von Münchner Löwe | Aug. 13, 2024 | Fußball
Hanseat und Weltbürger
RIP, Willi Lemke
Eine sehr traurige Meldung lief heute über die Nachrichtenticker und das Netz. Willi Lemke, die prägende Figur des SV Werder Bremen, ist heute, 6 Tage vor seinem 78. Geburtstag, gestorben.
Er war Anfang der 80er-Jahre als Werder-Manager Iniator des Aufstiegs des SV Werder von einer grauen Bundesliga-Maus, ja -Absteiger ´81, zu einem deutschen Spitzenverein mit zwei in Bremen absoluten Kulttrainern. Erst Otto Rehagel, danach Thomas Schaaf. Drei Meistertitel, 5 Pokalsiege (darunter das Double 2004) und als internationaler Höhepunkt 1992 der Sieg im Europapokal der Pokalsieger durch ein 2:0 im Finale über die AS Monaco fallen in seine Ägide als Manager und Vorstandsmitglied. Und auch den Nicht-Werderanern ist so manches „Wunder an der Weser“ in Erinnerung geblieben, unglaubliche Aufholjagden in Europapoal-Rückspielen im nasskalten Weserstadion unter Flutlicht, gegen Anderlecht etwa und gegen den BFC Dynamo..
Willi Lemke war ein streitbarer Geist, immer auf der Seite der vermeintlich Schwachen, zun denen er selbstredend seine Werderaner zählte. Unvergessen die öffentlich ausgetragenen Wortgefechte, gerne auch über Dritte, des bekennenden SPD-Mitglieds gegen Bayern-Manager Uli Hoeneß, sehr der CSU zugeneigt. Ein Klassenkampf at its best, hochgejazzt von den Medien als Partienkampf. Hoeneß konnte ihm lange nicht verzeihen, er fand viel spätere seinen Frieden mit ihm als etwa mit Christoph Daum, mit dem er ähnliche Gefechte zum Teil unter der Gürtellinie austrug.“Letztlich haben wir zueinandergefunden“, sagte Hoeneß in einer ersten Stellungnahme. „Er hat die Bundesliga sehr bereichert.“ Letztlich waren sie bei allen Unterschieden Brüder im Geiste.
Lemke, früher Schülermeister in einer Leichtathletik-Sprintstaffel und später fanatischer Marathon-Mann, war auch international anerkannt. Den Ritterschlag erhielt er 2008, als ihn der damalige UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon zum Sonderbotschafter Sport ernannte, eine Tätigkeit, die er mit viel Elan nachkam.
Als SPD-Politiker war er Bildungssenator in Bremen und bewarb sich sogar als Bürgermeister. Eine partei-interne Stichwahl verlor er allerdings. Danach war er noch Innen- und Sportsenator.
Besonders betroffen sind neben seiner engen Verwandten, er war in zweiter Ehe verheiratet und hinterlässt insgesamt 4 Kinder, vor allem seine Werderaner. „Die grün-weiße Welt steht still“, schrieb der Bundesligist.
Der Tod kam überraschend. Er starb an den Folgen einer Hirnblutung, wie der Verein bekannt gab.
von Münchner Löwe | Aug. 13, 2024 | Olympia, Paris
Olympia ist vorbei. Zeit für Zusammenfassungen, von Auffälligkeiten, was gefiel und auch missfiel. Im Lauf der Woche werde ich mehrere Texte liefern mit jeweils höchstens zwei dieser Gesichtspunkte. Wie immer bei mir ohne Anspruch auf Vollständigkeit und rein subjektives Empfinden, das ich leider nicht vor Ort, sondern am Fernsehgerät gesammelt habe.
Tops und Flops
Anmerkung: Hier soll es nicht um sportliche Leistungen gehen, sondern die Veranstaltung an sich und ihre Begleiterscheungen.
TOPS
Fantastische Sportstätten
Paris und die Veranstalter haben Maßstäbe gesetzt, und es ist ihnen perfekt gelungen, die Stadt und ihre Wunderschönheit bestens einzugliedern. Streit gibt es höchstens, was am schönsten war: Reiten im Schlosspark in Versailles, Beachvolleyball vorm Eiffelturm, Fechten und Taekwondo im Grand Palais mit der grandiosen Kuppel, die Zielankunft im Marathon, Gehen und Radsport vorm Invalidendom. Besser geht es nicht, höchstens anders. Einige Sportstätten wurden auch für mehrere Sportarten genutz: Roland Garros erst fürs Tennis, dann Boxen, der Grand Palais (Fechten/Taekwondo), Bercy (Turnen/Basketball). Wenn ich es richtig sehe, wurde ncht eine neue bleibende Arena/Halle eigens für die Spiele neu gebaut. Nur das Schwimmen in der Seine, das hat nicht gepasst, siehe Flops.
