Rangers oder Astros

Blick über den Teich, MLB

Die zwölf Teilnehmer der Post Season stehen vor dem letzten Spieltag heute bereits fest, aber es gibt noch eine relevante Entscheidung. Wer gewinnt die Division AL West? Die Rangers und die Astros trennen ein Sieg, bei Gleichstand hätten die Astros den Tiebreaker. Platz 1 ist insofern von Bedeutung, weil der Divisionssieger direkt in die Play-offs aufsteigen würde, während der Zweite in die Wild Cards müsste, allerdings hier mit Heimvorteil. Beide haben nominell ein schwieriges Auswärtsspiel. Die Astros bei den Diamondbacks, die Rangers bei den Mariners. Vorteil Astros: Die Backs sind im Gegensatz zu den Mariners für die Wild Cards ab Dienstag qualifiziert, dürften also zumindest ihre Rotationspitcher schonen und auch sonst nicht alles riskieren. Während die Mariners ihren Frust über die verpassten Play-offs ausleben und sich von ihrem Publikum mit einem Sieg verabschieden wollen.

Ansonsten ist die Spannung raus. Es gibt vielleicht noch Verschiebungen in den Wild-Card-Plätzen 5 und 6, aber das ist ja mehr oder weniger egal. Kann mir nicht vorstellen, dass da die Teams alles riskieren.

Ach ja nur der Vollständigkeit halber die Übriggebliebenen

AL

Play-offs: Orioles Rangers/Astros

Wild Card: Twins, Astros/Rangers, Rays, Blue Jays

NL

Play-offs: Braves, Dodgers

Wild Card: Brewers, Phillies, Marlins, Diamondbacks

Ha ha ha HSV

Ich fasse es nicht. Hamburg ist die zweitgrößte und wahrscheinlich schönste Stadt in Deutschland, oh jetzt bekomme ich in München Ärger. Es steht ein großartiges Stadion für den HSV bereit, und jetzt dümpeln sie schon seit Jahren in der 2. Liga herum. Mit einem Riesenetat ausgestattet, schaffen sie es einfach nicht, ihre PS auch auf die Straße zu bekommen.

Sie haben ja mal wieder einen großartigen Start in die Saison gehabt mit 13 Punkten aus 5 Spielen. Und jeder musste glauben, dass jetzt der Durchmarsch zurück ins Oberhaus gelingen müsste. Ja und dann? Zwei Niederlagen in Folge gegen Branchengrößen wie Elversberg und Osnabrück, die selbst in der Liga nicht den Ton angeben. Die vormals souveräne Tabellenführung ist futsch, die Stimmung erst mal im Keller.

Es war ja immer wie im Murmeltiertag. Der HSV marschiert, und dann bekommt er die Flatter. Meistens aber erst im Frühling, wenn die Entscheidungen anstehen. Vielleicht ist es ja dann hilfreich, wenn die Ergebniskrise jetzt schon ansteht. Aber es ist schon ein Jammer, und das sage ich nicht als HSV-Fan. Aber ich will, dass diese Stadt wieder in der Bundesliga spielt. Ein bisschen mehr Glamour würde dem Oberhaus schon sehr gut tun.

Der Mehltau ist weg

Wer die beiden Spiele der deutschen Nationalmannschaft gegen Japan und Frankreich binnen drei Tage sah, will nicht glauben, dass das die gleiche Mannschaft war. Desaströs und ohne jede positive Körpersprache gegen Japan. Engagiert, ergebnisorientiert und am Ende sogar erfolgreich gegen die Top-Nation Frankreich – wie konnte das passieren?

Im Ligageschehen würde man das den berühmten Trainereffekt nennen, und offenbar lässt sich das auch auf Nationalmannschaften übertragen. Wie Mehltau lag der bleierne Druck unter Flick auf all der Spieler Schultern, die ja in ihren Vereinen ordentliche bis sehr gute Leistungen abgeliefert haben. Dieser Druck war wie weggeblasen, die Befreiung war auch über die Fernsehgeräte förmlich spürbar, schon bei den Nationalhymnen.

