Blick über den Teich, NBA
Gut einen Monat und 16+ Partien läuft noch der Grunddurchgang. Höchste Zeit für eine Vorschau, was da noch passieren kann, wobei die Konstellationen sich im Hinblick aufs Play-off-(Play-In) schon ziemlich verfestigt haben. Sowohl im Osten als auch im Westen haben sich Favoriten kristallisiert. Gut ein Viertel der Liga hat schon abgeschenkt; den betreffenden Teams geht es nur noch darum, möglichst oft zu verlieren, damit die Chancen auf einen Top-Pick in der kommenden Draft steigen (ein sehr vielversprechender Jahrgang, was ich so lese und höre). Übers sogenannte Tanking möchte ich mich jetzt aber nicht auslassen.
Eastern Conference
Die Spitze
Ganz vorn rangieren immer noch die Detroit Pistons, doch dahinter kommen die Boston Celtics mit Wucht. Viele Experten hatten dem Meister von 2024 wenige Chancen eingeräumt, auch weil sie ihren Kader aufgeräumt haben und gute, aber alternde und zu teure Profis weggetradet haben (Porzingis, Holiday, Kornet). Dazu die schwere Verletzung von Jayson Tatum. Doch Abschenken der Saison kam nicht infrage, jetzt ist auch Tatum wieder dabei (noch nicht ganz in Top-Form), aber das wird besser und besser.
Dass sie die Pistons in den verbleibenden Spielen noch von Rang 1 verdrängen, ist zwar nicht sehr wahrscheinlich angesichts des derzeitigen Rückstands von 3,5 Siegen, aber das ist zweitrangig. Die Play-offs sind schon sicher und dort muss man den Rekord-Champion erst mal aus dem Weg räumen.
Ob das etwa dem jungen Team aus Detroit gelingt, erscheint mir fraglich. Hinter den überragenden Cunningham und Duren wird es doch recht dünn, wobei ein Duncan Robinson jenseits der Dreierlinie immer heißlaufen kann.
Fix in den Top 4 würde ich auch die New York Knicks und Cleveland Cavaliers einordnen. Gerade die Cavs haben sich in der Wechselzeit noch klar verstärkt. Harden ist ein Upset gegenüber dem verletzungsanfälligen Garland (Tausch mit den LA Clippers), Schröder und auch Ellis gute Ergänzungen im Kader. Die Knicks wiederum können sich auf ein eingespieltes Team um Brunson, Towns und Amunoby verlassen. Und auf Mitchell Robinson, den Offensiv-Rebound-König.
Kampf um die direkten Play-offs
Wenn ich großzügig bin, kämpfen sechs Teams um 2 Plätze, die anderen vier machen dann in den Play-Ins die übrigen 2 Plätze unter sich aus. Wenn ich mir Bilanz und Form ansehe, spricht vieles für die beiden Teams aus Florida, Miami Heat und Orlando Magic. Dann müsssten Toronto, Philadelphia, Atlanta und Charlotte in die Ehrenrunde.
Gerade das „deutsche“ Team der Magic (Wagner-Brüder, Tristan da Silva) hat sich zuletzt gefangen, zB mit 2 Auswärts-Siegen in Los Angeles bei den Lakers und Clippers. Endlich scheint auch wieder die Verteidigung besser zu funktionieren. Das alles allerdings ohne Franz Wagner, der erneut wegen einer Verletzung ausfällt. Sehr viel spricht leider dafür, dass er im Januar wegen des Berlin Game in seiner Heimatstadt zu früh wieder eingesetzt wurde (Wer kann ihm verdenken, dass er dort unbedingt auflaufen wollte?). Ob und in welcher Form er zurückkehrt, steht noch nicht fest. Allzu sehr scheint man nicht mehr darauf zu vertrauen.
Der traurige Rest
Zumindest die Milwaukee Bucks mit Superstar Giannis Antetokuonmpo kämpfen noch um Rang 10, doch der Abstand wird und wird nicht geringer – im Gegenteil. 4 Teams (ich nenne sie jetzt gar nicht) versuchen nur noch zu verlieren. Natürlich nicht die Spieler auf dem Parkett, aber es gibt Mittel und Wege, sie einzuhegen. So traurig.
Western Conference
Die Spitze
Die große Frage: Retten die Oklahoma City Thunder ihren 2-Siege-Vorsprung ins Ziel oder werden sie noch von den San Antonio Spurs noch abgefangen. Trotz erheblicher Verletzugnsprobleme (zuletzt fehlten Jaylen Williams, Hartenstein, Caruso, Holmgren) hat sich OKC um Shai Gilgeous-Alexander wieder gefangen, gewann 9 der letzten 10 Partien – ebenso wie der texanische Kontrahent um Victor Wembanyama, der zunhmend Verantrwortung übernimmt. Gut möglich, dass diese beiden Teams auch das Conference Final bestreiten, wenn ich so weit vorausgreifen darf (so viele Unwägbarkeiten, weshalb man das eigentlich unterlassen sollte).
Kampf um die Play-offs
5 Teams (Houston, LA Lakers, Minnesota, Denver, Phoenix) rangeln um die Plätze 3 bis 6: Ohne allzu waghalsig zu prophezeien: Der Siebte (das wären zurzeit die Phoenix Suns) wird mit größter Wahrscheinlichkeit die Play-offs über die Play-Ins erreichen.
Die Ränge 3 und 4 hätten in der ersten Play-off-Runde Heimrecht und sind deshalb so begehrt. Wer das letztlich sein wird: Meine Glaskugel ist trotz neuer Brille sehr trüb. Schemenhaft habe ich die Lakers und Timberwolves im Visier, allerdings hier wie dort mit großem Fragezeichen versehen. Bei LA ist der Elefant im Raum LeBron James. Zurzeit fehlt er mal wieder verletzt, und plötzlich spielen sie besser. Andrerseits: Wer könnte mehr helfen als der so vielen Play-off-Serien gestellte James – trotz des fortgeschrittenens Alters (41).
Die Timberwwolves haben vielleicht das meiste Talent (Anthony Edwards!), aber sie bringen ihre PS nicht auf die Straße, wie der völlig missglückte Auftritt heute Nacht bei den Lakers verdeutlichte.
Ähnliches Hin und Her sehe ich bei den Nuggets (trotz Nikola Jokic!) und Houston Rockets (trotz Kevin Durant!). Deren außerordentliche Leistungen kann das Team plötzlich beflügeln und auf ein ganz anderes Level heben, und dann müssten sich auch Thunder und Spurs warm anziehen.
Die Suns wiederum spielen ohne jeden Druck, wie es scheint. Der 7. Platz ist gesichert.
Die Post-Season-Teams
Die Ränge 8 bis 10 (und damit die verbleibenden Play-In-Plätze) scheinen schon vergeben. LA Clippers, Golden State Warriors und Portland Trail Blazers kämpfen nur noch um die Reihenfolge. Ein Team des Trios wird sogar noch in die Play-offs rutschen (und dort das Schlachtopfer der Thunder oder Spurs werden, oder etwa nicht?). Während die alternden Clippers (Leonhard) und Warriors (Curry, Butler, Green) dem Sonnenuntergang entgegenreiten, scheint die mittelfristige Zukunft der Blazers eher verheißungsvoll, da viele junge Spieler ihren Zenith erst noch erreichen werden.
Der traurige Rest
Memphis, Dallas, New Orleans, Utah und Sacramento: 5 Teams des Grauens und keine Zeile wert..
Neueste Kommentare