All das wird meines Erachtens allerdings vom Austragungsort der Surfer übertroffen. In Paris naturgemaß nicht möglich, dafür auf Tahiti, wo am Strand vor Teahup´o der beliebteste Surfspot der Welt liegt mit der perfekten Welle, die allerdings auch nicht immer kommt. Praktisch, wenn das Gastgeberland eine solche Dependance hat. Dort gelang das ikonischste Foto überhaupt. Sucht unter Surfen Tahiti Foto selbst wg. Urheber.
Tolle Gastgeber: Wie gesagt, ich war nicht selbst in Paris, aber auch langjährige Korrespondenten können sich nicht erinnern, dass jemals die sehr eigenen Pariser so aufgeschlossen, herzlich und freundlich Besuchern gegenüber auftraten. Sogar die Sprachbarriere war plötzlich keine Barriere mehr. Die freundlichen und bestens ratgebenden Volunteers taten ihr übrigens. Und die Besucher-Rekorde vielleicht für die Ewigkeit mit meist sehr ausgelassener Stimmung zeigten, dass die Pariser „ihre“ Spiele nach anfänglicher Skepsis sehr willkommen hießen. Es wird sogar von Bewohnern berichtet, die erst vorm Trubel ans Meer flüchteten (wie gar nicht wenige Münchner vorm Oktoberfest), schnell aber wieder zurückkehrten, um selbst am einmaligen Erlebnis teilzuhaben.
Charmante Einfälle: Auch hatten die Organisatoren so einige sehr hübsche Ideen, Paris nicht nur von seiner sportlichen Seite zu zeigen. Wunderbar etwa, dass vor jeder olympischen Entcheidung eine prominente Person dreimal mit dem Stock die Veranstaltung eröffnete, wie es im Theater seit langer Zeit de Brauch ist. Das durften auch gerne Ausländer sein wie die deutsche Radsportlerin Kristina Vogel, die nach einem Unfall gelähmt ist. Wunderbar auch, dass jeder Leichtathletik-Olympiasieger im Stade de France eine Glocke läuten durfte. Bilder für die Ewigkeit, und die Glocke wird bald in Notre Dame zu bewundern sein. Dass die Hindernisse beim Reiten viele Pariser Mottive nachbauten, ist auch positiv zu erwähnen, aber das haben andere Gastgeber auch schon geschafft.
Perfektes Fernsehen
Die beste Unterhaltung nutzt nichts, wenn ich es am Fernseher nicht sehen kann. Und dort hat der Live-Stream endgültig Einzug gehalten, mittlerweile über Mediatheken am Fernsehgerät und nicht nur am Laptop zu verfolgen. Jeder konnte also sein eigener Regisseur sein, unabhängig von dem, was die Fernsehsender in ihrem analogen Programm anboten. Die beiden deutschen Sender ARD und ZDF boten fast alle Entscheidungen zusätzlich per Stream an, Discovery plus jede sportliche Tätigkeit überhaupt, also zB in der Leichtathletik ausschließlich die technischen Wettbewerbe Werfen und Springen, die im sogenannten World Feed seit Jahrzehnten eher vernachlässigt werden gegenüber dem Laufen. Und wer wollte, konnte sich vieles in mehreren Sprachen anschauen. Volleyball mit italienischer Beteiligung also auf Italienisch, ein zusätzlicher Reiz.
Die angebotenen Bilder waren spektakulär. Unzählige hochauflösende Kameras brachten unglaubliche Perspektiven. So ein Standbild mit der Turnerin Simone Biles gefühlt 10 Meter über dem Boden, fantastisch. Und 4k hält langsam Einzug
Neue Sportarten: Also jede, die noch nicht so etabliert sind. 3×3-Basketball, also die Streetball-Variante auf einen. Korb, hat es mir besonders angetan. Auch BMX, zumindest die Kür-Version nicht auf Schnelligkeit sondern mit den waghalsigen Sprüngen, hat mich begeistert.
