Molympico Giorno

Das Drama der Lena Dürr

 

Verzweiflung, leerer Blick. Da stand Lena Dürr mit dem herrlichen Panorama der Dolomiten im Hintergrund. Doch die Gedanken kreisten nur um das Unfassbare, was geschehen war.

Ein fantastischer 1. Durchgang war Lena Dürr gelungen, zweitbeste Zeit hinter der außerirdischen Mikaela Shiffrin. Als Vorletzte stand sie vorm 2. Lauf im Starthäuschen, wohlwissend, dass jetzt die Olympiamedaille und der größte Karriere-Triumph ganz nah waren. Noch mal ging sie alle kniffligen Passagen durch, eine letzte Konzentration, sie startete – und blieb noch vor dem 2. Tor stehen. Eingefädelt beim 1. Tor – das Aus. Entsetzen überall, bei mir, bei den Fans, bei den Fans unten im Ziel, sogar bei den Konkurrentinnen um die Medaillen. „Eine Katastrophe“, befand sie einigermaßen gefasst. Eine Erklärung hatte sie nicht, wie das geschehen konnte.

Die hatte niemand. Nur Erinnerungen, dass die Germeringerin nicht die Erste war, der ein solches Malheur unterlief. Markus Wasmeier fiel mir sofort ein, der als Mitfavorit im Super-G von Calgary 1988 am ersten Tor scheiterte. Oder Helmut Höflehner. Der Österreicher war 1991 klarer Favorit für die Abfahrt der Heim-WM in Saalbach und verhedderte sich schon beim Start derart katastrophal und nachhaltig, dass das Rennen de facto vorbei war. Austria weinte.

Das wird Lena Dürr nicht trösten, zumal sie „Wiederholungstäterin“ ist. 2022 war sie ebenfalls im Slalom auf dem besten Weg zu Gold mit bester Zwischenzeit, ehe sie kurz vorm Ziel durch eine Ungenauigkeit gar aus den Medaillenrängen fiel und danach bittere Tränen vergoss. Vor 3 Tagen hatte sie einen bemerkenswerten Riesenslalom abgeliefert, wiederum klar auf Medaillenkurs, ein böser Fehler kurz vorm Ende vernichtete alle Hoffnungen. Man muss jetzt kein ausgebildeter Psycologe sein, um zu konstatieren, dass all diese Missgeschicke und Unglückseligkeiten der Lena Dürr vor ihrem wichtigsten Lauf der Karriere im Kopf herumspukten. Wer aber zu viel nachdenkt, hat schon verloren.

Lena Dürr ist 34 Jahre alt, Cortina war höchstwahrscheinlich ihr letztes Olympia, vielleicht hängt sie noch ein Jahr dran mit der WM 2027 in Crans Montana. Der Katastrophenfehler ist also nicht wiedergutzumachen, das unterscheidet sie etwa von der jungen Schwedin Cornelia Öhlund, die ebenfalls aussichtsreich im 2. Durchgang ausfiel, aber mit ihren 20 Jahren mindestens noch zwei-, dreimal bei Olympia dabei sein wird. Lena Dürr wird ohne Medaille bleiben, und wir werden immer an ihr Missgeschick denken, wenn wieder ein Slalom ansteht. Wie an Wasi 1988. Der aber sein Malheur gutmachen konnte mit seinen beiden Triumphen 1994 in Lillehammer.

 

Mikaela Shiffrin überragend

 

Als überzeugter Shiffrin-Afficionao seit mehr als als ein Dutzend Jahren hatte ich kein gutes Gefühl. Denn die Amerikanerin und Olympia, das war zuletzt kein Match. In Peking startete sie gleich sechsmal, sechsmal blieb sie ohne Medaille, darunter mit mich und alle Skifans verstörenden Ausscheidern im Riesenslalom und Slalom. Sie, die nie ausfiel! Auch jetzt in Cortina verbaselte sie ihre erste Gold-Chance, als sie den Teamslalom komplett verbremste und nach Abfahrtsbestzeit ihrer Freundin Breezy Johnson auf Platz 4 zurückfiel.

Ich hätte mir keine Sorgen machen müssen. Die Shiffrin von Cortina war die überlegene Weltcup-Shiffrin, die in dieser Saison 7 von 8 Slaloms zum Teil haushoch überlegen gewonnen hatte. 2 fast perfekte Läufe zauberte sie in den Schnee, hatte letztlich die Ewigkeit von 1,5 Sekunden Vorsprung auf die Zweite Camille Rast und sogar 1,71 auf die überglückliche Bronzene Anna Swenn-Larsson. Welch unfassbarer Druck auf ihr gelegen haben muss, zeigte sich nach der Zieldurchfahrt. Kein überschäumender Jubel, nur grenzenlose Erleichterung, dass sie es geschafft hat. Sie hätte niemanden mehr beweisen müssen, dass sie die mit Abstand beste Skifahrerin der Welt ist. Aber es lag ihr immens viel daran, selbst ihren Frieden, ihre Versöhnung  mit Olympia zu schließen – und das ging nach ihrer Vorstellung nur mit der verdammten Goldmedaille; immerhin auch schon der dritten nach Slalom 2014 und Riesenslalom 2018.

Lena Dürr ließ es sich übrigens nicht nehmen, bei der Siegerehrung live vor Ort zu sein. Wo sich andere verkrochen hätten, gratulierte sie fair der Siegerin und den Platzierten. Die größte Tat überhaupt an diesem strahlenden Sonnentag, und ich nehme es Mikaela Shiffrin sofort ab, als sie sagte: „Ich hätte sie am liebsten umarmt.“

 

Ein Wort noch zu Emma Aicher, de zweiten aussichtsreichen Deutschen. Im ersten Durchgang war schien sie mir zu zaghaft, trotzdem lag sie als Achte noch in Schlagdistanz zu den Medaillen. Der Beginn des 2. Durchgangs war dann sehr verheißungsvoll, doch im flachen Teil, der ihr grundsätzlich nicht so gut liegt, scheute sie das letzte Risiko (ohne das es bei einem Slalom-Großereignis nicht geht) und fiel sogar noch um einen Platz zurück. Um das zu verdeutlichen: Die Laufbeste Paula Moltzan, die nach einem irren Fehler kurz vor Schluss des 1. Laufes nur 28. gewesen war, blieb satte 1,75 Sekunden vor Aicher. Diese wird allerdings mit den beiden Silbernen aus Abfahrt und Team (mit Kira Weidle) Cortina mehr als zufrieden verlassen, zumal sie mit 22 Jahren noch immer am Anfang ihrer verheißungsvollen Karriere steht.

