Das war die Woche, die war, Teil II

Frühes Aus für Rodgers

Was war das für ein Hype rund um den Wechsel von Quarterback-Legende Aaron Rodgers von den Packers zu den Jets, vom beschaulichen Green Bay in den Moloch New York. Und dann? Beim ersten regulären Saisonspiel für die Jets diese Nacht gegen die Bills muss der 39-Jährige bereits im ersten Drive nach nur vier Spielzügen verletzt das Feld verlassen. Befürchtet wird ein Achillessehnenriss, der das Saisonaus bedeuten würde. Er mag umstritten sein wegen verschiedener Aussagen und seinem verächtlichen Abwinken seinen Mitspielern gegenüber, wenn diesen es wagten, einen seiner Bälle fallenzulassen: Aber das gönnt man niemanden, zumal er sich voller Tatendrang zeigte. Die Jets gewannen dann doch dank zweier Wundertaten. Der Touchdown-Catch von Garrett-Wilson https://www.youtube.com/watch?v=TiJq585qsOs nach Pass von Rodgers-Ersatz Zach Wilson sowie der entscheidende Punt-Return-Touchdown über 65 Yards des ungedrafteten Xavie Gipso nhttps://www.youtube.com/watch?v=6eWPm5ZGtdk. Auf der anderen Seite leistete sich Bills-QB Josh Allen drei Interceptions und einen lost Fumble – war nicht sein Tag.

Ansonsten ging es für manchen Favoriten ziemlich mühsam los. Die Chiefs verloren zu Hause gegen die Lions, für die der Deutsche Amon Ra St. Brown den ersten Touchdown der Saison fing. Noch schlimmer war die Vorstellung des Co-Favoriten Cincinatti Bengals, die bei den Browns mit 3:24 untergingen und dabei nur 142 Offensiv-Yards produzierten. Quarterback Joe Burrow wirkte alles andere als fit. Ein Desaster erlebten auch die NY Giants beim 0:40 gegen den Erzrivalen Dallas Cowboys.

All Blacks bereits unter Druck

Die Rugby-WM hat gleich mit einem Schlager begonnen, und es könnte durchaus sein, dass wir diese Partie auch beim Finale wiedersehen, allerdings nur, wenn sich Neuseeland gehörig steigert. Gastgeber Frankreich hat sich mit Neuseeland gleich den stärksten Gruppengegner zum Eröffnungsspiel gewünscht (was im Rugby alles geht) und mit dem Sieg ein Achtungszeichen gesetzt. Es war die erste Vorrundenniederlage der All Blacks überhaupt bei einer WM. Der Spielplan hat es ja in sich, denn die besten vier Mannschaften befinden sich alle in einer Tableau-Hälfte. Viertelfinalpaarungen wie Frankreich vs Irland und Neuseeland vs Südafrika sind da möglich. In der Frankreich-Gruppe ist überdies Italien nicht zu unterschätzen.

Das beste Spiel ders Wochenendes war Wales s Fiji, als Fiji drauf und dran war, am Ende des Spiels noch einen Versuch zu legen, der den Sieg bedeutet hätte, es aber durch einen blöden Fehler nicht schafften. Aber deren Art des Rugby begeistert mich.

Cori Gauff ohne Nerven

Was war das für ein Druck für eine 19-Jährige. Nichts anderes als den Sieg bei den US Open verlangte die amerikanische Öffentlichkeit von Coco Gauff. Nach einem haarigen Auftakt gegen Laura Siegemund, als sie drei Sätze brauchte, cruiste sie ziemlich ungefährdet bis ins Finale. Dort wartete Alyna Sabalenka. Die beeindruckte bis zum Halbfinale, wo sie dann Madison Keys erst im Tiebreak des dritten Satzes ausschaltete. Kurios, dass sie verfrüht jubelte, weil sie nicht checkte, dass im dritten Satz der Tiebreak bis 10 und nicht wie üblich nur bis 7 gespielt wird.