Rudi Völler war in diesen drei Tagen genau der richtige Mann am richtigen Ort. Ein echter Sympathieträger im Fußball-Land Deutschland noch dazu mit Erfahrung bei der Leitung eines Nationalteams. In drei Tagen kann er natürlich nicht Wunder schaffen, aber immerhin fand er die richtigen Worte, um den bleischweren Mehltau wegzublasen.

Und wie es halt dann so ist, spielte dann auch das nötige Glück eine Rolle. Ein Gegner, der auf den besten Fußballer des Planeten Mbappé und einige andere Topstars verzichtete (es war immer noch eine namentlich tolle Mannschaft) und ein Idealstart mit einem sehr schön herausgespielten Tor bereits in der 4. Minute. Die ersten 30 Minuten waren das Beste seit Langem, was eine Nationalmannschaft zeigte, und danach verteidigte sie mit Zähnen und Klauen das Ergebnis, als ginge es um ein WM-Achtelfinale.

Auf jeden Fall haben es Rudi Nazionale und sein Trainerteam geschafft, die Fußballstimmung im Land komplett zu drehen. Plötzlich herrscht wieder Vorfreude auf die EM im eigenen Land in gut einem  dreiviertel Jahr. Diesen Rückenwind gilt es jetzt zu nutzen, wobei die sportlich ziemlich unsinnige Amerika-Reise in einem Monat noch einmal eine echte Herausforderung wird. Stand jetzt wird sich dann Rudi Völler wieder von der Trainerbank verabschiedet haben. Sein Nachfolger wird sehen müssen, wie er mit dem Schattenmann Völler im Hintergrund, ob dieser es will oder nicht, zurechtkommt.

Erfolgsfrau und Pechmarie

Schande über mich, aber im sportlichen Wochenend-Irrsinn sind mir die Reiter durchgeschlüpft. Also an extriger Stelle: Jessica von Bredow-Werndl räumte bei der EM in Beerbaum, äh Riesenbeck, kräftig ab. Musste sie sich im Team noch mit Silber hinter den Briten um Charlotte Fry geschlagen geben, triumphierte sie im Einzel, der Musikkür und der Team-Musik. Immer auf Dallara, ihrem 16-jährigen Wunderpferd, das eine Bestmarke nach der anderen aufstellte. Bleiben die beiden gesund, sind sie ein Faustpfand des darbenden deutschen Sports für Olympia 2024.

Pechmarie der Woche war Elisabeth Seitz. Gerade hatte die Turnerin die deutsche WM-Ausscheidung souverän gewonnen, da riss ihr die Achillessehne. Die WM-Teilnahme ist futsch, und auch mit Olympia nächsten Sommer wird es verdammt knapp, zumal sie ja auch noch wieder in Form kommen müsste. Gute Besserung genau wie allen, die gerade gesundheitliche Probleme haben.

Das war die Woche, die war, Teil II

Frühes Aus für Rodgers

Was war das für ein Hype rund um den Wechsel von Quarterback-Legende Aaron Rodgers von den Packers zu den Jets, vom beschaulichen Green Bay in den Moloch New York. Und dann? Beim ersten regulären Saisonspiel für die Jets diese Nacht gegen die Bills muss der 39-Jährige bereits im ersten Drive nach nur vier Spielzügen verletzt das Feld verlassen. Befürchtet wird ein Achillessehnenriss, der das Saisonaus bedeuten würde. Er mag umstritten sein wegen verschiedener Aussagen und seinem verächtlichen Abwinken seinen Mitspielern gegenüber, wenn diesen es wagten, einen seiner Bälle fallenzulassen: Aber das gönnt man niemanden, zumal er sich voller Tatendrang zeigte. Die Jets gewannen dann doch dank zweier Wundertaten. Der Touchdown-Catch von Garrett-Wilson https://www.youtube.com/watch?v=TiJq585qsOs nach Pass von Rodgers-Ersatz Zach Wilson sowie der entscheidende Punt-Return-Touchdown über 65 Yards des ungedrafteten Xavie Gipso nhttps://www.youtube.com/watch?v=6eWPm5ZGtdk. Auf der anderen Seite leistete sich Bills-QB Josh Allen drei Interceptions und einen lost Fumble – war nicht sein Tag.