 

Franzi Preuß und das Murmeltierschießen

 

Ganz schlau wollte es die deutschen Trainer machen, (ver)steckten Franziska Preuß als zweite Läuferin in die Staffel. Die nachvollziehbare Übetlegung: Dort hätte sie im letzten Schießen nicht mehr die Verantwortung wie als Schlussläuferin. Schön gedacht, doch die Praxis sah dann so aus, dass Preuß wie gehabt zwar das Liegendschießen fehlerlos absolvierte, doch den Stehendanschlag eben nicht – das Murmeltier grüßte hämisch. Sie verpasste den dritten Schuss und den fünften, und auch die drei Nachlader reichten nicht, dass sie eine Strafrunde vemeiden konnte. Damit verlor das deutsche Team nicht nur die Führung, sondern auch jeglichen Kontakt zu den Medaillenrängen, den auch Janina Hettich-Walz und die vorzügliche Vanessa Voigt nicht mehr herstellen konnten. Wie die Männer landeten die Frauen nur auf Platz 4, zum ersten Mal seit 1992, seit nämlich auch die Frauen im olympischen Programm sind, blieben beide deutsche Staffeln ohne Medaille, das Bronze im Mixed bleibt da nur schwacher Trost.
Den Sieg holten sich die Französinnen, obwohl deren Startläuferin Camille Bened in die Strafrunde (wie bei den Männern Fabien Claude). Aber Lou Jeanmonnot egalisierte den Rückstand, und Oceane Michelon und die unfassbare Schützin Julia Simon (insgesamt für beide Schießübungen nur unwirkliche 38 Sekunden) brachten den Sieg souverän nach Hause – vor Schweden und Norwegen. Den Team-Aufstellern wird ein Felsbrocken vom Herzen gefallen sein, hatten sie doch Top-Läuferin Justine Braisaz-Bouchet außen vor gelassen zu Gunsten von Bened. Für Frankreich ist das schon das fünfte Biathlon-Gold, zwei Massenstarts (Männer und Frauen) stehen noch aus.

 

Olympia-Aus und viele Fragen für die Eishackler

 

Das beste deutsche Team aller Zeiten, hieß es überall vor dem Eishockey-Turnier, nachdem feststand, dass Leon Draisaitl, Tim Stützle und 7 weitere NHL-Stars die Mannschaft verstärken würden. Was extrem ambitioniert klang angesichts des Olympia-Silbers von 2018 und dem WM-Silber 2023, allerdings eben ohne die ganz großen Superstars. Um es übertrieben böse zu sagen: Dass Draisaitl die deutsche Fahne unfallfrei bei der Eröffnungsfeier trug, war die größte Leistung der deutschen Eishackler. Das deprimierende 2:6 im Viertelfinale gegen die Slowakei war nur der traurige Höhepunkt eines Turniers, das niemand als Erfolg verbuchen darf, trotz der Siege gegen Dänemark und Frankreich. Nie trat da ein Team auf, nie hatte ich das Gefühl, dass da eine Einheit auf dem Eis stand. Trainer Harold Kreis schien völlig überfordert, die NHL-Spieler einerseits und die DEL-Profis andrerseits zusammenzubringen. Misstöne waren zu hören, Beschwerden über zu viel Eiszeit der NHL-Stars und die Begründung des Sportdirektors, die besten müssten halt länger spielen. Mag richtig sein, aber am Ende wirkte gerade ein Draisaitl völlig überspielt, auch weil er als klar bester Spieler ständiger Attacken der gegnerischen Verteidigungen ausgesetzt war.
Eis durch und durch missglücktes Turnier also: auch weil die Deutschen plötzlich glaubten, mitspielen zu müssen. Nicht mehr das Verteidigen war im Fokus, sondern das schöne Spiel, das andere Nationen aber so viel besser beherrschen. Noch nicht mal der vermeintlich einfachere Gegner Slowakei (im Gegensatz zu Kanada und USA nur ein Leichtgewicht) verhalf zu jener Euphorie, die etwa das Sensationssilber von Pyeonchang (und fast das Gold, seufz) möglich gemacht hatte.

So blieb das erhoffte Halbfinale Utopie. Dort treffen Kanada auf Finnland (beide jeweils erst nach Verlängerung siegreich über Tschechien respektive Schweiz) und die Slowakei auf die USA (3:2 n. V. gegen Schweden).

 

Mit purer Willenskraft zu Langlauf-Bronze

 

Coletta Rydzek hatte bei ihrer Schlussrunde im Langlauf-Teamssprint genau ein Ziel. Wenigstens die norwegische Kontrahentin Julie Bjervig Drivenes hinter sich lassen und Bronze sichern hinter den enteilten Schwedinnen und, ich staunte, Schweizerinnen. Auf der Zielgeraden mobilisierte sie alle Kräfte („Ich kann unglaubliche Gewichte stemmen“), und am Ende hatte sie mit ihrer  Kollegin Laura Gimmler doch noch die erhoffte Langlauf-Medaille fürs deutsche Team gesichert. Einer der sich am Pistenrand die Kehle heiser schrie, war ihr Bruder Johannes Rydzek, der tags darauf für die deutschen Kombinierer für den Team-Wettbewerb gemeldet war (nach Redaktionsschluss).

Bei den Männern siegte Norwegen, und Schlussläufer Johannes Klaebo holte sein insgesamt 10. Olympia-Gold. Sonderlich anzustrengt schienen er und sein Partner Einar Hedegart nicht zu haben, um die USA und Italien zu distanzieren.

