Das wird die Woche, die wird

Olympia steht vor der Tür

Die Eröffnungsfeier für die Olympischen Spiele ist am Freitagabend und soll trotz (Sicherheits)-Bedenken auf der Seine stattfinden. Auf den Olympia-Wahnsinn will ich hier noch nicht eingehen. Wobei ich mir sowieso noch nicht im Klaren bin, wie ich die Spiele hier handhabe, verfolge und kommentiere. Mir wird schon was einfallen, aber eines ist klar: Es gibt nicht im Ansatz eine vollständige Begleitung, sondern eine rein subjektive Auswahl.
Schon ab Mittwoch finden in Ballsportarten wie Fußball, 7er-Rugby und Handball der Frauen Vorrundenspiele statt. Und einige Teams suchen noch ihre Fahnenträger wie die Deutschen. Zumindest mit den verschiedenen Livestreams müsste man tatsächlich jedes sportliche Ereignis live, relive und/oder in Zusammenfassungen verfolgen können. Notfalls auch über ausländische Streams und VPN.

Und sonst?

– Letzte Olympia-Tests: Ich persönlich schaue auf die Basketballer. Die deutschen Weltmeister spielen heute in London (21.00/Pro7) gegen die USA. Ein Knaller könnte auch die Partie Serbien gegen Griechenland (Mo., 20.00) werden. Ansonsten: Wer suchet, der findet
– Fußball-Testspiele allüberall: Die deutschen Teams sind alle wieder im Training. Nach und nach dürften auch EURO- und Copa-Teilnehmer dazustoßen.
– Tennisturniere satt: Die Männer in Atlanta (Shelton, Mannarino, Tiafoe), Kitzbühel (Baez, Thiem, Altmeier, Hanfmann) und Umag (Rublew, Rune, Musetti), die Frauen in Iasi/Rumänien (Andreewa, Maria) und Prag (Noskova, Siniakova, Seidel, Korpatsch).
– die Formel 1 startet das nächste Wochenende in Spa, also einer meiner Lieblingsstrecken.

Das war die Woche, die war

Es war eine Woche des Verschnaufens nach EM und vor Olympia. Vermeintliches Verschnaufen, denn zumindest die Radler und Golfer hatten ihren Saison-Höhepunkt mit der Tour und den Open.

Pogacar in anderen Sphären.

Was für eine Demonstration der Stärke. Der Slowene gewann nicht nur die Tour ganz souverän, er zeigte eine Klasse, die beängstigend ist und natürlich große Zweifel erregen, ob hier wirklich alles mit rechten Dingen zugeht. Was ihm also alles gelang:

1. Er gewann die Tour mit 6:17 Minuten Vorsprung auf Jonas Vingegaard und gar 9:18 auf Remco Evenepoel.
2. Er entschied 6 Etappen für sich – und was für welche. Zunächst den Ritt über den Galibier, danach die zwei Pyrenäen-Etappen und zum Abschluss die beiden wichtigsten Alpen-Teilstücke. Als Kirsche auf der Torte auch noch das abschließende Einzelzeitfahren.. Genauso souverän waren übrigens jeweils der Zweite Vingegaard  und der Dritte Evenepoel, das hab ich in dieser Form noch nicht gesehen. Erstaunlich genug, wenn man bedenkt, dass sowohl Vingegaard als auch Evenepoel im April schwere Sturzverletzungen eerlitten haben.
3. Pogacar hat damit das Double Giro/Tour gewonnen. Auch bei der Italien-Rundfahrt siegte er bei 6 Etappen. Ich würde mal die nie überprüfbare Behauptung wagen, dass er dieses Jahr auch die Vuelta gewinnen würde, wenn er bei ihr starten würde, was allerdings nicht geplant hat. Das siegreiche Triple der drei großen Rundfahrten über gut 3 Wochen hat noch niemand geschafft. Nur ganz wenige Profis haben in einem Jahr alle drei überhaupt in Angriff genommen. Aber auch Olympia dürfte nur über ihn gehen, sowohl im Rennen als auch beim Einzelzeitfahren.

Natürlich stellt sich die Frage, ob Pogacar und sauber sein können. Ob sie die in schlimmsten Doping-Zeiten aufgestellten Anstiegsrekorde auf Galibier und Konsorten von Pantani, Armstrong und Co wirklich ohne verbotene Hilfe förmlich pulverisieren können? Klar, viel besseres Material und gezielteres Training gerade in den Bergen und eine offensive Fahrweise gerade von Pogacar könnten eine Erklärung sein. Aber diesmal eben ohne nicht den Hauch eines Einbruchs bei zwei langen Rundfahrten beim Slowenen bezieungsweise kein schwacher Tag bei Vingegaard und Evenepoel, obwohl beide nach ihren Verletzungen keine bzw nur ganz wenige Rennkilometer in den Beinen hatten. Andererseits gibt es wohl keine Sportart, die so offensiv das Doping-Problem angeht wie die Fußballer. Wenn ich da an die laxe Vorgehensweise etwa im Tennis und Fußball denke.
Seis drum: Es war wieder eine Show mit fantastischen Bildern. Und nächstes Jahr gerne wieder nach Paris – dann wahrscheinlich erneut mit einem elektrisierenden Dreikampf Pogacar, Vingegaard und Evenepoel.