FLOPS
Die Seine: Wer viel wagt, kann auch verlieren. Charmant war die Idee, die Seine für die Pariser wieder schwimmbar zu machen nach 101 Jahren. 1,5 Milliarden Euro hat die Stadt in ein Abwassersystem hineingepumpt. Allein – das Wetter spielte nicht mit. Auch in Frankreich offenbar ein viel zu nasser Frühling mit der Folge, dass der Fluss mit Fäkalien überschwemmt wurde. Und überdies eine Strömung hatte, die Schwimmwettbewerbe nachhaltig veränderten. Angeblich waren Grenzwerte dann doch unterschritten (die Bürgermeisterin Anne Hidalgo nahm ein Bad), und Triathleten sowie sowie Distanzschwimmer wurden in die Seine gelassen. Dort kämpften sie mit und gegen die Strömung einerseitsund gegen Koli- und sonstige Bakterien andererseits Erfreulich: Niemand ist ertrunken und auch von bleibenden Schäden ist nichts bekannt. Doch mancher kotzte sich die Seele aus dem Leib und vebrachte lange Tage im Krankenhaus oder zumindest auf der Toilette. Da wurden die Sportler zugunsten schöner Bilder missbraucht
Das IOC: Positiv angemerkt sei, dass es sehr zurückhielt. Oder die SZ es so hübsch formulierte. Noch nicht einmal dessen Funktionäre konnten die Spiele kaputtmachen. Doch ein Mal war das IOC wirklich gefragt, und da versagte es (und andere Institutionen auch) auf jämmerliche Art und Weise. Ich spreche von der Box-Olympiasiegerin Imane Khelif hinreichend diskutiert. Sie war mit Sicherheit die umstrittenste Athletin der Spiele. Nach ihrem ersten Sieg über eine Italienerin entbrannte eine Diskussion über die Startberechtigung von Khelif, weil diese intersexuell ist, also auch ein männliches y-Chromosm hat, aber keine. männlichen äußeren Geschlechtsorgane. Traumatisch genug für sie und ihr Leben. Ich will mich nicht in Einzelheiten verlieren, aber soviel. Dieses „Problem“ war absehbar, spätestens, als der Box-Weltverband Khelif vergangenes Jahr aus diesem Grund von der WM ausschloss. Dazu muss man sagen, dass dieser Weltverband nach Ansicht des IOC so korrupt ist, dass er offiziell von den Spielen ausgeschlossen ist. Vielmehr übernimmt das IOC die Box-Organisation samt Verteilung der Startrechte. Und fand offenbar nichts dabei, Khelif starten zu lassen. Im stillen Kämmerlein, denn zumindest ich habe über eine Diskussion darüber nichts mitbekommen. Und auch die Gründe des von einem Putin-Freund angeführten Box-Weltverbandes sind offiziell nichts bekannt, höchstens nicht verifizierte Durvcchstechereien.
Nun denn: Als die Italienerin aufgab ob der Härte der Schläge der Algerierin, begann ein unguter Mix aus Rassismus (Meloni, Trump) Woke-Diskussion (Alice Schwarzer). Genauso mit Verve verteidigten die Algerier „ihre“ Sportlerin, die es in diesem Land bisher so schwer hatte. Das IOC tat nichts: keine Verteidigung der Sportlerin, keine schlüssige Begründung der Startzulassung. Was bleibt, ist ein ungutes Gefühl. Und leider keine Lösung, wie man dieser Problematik begegnen kann.
Das Fernsehen: Wie gesagt: Ich persönlich habe Olympia weitestgehend über Streams verfolgt. Und deshalb blieb mir Ärger übers ZDF erspart. Das brachte es fertig, den 100-Meter-Lauf der Frauen nicht live zu zeigen, sondern, Überraschung: endlich mal wieder Fußball. Noch schlimmer die beinahe geistesgestörte Entscheidung, im 3×3-Basketball-Halbfinale mit deutscher Beteiligung und noch offenem Ausgang 45 Sekunden, sich 45 Sekunden vor der Schlusssirene in Richtung Werbung zu verabschieden. Schlimmste Erinnerungen kommen da bei mir an hoch 1980 (!) , als ebenfalls das ZDF das Kunststück vollbrachte, sich im 5. Satz beim Stand von 5:5 aus dem epischen Wimbledon-Finale McEnroe vs Borg ebenfalls in Richtung Mainzelmännchen zu verabschieden. Wenn ich da nicht das (graupelige) Bild des ORF gehabt hätte …
Ärgerlich auch, der überbordende Nationalismus, der zu ertragen war. Das lächerliche Hoffen auf eine Medaille, wenn schon alles verloren war. Da muss ich allerdings konzedieren, dass das in anderen Ländern genauso schlimm, wenn nicht noch schlimmer gehandhabt wird.