 

 

Das war die Woche,, die war

Doppeldisqualifikation der McLaren, Shiffrin weiter in der eigenen Welt, und Bayern-Talent Lennart Karl macht alle wuschig.

 

Selbstfaller oder Regie-Anweisung?

 

Das Glamour-Rennen der Formel 1 in Las Vegas wäre eigentlich kaum einer Erwähnung würdig gewesen. Ohne Spannung, wenige Positions-Kämpfe. Der Sieg von Max Verstappen stand nach dem Fehler von WM-Leader Lando Norris in der Startkurve schon sehr früh fest.
Doch kurze Zeit, nachdem die Zielflagge geschwenkt wurde, kam es zum Ereignis des Wochenendes. Beide McLarens nämlich hielten der Fahrzeugkontrolle nicht stand, die Bodenplatte war an beiden Rennern zu sehr abgenutzt. Folge: Sowohl der Zweitplatzierte Norris als auch der Viertplatzierte Oscar Piastri verlieren alle Punkte, plötzlich hat Titelverteidiger Max Verstappen nur noch 24 Zähler Rückstand auf Norris und liegt gleichauf mit Piastri. Die Aufholjagd des Holländers könnte also tatsächlich noch in den fünften WM-Triumph in Folge münden, was im August wohl jeder für völlig ausgeschlossen gehalten hätte.
Ein glatter Selbstfaller von McLaren also. Tatsache ist allerdings auch, dass dem Vermarkter der Königsklasse Liberty Media diese Doppel-Disqualifikation extrem in die Karten spielt, weil es jetzt eben noch Hochspanung gibt vor den letzten beiden WM-Rennen in Katar und Abu Dhabi. 24 Punkte, das ist nicht mal mehr ein Rennen, und in Doha steht nächstes Wochenende zusätzlich auch noch ein Sprint an. Zumal das Problem mit der abgenutzten Bodenplatte sich auch nicht so einfach aus der Welt schaffen wird. In nicht einmal einer Woche müssen die Papayas das gefürchtete Purpoising (extremes Hoppeln der Boliden) wieder in den Griff bekommen

Noch hat Lando Norris alle Trümpfe in der Hand. Aus eigener Kraft kann ihn Verstappen nicht mehr einholen, wenn der Brite wenigstens dritte Plätze hinter ihm belegt. Aber genau das ist jetzt nicht mehr selbstverständlich. Klar dürfte sein, dass McLaren ab sofort im Zweifel eine Stallorder für Norris und gegen Piastri ausruft. Unfassbar, wie der bis zur Sommerpause so souveräne Piastri jeglichen Speed veloren hat, was sich ja auch in jeder Qualifikation zeigt, in der er chancenlos hinterherfuhr.

Im Titelkampf helfen könnten Verstappen ausgerechnet die ihm nicht wohlgesonnenen Mercedesse, wo man nach der aberwitzigen WM-Entscheidung 2021 immer noch einen gewissen Groll gegen den Holländer hegt: George Russell und Kimi Antonelli jedenfalls sind sauschnell, und zu verschenken hat der deutsche Rennstall im Kampf um Platz 2 in der Teamwertung gegen Red Bull (hinter den weit enteilten McLarens) keinen Punkt.

 

4 Fahrten, 4 Laufbestzeiten

 

Es wurde im Skizirkus schon vor Saisonbeginn gemunkelt, dass Mikaela Shiffrin unglaublich gut in Form ist. Ihre Ausnahmestellung im Slalom bewies die Amerikanerin jetzt auch beim 2. Weltcup in Gurgl, den sie erneut mit mehr als einer Sekunde Vorsprung (1,27 sek., um genau zu sein) vor der Zweitplatzierten (erneut Lara Culturi) gewann. Die Bilanz nach 2 Rennen in Levi und Gurgl: 2 grandiose Siege, vier tolle Laufbestzeiten, obwohl zweimal im 2. Duchgang mit der Startnummer 30). Wenn sie nur einigermaßen durchkommt, scheint die mittlerweile 103-fache Weltcupsiegerin zumindest im Slalom unschlagbar – und nach allem, was so berichtet wird, ist ihre Form auch im Riesenslalom enorm stark.

Die Deutschinnen verpassten in Gurgl absolute Top-Plätze. Andererseits sind Platz 7 für Lena Dürr und Rang 9 für Emma Aicher aller Ehren Wert. Zumal Aicher im Kampf um den Gesamtweltcup erneut wichtige Punkte sammelte. Dieser scheint für die Allrounderin jetzt noch greifbarer, denn eine der vermeintlich größten Konkurrentinnen im Kampf um die Große Kristallkugel erlitt einen herben Rückschlag: Die Schweizerin Lara Gut-Behrami zog sich bei einem Trainingssturz einen Kreuzbandriss zu; es droht nicht nur das Saison-Aus, sondern sogar das Karriere-Ende für die 33-Jährige.
Aicher ist zurzeit die einzige im Weltcup-Zirkus, die in allen 4 Disziplinen mit Punkte-Chancen an den Start geht (mal sehen, was Shiffrin nicht doch macht). Bevor ich jetzt allerdings in allzu große Euphorie verfalle, warte ich doch die ersten Speedrennen in Amerika (in 2 Wochen) ab, ob sie nämlich dort ihre Traumform vom März konservieren kann.

Beim Männerslalom in Gurgl gab es einen Premierensieg: Mit einem fulminanten 2. Duchgang raste der Franzose Paco Rassat von Rang 14 auf Rang 1 vor dem nicht minder erstaunlichen Armand Marchant aus Belgien und dem Halbzeitführenden Atle Lie McGrath. Der Münchner Linus Straßer vonm TSV 1860 (also der Skilöwe) sicherte sich als Achter offiziell das Olympia-Ticket, zeigte sich auch gegenüber Levi klar verbessert.

