von Münchner Löwe | Dez. 25, 2024 | basketball, Darts, NBA, NFL, Radsport, ski alpin, Tennis, Turnen, Wochenvorschau
Nach (hoffentlich entschuldigter) Schöpfungspause melde ich mich zurück: Zwischen den Jahren, das war früher für Sportfans die Zeit des Innehaltens, der mehr oder weniger liebevoll zusammengestellten Fernseh-Rückblicke aufs Jahr. Unvergessen das „ausgefallene Sportstudio“ mit dem fantastischen österreichischen Kabarettisten und gelernten (!) Box-Ringrichter Werner Schneyder (mit „y“, nicht dem mit „i“, den es im ZDF-Sport auch gab). Das einzige größere Live-Ereignis zum Jahreswechsel war lange die Vierschanzentournee, die wohl auch deshalb eine so große Bedeutung erfuhr, die bis heute anhält. Das hat sich dramatisch geändert, auch weil wir heutzutage ohne Umstände über die Grenzen fernsehgucken können (Fußball-Boxing-Day in England und Schottland) und sogar über den Teich zur NBA und NFL. Aber auch hierzulande haben die Ligen jenseits des Fußballs die Zeichen erkannt: volles Programm im Eishockey und Basketball generiert viel Interesse in der (noch?) fußballlosen Zeit.
Die Premier League im Stress
Als einzige der großen Fußball-Ligen spielt die Premier League während der Weihnachtstage durch: Mit dem Boxing Day am 26. Dezember beginnt ein haarsträubend dichtes Programm. Erstaunlicherweise ist für den 26. Dezember kein echter Schlager der Big Six untereinander programmiert im über den ganzen Tag verteilten Spieltag, der von 13.30 Uhr (ManCity vs Everton) bis 21 Uhr (Liverpool vs Aufsteiger Everton) reicht. Der FC Arsenal spielt gar erst am Freitag (21.00) vs Ipswich Town. Gleiches gilt für den nächsten Spieltag, der für Sonntag und Montag angesetzt ist.
Die Serie A hat einen Spieltag am Wochenende: Tabellenführer Atalanta Bergamo will seine unfassbare Siegesserie auf 12 Spiele ausbauen. Die Verfolger Napoli und Inter spielen vs Vendedig (So., 15.00) und in Cagliari (Sa., 18.00) Schlager des Spieltags ist die Partie zwischen Milan und der Roma am Sonntag in San Siro (So., 20.45).
Festtage der NBA
Für viele Basketball-Freunde beginnt die NBA mit dem 25. Dezember erst so richtig. Da nämlich terminiert die Liga über den gesamten Tag einen (vermeintlichen) Schlager nach dem anderen, die landesweit (und über DAZN eben weltweit zu 5 verschiedenen Tip-off-Zeiten terminiert sind. Es beginnt also heute unserer Zeit
18.00: San Antonio Spurs – New York Knicks (Wemby-Watch)
20.30: Dallas Mavericks – Minnesota Timberwolves (auch Pro7 Maxx)
23.00: Boston Celtics vs Philadelphia 76ers (wers braucht)
02:00: Golden State Warriors – LA Lakers (große Namen oder auch Curry vs James)
04:00: Phoenix Suns – Denver Nuggets (für die Nachteulen und Spätheimkehrer das Messen zwischen Kevin Durant und Nikola Jokic). Alles natürlich auch relive.
Am 2. Weihnachtstag (Freitagmorgen unserer Zeit) dürfen dann die anderen Teams ran, unter anderem das Floridaduell zwischen den Orlando Magic (leider ohne die verletzten Wagner-Brüder) gegen die Miami Heat. Das beste Welt-Team Oklahoma City Thunder ist bei den wiedererstarkten Indiana Pacers (zuletzt 2 Siege an der Pazifikküste bei den Sacramento Kings und golden State Warriors) gefordert.
NFL startet bereits am Mittwoch
Ich kann mich nicht erinnern, dass es Mitttwochspiele überhaupt schon mal gegeben hat. Möglich ist das jetzt auch nur, weil die vier involvierten Teams bereits am vergangenen Samstag tätig waren, also das Minimum an spielfreien Tagen haben.
Um 19 Uhr empfangen die Pittsburgh Steelers die Kansas City Chiefs. Beide Teams sind schon sicher in den Play-offs. Mit einem Sieg könnten die Chiefs schon vor dem letzten Spieltag nächste Woche den Sieg in der AFC klarmachen, der Freilos in der 1. Runde bedeuten würde. Die Stellers sind im Fernduell um den Divisionssieg mit den Baltimore Ravens. Die wiederum spielen um 22 Uhr bei den Houston Texans.
