von Münchner Löwe | Jan. 26, 2025 | Tennis
Die Australian Open sind zu Ende, doch für Alexander Zverev gab es kein Happy End. Im Finale unterlag er dem Weltranglistenersten Jannik Sinner 3:6, 6:7, 3:6. Er verlor damit das dritte Mal bei seinem dritten Grand-Slam-Finale nach den beiden Fünfsatz-Pleiten gegen Dominic Thiem (US Open 2020) und Carlos Alcáraz (French Open 2024). Drei Finalsniederlagen bei drei verschiedenen GS-Turnieren bei keinem eigenen Sieg, das hat es meiner Kurz-Recherche nach noch nie gegeben. Ivan Lendl hat allerdings sogar seine ersten 4 Finals verloren, bevor er 1985 in Flushing Meadows triumphierte.
Im Finale kann sich Zverev gar nicht viel vorwerfen. Sinner war an diesem Tag einfach der bessere Spieler, machte mit seinem eersten Aufschlag 83 Prozent der möglichen Punkte, ein unfassbar guter Wert. Folgerichtig musste der Italiener nicht einen einzigen Breakball abwehren. Dazu kam noch Glück hinzu wie sein unerreichbarer Netzroller im Tiebreak des 2. Satzes. Wenn (ja dieses Wen …) Zverev den gewonnen hätte, wäre die Partie vielleicht gekippt. Dadi wari, verschüttete Milch.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass ein Zverev mit seiner eher abwartenden Spielweise gegen einen Sinner auch nur in guter Form ohne Chance ist (und wahrscheinlich auch gegen Carlos Alcáraz). Zverev steht jetzt vor der sehr schwierigen Entscheidung: Ändert er sein Spiel zu mehr Risiko, also ein, zwei Schritte näher zur Grundlinie, wie es objektive Beobachter schon länger fordern. Doch letztlich hat ihn dieses Spiel nicht nur dreimal in ein GS-Finale geführt (in Melbourne praktisch unangefochten); er ist auch die ganz klare Nummer 2 hinter einem seit einem Jahr schier unbezwingbaren Sinner.
Und damit komme ich zur eigentlichen Tragik des ganzen Turniers: Meines Erachtens nämlich dürfte es den Triumphator Sinner gar nicht geben nach seinen zwei positiven Dopingproben vom März 2024. Die der Tennisverband schlicht ignorierte (bzw. die Räuberpistole des händeverseuchten Masseurs glaubte). Und das Tun dieses engen Vertrauten nicht Sinner zurechnete, obwohl das in derlei Fällen zwingend ist. Dass der CAS bisher den Einspruch der Dopingagentur gegen diesen skandalösen Freispruch nicht entschied, sonden sich erst im März dazu bequemt, st en weiterrer Skandal. Sinner hat damit 2 Grand-Slam-Turniere gewonnen (auch die US Open 2024), an denen er nicht hätte teilnehmen können, wenn es auch nur ansatzweise mit rechten Dingen zugegangen wäre. Betrogen werden damit alle Zuschauer, all seine Gegner. Un er selbs hat zwei Sieger-Schecks in Höhe von insgesamt 5 Millionen Euro kassiert.
Gestern war Eva Lys im ZDF-Sportstudio: ohne Namen zu nennen hat sie auf die enorme Ungleichbehandlung nahmhafter Tennisstars und dem Rest verwiesen (auch ohne Namen zu nennen: Dass sie neben der Polin Iga Swiatek auch Jannik Sinner meinte, lag klar auf der Hand). Ich übersetze: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Widerlich, und das schreibe ich als Sinner-Fan, der ich bis zur Doping-Bekanntgabe war.
Fantastische Madison Keys
Während mich das Männer-Finale nicht vom Sofasitz riss, war das beim Frauen-Finale am Samstag zwischen Titelverteidigerin Aryna Sabalenka und Madison Keys ganz anders. Ein söektakuläres Endpiel, spannend bis zum tatsächlich entscheidnenden Matchball, den Keys mit einem brachialen Winner für sich entschied. Was im Tennis äußerst selten vorkommt. Beide Spielerinnen packten in der entscheidenden Phase der Partie ihr allerbestes Tennis aus. Dumme Fehler gab es kaum noch, dafür Traumschläge en masse auf beiden Seiten.