 

Der junge Herr Karl und die überbordende Erwartungshaltung

 

Was für ein Auftritt des 17-Jährigen Lennart Karl vom FC Bayern beim 6:2 (2:2) zu Hause gegen den SC Freiburg. Mit einem Tor und einer Vorlage (jeweils im Zusammenspiel mit dem Franzosen Michael Olise) hatte er wesentlichen Anteil daran, dass die Münchner noch vor der Pause den frühen 0:2-Rückstand egalisierten und am Ende triumphierten.
Eine wirklich außerordentliche Leistung vor allem in de 1. Halbzeit, das will ich ausdrücklich betonen. Was mir allerdings absolut missfiel, waren die unfassbaren Lobeshymnen, die folgten. Er „muss“ zur Nationalmannschaft, musste ich vielerorts lesen. Bundestrainer Julian Nagelsmann komme an diesenm Juwel nicht mehr vorbei.
Ich finde das maßlos übertrieben: Zum einen hat Lennart Karl gerade mal 9 Bundesliga-Partien absolviert, davon nur 2 von Beginn an. Von konstanter Leistung kann also noch längst nicht die Rede sein. Zum anderen besteht gerade in der Offensive im deutschen Team gerade wenig Bedarf, wie der glanzvolle 6:0-Triumph vor einer Woche gegen die Slowakei zeigte.
Niemand tut Karl mit diesen absurden Forderungen einen Gefallen, und niemandem ist auch gedient. Karls selbst am wenigsten, der erst einmal schauen muss, dass er im Luxuskader der Münchner überhaupt zu seinen Einsätzen kommt und diese mit guten Leistungen nutzt. Den Münchnern nicht, die ihr Juwel langsam reifen und schleifen lassen wollen. Schon am Mittwoch steht für sie der Champions-League-Schlager beim FC Arsenal an. Da ist es keineswegs ausgeschlossen, dass ihn der Gott sei Dank Ruhe bewahrende Trainer Vuncent Kompany erst mal auf der Bank lässt (vor drei Wochen bei PSG spielte Karl keine Sekunde lang). Und was soll das Geschwätz mit der Nationalmannschaft? Die nächsten Länderspiele stehen erst im März an, und sollte Karl bis dahin eine Glanzpartie nach der anderen abliefern, wird Nagelsmann bei all seinen absurden Nominierungen den begabten Angreifer schon von selbst entdecken.
Langweilig, aber kurz gesagt: einfach den Ball flachhalten und Karl erst mal machen lassen.

 

Und sonst?

 

  • Bundesliga: Härtester Verfolger der einsamen Müncher ist Leipzig, mit 6 Punkten Rückstand. Jene Roten Bullen also, die zum Saison-Auftakt mit 0:6 beim FCB untergegangen waren. Damit ist zur Qualität der Liga schon sehr viel gesagt.
    Im Abstiegskampf schaut es mittlerweile für den 1. FC Heidenheim extrem trübe aus. Ein trostloses 0:3 zu Hause gegen Mönchengladbach hält die Ost-Albler auf Rang 18 mit wenig Hoffnung auf Besserung. Andererseits zeigt das Beispiel Gladbach, wie schnell es aufwärts gehen kann. Noch vor 3 Wochen hinter Heidenheim, jetzt 3 Siege hintereinander mit dem erst Interims- jetzt Chefcoauch Eugen Polanski.
    Aufreger des Spieltags war das Brutalo-Foul des Mainzers Dominik Kohr an den Hoffenheimer Max Moerstedt, der wie durch ein Wunder nahezu unverletzt blieb. Es folgte völlig zurecht der bereits 9. Platzverweis – Bundesliga-Rekord. „Hard-Kohr“ nennt er sich selbst mit einem gewissen Stolz, aber sein überhartes Einsteigen ist grundsätzlich eine versuchte Körperverletzung und hat mit gesunder Härte nichts zu tun. Eine hoffentlich lange Sperre könnte folgen mindestens bis Jahresende; zudem sollte sein Trainer überlegen, ob er solche Psychopathen auf dem Spielfeld brauchen kann.
  • Internationale Ligen, England: Schöner Spieltag für den FC Arsenal: ein letztlich ungefährdeter 4:1-Sieg im Nordlondon-Derby gegen Tottenham, und außerdem patzte der vermeintlich härteste Kontrahent im Titelrennen. Manchester City unterlag mit 1:2 bei Newcastle United, wo Deutschlands junge Sturmhoffnung allerdings keinen Treffer erzielte.
    Nur noch trostlos ist die Lage bei Meister FC Liverpool. Gleich mit 0:3 unterlag das völlig verunsicherte Team zu Hause gegen Nachzügler Nottingham Forest. Der Titel ist jetzt schon futsch (11 Punkte Rückstand auf Arsenal). Nach zuletzt 6 Ligapleiten in 7 Partien sind die Reds auf Platz 12 abgestützt, immerhin sind die Champions-League-Plätze in dieser hinter Arsenal extrem ausgeglichenen Liga noch nicht außer Rechweite.
    Italien: An der Spitze bleibt es kuschlig eng. Die ersten Fünf trennen gerade mal 3 Punkte (da können deutsche und englische Fans nur neidisch seufzen). Tabelleführer ist, man lese und staune, die AS Rom.  Der bisherige Leader Inter verlor das Mailänder Stadtderby gegen Milan mit 0:1 und rutschte auf Rang 4 ab hinter den Lokalrivalen und Titelverteidiger Napoli.
    Spanien: Endlich darf der FC Barcelona wieder im Camp Nou spielen, wenngleich noch nicht alle Plätze zugänglich sind. Immerhin 45.000 Zuschauer sahen ein überzeugendes 4:0. Als Zweiter hat Barca nunmehr nur noch einen Punkt Rückstand auf Real, das in Elche nicht über ein auch noch recht glückliches 2:2 hinauskam.
  • Basketball: In der BBL kam es zur Wiederauflage des Finals der vergangenen Saison zwischen Ulm und München. Wie einst im Mai behielt der FC Bayern die Oberhand, brauchte aber eine Verlängerung, bis der Sieg feststand. Und doch können auch die Ulmer Hoffnung schöpfen aus ihrem klar verbesserten Auftritt. Sie befinden sich ja gerade in einem Strudel der Niederlagen.
    In der Euroleague erfolgte für die Bayern der nächste Rückschlag. Nach starkem 1. Vietel (26:14) unterlagen die Münchner bei Nachzügler Badalona gleich mit 73:95.
  • Wintersport: Zum Auftakt des Weltcups sprangen die deutschen Stars Paschke, Wellinger und Geiger weit hinterher. Anderer Formaufbau für die 4-Schanzentournee nach dem Traumstart 2024 und verpatzter Tournee? Wenn es nur so einfach wäre. Immerhin sprangen am Sonntag Felix Hoffmann als Dritter und Philipp Raimund (4.) in die Bresche. Die Siege holten sich am Samstag der Österreicher Daniel Tschofenig (vor 2 Landsleuten) und am Sonntag der unverwüstliche Japaner Ryoyo Kobayashi.
  • Tennis: Italiens Männer sicherten sich zum dritten Mal in Folge den Daviscup, obwohl mit Jannik Sinner und Lorenzo Musetti die beiden Topspieler beim Final-Turnier in Bologna fehlten. In die Bresche sprangen Flavio Cobolli und Matteo Berrettini, die auch im Finale gegen Spanien gegen Jaume Munar und Paulo Carreno Busta die Oberhand behielten.
    Gegen jenes Spanien hatte das mitfavorisierte deutsche Team im Halbfinale verloren. Alexander Zverev gewann zwar sein Einzel gegen Munar, doch Jan-Lennard Struff vergeigte gegen Carreno Busta, und das so hoch eingeschätzte Doppel Krawietz/Pütz zog gegen Granolliers/Portero den Kürzeren. Eine auf dem Papier klare Titelchance, die da leichtfertig vergeben wurde, aber gespielt wird halt auf dem Platz. Und nur wir Journalisten verteilen die Punkte schon im Voraus.

