Siegemunds Erfolgslauf geht weiter – auch gegen Sabalenka?

Wimbledon-Wahnsinn, das Achtelfinale

 

Seit ein paar Jahren entfällt der freie erste Sonntag, sodass das Achtelfinale auf 2 Tage verteilt werden kann.
Am Sonntag setzte Laura Siegemund ihren Erfolgslauf fort. Gegen die Argentinierin Solana Sierra war die Deutsche erstmals Favoritin, und kam mit dieser Rolle glänzend zurecht, siegte fast locker in 2 Sätzen. Am heutigen Dienstag wartet eine ungleich schwierigere Aufgabe, denn auf dem Center Court trifft sie auf die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka. Kann Siegemunds ungewöhnliches Spiel mit viel Slice auch auf der Vorhand auch die Weißrussin irritieren und nerven? Siegemund rechnet sich offenbar Chancen aus. Um Kräfte zu schonen, zog sich die Schwäbin aus der Doppel-Konkurrenz zurück, wo sie mit Beatriz Haddad Maia im Achtelfinale stand.Alle Tennisfans mögen Ohropax bereithalten, denn Sabalenka schreit lauter als ein Laubbläser, und das bei jedem Schlag.
Natürlich ist Sabalenka Favoritin. Gleiches lässt sich in der unteren Tableau-Hälfte für die auf Rasen stark verbesserte Iga Swiatek, die sich ihrer bisherigen Aufgaben mehr oder weniger souverän entledigte.

 

Sinner mit viel Glück

Von Souveränität kann dagegen bei Jannik Sinner nicht die Rede sein – im Gegenteil. Im Achtelfinale lag der Italiener am Montagabend bereits mit 0:2 Sätzen gegen Grigor Dmitrov zurück, als der Bulgare wegen einer Bauchmuskelzerrung aufgeben musste. Herzzerreißende Bilder, als Sinner den weinenden Dmitrov versuchte zu trösten. Der begeisterte nicht nur gegen Sinner mit seinem wunderbar abwechslungsreichen Rasentennis, mit dieser sagenhaft schönen einhändigen Rückhand, die Sinner von einer Verlegenheit in die nächste stürzte.
Der verletzungsanfällige Dmitrov (35) ist und bleibt der Unglücksrabe bei Grand Slams. Auch in den 4 Turnieren zuvor musste er vorzeitig aufgeben, jeweils sogar in der 1. Runde.
Sinner hat es „überlebt“, jetzt trifft er auf Ben Shelton, der seinerseits gegen den widerspenstigen Italiener Lorenzo Sonego 4 Sätze brauchte. Wie im übrigen auch die Turnier-Favoriten Carlos Alcáraz (gegen einen bärenstarken Andrej Rublew) und Novak Djokovic (nach klar verlorenem 1. Satz gegen Alex de Minaur).

 

Männer, Viertelfinale (gespielt wird jeweils auf Centercourt/14.30 und Court Nummer 1/14.00)

Mi. Sinner – Shelton (N.N)
Mi. Djokovic – Cobolli (N.N)
Di. Fritz – Katschanow (1. Spiel/Nr. 1)
Di. Alcaraz – Norrie (2. Spiel/CC)

Frauen

Di., Sabalenka – Siegemund (1. Spiel/CC)
Di., Anisimova – Pawljutschenkowa (2. Spiel/Nr. 1)
Mi. Andreewa – Bencic (N.N)
Mi. Swiatek – Samsonowa (N.N.)

 

 

 

Das war die Woche, die war

Tennis in Wimbledon, Musiala-Verletzung und Frauen-EM (Gwinn-Verletzung) sowie den schrecklichen Unfalltod von Liverpool-Stürmer Diogo Jota und dessen jüngeren Bruder Andre Silva habe ich schon aufgearbeitet
https://blickueberdenteich.de/schneckle-auf-grosser-erfolgstour/ und

Furchtbarer Unfall reißt Diogo Jota aus dem Leben

 

Ein paar Aktualisierungen der von mir verlinkten Texte:

Musiala hat sich wie befürchtet einen Wadenbeinbruch und Bänderverletzungen zugezogen und wird mindestens bis Jahresende fehlen.
Giulia Gwinn hatte noch Glück im Unglück und zog sich nur eine schwere Bänderdehnung zu. Die deutsche Kapitänin kommt zwar während de EM nicht mehr zum Einsatz, wird aber zum Saisonbeginn im August wieder spielfähig sein.
Auf der Trauerfeier für tödlich verunglückten Diogo Jota und dessen Bruder André Silva war fast das komplette Liverpool-Team  versammelt. Luis Diaz fehlte allerdings, er feierte lieber auf einer Influencer-Paty in seiner kolumbianischen Heimat. Was bei Fans zu einem Shitstorm erster Güte führte. Der FC Bayern ist angeblich an einer Verpflichtung interessiert, große Steine werden sie ihm in Liverpool wohl nicht in den Weg legen, wenn denn der Preis auch nur annähernd stimmt.
Apropos Jota und Silva: Einige Volldeppen (ich kann sie nicht anders bezeichnen) stürmten geradezu das Familiengrab und grinsten dann dümmlich grinsend in Selfie-Kameras. Was mag im Hirn von solchen Menschen nur vorgehen. Zeitweise musste far die Grabstätte abgeriegelt werden.

 

Unruhiger Tour-Auftakt

 

Von wegen lockeres Einfahren auf den ersten eher flachen Etappen. Schon im 1. Teilstück riss eine Windkante einen 49-Sekunden-Vorsprung zwischen der Spitzengruppe und einem prominent besetzten Verfolgerfeld auf. Während die Tour-Favoriten Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard ganz vorne dabei waren, veloren aussichtsreiche Kandidaten wie Remco Evenepoel, Primoz Roglich, Felix Gall und auch die deutsche Hoffnung Florian Lipowitz besagte 49 Sekunden.
Auf der 2. Etappe sprintete Tour-Verteidiger Tadej Pogacar sogar um den Tagessieg, musste sich aber dem starken Hllender Matthew van de Poel geschlagen geben, der auch das Gelbe Trikot übernahm. Gestern tatsächlich eine reine Sprintankunft. Vielleicht zurzeit der Beste in dieser Disziplin war allerdings nicht mehr dabei. Er stürzte bei einem Zwischensprint schwer und musste das Rennen aufgeben.
Schon jetzt scheint klar: Pogacar und Vingegaard sind in sehr starker Form, cih glaube nicht, dass ein Dritter (Evenepoel?, Lipowitz??), Roglic???) in diesen Zweikampf eingreifen kann.

 

Nächster Erfolg des deutschen Basketballs

 

Dass der U-19-Jahrgang der Männer außergewöhnlich gut ist, wussten die Experten, wurden die jungen Kerle vergangenes Jahr U-18-Europameister. Jetzt, bei der WM in Lausanne, stürmten sie mit teilweise beeindruckenden Siegen ins Finale, wo sie dann allerdings gegen die USA nach einem Einbruch im 3. Viertl ohne jede Chance haben. Denoch werden sich einige von ihnen nachhaltig bei Spitzencubs in Europa und auch in der NBA empfohlen haben: allen voran Hannes Steinbach. Der hat schon für die Würzburg Baskets in der BBL gespielt, jetzt wechselt er zur University of Washington, und es wäre sehr verwunderlich, würde ihn nicht ein NBA-Team nächstes oder übernächstes Jahr an niedriger Stelle draften

Jahrelang fristeten die Basketballer ein recht erfolgloses Schattendasein, trotz eines Dirk Nowitzki. Jetzt sind gehen sie selbstbewusst in jedes Turnier und kämpfen tatsächlich jedes Mal um Medaillen. Macht mir, eher dem Baskketball als dem Handball zugeneigt, höllischen Spaß. Dass über eine Nachwuchs-WM berichtet wird auch in Nicht-Fachzeitschriften, tut sein Übiges.

 

Hülkenbergs späte Krönung

 

Nein, zum Sieg beim Formel-1-Rennen in Silverstone hat es nicht gereicht, dafür waren die McLarens von Lando Norris und Oscar Piastri zu stark, die dem Papaya-Rennstall den nächsten Doppelerfolg bescherten und dem Engländer Norris den heiß ersehnten Heimsieg. Aber gleich dahinter tatsächlich Nico Hülkenberg im vermeintlich so unterlegenem Sauber, der in seinem 239. Rennen erstmals aufs Podest fuhr. Nicht aufgrund glücklichster Umstände und zig Ausfällen, sondern weil er schlicht ein brillantes und fehlerloses und bestens gemanagtes Rennen fuhr. Und das von Platz 19! Sicher half der Regen und die damit verbundenen Unwägbarkeiten, aber wie Hülkenberg sich durch kluge Taktik und tolles Fahren nach vorne arbeitete und in der letzten Phase auf Platz 3 liegend die vermeintlich viel stärkere Konkurrenz der Ferraris und Mercedesse und Red Bulls souverän auf Distanz hielt, war schlicht ein Meisterstück des 37-Jährigen.