Des Schauffele machts

Vorbemerkung: Ich liebe die Open der Golfer, also das einzige der 4 Majrs, die auf der britscchen Insel und nicht in den USA stattfindet. Es ist mein liebstes Turnier, weil es anders als die eher geleckten Majors in den Staaten noch am ursprünglichsten ist mit den Linkskursen an den britischen Küsten. Troon macht da keine Ausnahme, und auch das Wetter entsprach dem Geschmack der Golf-Fans, wo eben Wind, Regen und viele Böen die ohnehin schon trickreichen und mit Verteidigungs-Bunkern überzogenen Bahnen (entschuldigung für die Kriegerische Sprache) den Spielern alles abverlangen, wie gerade am Samstag, als Sturm und Regen die Bahnen fast unspielbar machten am Nachmittag.. Gestern, am Schlusstag, zeigte sich das Wetter gnädig, und dann zeigten die Profis (und Amateure) was sie können. Brillante Bunkerschläge knapp an die Fahne, unglaubliche Putts über mehrere Meter und ebenen, und aber auch verzogene Schläge ins Nirwana oder auf Bahngleise und verschobene Putts, bei dem jeder Anfänger vezweifeln würde. Kurz: golf at its best.
Am Ende setzte sich Xander Schauffele durch, ein US-Boy mit deutschen Wurzeln. Schauffele siegte mit 2 Schlägen Vorsprung auf seinen Landsmann Billy Horschel und Justin Rose aus England. Er ist derzeit das Maß aller Dinge, gewann nach den PGA Championships sein zweites Major 2024. Damit sind zurzeit alle Major-Titel in US-Hand (außerdem: Scottie Scheffler Masters, Bryson DeChmabeau US Open). Einige Favoriten hat es in Troon zerlegt: DeChambeau, Ludvig Alberg, Victor Hovland und auch Tiger Woods (mit seinem schlechtesten Major-Ergebnis jemals) verpassten den Cut.
Schauffele gehört schon länger der  Weltspitze an, wurde 2018 bei den Open in Carnoustie Zweiter genau wie beim Masters in Augusta. 2021 gab es kurz Überlegungen, ob er fürs deutsche Olympia-Team starten sollte, aber das hat sich schnell zerschlagen, wenn es denn überhaupt je ernsthaft geplant war.

McLaren schafft Doppelerfolg

Die Red-Bull-Dominanz ist tatsächlich erst mal Geschichte. Ich vermeide, wo es geht, das Wort „endgültig“, dem meinem MOZ-Ressortleiter Jürgen Leibner, der dagegen allergisch war und praktisch immer eliminierte, sei es gedankt. Am Sonntag auf dem Hungaro-Ring bei Budapest gab es einen McLaren-Doppelerfolg durch Oscar Piastri und Lando Norris. McLaren scheint zurzeit zumindest auf langsam-kurvigen Strecken das schnellste Fahrzeug im Feld zu sein. Dabei gab es Aufregung, weil die McLaren-Box dem Führenden Norris befahlm die Führung an seinen Teamkollegen zurückzugeben, was dieser nur widerwillig tat. Doch er hatte diese Führung nur durch einen schrecklichen Fehler der Box überhaupt bekommen, denn zuvor war Piastri klar der schnellste Mann im Feld. Auf Platz 3 kam Lewis Hamilton im Mercedes. Sinksauer auf sein Team war der fünftplatzierte Max Verstappen, der seinem Team eine katastrophale Renntaktik vorwarf, die das Team auch zähneknirschend zugab. Wobei die Erklärung schon verwundern musste: Sie waren nämlich laut eigener Aussage überrascht, dass das Überholen nicht funktionierte – und das auf einem Kurs, bei dem das seit Jahrzehnten der Fall ist. Den Rennen tut das gut, auch wenn meines Erachtens Verstappen der Titel bei 76 Punkten vVorsprung auf Norris nicht mehr zu nehmen sein dürfte.

Fantastische Genaralprobe

Erneut tolle Leistungen in der Leichtathletik -diesmal beim Diamond-League-Meeting in London, der letzten wichtigen Leistungsüberprüfung vor Olympia.  So stellte der Brite Michael Hudson-Smith in 43,74 Sekunden einen Europarekord über 400 Meter auf. Er ist der erste Europäer, der unter der 44-Sekunden-Marke blieb. Seine Landsfrau Keely Hodginson stellte mit 1:54,65 eine Weltjahresbestleistung auf, die gleichzeitig britischen Rekord bedeuten. Eine Weltjahresbestleistung erzielte auch die Jamaikanerin Nickisha Pryce über 400 Meter (48,57). Damit ist sie über diese Strecke klare Olympia-Favoritin, auch weil Femke Bol und Tracy McLaughlin die 400 Meter mit Hürden bestreiten werden.
Malaika Mihambo gewann den Weitsprung mit 6,87 Meter mitten aus dem Training heraus. Sie ist zusammen mit Zehnkämpfer Leo Neugebauer die größte deutsche Goldhoffnung für Paris.

