder Kanada (James Crawford, Cameron Alexander).
Und die Österreicher? Wandelt einer auf den Spuren vom Klammer Franz? Wenn überhaupt, dann Vincenz Kriechmayr, aber schon eine Medaille wäre ein Riesenerfolg.
Wer hier Deutsche vermisst: Ich such‘ auch noch … Luis Vogt ist ja nicht dabei (Platz 8 in Kitz war zu spät und zu wenig, grummel).

 

18:40, Skispringen Frauen, Normalschanze

 

Es gibt eine klare Favoritin. Nika Prevc aus Slowenien kann sich übertrieben gesagt nur selbst schlagen, was ihr in dieser Saison allerdings höchst selten gelungen ist. Die erst 20-Jährige aus der Prevc-Dynastie (ihr jüngster älterer Bruder Domen ist diese Saison bei den Männern das Um und Auf) dominiert auf kleinen und großen Schanzen die Konkurrenz nach Belieben. Aber gerade bei Olympia hat man schon die tollsten Überraschungen gesehen, man denke nur an den Sensationspoloen Woyzech Fortuna (sic!), der 1972 vom Winde begünstigt den heimischen und klar favorisierten Japanern auf und davon flog, eine Bö hatte ihn davongetragen.
MIt neuem Reglement (Windkorridor und Handicap-Punkten) versuchen Regelhüter seit ein paar Jahren zu verhindern, dass es eine komplette Windlotteri gibt, doch schiebt es von hinten, dann hat eben auch eine Nika Prevc keine Chance, wenns bei der anderen von vorn trägt.
Und dann? Dürfen sich auch Deutsche Hoffnungen machen. Wie Carola Vogt, die bei der Frauen-Premiere 2014 n Sotschi triumphierte. Jetzt rechnen sich vor allem Katharina Schmid und Selina Freitag Medaillenchancen aus. Schmid hat allerdings schon am Tag zuvor eine nicht zu unterschätzende Belastung vor sich. Sie trägt nämlich bei de Eröffnung die deutsche Fahne, hoch oben in Predazzo im bergigen Anteil dieser Eröffnungsfeier. Eine tolle Ehre, gewiss, aber eben auch eine Ehre, die Kräfte und Konzentration nimmt (vielleicht aber auch beflügelt?). Die Japanerinnen habe ich auf dem Zettel und auch die Österreicherin Lisa Eder

Gesprungen wird auf der ungebauten WM-Schanze von Predazzo. Dieser Umbau sorgt für erheblichen Unmut, weil im Sommer beim ersten herantasten mehrere Springerinnen stürzten, manche dbei so schwer, dass sie wegen Kreuzbandrissen die Saison beenden mussten (nicht jede ist eine Lindsey Vonn). Jetzt hat man nachgebessert, und tatsächlich verliefen die Trainings jetzt weitgehend störungsfrei.

 

Wird sicher spannend

 

13:00: Skiathlon der Frauen

 

Ein noch relativ neuer Langlauf-Wettbewerb. Die Nordischen Skisportler sind sehr tradtionsverbunden. Deshalb ist der Diagonalschritt noch nicht verschwunden, obwohl das Skaten, also die Freie Technik viel schneller ist (keiner käme allerdings auch auf die Idee, das Brustschwimmen abzuschaffen, weil Kraulen schneller ist). Skiathlon verbindet die beiden Techniken Los geht es im Massenstart im sog. Klassischen Stil (Diagonal), nach 10 Kilometern dann der Wechsel zur Freien Technik (Skating). Weil man hier andere Skier braucht als dort (anderes Wachs, andere Länge, anderer Schliff), gibt es einen Ski- und Stöckewechsel in einer klar festgelegten Zone: immer hübsch anzusehen, aber schon manche Hoffnung ist an einem total missglückten „Boxenstopp“ zerschellt.