Und niemand im Fahrerlager missgönnte Hülkenberg diesen Erfolg. Da Sauber keinen Champagner dabei hatte, um diesen standesgemäß zu feiern, spendierten erst Austin Martin, später  McLaren ein paar Flaschen. Sogar der Teamkamerad, normalerweise der ärgste „Feind“, spendete ganz ehrlich größte Anerkennung: „„Nico, hier ist Gabi. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie happy ich für Dich bin. Du bist eine Legende!“, funkte Gabriel Bortolotto auf Hülkenbergs Auslaufrunde, der selbst in der 4. Runde ausschied, auf Hülkenbergs Auslaufrunde.

Für Sauber könnte dieser Podestplatz nicht günstiger kommen. Nächstes Jahr wird Audi diesen übernehmen und in die Formel 1 einsteigen. bessere Werbung und mehr Motivation könnte es nicht  geben.

 

Und sonst?

 

  • WNBA: Indiana Fever hat den Commisioner Cup gewonnen. Im Finale besiegte das Team die favorisierten Minnesota Lynx. Und das, obwohl die Caitlin Clark, die so gehypte Spielerin im 2. WNBA-Jahr, wegen einer Verletzung passen musste.
  • Leichtathletik: Zwei Weltrekorde durch kenianische Läuferinnen beim Diamond-League-Meeting in Eugene. Zunächst blieb Beatrice Chebet über 5000 Meter als erste Frau unter der 14-Minuten-Marke (13:58,06), zum Abschluss der Veranstaltung im US-Staat Oregon an der Westküste) verbesserte Faith Kigkegon über 1500 Meter ihren eigenen Weltrekord auf 3:48,68 Minuten. Aus deuter Sicht erfreulich: Tokio-Olympiasiegerin Malaika Mihambo übertraf mit 7,01 Metern erstmals in diesem Jahr die 7-Meter-Marke. Da spielte es keine Rolle, dass Paris-Olympiasiegerin Tara Davis-Woodhall  die Deutsche im letzten Durchgang mit 7,07 noch überflügelte.
  • MLB: Ein Glanzstück lieferte Pitcher Zach Wheeler von den Philadelphia Phillies ab. Am Sonntag gelang dem Werfer bei den Cincinnati Redsein sogenanntes Complete Game über 9 Innings, in denen er nur einen einzigen Hit und keinen Walk zuließ. 27 der 28 gegnerischen Schlagmänner machte er also aus, 12 von denen per Strikeout. Dieser eine Hit führte zwar gleich zu einem Homerun, dennoch siegten die Phillies, das Team von Max Kepler, mit 3:1. Mehr über die MLB wahrscheinlich morgen.

Schneckle auf großer Erfolgstour

Wimbledon, die 3. Runde

 

Das Rasenturnier in London bringt weiter riesige Überraschungen. Laura Siegemund fabrizierte am Freitag eine solche, als sie Australian-Open-Siegerin Madison Keys aus dem Turnier nahm. Mit ihrem abwechlungsreichen und zum Teil äußerst ungewöhnlichen Tennis (unterschnittene Bälle, Netzangriff nach Returns) raubte sie der hochgewetteten Amerikanerin den letzten Nerv und siegte letztlich souverän in 2 Sätzen. Belohnt wird die Schwäbin, liebevoll Schneckle genannt ob ihrer Lockenpracht, mit einer Partie gegen eine sogenannte Lucky Loserin: Die Argentinierin Solana Sierra scheigerte zwar in der Qualifikation, rückte aber nach einer Absage ins Hauptfeld nach, wo sie völlig überraschend gleich 3 Siege landete gegen Olivia Gadeckie, Katie Boulter und Christina Bucsa. Siegemund gilt für diese Partie als leichte Favoritin, aber was besagt das schon?
Denn gerade im Frauen-Turnier ist die Überraschung zur Normalität geworden. Nur noch 5 der besten 15 sind im Achtelfinale ab heute vertreten. So scheiterte Lena Rybakina, die Siegerin 2022, ebenso (an der Dänin Caterina Tauson) wie Titelverteidigerin Barbora Krejcikova (Emma Navarro). Keiner Blöße gaben sich allerdings Aryna Sabalenka und Iga Swiatek hin, die jetzt als Favoritinnen aufs Finale gelten müssen. wäre allerdings fast verwunderlich, wenn es dazu kommt.

