Aufholjagd in Chicago

Blick über den Teich, NFL

Es war ein Spieltag der Aufholjagden, manche von Erfolg gekrönt, manche nicht. So lagen die Broncos bei den Bears bereits mit 7:28 zurück, doch dann besann sich Russell Wilson seiner alten Klasse bei den Seahawks und führte seine Mannschaft mit insgesamt drei Touchdownpässen zum Sieg. Ein Field Goal aus 51 Yards besiegelte die Niederlage für die Bears. Es war vielleicht das beste Spiel von Wilson, seit er im vergangenen Jahr von den Seahawks zu den Broncos gewechselt war und so viel Kritik einstecken musste.

Auch die Colts starteten eine veritable Aufholjagd zu Hause gegen die Rams.0:23 lagen sie zurück, doch in der 2. Halbzeit schafften sie drei Touchdowns. Der hochgedraftete Anthony Richardon zeigte eine bemerkenswerte Leistung mit zwei TD-Pässem und einen TD-Run. Belohnt wurde das Ganze allerdings nicht. Denn die Rams gewannen vor der Overtime den Münzwurf und nutzten den ersten Drive trotz eines sichtlich angeschlagenen Matthew Stafford zum Touchdown, der das Spiel beendete. Mir bleibt unbegreiflich, warum in einem solchen Fall der Gegner nicht noch die Möglichkeit zur Antwort hat, wie es mittlerweile bei einem Fieldgoal der Fall ist. Es kann doch nicht der Zufall Sieg oder Niederlage in dieser Art und Weise beeinflussen.

Erstaunlich spannend war die Partie zwischen den hochgewetteten Eagles und Außenseiter Commanders, in der die Eagles ebernfalls eine Overtime benötigten und hier sogar den ersten Ballbesitz der Commanders unbeschadet überstanden. Ändert nichts an meiner Einstellung, dass die OT-Regeln höchst ungerecht sind – und zwar ohne Not (und nur des Spektakls Willen?).

Vier Spiele, also fast ein Viertel,  haben alle Teams jetzt absolviert, und nur noch die Eagles und 49ers sind ohne Niederlage geblieben. Sie sind auch (vielleicht neben den Cowboys) die haushohen Favoriten für die NFC-Championship. Für mich den besten Eindruck machen die 49ers, offensiv unter anderem mit einem unglaublichen Christian McCaffrey und vor allem auch defensiv. Auch die Lions konnten den Vorschusslorbeer bestätigen mit einer 3:1-Bilanz. Dabei zeigt der Deutsch-Amerikaner Amon Ra St.Brown mehr als ordentliche Leistungen mit bisher zwei Touchdowns, auch wenn der absolut überragende Auftritt bisher fehlt. Für die bisher sieglosen Bears und Panthers wird es eine lange Saison.

Die absolute negative Überraschung sind die Bengals. Nicht nur wegen ihrer 1:3-Bilanz, die zumindest statistisch gesehen eine Play-off-Teilnahme sehr schwierig macht. Nein, es fehlt an all der Inspiration, die das Spiel der Bengals in den vergangenen beiden Jahren so aufregend gemacht hat. Gerade Quarterback Joe Borrow ist ein Schatten seiner selbst, er wirkt allerdings auch nicht hundertprozentig fit. Gerade mal zweimal hat die einstige und hoffentlich baldige Touchdown-Maschine den Ball in die gegnerische Endzone befördert, sein bestes Rating ist 85, und zweimal lag es bei unter 60 – ein unterirdischer Wert. Er wird allerdings auch von seinem Receiving-Corps ziemlich im Stich gelassen. Außer Ja´Mar Chase ist da reichlich wenig auf dem Feld. Und 3:27 bei den Titans muss man erst mal verlieren.