Im Finale dominierte zunächst die Weißrussin, doch Gauff, fanatisch bis unfair angefeuert vom Publikum, das zum Teil auch jeden Aufschlagfehler von Sabalenkaa bejubelte, steigerte sich und holte sich die Sätze 2 und 3 und damit den Titel. Sie war ja schon vor vier Jahren als 15-Jährige ein Versprechen, dass das amerikanische Tennis auch nach dem Rücktritt der Williams-Schwestern eine starke Vertreterin haben würde. Wahrscheinlich war es für sie ein Glück, dass sie nicht sofort durchstartete, sondern so manchen Rückschlag hinnehmen musste. Sie konnte an ihrem Spiel feilen, und diesen Sommer ging der Knopf auf. Vielleicht war tatsächlich die Verpflichtung von Brad Gilbert, der zu seinen aktiven Zeiten die Gegner mit taktischen Spielchen der entscheidende Puzzlestein (Winning ugly heißt nicht umsonst seine Biographie). Dem Frauentennis stehen spanndende Zeiten bevor mit Gauff, der neuen Nummer 1 Sabalenka und nicht zu vergessen Iga Piatek, die jetzt befreit von der Bürde der Nummer 1 befreit wieder angreifen will und wird.

Der Djoker – eine Klasse für sich

Ich mag ihn nicht wegen seiner Mätzchen (diese entsetzliche Balltipperei vor seinen Aufschlägen, gegen die die Referees leider kaum vorgehen). Seine Spielweise finde ich nicht wirklich inspirierend, ist mir zu technokratisch. Doch was Novak Djokovic auf dem Platz leistet seit fast 20 Jahren, ist unglaublich gut. Bei den US Open triumphierte er und gab, quasi aus Versehen und Nachlässigkeit, nur zwei Sätze in einer der ersten Runden ab. Gerade die Spiele gegen die gehypten Gastgeber Taylor Fritz und Ben Shelton im Viertel- und Halbfinale waren Extraklasse. Und auch im Finale gegen den bärenstarken Daniil Medwedew zeigte er in den entscheidenden Momenten, dass er einfach nicht totzukriegen ist. Gerade in Tiebreaks steigert er sich noch einmal.

Die Grand-Slam-Bilanz des Djoker in diesem Jahr: Drei Siege und eine ganz knappe Final-Niederlage in Wimbledon vs Carlos Alcaraz, der in NY an Medwedew scheiterte.

Es gibt wenig Anlass zu glauben, dass sich an dieser Hegemonie Wesentliches ändert, zumal Djokovic weitere Großtaten bereits angekündigt hat. Mich würde es wundern, wenn er im nächsten Jahr seinen 24 GS-Titeln nicht den einen oder anderen hinzufügen würde. Ich persönlich nehme das leider mehr und mehr nur noch mit einem Achselzucken hin. Sicher ungerecht, aber mir reicht es einfach, wenn immer derjenige gewinnt, der meine Sympathien eben nicht hat.

Und sonst?

Es war einmal die Rudernation Deutschland, die bei Weltmeisterschaften regelmäßig eine gehörige Titelsammlung mit nach Hause brachte. Davon ist wenig übriggeblieben. Heute wird schon freudig vermeldet, dass sich der Deutschland-Achter mehr schlecht als recht für Olympia qualifiziert hat. Ganz mit leeren Händen kehrte das deutsche Team dann doch nicht von der WM aus Serbien zurück. Oliver Zeidler siegte im Einer zum dritten Mal bei einer WM und verhinderte die deutsche Nullnummer.

Die deutschen Volleyballer werden es den Basketballern nicht gleichtun. Bei der EM war bereits im Achtelfinale Schluss durch ein 2:3 gegen Holland. Man begann mit drei Siegen, doch gegen die starken Gegner Serbien, Italien und eben Holland verlor man trotz harter Gegenwehr. Da fehlte einfach das entscheidende Quäntchen.

Iron-Man-WM in Nizza – das hört sich falsch an und ist auch falsch. Dieses Rennen gehört nach Hawaii, Punkt. Aber die Veranstalter kamen eben zum Schluss, die Konkurrenzen für Frauen und Männer künftig zu trennen. Also mussten die Männer dieses Mal mit Nizza vorliebnehmen, auf einem fürs Radfahren ungewohnt bergigen Terrain.. Es scheint aber alles gutgegangen zu sein, und am Ende siegte Überraschungsmann Sam Laidlow, der sich auf dem Rad einen großen Vorsprung erarbeitete, den er nicht mehr abgab. Patrick Lange aus Deutschland schaffte mit einer überragenden Laufleistung noch Platz 2. Es war der letzte Triathlon von Jan Frodeno, der aber mit der Spitze nichts mehr zu tun hatte. „Der Gladiator stirbt in der Arena“, rief er vom Rad den ARD-Mikrofonen zu. Es war der (nicht so krönende, aber was solls) Abschluss einer großen Triathlon-Karriere mit Olympiasieg und drei Triumphen auf Hawaii. Dort übrigens ermitteln die Frauen im Oktober ihre Weltmeisterin. Nächstes Jahr ist es genau umgekehrt.