Klare Favoritin ist Jonna Sundling (wie wahrscheinlich in allen Langlaufwettbewerben). Die Schwedin hat bei der letzten WM in Trondheim mächtig abgeräumt, und das im „feindlichen“ Norwegen. In dieser Saison hat sie sich allerdings nicht sehr oft sehen lassen, fehlte etwa bei der Tour de Ski. Dort triumphierte Jessie Diggins, die Amerikanerin gilt im Skiathlon als einige seriöse Kontrahentin. Dahinter kämpfen die restlichen Schwedinnen (Ebba Andersen?), natürlich die Norwegerinnen um die Medaillen. Sehr zu beachten ist die Österreicherin Theresa Stadlober, die vor 4 jahren in dieser Disziplin Bronze holte (die große Frage hier: was macht Mama Roswitha Stadlober, für die als ÖSV-Präsidentin eigentlich die Männer-Abfahrt Pflicht ist?).

 

19:30: Big Air Männer

 

Spannung bedeutet hier weniger Fingernägelkauen, wer gewinnt (mir wurscht, welcher Aussie), sondern ob wie alle Athleten ihre artistischen Sprünge landen können. Ein visuelles Highlight der Spiele, in dem die Australier (!) und Nordamerikaner den Ton angeben.
Mit dem Snowboard fahren sie (in wenig sportlich aussehende Pluderhosen gewandet, man ist ja locker) ein gutes Stück bergab, eine Schanze wirft sie hoch in die Luft, und dann beginnen sie zu saltieren und schraubeln, dass es eine wahre Lust ist. Der Reporter behauptet mitzuzählen und brüllt „1080“ oder mittlerweile auch „1440“ in den Äther. Uns Zuschauern wird schon beim Zuschauen schwindlig, doch die Sportler finden sich (meist) gut in den Lüften zurecht und landen mehr oder weniger sicher im Schnee. Danach unbedingt lächeln, wie beim Eiskunstlauf, denn hier wie dort entscheiden Kampfrichter und verteilen Noten, die dann mit dem Schweirigkeitsgrad (je höher, desto besser) verrechnet werden.
Eine Besonderheit: Alle Wettbewerber haben sich ganz doll lieb und klatschen, wenn dem Kontrahenten mal was ganz Dolles gelungen ist. Eine große, glückliche Sport-Familie.

 

Und sonst?

 

  • Die Eishockey-Frauen sind schon mitten im Turnier. Deutschland hat das erste Spiel gegen Schweden verloren, jetzt (12:10) steht die Partie gegen Japan an.
  • Erste Entscheidung im Eisschnelllauf: Die Frauen bestreiten die 3000 Meter. Im Zweifel wird Oranje (Niederlande) bowen sein.

Endlich Tennis-Dramen – und das gleich doppelt

Australian Open, Halbfinale

 

Was habe ich mich beschwert, dass es zu glatt läuft bei den Männern. Nun, angesichts der beiden 5-Satz-Thriller am Freitag bin sicher nicht nur ich besänftigt, sondern jeder Tennis-Fan. 2 Halbfinals, 2 Fünfsatz-Thiriller, zweimal Drama ohne Ende, zweimal siegte nicht unbedingt mein Favorit.

Zunächst Carlos Alcáraz vs Alexander Zverev. Der Weltranglistenerste gegen den Deutschen, der noch nie ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat. Relativ beschaulicher Beginn, Fehler auf beiden Seiten, Carlitos nutzt die erste Aufschlagschwäche zum Break und kurze Zeit später tütet er den ersten Satz ein.

Im 2. Satz wird Zverev stärker, gerade sein 1. Service bereitet dem Spanier unlösbare Probleme. Selbst schafft er ein Break, doch gerade beim Game, als er beim Stand von 5:3 auf den Satz aufschlägt, verlässt ihn der Aufschlag, gegen den überragenden Retournspieler Alcáraz darf man sich so etwas nicht leisten. Break Alcáraz, Zverev verzweifelt und gleich noch mal Break Alcáraz und gleich darauf die 2:0-Satzführung. Wohl niemand in der Rod-Laver-Arena und an den Bildschirmen, der jetzt noch viel Chips auf den Hamburger gesetzt hätte.