Ansonsten ging es für manchen Favoriten ziemlich mühsam los. Die Chiefs verloren zu Hause gegen die Lions, für die der Deutsche Amon Ra St. Brown den ersten Touchdown der Saison fing. Noch schlimmer war die Vorstellung des Co-Favoriten Cincinatti Bengals, die bei den Browns mit 3:24 untergingen und dabei nur 142 Offensiv-Yards produzierten. Quarterback Joe Burrow wirkte alles andere als fit. Ein Desaster erlebten auch die NY Giants beim 0:40 gegen den Erzrivalen Dallas Cowboys.

All Blacks bereits unter Druck

Die Rugby-WM hat gleich mit einem Schlager begonnen, und es könnte durchaus sein, dass wir diese Partie auch beim Finale wiedersehen, allerdings nur, wenn sich Neuseeland gehörig steigert. Gastgeber Frankreich hat sich mit Neuseeland gleich den stärksten Gruppengegner zum Eröffnungsspiel gewünscht (was im Rugby alles geht) und mit dem Sieg ein Achtungszeichen gesetzt. Es war die erste Vorrundenniederlage der All Blacks überhaupt bei einer WM. Der Spielplan hat es ja in sich, denn die besten vier Mannschaften befinden sich alle in einer Tableau-Hälfte. Viertelfinalpaarungen wie Frankreich vs Irland und Neuseeland vs Südafrika sind da möglich. In der Frankreich-Gruppe ist überdies Italien nicht zu unterschätzen.

Das beste Spiel ders Wochenendes war Wales s Fiji, als Fiji drauf und dran war, am Ende des Spiels noch einen Versuch zu legen, der den Sieg bedeutet hätte, es aber durch einen blöden Fehler nicht schafften. Aber deren Art des Rugby begeistert mich.

Cori Gauff ohne Nerven

Was war das für ein Druck für eine 19-Jährige. Nichts anderes als den Sieg bei den US Open verlangte die amerikanische Öffentlichkeit von Coco Gauff. Nach einem haarigen Auftakt gegen Laura Siegemund, als sie drei Sätze brauchte, cruiste sie ziemlich ungefährdet bis ins Finale. Dort wartete Alyna Sabalenka. Die beeindruckte bis zum Halbfinale, wo sie dann Madison Keys erst im Tiebreak des dritten Satzes ausschaltete. Kurios, dass sie verfrüht jubelte, weil sie nicht checkte, dass im dritten Satz der Tiebreak bis 10 und nicht wie üblich nur bis 7 gespielt wird.

Im Finale dominierte zunächst die Weißrussin, doch Gauff, fanatisch bis unfair angefeuert vom Publikum, das zum Teil auch jeden Aufschlagfehler von Sabalenkaa bejubelte, steigerte sich und holte sich die Sätze 2 und 3 und damit den Titel. Sie war ja schon vor vier Jahren als 15-Jährige ein Versprechen, dass das amerikanische Tennis auch nach dem Rücktritt der Williams-Schwestern eine starke Vertreterin haben würde. Wahrscheinlich war es für sie ein Glück, dass sie nicht sofort durchstartete, sondern so manchen Rückschlag hinnehmen musste. Sie konnte an ihrem Spiel feilen, und diesen Sommer ging der Knopf auf. Vielleicht war tatsächlich die Verpflichtung von Brad Gilbert, der zu seinen aktiven Zeiten die Gegner mit taktischen Spielchen der entscheidende Puzzlestein (Winning ugly heißt nicht umsonst seine Biographie). Dem Frauentennis stehen spanndende Zeiten bevor mit Gauff, der neuen Nummer 1 Sabalenka und nicht zu vergessen Iga Piatek, die jetzt befreit von der Bürde der Nummer 1 befreit wieder angreifen will und wird.