Disclaimer: Ich bin Fan von Madison Keys, seitdem sie mit 14 jahren in der Profitour aufschlägt. Ein Riesentalent, doch in entscheidenden Momenten nicht Herrin ihrer Nerven. Es gab Experten wie zum Beispiel Oliver Faßnacht von Eurosport, der sogar wetten wollte: Keys wird nie ein Grand-Slam-Turnier gewinnen, trotz ihrers fulminanten Aufschlags und krachenden Grundschläge. Weil sie nicht Herrin ihrer Nerven sei, in entscheidenden Phasen oft die falschen Entscheidungen treffe.
Ich fand das damals extrem anmaßend, gerade in dieser Endgüligkeit. Als ob sich ein 17-jähriger hochtalentierter Mensch nicht ändern könnte. Doch Faßnacht schien recht zu behalten. Einmal erreichte sie zwar in New York das Finale, das sie allerdings völlig wegwarf und absolut chancenlos gegen ihre gute Freundin Sloane Stevens.
In den vergangenen Jahren wurde es stiller um Keys, auch weil sie viele Verletzungen hatte. Auch ich hatte die Hoffnung auf einen GS-Erfolg von ihr aufgegeben. Jetzt bei den Australian Open war sie bei kaum einem Experten auch nur im erweiterten Favoritenkreis, obwohl sie mit der Empfehlung eines Turniererfolges im Vorfeld nach Melbourne kam. Was ich dann früh sah, war eine etwas anders spielende Keys. Immer noch mit beeindruckenden Schlägen, aber taktisch schien sie viel reifer, und ihre Nerven schien sie auch im Griff zu habern. Es folgte der schier unglaubliche Lauf, die ihre Nerven und die ihrer Anhänger gehörig strapazierte. Schwerer hätte der Weg ins Finale kaum sein können: Schon in der 2. Runde hatte sie große Mühe gegen die Qualaifkantin Ruse und setzte sich e kanapp mit 7:5 im 3. Satz durch. Es folgten Siege gegen die weit höher aingestuften Danielle Collins und Elena Rybakina, ein Zittererfolg gegen die unglaubliche Ukrainerin Elina Svitolina: Im Halbfinale der Thriller gegen Iga Swiatek, als sie gar einen Matchball abwehren musste und dies mit einem perfekten Schlag auch tat. Dann der Showdown vs Sabalenka, zuvor in Melbourne 20-mal hintereinander als Siegerin vom Platz gegangen bei 2 Turnier-Triumphen 2023 und 2024.
Attraktives Tennis spielt sie sowieso mit unglaublich harten Grundschlägen (es gibt nicht so viele Männer, die durchgehend so hart spielen), wenn auch mit mehr Drall).
29 Jahre musste Madison Keys werden, es war ihre 47. Grand-Slam-Teilnahme. So gesehen hat Alexander Zverev noch ein bisschen Zeit
von Münchner Löwe | Jan. 24, 2025 | Tennis
Ich habe es befürchtet, aber erwartet: Jannik Sinner hat das Finale der Australian Open erreicht. Dass er da nacheinen Leistungen objektiv hingehört, möchgte ich gar nicht bestreiten. Aber es bleibt der Gestank seines immer noch nicht endgültig entschiedenen Doping-Falls. Warum de CAS es nicht geschafft hat, in der Causa wenigstens eine Entscheidung zu treffen, empfinde ich jetzt als noch ärgerlicher, weil aus dem virtuellen Australian-Open-Finalist Sinner ein tatsächlicher geworden ist. Der normalerweise schon längst zumindest für ein Jahr aus dem Verkehr gezogen worden häte müssen, so wie normalerweise Dopingfälle bestraft werden. Meine Meinung zum Fall selbst habe ich schon öfter auch hier zum Ausdruck gegeben. Auch wenn die Räuberpistole der dopingverseuchten Masseur-hand zutrifft (was ich persönlich schon bezweifle), Sinner muss sich unbedingt den Fehler eines seiner engsten Vertrauten zurechnen lassen.