Sehenswertes Allstar-Spiel

Ja, so etwas gibt es auch, nämlich bei der WNBA. Am Sonntag spielte das US-Olympia-Team in Phoenix gegen eine WNBA-Auswahl der Verbliebenen. Nach zum Teil sehr unterhaltsamen 40 Minuten setzten sich die WNBA-Girls durch. Erfolgreichste Werferin war Arike Owunbowale mit 27 Punkten, die aber wie die Super Rookies Caitlin Clark und Angel Reese keine Berücksichtigung fürs US Team fand. Ob sich das nicht noch rächt? Wie gesagt, es war ein umkämpftes Spiel dieser extrem aufstrebenden Liga und eben keine absurde Highlight-Show wie das mittlerweile lächerliche Allstar-Spiel der Männer. Und lange nicht so belanglos wie das MLB-Allstar-Spiel am Dienstag zwischen AL und NL, wo insgesamt 21 Pitcher und 39 Batter dabei waren.

Und sonst
– Transferhochzeit: So steht der Wechsel von Stuttgarts Serhou Gurassy zu Borussia Dortmund fest. Der BVB bedient sich nach Waldemar Anton zum zweiten Mal beim BVB. Sich selbst verstärken und den Gegner schwächen – das probate Mittel nicht nur des FC Bayern also. Bayer Leverkusen hat jetzt einen Terrier. Nicht Berti Vogts reloaded, sondern Martin Terrier komt von Stade Rennes. Apropos Transfers: Uli Hoeneß hat sich gemeldet mit der für mich Überraschenden Aussage, der FCB habe keinen Geldscheißer. Das bedeutet: Bevor die bayern weiter einkaufen, müsse erst verkauft werden und Einnahmen generiert werden bzw damit teure Gehälter eingespart werden
– Gareth Southgate hört auf. Der englische Nationaltrainer hat genug. Zwei EM-Finals, eine WM-Halbfinale lautet die Bilanz, die kein anderer Teamchef auch nur entfernt vorweisen kann (seit Sir Alf Ramsey 1966). Und doch gab es in der Heimat heftige Kritik  an ihm wg der furchtbaren Defensiv-Spielweise der Offensiv-Stars, gegen die der berüchtigte Catenacchio ein wahres Angriffs-Feuerwerk war …
– US-Basketballer in Not: Nur mit größter Mühe konnte das Team am Samstag eine Testspielniederlage gegen den Südsudan (immerhin Olympia-Teilnehmer) vermeiden. Es lag schon relativ deutlich zurück und erst ein Korb von LeBron James 8 Sekunden vor Schluss sicherte den 101:100-Sieg. Die deutsche Weltmeister werden das mit Interesse verfolgt haben, denn heute in London treffen sie auf die vermeintlich unschlagbaren US Boys, die ja laut Trainerlegende Svetislav Pesic besser sind als das Dream Team 1992.
– Finalniederlage für Zverev. Der Hamburger verlor das Endspiel in seiner Heimatstadt Hamburg gegen den aufstrebenden Franzosen Arthur Fils. Im Tiebreak des 3. Satzes verlor er deutlich mit 1:7. In Bastad erreichte Rafael Nadal sein erstes Finale seit 2 Jahren, musste sich dort aber dem Portugiesen Nuno Borges geschlagen geben. Matteo Berrettini siegte beim Turnier in Umag, Marcos Giron auf Rasen in Newport.
Bei den Frauen triumphierten die Russin Diana Schnaider in Budapest sowie Zheng Qinwen aus China in Palermo

Insgesamt ein großer Spaß

Endlich wieder ein Fußbal-Großereignis in einem Fußball-Land. Und die Deutschen haben ihre EURO von Beginn an gut aufgenommen, die zahllosen Gäste konnten und durften sich wohlfühlen. Was bleibt übrig, was war vielleicht doch nicht so gut, und wie schaut mein sportliches Resümee aus, nicht nur aus deutscher Sicht.

