Der Akku war leer und die Bälle zu schwer

 

Nichts wurde es mit dem Happy End für Dominic Thiem. Im Endspiel beim Heimturnier von Kitzbühel hatte der Österreicher gegen Sebastian Baez nicht den Hauch einer Chance und unterlag 3:6 und 1:6. Merklich steckten ihm die drei Dreisatz-Matches in den Tagen zuvor und insbesondere der dreieinhalb-Stunden-Marathon gestern gegen Laslo Djere in den Knochen. Die widrigen Bedingungen, ein Regentief hatte sich auch über Kitz zusammengezogen, taten ihr Übriges. Aufgrund der schweren Bälle waren Winner gegen den Marathon-Mann aus Argentinien noch schwieriger zu bewerkstelligen.

Und dennoch war das Turnier der so lang ersehnte Schritt nach vorn für Thiem. In der Woche zeigte er grandiosen Kampfgeist, unterstützt vom Publikum. Die alte Klasse, die er vor seiner langwierigen Handverletzung vor gut zwei Jahren gezeigt hatte, blitzte vermehrt auf. Der 29-Jährige hat noch einige gute Jahre vor sich; ob es allerdings für ganz nach vorne reicht – ich habe immer noch meine Bedenken, die aber etwas geringer geworden sind.

Thiem – der Comebacker

Das war rekordreif, lieber Dominic Thiem. Heimsieg in Kitzbühel gegen den Serben Laslo Djere nach mehr als dreieinhalb Stunden. 6:7 (3:7), 7:5, 7:6 (10:8) hieß es am Ende. Das längste Best-of-three-Match in der Karriere des Österreichers. 18-mal servierte er und gab trotz 12 Breakbällen kein einziges Service ab. Andererseits gelang ihm auch nur ein einziges Break; Gott sei dank gibt es Tiebreak, sonst würden sie jetzt noch spielen …Thiem wehrte insgesamt fünf Matchbälle ab, einen davon bei Aufschlag Djere.

Die Stimmung in Kitz war schon außergewöhnlich, wobei die Fans bestimmt keinen Fairnesspreis erhalten. Jeder Punkt von Thiem wurde frenetisch gefeiert, sogar Doppelfehler von Djere bejubelt. Allerdings wurde es nie feindselig.

Erstmals seit seiner Hand-OP vor gut zwei Jahren steht Thiem, US-Open-Sieger 2020 im Finale gegen Zverev, in einem Finale. Bisher lief das Comeback sehr schleppend; viel zu früh angefangen, zu ungeduldig. Die Unzufriedenheit wuchs. Auch in Kitzbühel sah man im gesamten Turnier neben Traumschlägen unerklärliche Fehler zu hauf. Allein der Heimvorteil trug ihn in Finale. Immerhin schaffte er dreimal ein Comeback nach zum Teil klar verlorenem ersten Satz; das zeugt von viel Willen und Kampfgeist.

Im Endspiel trifft er am Samstag auf den Argentinier Sebastian Baez, leider zur für mich ungünstigen Zeit 13 Uhr. Sky und relive is my friend. Und danach muss man sehen, ob der bald 30-jährige Thiem noch mal an seine wirklich guten Zeiten anknüpfen kann. Kitz gibt Anlass zur Hoffnung dazu, aber keine Garantie.