In dem Zusammenhang bleibt für mich der Super-Gau wenigst3ns aus, weil die zweite Dopingsünderin Iga Swatek nach einem grandiosen Halbfinale an Madison Keys gescheitert ist.
Meine persönliche Pest also gegen Alexander Zverev, meine Cholera. Ein Frauenschläger (ein Verfahren, das die Ex-Frau anstrengte, wurde eingestellt), dem doch der deutsche Boulevard (und nicht nur der) zu Füßen liegt. Der im übrigen ebenfalls beeindruckend spielt. Immerhin hat es die Cholera Zverev geschafft, meine persönliche Nemesis Novak Djokovic (also Corona) aus dem Weg zu räumen (wenn auch nur durch einen Aufgabesieg nach dem ersten Satz. Den mag ich halt persönlich überhaupt nicht, wegen seines überbordenden Nationalismus, seiner Attitüde des allseits verfolgten Stars, den niemand liebt, sondern bestenfalls respektiert. Nota Bene mag ich seine Art, Tennis zu spielen nicht, und nicht nur wegen seiuner chronisch unsportlichen ewigen Balltipperei vorm Aufschlag.
Es waren zwei merkwürdige Halbfinali am Freitag: Zunächst Zverev vs Djokovic, am hellichten Tag und dementsprechenden Temperaturen in Melbourne. Losgelöst von meinen Vorlieben oder nichtlieben der betreffenden Spieler. Was einem bei Zverev oft in den Wahninn treibt, ist sein manches arg defensives Spiel meterweit hinter der Grundlinie. Weiß er selber, wie er hinterher zugab, aber warum es ihn seit Jahren kein Trainer beibringen kann die Bälle früher zu nehmen, öfter am ans Netz zu rücken (gut, dann müsste der betreffende Trainer ihm noch einen überdurchschnittlichen Volley beibringen), das verstehe ich nicht. So verpufft die unglaublich gute Rückhand, weil sie shclicht ewig unterwegs ist, bis sie beim Gegner ankommt. Gegerade gegen einen Djokovic, der an guten Tagen kaum Fehler macht, ist so etwas verheerend.
Verlassen konnte sich Zverev im Gegensatz zum Tommy-Paul-Match auf seinen Aufschlag. Der erste kam kam zu 76 Prozent und führte in 83Prozent der Fälle zum Punkt, also praktisch eine sichere Bank.
Djokovic konzentrierte sich darauf, seine Aufschlagsspiele durchzubringen. Er wirkte nicht fit, nach dem er in der voritgen Partie gegen Alcáraz sich am Oberschenkel behandeln ließ. Doch wie oft hat beim Djker der Schein getrügt und er trotz tatsächlicher oder vermeintlicher Malaisen ein Spiel noch gewonnen. Diesmal nicht, diesmal war es offenbar ernst. nach dem verlorenem Tiebreak gab Djokovic unvermittelt auf. Es war ihm klar, dass er nach 80 Minuten Spielzeit, in die er viel Energie gesteckt hatte, nie drei Sätze gegen Zverev hätte gewinnen können. Die einzelnen Pfiffe, mit denen er beim Abschied aus der Arena bedacht wurde, hätten isch die Pfeifenden auch sparen können, darauf wies im übrigen auch Zverev hin. Denn egal, wie man letztlich zu Djokovic steht: Das hat der 24-malige Grand-Slam-Gewinner (davon 10-mal in eben jeder Rod-Laver-Arena, nicht verdient.
Im Finale gegen Sinner am Sonntag (09:30, Eurosport) sehe ich Zverev tatsächlich leicht favorisiert, vor allem wenn sein Service so gut funktioniert. Der Italiener nämlich wirkte bei seinem jur dem Ergebnis klaren 7:6, 6:2, 6:2 gegen den Amerikaner Ben Shelton nicht immer souverän. Sheltonhatte die große Chance auf den ersten Satz, als er bei eigenem Aufschlag zwei Satzbälle vergab. Auch in der Folgezeit hielt Shelton mehr als mit, versagte aber wiederholt in den entscheidnden Szenen. Auch Sinner wirkte alles andere als topfit und ob er ein längeres Match durchgehalten hätte, schien sehr zweifelhaft. Am Ende schaffte er unter Aufbietung letzter Kräfte die entscheidenden Spielgewinne.