Das wird die Woche, die wird

Gleich heute also die Möglichkeit zur Rehabilitation für die deutschen Fußballer mit Interims-Coach (wirklich nur Interim?) Rudi Völler auf der Bank. Der Gegner in Dortmund könnte mit Frankreich kaum schwerer sein, und vielleicht liegt gerade da die Chance – allerdings auch die Gefahr eines erneuten Desasters wie am Samstag gegen Japan. Viel ändern konnte Rudi Nationale natürlich nicht, aber ich erwarte die Spieler mit Messern zwischen den Zähnen.

Ansonsten endet heute die Qualifikations-Woche für die EM in Deutschland unter anderem mit der Partie Schweden gegen Österreich.

Am Wochenende setzt sich der Liga-Betrieb in allen Ländern fort – in Deutschland bereits am Freitagabend mit dem Schlager Bayern gegen Bayer, also Zweiter vs Erster (wer terminiert so etwas nach einer strapaziösen Länderspielunterbrechung?). Hoffentlich haben alle Beteiligten die zum Teil langen Reisen zu den Länderspielen gut überstanden.

Ansonsten geht die Vuelta in die entscheidende Woche. Remco Evenepoel hat sich ja mit seinem Einbruch am Tourmalet aus dem Rennen um den Gesamtsieg verabschiedet, trumpfte allerdings tags darauf mit einem Soloritt auf. Drei Fahrer von Jumbo, der zurzeit Führende Sepp Kuss, Primoz Roglich und Tour-Sieger Jonas Vingegaard, dürften das Rennen unter sich ausmachen.

Die Volleyball-EM wird diese Woche entschieden. Wer will, kann sich das für 15 (?) Euronen bei Magenta antun.

Wie jedes Jahr eine Woche nach den US Open Daviscup. Die Deutschen spielen Relegation in Bosnien Herzegowina, allerdings ohne Alexander Zverev, für den Maximilian Marterer nominiert wurde. Müsse sich trotzdem ausgehen.

Weiter geht auch die Rugby-WM in Frankreich. Pickt Euch raus, was Euch gefällt.

Und auch wenn man es angesichts der Hitze sich nicht vorstellen kann: Die DEL öffnet ihre Pforten. Am Donnerstag erwartet Titelverteidiger Red Bull München die DEG. Es ist die letzte Saison im alten Olympia-Eisstadion, bevor es nächstes Jahr in den SAP Garden geht.

Last but not least steht für mich und alle glücklichen Kartenbesitzer am Wochenende ein echtes Schmankerl an. Ein Vierer-Basketball-Turnier unter anderem mit Bayern München und Alba Berlin und hoffentlich einigen Weltmeistern im früheren Audi Dome, der jetzt BMW Park heißt. Für mich spannender als der Wiesn-Anstich am Samstag.

Habt eine schöne Woche

 

Das war die Woche, die war, Teil I

Nach dem f+r ich sehr anstrengenden Wochenende mache ich es diesmal in zwei Teilen. Heute Basketball und Fußball. Morgen der Rest und der Ausblick auf die kommende Woche.

Meine Nerven

Es ist für mich immer noch unwirklich, aber die deutschen Basketballer sind tatsächlich Weltmeister geworden. Acht Spiele acht Siege, lautet die beeindruckende Bilanz. Im Endspiel gegen die Serben war es die erwartet enge Partie, aber am verdienten Erfolg wird hoffentlich niemand deuteln. Und Dennis Schröder ist MvP – völlig verdient. Matchwinner gegen Serbien, als er am Ende wie ein Champion Verantwortung übernahm und sich mit einem Solo für die „deutsche Basketball“-Ewigkeit durch die serbische Abwehr schlängelte. Aber er war nur Primus inter pares einer mannschaftlich extrem geschlossenen Einheit, angeleitet von Trainer Gordie Herbert, der einerseits Freiräume gewährleistete, andererseits auch eine klare Linie verfolgte an der sich alle halten mussten und hielten.