Bei den Männern beruhigte sich das Geschehen nach den Sensationen im Dauerpack. Am Samstag gab es geradezu einen Durchmarsch der Favoriten, die sich geradezu mühelos in jeweils 3 Sätzen durchsetzten. Jannik Sinner, Novak Djokovic und Ben Shelton scheinen erst mal unaufhaltsam (bevor sie im Viertel-, und Halbfinale aufeinandertreffen.

 

Bayern verlieren Spiel – und Musiala

 

Im Viertelfinale der Club-WM für die deutschen Vereine, die jetzt endlich auch hier etwas breiter Erwähnung finden. Bayern München verlor gegen Paris Saint Germain etwas unglücklich mit 0:2, obwohl der Champions-League-Sieger am Ende nach 2 Platzverweisen nur noch zu neunt auf dem Feld stand. Das Aus wird zu verschmerzen sein; viel, viel schwerer wiegt der Ausfall von Jamal Musiala. Nach einem Zusammenprall mit PSG-Schlussmann Gianluigi Donnarumma zog sich der brillante Mittelfeldmann eine offenbar schwere Beinverletzung zu. Die Regie ersparte den Zuschauern Bilder vom fürchterlich abstehenden Fuß Musialas, die schockierten Gesichter der umstehenden Spieler sagten alles. Eine genaue Diagnose und die Ausfallzeit stehen offenbar noch aus, ersten Berichten zufolge erlitt Musiala einen Waden-Beinbruch und Bänderverletzungen, dürfte also mehrere Monate fehlen.
Nach dem ersten Schock erhoben die Münchner ziemlich schwere Vorwürfe gegen Donnarumma. Der Italiener sei allzu ungestüm vor und in die Beine von Musiala gefallen, monierte etwa Schlussmann Manuel Neuer (der selbst mehrere solcher Aktionen in seiner Laufbahn getätigt hatte). Donnarumma selbst, der unmittelbar nach dem Zusammenprall völlig schockert auf dem Rasen stand und getröstet werden musste, bat um Entschuldigung. „Alle meine Gebete und besten Wünsche sind bei dir, Jamal Musiala!“ Dieser trat mit seinen Spielern den Rückflug an.
Durch die schwere Verletzung trat in den Hintergrund, dass Thomas Müller sein letztes (Pflicht)spiel für die Bayern bestritt. Nach 25 Jahren schließt sich das Kapitel, das Müller als Zehnjähriger beim FCB begann, und es wird immer ein Besonderes in der Club-Historie bleiben. Ob Müller seine Karriere fortsetzt (vielleicht in Los Angeles oder gar in Miami an der Seite von Lionel Messi?), steht noch nicht fest. Lothar Matthäus rät den Münchnern gar, angesichts von Musialas Verletzung dem Mittelfeldspieler einen weiteren Vertrag anzubieten. Ob die Tipps des deutschen Rekord-Nationalspielers beim deutschen Rekord-Meister erwünscht sind oder gar befolgt werden, steht nach den jüngsten Auseinandersetzungen mit Club-Ikone Uli Hoeneß  https://blickueberdenteich.de/woltemade-zu-den-bayern-oder-wie-man-alles-falsch-machen-kann/ auf einem anderen Blatt.

Auch Borussia Dortmund scheiterte in der Runde der besten Acht. Gegen Real Madrid verlor das Team mit 2:3. 90 Minuten plätscherte die Partie so vor sich hin. Die Madrilenen erzielten durch Gonzalo Garcia und Francisco Garcia (nicht verwandt oder verschwägert) 2 Tore in der 1. Halbzeit. Im zweiten Durchgang berannten die Borussen das Tor der Spanier, die sich aufs Nötigste beschränkten. Eine wilde Schlussphase entschädigte für manche Länglichkeit. Zunächst verkürzte Maximilian Beier auf 1:2, der eingewechselte Kylian Mbappé stellte den alten Vorsprung wieder her. Der BVB wollte nicht aufgeben, und Serhou Guirassy vewandelte einen Foulelfmeter. Danach hatten die Borussen gar den Ausgleich auf dem Fuß, doch Real-Schlussmann Thibaut Courtois rettete mit einer Glanzparade gegen Marcel Sabitzers Schuss (nicht ganz genug platziert gegen den Weltklasse-Kepper?) den am Ende glücklichen Erfolg.
Die Madrilenen treffen am Mittwoch (21 Uhr) in New Jersey im Halbfinale auf PSG (Mbappés Ex-Verrein), tags zuvor zur selben Zeit emitteln Fluminense Rio und der FC Chelsea den Finalgegner.