Der Djoker – eine Klasse für sich

Ich mag ihn nicht wegen seiner Mätzchen (diese entsetzliche Balltipperei vor seinen Aufschlägen, gegen die die Referees leider kaum vorgehen). Seine Spielweise finde ich nicht wirklich inspirierend, ist mir zu technokratisch. Doch was Novak Djokovic auf dem Platz leistet seit fast 20 Jahren, ist unglaublich gut. Bei den US Open triumphierte er und gab, quasi aus Versehen und Nachlässigkeit, nur zwei Sätze in einer der ersten Runden ab. Gerade die Spiele gegen die gehypten Gastgeber Taylor Fritz und Ben Shelton im Viertel- und Halbfinale waren Extraklasse. Und auch im Finale gegen den bärenstarken Daniil Medwedew zeigte er in den entscheidenden Momenten, dass er einfach nicht totzukriegen ist. Gerade in Tiebreaks steigert er sich noch einmal.

Die Grand-Slam-Bilanz des Djoker in diesem Jahr: Drei Siege und eine ganz knappe Final-Niederlage in Wimbledon vs Carlos Alcaraz, der in NY an Medwedew scheiterte.

Es gibt wenig Anlass zu glauben, dass sich an dieser Hegemonie Wesentliches ändert, zumal Djokovic weitere Großtaten bereits angekündigt hat. Mich würde es wundern, wenn er im nächsten Jahr seinen 24 GS-Titeln nicht den einen oder anderen hinzufügen würde. Ich persönlich nehme das leider mehr und mehr nur noch mit einem Achselzucken hin. Sicher ungerecht, aber mir reicht es einfach, wenn immer derjenige gewinnt, der meine Sympathien eben nicht hat.

Und sonst?

Es war einmal die Rudernation Deutschland, die bei Weltmeisterschaften regelmäßig eine gehörige Titelsammlung mit nach Hause brachte. Davon ist wenig übriggeblieben. Heute wird schon freudig vermeldet, dass sich der Deutschland-Achter mehr schlecht als recht für Olympia qualifiziert hat. Ganz mit leeren Händen kehrte das deutsche Team dann doch nicht von der WM aus Serbien zurück. Oliver Zeidler siegte im Einer zum dritten Mal bei einer WM und verhinderte die deutsche Nullnummer.

Die deutschen Volleyballer werden es den Basketballern nicht gleichtun. Bei der EM war bereits im Achtelfinale Schluss durch ein 2:3 gegen Holland. Man begann mit drei Siegen, doch gegen die starken Gegner Serbien, Italien und eben Holland verlor man trotz harter Gegenwehr. Da fehlte einfach das entscheidende Quäntchen.

Iron-Man-WM in Nizza – das hört sich falsch an und ist auch falsch. Dieses Rennen gehört nach Hawaii, Punkt. Aber die Veranstalter kamen eben zum Schluss, die Konkurrenzen für Frauen und Männer künftig zu trennen. Also mussten die Männer dieses Mal mit Nizza vorliebnehmen, auf einem fürs Radfahren ungewohnt bergigen Terrain.. Es scheint aber alles gutgegangen zu sein, und am Ende siegte Überraschungsmann Sam Laidlow, der sich auf dem Rad einen großen Vorsprung erarbeitete, den er nicht mehr abgab. Patrick Lange aus Deutschland schaffte mit einer überragenden Laufleistung noch Platz 2. Es war der letzte Triathlon von Jan Frodeno, der aber mit der Spitze nichts mehr zu tun hatte. „Der Gladiator stirbt in der Arena“, rief er vom Rad den ARD-Mikrofonen zu. Es war der (nicht so krönende, aber was solls) Abschluss einer großen Triathlon-Karriere mit Olympiasieg und drei Triumphen auf Hawaii. Dort übrigens ermitteln die Frauen im Oktober ihre Weltmeisterin. Nächstes Jahr ist es genau umgekehrt.