Das war die Woche, die war

Mit einem Tag Verspätung, die Nachwehen einer langen Wahlnacht und der Aufarbeitung. Willkommen im Merz-Land, seufz. Mehr Worte will ich hier dazu erst mal nicht verlieren, zu bitter oder sarkastisch wären meine Gedanken.

 

Mikaela Shiffrin – allein im 100er-Club

 

Da war sie wieder, die wunderbare Slalom-Artistin Mikaela Shiffrin, der ich seit 12 Jahren bewundernd zuschaue. Sestriere, 2. Duchgang. Als Beste des 1. Laufes stand die Amerikanerin im Starthäuschen und legte dann auf der schon reichlich ramponierten Piste einen fabulösen Lauf in den sulzigen Schnee, der sehr an ihre besten Zeiten erinnerte. Die noch gar nicht so lange her sind, bevor sie sich Ende November in ihrer Fast-heimat Killington bei einem Riesenslalom-Sturz eine Stichverletzung zuzog. Seitdem war sie nicht mehr die Alte, auch nach ihrem Comeback Ende Januar, stand sie ungewohnt unsicher auf dem Ski, wackelte gar nicht Shiffrin-Like. Noch tags zuvor hatte sie im Riesenslalom im 1. Lauf den 33. Platz belegt und erstmals seit 2012 (!) den 2. Durchgang verpasst. Tiefe Verzweiflung hatte sie gepackt.
Jetzt also der Triumph, der 100. im Weltcup, was noch die ein (alpiner) Skifahrer geschafft hat. Hochemotional reagierte sie, vergoss Tränen der Freude, der Erleichterung. Sie selbst ist ja ihre schärfste Kritikerin, die auch nach vielen Siegen noch einiges auszusetzen hatte, weil dieser Rechtsschwung oder jene Haarnadelkombination nicht perfekt gelungen war nach ihren Maßstäben. Jetzt war nur noch Glück. Und an diesem Glück werden wir hoffentlich noch lange teilhabendürfen (mindestens bis Olympia 2026, allein um uns an wunderbarem und für objektive Augen perfektes Skifahren ergötzen zu dürfen.
Wer es nicht gemerkt haben sollte: Ich bin absoluter Shiffrin-Fanboy, obwohl ich es normalerweise nicht so habe mit Seriensiegern. Zu den Ausnahmen gehört auch das Tennis-Genie im Ruhestand Roger Federer.
In Shiffrins Schatten fuhr Emma Aicher als Sechste zu ihrem besten Slalom-Ergebnis, Lena Dürr landete auf Rang 7 und war nicht wirklich zufrieden.

 

Brignone feiert Doppel-Heimsieg

 

Nicht nur Mikaela Shiffrin durfte in Sestriere jubeln, sondern auch Federica Brignone. Die Italienerin gewann auf der Olympiastrecke von 2006 gleich 2 Riesenslaloms und führt jetzt im Gesamt-Weltcup klar vor der Schweizerin Lara Gut-Behrami, die einmal den zweiten Platz belegte. Nur diese beiden kommen realistischerweise für die Große Kristallkugel in Betracht. Brignone hat auch den Riesenslalom-Weltcup im Blick, muss hier allerdings auf die sehr konstante Neuseeländerin Alice Robinson (in Sestriere einmal Zweite, einmal Dritte)  40 Punkte aufholen.

Die Männer bestritten Abfahrt und Super-G in Crans Montana, dem WM-Austragungsort 2027. Es war auf einer eher leichten (langweiligen?) Strecke ohne große Herausforderung (deshalb umso schwieriger zu gewinnen) wieder mal eine Stärke-Demonstration der Schweizer Gastgeber. Abfahrts-Weltmeister Franjo van Allmen führte in der Abfahrt den Dreifachtriumph vor Marco Odermatt und Alexis Monney an, im Super-G hielt sich das Ski-Genie Odermatt schadlos und siegte vor Monney und Dominic Paris, tatsächlich: kein Schweizer, sondern stolzer Italiener.