Fußball: Überall volle Arenen und tolle Stimmung (allerdings manchmal auch extrem französischer Chauvinismus samt Pfeifkonzerte gegen den Gegner. Bei ganz Olympia? Nein, Fußball, das bis aufs Männerfinale ausschließlich außerhalb von Paris stattfand, zog offenbar überhaupt nicht. So leere Tribünen wie in Marseille, Lyon und St. Etienne gab es sonst nirgends, wo meist ausverkauftes Haus vermeldet wurde. Das lag auch daran, dass die Stadien überdimensioniert waren. Die Besucherzahlen per se waren sogar in Ordnung, nur verlaufen sich halt 10 000 in einer 60 000 Zuschauer fassenden Arena mit dann 50 000 freien Sitzschalen. Männer-Fußball ist halt die einzige Sportart überhaupt, in der von vornherein per Satzung die besten Spieler ausgeschlossen sind und nur U-21-Mannschaften antreten.
Neue Sportarten: Zwei Sportarten/Disziplinen gab es, die ich bis dato gar nicht kannte: Breaking-B und Kanu-Cross. Beide haben mich absolut kaltgelassen. Breaking ist nichts anderes als Breakdance. Es steckt eine besondere Philosophie und strenge Regeln dahinter, die mir allerdings weitgehend verborgen blieben. Und Kanucross, 4 Boote gleichzeitig im Eis-Kanal, war ein lächerliches Schubsen der Boote und erinnerte sehr an Autoscooter. Wo da ein sportlicher Wert ist, hat sich mir nicht erschlossen.
von Münchner Löwe | Aug. 12, 2024 | Wochenrückschau, Wochenvorschau
Das war die Woche, die war
Paderborn vorn
Nach nur zwei Spieltagen ist der SCP das einzige Zweitliga-Team ohne Punktverlust. 3:1 gewannen die Olstwestfalen gegen Absteiger Darmstadt 98, das schon die 2. Niedelrage kassierte. Der andere Absteiger 1. FC Köln holte in Elversberg beim 2:2 wenigstens den ersten Punkt.
Ach Sechzig
Da wird für alle Löwen-Fans eine schere Saison, fürchte ich. 1:3 verloren die Sechzger beim VfB Stuttgart II. Klassischer Fehlstart also nach dem 0:1 gegen Saarbrücken zum Auftakt
Zverev raus
Beim Tennisturnier in Montreal verlor der Deutsche im Viertelfinale gegen Sebastian Korda, vor Wochenfrist Turniersieger in Washington, also glänzend in Hartplatzform. Auch Jannik Sinner ist nach der Niederlage gegen Alexander Rublew nicht mehr dabei. Das Finale bestreiten heute Abend der Australier Alexei Popyrin und eben Rublew.
Bei den Frauen in Toronto treffen im Finale die beiend US-Amerikanerinnen Jessica Pegula und Amanda Anisimova aufeinander. Anisimova war schon in der erweiterten Weltspitze, dann warfen sie Verletzungen zurück. Jetzt startet sie ein tolles Comeback.
Das wird die Woche, die wird
Wer wird Cincinatti Kid?
Frauen und Männer treten ab heute in Ohio beim Tennis-Masters an. Olympiasieger Novak Djokovic hat allerdings sien Teilnahme abgesagt. Ansonsten sind die Top 25 der Männer mit Ausnahme des verletzten Australier Alex de Minaur dabei.Bei den Frauen fehlt Danielle Collins. Schade, denn die Amerikanerin trupmpfte in ihrem Abschiedsjahr bisher außerordentlich stark auf.