Doch die Tennisgötter wollten Drama. Dieses bahnte sich an, als Alcáraz plötzlich sehr viel langsamer agierte und beim eigenem Aufschlag nicht mehr hochsprang. Typischer Fall von Krämpfen, der verzweifelte Alcáraz wankte, war sichtlich gehandicapt, nahm sich eine Pause und rief den Physio. Wass den Regeln zuwiderläuft, denn nach denen darf man wegen einer körperlichen Erschöpfung kein medical timeout nehmen, diese Erschöpfung ist gewissermaßen im Spiel impliziert. Der Stuhlsichiedsrichter gewährte sie dennoch, wegen eine „Adduktorenverletzung“, wie es später zur (lahmen) Begründung hieß.

Zverev regte sich auf, doch er besann sich und gewann diesen am Ende sehr merkwürdigen Satz im tiebreak. Merkwürdig deshalb, weil sich Alcáraz zwar kaum bewegen konnte, Zverev aber nicht so recht wusste, wie er mit dieser Bewegungslosigkeit umgehen sollte. Aus dem Stand knallte Alcáraz einige unerreichbare Bälle, aber irgendwie rettete sich Zverev im Tiebreak.

Der vierte Satz wogte dann hin und her mit dem sich zunehmend erholten Alcáraz. Zverev aber hatte jetzt sein Spiel gefunden und gewann auch diesen Durchgang im Tiebreak. Und als er im fünften Satz als Erster ein Break schaffte, schien er tatsächlich auf der Siegesstraße.

Wenn nur diese verdammte Müdigkeit nicht gewesen wäre, kein Wunder, denn zu diesem Zeitpunkt waren weit mehr als viereinhalb Stunden gespielt. Längst war der Aufschlag des Deutschen nicht mehr so wuchtig und effizient. Dennoch schaffte es Zverev, irgendwie seinen Aufschlag zu halten, weil Alcaraz – auch nicht mehr der Frischeste – einige glasklare Breakmöglichkeiten vergab. Und weil Zverev mit einem unfassbaren Vorhandschuss (mein Schlag des Turniers) aus dem Lauf das Game zum 5:3 machte. Andrerseits tat er beim Aufschlag des Spaniers viel zu wenig, um sich noch ein weiteres Break zu besorgen.

Das sollte sich rächen. Beim Stand von 5:4 schlug Zverev zum Match auf, doch diesmal ließ sich Alcáraz gegen das immer schwächere Service die Chance nicht entgehen – Break. Zverev war tatsächlich gebrochen (Break, gebrochen, hihi), auch wenn es nominell Unentschieden stand sah jeder im Stadion und vor den Fernsehgeräten, dass Zverev ein geschlagener Mann war. Der verwandelte Matchball von Alcáraz war dann nur noch die offizielle Bestätigung, dass alles vorbei war. 5:26 Stunden hatte das Drama gedauert, so lange wie noch nie ein Halbfinale bei den Australian Open. Und noch viel länger werden sehr viele Menschen erregt über dieses Spiel mit so vielen Wendungen reden. „We call it a Klassiker“.

 

Der unfassbare Djokovic

 

Das ewig lange Zverev-Match hatte zur Folge, dass das zweite Halbfinale zwischen Titelverteidiger Jannik Sinner und Novak Djokovic erst um kurz vor 22 Uhr Ortszeit begann und kurz vor 2 Uhr nachts endete.

Sinner startete furios, gleich mit einem Break, und sicherte sich ohne Probleme den ersten Satz. Doch Djokovic wollte sich nicht kampflos ergeben wie bei den letzten Aufeinandertreffen in den Grand-Slam-Halbfinals, als er keine Schnitte sah. Sein Aufschlag kam konstant gut und bereitete dem Italiener erhebliche Probleme. Mit dem dritten Breakball nahm der Serbe selbst Sinner den Aufschlag ab und konnte dieses Break trotz bester Chancen von Sinner zum Satzausgleich transportieren.
Satz 3 ging dann wiederum an Sinner, der vierte Durchgang an den Djoker. Und das nächste Drama begann mit dem Titel  „Jannik Sinner – oder wie vergebe ich Breakchancen“: je nach Fanlager Komödie oder Tragödie.