 

Da geht sie dahin, die Spannung

 

Zumindest im Meisterrennen de Fußall-Ligen in Deutschland und England. Da beseitigten die jeweiligen Tabellenfühhrer Bayern München und FC Liverpool praktisch die letzten Zweifel am Titelgewinn. Die Münchner siegten (zeitgleichund deshalb zumindest bei mir überschattet) gegen Eintracht Frankfurt fast locker mit 4:0. DieHessen erinnerten mit einem fast hasenfüßigen Aufritt an viele Gastspiele von Borussia Dortmund, als diese zum vermeintlichen Gipfeltreffen in der WM-Arena aufkreuzten. Balsam für die Seele der Münchner, wo die Laune nach dem ermauerten 0:0 in Leverkusen und dem fast glücklichen 1:1 am Dienstag in der Champions League gegen Celtic Glasgow doch arg gelitten hatte.
Und Liverpool? Ich hatte ja nach dem 2:2 am Mittwoch bei Aston Villa geargwöhnt, dass es noch knapp werden könnte. Und was passierte? Der letzte ernsthafte Verfolger Arsenal verliert zu Hause gegen West Ham United, und die Reds gewinnen sehr souverän beim Meister Manchester City, das allerdings meilenweit von der Bestform entfernt ist. Jetzt haben die Reds wieder 9 Punkte Vorsprung auf die Gunners (bei einem Spiel mehr).

 

Bauchweh verhindert weitere Großtaten

 

Die so erfolgreiche Biathlon-WM der Franziska Preuß endete am Wochenende mit 2 leichten Enttäuschungen. In der Frauen-Staffel konnte sie als Schlussläuferin nichts mehr ausrichten, und das deutsche team verpasste eine Medaille. Im Massenstart kämpfte sie trotz großer Bauchschmerzen, wie sie hinterher erzählte, lange zumindest um Medaillen mit. Am Schießstand lief es bei nur einem Fehler auch prächtig, aber in der Loipe war sie weit weg von guter Laufform. So reichte es „nur“ zu Rang 7.
Dafür gewann das bis dato heftig kritisierte deutsche Männer-Team doch noch eine Medaille. Die Staffel riss sich    zusammen, war am Schießstand sehr gut und eroberte noch Bronze, was nach den Einzelleistungen nicht zu erwarten war.
Der große Sieger der WM war Frankreich, das insgesamt 6 Titel und 13 Medaillen holte. Vor allem das Frauen-Team ist der Konkurrenz meilenweit voraus, zu sehen bei dem unglaublich überlegenen Triumph der Staffel. Wahrscheinlich hätte auch eine zweite Staffel um die Medaillen mitgekämpft. Unfassbar stark in Spitze und Breite.
Die Norweger räumten bei den Männern ab. Johannes Tignes Boe gewann seine WM-Titel Nummer 21 bis 23 und ist damit alleiniger Redordsieger. Die Konkurrenz wird aufatmen, wenn er wie angekündigt seine Karriere nach diesem Winter beendet. Nachfolger und Kronprinzen in Norge gibt es allerdings mehr als genug.

Und sonst?

  • Wembanyama veletzt: Saisonaus für grandiosen Profi im Dress der San Antonio Spurs. Der Franzose leidet an einer Venen-Thrombose in der linken Schulter. Da kann ich für ihn nur hoffen, dass das keine chronische Verletzung ist, sonst könnte die so vielversprechende Karriere des 2,21-Meter-Mannes gehörig leiden.
  • Bundesliga: Borussia Dortmund atmet ein bisschen auf: Das 6:0 gegen ein allerdings zusammenbrechendes 1. FC Union gibt Anlass zur Hoffnung, dass die Westfalen vielleicht doch noch in den Kampf um Champions-league-Plätze eingreifen kann.
    Im Abstiegskampf setzte der VfL Bochum das nächste Achtungszeichen mit dem 2:2 beim VfL Wolfsburg. Zumindest Platz 16 scheint machbar, das hätte ich vor Jahresfrist klaum noch für mögllich gehalten.
  • 2. Bundesliga: Kann es tatsächlich sein? Der HSV ist nach dem überzeugenden 3:0 gegen den 1. FC Kaiseslautern Tabellenführer und auf dem besten Weg zurück ins Obehaus. Naja, die für die Hamburger heiklen Monate März und April kommen noch und damit einige Partien, die man noch versemmeln kann
  • Internationaler Fußball: Anders als in England und Deutschland ist in Spanien Hochspannung im Titelkampf angesagt. Die ersten Drei Barcelona, Real und Atlético Madrid trennt gerade mal ein Punkt. barca scheint seine Formdelle überwunden zu haben, bei Real zaubert der alte Luca Modric wie zu besten Zeiten (was für ein Tor vs Girona) und Atlético ist halt Atlético mit unangenehmen Fußball.
  • Europäische Wettbewerbe: In der Champions-League-Zwischenrunde setzten sich Borussia Dortmund gegen Sporting und der FC Bayern gegen Celtic mehr oder weniger souverän durch. Ein Debakel erlebte Manchester City, das 1:3 bei Real Madrid im Rückspiel spiegelt die Unterlegenheit nicht im Entferntesten wider. Da geht eine Ära zu Ende.
    Im Achtelfinale kommt es zu deutschen Duell Bayern München vs Bayer Leverkusen, der BVB bekommt es mit OSC Lille zu tun, das erscheint durchaus machbar.
    Vorbei ist das europäische Abenteuer für den 1. FC Heidenheim nach der 1:3-Heimniederlage in der Conference League gegen den FC Kopenhagen. Vielleicht besser für die Ostalbstädter, dass sie sich jetzt auf den Abstiegskampf konzentrieren können.
  • Handball: MT Melsungen verteidigte die Tabellenführung der HBL durch ein schmuckloses 35:29 gegen Stuttgart. Beeindruckend der Heimerfolg der Füchse Berlin im Verfolgerduell mit der SG Flensburg-Handewitt.
  • Basketball: Die deutschen Männer haben durch Siege in Montenegro und gegen Bulgarien wie erwartet die EM-Qualifikation geschafft. Der Weltmeister wird sich im Sommer allerdings gehörig steigern müssen, kann dann aber auch auf die NBA-Profis um Franz Wgner und Dennis Schröder zurückgreifen.
  • Tennis: Turniersiege feierten der der argentinische Titelverteidiger  Sebastian Baez in Rio (nachdem die Woche zuvor der Brasilianer Joao Fonseca in Buenos Aires triumphierte), Alexander Rublew in Doha sowie die erst 17-jährige Russin Mirra Andreewa, die in Dubai erstmals ein 1000er-Turnier für sich entschied und in der Weltrangliste nunmehr schon Zehnte ist.

