von Münchner Löwe | Aug. 8, 2023 | Frauen-WM, Fußball, Radsport, Tennis
Das Wichtigste zuerst. Heute ist Weltkatzentag. Grüße an alle Besitzer und Liebhaber der süßen Stubentiger. Und alle anderen: Mit Sicherheit gibt es auch einen Welttag für Euer Lieblingstier.
Zum Spocht. Ich stelle jetzt mal eine gewagte These in den Raum. Noch nie ist ein Fußball-Team, egal ob Männlein oder Weiblein, nach der ersten K.-o.-Runde mit einem Torverhältnis von 2:10 ausgeschieden wie heute Marokko. Man möge mich eines Besseren belehren.
Nach 25 Minuten war die Sache entschieden, da führten die Französinnen bereits mit 3:0. An allen drei Toren war Kadidiatou Diani (1 Treffer, zwei Vorlagen) beteiligt, bisher ohnehin schon die Auffälligste der equipe tricolore. Den letzten Treffer markierte Beche Desbonne. Musste im Hinblick auf meinen kicktipp echt nicht mehr sein. Frankreich war nie gefährdet; das wird schon schwieriger am Samstag in Sydney vs Australien, aber für mich sind Les Bleues die Favoritinnen in der unteren Hälfte.
In einem äußerst zähen Spiel setzte sich zuvor Kolumbien mit 1:0 vs Jamaika durch. Deren Torverhältnis nach insgesamt vier Spielen klingt mit 1:1 so traurig, wie es offenbar auch war. Hinten sehr dicht, vorne ziemlich schlicht. Fußballfeste waren das nicht; trotzdem natürlich ein Achtungserfolg der Reggae Girlz.Und Kolumbien trifft ebenfalls am Samstag auf England; ich erwarte eine weitere zähe Partie.
Mehr zur Frauen-WM morgen oder übermorgen mit einem Power Ranking der Vierelfinalistinnen.
Noch zwei Sachen
Federico Bahamontes, der älteste Toursieger, ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Er fuhr vor meiner Zeit, aber jeder, der sich auch nur ein wenig mit der Tour beschäftigt hat, ist über diesen Namen gestolpert. Noch immer gilt er als der beste Kletterer, den es je gegeben hat, aber er war auch ein lausiger Abfahrer und hat deshalb nur einmal die Tour gewonnen, dafür sechsmal das Bergtrikot. Mehr in einem sehr lesenswerten Nachruf auf spiegel.de
https://www.spiegel.de/sport/federico-bahamontes-ist-tot-der-adler-von-toledo-fliegt-nicht-mehr-a-e8d6a431-71b1-43fd-a486-a95b53a83c03
von Peter Ahrens, der überhaupt sehr gute Nachrufe schreibt. Offenbar keine Bezahlschranke.
Und Tennis: Gael Monfils hat mal wieder gezeigt, warum die Zuschauer ihn und sein Tennisspiel so liebten. Schaut euch im Internetz die Höhepunkte seiner Partie gegen Eubanks an. Schade, dass seine Zeit bald in absehbarer Zeit vorbei sein wird. Ich werde ihn sehr vermissen, aber noch ist er ja dabei. Zverev muss heute (anvisierte Zeit: 20 Uhr) übrigens vs Griekspoor ran, der gerade in Washington erst im Finale von Evans geschlagen wurde.
von Münchner Löwe | Aug. 7, 2023 | Allgemein, Frauen-WM, Radsport, Turnen
In dieser Rubrik picke ich völlig subjektiv sportliche Begebenheiten aus, die vielleicht im Wust der Sportwelt untergegangen sind oder es Wert sind, kommentiert zu werden.
Abgang der Superstars
Die Brasilianerin Marta, die kanadische Olympiasiegerin Christine Sinclair und Megan Rapinoe aus den USA, drei Ikonen des Frauenfußballs, sind mehr oder weniger glanzlos von der großen Fußballbühne verschwunden. Ihre Verdienste für den Frauenfußball sind nicht hoch genug einzuschätzen; Marta war vielleicht der erste internationale Superstar, der viele Mädchen auf der ganzen Welt fürs Fußballspielen inspiriert hat.