Auch die Chiefs tun sich schwer. Gestern Nacht benötigten sie viel Glück und am Ende auch die Hilfe der Refs zu einem knappen Sieg bei den Giants. Wenigstens die 3:1-Bilanz spricht für sich. Ansonsten überzeugen in de AFC vor allem die Bills, aber auch die Dolphins und die Ravens. Kein Team in der AFC ist ohne Niederlage oder ohne Sieg. Das verspricht Spieltag für Spieltag viel Spannung, und sogar ich als Bengals-Sympathisant habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich der Wind in Cincinatti noch dreht …

Das war die Woche, die war

Ein bisschen Zittern musste sein

Mein Höhepunkt der Woche war ganz klar der Ryder Cup, obwohl ich nur den Schlusstag intensiver verfolgt habe. Im Nachhinein kann man es leicht sagen, aber die Spannung zwischendrin war schon ganz nett. Als plötzlich die Mitte des Tableaus nur noch Rot für Amerika aufleuchtete. Dass das Ganze dann durch einen von Rickie Fowler geschenkten Putt entschieden wurde, war irgendwie nicht passend. Zumal ein 90-cm-Putt bei dieser Anspannung erst mal gemacht werden muss.

Auf europäischer Seite war Viktor Hovland unglaublich. Und der Norweger steht erst am Anfang seiner Karriere, die eigentlich keine Grenzen kennt bei all den Unwägbarkeiten, die gerade Golf mit sich bringt, siehe zum Beispiel Morikawa, als nächster Woods gefeiert, aber doch (auf hohem Niveau) stagnierend.

Insgesamt war das Niveau erstklassig mit spektakulären Schlägen. Und doch sind das alles Menschen und kene Maschinen wie zum Teil haarsträubende Fehlschläge ins Wasser oder ins Gebüsch zeigen.

Das Format ist einmalig faszinierend, und es ist meines Erachtens ein großer Vorteil, dass es nur alle zwei Jahre stattfindet.

Ende eines Missverständnisses

Gerade mal zehn Monate durfte Max Eberl bei RB als Sportdirektor wirken, dann wurde er schnöde gefeuert. Es sei alternativlos gewesen, hieß es. Am fehlenden sportlichen Erfolg kann es nicht liegen. RB wurde Pokalsieger (wofür Eberl allerdings wenig konnte), und im Sommer hat er trotz der Abgänge von absoluten Schlüsselspielern wie Nkunku und Gvardiol eine aufregende, vielleicht sogar titelreife Mannschaft gezimmert. Aber es waren wohl menschliche Diskrepanzen. Der angeblich mangelnde Fleiß und die häufige Absenz via München erscheint mir da nur ein Vorwand. Dass der Rauswurf einen Tag vor der Partie gegen Bayern bekannt gegeben wurde, ist mehr als diskutabel, zumal nach allen, was man so liest nicht die Gefahr bestand, dass der Entschluss durchgestochen wird.

Um Eberl muss man sich keine Sorgen machen. Die Frage ist nur, wie lange die Schamfrist ist, bevor er bei den Bayerbn anheuert. Den dortigen Sportdirektor Christoph Freund wird es freuen.

Verzweifllungstat um Boateng

Ich hielt es ja für einen vespäteten Aprilscherz, aber Jerome Boateng scheint tatsächlich zum FC Bayern zurückzukehren. Ein Spieler, den Olympique Lyon in der vergangenen Saison für zu schlecht für die Ligue 1 befunden hat. Ein Spieler, der im Sommer keinen Verein fand (nur deshalb ist ein Wechsel jetzt überhaupt möglich). Ein Akt der Verzweiflung, der die katastrophalen Transferfehler der Münchner im Sommer, als man ohne große Not mehrere Verteidiger hat ziehen ließ, kaschieren soll. Warum kann man eigentlich nicht auf einen aus dem so gerühmten Nachwuchsinternat zurückgreifen, das muss für die betreffenden Spieler ein Schlag ins Kontor, ich formuliere es mal vornehm, sein. Manchmal hilft doch ein Schubser ins kalte Wasser. Ein Louis van Gaal hätte mit Sicherheit einen jungen ausgegraben wie damals Thomas Müller und Holger Badstuber.