Das wird die Woche, die wird

Gleich heute also die Möglichkeit zur Rehabilitation für die deutschen Fußballer mit Interims-Coach (wirklich nur Interim?) Rudi Völler auf der Bank. Der Gegner in Dortmund könnte mit Frankreich kaum schwerer sein, und vielleicht liegt gerade da die Chance – allerdings auch die Gefahr eines erneuten Desasters wie am Samstag gegen Japan. Viel ändern konnte Rudi Nationale natürlich nicht, aber ich erwarte die Spieler mit Messern zwischen den Zähnen.

Ansonsten endet heute die Qualifikations-Woche für die EM in Deutschland unter anderem mit der Partie Schweden gegen Österreich.

Am Wochenende setzt sich der Liga-Betrieb in allen Ländern fort – in Deutschland bereits am Freitagabend mit dem Schlager Bayern gegen Bayer, also Zweiter vs Erster (wer terminiert so etwas nach einer strapaziösen Länderspielunterbrechung?). Hoffentlich haben alle Beteiligten die zum Teil langen Reisen zu den Länderspielen gut überstanden.

Ansonsten geht die Vuelta in die entscheidende Woche. Remco Evenepoel hat sich ja mit seinem Einbruch am Tourmalet aus dem Rennen um den Gesamtsieg verabschiedet, trumpfte allerdings tags darauf mit einem Soloritt auf. Drei Fahrer von Jumbo, der zurzeit Führende Sepp Kuss, Primoz Roglich und Tour-Sieger Jonas Vingegaard, dürften das Rennen unter sich ausmachen.

Die Volleyball-EM wird diese Woche entschieden. Wer will, kann sich das für 15 (?) Euronen bei Magenta antun.

Wie jedes Jahr eine Woche nach den US Open Daviscup. Die Deutschen spielen Relegation in Bosnien Herzegowina, allerdings ohne Alexander Zverev, für den Maximilian Marterer nominiert wurde. Müsse sich trotzdem ausgehen.

Weiter geht auch die Rugby-WM in Frankreich. Pickt Euch raus, was Euch gefällt.

Und auch wenn man es angesichts der Hitze sich nicht vorstellen kann: Die DEL öffnet ihre Pforten. Am Donnerstag erwartet Titelverteidiger Red Bull München die DEG. Es ist die letzte Saison im alten Olympia-Eisstadion, bevor es nächstes Jahr in den SAP Garden geht.

Last but not least steht für mich und alle glücklichen Kartenbesitzer am Wochenende ein echtes Schmankerl an. Ein Vierer-Basketball-Turnier unter anderem mit Bayern München und Alba Berlin und hoffentlich einigen Weltmeistern im früheren Audi Dome, der jetzt BMW Park heißt. Für mich spannender als der Wiesn-Anstich am Samstag.

Habt eine schöne Woche

 

Das war die Woche, die war, Teil I

Nach dem f+r ich sehr anstrengenden Wochenende mache ich es diesmal in zwei Teilen. Heute Basketball und Fußball. Morgen der Rest und der Ausblick auf die kommende Woche.

Meine Nerven

Es ist für mich immer noch unwirklich, aber die deutschen Basketballer sind tatsächlich Weltmeister geworden. Acht Spiele acht Siege, lautet die beeindruckende Bilanz. Im Endspiel gegen die Serben war es die erwartet enge Partie, aber am verdienten Erfolg wird hoffentlich niemand deuteln. Und Dennis Schröder ist MvP – völlig verdient. Matchwinner gegen Serbien, als er am Ende wie ein Champion Verantwortung übernahm und sich mit einem Solo für die „deutsche Basketball“-Ewigkeit durch die serbische Abwehr schlängelte. Aber er war nur Primus inter pares einer mannschaftlich extrem geschlossenen Einheit, angeleitet von Trainer Gordie Herbert, der einerseits Freiräume gewährleistete, andererseits auch eine klare Linie verfolgte an der sich alle halten mussten und hielten.