In der AFC sind die 7 Play-off-Plätze schon so gut wie vergeben. Nur noch arg theoretisch können die Denver Broncos und LA Chargers (hier: praktisch unmöglich) noch von den Cincinatti Bengals (Defense: großer Seufzer) und Indianapolis Colts abgefangen werden.
In der NFC gibt es noch ein wüstes Gerangel um den Number-1-Spot und das Play-off-Freilos zwischen den Detroit Lions, Minnesota Vikings und Philadelphia Eagles. Jeweils um Divisionssiege geht es in der NFC South zwischen den Tampa Bay Buccaneers und Atlanta Falcons (allerdings nur Fernduelle) sowie in der NFC West zwischen LA Rams und Seattle Seahawks, wo es am letzten Spieltag (So., 5. Januar) beim direkten Aufeinandertreffenin LA vielleicht zum Showdown kommt.
Ski Heil
Die Männer-Speedrennen in Bormio kurz vor Jahresschluss gehören seit Langem zum festen Programm. Die anspruchsvolle und extrem fordernde Stelvio-Abfahrt gehört zu meinen Lieblingsstrecken im Kalender. Samstag (11.30) die Abfahrt, Sonntag (11.30) auf gleicher Strecke der Super-G.
Ebenso traditionell zwei technische Wettbewerbe der Frauen in Österreich, diesmal wieder am Semmering. Allerdings immer noch ohne die verletzte und wohl noch länger pausierende Mikaela Shiffrin, was meine Vorfreude trübt. Es stehen auf dem Programm: Samstag Riesenslalom und Sonntag Slalom (eine weitere Sieg-Chance für Lena Dürr, wenn ihr doch mal zwei herausragende Läufe gelängen).
Schanzenglück für Pius Paschke?
Kaum zu glauben, aber wahr: Seit 2002 und dem Grand Slam von Sven Hannawald wartet Deutschland auf einen Tourneesieger. Der nächste, der es aussichtsreich versucht, ist Pius Paschke, der mit seinen 33 Jahren plötzlich zum Siegspringer avancierte. Die große Frage lautet: Kann er seine Top-Form (das eher missratene Wochenende in Engelberg vor Weihnachten lasse ich jetzt mal außen vor) zu den 4 Springen in Oberstdorf, Garmisch, Innsbruck (DIE deutsche Klippe) und Bischofshofen hinüberbringen. Die Erwartungshaltung, der besondere Druck sind etwas Besonderes und mit den bisherigen Saison-Wettbewerben nicht zu vergleichen. Da nützt Paschke seine Erfahrung. Auch Andreas Wellinger und Karl Geiger sind in seinem Windschatten zu beachten.
Die schärfsten Konkurrenten kommen aus Österreich, und zwar in kompletter Mannschaftsstärke. Ob jung (Daniel Tschofenig) oder erfahren (Jan Hörl, Stefan Kraft) Team Austria steht bereit. Und traditionell wachen pünktlich zur Tournee auch Top-Springer wie der Japaner Ryoko Kobayashi und auch die Norweger wieder aus ihrem Winterschlaf auf.
Es geht rund im Ally Pally
Freitag bis Sonntag steht die 3. Runde an, danach geht es Schlag auf Schlag. Schon in der 2. Runde gab es für einige Favoriten ein böses Erwachen. Ex-Weltmeister wie Rob Cross und Gary Anderson mussten früh die Titel-Hoffnungen begraben. Insgesamt schieden gleich 14 der 32 Gesetzten aus – das hat es noch nie gegeben. Dagegen brillierte Wunderkind Luke Littler mit einem sagenhaften und einem bisher unerreichten 140er Average-Satz (2 Elf-Darter, 1-Zehn-Darter). In der Form führt der WM-Sieg nur über den 17-jährigen Engländer.
Ein böses Erwachen gab es für die deutschen Starter. Allein Ricardo Pietreczo ist noch im Wettbewerb und hat am Samstag mit Scott Williams eine durchaus lösbare Aufgabe in der 3. Runde. Das frühe Aus war vor allem für die ambitionierten und auch gesetzten Martin Schindler (vs Rydz) und Gaga Clemens (vs Owen) eine herbe Enttäuschung.
Und sonst?
- Basketball: Sowohl BBL als auch die europäischen Wettbewerbe setzen ihren Liga-Betrieb fort. Ich wollte bei der Partie FC Bayern vs Panathinaikos (Freitag, 20.30) live dabei sein, aber der SAP Garden ist ausverkauft. Am Sonntag sind die Münchner in der BBL bei den Frankfurt Skyliners gefordert, wo sie ihre Tabellenführung verteidigen wollen.