Mammutsaison ist zu Ende

Gestern war es endlich soweit. Alle 30 MLB-Teams haben ihre 162 Spiele absolviert, übrig geblieben sind zwölf, die ab morgen den Weltmeister, die Amis mögen es zurückhaltend, ausspielen. Es geht bei Null los, die bisherige Saison gibt allenfalls Anhaltspunkte, weil vor allem die Pitcher-Rotation eine ganz andere sein wird. Aber die Offensive der Braves ist schon ziemlich furchterregend. Wenn ich mich festlegen müsste: Die nächste Konfettiparade findet in Atlanta statt.

In neuen Sphären

Einen geradezu unfassbaren Weltrekord im Marathon stellte die Kenianerin Tigst Assefa in Berlin auf. Und zwar am Sonntag vergangener Woche (gehört streng genommen also nicht mehr in diese Rubrik). Die Zeit lautet 2:11:53 Stunden. Inwieweit die neuen Wunder-Karbonschuhe geholfen haben, sei dahingestellt, es ist trotzdem unglaublich. Diese Schuhe scheinen aber der Gesundheit nicht dienlich zu sein, die Zahl der Knieverletzungen ist signifikant gestiegen. Ich bin gespannt, ob der Weltverband es gegen die Branchenriesen Nike et all es wagt einzuschreiten. Umfassende Untersuchungen sind allerdings ein Muss.

Aus für Satou Sabally

Die deutsche Basketballerin scheiterte mit ihren Dallas Wings an Titelverteidiger Las Vegas Aces, und zwar mit einem 0:3-Sweep. Zumindest die letzte Niederlage in Dallas war unnötig, führte Dallas doch fünf Minuten vor Schluss mit 61:53, bevor gar nichts mehr fallen wollte (zehn (!) Fehlwürfe en suite).. Sabally selbst spielte eine durchwachsene Serie, konnte an ihre großartige Saison, für die sie als am meisten verbesserte Spielerin ausgezeichnet wurde, nicht anknüpfen.

Ihre Schwester Nyara ist dagegen noch im Titelrennen mit New York Liberty. Sie selbst spielt allerdings nur eine untergeordnete Rolle.

Turniersieg für Zverev

Die Formanstieg von Sascha Zverev hält an. In Chengdu gewann er seinen 21. ATP-Titel durch einen Finalsieg gegen den aufstrebenden Russen Roman Safiullin, dem allseits eine gute Zukunft prophezeit wird.

Premiere auf Glas

Am Freitag fand in München eine außergewöhnliche Basketball-Partie statt. Die Akteure des FCBB und MHC spielten auf Glas, wohl erstmals in Europa. Die Reaktionen waren durchweg positiv, guter Grip. Und dann gibt es unzählige virtuelle Möglichkeiten. Die NBA schickte extra Abgesandte, das wäre doch was für die Show-Liga.

Irrsinn der Woche

Es geht mal wieder um den VAR, diesmal in England. Nach einem Tor für Liverpool in der Partie bei Tottenham aberkannte der Schiedsrichter wg Abseits ein Liverpool-Tor, zu Unrecht. So weit, so schlecht. Der VAR schritt ein, und jetzt wird es kurios. Angeblich sah der VAR den Fehler, doch aufgrund eines Kommunikationsfehlers dachte der Schiedsrichter, seine Entscheidung würde bestätigt und setzte das Spiel mit Freistoß Tottenham fort. Erst jetzt wurde allen der grobe Schnitzer bewusst, doch ein zurück war nicht mehr möglich. Es blieb nach der Partie nur zähneknirschendes Entschuldigen. Dazu hätte ich noch eine Anmerkung: Wenn es wirklich eine dermaßen klar falsche Entscheidung war, die fast sofort bemerkt wurde: Warum geht der Schiedsrichter dann nicht zum Tottenham-Kapitän, erklärt die Sachlage und überlässt den Rest dem Fairnessgedanken der Spurs, die dann eben mehr oder weniger wehrlos einen Treffer zulassen. Predigen wir nicht immer Fairness, gerade in England?