Das Turnier

Um erst mal mit einem Begriff aufzuräumen. Es war kein zweites Sommermarchen, erst recht kein Sommermärchen 2.0, das sollte es auch nie sein, auch wenn es so viele herbeischreiben und -reden wollten. Märchen gibt es nur einmal, oder haben die Grimms ein zweites Rotkäppchen geschrieben, Anderson eine zweite Meerjungfrau ins Leben gerufen.
Vielmehr war die EURO 2024 ein eigenständiges Turnier, mit der eigenen Geschichte. Unter völlig neuen Bedingungen, denn 2006 tobte nicht ein Krieg fast vor der Haustür. Was nicht heißt, das ich nicht trotzdem fast zwangsläufig Vergleiche ziehe.
Die Organisatoren um Chef Philipp Lahm haben das von vornherein erkannt, und entschieden, dass sie nichts nachahmen wollten und würden, auch wenn 9 der 10 Stadien schon 2006 genutzt wurden – ein Paradebeispiel für nachhaltige Arenen übrigens. Und Lahm selbst wollte nie Franz Beckenbauer sein, dieses Vorhaben wäre eh zum Scheitern verurteilt gewesen. Während der Kaiser omnipresent war, per Hubschrauber es schaffte, auch drei Spiele am Tag zu besuchen, blieb Lahm fast unsichtbar, vielleicht sogar zu viel. Wirklich zur Kenntnis genommen habe ich ihn während des Turniers erst, als er mal zu spät zu einer Partie gekommen war, weil sein Zug steckengeblieben war – ein Schicksal, das er mit so vielen Besuchern teilte.
Die Bahn wurde zum Ärgernis, was vor allem die auswärtigen Anhänger sehr überraschte. 2006 hatte noch alles wie am Schnürchen geklappt. Allerdings hätten die Fans sich zu Hause informieren können, denn fast alle Korrespondenten hatten gewarnt vor dem maroden Bahnnetz und den nie erscheinendenoder vespäteten Zügen. Dass allerdings auch der ÖPNV vielerorts in die Knie gehen würde und die Zuschauer teilweise nicht hin- und zurücktransportieren konnte, überraschte mich dann schon. Wozu wird eigentlich geplant, wenn es dann an Personal und Zügen fehlt. Echt ärgerlich wurde es, wenn wie in München geschehen, die Fans zur Abreise in Busse getrieben wurden, in denen sie dann vollgepfropft eine Stunde stehen mussten, ohne dass der Bus sich auch nur einen Millimeter fortbewegte.
Ansonsten waren die Deutschen großartige Gastgeber für großartige Gäste. Angesichts der gewaltigen Menschenmengen ist wenig passiert; viele hatten gar keine Eintrittskarten und kamen trotzdem erwartungsfroh hierher, um zu feiern. Ein paar Scharmützel, auch einige nationalistische Gesänge, aber alles hielt sich doch sehr in Grenzen. Der Fanmarsch in die Stadien wurde Allgemeingut zum Happening, hier waren die fröhlichen Holländer mit ihrem mit ihrem wiegenden und wogenden Links-rechts-und doch auch nach vorne Tanz eine Klasse für sich. Die nettesten Gäste unter den so vielen netten waren die Schotten, denen es sogar gelang, Münchner Bierkneipen leerzutrinken. Schade, dass sie früh wieder abreisen mussten nach dem für sie allerdings gewohnten Vorrundenaus.
Die UEFA wollte zeigen, wie fortschritllich sie ist. Eintrittskarten auf Papier gab es nicht, alles elektronisch per Handy und Apps, auch für die Zugfahrten. Das klappte auch weitgehend, Und wenn es hakte, halfen die fantastischen Volonteers. Und das im Bargeldland Deutschland, wo in vielen Geschäften elektronisches Zahlen immer noch unmöglich ist. Nehmt Euro mit, lautete dementsprechend eine Reisewarnung in fortschrittlicheren Ländern

Fürs Wetter kann niemand was(naja), aber was da zum Teil an Regen runterkam, war schon bemerkenswert. Und siehe da, es wurden die Grenzen deutscher Baukunst sichtbar. So entluden sich wahre Sturzbäche voller Regenwasser vom Dach des Dortmunder Westfalenstadions auf die Zuschauer. Anders sei der Ausbau architektonisch nicht möglich gewesen, hieß es zur Begründung. Manche flüchteten, manche genossen tanzend das kühle Nass. Ikonische Bilder in schöner Regelmäßigkeit. Erstaunlich gut vertrugen die Rasenflächen das Nass, die Drainage funktionierte einwandfrei; es gab also keine Wasserschlacht wie 1974 in Frankfurt, wo die Bälle dauernd in riesigen Pfützen steckenblieben. Andererseits: Der Rasen in Frankfurt war dennoch eine Katastrophe. Angeblich nicht zu reparieren wegen zweieer Footballspiele letzten  April Novmber.

Und wie war der Sport?

Zum dritten Mal waren es 24 Teams, und diese Aufstockung war durchaus eine Belebung. Gerade die echten Außenseiter wie Albanien und Georgien hatten tolle, unterhaltsame Spiele, weil sie vielleicht nicht ganz so taktisch dachten. Das 24er-Format ist und bleibt allerdings ein Ärgernis, weil es eben keine Zweierpotenz ist, man also mit dem Kunstgriff von vier besten Dritten auf eine solche Zahl kommen muss. Da werden einerseits Äpfel mit Birnen verglichen, andererseits haben die späteren Gruppen einen Riesenvorteil. Wenn schon Erweiterung, dann halt auf 32, die acht zusätzlichen Länder hätten noch mehr Leben, noch mehr Geschichten gehabt. Haalands Norweger seien nur beispielhaft erwähnt.
Ansonsten wurden die Spiele immer taktisch geprägter, je weiter das Turnier fortschritt. Wirklichen Offensivfußball zeigten nur die Spanier und die Deutschen, die das Los dann schon im Viertelfinale zueinanderführte. Sehr gut fand ich die Österreicher unter Ralf Rangnick, die nur mit viel Pech schon im Achtelfinale an den Türken scheiterten. Ein echtes Ärgernis waren für mich die Franzosen und noch mehr die Engländer. Hier heiltigte der Zweck (Weiterkommen um jeden Preis) alle Mittel (Defensive trotz brillanter Offensivkräfte). Weit gekommen sind sie, die Engländer sogar ins Finale, aber Spaß hat das nicht gemacht, dem zuzuschauen. Und gerade England hat in den kurzen Sequenzen von Offensive gezeigt, wie sie eine Defensive knacken können. Sie durften nicht: Wie frustrierend muss das für die Fodens, Bellinghams und Kanes gewesen sein.
Mit Spanien gab es den würdigen Europameister, darüber dürfte es keine zwei Meinungen geben. 7 Siege in 7 Spielen, darunter gegen alle europäischen Weltmeister (Italien, Deutschland, Frankreich). Erstmals auch ein Sieg über den Gastgeber einer EM.
Sehr erfreulich war, wie fair es auf den Spielfeldern zuging. Brutalo-Fouls gab es kaum, auch keine Betrugsschwalben.