 

Deutsche Frauen gewinnen, Giulia Gwinn muss abreisen

 

Die Auftaktspiele für ein Großereignis wie jetzt die Fußball-EM in der Schweiz sind immer knifflig. Die deutschen Frauen gewannen nach verhaltenem Auftakt letztlich sicher mit 2:0 Toren gegen Polen. abwehrschwächen waren nicht zu übersehen, und hätte der Gegner mehr Stürmerinnen vom Kaliber einer Eva Pajor gehabt, wäre das Team von Trainer Christian Wück nicht ohne Gegentreffer geblieben.

Auch hier überschattete eine verletzung die Partie. Kapitänin Giulia Gwinn erwischte es bei einer fulminanten Abwehr-Aktion und musste das Feld verlassen. Mit einer Innenbandverletzung kam die Spielerin von Bayern München zwar noch glimpflich davon, doch das Turnier ist für sie beendet. Sie verließ das Quartier am Sonntag, damit sie sich in München um die Reha kümmern kann. Ein herber Verlust für das Team, das ihre klare Anführerin und das Gesicht verlor. „Wir wollen jetzt für Giuli kämpfen“, gibt sich Team-Managerin Nia Künzer kämpferisch. Geplant ist offenbar, dass Gwinn zum dritten Vorrundenspiel gegen Schweden am Samstag wieder zur Mannschaft stößt, um diese von außen zu unterstützen. Zuvor müssen die Deutschinnen am Dienstag gegen Dänemark ran, das allerdings nicht mehr so stark wirkt wie in den vergangenen Jahren.

Top-Favorit des Turniers ist und bleibt Spanien. Die Weltmeisterinnen von 2023 untermauerten am 1. Spieltag ihre Position mit einem klaren 5:0 gegen Portugal (deren Spielerinnen sichtlich angefasst waren vom Tod ihrer Landsleute Diogo Jota und dessen Bruder André). Die Breite des Kaders ist beeindruckend wie furchteinflößend. So konnten es sich die Spanierinnen leisten, dass sie zunächst auf  Aitana Bonmati verzichteten. Die Weltfußballerin kam erst in der 81. Minute aufs Feld, um etwas EM-Luft zu schnuppern.
Eine (nicht sehr große) Überraschung gelang Frankreich. Les Bleues gewannen nach eine aufregenden Partie mit 2:1 gegen Titelverteidiger England. Die Gastgeberinnen aus der Schweiz unterlagen in ihrem Auftaktmatch trotz ansprechender Leistung ind 1:0-Führung zur Pause mit 1:2 gegen Gruppen-Favorit Norwegen

 

Furchtbarer Unfall reißt Diogo Jota aus dem Leben

Es sind Meldungen wie diese, die mich innehalten lassen. Die jeden Sportjournalisten zum Nachdenken bringen müssten, wenn er  „Katastrophe“. „tragisch“ oder „entsetzlich“ tönt, obwohl er nur über schnöde Sportergeignisse schreibt. Klar, es hängt viel dran, und die Befindlichkeit von Fans möchte ich keineswegs kleinreden (wie oft war mein Wochenende nach Löwen-Niederlagen versaut), aber Diogo Jotas tödlicher Unfall relativiert das doch alles.

Der Stürmer des FC Liverpool verlor am Donnerstag aus noch nicht geklärten Umständen die Kontrolle über seinen Lamborghini, der über eine Böschung schoss und sofort in Flammen aufging. Jota (28) hatte keine Chance. Wie sein Bruder André (25) verbrannte er „bis zur Unkenntlichkeit“, wie der Polizeibericht vermeldete. Ich will mir nicht vorstellen, wie es den nächsten Angehörigen bei der Identifizierung erging. Besonders tragisch: Nur weil ihm sein Arzt wegen gesundheitlicher Probleme einen Flug nach Liverpool verboten hatte, befand sich Jota mit seinem Auto auf dem Weg zu einem spanischen Hafen, wo er mit einem Schiff die Rückreise antreten wollte.