Wenn nicht jetzt, wann dann könnte es also für den besten deutschen Tennisspieler seit Boris Becker und Michael stich heißen. Ein Grand-Slam-Sieg würde zumindest seine Tennis-karriere rund machen nach 2 ATP-Finals und mehreren Masters-Triumphen. Vom Olympiasieg 2021 ganz zu schweigen. Lieben werde zumindest ich den Frauenschläger deshalb nicht mehr.
von Münchner Löwe | Jan. 24, 2025 | Fußball
Der 7. und vorletzte Spieltag der Chamions League ist vollbracht (und auch der Europa League notabene). Und siehe da: In der Königsklasse (ich belasse es hier dabei) sind bei Blick auf die 36-Monster-Tabelle einige Entscheidungen schon fix gefallen, einige neuralgische Plätze sind zum Teil nur noch theoretisch spannend, und tatsächlich gibt es noch ein paar offene Fragen.
I. Fix in den Top 8 (4 Teams, absurde Rechenkunststücke außen vor)
Die sind deshalb wichtig, weil sie den direkten Sprung ins Achtelfinale bedeuten, und die Clubs sich die anstrengende und vielleicht auch unüberwindbare Zwischenrunde ersparen
1. FC Liverpool (sicher in den Top 2)
2. FC Barcelona
3. Inter Mailand
4. FC Arsenal
II. Fix ausgeschieden (10 Teams)
36. YB Bern
35. Sl. Bratislava
34. RB Salzburg
33. Sturm Graz
32. RS Berlgrad
31. FC Girona
30. RB Leipzig
29. Sparta Prag
28. FC Bologna
27. Schachjor Donezk
III. Sicher in der Zwischenrunde (15 Teams, Plätze 5 bis 19, unter anderem Leverkusen, Dortmund und Bayern, aber auch Real und Juventus)
IV. (Theoretische) Chancen auf die Top 8 (14 Teams, Plätze 5 bis 18)
In der Praxis dürften all jene Teams mit 12 Zählern, darunter der FCB und der BVB, keine seriösen Chancen mehr auf die Top 8 haben. Diese beiden trennen übrigens nur zwei Tore, es könnte also eine lustiges Wettschießen der beiden deutschen Clubs und Real Madrid um die bessere Platzierung geben gegen Donezk (Dortmund), Bratislava (Bayern) und in Brest (Real), wahrscheinlich aber nur um Platz 10 oder so. Dabei ist zu beachten, dass eventuell stattgefundene direkte Duelle erst nach Tordifferenz, geschossene Tore etc überhaupt als Kriterium herangezogen werden.
Realistisch kämpfen die 9 Clubs zwischen Rang 5 und 13 um die 4 verbleibenden Top-8-Plätze. In der eigenen Hand haben es Milan, Atlético (je 15) und Atalanta (14), denen ein Sieg mit Sicherheit reicht. Bayer Leverkusen führt mit dem besten Torverhältnis die sechs 13-Punkte-Clubs an. Ein klarer Heimsieg gegen Sparta Prag würde das Tor weit öffnen. Wenn ich das außerdem richtig sehe, gibt es kein kein direktes Duell in diesem Neuner-Verband. Das ist schon spannend, wäre aber noch spannender ohne das Sicherheitsnetz Zwischenrunde, in das alle fallen, die es nicht schaffen.
V. Kampf um den Verbleib (7 Clubs, darunter Benfica und Sporting Lissabon sowie der VfB Stuttgart und PSG
Die 7 Clubs zwischen Platz 20 und 26 ermitteln die letzten 5 Teilnehmer de K.o.Runde, die auf alle Fälle in die Zwischenrunde müssen. Hier sind alle Augen auf Manchester City gerichtet: Das muss gegen den FC Brügge (wenigstens daheim) unbedingt gewinnen, um ein Ausscheiden zu vermeiden. Adererseits wäre ein Sieg auch die hundertprozent sichere Garantie fürs Weiterkommen.