- DEL: Am Donnerstag und Sonntag steht ein Doppelspieltag an mit je sechs Partien. Der mittlerweile souveräne Tabellenführer ERC Ingolstadt empfängt RB München (Do., 16.30) und gastiert bei den Nürnberg Ice Tigers (Sa., 18.00).
Wer vom Eishockey nicht genug kriegen kann: Nach der Weihnachtspause (tatsächlich!) öffnet dann auch die NHL mit vollem Programm wieder ihre Pforten.
- Wintersport: Für mich an Bedeutung verloren hat die Tour de Ski, auch weil die Top-Leute sie ganz meiden oder nur partiell in Angriff nehmen. Die diesjährige Veranstaltung findet erstmals ausschließlich in Italien (Toblach, Val di Fiemme) statt (es gab mal ein Rennen im Münchner Olympiapark, seufz …). Höhepunkt wird dann am 5. Januar der Anstieg zur Alpe Cermis sein, wo die Läufer und vor allem Läuferinnen im Ziel wie erschlagen in den Schnee fallen. Ob dann deutsche Starterinnen wie die bisher eindrucksvollen Victoria Carl und Katharina Hennig vorn zu finden sein werden, bleibt abzuwarten. Ansonsten ist die Frage eigentlich nur, welcher der tausend Norweger am Ende vorn ist und welchen Vorspung Landsfrau Therese Johaug auf die Konkurrenz hat, wenn sie denn seriös durchläuft.
Biathlon aufSchalke gehört mittlerweile zum Standard Ende Dezember, wo zahlreiche Spitzenläufer zwar nicht um Weltcuppunkte, aber um satte Prämien kämpfen. Auf das siegreiche Mixed-Team (Massenstart und Verfolgung) warten immerhin 36.000 Euro. Für Deutschland starten die Weltcup-Führende Franziska Preuß mit Philipp Nawrath und Vanessa Voigt mit Justus Strelow) Dabei sind auch die französischen Titelverteidiger Julia Simon/Fabien Claude. Die Fußball-Arena dürfte am Samstag ausverkauft sein.
- Tennis: Am Freitag beginnt in Perth der United Cup der Mixed-Teams als perfekte Vorbereitung auf die Australian Open ab 12. Januar in Melbourne. Für Deutschland starten Alexander Zverev, Laura Siegemund und Doppelspezialist Tim Pütz. In der Gruppe treffen sie am Sonntag auf Brasilien und danach auf China (ohne Olympiasiegerin Qinwen Zheng). Die absoluten Topstars der Szene (Sinner, Alcaraz, Swiatek, Sabalenka sind zwar nicht dabei, gemeldet haben aber namhafte Profis wie Coco Gauff, Lena Rybakina, Maria Sakkari, Jasmine Paolini sowie Taylor Fritz, Stefanos Tstitsipas, Alex die Minaur und Felix Auger-Alliasime.
Das sind sie also, die sogenannten stillen Sporttage. Ich wünsche viel Vergnügen oder auch fröhliches Ignorieren.
Auf jeden Fall wünsche ich allen noch frohe und besinnliche Festtage und ein gutes Hinüberrutschen ins neue Jahr, das weltweit gesehen nur besser werden kann als das annus horribilis 2024.
von Münchner Löwe | Dez. 19, 2024 | Leichtathletik
Es ist mir unmöglich (und ich will es gar nicht), dass ich hier über jeden verstorbenen Sportler (Menschen) ein paar Zeilen finde. Aber jene, die mir viel bedeuteten (vor allem auch in meinen jungen Jahren), möchte ich länger würdigen
Der kleine Gstumperte mit dem Zug, dass es nur rauscht
Autogramme von berühmten Persönlichkeiten haben mich nie interessiert. Aber jenes des Klaus Wolfermann hatte ich. (Ein)gesammelt beim sogenannten Olympischen Tag im Herbst 1972 in einem vom Regen durchweichten Oktavheft (gibt es sowas überhaupt noch?). Dort verewigte (naja, die Zeit des Oktavhefts war endlich, fürchte ich) er sich mit seinem Schriftzug zusammen mit Hildegard Falck, der 800-Meter-Olympiasiegerin. Meine Schwester hatte dann zu Weihnachten 7 große Olympia-Plakate bekommen (ich nur eines von Gerd Müller, seufz). Und da hing er in all seiner Schönheit, naja, neben Ulrike Meyfahrt, Heide Rosendahl, Mark Spitz, Shane Gould und zwei Vergessenen. Leider sind auch diese diversen Umzügen zum Opfer gefallen.