Beacher in Holland
Kaum zu glauben, schon diese Woche ermitteln die Volleyballer und Volleyballerinnen ihre Europameister. Fast die komplette Europa-Elite hat die Startzusage gegeben. Gleich im ersten Gruppenspiel morgen treffen die beiden deutschen Olympia-Paare Cilja Tillmann/Svenja Müller und Laura Ludwig/Louise Lippmann aufeinander. Mal schauen, wie die nicht für Paris qualifizierten Paarungen auftreten.
Bayers Titelverteidigung
Zumindest im Pokal, wo ab Freitag die 1. Pokalrunde ansteht. Mit ganz reizvollen Begegungen wie am Freitag (20.45) Ulm vs Bayern (in Ulm wurde Bayern-Ikone Uli Hoeneß geboren). Upset-Alarm besteht durchaus am Samstag bei Osnabrück vs Freiburg und RW Essen gegen Leipzig
Und sonst
- Start der Vuelta. Am Samstag im Nachbarland der Auftakt in Lissabon mit einem Zeitfahren. Die Top-Rundfahrer Pogacar, Vingegaard und Evenepoel sind allesamt nicht am Start, hinter Roglic vom Team Red Bull steht noch ein Fragezeichen.
- Beginn der Premier League: Schlager des 1. Spieltags ist die Partie des Titelverteidigers Manchester City beim FC Chelsea (So., 17.30. Zu sehen wie in den Jahren zuvor bei Sky.
- Motorrad-WM in Spielberg: Wie üblich Qualifikation, Sprint und Rennen in MotoGP, Moto2 und Moto3.
- Tour de France der Frauen: In insgesamt 8 Etappen geht es bis Sonntag von Rotterdam bis zur Bergstation von LÁlpe d´Huez, wo die Entscheidung fallen dürfte.
von Münchner Löwe | Aug. 12, 2024 | basketball, Leichtathletik, Olympia, Paris, Radsport
Der letzte Tag war von Finali in Ballspielen geprägt – und einer deutschen Radprinterin und einer holländischen Marathonläuferin
Auf Zatopeks Spuren.
Sifan Hassan gewann den Marathon durch Pariser Straßen mit erstaunlichen und untypischen Bergauf- und abstrecken. Im Sprint ließ sie die Tigst Assefa hinter sich. So weit, so sehr gut. Außergewöhnlich wird die Leistung der Holländerin mit äthiopischen Wurzeln durch die Tatsache, dass sie erst am Freitag auf der Bahn in St. Denis Bronze über 10 000 Meter geholt hat und davor auch Bronze über 5000 Meter. Drei Medaillen in diesen Langstrecken bei denselben Spielen, das ist 1952 Emil Zatopek gelungen, der in Helsinki sogar dreimal gewann. Danach keiner Athletin oder Athlet
Dänen-Feuerwerk
Zumindest Handballspielen, wie am Sonntag die deutschen Männer im Finale leidvoll berichten können. Die Partie war ausgeglichen – zumindest die ersten fünf Minuten. Dann prasselte ein wahres Feuerwerk über das deutsche Team hinweg. Extrem schnelle Ballpassagen, präzise und scharfe Würfe. „Hexer“ Andi Wolff, im Halbfinalea gegen Spanien noch überragend, flogen die Blle nur so um die Ohren. Und vorne leistete sich der Angriff Fehler um Fehler, so dass Dänenschlussmann Niklas Landin gar nicht einzugreifen brauchte. 21:12 stand es zur Pause, und nach de Wechsel ging der Fegesturm weiter. Bis zum 36:22 zumindest, dann ließen es die Dänen mit ihrer zweiten Garde ruhiger angehen. Das 39:36 ist immer noch deutlich genug, mit Abstand das höchste Finale-Ergebnis bei Olympia.
Was bleibt, ist silberne Freude, die kurz nach dem Spiel ob des Debakels zwar getrübt war. Doch eine Medaille hätten vor Turnierbeginn die wenigsten dem Team zugetraut.
Zwei ganz Große des Handballs nahmen auf höchster Bühne ihren internationalen Abschied. Niklas Landin, bester Torwart des vergangenen Jahrzehnt und der brillante Spielmacher Mikkel Hansen, der Typ mit dem wehenden Haar – so ideenreich wie kaum ein anderer. Die dänischen Nachfolger stehen en masse bereit. Die Deutschen mit ihrem jungen Team haben aber auch eine glänzende Perspektive, zumal einige U-20-Weltmeister vom vergangenen Jahr auf dem Sprung sind.