Interessant wird sein, wie der VfB Stuttagart und Paris St. Germain ihr direktes Aufeinandertreffen im Neckarstadion angehen. Ein Unentschieden würde mit an Sicherheit grenzender Wahrxcheinlichkeit beiden zum Weiterkommen reichen (PSG sogar zu 100 Prozent). Droht da ein Nichtangriffspakt, zweites Gijon 1982? Der VfB würde nämlich bei einem Remis nur ausscheiden, wenn gleichzeitig Dinamo Zagreb mit 7 Toren Unterschied gegen Mailand gewinnen würde. Eine Niederlage wäre vor allem für die Stuttgarter, aber auch für PSG dagegen sehr knifflig, allerdings theoretisch auch noch möglich, wenn etwa beide Lissaboner Clubs (hoch) verlieren und/oder City nicht gewinnt. Sich darauf zu verlassen, wäre irrsinnig.
VI. Der letzte Spieltag
Bevor stehen uns jetzt in CL (29. Januar) und Europa League (30.1) die beiden Superduper-Endpiletage mit jeweils 18 Partien zur selben Anstoßzeit. DAZN verspricht in der Königsklasse und exklusiv in Euroüa die tollste Konferenz aller Zeiten und gibt jetzt schon ein Bewerbungsschreiben für einen Fernsehpreis ein. Natürlich werden das insgesamt etwa 100 aufreibende und höchstunterhaltsame Minuten, doch für die meisten Clubs wird die Spannung überschaubar sein. Zumal die UEFA in einem unfassbaren Anflug von Weisheit vorher schon entschieden hat, dass kein Club sich mit dem richtigen Resultat auch den richtigen Gegner herausspielen kann. Es bleibt immer nur bei Gegnerpaaren, die danach gesondert zugeordnet werden. Klarer Ausgedrückt als Beispiel für die Zwischenrunde, also die Plätze 9 bis 24. Es werden dort die Paare 9/10 und 23/24, die 9 wird also gegen 23 ODER 24 antreten müssen.
von Münchner Löwe | Jan. 22, 2025 | bundesliga, Fußball, WNBA
Der schier unaufhaltsame Abstieg von Borussia Dortmund hat einen vorläufigen traurigen Tiefpunkt erreicht. Nach dem 1:2 des BVB beim FC Bologna trotz eigener reichlich wundersamer 1:0-Führung, zogen die Verantwortlichen die Notbremse und feuerten Cheftrainer Nuri Sahin. Das kam schier unvermeindlich und war doch in der Art und Weise, wie der ehemalige Meisterspieler von der eigenen unfähigen Vereinsspitze demontiert wurde, an Schäbigkeit kaum noch zu überbieten.
Natürlich hat auch Nuri Sahin Fehler gemacht, der größte war wahrscheinlich schon, dass er als völlig unerfahrener Coach sich das Abenteuer Dortmund angetan hat, obwohl das ein Schleudesitz erster Güte war in den vergangenen Jahren. Warum? Aus Verbundenheit zum Club, wo er als Spieler seine größten Erfolge gefeiert hatte; um eine vielleicht nie wiedekehrende Chance bei einem Top-Club zu ergreifen (jetzt erst mal: ehemaliger Top-Club, wie jetzt zu befürchten ist).
Die Demontage geschah nach und nach, breitete sich wie eine eiternde Wunde aus. Schon in der Bundesliga-Vorrunde, als der BVB zwar fast alle Heimspiele gewann, aber ebenso regelmäßig in der Fremde verlor. Nach den 3 Bundesliga-Pleiten 2025 war das Bologna-Spiel Sahins letzte Chance (die genutzt das Ende wahrscheinlich auch nur aufgeschoben hätte). Sahin ergriff sie auf eigentümliche Weise: Er ließ die Routiniers Emre Can, Julian Brandt und Marcel Sabitzer auf der Bank – Angriffsfläche und Rechtfertigung genug für einen Rauswurf. Das erinnerte mich an Carlos Ancelottis letztes Spiel als Bayern-Coach im September 2017, als er in einem Verzweiflungsakt nach ähnlicher Demontage durch die Münchner Vereinsführung beim Spiel bei PSG die damaligen Weltmeister-Verteidiger Jerome Boateng und Mats Hummels auf der Bank ließ und prompt endlich und erlösend für alle gefeuert wurde. Wer Ancelotti jetzt souverän bei Real einen CL-Triumph nach dem anderen holen sieht, will das kaum noch glauben.