1. Beim Stand von 1:0 hat Sinner 2 Breakchancen, Djokovic wehrt ab und gewinnt den Aufschlag zum 1:1.
2. Beim Stand von 2:1 hat Sinner 3 Breakchancen, Djokovic wehrt ab und gewinnt den Aufschlag zum 2:2.
3. Zwei problemlose Aufschlagspiele – 3:3
4. Sinner kassiert das Break zum 3:4, Djokovic nutzt dabei die allererste (und letztlich einzige) Chance im Satz .
5. Beim Stand von 4:3 für Nole hat Sinner 3 Breakchancen, Djokovic wehrt ab und gewinnt den Aufschlag zum 5:3.
6. Djokovic führt 5:4, vergibt 2 Matchbälle in Folge, einen davon mit unfassbar schwachen Volley bei sperrangelweitem Platz. Noch mal Hoffnung für den Titelverteidiger? Nein. Djokovic bleibt stoisch, lässt einen Service-Winner folgen, und den dritten Matchball verwandelt er. Und wie Alcáraz im ersten Halbfinale sinkt er in die Knie, als habe er schon das Turnier gewonnen. Wobei dieses unfassbare Match dem 38-jährigen Djoker schon wie ein Turniersieg vorkommen musste.

 

Ach, die Frauen spielten auch …

 

Nämlich am Donnerstag. Ich machs kurz und schmerzlos – analog zu den kurzen und höchstens für die Verliererinnen schmerzhaften Partien. Aryna Sabalenka und Lena Rybakina setzten sich praktisch ungefährdet in je zwei Sätzen gegen Elina Svitolina und Jessica Pegula durch. Keine große Geschichte zu erzählen *

Ein kleiner, böser Vergleich der Halbfinali

Frauen:  2 Spiele, 4 Sätze, Spielzeit insgesamt 2:56 Stunden (2 schon vergessene Partien)
Männer: 2 Spiele, 10 Sätze, Spielzeit insgesamt 9:36 Stunden (2 unvergessliche Tennis-Klassiker)

 

Ansetzungen der Finali

 

Frauen, Sa., 09:30: Sabalenka – Rybakina (alle Sympathien für Lena)

* eine kleine Geschichte gabs beim Sabalenka-Match dann doch. Ich hab mich hier ja schon öfter über das meines Erachtens unsportliche Rumgeschreie von Sabalenka mokiert, das sie auch gezielt einsetzt, um die Gegnerin zu stören. Nun, tatsächlich erteilte die großartge Stuhlschiedsrichterin Louise Engzell Sabalenka wegen eines besonders fiesen Schreis verwarnt und erntete ungläubige Blicke. Ich hoffe auf eine Wiedeholung im Finale, gerne auch mit Punkt- und Spielabzug.

Männer, So., 09:30: Alcáraz – Djokovic (all but Nole)

Das wird die Woche, die wird

Abschluss der Champions-League-Vorrunde, Nachtslalom in Schladming, Handball-EM in Skandinavien und viel Liga-Sport. Dazu natürlich die Endphase der Australian Open, die ich gesondert behandle.

 

Slalomfest in Österreich

 

Der Nachtslalom in Schladming gilt als Nonplusultra der Torlauf-Artisten. Unter Flutlicht vor bis zu 50.000 Zuschauern, ein Großteil von ihnen recht angeheitert, wobei ich das „recht“ eher als Euphemismus betrachte. Der Sieg des Österreichers Manuel Feller am Ganslernhang in Kitzbühel war natürlich die beste Werbung, dass dder eine oder andere nationalbewusste Österreicher sich am Mittwoch aufmacht, um live vor Ort vielleicht sogar einen Heimsieg zu bejubeln.
Wie immer im Slalom ist der Kreis der Favoriten riesig. Neben Feller und dem Deutschen Linus Strasser sind gerade die Norweger und Franzosen zu beachten, dazu aber auch Einzelkämpfer wie der Finne Eduard Hallberg, der Bulgare Albert Popov und natürlich auch der Brasilianer Lucas Pinheiro Braathen.