Rapinoe verabschiedete sich mit einem veritablen Fehlversuch im Elfmeterschießen gegen Schweden. Sie lächelte danach – und erntete einen veritablen Shitstorm. Es darf bezweifelt werden, dass dieser rein sportlich motiviert war. Vielmehr hat Rapinoe, die so klar gegen den Trumpismus Stellung genommen hat wie kaum eine andere Sportlerin, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zahllose Feinde, die jetzt ihr Mütchen kühlen konnten. Ich hoffe, sie wird sich nicht beirren lassen und weiter klar und deutlich ihre Meinung kundtun.
Eine Glanzleistung
Was für ein Parforceritt von Mathieu van der Pool beim Straßen-WM-Rennen in Glasgow. Im Alleingang distanzierte dfer Holländer die Konkurrenz, und nicht einmal ein Sturz konnte ihn aufhalten. Blutverschmiert und mit zerfekten Trikot war er auf dem verwinkelten Kurs der Erste und krönte eine für ihn märchenhafte Saison: Weltmeister im Cross und die grandiosen Erfolge bei den Monument-Klassikern Mailand-San Remo sowie Paris-Roubaix. Die Tour wird er aufgrund seiner Schwäche im Hochgebirge wohl kaum gewinnen, doch er ist ein ganz Großer. Groß war auch die Cottbuserin Emma Hinze, die sich auf der Bahn im Teamsprint mit Weltrekord (gemeinsam mit Pauline Grabosch und Lea Sophie Friedrich) und im 500-m-Einzelzeitfahren Gold sicherte.
Das Comeback der Simone Biles
Bei Olympia 2021 zog sie sich weitgehend zurück, holte „nur“ Bronze statt der zig Goldmedaillen, die alle Welt von der brillanten Turnerin erwartet hatte – die Nerven spielten nicht mehr mit. Klassischer Fall von Burnout; sie war auch eines der Opfer in der unappetitlichen Missbrauchsaffaire im US-Turnen. Doch jetzt, nach gut zwei Jahren Pause und frisch verheiratet mit dem Football-Profi Jonathan Owens, meldete sie sich eindrucksvoll zurück und gewann den Mehrkampf. Es war nur eine nationale Ausscheidung, und man muss sehen, wie sie mit dem jetzt wieder steigenden Erwartungsdruck zurechtkommt. Noch ließ sie offen, wie ihr Weg weitergeht. Doch auf jeden Fall hat sie die Klasse, bei den anstehenden Wettbewerben wie die WM in Antwerpen dieses Jahr und bei Olympia 2024 ein gehöriges Wort mitzusprechen. „Die Fans lieben mich noch immer, und das erwärmt mein Herz“, macht sie Hoffnung auf weitere Großtaten.
Wenn das Wasser krank macht
Als ob ein Triathlon-Wettbewerb nicht schon schwer genug wäre: Gleich 57 Athleten klagten nach einer Veranstaltung in Sunderland über Übelkeit und Durchfall. Das Wasser war offenbar verseucht. „Ich fühle mich seit dem Rennen ziemlich mies, aber ich schätze, das passiert, wenn man in Scheiße schwimmt“, schrieb der Australier Jake Birtwhistle ziemlich drastisch.
Auch in Paris mussten sich die Veranstalter der schlechten Wasser-Qualität beugen. Die Olympia-General-Probe der Freiwasserschwimmer fiel ins Wasser. Zu viel Regen hatte die Seine in eine gesundheitsgefährdende Kloake verwandelt.