Die Stars

Es war kein Turnier des einen Superstars, der alle anderen in den Schatten stellte. Torschützenkönig wurde man mit nur 3 Treffern, den Titel teilten sich gleich 6 Spieler. Die mit den größten Namen enttäuschten meist – aus den unterschiedlichsten Gründen. Kylian Mbappé war durch einen herben Nasenbeinbruch sichtlich gehandicapt, an Cristiano Ronaldo nagt der Zahn der Zeit, Kevin de Bruyne war Sinnbild auf der ganzen Linie enttäuschender Belgier, und Phil Foden Opfer der furchtbaren Defensiv-Taktik der Engländer. Bezeichnend, dass mit Rodri ein Defensivspezialist zum Spiueler des Turniers gewählt wurde, das gibt es äußerst selten.
Spaß gemacht haben dagegen einige Talente, die ihre besten Jahre hoffentlich noch vor sich haben. Hier seien vor allem die Spanier Lamine Yamal und Nico Williams genannt sowie jamal Musiala und Florian Wirtz aus Deutschland. Aufgetrumpft hat oft auch Cody Gakpo, der auffälligste Holländer. Ein tolles Turnier spielte auch der italienische Verteidiger Riccardo Calafiori vom FC Bologna, den ich bisher sehr wenig auf dem Schirm hatte, mea culpa.

Die Schiedsrichter und der VAR

Klar, es gab erstaunliche Entscheidungen, aber im Großen und Ganzen haben die Referees einen guten Job gemacht. Ein Ärgernis ist und bleibt das Handspiel und seine Auslegung und wie unterschiedlich die Nachspielzeit gehandhabt wird. Ein echter Gewinn ist, dass nur noch die Kapitäne protestieren dürfen. Das hat insgesamt gut geklappt, auch weil die Schiris die Regel mit Augenmaß handhabten. Toll, dass das jetzt auch in Europa und Deutschland eingeführt wird.
Hand: Es war natürlich aus deutscher Sicht der größte Aufreger, als der Spanier Marc Cucurela mit abgespreitztem Arm dem Torschuss von Jamal Musiala im Weg stand. Natürlich keine Absicht, aber doch ein klares Hindernis. Nicht wirklich zufreidenstellend war danndie (verspätete) Begründung des Schiedsrichter-Gremiums, Cucurela habe doch versucht, die Hand wegzuziehen. Potenziert wurde der Grad der Erregung, weil die Deutschen im Spiel gegen Dänemark zuvor einen geradezu absurden Handelfmeter nach einer viel ungefährlicheren Situation zugesprochen bekamen, als erst ein Sensor im Ball selbst ermittelte, dass es zu einer Berührung kam. Wie man dieses Problem löst, weiß ich nicht. Der Vorschlag Hand ist Hand wäre zwar klar und ohne Ermessen, hätte aber nur zur Folge, dass die Stürmer versuchen, die hand des Gegners zu treffen. Vielleicht hilft ein Umweg/Sonderweg, in dem man bei heuiklen Situationen nicht gleich Elfmeter geben muss, sondern einen Freistoß.
Sensor im Ball, angeblich punktgenaue Kalibrierung per Computer und künstlicher Intelligenz bei Abseits – die Technik hält vermehrt Einzug. Ob das wünschenswert ist, bleibt dahingestellt, denn die Regeln bzw der Sinn dahinter werden auf en Kopf gestellt wie etwa beim Zehennagel-Abseits eines Dänen vor dem vermeintlichen Führungstor gegen Deutschland oder dem Kniescheiben Nicht-Abseits eines Spaniers gegen England. Romelu Lukaku hieß der belgische Unglücksrabe, dem gleich drei Treffer (wahrscheinlich zu Recht) aberkannt wurden, die mit menschlichem Auge nie im Leben als regelwidrig erkannt worden wären.
Und was die Nachspielzeit betrifft: Ich bin seit Längerem ein großer Anhänger der effektiven Spielzeit, wenn die Uhr also angehalten wird bei Unterbrechungen, entweder bei jeder wie im Basketball oder bei einer längeren wie im Handball. Dort funktioniert das meist einwandfrei, und das Ende des Spiels steht fest und ist nicht im Ermessen der Schiedsrichter, wo der eine acht Minuten gibt und der andere 4 und diese wie im Endspiel sogar pünktlich abpfeift, obwohl die Partie mindestens anderthalb Minuten unterbrochen war.