Als Prolog gibt es schon am heutigen Dienstag den Riesenslalom. Hier ist die grioße Frage: Wie hat Dominator Marco Odermatt die schallende Ohrfeige vom Samstag überstanden, dass er am Samstag auf der Kitzbüheler Streif als zweiter erneut den Sieg verpasste. Kommt er auch nur einigermaßen durch, dürfte ihm der Sieg nicht zu nehmen sein.

 

Crans Montana im Blickpunkt

 

Nur einen Monat nach dem schrecklichen Brand in einem Club in Crans Montana fällt der Skizirkus in diesen Wintersportort im Tessin ein. Der Weltcup-Kalender will es so, und eine Absage ist auch deshalb wohl nie ernsthaft überlegt worden, weil nächstes Jahr in Crans Montana die alpinen Weltmeisetrschaften stattfinden werden und gerade die Abfahrten als unabdingliche Tests gelten.
Also bestreiten die Frauen am Freitag und Samstag Abfahrt und Super-G, ehe am Sonntag mit der Männer-Abfahrt die letzte Generalprobe für die Winterspiele ab 6. Februar über die Bühne geht. Mal sehen, ob die SportlerInnen angesichts des Großereignisses tatsächlich das letzte Risiko gehen.

 

Handballer im Medaillenkampf

 

Bisher haben sich die Deutschen bei der Europameisterschaft in Dänemark, Schweden und Norwegen vorzüglich geschlagen. Morgen gegen Frankreich erwartet sie die ultimative Prüfung. Ein Unentschieden reicht für den Aufstieg ins Halbfinale und den Medaillenkampf.
Ich sehe die Chancen dazu nicht schlecht: Denn mit Torwart Andi Wolff steht einer der heerausragenden Akteure dieses Turniers zwischen den Pfosten. Seine Leistung gegen Norwegen, als er zwischendurch das Tor derart vernagelte, dass niemand der Nordeuropäer auch nur noch einen Versuch startete, war eine Außerirdische. Das Problem: Nicht einmal ein Wolff kann derlei beliebig wiederholen.
Handball, Deutschland vs Frankreich, da war doch was! Nämlich das absurde Viertefinale bei den Olympischen Spielen in Paris, als die Franzosen 5 Sekunden vor Schluss den Ball in die Hände der Deutschen beförderten und im wahrsten Sinne des Wortes den Sieg wegwarfen. Revanche ist also angesagt, die Franzosen machten ebenfalls einen vorzüglichen Eindruck (bis auf das eher enttäuschende Remis gegen Spanien). Fünfzig zu Fünfzig würde ich die Chancen sehen.

Klarer Turnier-Favorit sind allerdings die Dänen, zumal sie bis zum Finale im heimischen Herning spielen dürfen. Dem Aussetzer gegen Portugal folgen überzeugende Siege gegen  Frankreich und Deutschland.
Erstaunlich die Konstellation in der anderen Hauptrunden-Gruppe. Zwei Spieltage vor Schluss haben gleich vier Mannschaften 4 Punkte auf dem Konto: Schweden, Island, Kroatien und Slowenien. Ein Freudenfest für Hochrechner, wenn ich tippen müsste: Schweden und Island werden es packen.

 

18 Fußballspiele gleichzeitig

 

Der 8. und letzte Vorrundenspieltag der Champions League steht am Mittwoch anan, zum 2. Mal in der 36er-Liga und zum 2. Mal mit 18 spielen gleichzeitig, nämlich ab 21 Uhr. Fast unmöglich, da komplett den Überblick zu behalten und erst recht, im Vorfeld auf alle Eventualitäten einzugehen. Zumindest aus deutscher Sicht scheint die Lage recht eindeutig.