So weit, so katastrophal. Jota hinterlässt seine Ehefrau Rute Cardoso und 3 gemeinsame Kinder. Erst 11 Tage vor dem Unfall hatten die beiden geheiratet, eine Jugendliebe aus der Schulzeit. Die Zukunft schien rosig. Beim FC Liverpool spielte der Angreifer eine sehr wichtige Rolle. Der deutsche Trainer Jürgen Klopp hatte ihn von 2020 von den Wolverhampton Wanderers geholt, wo er herausragende Leistungen gezeigt und den Club in die Premier League hatte. Auch bei den Reds war er sehr auffällig, trug wesentlich zur Meisterschaft 2025 bei. Erst vor 3 Wochen feierte er mit dem portugiesischen Nationalteam den Gewinn der Nations League, wo er als Auswechselspieler regelmäßig zum Einsatz kam.  „Diogo Jota war nicht nur ein fantastischer Spieler, der fast 50 Länderspiele für die Nationalmannschaft bestritten hat, sondern auch ein außergewöhnlicher Mensch, der von all seinen Mit- und Gegenspielern respektiert wurde, der eine ansteckende Freude ausstrahlte und ein Bezugspunkt in seiner eigenen Gemeinschaft war“, schrieb der Verband. Auch der jüngere Bruder André (25) war Profi-Fußballer. Er spielte zuletzt beim portugiesischen Zweitligisten Penafiel.

Wie in Südeuropa üblich, kam es sehr schnell zur Beisetzung. Am Freitag die traditionelle Totenwache, wo nicht nur das gesamte Team des FC Liverpool die letzte Ehre erwies, sondern auch viele portugiesische Nationalspieler, die aus der ganzen Welt sich in die kleine Stadt in der Nähe von Porto aufmachten, um ihren Mitspieler und vor allem Freund die letzte Ehre zu erweisen. Am Samstag die Beerdigung im engsten Kreis von Familie und Freunden in eben jener Kirche, wo sich Diogo und Ruta das Jahrwort gegeben hatten und wo sie sich offenbar kennen- und liebengelernt hatten. Zwei Rosenkränze in Form eines roten Dresses trug da Pool-Kapitän Virgil van Dijk, mit den Nummern 20 und 25, also diejenigen, die Diogo und André auf dem Rücken ihrer Trikots trugen.

Der FC Liverpool zeigte sich erkenntlich – und großzügig. Die Rückennummer „20“ wird nicht mehr vergeben. Und der Club will das Gehalt vertragsgemäß weiterzahlen, mehr als 500.000 Euro pro Woche für die nächsten 2 Jahre. Wenigstens wird die Familie also keine finanziellen Nöte haben. Ein ganz schwacher Trost für die Ehefrau und für die Eltern, die auf einen Schlag  2 Söhne verloren haben.

 

Frühes Favoritensterben

Wunderliches Wimbledon, 2. Runde

 

Ein Fazit sowie einige Anmerkungen zu Alexander Zverevs bemerkenswerter Pressekonferenz nach seiner Niederlage

 

Draper und Paolini schon raus

 

Auch in der 2. Runde hatten es die Favoriten auf dem noch grünen Rasen schwer, und manche Stars mussten ihre Hoffnungen  schon begraben. Von den insgesamt 64 gesetzten Frauen und Männer haben bereits sage und schreibe 37 (17 Frauen, 20 Männer, wenn ich mich nicht verzählt habe), bereits die Segels streichen müssen. In manchen Setzvierteln herrscht schon eine sehr große Leere, und so wäre es wenig verwunderlich, würden wir im Halbfinale Akteure antreffen, die sich selbst dort nichtn in ihren kühnsten Träumen shene würden. So erwischte es in der 2. Runde den Amerikaner Tommy Paul gegen Sebastian Ofner aus Österreich, noch überraschender kam das Aus des britischen Lokalmatadoren Jack Draper gegen Marin Cilic; eigentlich hat der Kroate seine besten Tage (US-Open-Sieg, Wimbledonfinale) schon längst hinter sich, doch er scheint einen Jungbrunnen gefunden zu haben.
Wenigstens die Top-Favoriten gaben sich keine Blöße. Carlos Aláraz, Jannik Sinner und Novak Djolovic landeten glatte 3-Satz-Erfolge, Tayler Fritz brauchte wie in der 1. Runde die volle Distanz gegen den aufschlagstarken Kanadier Gabriel Diallo.