Wem Football fehlt, den vertröste ich auf morgen nach dem MNF.

Das wird die Woche, die wird

Ah, endlich wieder Champions League

Der 2. Spieltag steht an mit dem Kracher Kopenhagen vs Bayern. Die Eisernen bekommen es bei ihrer Heimpremiere im ausverkauften Olympiastadion mit Sporting Braga zu tun. Am Mittwoch dann BVB vs Milan und Leipzig vs City. Der internationale Schlager der Woche ist Napoli vs Real (in der Union-Gruppe). Viel von der Meistereuphorie in Neapel, ich war live vor Ort, ist nach einem eher mauen Saisonstart und einigen Querelen nicht übriggeblieben.

Der Eiertanz geht weiter

So ganz langsam neigt sich die Vorrunde der Rugby-Weltmeisterschaft dem Ende entgegen. Überraschungen sind bisher ausgeblieben, dafür gab es einige extrem hohe Ergebnisse. Man erwägt ja für die nächste WM 2027 eine Aufstockung, ob das dienlich ist, wage ich zu bezweifeln, aber ich bin da nicht wirklich kompetent, um das beurteilen zu können. Die interessantesten Spiele aus meiner Sicht sind am Samstag Irland vs Schottland und am Sonntag Japan vs Argentinien.

Im Baseball wird es ernst

Nach der Monstersaison geht es jetzt erst so richtig los – erst mal mit vier Wildcard-Games (Best of 3). Die jeweils ersten beiden Partien sind bereits für heute und morgen angesetzt. Im vergangenen Jahr waren diese Serien zum Teil höchst unterhaltsam.

Zverev auf Punktejagd

Die Tenniselite Männlein und Weiblein (allerdings beileibe nicht vollzählig) trifft sich diese Woche in Peking. Die Männer spielen ab morgen das Halbfinale aus. Dabei trifft Zverev auf seinen diesjährigen Dauerkonkurrenten Daniil Medwedew. Er hat sich ja schon bis auf Platz 10 der Weltranglistevorgearbeitet und dieses Jahr keine Punkte mehr zu verteidigen. Das ATP-Finale ist also mehr als realistisch. Zurzeit liegt er im Race auf den 7. Platz. Die Frauen sind erst im Achtelfinale angelangt, auch mit einer Top-Besetzung umd Swiatek, Gauff und Sabalenka.

Gleichzeitig beginnt am Mittwoch schon das Masters in Schanghai. Dort ist bis auf Djokovic die komplette Weltelite am Start.

Volleyballer auf Paris-Mission

Bisher läuft die Olympiaqualifikation der deutschen Volleyball-Männer nach Plan. Gespielt wird in drei Achtergruppen, von denen sich jeweils die ersten Zwei direkt für Paris qualifizieren. Deutschland ist in der Italien-Gruppe. Dahinter scheint Brasilien der härteste Rivale. Auf die trifft man in der Nacht zu Mittwoch.

Und sonst?

Mittlerweile haben alle Ligen ihren Betrieb aufgenommen (bis auf die Volleyballer, versteht sich. Im Snooker stehen die English Open an, im Darts der World Grand Prix.

 

 

 

Rangers ohne Run

Blick über den Teich, MLB

Die Rangers haben den Divisionssieg tatsächlich noch vergeigt. Im entscheidenden Spiel am Sonntag gelang ihnen kein einziger Run (und auch nur vier Hits) bei den Mariners. Da nutzte das gute Pitching nichts, denn zumindest einen Run schafften die Mariners. Gleichzeitig gewannen die Astros klar gegen die Diamondbacks. Letztlich kam es so, wie zu erwarten. Die Mariners knieten sich voll rein bei ihrem Heimabschluss, den Backs war es ziemlich wurscht im Hinblick auf die Wild Card.