  • Der FC Bayern ist  schon direkt im Achtelfinale und hat bereits vor dem Gastspiel bei der PSV Eindhoven einen Top-4-Platz sicher, für die Setzung in den K.-o.-Runden von einer gewissen Wichtigkeit.
  • Eintracht Frankfurt kann auch mit einem noch so hohem Sieg die K.-o.-Runde nicht mehr erreichen.
  • Bayer Leverkusen braucht zum Abschluss einen Heimsieg gegen Nachzügler Villarreal. Dann hätte die Werkself mit Sicherheit die Zwischenrunde erreicht, in die Top 8 kann sie nicht mehr vorstoßen. Bei einem Remis und erst recht einer Niederlage beginnt eine elende Rechnerei. Ein Weiterkommen wäre dann aber eher (Remis) unwahrscheinlich respektive sehr unwahrscheinlich (Niederlage).
  • Borussia Dortmund hat zumindest die Zwischenrunde praktisch sicher. Bei einem Sieg gegen Inter können die Dortmund sogar noch aufs Vorpreschen in die Top 8 hoffen, da müsste allerdings einiges zusammenkommen. Für alle, die zu Dortmund halten hilft da nur: Neben dem Spiel auch einen Live-Ticker und möglichst auch noch eine Live-Tabelle bereithalten. Der echte Fußball-Fan ist schon längst multitaskingfähig, nämlich auf 4 Geräten: 1 Live-Spiel des Lieblingsvereins, 1 Konferenz, Live Results, Live Tabelle.

Wirklich relevant sind eh nur die Plätze 8 und 24. Die Top 8 stehen direkt im Achtelfinale, die Ränge 9 bis 24 spielen acht weitere Achtelfinalisten in zwei weiteren Partien aus (also noch mehr Spielstress). Es geht wie erwartet eng her. Zwischen Platz 6 und 15 ist nur ein Pünktchen Unterschied.

 

Und sonst?

 

  • Buundesliga: Schon heute stehen zwei Nachholspiele auf dem Programm: RB Leipzig und 1899 Hoffenheim können mit Erfolgen bei St. Pauli und Werder Bremen die Champions-League-Plätze 3 und 4 festigen. An mehr wird wohl niemand denken trotz des ersten Bayern-Strauchlers. Die Münchner müssen dann am Samstag im Volksparkstadion zeigen, dass sie die Niederlage gegen Augsburg gut verkraftet haben. Die Partie ist zwar das nominelle Topspiel des Spieltages, das ist aber eher eine Reminiszenz an die 80er-Jahre, als die beiden Teams auf Augenhöhe waren. Jetzt trifft ein Abstiegskandidat auf den designierten Meiser (nona).
    Borussia Dortmund will den gelungenen Start ins Jahr (3 Siege, 1 Unentschieden) am Sonntag verlängern. Im heimischen Westfalenstadion scheint der Tabellenletzte 1. FC Heidenheim ein mehr als machbarer Kontrahent zu sein.
  • England: Tabellenführer FC Arsenal scheint die Galaform verloren zu haben: Der Vorsprung auf Manchester City und Aston Villa beträgt nur noch 4 Punkte, kein allzu bequemes Ruhepolster. Am Samstag müssen die Gunners zu Leeds United: das Stadion an der Elland Road ist ein heißes Pflaster, ein Sieg Pflicht, denn am Sonntag dürften Villa (vs Brentford) und City (bei Tottenham) mit Siegen nachlegen.
  • Basketball: Der FC Bayern setzt das  nahezu aussichtslose Unterfangen „Play-Ins-erreichen“ in der Euroleague fort. Am Donnerstag steht die Partie bei Maccabi Tel Aviv an. Gespielt wird, zumindest lauf „flashscore“, tatsächlich in Israel, nämlich in Jerusalem. Nur ein Sieg hilft den Münchnern, wenn sie im Kampf wenigstens um Platz 10 noch eingreifen wollen.
  • Wintersport: Auch für die Skispringer sind kurz vor Olympia noch Wettbewerbe angesetzt, nämloich von der Großschanze von Winterberg. Diese lässt Weiten von bis zu 150 Metern zu, das kommt dem Skifliegen schon sehr nahe. Man muss sehen, ob kurz vor Olympia tatsächlich auch alle Top-Springer am Start sind.