Das Spiel, an das ich  sehr lange denken werde, war allerdings die Partie gegen die USA – mein Sporthöhepunkt des Jahres und noch viel mehr. Hier sind die Deutschen über sich hinausgewachsen, haben in einer grandiosen Art und Weise dagegengehalten. Dass dann ein Andi Obst so aus dem Sattel herausgeht und die Dreier nur so versenkt, war in dieser Form nicht zu erwarten, obwohl der Bayern-Profi schon so manchen Sahnetag erwischt hat.

Ja, es fehlten einige Superstars bei den USA, und auch die Serben mit einem Nicola Jokic wären wohl noch stärker gewesen; höchstwahrscheinlich wären diese beiden Teams zu schwer gewesen, aber weiß man es? Es können sich halt nur die messen, die da waren, und da waren die Deutschen halt am besten. Punkt. Und mit Sicherheit war das US-Team keine Ansammlung drittklassiger Spieler, wie ich in manchen Kommentaren bei anderen Seiten lesen musste. Die Zeiten eines Dreamteams 92, als die Gegner Fotos von Jordan, Johnson und Co machten, sind ohnehin vorbei. Kein Grund also, den Triumph in irgendeiner Form madig zu machen. Umso größere Vorfreude auf Olympia 24 in Paris, wenn dann wahrscheinlich wirklich die Besten der Besten am Start sind.

Ende mit Schrecken

Es war klar, dass nach dem 1:4 der deutschen Fußballer gegen Japan Bundestrainer Hansi Flick nicht mehr zu halten war. Für viele völlig unverständlich, hielt der DFB trotz des frühen Vorrundenaus in Katar und den furchtbaren Testspielen im ersten Halbjahr weiter an Flick fest. Dessen Trainer-Reputation resultiert ohnehin allein auf dem „Sextuble“ 2021 mit den Bayern. als sie, in den schwersten Corona-Zeiten, alles abräumten, was abzuräumen war. Sicher eine tolle Trainer-Leistung, aber davor hatte er nie gezeigt, dass er ein Team formen kann und junge Spieler besser.

Jetzt ist Flick also Geschichte, aber allein deshalb ist bestimmt nicht alles gut. Es war ja nicht Flick, sondern gestandene Profis, die sich von den Japanern haben vorführen lassen. Und Flick hat auch nicht auf dem Rasen diese grotesken Fehler gemacht, die wir am Samstag gegen Nippon (und auch die Spiele zuvor) aus deutscher Sicht erleiden mussten. Die Willenslosigkeit, die da einige auf dem Platz zeigten, war allerdings bemerkenswert. Spielten da einige gegen den Trainer?

Jetzt also gegen Frankreich für ein Spiel, und bitte auch wirklich nur ein Spiel, mit Rudi Völler auf der Bank. Der ewige Rudi, der immer wieder einspringt, wenn Not am Mann ist. Ich würde ihm gönnen, wenn das morgen kein Desaster wird gegen ein absolutes Klasseteam. Aber dann möge es auch gut sein mit Tante Käthe, zumindest als Trainer.

Aber einen guten Nachfolger zu finden, wird mitten in der Saison sehr schwierig. Matthäus und Sammer haben schon abgesagt – mal schauen, ob sie dabei bleiben. Es dürfte auf Julian Nagelsmann hinauslaufen: Ein guter Trainer zweifelsohne, aber ob er geeignet für den Job eines Bundestrainers ist? Er ist halt noch sehr jung, und ich sehe ihn eher als Vereinstrainer mit dort täglicher Arbeit. Sonst würde sich ein Blick ins Ausland lohnen. Allen Ernstes fiel ja schon der Name Louis van Gaal – der hätte wirklich was.