Das Spiel, an das ich  sehr lange denken werde, war allerdings die Partie gegen die USA – mein Sporthöhepunkt des Jahres und noch viel mehr. Hier sind die Deutschen über sich hinausgewachsen, haben in einer grandiosen Art und Weise dagegengehalten. Dass dann ein Andi Obst so aus dem Sattel herausgeht und die Dreier nur so versenkt, war in dieser Form nicht zu erwarten, obwohl der Bayern-Profi schon so manchen Sahnetag erwischt hat.

Ja, es fehlten einige Superstars bei den USA, und auch die Serben mit einem Nicola Jokic wären wohl noch stärker gewesen; höchstwahrscheinlich wären diese beiden Teams zu schwer gewesen, aber weiß man es? Es können sich halt nur die messen, die da waren, und da waren die Deutschen halt am besten. Punkt. Und mit Sicherheit war das US-Team keine Ansammlung drittklassiger Spieler, wie ich in manchen Kommentaren bei anderen Seiten lesen musste. Die Zeiten eines Dreamteams 92, als die Gegner Fotos von Jordan, Johnson und Co machten, sind ohnehin vorbei. Kein Grund also, den Triumph in irgendeiner Form madig zu machen. Umso größere Vorfreude auf Olympia 24 in Paris, wenn dann wahrscheinlich wirklich die Besten der Besten am Start sind.

Ende mit Schrecken

Es war klar, dass nach dem 1:4 der deutschen Fußballer gegen Japan Bundestrainer Hansi Flick nicht mehr zu halten war. Für viele völlig unverständlich, hielt der DFB trotz des frühen Vorrundenaus in Katar und den furchtbaren Testspielen im ersten Halbjahr weiter an Flick fest. Dessen Trainer-Reputation resultiert ohnehin allein auf dem „Sextuble“ 2021 mit den Bayern. als sie, in den schwersten Corona-Zeiten, alles abräumten, was abzuräumen war. Sicher eine tolle Trainer-Leistung, aber davor hatte er nie gezeigt, dass er ein Team formen kann und junge Spieler besser.

Jetzt ist Flick also Geschichte, aber allein deshalb ist bestimmt nicht alles gut. Es war ja nicht Flick, sondern gestandene Profis, die sich von den Japanern haben vorführen lassen. Und Flick hat auch nicht auf dem Rasen diese grotesken Fehler gemacht, die wir am Samstag gegen Nippon (und auch die Spiele zuvor) aus deutscher Sicht erleiden mussten. Die Willenslosigkeit, die da einige auf dem Platz zeigten, war allerdings bemerkenswert. Spielten da einige gegen den Trainer?

Jetzt also gegen Frankreich für ein Spiel, und bitte auch wirklich nur ein Spiel, mit Rudi Völler auf der Bank. Der ewige Rudi, der immer wieder einspringt, wenn Not am Mann ist. Ich würde ihm gönnen, wenn das morgen kein Desaster wird gegen ein absolutes Klasseteam. Aber dann möge es auch gut sein mit Tante Käthe, zumindest als Trainer.

Aber einen guten Nachfolger zu finden, wird mitten in der Saison sehr schwierig. Matthäus und Sammer haben schon abgesagt – mal schauen, ob sie dabei bleiben. Es dürfte auf Julian Nagelsmann hinauslaufen: Ein guter Trainer zweifelsohne, aber ob er geeignet für den Job eines Bundestrainers ist? Er ist halt noch sehr jung, und ich sehe ihn eher als Vereinstrainer mit dort täglicher Arbeit. Sonst würde sich ein Blick ins Ausland lohnen. Allen Ernstes fiel ja schon der Name Louis van Gaal – der hätte wirklich was.