Absurderweise führten die Dortmunder lange, bis sie durch zwei abstruse Abwehrfehler innerhalb von nur 2 Minuten in Rückstand gerieten und keinerlei vernünftige Aktionen mehr zustandebrachten, das Ergebnis zu korrigieren. Es brauchte keine prophetische Gabe, um zu erahnen, dass dies jetzt tatsächlich Sahins letztes Spiel auf der Borussenbankt war, zumindest einstweilen, denn Rückkehrer sind bei der Borussia gerne willkommen.
Spätestens als nach der Partie Matthias Sammer auf den Plan trat, kippte die ganze Sache in eine bodenlose Sauerei gegenüber Nuri Sahin. Als Amazon-Experte zerpflückte er das Spiel. „Dortmund hat in der Abwehr nichts geleistet und im Sturm auch nicht“, zeterte Sammer im schlechtesten Motzki-Ton ins Mikrofon. Nun trifft es sich nicht zufällig, dass Sammer auch eine nicht näher beschriebene Position als „Berater“ genau dieses Borussia Dortmunds innehat. Dass er als eben solcher Berater eventuell mitzuständig für die Kaderplanung war, ließ Sammer gnädigerweise außen vor.
Wer allerdings was im BVB-Organigramm zu sagen oder gar zu verantworten hat, ist praktisch nicht möglich zu eruieren. Chef des Ganzen ist Aki Watzke: Der darf sich rühmen, vor knapp 20 Jahren den finanziell mausetoten BVB „gerettet“ zu haben. Lange war er Vorstandsvorsitzender, im Sommer verabschiedet er sich endgültig in Richtung BVB. Aber noch gibt es nicht eine nennenswerte Tätigkeit/Verpflichtung/Verkauf, die ohne Watzkes Placet möglich ist. Mit Uli Hoeneß wird er verglichen – und zwar mit dem „alten Uli“, der vom Tegernsee aus grollt, wenn etwas vernmeintlich oder tatsächlich nicht läuft beim FCB.
Als möglicher Nachfolger Watzkes wurde Lars Ricken vor dieser Saison installiert, 1997 der 17-Järhige Wunderschütze zum entscheidnenden 3:1 im Münchner CL-Finale gegen Juventus, als er aus 35 Metern Gigi Buffon überlupfte (Marcel Reif: Lupfen, jetzt!). Als Veantwortlicher der U 19 hatte er seine Sporen verdient, das reichte, um den sich auf diesen Posten Hoffnung machenden Sebastian Kehl auszustechen. Der schluckte enttäuscht, schluckte die bittere Pille und verblieb als Sportdirektor bei den Dortmundern, wo er sich schnell mit dem als Kaderplaner geholten Sven Mislintat in die Wolle bekam. Angeblich habe sich alles geklärt, hieß es. Naja.