Watzkes Irrflug

Bisher hatte sich Hans-Joachim Watzke einen glänzenden Ruf als Fußball-Funktionär erarbeitet, der Borussia Dortmund vorm Ruin gerettet und in erfolgreiche Zeiten geführt hat. Dieser Ruf hat extrem gelitten – und wahrscheinlich nicht nur bei mir. Wie er vor ein paar Monaten gegen all die wetterten, die sich gegen einem Investor der DFL sträubten, war schon peinlich genug. Uneinsichtig wie ein bockiges Kind räumte er damals alle Bedenken beiseite, obwohl das Konzept einfach nicht ausgereift genug war, um es durchzuwinken..

Wie er in der vergangenen Woche gegen das neue Ausbildungskonzept wetterte, setzte allerdings allem die Krone auf. Ohne Sachkenntnis, wie sich zeigte. Kurz gesagt soll bei den ganz jungen Spielern der Spaß an der Sache und nicht der tabellarische Erfolg im Vordergrund stehen. Mit neuen Spielformen wie zum Beispiel mit einem Kleinfeld auf vier Tore. Da kann sich keiner mehr verstecken, ist viel öfter am Ball, muss sich technisch durchsetzen.

Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, muss sich zeigen. Aber es ist nicht der Untergang des Abendlandes, wenn nicht Monate danach noch Tabellen auf Ergebnisse hinweisen. Und jeder, der sich auch in irgendeiner Form sportlich mit anderen misst, will auch gewinnen. Ich erinnere mich mit Grausen an frühe Tischtennis-Partien mit meinem Vater und – noch schlimmer – an eine desaströse Niederlage gegen die Mädchen unserer Klasse. Natürlich war der Schiedsrichter schuld … Das nagt, und im „Revanche“Spel“ schoss ich vier Tore. Na ja

Was ich damit sagen will: uch wenn es keine offiziell bekundeten Spiele mehr geben sollte. Man strengt sich trotzdem an – und wir reden hier von Kindern, die höchstens zehn Jahre alt sind. Ich persönlich kann von all den Jugendtiteln ohnehin wenig anfangen: Viel wichtiger ist die Ausbildung zu einem gestandenen Profi, aber viele Trainer sehen leider nur den kurzfristigen Erfolg. Ein Fehler des Systems?

Und Rubiales geht doch

Mitten in den Sportwahnsinn am Sonntag mit Fußball, Basketball, Rugby et all ploppte die Meldung auf, dass Luis Rubiales jetzt doch als Präsident des spanischen Fußball-Verbandes zurücktritt. Jener Rubiales, der die Frauen-Weltmeisterin Jenni Hermoso bei der Siegerehrung auf den Mund geküsst hat, offenbar ohne deren Willen. Ich persönlich fand es ja noch viel schlimmer, als er nach dem Schlusspfiff sich ungeniert und in unmittelbarer Nähe seiner Königin und deren Tochter längere Zeit sich ungeniert vor Freude an den, Entschuldigung, Sack gefasst hat und später eine Spielerin wie einen Sack Mehl über den Platz trug. Die folgenden Wochen waren furchtbar: über den Triumph der Spanierinnen sprach kein Mensch mehr, sondern es gab nur noch die Diskussion über die Statthaftigkeit. Juristen hatten ihre Freude, ob das Verhalten von Rubiales eine „schwere“ oder „sehr schwere“ gewesen sein. Dass dann die Mama aus Protest sich in den Hungerstreik in einer Kirche verzog, war dann zum Drüberstreuen. Wird sie jetzt wieder essen?

Immerhin konnten wir auch in Deutschland so einiges lernen, wie einige Fußball-Granden es mit den Frauenrechten so halten. Karl-Heinz  Rummenigge, ein guter Bekannter von Rubiales, fand das „nicht so schlimm“. Na ja, der Kalle halt …