Die doch ziemlich drastische Folge. Anstatt sicher in den Play-offs zu sein, wo man in der 1. Runde auch noch Heimrecht hätte, müssen die Rangers in den Wild Cards auswärts bei den Rays ran in einer Best-of-Three-Serie.

Morgen finden alle vier ersten Partien der Wild Card statt.

21:00: Rays vs Rangers

22:30: Twins vs Blue Jays

01:08: Brewers vs Diamondbacks

02:08: Phillies vs Marlins

Tags darauf sind dann jeweils zur gleichen Zeit bereits die zweiten Spiele

Gestern nahm ein Großer Abschied. Miguel Cabrera beendete seine großartige Laufbahn und wurde in Detroit dementsprechend gefeiert. Seine Bilanz: 511 Homeruns, 1881 RBIs, zweimal MvP, einmal die Triple Crown. Bestmarken für einen Venezolaner, und da ist Baseball Volkssport.

Ich kann mich noch gut an seine Rookie-Saison mit den Marlin (damals noch Florida) erinnern, als er die World Series gewann. Da gab es Riesenärger bei den Yankees, wie ihnen ein solches Talent durch die Lappen gehen konnte.

Rangers oder Astros

Blick über den Teich, MLB

Die zwölf Teilnehmer der Post Season stehen vor dem letzten Spieltag heute bereits fest, aber es gibt noch eine relevante Entscheidung. Wer gewinnt die Division AL West? Die Rangers und die Astros trennen ein Sieg, bei Gleichstand hätten die Astros den Tiebreaker. Platz 1 ist insofern von Bedeutung, weil der Divisionssieger direkt in die Play-offs aufsteigen würde, während der Zweite in die Wild Cards müsste, allerdings hier mit Heimvorteil. Beide haben nominell ein schwieriges Auswärtsspiel. Die Astros bei den Diamondbacks, die Rangers bei den Mariners. Vorteil Astros: Die Backs sind im Gegensatz zu den Mariners für die Wild Cards ab Dienstag qualifiziert, dürften also zumindest ihre Rotationspitcher schonen und auch sonst nicht alles riskieren. Während die Mariners ihren Frust über die verpassten Play-offs ausleben und sich von ihrem Publikum mit einem Sieg verabschieden wollen.

Ansonsten ist die Spannung raus. Es gibt vielleicht noch Verschiebungen in den Wild-Card-Plätzen 5 und 6, aber das ist ja mehr oder weniger egal. Kann mir nicht vorstellen, dass da die Teams alles riskieren.

Ach ja nur der Vollständigkeit halber die Übriggebliebenen

AL

Play-offs: Orioles Rangers/Astros

Wild Card: Twins, Astros/Rangers, Rays, Blue Jays

NL

Play-offs: Braves, Dodgers

Wild Card: Brewers, Phillies, Marlins, Diamondbacks

Fassungslos über Rasensport

Eigentlich sollte mich nach 60 Jahren Bundesliga, sie ist damit übrigens genau vier Tage älter als ich, falls das irgendjemanden interessiert, nichts mehr überraschen. Aber dann gibt es eben doch Meldungen, die mich umhauen. Wie die von gestern, als der RB Leipzig in fünf dürren Worten vermeldete, dass er sich von Sportdirektor Max Eberl getrennt habe. Und diese Meldung haut der Club einen Tag vor der wegweisenden Partie gegen Bayern München raus. Das muss man erst mal schaffen. Und dass man es nicht einmal für nötig befunden hat, Trainer Marco Rose diesen Schritt mitzuteilen, bevor er es im Internet lesen durfte, spricht für sich.