Falck und Wolfermann waren im Sommer 72 Olympiasieger geworden, am selben Tag (3.September), fast zum selben Moment: am Goldenen (auch noch Sonntag)-Nachmittag der (bundes)deutschen Leichtathletik im Münchner Olympiastadion, weil auch Geher Bernd Kannenberg über 50 Kilometer triumphierte. Zwei Tage vor dem schrecklichen Attentat hätte die Stimmung heiterer und ausgelassener unterm Zeltdach nicht sein können. Der fürchterliche 5. September: Mit einem von den Palistinensern ermordeten Israeli, dem Gewichtheber Josef Romano, war Wolfermann gut bekannt; er hatte mit ihm Tage zuvor im Kraftraum trainiert.
Der Speerwurfsieg von Klaus Wolfermann war eine Sensation, denn es gab zu dieser Zeit einen unschlagbaren Russen (eigentlich Letten): Janis Lusis, der seit seinem Olympiasieg 68 in Mexiko keinen einzigen Wettkampf verloren und gerade einen fantastischen Weltrekord aufgestellt hatte. Wolfermann, für einen Speerwerfer eher klein und gedrungen und mit viel zu kurzen Armen („ich war der kleine Gstumperte“), schleuderte im 5. Durchgang den Speer auf bis dato für ihn unerreichte 90,48 Meter („Ich hatte einen Zug, dass es nur so rauscht“). Lusis war beeindruckt, warf entnervt einen Apfel zu Boden hatte aber noch einen Wurf zum Konter. Der 6. Versuch war seine Spezialität. ich habe die Radioreportage (auf Platte leider verschollen) noch immer im Ohr. (“ …und er wirft ihn hoch und weit“) … dann das lange Warten (Platte: knisternde Spannung, daher kommt das also), ob es gereicht hat. Die Weitenrichter maßen (hoffentlich richtig) 90,46; der kleinstmögliche Abstand, da damals die Weiten noch im 2-Zentimeter-Abstand gemessen wurden, der Himmel weiß, warum. Jetzt sprang Klaus Wolfermann wie wild umher (wenn denn jemals die Bezeichnung „Wie ein Flummi“ zutreffend war, dann damals bei diesem kompakten auf und ab hüpfenden Energie-Bündel).
Das schönste an dieser Geschichte: Wolfermann entschuldigte sich fast bei dem großen Janis Lusis, und der sagte: Macht doch nichts, ich habe ja schon Gold. Danach (auch schon zu Zeiten des Kalten Krieges) wurden ohnehin schon guten Bekannten enge Freunde fürs Leben bis zu Lusis‘ Tod 2020, zu dem Wolfermann ergreifende Worte fand, er es aber wegen Corona nicht zur Trauerfeier nach Lettland schaffte.
Der gebürtige Endorfer war aber beileibe kein One-Hit-Wonder. 1973 stellte er einen Weltrekord auf mit 94,08 Meter, eine Marke, die ewig lange Deutscher Rekord bleiben sollte. Wenn ich mich nicht irre, wurde diese Marke in der Bundesrepublik nie verbessert bis zur Neuausrichtung des Speers 1986. Zu Olympia in Montreal 1976 konnte er wegen einer Ellenbogen-Verletzung (kein Zug mehr im Arm) nicht starten.
2022 anlässlich der European Games in München trat Wolfermann noch mal ins Scheinwerferlicht. Der immer schon lichte Haarkranz war fast gänzlich verschwunden, der schwarze Vollbart in Ehren ergraut und nicht mehr so dicht. Geblieben war das listig-freundliche Lächeln und der bayerische Dialekt, mit denen er auf sein Gold 1972 zurückblickte. Das ihn berühmt machte, und weshalb er es in mein Oktavheft schaffte (naja).
Jetzt ist Klaus im Alter von 78 Jahren gestorben. Er wird sehr fehlen
RIP, Klaus Wolfermann
von Münchner Löwe | Dez. 18, 2024 | basketball
Blick über den Teich, NBA
Thunder(storm), das klingt bedrohlich, nach Unwettern, Tornados, die gerne auch den US-Bundesstaat Oklahoma heimsuchen, weshalb das Basketballteam der Hauptstadt Oklahoma City Thunder heißen. Bisher sind sie in der Saison auch ziemlich über ihre Gegner hinweggefegt, haben in der extrem starken Western Conference mit 20:5 Siegen klar die beste Bilanz (immerhin schon 3 Spiele schon Vorsprung auf Rang 2).