Analyse der Deutschen

Das Team hat sich gut geschlagen, und die Fans haben ihre Nationalmannschaft wieder lieb. Keine Selbstverständlichkeit, denn  nach dem WM-Titel hat sich das Team mehr und mehr entfremdet von der Wirklichkeit. Und nach desaströsen Auftritten noch im November befürchteten einige gar Fürchterliches. Als absolute Bereicherung seitdem muss die gelungene Wiedereingliederung von Toni Kroos gelten, der sofort meist glänzender Taktgeber war. Für mich am Erfreulichsten, dass die Nagelsmann-Truppe ihr Heil in der Offensive gesucht hat. Nicht ohne Fehler, und manchen fehlte auch schlicht die Klasse. Aber der Coach hat es geschafft, eine Einheit zu formen, und meistens lag er auch mit seinen Pewrsonalien richtig. Wobei wir nie wissen werden, ob nicht ein anderer Torwart oder der erfahrene Abwehrmann Mats Hummels im Kader noch besser gewesen wären. Auf jeden Fall lässt sich auf der Leistung aufbauen, gerade die partie gegen Spanien zeigte, dass man zumindest in einem Spiel mit der Spitze auf Augenhöhe ist. Nagelsmann hat jetzt das Vertrauen verdient, die WM in den USA mit vielleicht brutalem Klima, langen Reisen und dem 48er-Feld hat allerdings viel zu viele Unwägbarkeiten, um jetzt schon irgendwelche Prognosen abzugeben. Sie sollen schön spielen, dann wäre ich persönlich schon zufrieden. Wie weit es dann geht: Schaun mer mal.

 

Das wird die Woche, die wird

Nach EURO, Copa und Wimbledon darf der Sportfreund etwas durchatmen, quasi ein Wieder-Aufladen der Batterien vorm Olympia-Marathon. Aber es gibt wahrlich noch genug Spocht zu sehen,

Die besten Golfer in Troon

The Open. Jeder Golffan, weiß, was sich dahinter verbirgt. Das alteste  Major und das einzige außerhalb der USA, nämlich auf der britischen Insel auf sogenannten Linkskursen, direkt am Meer, wo Wind und Wetter sich stündlich völlig ändern können. Die Kurse sind naturbelassen, manche mit metertiefen Bundern. Ganz anders also als die so künstlich hergerichteten Bahnen in den USA, wo auch das Wetter meist besser ist. Weswegen viele US-Profis eine Hassliebe zu den Open pflegen
Dieses Jahr kommen die besten Golfer der Welt zum 10. Mal nach Troon in den Südwesten Schottlands, zur 152. Auflage der Open. Bei der letzten Auflage dort siegte der Schwede Hendrik Stenson. Das Favoritenfeld ist riesig, auch weil der Topmann dieses Jahres, Scottie Scheffler nicht gerne und auch nicht besonders erfolgreich auf der Insel spielt. Die Scotish Open, traditionell die Generalprobe, gewann der Schotte Robert McIntyre mit einem brillanten Birdie auf der letzten Bahn.
Fernsehen: Sky jeden Tag ab 11 Uhr:

Schafft Pogacar das Doppel?

Der Slowene geht mit mehr als 3 Minuten Vorsprung auf Titelverteidiger Jonas Vingegaard in die Schlusswoche der Tour de France. Ein schöner Vorsprung, aber wahrlich kein Ruhekissen für Tadej Pogacar, der nach dem Giro auch das Gelbe Trikot erobern will. Nach der Flachetappe heute gibt es zwei hügelige Abschnitte, bevor es am Freitag und Samstag zu zwei knackigen Alpenetappen geht unter anderem mit dem Anstieg aufs Dach der Tour mit mehr als 2800 Metern. Erstmals überhaupt endet die Frankreich-Rundfahrt nicht in Paris, wo Olympia die Stadt schon erobert hat. Vielmehr ist Nizza der Endpunkt, mit einem Zeitfahren am Sonntag über 33,7 Kilometer.
Vingegaard hat noch längst nicht aufgegeben, fühlt sich selbst in bester Form. Der Däne muss allerdings auch auf einen schwachen Tag von Pogacar hoffen, wie er auch selbst ehrlich zugibt. Doch solche hat der Slowene bei der our regelmäßig schon gehabt.
Fernsehen: ARD und Eurosport jeweils etwa ab 14 Uhr.

All-Star-Break der Basketballerinnen und Baseballer

Wie immer im Juli macht die MLB im Juli eine kurze Pause, um ihre All-Star-Tage abzuhalten mit dem Allstar-Spiel der National League gegen die American League, das heute Nacht in Arlington/Texas stattfindet. Das Homerun-Derby entschied Teoscar Hernandez von den LA Dodgers für sich.
Auch die Basketballerinnen der WNBA halten am Sonntag ihr All-Star-Spiel ab. Das Interesse an der Liga ist extrem gestiegen, dem Rookie Caitlin Clark sei es gedankt. Zu sehen ist aber auch toller Sport. Natürlich nicht so athletisch wie bei den Männer, dafür technisch und taktisch filigraner. Und werfen können sie mindestens so gut.

Und sonst
– Testen die Ballsportler für Olympia. Morgen ab 18 Uhr unserer Zeit ein echtes Schmankerl zwischen den USA und Serbien im Männer-Basketball. Die Deutschen haben am Freitag in Berlin eine Doppelveranstaltung. Die Frauen treffen in der Arena am Ostbahnhof auf Nigeria, anschließen die Männner auf Japan.
– Formel 1 in Budapest: In der Königsklasse geht es spannend wie seit Langem nicht mehr zu. 4 Teams (Red Bull, Ferrari, McLaren und MercedesI haben siegfähige Wagen. Max Verstappen fährt allerdings eher ungefährdet dem 4. WM-Titel in Folge entgegen, aber jedes einzelne Rennen gerade sehr umkämpft.

