Blick über den Teich, NFL

 

So., 02:00:San Francisco 49ers – Seattle Seahawks (NFC West)

 

Da hatten die Spielplan-Tüftler der Liga ein goldenes Händchen. Zum Abschluss der regluären Runde kommt es in San Francisco (So., 02:00) zu einem echten Showdown, wenn die heimischen 49ers auf die Seattle Seahawks treffen. Wer gewinnt, holt sich nicht nur den Divisionssieg der NFC West, sondern auch den Number-One-Spot der Conference und damit ein Freilos für die 1. Play-off-Runde, die nächste Woche beginnt. Wer dagegen verliert, muss auf jeden Fall auswärts ran, allerdings ist zumindest die erste potenzielle Aufgabe in Tampa oder Carolina (* siehe unten) nicht unbedingt erschreckend. Allerdings könnten sich die Klingen schon in der 2. Runde erneut treffen, dann beim Sieger der Partie am Sonntagmorgen.
Wer dieses Finale vorm tatsächlichen Super Bowl 5 Wochen später an gleicher Stelle ebenfalls in San Francisco (genauer: Santa Clara) für sich entscheidet, vermag mir meine Glaskugel nicht wahrzusagen. Für die 49ers spricht der Heimvorteil und die Tatsache, dass sie ihren Kader endlich weitgehend zusamen habven. Für die Seahawks der Umsatand, dass sie sich in der Außenseiterrolle durchaus wohlfühlen. Wenn ich tippen müsste, würde ich auf die 49ers setzen.

 

Endspiele der Schwachen

 

Vorm letzten Spieltag sind die Verhältnisse ungewöhnlich klar: Nur zwei andere Partien sind noch von echtem Belang. Absurderweise geht es in den beiden mit Abstand schlechtesten Divisionen in einem direkten Duell um Platz 1 bzw. gegen das Saisonaus.

 

* Sa., 22:30 Tampa Bay Buccaneers – Carolina Panthers (NFC South)

 

In einem wahren Schneckenrennen kriechen Bucs und Panhers Richtung Divisionssieg (einer MUSS ihn schaffen). Trotz zuletzt 4 Niederlagen in Folge (!) hat Tampa tatsächlich noch Chancen auf die Play-offs, wenn sie im heimischen „Piratenschiff“ gegen die Panthers gewinnen. Vom Namen her wäre das eine klare Sache, weil der Gegner nach verheerenden Jahren bestenfalls eine Aufbausaison plante und weil die Bucs auch die klangvolleren Profis in ihren Reihen havben, angefangen bei Quarterback Baker Mayfield bis dem grandiosen Wide Receiver Mike Evans. Doch Carolina kann sich aufs Team verlassen und dass es seine Chancen sehr effizient zu nutzen weiß.

 

Mo., 02:20: Pittsburgh Steelers – Baltimore Ravens (AFC North)

 

Die Steelers hatten schon den Divisions-Matchball, und verhühnerten ihn auf abenteuerliche Weise. Bei den bisher so katastrophalen Cleveland Browns „gelang“ ihnen eine 6:13-Niederlage (das karge Ergebnis spricht für sich), obwohl Browns Ersatz-Ersatz-Ersatz-Quarterback Sanders (ein Kapitel für sich) den Pittsburgher Verteidigern in absurd amateurhafterweise 2 Bälle in die Arme warf (ein Verteidiger mit Ehre würde diese Bälle nicht als „Interception“ in seine Statistik eintragen). Leider brachte auch die Steelers-Offense nichts zustande, ihr 41-jähriger Quarterback Aaron Rodgers spielte eher wie ein 51-jähriger und bot womöglich eine noch schwächere Leistung (unbeweglich, ungenau, langsam), so dass es nur zu zwei kümmerlichen Field Goals im 2. Viertel reichte. Ansonsten: Nichts, nothing, nada, niente. Die Ravens gewannen zwar ihre Partie gleich mit 41:24 gegen die Green Bay Packers, dies hatten fast ausschließlich ihrem Laufspiel um Ausnahme-Running-Back Derrick Henry zu verdanken, der gleich 4 Touchdowns erzielte und insgesamt 216 Yards erlief.

Beide Partien haben eines gemein: Wer verliert, ist raus aus dem Play-off-Rennen, wer gewinnt, wird mit einem Heimspiel belohnt gegen einen nominell viel stärkeren Kontrahenten. Und dieser Heimvorteil kann extrem beflügeln, wie unzählige Beispiele aus vergangenen Jahren zeigen.

 

Und sonst?

 

Enttäuschend für alle Spannungs-Liebhaber: Die Wildcard-Rennen sind sowohl in AFC und NFC schon entschieden, so klar sind die League-Verhältnisse. Mit der Folge, dass fast alle der restlichen 13 Partien höchstens noch statistischen Wert haben. Es gibt noch ein Fernduell um den Sieg (und Freilos) in der AFC. Hier haben die Denver Broncos die besten Karten, die mit einem Erfolg zu Hause gegen die LA Chargers nicht mehr von Platz 1 zu verdrängen sind. In Lauerstellung sind die New England Patriots (zu Hause gegen die Miami Dolphins).

Ansonsten dürfte der anschließende Montag für die Chefcoaches und Assistenztrainer der schon ausgeschiedenen Teams aufreibender werden als das Geschehen am Sonntag auf dem Feld. Dann ist nämlich der „Overreaction Monday“, an dem traditionsgemäß mehrere Trainer und ganze Trainerstäbe gefeuert werden. Die milliardenschweren Teambesitzer haben sehr oft nämlich einen dünneren Geduldfaden als ein hungriges Kleinkind in der Trotzphase ohne Spielzeug. Gerade in Detroit, Indianapolis, Dallas und Washington brennt die Lunte schon von beiden Seiten, berichten die Löwen-Odds**.

** dies ist KEINE Anspielung auf die Detroit Lions