Ausgerechnet im Finale des NBA-Cups allerdings gab es seitens der Thunder nur ein laues Lüftchen gegen die Milwaukee Bucks um Giannis A. und Damian Lillard. Hielten sie auch wegen eines zunächst starken Centers Isaiah Hartenstein die Partie bis zur Pause noch einigermaßen ausgeglichen (50:51), fielen sie im 2. Durchgang regelrecht auseinander und schafften insgesamt nur 30 Punkte (die sie sonst regelmäßig in nur einem Viertel auf die Anzeigetafel bringen). Die Wurfquote nach der Pause war verheerend (11 von 42), und trotz der zahllosen Abpraller am offensiven Brett (wegen der vielen Fahrkarten) schnappten sie sich gerade mal 3 Offensiv-Rebounds. Die Bucks dagegen schafften in der 2. Halbzeit das Kunststück einer besseren Dreier- als Zweierquote.
Herausragend war mal wieder Giannis Antetokuonpo, der folgerichtig und hochverdient zum MvP gewählt wurde. 26 Punkte, 19 Rebounds, 10 Assists, 3 Blocks, 2 Steals lautete seine Bilanz, die jeden Fantasy-Spieler ins Jubeln gebracht hätte (nur wird diese Partie nicht für die NBA gewertet, weil sie für beide Teams zusätzlich als 83. auf dem Programm steht). Jeder, der ihn nicht in seinem Kader hat, wird ins Grübeln kommen, ihn zu traden …
Was bleibt
– ist ein deutliches Achtungszeichen der Bucks, die trotz der Glanzleistung von Giannis zeigten, dass sie nicht auf ihn angewiesen sind und
endlich mal auch schöne Kombinationen zeigten
– die Erkenntnis, dass die Thunder trotz starker Defense durchaus verwundbar sind, wenn ihre (Distanz-)Würfe nicht fallen.
– der vorzügliche Eindruck, den der deutsche Center Isaiah Hartenstein einmal mehr bei seinem neuen Club Oklahoma City
hinterlassen hat.
Und der nächste (Thunder)Sturm, der diesen Namen auch verdient, ist nur eine Frage der Zeit.
von Münchner Löwe | Dez. 17, 2024 | bundesliga, Fußball, NBA, ski alpin, Tennis, Wintersport, Wochenrückschau
Erst am Dienstag, shame on me. Aber der Feuerzeugwurf in der Försterei war mir einen eigenen Eintrag wert, und danach verließen mich die Kräfte …
Der Bayern-Angstgegner heißt Mainz
Kaum zu glauben: Das 1:2 der Münchner war die vierte Niederlage beim FSV in den vergangenen fünf Auswärtsspielen in der Bundesliga. Und sie war mehr als verdient, denn der Auftritt des Rekordmeisters war der mit Abstand schwächste in der laufenden Spielzeit.
Sehr engagierte Mainzer (oft auch über die Grenzen hinaus) nahmen den Bayern nach einer duchaus ansprechenden ersten Viertelstunde den Schneid. Die beiden Tore des Koreaners Lee waren eher Slapstick, dass der eingewechselte Vorlagengeber Armando Sieb eine Münchner Leihgabe ist, ist das i-Tüpfelchen. (Auch) eine Erklärung des dürftigen Auftritts: Den Bayern fehlten 9 (erweiterte Stammspieler, das können nicht mal sie kompensieren. Und bei Lichte betrachtet haben sie bis auf Harry Kane und Jamal Musiala keinen Ausnahmespieler mehr, der den Unterschied ausmacht. Gut für die Münchner, dass für sie nur noch ein Spiel am Freitag gegen RB Leipzig auf dem Programm steht, denn das Team geht sichtlich auf dem Zahnfleisch.
Die Herbstmeisterschaft ist dennoch sicher, aber Mister Bayer Leverkusen macht gerade einen viel besseren Eindruck. Verspircht Spannung fürs Titelrennen 20256.
Dennis Schröder jetzt ein Warrior
Zu den Perversionen der NBA gehört es, dass die Spieler ohne jedes Mitspracherecht (die allermeisten zumindest) von einem Team zum anderen transferiert werden. Noch perverser ist das Tanking, also das absichtliche Verlieren. Die Personalie Dennis Schröder verdeutlicht beide Perversionen aufs Deutlichste. Gerade hat er in Interviews geäußert, wie wohl er sich und seine Familie bei den New Jersey Nets fühlen und in der Stadt New York, da heiß es für ihn Kofferpacken und ab ans andere Ende der USA nach San Francisco zu den Golden State Warriors. Die Begründung: Dennis Schröder hat zu gut gespielt und mit den Netsz u viel gewonnen. Es „droht“ sogar die Qualifikation für die Play-offs, zumal im schwachen Osten. Dabei wollen die Nets doch eher verlieren, um 2025 in der neuen Draft-Lotterie sich als eines der ersten Spieler einen ganz, ganz tollen Collegespieler zu schnappen.