Auch bei den Frauen ging der Aderlass der Stars weiter. So erwischte es die tschechische Wimbledonsiegerin 2023, Marketa Vondrousova, die gegen die englische Lokalmatadorin Emma Raducanu ihre Meisterin fand. Jasmine Paolini aus Italien, Finalistin in Wimbledon 2024, zog gegen die Russin Kamilla Rakhmowa den Kürzeren.

Und die Deutschen? Trugen zum Favoritensterben bei, denn sowohl Laura Siegemund (gegen Leyla Fernandez) als auch Jan-KLennard Struff (Felix Auger-Allisasime) zogen durch Erfolge gegen Gesetzte aus Kanada in die 3. Runde ein. Dort wird Struff mit einem Spiel auf dem Center Court gegen Alcáraz belohnt, während es Siegemund mit der amerikanischen Australian-Open-Siegerin Madison Keys zu tun bekommt.. Ein echter Schlager beschließt den Tag auf dem Center Court. Die Britin Emma Raducanu darf sich gegen die Nummer 1 Aryna Sabalenka durchaus Chancen einräumen (kann allerdings auch von der Weißrussin abgeschossen werden!).

 

Zverevs Geständnis

 

Die Worte des Hamburgers nach seiner Niederlage gegen Arthur Rinderknech

https://blickueberdenteich.de/zverev-macht-zverev-dinge/

waren ein einziger Hilfeschrei. Und  beleuchteten sehr viel mehr als nur eine schnöde Niederlage im Tennis. Er habe zurzeit keine Freude mehr am Leben, bekannte Alexander Zverev. Fühle sich einsam auf dem Platz, aber auch außerhalb. „Es ist nicht nur Tennis. Ich fühle mich insgesamt sehr allein und sehr, sehr einsam im Leben.“
Die Finalniederlage von Melbourne wirkt offenbar immer noch nach, wo er gegen Jannik Sinner absolut chancenlos war. Gut 5 Monate ist das her, aber seitdem spielt Zverev für seine Verhältnisse äußerst bescheidenes Tennis, ungeachtet des Turniererfolgs in München Ende April.
Es war kein Vorwurf gegen bestimmte Personen, aber das Verhältnis gerade zum Vater ist offenbar belastend. „Niemand spricht mit mir. Mein Vater hat nach 20 Jahren genug von mir und geht direkt nach dem Match nach Hause. Mein Bruder hat hier seine Kinder dabei und hat zu tun. Ich stehe allein vor dem Spiegel und spreche mit mir selbst.“ Zverev wurde deutlich: „Nur meine vierjährige Tochter macht mich glücklich.“ Die allerdings weit weg bei der getrennt lebenden Mutter lebt.

Mag sein, dass er im ersten Frust über die Niederlage allzu drastische Worte gefunden hat, Tatsache allerdings ist auch, dass auch er jetzt Veränderung anstrebt. Sogar eine Therapie, die er bisher kategorisch ausschloss, steht offenbar zur Debatte. Er habe sich noch nie so leer gefühlt. Er hoffe, beim Masters-1000-Turnier im kanadischen Toronto Ende Juli weitere Antworten geben zu können.

Ich bin nicht unbedingt der größte Zverev-Fan. Aber allergrößten Repekt, dass er so offen über die Einsamkeit im Profitennis sprach, die wahrhaftig nicht nur den Deutschen befällt. Es gibt wohl keinen Sport, wo der Athlet/die Athletin so allein auf sich gestellt ist, wo jede Regung über Stunden auf dem Platz von der Öffentlichkeit (und natürlich vom Gegner) registriert wird. Keine Minute dort zum Verstecken wie beim Mannschaftssport. Ewiges Herumreisen von Ort zu Ort, wo sie dann doch nur die Hotelzimmer und Tennisanlagen sehen. Kein Zweifel, die Topstars werden mehr als üppig belohnt, aber der Preis scheint manchmal arg hoch. Wie schrieb Andre Agassi in seiner fantastischen Autobiographie „Open“? Er habe Tennis gehasst. Offenbar steckte in diesen Worten sehr viel mehr Wahrheit als von mir angenommen und war nicht nur Koketterie.