Angesichts diesens Irrsinns auf der Führungs-Ebene bescheingten sehr viele Experten den Dortmundern eine ausgezeichnete Transferarbeit im Sommer, als die Westfalen mit Nationalverteidiger Waldemar Anton und Torjäger Serjou Guirassy zwei der besten Spieler des vergangene Saison so brillant auftretenden VfB Stuttgart lockten. Dazu Pascal Groß, extrem auffällig bei Brighton and Hove Albion in der englischen Premier League und die junge deutsche Stürmer-Hoffnung Maximilian Beier. Und niemand vergoss allzu viele Tränen (außer die der Abschieds-Rührung), dass die alternden Mats Hummels und Marco Reus den Club verließe. Ungeachtet der Tatsache, dass gerade Hummels entscheidenden Anteil ins Champions-League-Finale hatte, das die Dortmunder nur unglücklich gegen Real Madrid (mit Ancelotti auf der Bank, s. o.). verloren. Was den Club im übrigen nicht daran hinderte, auch den damaligen Coach Edin Terzic in die Wüste zu schicken: Als wolle man unbedingt den Ruf wahren, dass nach Jürgen Klopp kein Trainer dem BVB genügt. Viele waren erfolglos, wenn denn der regelmäßige Platz 2 hinter den übermächtigen Bayern als Misserfolg bezeichnet werden darf für den jetzigen Tabellenzehnten, Peter Bosz, Peter Stöger et all. Thomas Tuchel hatte zwar seine Erfolge, aber er scheiterte daran, dass er nicht lustig genug war und mit Aki-Chef nicht Skat spielen wollte (das Gerücht hält sich und wurde nie ernsthaft dementiert).
Jetzt kriechen die Kritiker aus den Löchern und wissen natürlich schon längst Bescheid, dass das mit dem „viel zu kleinen“ kleinen Kader nur schiefgehen musste. Belegt wurde das mit einer Not-Abwehr zum Rückrunden-Auftakt ausgerechnet gegen Meister Bayer Leverkusen, als eine Grippewelle gleich ein halbes Durtzend Defensivkräfte lahmlegte. Im Dortmunder Kader zähle ich nach dem Abgang von Angriffs-Ass Donyell Malen 16 hochkarätige Feldspieler mit Anspruch auf Millionen-Gage und das jeweilige Nationalteam, plus einige hoffnungsvolle Talente aus dem noch sprudelnden Talentepool. Das ist nicht gerade üppig aber auch nicht total auf Kante genäht. Die gleichen „zuwenigspieler“-Kritiker mäkeln doch über zu große Kader, well, wenn alle spielfähig sind, ein paar Millionen-Verdiener noch nicht mal mehr auf der Ersatzbank Platz finden, sondern tatenlos auf der Tribüne sitzen.
Nun denn, Sahin ist Geschichte. Am Samstag gegen Werder Bremen sitzt interimsweise U-19-Trainer Mike Tullberg auf der Bank. Als Nachfolger werden Niko Kovac, Eric ten Hag und sicher noch ein halbes Dutzend anderer Kandidaten genannt. Ich wage die Prognose: Wenn sich nicht die Führungsspitze drastisch ändert, wird sich am BVB-Elend wenig ändern. Das im eigenem Saft Schmoren, unabdingliche Voraussetzung für ein Spitzenamt ist eine Dortmunder Vergangenheit, tut nicht immer gut. Was im übrigen nicht ausschließt, dass am nächsten Mittwoch durch einen Sieg gegen Schachjor Donezk und allerlei sonst günstige Ergebnisse doch direkt das Champions-League-Achtelfinale erreicht wird, und in K.o.Runden kann der BVB partiell aufzeigen.
von Münchner Löwe | Jan. 21, 2025 | NFL, Radsport, Turnen
Blick über den Teich, NFL
Meine Football-Begeisterung hat auch in den Divisional Finals ziemlich gelitten. 4 Spiele, eines mit Spannung, eines verhunzt durch den ein irreguläres Schneefeld, und zwei mehr oder weniger klare Partien machen nicht Lust auf mehr. Und für mich persönlich droht ein Horror-Super-Bowl zwischen den von mir wenig geliebten Kansas City Chiefs und Philadelphia Eagles (für mich die Wahl zwischen Pest und Cholera). Beide genießen in den Conference Finals am Sonntag Heimrecht gegen die Buffalo Bills und Wahsington Commaders und gelten als Favorit.. Dementsprechend kurz halte ich den Rückblick auf die Divisonal Finals
AFC
Kansas City Chiefs – Houston Texans 23:14
Wie gehabt in dieser Saison. Der Gegner der Chiefs hält gut mit, hat seine Chancen, die er vergibt (hier ein Field-Goal-Versuch der Texans zur möglichen 6:3-Führung). Die Abwehr der Chiefs hält allen Angriffen stand. In der Chiefs-Offensive gibt es ein paar wenige lichte Moment von Patrick Mahomes, der vor allem mit seinem Super-Tight-End Travis Kielce einen großartigen Abnehmer findet. Eine Führung wird erarbeitet und fehlerlos verwaltet. Fertig ist der glanzlose Sieg.