Ärger der Woche (angelehnt an den sonntäglichen Stammtisch im BR und andere)
Wenn die Fußballer Pause machen – es gibt immer noch Ignoranten, für die die Frauen-WM noch nicht einmal Methadon ist – erfreuen uns die Gerüchte von tatsächlichen oder vermeintlichen Transfers über Summen, die unser Vorstellungsvermögen überfordern (700 Millionen für Mbappe?!). Doch irgendwann ist es dann auch gut, und meine Geduld in Sachen Harry Kane von den Tottenham Hotspur, den die Bayern so gerne haben wollen, ist mittlerweile erschöpft. Ich kann das mit angeblichen Ultimaten, immer noch höheren Offerten und nichtssagenden Deutungen von tatsächlichen oder vermeintlichen Experten nix mehr hören.Ich persönlich halte es ohnehin für Irrsinn, die kolportierten 100 Millionen+ Euro für einen noch so begabten Stürmer auszugeben, den man im nächsten Jahr kostenlos haben könnte. Warum probieren sie es diese Saison nicht mit ihrem Supertalent Tel und dem altgedienten Choupo-Moting und investieren das Geld nicht in einen Sechser, den Trainer Thomas Tuchel ohnehin einfordert? Aber mittlerweile ist das Gerangel auch ein persönlicher Wettstreit voller Eitelkeiten auf beiden Seiten (Hoeneß, Rummenigge bzw Levy), in dem offenbar niemand sein Gesicht verlieren will und sei es betriebswirtschaftlich gesehen noch so sinnlos. Aber wahrscheinlich darf man dem Fußball und auch andere Sportarten nicht mit Vernunftsargumenten kommen. Oder warum protzen die LA Lakers damit, dass sie sich mit dem verletzungsanfälligen Anthony Davis und auch schon 31-jährigen vorzeitig auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung ab 2025 geeinigt haben, die ihm drei Jahre jedes Jahr 62 Millionen Dollar per anno (Rekord für die NBA!) garantiert.
Freude der Woche
Erst im Winter gab die Hallen-Volleyballerin Louise Lippmann ihren Wechsel zum Beach bekannt und versucht sich seitdem mit der Spezialistin Laura Ludwig, Olympiasiegerin 2016 und mittlerweile zweifache Mama.. Es ist eine gewaltige Umstellung. Sand anstatt fester Boden und beim Beachvolleyball ist man viel mehr gefordert. Gerade bei der Annahme, in der Halle für sie kein Thema, ist sie jetzt viel mehr involviert und offenbarte auch noch gewisse Schwächen. Doch bei der EM in Wien zeigte Lippmann ihre Fortschritte und spielte ihre Größe und Klasse am Netz aus, und das Paar sicherte sich Bronze. Ein wichtiger Schritt in Richtung Olympia-Qualifikation. Wenn es blöd läuft, steht dem deutschen Verband nur ein Startplatz zu. Insbesondere der Sieg im Achtelfinale über das vermeintlich beste deutsche Paar, Svenja Müller und Cinja Tillmann, immerhin WM-Dritte im vergangenen Jahr, ließ aufhorchen. Im Halbfinale mussten sich sich den späteren Schweizer Europameisterinnen Tanja Hüberli und Nina Brunner nur ganz knapp geschlagen geben. „Bronze scheint ein wenig wie Gold“, sagte Lippmann nach der Partie mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Ludwig ergänzte: „Ich habe Gänsehaut. Wir hatten harte Wochen und Monate. Ich bin so stolz.“
Ausblick für diese Woche
Frauen-WM Halbfinale, Pokal Männer, 1. Runde, CL-Qualifikation, 3. Runde Hinspiele unter anderem morgen mit der Partie Sturm Graz vs PSV Eindhoven und die Masters-Turniere im Tennis in Toronto (Männer) und Montreal bei den Frauen sind zu beachten. Außerdem die Rad-WM in Glasgow mit unzähligen Entscheidungen. Bemerkenswert: Hier wird Inklusion groß geschrieben; es starten auch (seh)behinderte Sportlerinnen und Sportler.