 

Das war die Woche, die war

Zum Fußball (EURO und Copa) geht es hier entlanghttps://blickueberdenteich.de/1144-2/
Der übrige Sport kommt hier zu Wort.

Einseitig wie selten

Erneut hieß das Wimbledon-Finale der Männer Carlos Alcáraz gegen Novak Djokovic, aber im Vergleich zum Thriller 2023 war es diesmal eine sehr einseitige Angelegenheit. Die Alcáraz sogar ungewollt spannend machte, als er beim Stand von 6:2, 6:2, 5:4 40:0 bei eigenem Aufschlag drei  Matchbälle in Folge versiebte und den Djoker tatsächlich zurück ins Spiel brachte. Doch der Serbe war längst nicht in Topform wie schon das ganze Turnier und ließ sich die Gelegenheit engehen, wenigstens den Satz zu holen.
So blieb es bei 3 Durchgängen und eines der einseitigsten Finals der letzten Jahre. Djokovic selbst hat in Wimbledon noch nie eine so herbe Klatsche erlebt, eine Partie, bei der er derart chancenlos war. Im Nachhinein hat sich mein Eindruck verfestigt, dass er nur aufgrund günstigster Umstände und einer einfachen Auslosung überhaupt erst ins Finale gekommen ist, wo er letztlich nix zu suchen hatte. Tommy Paul, Daniil Medwedew, Jannik Sinner und noch einige mehr wären auch zu stark für ihn gewesen. Djokovic ist also ein Mensch, auch er kann nicht mal einen Monat nach einer Knieoperation in Top-Form sein noch dazu in einem Jahr, in dem es bisher nach seinen Maßstäben überhaupt nicht läuft. Bisher noch kein Turniersieg und Wimbledon war das erste Finale, das hat es zu diesem Zeitpunkt seit 2006 (!) nicht gegeben. Jetzt läuft ihm die Zeit davon, und für ihn ist zu wünschen, dass er rechtzeitig den Absprung schafft. Nicht dass ich noch Mitleid mit ihm bekomme, Gott bewahre.
Alcáraz dagegen hat das kleine Formtief nach seinem ersten Wimbledon-Triumph überwunden, hat jetzt das schwierige Doppel Paris/Wimbledon gewonnen, was nur einer Handvoll Spielern gelang. Der Zweikampf mit Jannik Sinner um die Vorherrschaft des Männertennis ist eröffnet, mit Kombatanten wie Daniil Medwedew, Sascha Zverev und anderen.

Tschechin folgt Tschechin

So erwartet der Triumph von Mitfavorit Alcáraz kam, so sehr überraschte mich die Siegerin Barbora Kreijikova. Die hatte zwar schon die French Open 2021 gewonnen, seitdem aber zumindest im Einzel herzlich wenig getroffen, auch weil sie viele Verletzungen hatte. Als Nummer 31 gehörte sie gerade noch zu den Gesetzten.
Dass sie Tennisspielen kann, wissen alle. Im Doppel feierte sie auch Triumphe, zuletzt bei den French Open, die sie zusammen mit Laura Siegemund gewann. Sie hat mit den besten Volley im Frauentennis und einen vernünftigen Aufschlag, ihr Spiel ist also prädestiniert für Rasen. So jemand ist dann halt zur Stelle, wenn die vermeintliche Spitze um Iga Swiatek, Coco Gauf und Lena Rybakina patzt oder wie Aryna Sabalenka verletzungsbedingt gar nicht antreten kann.
Im Finale siegte sie gegen die nicht minder überraschende Yasmine Paolini. Die Dreisatzpartie bot jetzt nicht das allerbeste Tennis, beiden Akteurinnen war zeitweise die Nervosität anzumerken bei ihrem  jeweils größten Karrierespiel. Aber es war jederzeit spannend und bot insgesamt herausragenden Sport.
Kreijikova ist die nächste Tschechin, die sich in die Wimbledon-Siegesliste eintrug, und die ummittelbare Nachfolgerin von Marketa Vondrousova, die schon in der 1. Runde scheiterte. Paolini ihrerseits erreichte nach den French Open ihr zweites Grand-Slam-Finale hinterinander – ein später Durchbruch der Italienerin, die selbst am wenigsten glauben kann, wie ihr seit knapp zwei Monaten geschieht. Ihr wunderbares Lächeln hat sie nach kurzer Enttäuschung schnell wiedergefunden.

Pogacar in der eigenen Liga

In den Pyrenäen könnte eine Vorentscheidung bei der Tour de France fallen, schrieb ich vergangene Woche – und das tat sie auch. Bei beiden Bergankünften am Samstag und Sonntag war Tadej Pogacar strahlender Etappensieger, jeweils vor Jonas Vingegaard und Remco Evenepoel. Wohl selten spiegelt sich die Gesamtwertung derart in den Einzeletappen wieder. In die letzte Woche geht Pogacar mit 3:09 Minuten Vorsprung auf Vingegaard und 5:19 auf Evenepoel – das sollte trotz eines Einzelzeitfahrens und zwei Alpenetappen reichen, wenn nichts passiert. Aber natürlich kann noch viel passieren, ein Sturz, ein schwarzer Tag oder, Gott verhüte, eine (Corona)Erkrankung, der Virus geht offenbar schon rum. Der Slowene hat offensichtlich den Giro bestens überwunden, während Evenepoel und vor allem Vingegaard aufgrund der schweren Sturzverletzungen im April vielleicht nicht ganz in Top-Form sind. Erstaunlich genug, wie stark sie sind.
Pech hatte Primoz Roglic, der nach zwei Stürzen und viel Zeitverlust aufgab. Für den 35-Jährigen dürfte es jetzt eng werden mit einem Toursieg.