Watzkes Irrflug

Bisher hatte sich Hans-Joachim Watzke einen glänzenden Ruf als Fußball-Funktionär erarbeitet, der Borussia Dortmund vorm Ruin gerettet und in erfolgreiche Zeiten geführt hat. Dieser Ruf hat extrem gelitten – und wahrscheinlich nicht nur bei mir. Wie er vor ein paar Monaten gegen all die wetterten, die sich gegen einem Investor der DFL sträubten, war schon peinlich genug. Uneinsichtig wie ein bockiges Kind räumte er damals alle Bedenken beiseite, obwohl das Konzept einfach nicht ausgereift genug war, um es durchzuwinken..

Wie er in der vergangenen Woche gegen das neue Ausbildungskonzept wetterte, setzte allerdings allem die Krone auf. Ohne Sachkenntnis, wie sich zeigte. Kurz gesagt soll bei den ganz jungen Spielern der Spaß an der Sache und nicht der tabellarische Erfolg im Vordergrund stehen. Mit neuen Spielformen wie zum Beispiel mit einem Kleinfeld auf vier Tore. Da kann sich keiner mehr verstecken, ist viel öfter am Ball, muss sich technisch durchsetzen.

Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, muss sich zeigen. Aber es ist nicht der Untergang des Abendlandes, wenn nicht Monate danach noch Tabellen auf Ergebnisse hinweisen. Und jeder, der sich auch in irgendeiner Form sportlich mit anderen misst, will auch gewinnen. Ich erinnere mich mit Grausen an frühe Tischtennis-Partien mit meinem Vater und – noch schlimmer – an eine desaströse Niederlage gegen die Mädchen unserer Klasse. Natürlich war der Schiedsrichter schuld … Das nagt, und im „Revanche“Spel“ schoss ich vier Tore. Na ja

Was ich damit sagen will: uch wenn es keine offiziell bekundeten Spiele mehr geben sollte. Man strengt sich trotzdem an – und wir reden hier von Kindern, die höchstens zehn Jahre alt sind. Ich persönlich kann von all den Jugendtiteln ohnehin wenig anfangen: Viel wichtiger ist die Ausbildung zu einem gestandenen Profi, aber viele Trainer sehen leider nur den kurzfristigen Erfolg. Ein Fehler des Systems?

Und Rubiales geht doch

Mitten in den Sportwahnsinn am Sonntag mit Fußball, Basketball, Rugby et all ploppte die Meldung auf, dass Luis Rubiales jetzt doch als Präsident des spanischen Fußball-Verbandes zurücktritt. Jener Rubiales, der die Frauen-Weltmeisterin Jenni Hermoso bei der Siegerehrung auf den Mund geküsst hat, offenbar ohne deren Willen. Ich persönlich fand es ja noch viel schlimmer, als er nach dem Schlusspfiff sich ungeniert und in unmittelbarer Nähe seiner Königin und deren Tochter längere Zeit sich ungeniert vor Freude an den, Entschuldigung, Sack gefasst hat und später eine Spielerin wie einen Sack Mehl über den Platz trug. Die folgenden Wochen waren furchtbar: über den Triumph der Spanierinnen sprach kein Mensch mehr, sondern es gab nur noch die Diskussion über die Statthaftigkeit. Juristen hatten ihre Freude, ob das Verhalten von Rubiales eine „schwere“ oder „sehr schwere“ gewesen sein. Dass dann die Mama aus Protest sich in den Hungerstreik in einer Kirche verzog, war dann zum Drüberstreuen. Wird sie jetzt wieder essen?

Immerhin konnten wir auch in Deutschland so einiges lernen, wie einige Fußball-Granden es mit den Frauenrechten so halten. Karl-Heinz  Rummenigge, ein guter Bekannter von Rubiales, fand das „nicht so schlimm“. Na ja, der Kalle halt …

 

Nicht nur körperlich groß

Es ist vollbracht! Zum ersten Mal überhaupt sicherten sich die deutschen Basketballer den WM-Titel. Wie im Viertelfinale gegen Lettland, als sie nur mit Glück dem Ausscheiden entkamen, und dem Thriller im Halbfinale gegen die USA machten es die Jungs um Trainer Gordon Herbert extrem spannend. Gott sei Dank, dass die WM vorbei ist. Noch so ein Spiel hätten meine Nerven vielleicht nicht mehr mitgemacht. Und wenn sogar Leute, die mit Basketball wenig am Hut haben, vor Aufregung kaum mehr hinschauen können …