Nun muss ich mit dem bestens alimentierten Dennis Schröder kein Mitleid haben. Zumal er mit den Warriors um Steph Curry ein vielleicht sogar titelreifes Team vorfindet, in das er mit seinen Spielmacher-Qualitäten bestens passt. Golden State empfängt ihn mit offenen Armen, gerade die WM 2023, als Schröder das deutsche Team als Kapitän zum WM-Sieg führte unter anderem auch mit einem Erfolg über die USA, hat bei Trainer Steve Kerr Eindruck gemacht. Also eine Win-Win-win-Lösung für alle Beteiligten. Pervers bleibts trotzdem.
Odermatt siegt, Vonn fährt Probe
Die Abfahrtspiste Birds of Prey in Beaver Creek ist eine meine Lieblingsstrecken im Ski-Kalender (vielleicht ein bisschen zu kurz). Am Wochenende durften hier endlich auch die Frauen ran, und die Steilstücke waren für sie durchaus eine Herausforderung. Sie meisterten das glänzend, am besten am Samstag die Österreicherin Cornelia Hütter (Abfahrt) und am Sonntag die unglaubliche Italienerin Sofia Goggia im Super-G, die gerade mal ihr Comeback nach einer schweren Beinverletzung bestritt. Die Speed-Queen ist wieder da.
Apropos Speed-Queen: Diesen Titel hatte lange Jahre unbestritten Lindsey Vonn inne. Die Amerikanerin arbeitet sukzessive an ihrem Comeback. Nach den FIS-Rennen in Copper Mountain, wo sie ihre Abffahrtstauglichkeit zeigte, bezwang sie die Birds of Prey als Vorläuferin, und sie war offenbar im Super-G gerade mal etwa 2 Sekunden hinter der Siegerin (inoffiziell gestoppt). Am Wochenende in St. Moritz, längst nicht so herausfordernd, will sie dann bei zwei Super-Gs offiziell wieder ins Weltcup-Beschehen eingreifen.
Die Männer waren bereits wieder in Europa, bestritten in Val s’Isere Riesenslalom und Slalom. Im RS siegte Marco Odermatt nach zuletzt 3 Ausflällen, was ihn sichtlich erleichterte. Das Rennen im 2. Durchgang war für mich irregulär, da die besten, also später startenden Fahrer eine fast unfahrbare Piste und schlechte Sicht vorfanden. Die Gunst der Stunde nutzte der Österreicher Patrick Feurstein, der auf Platz 2 seinen ersten Podestplatz fixierte. Schön für ihn, es ist halt Freiluftsport.
Im Slalom kam Henrik Kristoffersen endlich mit seinem Ski-Material bestens zurecht und siegte vor seinem norwegischen Landsmann Ali McGrath und Luc Meillard aus der Schweiz. Nur noch eine Frage der Zeit ist es, bis Lcas Pinheiro Braaten, diesmal Fünfter, ganz oben aufs Siegertreppchen steigt bei seinem Comeback nach einem Jahr Pause. Dagegen läuft es für Linus Straßer überhaupt nicht. Der Skilöwe schied im 2. Lauf aus und wartet auch nach dem 3. Rennen auf einen Podestplatz in dieser Saison.
Manchester United macht United-Things
Fußball-Fans werden oft gefragt, warum sie sich das antun: viele dahinmäändernde Spiele sich live anschauen, in denen wenig bis nichts passiert. Da reiche doch eine Zusammenfassung. Diese Anklage hat oft gute Gründe, seufz, umso schöner ist es dann, wenn es noch besseres Anschauungs-Material zur Exculpation gibt; wie am Sonntag die letzten fünf Minuten beim Manchester-Derby City vs United. 87 Miinuten war es das vor sich hin määndernde Spiel, durchaus mit einigen Nettigkeiten wie dem Führungstor für City. Es folgte die tolle Schlussphase. Ausgleich United und nicht einmal 2 Minuten später Siegestor United mit einem irren Treffer. Und plötzlich ward aus dem Normalo-Spiel eines für die Geschichtsbücher.