Silber rettet die Spiele
Zumindest für die beste deutsche Sprinterin Lea Friedrich. Im Teamsprint „nur“ Bronze, im Keirin das Halbfinale vergeigt. Doch jetzt im Sprint, im Duell Frau gegen Frau, zeigte sie ihre ganze Klasse und erreichte souverän das Finale. Dort allerdings fand sie in der Neuseeländerin Ellesse Andrews, zuvor schon Siegerin im Keirin und Zweite im Teamsprint, in zwei klar verlorenen Läufen ihre Meisterin. Dennoch kann die Mecklenburgerin ein mehr als zufriedenstellendes Olympia bilanzieren. Und sie ist mit 24 Jahren jung genug, um mindestens einen olympischen Zyklus noch anzugehen.
Sehr Packendes zum Schluss
Nämlich in der letzten Olympia-Entscheidung überhaupt ein überraschend spannendes Basketballspiel der Frauen zwischen den USA und Frankreich. Die Rollen schienen klar verteilt, die US Girls, allesamt in der WNBA tätig, waren die haushohen Favoritinnen. Doch die gesamte Spielzeit ließen sich die Gastgeberinnen vor 27 000 Zuschauern im umgebauten Fußballstadion von Lille nicht abschütteln. Bei einer 10-Punkte-Führung im 3. Viertel durften sie sogar vom Sieg träumen, doch da zeigten die USA ihre ganze Klasse.
Volle Dramatik am Schluss, als die Französin Gabby Williams zur Hochform auflief. Einen Dreier versenkte sie, und sie traf sogar mit ablaufender Uhr noch mal in den Korb. Etwa der Ausgleich? Nein, denn sie stand recht knapp, aber eindeutig auf und nicht hinter der der Dreierlinie, und die zwei gutgeschriebenen Punkte reichten halt nicht.
Riesen-Erleichterung bei den USA, die ihre Siegesserie prolongierten. Seit der Halbfinalniederlage 1992 (!) ist das Team ungeschlagen. Insgesamt 61 Siege und jetzt 8 Goldmedaillen sprangen dabei heraus.
Und sonst?
So toll die Eröffnungsfeier war, so mau fand ich die Schlussfeier. Es fehlte der Exprit, die überraschenden Ideen, die vor mich noch vor gut zwei Wochen begeisterten. Und dann werden 3 Stunden halt schon länglich. Immerhin sprang Tom Cruise tatsächlich vom Stadion Dach. In LA übergab er dann die Fahne (aufgezeichnet) an die kommenden Gstgeber von Sommmerspielen. Und das französische Musikmedley war für mich reichlich unbekannt, fehlende Inserts ließen mich erst ratlos über Künstler und Werk (Danke Shazaam). Wenn ich da an das Musikfeuerwerk von 2012 in London denke, seufz.
Nun denn. Olympia ist schon Geschichte. Im Lauf der Woche möchte ich noch Resümees ziehen: Tops und Flops, Zahlenspiele(reien), Bilanzen etc. Und weil das Thema zuletzt immer wieder aufploppte: Wären so Olympische Spiele nicht auch was für Deutschland – 2036, eher 2040.
von Münchner Löwe | Aug. 11, 2024 | basketball, Golf, Leichtathletik, Olympia, Paris, Radsport, Tischtennis
Ein fantastischer letzter Leichtathletik-Abend, verlorene deutsche Endspiele – das und vieles mehr geschah am Samstag
Das Beste kam (fast) zum Schluss
Nämlich im vorletzten Rennen ein grandioser Zweikampf zwischen den USA und Botswana in der 4x 400-Meter-Staffel der Männer. Zwei Olympiasieger rannten als Schlussläufer um Gold, hier der Amerikaner Rai Benjamin (400 Meter Hürden), dort Letsile Tebogo (200 Meter). Der forderte Benjamin auf der für ihn ungewohnten vollen Stadionrunde bis zuletzt – es sollte nicht ganz reichen, obwohl er selbst mit unglaublichen 43,04 gemessen wurde. Die USA siegten also in 2:54,43 um genau ein Zehntel vor Botswana, das den Afrika-Rekord pulverisierte. Auch die drittplatzierten Britten schafften in 2:55,83 einen Area-Rekord (also Europa-Bestleistung). Belgien, Südafrika und Japan stellten nationale beziehungsweise im Fall Japan Kontinentalrekorde auf. Nur wenig später taten es die US Girls mit ihrem Staffelsieg und verfehlten den Uralt-Weltrekord der Sowjetunion aus dem Jahr 1988 nur um ein Zehntel. Sydney McLaughlin brauchte als zweite Läuferin nur 47,71 Sekunden. Femke Bol wiederum führte die Holländer als Schlussläuferin mit einer starken Schlussrunde noch zu Silber. Ungücksrabinnen waren die Frauen aus Jamaika, die den Stab verloren. Das passte zum komplett missratenem Leichtathletik-Olympia für die erfolgs-gewöhnte Karibik-Insel, die in der Leichtathletik so schlecht abschnitt wie zuletzt 2000 in Sydney.