von Münchner Löwe | Aug. 7, 2023 | Frauen-WM, Fußball
Ja, kann man sich denn auf gar keine Weisheiten mehr verlassen? Deutschland als gefürchtete Turniermannschaft, die noch mit dem schlimmsten Rumpelfußball weit kommt, remember zum Beispiel mit Schrecken an 1982 und ´86 und Gary Linekers Spruch von „immer gewinnen die Deutschen“, das ist schon länger Geschichte. Und jetzt gewinnt England, der verlässliche Versager vom Punkt, tatsächlich ein Elfmeterschießen, nämlich am Montag gegen Nigeria. Bei einer WM! Okay, erst mal nur bei den Frauen, aber wenn der Damm erst mal gebrochen ist …
Dann noch der Gipfel, dass eine Bethany England! ihren Versuch verwandelt hat. Und den einzigen Fehlschuss leistete sich Georgie Stanway, Legionärin beim FC Bayern in der deutschen Bundesliga, dem Land der Elfmeterspezialisten. Gleich zu Beginn, da lief also alles planmäßig. Und dann verwandeln die Lionesses (sic!) tatsächlich vier Schüsse hintereinander. Es müssen alle Rechenmodelle auf ihre Richtigkeit überprüft werden, KI hilf! Aber es ist Tatsache. England ist weiter und darf am Samstag sein Glück gegen Kolumbien oder Jamaika versuchen.
Vor dem Elferschießen hat es im übrigen keine Tore gegeben, immerhin dieser Trend setzt sich fort. In der zweiten Montagsbegegnung gewann Australien mit 2:0 vor mehr als 75 000 Zuschauern in Sydney gegen Dänemark. Wieder lange Zeit ohne Superstar Sam Kerr, die erst in der 80. Minute eingewechselt wurde, da waren die Messen schon gesungen und zwei schöne Tore gefallen. Mittlerweile ist Frau Kerr fast schon ein Phantom mit der wohl langwierigsten Wadenzerrung, die es je gegeben hat. Oder ist es doch mehr, etwa ein Faserriss?. Nun, sie hat jetzt bis Samstag Zeit, sich zu kurieren, dann wartet wiederum in Sydney, hoffentlich wieder im Olympiastadion, Frankreich oder Marokko.
von Münchner Löwe | Aug. 6, 2023 | Frauen-WM, Fußball
Jeden Drehbuchautor hätte man mit einem solchen Ende vom Hof gejagt. Ein Elfmeter von Lina Hurtig entschied ein ohnehin schon skurriles Elfmeterschießen zwischen Titelverteidiger USA und Schweden zu Gunsten der Skandinavierinnen. Ihren Schuss konnte US-Torfrau Alissa Naeher zwar berühren, aber in einer irren Effetkurbe drehte sich der Ball in Richtung Torlinie. Mit bloßem Auge war nicht zu erkennen, ob er sie mit vollem Umfang wie von den Regeln gefordert die Linie überschritten hatte. Doch es gibt ja die Torlinientechnik, die Schiedsrichterin Stephanie Frappart in Anspruch nahm. Relativ schnell entschied sie auf Tor, und Hurtig machte ihrem Namen alle Ehre und raste von ihren Mannschaftskolleginnen verfolgt jubelnd übers Feld. Als besagte Szene über die Bildschirme flimmerte, war klar: Es war eine Millimeter-Entscheidung, und hoffentlich haben sie die Kameras auch gut kalibriert. Gott sei Dank hab ich das nicht entscheiden müssen. Die Szene erinnerte mich an den legendären Penaltyschuss des deutschen Eishockeyspielers Peter Draisaitl, als sein Versuch bei Olympia 1992 gegen Kanada vom Torhüter gestoppt wurde, der Puck Sekunden lang auf der Torlinie tanzte, aber eben dort liegen blieb.
Dass die Schwedinnen überhaupt ins Elfmeterschießen gekommen waren, hatten sie ihrer Torfrau zu verdanken. Zesira Musovic zeigte die bisher beste Torhüterleistung des Turniers, blieb fehlerlos und hielt unter anderem herausragend den Direktschuss von Sophia Smith ab und gegen die freistehende Alix Morgan. In der Offensive enttäuschte Schweden. Naeher war stets bei den gefürchteten Standards und auch beim einzig gefährlichen Torschuss von Sofia Jakoben zur Stelle.
