Als der fantastische Closer Daniel Palencia das letzte Aus der USA besiegelte und der 3:2-Triumph Venezuelas feststand, kannte der Jubel keine Grenzen mehr im Miami-Stadium. Alle Spieler strömten aufs Feld, venezolanische Fahnen schwenkend oder um die Schultern umgehängt, und alle mit Tränen in den Augen. Zum ersten Mal in der Geschichte hatten sich die Baseballer die WM geholt, und wer die geradezu entrückten Gesichter all dieser Profis sah, weiß, was das für das Land bedeutet. Nämlich den wohl größten sportlichen Erfolg, den dieses Land je gefeiert hat. Und auch der letzte – dem Baseball vielleicht nicht so zugängliche – Sportfreund erfuhr, dass diese World Baseball Classics viel, viel mehr sind als ein schnödes Vorbereitungsturnier für die MLB-Saison. So viel Emotionen wie spätestens seit dem Viertelfinale gibt es in der Major League Baseball bestenfalls in entscheidenden Partien der K.-o.-Runden. Auch auf den Tribünen, mindestens zur Hälfte mit venezolanischen Migranten befüllt, war der Jubel riesig. Eines scheint sicher zu sein: Bevor die heimischen Miami Marlins einen derartigen Erfolg feiern können, werden noch Jahre vergehen .

Venezuela gegen die USA, das war in der Nacht zu Mittwoch das Finale der dominanten Pitcher – und das trotz der furchteinflößenden Schlagmänner auf beiden Seiten. Venezuela ging mit 2:0 in Führung, und ihre Werfer schafften gegen die prominente US-Line Up ein geradezu müheloses Inning nach dem anderen. Bis im 8. Durchgang Bryce Harper dann doch einen Ball satt erwischte und zu einem 2-Run-Homer zum 2:2 über den Zaun drosch. Die Wende? Sollten die USA es doch noch schaffen, nachdem die Baseball-Nation Nummer 1 zuletzt bei WMs ohne Titel blieben. Eugenio Suárez von den Seattle Mariners fand die Antwort und sein Double brachte Venezuela wieder in Führung. Und eines hatte das Turnier gezeigt: Eine Führung mit Daniel Palenica als Closer auf dem Mound, das bedeutete in diesen Tagen schon den Sieg, auch jetzt.Kyle Schwarber, der Homerunkönig der vergangenen Saison versuchte sein Glück – Strike Out. Gunnar Henderson traf sogar den Ball – ein leichter Fang für die Verteidiger. David Anthony sah den 100-Meilen-Ball nicht mal – das dritte Aus. Die unfassbare Bilanz des Closer Palencia: 5 Spiele, kein zugelassener Hit und erst recht kein Run. Besser gehts nicht.

Der Ort des Triumphs hätte symbolischer kaum sein können, Miami/Florida. Jenem Land also, das vor drei Monaten das Venezuela überfiel und den regierenden Präsidenten Maduro, den widerwärtigen Diktator, entführte. Der Mann, der das initierte, ließ sich im Stadion allerdings nicht blicken, obwohl sein Wohnsitz Mar a Lago für US-Verhältnisse quasi um die Ecke wohnt. Doch Donald wäre nicht Trump, würde er nicht zumindest einen Teil des Venezolanischen Triumphes für sich reklamieren würde. Es würden „in letzter Zeit gute Sachen für Venezuela geschehen“ und er frage sich, womit diese „Magie“ wohl zusammenhänge? Nach dem Sieg Venezuelas goss er weiteres Öl (sic!) ins Feuer: „Statehood!“, schrieb er, was übersetzt so viel heißt wie: Bald ist Venezuela der 51. Bundesstaat. Zumindest die Kanadier wirds trösten …

Dabei ist Baseball schon lange vor Trumpistan DER Nationalsport in Venezuela, weit vor Fußball, wo das Land mal wieder die WM-Qualifikation verpasst hat. Alle Spieler des World-Classic-Kaders spielen in MLB-Teams, und dort eine zum Teil herausragende Rolle. Zwei absolute Legenden gar nicht lang vergangener Tage reihten sich in die Trainergilde ein. Johan Santana kümmerte sich um die Pitcher, Miguel Cabrera, vielleicht der beste unter vielen guten MLB-Profis aus Venezuela, war Hitting Coach.