Mahomes reichten 177 erworfene Yards (1 Td), von denen allein Kielce 117 erfing. Insgesamt konnten nur 4-Chiefs-Spieler einen Ball fangen.
Buffalo Bill – Baltimore Ravens 27:25
Auch hier spielten die äußeren Bedingungen eine Rolle: Eisig kalt wars in Buffalo, und gespielt wurde auf einem tiefgefrorenen Feld. Die Bills kamen damit zunächst weitaus besser zurecht. Zwar gingen die Ravens mit ihrem ersten Drive in Führung, doch danach waren die Gastgeber nicht aufzuhalten: 3 Touchdowns in der 1. Halbzeit, während die Ravens eine Interception und ein Lost Fumble produzierten.
Die Ravens gaben sich nicht geschlagen, verkürzten im 3. Viertel durch ein Field Goal und einen Touchdown. Sie hatten einen hoffnungsvollen Drive, doch Marc Andrews fumbelte nach einem tollen Fang über 16 Yards. Ballbesitz Bills anstatt Ravens in der Bills-Hälfte.
Die Ravens gaben nicht auf und hatten im letzten Drive bei 8 Punkten Rückstand die Chance auf den Ausgleich. Jackson passte zu einem weiteren Touchdown, doch die 2-Punkte-Conversion ging schief, weil Andrews das sZuspiel von Jackson nicht fangen konnte. An einem guten Tag hätte der Unglücksrabe das bewerkstelligt
NFC
Detroit Lions – Washington Commanders
Ein großartiges Offensiv-Spektakel. Warum die Lions verloren? Zu viele Ballverluste und eine fast unwirklich gute Vorstellung von Commanders-Quarterback Jayden McDaniels. Fast fehlerlos blieb der Rookie, passte für 299 Yards und 2 Touchdowns. Auf der anderen Seite hatte Jared Goff einer seiner schwachen Tage (weswegen es immer wieder Zweifel an ihm gibt). Dreimal passte er den Ball in die Hände des Gegners. Ein weiterer Schlüssel zum Sieg war, dass die Commanders spätestens in der 2. Halbzeit ein Mittel zwischen dem bis dato überragenden Lions-Running Back Jahmir Gibbs fanden.
Damit bleibt es dabei: Noch nie waren die Lions Gastgeber in einem Conference Final. So gut wie diese Sason standen die Chancen noch nie.
Philadelphia Eagles – Los Angeles Rams 28:22
Heftiger Schneefall war angesagt, und heftiger Schneefall verwandelte das Spielfeld in Philadelpha in ein rutschiges Schneefeld. Es gibt ja Football-Fans, die derlei Schneespiele lustig und unterhaltsam finden, doch für mich ist das nur ein irreguläres Fehlerfestival und zudem noch extrem gefährlich für die eh schon gefährdete Gesundheit der Spieler. Benachteiligt ist vor allem ein Team wie die Rams, die eher auf Passpiel setzen.
So bleibt das berühmt-berüchtigte „What if“. Hätten die Rams bei vernünftigen Bedingungen ihren letzten potenziell siegreichen Drive in einen Touchdown vewandelt? Wird werden es nie erfahren.
Ich will damit nicht behaupten, dass der Sieg der Eagles völlig unverdient war. Ihr Runnig Back Shaqon Barkley brillierte einmal mehr mit 205 erlaufenen Yards (und 2 Tds). Doch noch beeindruckender fand ich Rams-Quarterback Matthew Stafford, der trotz der widrigen Bedingungen 324 Yards und zwei Touchdowns erwarf.
Das ergibt folgendes Programm für die Conference Finals.
So., 21:00: Eagles – Commanders
Mo., 00:30: Chiefs – Bills
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