Es kam also zum Elfmeterschießen, in dem Muhovic keinen einzigen Versuch auch nur berühren konnte. Ihr der Schwedinnen Glück war, dass Megan Rapinoe, Smith und die eigens für die Penalty-Entscheidung eingewechselte Kelley O´Hara das Ziel verfehlten. Da blieben die Fehlversuche von Björn und Blomqvist letztlich folgenlos. Bitter für die US-Ikone Rapinoe, die ziemlich sicher ihr letztes großes Turnier bestritt. Andererseits hat sie in ihrer Karriere genug gewonnen, wenn auch nicht den Respekt von Donald Trump.
Für die Schwedinnen geht es hingegen weiter – im Viertelfinale am Freitag gegen Japan. Sie werden sich gehörig steigern müssen, denn die bisher so glänzend auftrumpfenden Asiatinnen dürften das Tor besser treffen als die USA – bisher war das 14-mal der Fall.
Auch im zweiten Achtelfinale heute zwischen den Niederlanden und Südafrika wurde die Torfrau zur Spielerin der Partie gewählt, und das war die Holländerin Daphne van Domselaar, die eine Art Privatduell gegen die bärenstarke Thembi Kgatlana für sich entschied und eine weitere Turnierüberraschung verhinderte. Immer wieder rettete sie in höchster Not gegen die glänzende Angreiferin. So reichte Oranje eine durchschnittliche Leistung. Jill Roard und Tiisetso van de Donk nach einem furchtbaren Torwartfehler Kaylen Swart trafen.
Holland trifft ebenfalls am Freitag im Vietelfinale auf Spanien. Auch sie werden sich erheblich steigern müssen, doch ich rechne jetzt mit einem Halbfinale Japan gegen Spanien.
von Münchner Löwe | Aug. 5, 2023 | Frauen-WM, Fußball
Das war mal ein Statement. Mit überzeugenden Siegen sind Spanien und Japan ins Viertelfinale eingezogen. La Roja bezwang die Schweiz 5:1, Nippon setzte sich gegen Norwegen mit 3:1 durch.
Beide Mannschaften waren in der Vorrunde aufeinandergetroffen mit dem deutlichen 4:0 der Japanerinnen. Doch Espana zeigte eindrucksvoll, dass es im Kampf um den Titel ein ernsthaftes Wörtchen mitreden will. Nicht einmal ein kurioses Eigentor zum zwischenzeitlichen 1:1 aus fast 40 von der Mittellinie, als Laia Codina ihre Torhüterin Cata Colimit einem Rückpass überlistete, brachte das Team aus der Fassung. Aitana Bonmati war nicht nur wegen ihrer zwei Tore die beste unter vielen guten Spielerinnen, die einen wunderbaren technischen Fußball zeigten, von den Schweizerinnen zum Verdruss ihrer deutschen Trainerin Inka Grings aber auch reichlich ungestört agieren durften. Und das alles ohne Alexia Putellas, die erst in der 77. Minute eingewechselt wurde. Codina rehabiliterte sich mit einem Abstaubertor zum 4:1, und auch wenn die Schweizerinnen im zweiten Durchgang engagierter zu Werke gingen, gab es am Sieg nichts zu deuteln. In der Form sehe ich Spanien als Favorit im Viertelfinale wahrscheinlich gegen Holland, das morgen früh um 4 Uhr (offenbar nur Livestream) Südafrika erwartet.
Die für mich so schwer einzuschätzenden Norwegerinnen entpuppten sich dann nicht als Stolperstein für Japan. Aber zumindest ansatzweise zeigten die Skandinavierinnen, warum sie als von einigen Experten als brandgefährlich eingestuft werden. Wie beim Ausgleich nach der frühen japanischen Führung, als Guro Reiten mit einem herrlichen Kopfball Ayaka Yamashita überwand – es war das erste Gegentor für Nippon im Turnier.
Doch die Japanerinnen waren wenig geschockt, bewahrten die Ruhe und zogen ihr gefürchtetes Flachpass-Kombinationsspiel auf, das Norwegen durcheinanderwirbelte. Nach einem Querschäger im Strafraum war Rizo Shimizu zur Stelle; ihr Schuss wurde noch leicht abgefälscht.