Ähnlich fulminant verlief der 800-Meter-Lauf, den Emmanuel Wanyonij aus Kenia in 1:41,19 Minuten, der drittbesten je erzielten Zeit, um genau ein Hunderstel vor dem Kanadier Marco Arop für sich entschied.
Und dann gab es noch ein Stechen um Gold – im Hochsprung zwischen dem Neuseeländer Hamish Kerr und dem US-Amerikaner Shelby McEwen. Die beiden übersprangen 2,36 Meter bei gleich viel Fehlversuchen, scheiterten beide an 2,28 Meter. In diesem Fall geht es Sprung für Sprung Höhe um Höhe wieder zurück. Bei 2,34 flog Kerr drüber, während McEwen scheiterte. Offenbar hatten sich die beiden nicht auf bemeinsames Gold einigen können, anders als in Tokio 21, als Essa Barshim und Gianmarco Tamberi aufs Stechen verzichteten und beide Gold gewannen.
Schwedische Lehrstunde
Für die deutschen Beachvolleyballer Nico Ehlers und Clemens Wickler: Die beiden hatten im Finale gegen David Ahman und Jonathan Hellvig nicht den Hauch einer Chance und verloren 10:21, 13:31. Während die Schweden nahezu fehlerlos agierten und traumhafte Schläge en masse produzierten, kam das deutsche Paar nie in Fahrt. Silber ist aber mehr als ein Trost für diese Lehrstunde, das war viel mehr als sie vor dem Turnier erwarten durften.
Verlorene Medaillenkämpfe
Die mich nicht wirklich überraschten: Die Basketballer unterlagen im Spiel um Platz 3 den Serben um den überragenden Nikola Jokic. Die Weltmeister waren das geesamte Turnier über nicht in der Granatenform 2023 und hatten vielleicht auch nich das nötige Spielglück. Andi Obst war diesmal nicht die Dreiermaschine, Dennis Schröder verlor zu viele Balle, und Franz Wagner hatte mal wieder Probleme mit seinem Distanzwurf. Absolut kein Drama, vielmehr Freude, dass sich das deutsche Team in der Weltspitze etabliert hat, was im Basketball wahrhaft keine Selbstverständlichkeit ist.
Richtig dramatisch war das Finale. Die Franzosen nötigten dem haushohen Favoriten USA alles ab. Matchwinner war letztlich Scharfschütze Steph Curry, der in der Schlussphase vier zum Teil schwierigste Dreier versenkte – seine Spezialität. Die Franzosen brauchen sich nichts vorzuwerfen, und der 2,24-Meter-Mann Victor Wembanyama trumpfte im bisher wichtigsten Spiel seiner noch frischen Karriere toll auf.
Auch die Tischtennisfrauen, verloren ihr Medaillenmatch – letztlich ohne Chance mit 0:3 Spielen gegen Südkorea. Das Doppel war noch umkämpft, ging aber verloren. Die bisher so auftrumpfende Annett Kaufmann stand gegen Weltklasse-Athletin Eunhye Lee auf klar verlorenem Posten. Die 18-Jährige gibt abe zu großen Hoffnungen Anlass schon für die nähere Zukunft. Auch hier siegte im Gold-Match der klare Favorit. China gewann gegen Japan mit 3:0. Klingt klarer, als es war, denn die einzelnen Matches waren hartumkämpft.