Hitze-Pause rettet Sinner

Australian Open, 3. Runde

 

Jannik Sinner sah aus wie ein lebender Leichnam. Völlig apathisch lehnte er seiner Partie gegen den erstaunlichen Amerikaner Eliot Spizzirri an der Werbebande der Rod-Laver-Arena, beim Stand von 1:3 im 3. Satz nicht willens und offenbar auch unfähig, in der mörderischen Hitze von Melbourne auch nur einen weiteren Ballwechsel bestreiten zu können. Signale in die Spieler-Box: Soll ich aufgeben? Ratlosigkeit bei den Betreuern, was zu tun ist. Eine medizinische Auszeit war nicht mehr möglich, die hatte Sinner schon beansprucht. Und dann die Ansage des Stuhlschiedsrichters: „Play is suspended“ (Spiel ist unterbrochen). Ein Rettungsreifen, in dieser speziellen Situationin etwa so wahrscheinlich wie der für einen Schiffbrüchigen auf hoher See nach 2 Tagen.
Aber tatsächlich wahr: Es gab wegen der unerträglichen Hitze tatsächlich eine Pause, damit sie endlich das schützende Dach über die Rod-Laver-Arena zuziehen konnten. Diese reichte Sinner (samt dem einen oder anderen Mittelchen in der Kabine, vielleicht sogar vom berüchtigten Doping-Masseur): Merklich erholt kam der Italiener wieder auf den Platz und siegte doch noch in 4 Sätzen. Der Titelverteidiger war dem Aus gerade noch von der Schippe gesprungen.

Dass es zu einer Unterbrechung kommen würde, war angesichts der unzumutbaren Bedingungen nur eine Frage der Zeit. Die Organisatoren hatten dies schon tags zuvor und noch mal am Vormittag angekündigt und auch klare Regeln, wann das der Fall sein würde. Warum sie trotz der erwarteten Temperaturen von 40 Grad die Partien ohne Dach beginnen ließen, wird ihr Geheimnis bleiben. Doch der Zeitpunkt der Unterbrechung irritiert mich enorm – und entsprach meines Erachtens eben nicht den selbst aufgestellten Regeln. Normalerweise werden Wetterunterbrechungen wegen Hitze und (viel öfter) Regens direkt nach Ende eines Games verkündet, doch dies unterließ der Schiedsrichter. Erst als Sinner für alle ersichtlich sich als nicht mehr spielfähig zeigte, kam es zur Unterbrechung. Von „Lex Sinner“ muss da leider die Rede sein. Dass die Organisatoren unter keinen Umständen den zweimaligen Champion und Titelverteidiger wegen einer Aufgabe aus dem Turnier verlieren wollten. Die sie selbst verschuldet hätten, weil sie die Partie bei offenem Dach begonnen ließen. Das „lex Sinner“ lässt sich auch daraus schließen, dass die Partien auf den anderen Plätzen (wo es nicht weniger heißt war) erst 5 Minuten danach unterbrochen wurden. 5 Minuten, die Sinner allem Anschein nach nicht mehr hätte auf dem Platz stehen können. Der ja bekanntermaßen, mit Hitze nicht so gut zurechtkommt wie andere Profis. Ich wage die nicht sehr waghalsige Behauptung: Wären die Zeichen umgekehrt gewesen, und der Außenseiter Spizzirri wäre dermaßen in den Seilen gehangen, nie im Leben hätte es diese Unterbrechung zu diesem gegeben. „Quod licet Jovi, non licet bovi“, das wussten schon die alten Römer.

