Das wird die Woche, die wird

Tennis in Cincinnati, 1. DFB-Pokalrunde, Beginn der Premier League.

 

Wer wird Cincinnati Boy und Girl

 

Das zweite Masters des amerikanischen Sommer-Doppels geht in die entscheidende Phase. Nachdem sich Frauen und Männer in Kanada noch geteilt haben (Frauen in Montreal, Männer in Toronto), sind sie jetzt in einer umgebauten und hochgelobten Anlage in Cincinnati wiedervereint. Alle schwärmen von den Bedingungen dort, und noch ist auch die Hitze in Ohio erträglich. Die FavoritInnen hier wie dort sind alle noch im Wettbewerb vertreten: Bei den Männern scheinen Sinner und Alcáraz nahezu unangreifbar, auch die Toronto-Finalisten Shelton und Khatchanov gaben sich keine Blöße, ebensowenig Alexander Zverev.
Auch die Frauen scheinen sich nach dem Favoritensterbven von Montreal erholt, die Sabalenkas und Swiateks und Gauffs siegten mühelos. Nicht allerdings ist Montreal-Sensationssiegerin Valerie Mboko und-Finalistin Naomi Osaka.Eine tolle Überraschung gelang der jungen Deutschen Ella Seidel, die ihre viel höher eingeschätzte Fast-Namensnichte Emma Navarro bezwang und jetzt auch gegen McCartney (was für ein Vorname!) Kessler nicht chancenlos ist.

 

Bielefeld weiter auf Pokal-Mission?

 

Die Fans der Arminia kommen aus dem Jubeln kaum noch heraus. Nach dem Aufstieg und den Einzug ins Pokalfinale geht der Erfolgslauf in der neuen Saison munter weiter. Nach zwei äußerst überzeugenden Erfolgen gegen Düsseldorf und in Kiel grüßen die Ostwestfalen schon wieder von der Tabellenspitze. da kommt die 1. Pokalrunde gerade recht, wo in einer Neuauflage des Viertelfinals im März Werder Bremen an die Alm kommt (Freitag, 20.45). Für mich wäre es keine Überraschung, würde Bielefeld auch dieses Mal gewinnen (fast frage ich mich eher,wie denn das Pokalfinale so schnöde verloren gehen konnte).
Weiteren Upset-Alarm für Erstligisten sehe ich in Rostock (Hoffenheim), Dresden (Mainz) und vielleicht sogar in Essen (Dortmund).
Grundsätzlich ist die 1. Runde für Bundesligisten immer heikel, weil diese im Gegensatz zu 2. bis 4. Liga noch keine Pflichtspiele absolviert haben.

Dieses Wochenende nicht ins Geschehen eingreifen werden wie gehabt der Pokalsieger VfB Stuttgart und Meister Bayern München. Für diese Clubs steht am Samstag (20:45) im Neckarstadion das Supercup-Finale an.

 

Wer stoppt den FC Liverpool?

 

Dieses Wochenende beginnt auch die neue Spielzeit in der englischen Premier League mit der Begegnung von Meister FC Liverpool gegen den Außenseiter FC Bornemouth. Nach dem souveränen Titel sind die Reds erneut klarer Favorit, zumal sie sich mit 3 heruasragenden Bundesliga-Profis verstärkt haben: Florian Wirtz und Jeremy Frimpong kamen von Bayer Leverkusen, Hugo Ekitiké von Eintracht Frankfurt. Zudem scheint der Wechsel von Alexander Isak von Newcastle United nur noch eine Frage der Zeit zu sein.
Die Premier League ist mittlerweile mt großen Abstand die schillerndste nationale Liga der Welt, auch weil hier am Besten gezahlt wird. So spielt ein Granit Xhaka lieber für den Aufsteiger (und damit natürlichen Abstiegskandidaten) FC Sunderland denn für deutschen Spitzenclub Bayer Leverkusen (sicher nicht weil die nordenglische Stadt so wunderschön wäre (das Stadion allerdings und die Stimmung dort sind toll). Auch Top-Angreifer Benjamin Sesko spielt lieber für Manchester United (trotz dessen katastrophensaison (24/25) als für RB Leipzig (naja, das ist auch sehr viel klangvoller).
Als Meisterschschafts-Favoriten sehe ich neben den Reds auch den FC Arsenal, das sich mit Grökeres einen heruasragenden Torjäger geangelt hat und (natürlich) auch Ex-Champions Manchester City mit Trainer Pep Guardiola.

Anmerkung: Vielleicht raffe ich mich noch zu einem ausführlichen Vorbericht auf

 

Und sonst?