Dabei sah es Mitte des letzten Viertels vemeintlich komfortabel aus bei einer Zwölf-Punkte-Führung. Doch die schmolz so schmell dahin wie die Butter in der Sonne, und die Serben, trainiert vom Deutschland-Kenner Svetislav Pesic kamen bis auf drei Punkte heran. Dann übernahm endgültig der Mann das Kommando, der qua Amt dazu prädestiniert ist. Dennis Schröder fasste sich ein Herz, wagte ein Slalom-Dribbling durch die beinharte Serben-Abwehr und legte den Ball souverän zwischen die Reuse. Ein echtes Meisterstück des Kapitäns, der insgesamt 28 Punkte auflegte. Wenn es noch irgendeinen Zweifel an seiner Befähigung gab, dass er auch wichtige Spiele entscheiden kann, wie ihn ein begnadeter Bild-Redakteur vor der USA-Partie hatte, sind diese verschwunden. Völlig zu Recht wurde er zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt – trotz seiner furchtbaren Partie vs Lettland.

Doch wie in den Partien zuvor hatte jeder so seine Verdienste. Franz Wagner schaffte am Ende 19 Punkte, Voigtmann glänzte in der Verteidigung wie das gesamte Team im zweiten Durchgang. Da kam Bojan Bojanovic, der in der ersten Hälfte eine grandiose Partie mit 15 Punkten ablieferte und die Deutschen vor schier unlösbare Probleme stellte, nur noch auf zwei Zähler. Dafür sprang einer ein, der eigentlich für die Verteidigung zuständig ist: Alexsa Avramovic drehte vor allem im Schlussabschnitt auf, erzielte innerhalb kürzester Zeit sechs Punkte (ein Dreier, drei Freiwürfe nach Foul bei Dreierversuch). Der Mann war drauf und dran, Albträume bei den deutschen Basketball-Fans zu verursachen, doch ganz am Schluss gingen auch ihm die Kräfte aus.

Wenig später war Schluss, und die Spieler konnten ihr Glück kaum fassen. Die Jubelszenen wirkten allerdings nicht ganz sooo exstatisch wie nach dem USA-Spiel. Sie waren tatsächlich einfach zu kaputt, nervlich und körperlich. Wie sehr so ein Turnier an die Substanz geht, war auch Gordon Herbert in einer bermerkenswerten Szene  anzusehen. Fast apathisch kauerte er am Boden.

Doch er wird sich erholen: Und immer mit diesem Triumph in Verbindung gebracht werden. Wie Pesic, der das deutsche Team 1993 in München zum EM-Triumph führte und sich jetzt als guter Verlierer zeigte.

Ein Extralob gehört dem Team von Magenta Sport, die eine grandiose Übertragung abgelierfert haben – wie schon im gesamten Turnier. Mitreißender und doch auch immer sachlicher Kommentar, und wunderbare Analysen und Interviews nach der Partie. Es gibt doch immer Preise für die beste Sportsendung des Jahres. Der müsste auf auf jeden Fall an die Jungs gehen – wie die Basketballer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Mannschaft des Jahres werden. Fun Fact: Mit keiner Silbe erwähnten sie den Rauswurf von Hansi Flick, auch nicht in der Nachberichterstattung. Peinlich genug, dass die offizielle Meldung darüber mitten in die spannende Schlussphase platzte. Aber vielleicht ist das tatsächlich ein bisschen eng gedacht.

Eine Frage bleibt für mich noch offen: Wie ist die Luft im Hause Bastian Schweinsteiger/Ana Ivanovic? Wie der Deutsche und die Serbin das Spiel, zusammen gesehen haben (wenn sie das denn getan haben), das wäre sicher interessant zu sehen sein.

Der Offenbarungseid

Größer könnte die Diskrepanz nicht sein: hier die Basketballer, die am Freitag in einer begeisternden Partie die favorisierten USA bezwangen und heute gegen Serbien um WM-Gold kämpfen. Das war individuelle Klasse gepaart mit Mannschaftsgeist, das bis zu Tode strapazierte „Einer für alle, alle für einen“ wurde hier tatsächlich mit Leben erfüllt, man kann die einzelnen Heldentaten gar nicht alle aufzählen. Und dort am gestrigen Samstag? Sahen wir fürchterliche deutsche Fußballer, die völlig verdient auch in dieser Höhe mit 1:4 gegen Japan verloren. Hier gab es Fehler über Fehler, niemand half den anderen. Die Auftritte bei der WM, als man trotz der Niederlage eben jenen Japanern überlegen war und im ersten Halbjahr wurden noch einmal übertroffen in negativer Hinsicht – man möchte es kaum glauben.