 

Turnier der Favoriten …

 

Sinner bleibt dem Turnier also erhalten, und wir dürfen davon ausgehen, dass er bis zu seiner nächsten Partie am Montag gegen seinen Landsmann Luciano Darderi wieder voll bei Kräften ist. Damit steht fest, dass es im Achtelfinale nur noch gesetzte Spieler gibt, von den Top 8 ist tatsächlich nur der Kanadier Felix Auger-Alliasime raus, den erwischte es schon in der 1. Runde wegen einer Verletzung. Eine solche Dominanz der Etablierten hat es meines Wissens noch nie gegeben. Der junge US-Amerikaner Leander Tien ist als Nummer 25 der am schlechtesten klassierte Profi in der Runde der besten 16. Für mich ist es Turnier-Sensation, dass es eben keine Überraschungen gegeben hat. die
Auch die beiden Oldies mit voller sentimentaler Unterstützung haben es nicht geschafft: Stan Wawrinka (gegen Taylor Fritz) und Marin Cilic (Casper Ruud) wehrten scih zwar nach (schwindenden) Kräften, mussten sich aber jeweils in 4 Sätzen beugen. Im besten Spiel des bisherigen Turnierverlaufs setzte sich der Italiener Lorenzo Musetti gegen den so starken Tomas Machac aus Tschechien nach 5 dramatischen Sätzen und vierteinhalbstunden Hitzekampf durch.
Geradezu Spaziergänge legte Altmeister Novak Djokovic hin, der nach 3 Partien noch ohne Satzverlust ist und sehr viele Kräfte sparen konnte. Die wird er brauchen, wahrscheinlich schon am Montag gegen den tschechischen Himmelstürmer Jakob Mensik.
Alexander Zverev hielt die deutsche Fahne hoch. Er gab zwar auch gegen Cameron Norris einen Satz ab, doch zeigte er eine klar verbesserte Vorhand, die er gegen den äußerst unangenehmen Argentinier Francisco Cerundolo auch brauchen wird. Die Partie findet am australischen Abend statt (morgen 9 Uhr MEZ), und auch die Hitze soll sich zumindest für Sonntag und Montag wieder verziehen. Eine Glatze will sich Zverev schneiden lassen – für den Fall dass er die nächste Runde erreicht das Turnier gewinnt.

 

Achtelfinale, Männer

 

So.: Alcáraz – Paul
So.: De Minaur – Bublik (mein Must see : Lokalmatador vs Zauberer)
So.: Zverev – Cerundolo
So.: Medwedew – Tien
Mo.: Musetti – Fritz
Mo.: Djokovic – Mensik
Mo.: Shelton – Ruud
Mo.: Sinner – Darderi

 

… und der Favoritinnen

 

Auch hier haben 7 der Top 8 das Achtelfinale erreicht, auch hier erwischte es die Nummer 7: nämlich die Italienerin Jasmine Paolini, und das kam gegen das US-Supertalent Iva Jovic nicht besonders überraschend. Iga Swiatek (Nr. 2) hatte zwar gegen die Russin Anna Kalinskaya einen Aussetzer-Satz, gewann aber mit 6:1, 1:6 und 6:1. Gewisse Mühe hate auch Aryna Sabalenka (Nr. 1) gegen die Neu-Österreicherin Anastasia Potapova, als sie zweimal einen Tiebreak benötigte.
Immerhin sind bei den Frauen noch 2 Ungesetzte im Wettbewerb: die Chinesin Wang Zin, die Kasachin Julia Putintsewa und die Sensations-Qualifikantin Maddison Inglis, die vom Nichtantreten der exzentrischen Japanerin Naomi Osaka (Bauchmuskelzerrung) profitierte. Dagegen erlebten die von mir noch so gelobten Tschechinnen einen schwarzen Samstag: 4 traten an, 4 schieden mehr oder weniger sang- und klanglos ohne Satzgewinn aus. So bleibt die wunderbar-vielseitige Karolina Muchova die letzte Verbliebene nach ihrem Freitag-Erfolg gegen die Polin Linette.

 

Achtelfinale Frauen

So.: Sabalenka – Mboko
So.: Jovic – Putintseva
So.: Gauff – Muchova
So.: Andreewa – Svitolina (Russin vs Ukrainerin, das wird sehr herzlich)
Mo.: Keys/TV – Pegula
Mo.: Anisimova – Wang
Mo.: Rybakina – Mertens
Mo.: Swiatek – Inglis