Wem das bekannt vorkommt: Der FC Bayern kann von derlei United-Nachspielzeiten ein. trauriges Erinnerungs-Lied singen. Man sage nur: Barcelona, 1999, Solkskjaer, und jeder Fan wird seufzend (jeder Nicht-Fan lächselnd) Bescheid wissen und einem vemeintlich sicheren Champions-League-Triumph hinterhertrauern. Damals war es Usus für Manchester United, späte Spiele zu gewinnen, die gute alte Fergie-Time. Jetzt lebte Sir Alex wieder auf im Etihad. City dagegen und der zunehmend verzweifelte Pep Guardiola versinken fast schon im Premier-League-Mittelmaß.
Und sonst
- Bundesliga: Den Feuerzeugwurf von Berlin, der den Bochumer Torwart traf, habe ich gestern schon „gewürdigt“. sollte der VfL am Grünen Tisch die 3 Punkte erhalten, sieht er im Abstiegs-Schneckenrennen wieder Land. In diesem sind vor allem noch Holstein Kiel, Heidenheim und St. Pauli involviert. Stand heute würde ich den hamburgern die besten Chancen auf Rettung zubilligen.
- Internationaler Fußball, Unfassbare Siegersserie. Atlanta Bergamo hat das zehnte Spiel in Folge in der Serie A gewonnen (Vereinsrekord ausgebaut) und die Tabellenführung verteidigt. Inter gewann am Montag in beeindruckender Manier mit 6:0 bei Lazio.
Spitzenclubs schwächeln: Der FC Barcelona hat in der Primera Division den brillanten Start schon fast verspielt. Die 0:1-Heimniederlage gegen Aufsteiger Legranes war der vorläufige Höhepunkt einer Abwärtsspirale. Noch ist Barca Tabellenführer, weil auch Real Madrid viele Punkte lässt. Team der Stunde ist Atlético mit zuletzt 6 Siegen in Folge. Am Samstag empfängt Barca das Team von Trainer Diego Simeone. Eine weitere Pleite, und die Spitze ist futsch.
- Wintersport: Skispringer Pius Paschke ist auf seine alten Tage (sorry) weiter in bestechender Form. Er gewann beide Wettbewerbe auf der Großschanze von Titisee-Neustadt und siegte zusammen mit Andreas Wellinger auch im Team. Souverän führt er den Weltcup an.
Nicht viel schlechter ergeht es Franziska Preuß. Die Biathletin gewann den Sprint in Hochfilzen und wurde in der verfolgung Dritte hinter Lou Jeanmonnot und Vanessa Voigt. Auch sie führt den Weltcup an.
- Handball: Triumph für Norwegens Frauen bei der Europameisterschaft. Im Wiener Finale gewann das zurzeit mit Abstand beste Team der Welt (zuletzt dreimal Olympiasiegerin) klar gegen Dänemark. Von der absoluten Spitze ist die deutsche Mannschaft doch noch ein Stäck weit entfernt. Da bleibt bis zur Heim-WM Ende 2025 noch einiges zu tun, will man wenigstens in den Medaillenkampf eingreifen. Norwegen erscheint mir unbezwingbar.
In der Männer-Bundesliga baute MT Meldungen die Tabellenführung durch zwei klare Siege gegen HSV Hamburg und in Gummersbach auf zwei Punkte aus. Dahinte ein dichtes Vefolgerfeld mit Hannover-Burgdorf, den Füchsen Belin, SC Magdeburg, dem THW Kiel. Extrem viel Spannung ist angesagt in der vermeintlich besten Liga der Welt.
von Münchner Löwe | Dez. 16, 2024 | Fußball, WNBA
Aufreger des Bundesliga-Spieltags war keine sportliche Begebenheit, obwohl die erste Niederlage des FC Bayern in Mainz durchaus Amüsement auslöste sondern ein Zuschauer-Idiot bei der Partie 1. FC Union Berlin vs VfL Bochum. Ein vermeintlicher Fan des so stolzen 1. FC Union sah sich in der Nachspielzeit beim Stand von 1:1 bemüßigt, ein Feuerzeug aufs Spielfeld zu werfen. Logisch, heißt ja auch Wegwerffeuerzeug. Dummerweise und vielleicht auch gar nicht gewollt traf dieses weggeworfene Wegwerffeuerzeug den Bochumer Torwart Patrick Drewes, vielmehr streifte es ihn am Hinterkopf. Er erschrak sichtlich, sammelte das Feuerzeug als Beweisstück ein. Sekunden später eilten zwei Betreuer aufs Feld und führten den allen Anschein nach Benommenen in die Kabine. Dorthin bat dann auch Schiedsrichter Petersen alle Spieler. Nach 28 Minuten Pause, in denen sich Petersen mit dem Schiri-Boss per Telefon beratschlagte, kamen die Profis zurück und spielten die Partie, also die angegebene Nachspielzeit ohne jede Aktion zu Ende. Ein abgesprochener Nichtangriffspakt (da finde ich es übrigens immer sehr süß, dass Petersen die Zeit auf die Sekunde genau einhielt, bevor er abpfiff).