Leichtathleten machen Lust auf Olympia

Zwei Europarekorde waren diese Woche der Höhepunkt in der olympischen Kernsportart. Jakob Ingebrigsten aus Norwegen gewann beim Diamond-League-Meeting in Monaco in 3:26,73, die viertbeste Zeit hinter drei Afrikanern. Femke Bol lief in Chaux-de-Fonds/Schweiz 50,95 die zweitbeste Zeit überhaupt hinter Sydney Mc-Laughlin. Das Duell zwischen der Holländerin und der US-Amerikanerin dürfte einer der Höhepunkte nicht nur in der Leichtathletik, sondern der gesamten Olympischen Spiele in Paris werden. Wer es sich vormerken will: Donnerstag, 8. 8. 21.25 Uhr.
Auch sonst gab es in Monaco herausragende Leistungen: Djamael Sedjati verbesserte sich über 800 Meter noch mal auf 1:41,46. Über 400 Meter Hürden blieben mit Rai Benjamin (46,67) und Carsten Warholm 46,73) gleich zwei Läufer unter der 47er-Marke. Sogar einen Weltrekord gab es. Über die recht selten gelaufenen 2000 Meter gewann die Australierin Jessica Hull in 5:19,70 Minuten. Kann diese Langstrecklerin den Afrikanerinnen in Paris tatsächlich gefährlich werden?

 Fahnenträger-In gesucht

Die Deutschen ein Weiblein und ein Männchen für die (geplante) Fahrt auf der zurzeit noch so wasserreichen Seine. Ihr habt die Auswahl einerseits zwischen
Jessica von Bredow (Dressur), Alexandra Popp (Fußball) und Annemarie Wagner (Judo) sowie
Cristian Reitz (Schießen), Dennis Schröder (Basketball), Sascha Zverev (Tennis).
Wer mitstimmen will: https://www.teamdeutschland.de/iframe-ard-wahl-zum-fahnentraeger-duo-2024

Meine Anmerkungen dazu: Zverev und Schröder sind natürlich die Bekanntesten, aber für mich beide eher ungeeignet. Schröder ist zwar Kapitän der deutschen Basketball-Weltmeister, aber ohne jegliche olympische Erfahrung und als Mannschaftsspieler nicht so exponiert, als dass er allein diese Ehre verdient hätte. Außerdem ist er nie ein Ausnahmespieler wie Dirk Nowitzki gewesen, in der NBA eher ein Reisender von Team zu Team (mittlerweile sind es 7 in 11 Jahren). Was mir vor allem missfällt, wie offensiv er sich höchstpersönlich als Fahnenträger ins Spiel gebracht hat.
Sascha Zverev ist zwar Einzel-Olympiasieger, und er lebte in Tokio auch den olympischen (und deutschen Team)Geist. Doch neben sportlichen Erfolgen zählt ins Anforderungsprofil auch die Persönlichkeit, und da darf ich Zweifel anmelden wegen der nie ausgeräumten Vorwürfe wegen Gewalt an Frauen, ein absolutes NoGo. Ich frag mich schon, warum Leute wie der Kanute Sebastian Brendel und/oder Weitspringerin Malaika Mihambo nicht mal in der engeren Auswahl sind. Haben die selbst abgesagt oder was spricht gegen sie?
Ich würde übrigens auch sehr viel lieber eine Jessica von Bredow oder Katrin Wagner sehen als Alexandra Popp. Überhaupt nichts gegen Popp, aber als Traditionalist, seufz, habe ich halt andere Vorstellungen einer typischen Olympionikin. Und wäre es nicht schön, wenn nicht wieder die ohnehin schon so bekannten SportlerInnen im Rampenlicht stehen würden.

Und sonst?
– Bayern basteln: Zwei 50-Millionen+-Transfers sind perfekt. So kommt mit einem Jahr Verspätung Tuchels Wunschspieler Palhinha. Blöd halt, dass der damalige Trainer mittlerweile Ex-Trainer ist, sich also nicht an der von ihm erfundenen und geforderten „Holding Six“ erfreuen kann. Außerdem kommt auch Michael Olise, ein Flügelflitzer, als ob die Münchner von denen nicht schon genug hätten (Sané, Coman, Tel). Zurzeit hat der Kader mehr als 30 Speler: viel Spaß beim „Ausmisten“.
– Verheißungsvolle Tests: Die deutschen Basketballer zeigen Olympia-Form. Sie gewannen einen Test am Montag gegen Gastgeber Frankreich, das allerdings diesmal ohne Victor Wembanyama antrat. Am Samstag gab es ein klares 95:50 gegen die Niederlande, bei dem Andi Obst mit 6/8 Dreiern seine Treffsicherheit zeigte. Auch die Handballer gewannen gegen Frankreich, ebenfalls am Samstag mit 35:30. Möge jeder seine Schlüsse ziehen, was das für Olympia tatsächlich bedeutet.

 

Die Wochenvorschau folgt.