Fast noch bizarrer als die Leistung der Mannschaft war hinterher der Auftritt von Hansi Flick. Reichlich konfus analysierte er hinterher bei RTL die Partie, das sei ihm noch zugestanden nach dieser auch für ihn wahrscheinlich nicht zu erwartenden Demontage seiner Elf. Doch auch in der PK mit einigem Abstand behauptete er: „Ich finde, wir machen das gut, und ich bin der richtige Trainer. Wir sind überzeugt, von den, was wir tun, und deshalb geht es mit mir auch weiter.“ Kein Wort der Selbstkritik. Er habe seine Mannschaft gut auf den Gegner vorbereitet. Aha.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll: vielleicht beim Abwehrverbund, in dem sage und schreibe drei der kriselnden Dortmunder ihr Unheil anrichten durften noch dazu auf – wie bei Nico Schlotterbeck links – auf einer für ihn völlig ungewohnten  Position. Die Dortmunder haben ja schon Defensiv-Probleme, wenn es gut läuft, aber jetzt … Und warum Flick den völlig überforderten und fehlerhaften Schlotterbeck nicht wenigstens zur Pause von seinen Leiden erlöste – es bleibt Flicks Geheimnis. Aber Schlotterbeck war nur der Schlechteste unter vielen Schlechten

Erschütternd war die mangelnde Kreativität. Wo war eigentlich der spritzige Florian Wirtz, der in den drei Bundesligapartien zuvor mit Lob überhäuft wurde. Einmal, bei der feinen Vorlage vor dem 1:1 durch Leroy Sané blitzte sein außergewöhnliches Können auf. Doch in der 2. Halbzeit, als die Japaner sich zurückzogen, fiel auch ihm nicht das Geringste ein, die Abwehr auszuhebeln. Es war furchtbar, mit anzusehen.

Klar, die Japaner können wunderbar Fußball spielen, vor allem wenn man sie lässt. Sie zeigten die Leichtigkeit und Inspiration, die ich bei den Deutschen vermisste, und nur ter Stegen und ihrem Unvermögen vor dem Tor sei gedankt, dass es ergebnismäßig nicht noch schlimmer wurde.

In einem dreiviertel Jahr steht die Heim-EM an. Mehr denn je ist zweifelhaft, ob dann Flick noch der Trainer ist; ich hoffe nicht, wenn ich das mal so sagen darf. Von Vorfreude kann nicht im Entferntesten die Rede sein eher von Angst, was am Dienstag die Franzosen um Kylian Mbappé mit diesem defensiven Trümmerhaufen anstellen könnten. Aber vielleicht noch schlimmer im Hinblick auf die Zukunft und die EM wäre ein dahingewurschteltes Unentschieden, das den DFB-Verantwortlichen wahrscheinlich mit einem verbandstypischen Weiter so quittieren würden.

Dagegen steigt meine Vorfreude aufs Basketball-Finale von Minute zu Minute. Bringt den Cup nach Hause! Und sogar wenn nicht, weil die Serben eine extrem gute Mannschaft sind auch ohne Superstar Nicola Jovic: diesen großen Sportmoment vom Freitag kann euch und uns niemand mehr nehmen.

Warum ich Sport so liebe

So, eine gute Dreiviertelstunde hatte ich jetzt Zeit, meine Nerven wieder runterzubekommen nach diesem Basketballkrimi der Deutschen im WM-Halbfinale gegen die USA. 113:111 – mit so einem Ergebnis durfte niemand rechnen, weder mit dem Sieger noch mit dieser Punkteflut. Und genau diese Ungewissheit, wie es jetzt wirklich ausgeht, ist das Faszinierende am Sport und eben auch speziell im Basketball in einer spannenden Schlussphase wie heute.

Jetzt es gab aus deutscher Sicht ein Happy End und den Einzug ins WM-Finale. Freut mich wirklich für die Jungs. Und ich bin wahrlich nicht deutschtümelnd in dieser Beziehung, wie jeder, der mich nur ein bisschen kennt, bestätigen wird.