Silbercoup beim Golf
Unverhofft kommt oft. In diesem Fall das vollkommen unerwartete Silber für Golf-Proette Esther Henseleit, die sich mit einer fantastischen 66er-Schlussrunde sich noch auf Rang 2 vorschob, worüber sie wahrscheinlich selbst am meisten überrascht war. Gerade 25 Jahre als ist die Deutsche, in der Weltrangliste auf Platz 54 und damit beste Deutsche, also kein völlig unbeschriebens Blatt. Ihre Medaille ist die erste für Kontinental-Euopa überhaupt in der olympischen Golf-Geschichte. Am Ende fehlten ihr nur zwei Schläge auf Lydia Ko aus Neuseeland. Die ist zwar zweimalige Major-Siegerin, doch ihre beste Zeit mit insgesamt 17 Turnier-Erfolgen liegt auch schon 9 Jahre zurück. Immerhin hat sie ihren Medaillensatz nach Siber 2016 und Bronze 2021 komplettiert.
Und sonst
- Ingebrigtsens Genugtuung. Der Norweger siegte über 5000 Meter und rehabilitierte sich fürs medaiilenlose 1500-Meter-Rennen. In einem äußert langsamen Rennen war sein Endspurt unwiderstehlich, und er siegte vor Ronald Kwemoi aus Kenia und dem US-Boy Grant Fisher. Die äthipischen Langstreckler hatten mit ihrem Bummeltempo mit Zitronen gehandelt und blieben ohne Medaille. Wie bei den jamaikanischen Sprintern lief für die Bahn-LangstrecklerInnen längst nicht alles nach Plan mit nur einer Silbernen.
- Französisches Volleyball-Fest: Die Männer ließen im Goldmatch den Polen in der brodelnden ausverkauften halle beim 3:0 keine Chance. Nie kamen die Polen zu ihren Spiel, und schon nach 1:16 Stunden war die Partie beendet. Da hatten die Gastgeber im Viertelfinale gegen die Deutschen weitaus mehr Mühe, als sie fünf Sätze und (auch nach Ansicht objektiver Experten) etwas Schiri-Hilfe benötigten.
- Pragmatischer US-Sieg: Im Fußball-Finale der Frauen gewannen sie 1:0 gegen Brasilien. Die Südamerikanerinnen waren zwar die meiste Zeit überlegen, die US-Girls beschränkten sich aufs Kontern. Und ein solcher führte kurz nach der Pause zum einzigen Treffer. Ansonsten pragmatisches Verteidigen, und dagegen konnte auch die eingewechselte Marta nichts ausrichten. Immerhin bleibt der Selecao Silber.
🇦🇹 🇩🇪👓
– Der einen Freud, der anderen Leid. Während sich Kletterin Jessica Pilz über Bronze im Boulder/Lead freuen durfte, gingen die Alexandri-Schwester im Synchronschwimmen leer aus. Pilz gehört seit Jahren zur Kletter-Weltspitze, in Tokio 2020 weinte sie noch bittere Tränen, als sie als Siebte eine Medaille klar verfehlte. Umso größer jetzt die Genugtuung. „Es fühlt sich unglaublich an. Es war schon ein großer Druck da, und ich habe Angst vor der Enttäuschung gehabt“, sagte sie im ORF.
Die Alexandris verpassten dagegen nach etwas verpatzter Freier Kür, sonst die Domäne der Schwestern, als Vierte eine Medaille. Vergangenes Jahr waren sie noch Weltmeisterinnen geworden. Sie ließen ihrem Ärger über die „ungerechte Bewertung“ freiem Lauf. „Jeder weiß, ds wir besser sind, als die Briten und Holländerinnen“, spielten sie auf die Medaillengewinnerinnen hinter den überlegenen Chinesinnen an. Die großen Nationen hätten Juroren in den Kampfgerichten gehabt, Österreich als kleine Nation „gar nichts“. Ich kann das nicht beurteilen, aber Olympia und seine Bewertungen, das ist wie Doping ein ewiges trauriges Thema.
– Wie gut, dass es im (Bahn)Radsport zumindest keine Wertungsrichter gibt (und natpürlich auch kein Doping). So kann Lea Friedrich von einer Medaille träumen nach bisher nicht optimal verlaufener Spiele. Vor allem das verpasste Keirin-Finale ärgert sie immer noch gewaltig. Im Sprint zeigte sich sich unbeeindruck. In der Qualifikation fuhr sie zu Weltrekord, in den K.-o.-Runden blieb sie makellos.
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