 

 

 

 

Das war die Woche, die war

Schlager in der Bundesliga und Premier League, ein Riesenschreck um Mikaela Shiffrin und sehr erfolgreiche deutsche Wintersportler. Anmerkung: Zur Vergabe der Fernsehrechte (bisher nichts offiziell, sondern nur allerdings fast bestätiogter Spekulatius) und (wie gewöhnlich) dem US Sport mache ich gesonderte Teile.

 

Spitzenspiel endet Remis – und alle sind leidlich zufrieden

 

Vor der Partie Borussia Dortmund gegen Bayern München entbrannte sich ein erstaunlich ernst geführter Streit, ob diese den Clasico oder Klassiker genannt werden darf oder ob dafür die gemeinsame große Vergangenheit nicht zu kurzfristig gewesen sei. Ein Klassiker sei zeitlos, sagten die Kritiker dieser Bezeichnung. Dortmunds Noch-Geschäftsführer Aki Watzke blaffte, nur Ignoranten würden nicht sehen, das es in Deutschland kein größeres Spiel gäbe. Nun denn: Die gut 80 000 Zuschauer im natürlich ausverkauften Westfalenstadion sahen eine gutklassige, keineswegs aber mitreißende Begegnung. Der BVB ging nach einem rasanten Lauf von Jamie Gittens in Führung. Dabei war der junge Flitzer reichlich allein bei seinem Run gegn das Tor von Manuel Neuer, der zudem mit dem Herauslaufen zögerte. Schlecht sah es zudem für die Bayern aus, als Harry Kane nach eine halben Stunde vom Platz humpelte. Sie hatten danach durchaus Chancen duc´rch Thomas Müller und Leroy Sané, aber erst Jamal Musialas Kopfball brachte ihnen kurz vor Schluss wenigstens den Ausgleich. Einen Punkt gewonnen, resümierte Trainer Vincent Kompany. Gegen ein absolutes Spitzenteam nicht verloren, befand Dortmunds Nuri Sahin.
Tatsächlich haben die in der Bundesliga noch unbesiegten Bayern nach dem 11. Spieltag 4 Punkte Vorsprung auf Eintracht Frankfurt (und das ungleich bessere Torverhältnis). Die Hessen wiederum gewannen nach ihrem mühsamen 2:1 in Midtyiland souverän mit 4:0 in Heidenheim. Dritter ist jetzt Meister Leverkusen, das gegen den 1. FC Union mit 2:1 besiegte.

 

Wer will Liverpool besiegen?

 

Während die Partie Dortmund vs Bayern leidlich gut unterhielt, riss mich zumindest die erste Halbzeit beim Premier-League-Spiel FC Livepool vs Manchester City förmlich vom Sofa. Was die Reds da an einem Tempospiel mit zahlreichen schönen Kombinationen auf den Rasen der Anfield road zauberten, sucht derzeit in Europa seinesgleichen. Da greift ein Rädchen ins andere, Schwchstellen kann ich kaum ausmachen. Der Halbzeitstand von 1:0 spiegelte die Überlegenheit gegen den hoffnungslos überforderten englischen Meister nur unzureichen wieder. Schon während der Woche hatte Pool in der Champions League beim 2:0 nur wenig Chancen gelassen.
Natürlich – die Saison ist noch lange. Aber in der Liga haben die Reds jetzt schon 9 Punkte Vorsprung auf die punktgleichen FC Arsenal und FC Chelsea, ManCity, denen Weltfußballer Rodri an allen Ecken und Enden fehlt, findet sich gar auf Platz 5 wieder, wann hat es das bitte zuletzt gegeben?

 

Akia statt Jubiläumssieg

 

Alles schien gerichtet für Mikaela Shiffrin zum 100. Weltcupsieg. Nach dem 1. Durchgang des Riesenslaloms in Killington führte sie souverän. Doch im Skifahren reicht eine kleine Unachtsamkeit zum Desaster: eine Unebenheit warf die Amerikanerin in die Luft, die nicht reagieren konnte und äußerst unsamt auf dem pickelharten Schnee aufschlug. Benommen blieb sie legen und musste letztlich mit dem Akia talswärts geschafft werden. Praktisch gleichzeitig und in Sichtweise vollführte man die Siegerehrung, als sei nichts geschehen: Die Fis und die Ausrichter zeigten mal wieder ihr einmaliges Taktgefühl in dere´lei Dingen. Sara Hector, die letztlich gewann, fasste es richtig zusammen: „Es ist so traurig, Mikaela so stürzen zu sehen. Es bricht mir und allen hier das Herz“, sagte die Schweding nach ihrem 6. Weltcup-Erfolg.
Shiffrin gab zwar noch am Samstagabend Entwarnung, es tue „nur“ alles weh. Es hat sie dann allerdings doch schlimmer erwischt: Die Ärzte Diagnostizierten eine tiefe Stichwunde am Unterleib. Man rätsele noch, wie es dazu kam. Ein Start am Sonntag in ihrer Spezialdisziplin Slalom an gleicher Stelle kam also nicht in Frage. Es triumphierte nach einem spektakulären 2. Lauf die Schweizerin Camille Rast vor den zeitgleichen Wendy Holdener und Anna Swenn-Larsson. Lena Dürr verspielte zum xten Mal eine Halbzeitführung und landete letztlich auf Platz 4, gerade mal 3 Hundertstel hinter dem 2. Platz. bei Eurosport gab es eine witzige Text-Bild-Schere. Man sah extatisch jubelnde Schweizerinnen, und Wolle Nadvornik kommentierte: „Ist das bitter.“ Der deutsche Blick allüberall.

 

Staffeln im Viererpack

 

Das war wirklich nicht einfach, am Wochenende den Überblick zu behalten beim Bíathlon-Auftakt in Kontiolahti. Staffeln, wohin man schaute: Single Mixed (1 Mann, eine Frau), Mixed (2 Frauen, 2 Männer), tags darauf erst Männer (4) dann Frauen (auch 4). Gefühlt waren dann doch immer die gleichen Nationen vorn. Schweden, Frankreich und Norwegen machten jeweils die Podestplätze unter sich aus, nur einmal in der Single Mixed, oder war es doch die Mixed, schob sich ein junges deutsches Team auf Platz 3.