Die Trennung an sich kam jetzt gar nicht sooo überraschend für diejenigen, die die vergangenen Wochen verfolgten. Die Verantwortlichen waren nicht zufrieden mit der Arbeitsauffassung von Eberl, der sich angeblich zu oft in seinem schmucken Häuschen mit seiner Freundin in München aufhielt und manchmal erst um 10 (!) im Vereinsgelände auftauchte. Als ob es sich in Leipzig immer noch nicht herumgesprochen hat, dass es Telefon, Skype etc gibt, dass es also einem Spielervermittler in, sagen wir Marseille, völlig egal ist, ob der Gesprächspartner in München, Leipzig oder Timbuktu ist.

Ich hätte nie gedacht, einmal Helmut Kohl zu zitieren: Aber wichtig ist, was hinten raus kommt. Und da ist es Eberl und seinem Team in der Sommerpause gelungen, trotz der Abgänge von absoluten Leistungsträgern wie Nkunku, Szobozlai und Guardiol ein schlagkräftiges, ja unter Umständen sogar bundesliga-titelreifes Team zusammenzustellen; das nota bene, die Bayern im Supercup mit 3:0 zertrümmerte.

Man warf Eberl vor, sich nicht genug zum Verein zu bekennen. Wobei „Verein“ RB Leipzig ohnehin absurd klingt mit seinen nicht mal 1000 Mitgliedern, von denen gerade 20 stimmberechtigt sind. Außerdem sind diese Bekenntnisse ohnehin das Papier nicht wert. Ich erinnere mit Grausen an Falko Götz, der damals bei der Vorstellung als Trainer bei 1860 sagte, er sei glücklich bei seinem absoluten Lieblingsverein zu landen. Leere Worte

Jedem war klar, dass der Herzensverein von Eberl seit Kindesbeinen die Bayern sind. Okay, das Verhältnis zu RedBull-Impressario Oliver Mintzlaff war wohl nicht das Beste, aber Freundschaften auf der Führungsebene sind dann doch eher die Ausnahme wie zurzeit etwa in Heidenheim. Wichtig ist eine konstruktive ZUsammenarbeit, in der man durchaus mal auch unterschiedlicher Auffassung sein darf. Vielleicht hat es auch da geknarzt, aber doch  nicht unüberwindbar

Doch zurück zum Ausgangspunkt, dem irrsinnig anmutenden Zeitpunkt. Warum wartet man, wenn man Eberl schon unbedingt rausschmeißen will, nicht die Partie gegen Bayern ab? Hatte man Angst vor einem Sieg, der den Rauswurf dann doch ziemlich unverständlich machen würde? Vielleicht hat es ja tatsächlich einen aktuell-konkreten, handfesten Anlass gegeben, den allerdings blieb uns RB bisher schuldig.

Was bleibt, ist eine völlig unnötige Aufregung vor einer Partie, die der ganzen Konzentration bedarf. Und mir kann keiner erzählen, dass das die Spieler die vergangenen Stunden nicht extrem beschäftigt hat. Da sind ja immerhin einige Profis, die Eberl im Sommer verpflichtet hat mit Worten wie: „Hier kannst Du Dich entfalten, besser werden. Ich vertraue Dir.“ Und jetzt müssen diese Spieler erstens mitansehen, wie schnell das mit einem Rauswurf gehen kann und müssen sich zweitens Gedanken machen, ob der Nachfolger ebensolches Vertrauen hat. Das alles lenkt ab, und wenn es nur diese zwei Prozent sind, die am Ende fehlen.

Ich war dem Konstrukt RB bei aller Kritik immer recht aufgeschlossen, gönne als langjährig in Frankfurt (Oder) gelebt habend dem Osten und gerade Leipzig einen zumindest nationalen Spitzenverein. Aber alle Hater haben jetzt wieder neue Nahrung gefunden.

Ich habe übrigens eine ganz einfache Erklärung für den Rauswurf: Max Eberl hat sich geweigert, das widerliche Gesöff Red Bull in der Öffentlichkeit zu sich zu nehmen. Das ist die wahre Verbundenheit gewesen, die gefehlt hat.