Klar, bei den US-Boys fehlten die absoluten Superstars wie Stephen Curry, Kevin Durant und LeBron James. Aber das war immer noch eine Top-Auswahl der NBA, der besten Liga der Welt. Jeder der eingesetzten Spieler dort ist in seinem Club führend. Dazu ist Trainer Steve Kerr mehrfacher Meistercoach und war außerdem ein brillanter Spieler mit etlichen NBA-Titeln. Und sie haben ja heute keinesfalls enttäuscht, hatten eine grandiose Trefferquote, zeigten wiederholt ihr außergewöhnliches Können.

Nein, die Deutschen brauchen sich diesen Erfolg nicht eine Sekunde miesmachen zu lassen. Was mich am meisten beeindruckte, war, dass sie ihr hochklassiges Spiel praktisch die ganze Zeit durchgehalten haben.

Es war eine tolle Mannschaftsleistung, in der alle eingesetzten Spieler ihren wichtigen Beitrag geleistet haben. Aber es waren drei Spieler neben Franz Wagner, der ist sowieso outstanding, die mich besonders fasziniert haben. Da ist zum einen Andi Obst. Die Bayern-Fans wissen, dass er an einem guten Tag praktisch aus jeder Position treffen kann. Aber das in einem WM-Halbfinale gegen ausgebuffte NBA-Profis zu zeigen, das ist schon grandios. Letztlich war es sein unglaublicher Dreier kurz vor Schluss trotz großer Bedrängnis, der die Partie entschied. Steve Kerr, selbst in seiner aktiven Zeit ein grandioser Distanzschütze, hatte ja vor ihm gewarnt. Jetzt wird er ihn wahrscheinlich gleich mit zu seinen Golden State Warriors mitnehmen 😀.

Zum Zweiten will ich Daniel Theis nennen. Er hatte eine furchtbare Saison, weil er kaum eingesetzt wurde wegen Verletzungen. Jetzt zeigte er vorne und hinten eine überragende Leistung. Kämpfte unermüdlich, trieb immer wieder an, debattierte mit den Schiedsrichtern (nie so weinerlich wie Doncic, wohlgemerkt). Ein echter Leader.

Und last but not least Dennis Schröder. Wie er zurückkam nach dem furchtbaren Spiel gegen Lettland, das er selbst selbst als das schlechteste seiner Karriere bezeichnete, war fantastisch. Kritik, Hohn und Spott – und zwar nicht nur wegen dieses Spiels, sondern, dass er in wichtigen Spieln generell untertauche, musste er sich von manchen Kritikern über sich ergehen lassen. Dabei hatte er zuvor Klasseleistungen gezeigt und wesentlichen Anteil, dass die Deutschen überhaupt so weit kamen. Trainer Gordie Herbert und das Team sagten ihm offenbar die richtigen Worte. Nicht nur traf er diesmal fast ausschließlich die richtigen Entscheidungen. Er übernahm in wichtigen Situationen auch Wurf-Verantwortung. Und für mich fast das Beste: Im Schlussabschnitt, als die Amerikaner ihn beim Ballvortrag hart bedrängten, leistete er sich nicht einen Ballverlust. Das macht einen Spielmacher aus.

Und jetzt? Wartet Serbien. Und eine fast schon jetzt kitschige Geschichte steht damit fest. Denn die Serben werden von Svetislav Pesic trainiert. Und der wiederum führte die Deutschen 1993 bei der EM zum ersten und einzigen Titel.

Das Wichtigste wird sein, von diesem emotionalen Höhepunkt wieder runterzukommen. Wie schwer das sein kann, haben die deutschen Fußballer beim WM-Triumph 2014 gezeigt. Nach dem unglaublichen 7:1 gegen Gastgeber Brasilien mühten sie sich zu einem glücklichen 1:0 im Finale gegen Argentinien. Am Sonntag wissen wir mehr. Übrigens überträgt neben Magenta Sport auch das ZDF (14.40 Uhr). Eine entsprechende Pressemitteilung verteilte der Sender übrigens kurz nach 16 Uhr, also bevor das Halbfinale beendet war. Dieser Jinx-Versuch ging schief …