Erst Mitte der zweiten Halbzeit kam Norwegens Star Ada Hegerberg ins Spiel, und tatsächlich hatte Norge eine gute Ausgleichs-Chance durch Karina Saevik, die aber verzog. Die Entscheidung führte Hiyata Minazawa mit ihrem fünften Turniertor herbei, die einen Traumpass von Aoba Fujino eiskalt verwandelte.
Mich würde es wenig wundern, wenn sich Spanien und Japan im Halbfinale wiedertreffen würden. Japan bekommt es jetzt allerdings mit einem echten Schwergewicht zu tun, denn die bisher so starken Schwedinnen und Titelverteidiger USA ermitteln morgen um 11 Uhr den Viertelfinalgegner. Der obere Turnierbaum hat es schon in sich, während unten Frankreich und England es viel leichter haben dürften. Soviel zur Theorie, die auf dem Platz erst mal bestätigt werden muss.
Noch ein Wort zu den Deutschen: Trainerin Voss-Tecklenburg macht also weiter. Sie ist bereit, ist ja auch ein schöner gutbezahlter Job, und sie hat den Segen des DFB in Person von Präsident Bernd Neuendorf. Wieder zeigt sich der Nachteil einer vollkommen überflüssigen Vertragsverlängerung vor dem Turnier, das den Spielraum beim finanziell mittlerweile klammen Verband einschränkt. Immerhin will MVT in den nächsten Wochen analysieren, was da Down under so schrecklich schiefgelaufen ist. Der erste Fehler war schon die Wahl des Quartiers in der australischen Pampa. Hat man denn aus dem Desaster der deutschen Männer im abgelegenen Watutinki bei der WM 2018 so gar nichts gelernt? Viel Zeit hat sie allerdings nicht, denn ab September steht die Nations League und die damit verbundene Olympia-Quali an. Nur zwei europäische Teams sind neben Gastgeber Frankreich dabei. Zumindest der Gruppensieg erscheint angesichts der Gegner Dänemark, Island und Wales machbar. Dann muss ein Sieg im Hlabfinale her, und das Ticket wäre sicher und sicher Balsam für die verwundete deutsche Seele.
von Münchner Löwe | Aug. 4, 2023 | Frauen-WM, Fußball
Die Vorrunde ist vorbei, aber viel schlauer, was die Form der Teams, die die K.-o.-Runde erreicht haben, bin ich nicht. Sind die US-Girls wirklich so wenig durchschlagkräftig wie in den Partien gegen Holland und Portugal? Wie stark sind die Engländerinnen wirklich, die neben Japan und Schweden als einziges Team ohne Punktverlust blieben, aber im Vergleich zum EM-Triumph vor einem Jahr wertvolle Spielerinnen vermissen. Fast hinter jedem Team steckt ein dickes Fragezeichen. Das macht die WM so interessant.
Zwei Dickschiffe, die man durchaus mindestens im Halbfinale erwarten durfte, sind nicht mehr dabei: Brasilien und vor allem Deutschland. Wie unvermittelt das Aus gerade die Deutschen schockte, zeigt die Tatsache, dass nicht einer der Verantwortlichen einen Notfallplan hatte und die Spielerinnen nur tröpfchenweise das Land per Flieger verlassen konnten. Bei allen war der Gruppensieg bis zuletzt fest eingeplant.
Auffällig war, dass die sogenannten Kleinen vor allem in der Defensive mächtig dazugelernt haben. Fast alle Teams waren in der Regel nur schwer zu knacken. Jetzt müssen die meisten Mannschaften in der Offensive mächtig draufpacken, da war das Niveau bei vielen doch sehr überschaubar. 15 Partien endeten 1:0 oder 0:0. Paradebeispiel sind die Jamaikanerinnen: Sie blieben ohne Gegentor, außerdem schafften das die Schweiz und Japan, schossen aber nur ein Tor und waren auch sonst größtenteils harmlos. Und dass Marokko mit einem Torverhältnis von 2:6 die Deutschen aus dem Turnier kegelten, die ihrerseits ein Torverhältnis von 7:2 hatten, dürfte es in dieser Form auch noch nicht gegeben haben.
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