Drewes war da nicht mehr dabei, und da die Bochumer nicht mehr auswechseln durften, mimte Feldspieler Philipp Hofman den Schlussmann, berührte aber nicht einen einzigen Ball. Drewes, dem die Bochumer Übelkeit attestierten, wurde ins Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte keine schwereren Verletzungen feststellten. Er konnte noch in der Nacht die Klinik verlassen. Am heutigen Montag legte der VfL wie angekündigt offiziell Einspruch gegen die Spielwertung ein. Der Club hofft auf 3 Punkte am Grünen Tisch, die im Abstiegskampf ziemlch helfen könnten.
So weit die traurigen Fakten, das Nachspiel ist teilweise noch viel trauriger. Zum einen wird reichlich unverhohlen Drewes Schauspielerei vorgeworfen. Das Feuerzeug habe ihn nur gestreift, könne also gar keinen Schaden angerichtet haben. So klang es nicht nur erbost und feindselig in Kommentarspalten, auch in denen von seriösen Blättern wie die Süddeutsche Zeitung. Auch viele der sogenannten Experten sprangen auf den Zug wie Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe (lange Zeit der beste seiner Zunft in Deutschland. „Feuerzeugwurf ist inakzeptabel!! Aber das Schmierentheater von Drewes auch!“ Nichts anderes als Schauspielerei wirft er dem Schlussmann vor. Per Ferndiagnose aus Fernsehbildern. Die Erfahrung hat ja auch schon jeder gemacht, dass man mit einem Feuerzeug aus 30 Metern Höhe getroffen wird.
Zumindest auf Oliver Kahn trifft das tatsächlich zu, bei ihm war es sogar ein Golfball, der ihn bei einem Pokalspiel in Freiburg an der Schläfe traf. Er kehrte damals tatsächlich aufs Spielfeld zurück, mit blutverschmierten Verband und Trikot.
https://www.sportschau.de/fussball/2000-als-kahn-vom-golfball-am-kopf-getroffen-wurde,video-historie-fc-bayern-sc-freiburg-100.html
Jetzt befand er: „Er hätte es zumindest versuchen müssen weiterzuspielen.“ Zumindest das Wort Betrug nahm er nicht in den Mund.
Ich finde diese Täter-Opfer-Umkehr beschämend. Wir können alle nicht in den Kopf von Drewes reinschauen können, ihm Schauspielerei ohne den geringsten Anhaltspunkt vorzuwerfen. Wie groß war der Schmerz, der Schock? Die Angst vor einem zweiten Wegwerffeuerzeug-Depp?
Und soll man jetzt wirklich dem VfL Bochum vorwerfen, alles Mögliche zu versuchen, die drei Punkte zu ergattern (also zwei zusätzliche). Wie war das denn mit den Protesten nach unerlaubten Auswechslungen, die ohne jede auswirkung aufs Spiel blieben? Eintracht Frankfurt profitierte von den 4 Amateur-Bayern, obwohl sie das Spiel haushoch verloren hatte. Lauterns Meistertrainer Otto Rehhagel wechselte aus Vesehen einen damals vebotenen 4. Ausländer ein und reagierte umgehend mit der Wieder-Auswechslung, als ihm der Fauxpas auffiel. Spielwertung zu Gunsten des Gegners, der, Trommelwirbel, VfL Bochum hieß.Das war 1998
Kein Ruhmesblatt heimste auch Unions Sportdirektor Horst Heldt ein, den ich seit seiner Zeit bei den Münchner Löwen (Großer Seufzer!) sehr gerne mag. Der erging sich nach dem Spiel tatsächlich erst mal in einer länglichen Spielanalyse (die allerdings keine Sau interessierte). Danach schwadronierte er von einem Einzeltäter (den die Polizei übrigens schon ermittelt zu haben glaubt). dabei flogen vor und nach dem Kopftreffer auch andere Wegwerffeuerzeuge aufs Spielfeld, wie Bochumer Profis versicherten.
Für mich kann es nur eine Entscheidung geben, nämlich die Spielwertung zu Gunsten des VfL. So bitter das für die Abstiegskampf-Konkurrenten sein mag. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob die Bochumer nach der Auswechslug mit einem Mann weniger spielen mussten. Auch die Dauer der noch zu absolvierenden (Nachspiel)-Zeit dürfte ohne Bedeutung bleiben, denn wo soll da eine vernünftige und nicht rein willkürliche Grenze gezogen werden?
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