 

Deutsche Überflieger

 

Ich selbst habe Skispringen nicht verfolgt, aber die deutsche Erfolgsbilanz ist aufsehenerregend. Im finnischen Ruka gewannen am Samstag Pius Paschke und am Sonntag Andreas Wellinger jeweils auf der Großschanze. Schon am Wochenende zuvor hatte Paschke mit einem ersten und einem zweiten Platz überzeugt. Allein die Österreicher um Weltcupsieger Stefan Kraft können da mithalten.
3 Siege in den ersten vie Springen, so gut sind die Deutschen noch nie in eine Saison gestartet. Wieder mal werden sehr früh große Hoffnungen auf einen Tourneesieg geschürt. Doch den jagen die Deutschen seit 2002 hinterher, zu Weihnachten kommt regelmäßig der Formabbau (besser gesagt: Die anderen Nationen holen auf). Schaun wir mal, wies heuer wird bzw Anfang Januar.

 

Früher Rückschlag der Handballerinnen

 

Schon am 2. Spieltag der EM in Österreich, Ungarn und der Schweiz kassierte das Team gegen Holland die erste Niederlage – und die fiel mit 22:29 deftig aus. Das ausgegebene Ziel Halbfinale scheint in dieser Form außer Reichweite, weil Norwegen,  Dänemark, Schweden und Frankreich noch eine Ecke stärker einzuschätzen sind als die Oranjes. Jetzt kommt es morgen schon zum „Endspiel“ gegen Island, um überhaupt in die Hauptrunde einzuziehen.

 

Und sonst

  • Bundesliga: Einen Befreuungsschlag im Abstiegskampf gelang dem FC St. Pauli, der mit dem klaren 3:1 gegen Mitaufsteiger Holstein Kiel auf Platz 15 rückte. Die Hamburger feieten ihren ersten Heimsieg seit dem Wiederaufstieg. Finster sieht es für den VfL Bochum aus, das nach dem 0:1 in Bochum qweiter nur 2 Punkte hat. Ist der Trainer-Effekt um Dieter Hecking etwa schon verpufft?
    Seinen schwarzen November komplettierte RB Leipzig mit dem 1:5 zu Hause gegen den VfL Wolfsburg. Schon nach einer Viertelstunde stand es 0:3. Die November-Bilanz: in der Bundeslgia 3 Niederlagen und ein 0:0 gegen Gladbach, dazu zwei CL-Pleiten, die praktisch schon das Aus bedeuten. Sollte am Mittwoch gegen Frankfurt das Pokal-Aus hinzukommen, wären die Tage des Leipzigers Marco Rose auf der Leipzige Triainerbank trotz aller Heimatgefühle wohl gezählt.
  • Internationaler Fußball: Schock in Florenz. In der Partie der Fiorentina vs Inter brach Edouardo Bove (Florenz) in der 17. Minute zusammen. Man reagierte schnell, reanimierte den Spieler noch auf dem Feld und transportierte ihn ins Krankenhaus. Von dort kam noch am Sonntag die erste Entwarnung. Bove sei bei Bewusstsein. Eine akute Beschädigung des Nentralen Nervensystems könne ausgeschlossen werden. Hoffen wir das Beste. Die Partie wurde ohne große Umstände abgebrochen und soll zu einem späteren zeitpunkt fortgesetzt oder neu angesetzt werden.
    Sensation in Spanien: Tabellenführer FC Barcelona kassierte gegen Nachzügler Las Palmas eine 1:2-Niederlage. Zwar behielten die Katalanen Platz 1 in der Primera Division, doch Real Madrid (2:0 vs Getafe) hat noch ein Nachholspiel in der Hinterhand und könnte Barca überflügeln. Erste Risse im Flick-Kosmos?
    Riesenjubel bei Botofogo: Der brasilianische Traditionsclub sicherte sich zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Copa de Libertatores, das europäische Pendant zureuropäischen Champions League. Das Team besiegte im Finale gegen die Landsmaänner aus Mineiro mit 3:1. Dabei spielte man ab der ersten Minute nach einer frühen Roten Karte  in Unterzahl. Bei Botofogo wirkt übrigens Michael Gerlinger als Chief Officer, lange Chefjustiziar beim FC Bayern. Der international tätigen Eagle Football Group gehört neben Botofogo unter anderem auch Olympique Lyon an, der wg Überschuldung der Zwangsabstieg droht. Können da Quersubventionen vielleicht noch helfen?
  • Handball: Die MT Melsungen gewann das Spitzenspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt klar mit 33:24 und ist punktgleich Spitzenreiter mit Hannnover-Burgdorf (in Lemgo 31:22). SC Magdeburg entledigte sich der Pflichtaufgabe Bietigheim souverän. Viel wichtiger war für den Meister, dass er in der Champions League mit einem Kampfsieg gegen den FC Barcelona in die Erfolgsspur zurückfand. Zumindest die Zwischenrunde ist wieder in Reichweite.
  • Basketball: Keine gute Woche für den FC Bayern. Die Münchner waren beim Euroleague-Spiel bei Roter Stern Belgrad chancenlos und verloren mit 77:101. Am Sonntag folgte in der BBL gegen Vechta die erste Heimniederlage. Alba verlor zu Hause gegen TelAviv und auch gegen Ludwigsburg. Dabei brachten die Hauptstädter im 2. Viertel das Kuststück fertig, ganze 4 Punkte zu erzielen.
  • Formel 1: Weltmeister Max Verstappen gewann auch das Vorletzte Saisonrennen. In Katar siegte der Holländer vor Charles Leclerc aus Monaco und dem Australier Oscar Piastri. Spannennd ist noch die Konstrukteurswertung: McLaren (640)  führt vor dem letzten Rennen in Abu Dhabi vor Ferrari (619) Red Bull (590) kann sein Abo auf diesen Titel somit nicht mehr verteidigen.