 

  • Leichtathletik: Diamond League in Silesia (16. August).
  • Golf: 2. von 3 Finalturnieren in der Fedex-Wertung mit den Top 50 im Cape Valley Club.
  • Motorrad: WM-Läufe in Spielberg in MotoGP, Moto2 und Moto3

 

 

Der Rückzug von Brosius-Gersdorf – ein Triumph der rechten Radikalen

Es stand zu befürchten: Frauke Brosius-Gersdorf hat den Druck auf ihre Person nicht mehr ausgehalten und hat ihren Rückzug als Kandidatin bekannt gegeben. Ihre Begründung lautet unter anderem: Sie wolle die Regierung nicht belasten mit ihrer umstrittenen Personalie und auch nicht das Amt des Verfassungsgerichts. Außerdem wurde der Druck auf ihre Person mit Beleidigungen weit unter der Gürtellinie offenbar unerträglich, und auch ihr Ruf als exzellente Juristin hat großen Schaden erlitten, weil das Gehetze und Geraune auch um ihre Doktorarbeit kein Ende nehmen wollte.
Das Statement im Wortlaut:
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/frauke-brosius-gersdorf-so-begruendet-die-juristin-ihren-verzicht-a-0fd8e20a-ad80-4640-bf0f-8b557a4bb9d2

 

Die Schande der Union

 

Dass die Diskussion um Frauke Brosius-Gersdorf so eskaliert ist, liegt einzig und allein am geradezu schamlosen Verhalten der Union. Allen voran Fraktions-Chef Jens Spahn, der eine Mehrheit versprach bei der Wahl vor knapp einem Monat, dieses Versprechen aber nie halten konnte. Zum einen, weil der Egomane völlig unfähig ist zur Menschenführung, zum Zusammenführen auch unterschiedlicher Meinungen. Weil er auch wegen seines ans Kriminelle grenzenden Versagens in der Maskenaffäre viel Zeit damit verbrachte, seine eigene Haut zu retten.
Oder, meines Erachtens viel wahrscheinlicher: Er hat die kritische Stimmung in der Fraktion gegen Frauke Brosius-Gersdorf wohl erkannt, aber die Wahl mit Absicht und aus purem Eigennutz torpediert. Um den rechten Flügel in Fraktion und Parteien (CDU und CSU) zu stärken und das erste Signal zu geben, dass dieser rechte Teil, der immer weiter nach rechts wandert (Saskia Ludwig!) sehr gerne mit der AfD zusammenarbeiten, wenn nicht gar eine Koalition eingehen würde. Mit ihm als sehr wichtiger Person, als Kanzlker oder Vizekanzler.

Mindestens genauso versagt hat Parteichef Friedrich Merz. Dem der Fall Brosius-Gersdorf völlig egal war (wie überhaupt die Niederungen der Innenpolitik ihm ziemlich gleichgültig zu sein scheinen). Merz ist mit der Kanzlerschaft am Ziel seiner Träume, jetzt kann er den starken Außenpolitiker mimen (mit mäßiegm Erfolg). Allein die Tatsache, dass er den ultrarechts denkenden selbstbezogenen Spalter Spahn zum Fraktionsvorsitzenden (der eigentlich einen soll) beförderte, zeigt, wes Geistes Kind Merz selbst ist. Die gemeinsame Abstimmung im Januar mit der AfD war natürlich kein Zufall, sondern ein rechter Versuchsballon, der dann allerdings (noch?) nicht besonders gut ankam).

Schamlos auch jene Unioner, die „aus Gewissensgründen“ eine Wahl von Brosius-Gersdorf zur Verfassungsgerichtsrichterin ablehnten. Klar, sie vertritt gerade in der Abtreibung und was das AfD-Verbot betrifft Positionen, die denen der Union widersprechen mögen. Aber genau das ist die Stärke des höchsten Gerichts und macht das hohe Ansehen auch in der Bevölkerung aus: Dass hier eine heteregogene Masse an höchstfähigen Juristen in der Sache diskutieren: im Idealfall nur dem Grundgesetz und den daraus folgenden Leitlinien verpflichtet und nicht irgendeinem Parteibuch.

Zudem bewegt sich Brousius-Gersdorf mit ihren Ansichten (Abtreibung soll in den ersten 3 Monaten per se rechtmäßig sein, AfD-Verfahren, wenn es Gründe dafür gibt) wahrlich nicht im radikalen Gebiet, wie ihr vorgeworfen muss, sondern im allgemeinen Konsens, in Jurisprudenz und auch in der Gesellschaft. Vor allem aber hat sie im vergangenen Monat gezeigt, dass es ihr um die juristische Sache geht und sie höchstwahrscheinlich nicht ewig verbohrt an ihren Ansichten festhält. Was wäre sie eine Bereicherung gewesen für Karlsruhe, für fruchtbare Diskussionen dort; froh können dagegen alle Potsdamer StudentInnen sein, wo sie jetzt weiter lehrt.

Zu schlechter Letzt bleibt auch das Verhalten jeder Unionisten zu hinterfragen, die mit der Personalie Brosius-Gersdorf als Verf.-Richterin zumindest offiziell offenbar keine Probleme gehabt hätten, die die Wahl mitgetragen hätten. Nach allem, was ich gelesen habe, gab es „nur“ 50, höchstens 100 AbweichlerInnen, also nicht mal die Hälfte der Fraktion. Wo waren die Stimmen der anderen? Wo waren vor allem diejenigen aus dem Wahlausschuss (5 aus der Union!), die ihre Wahl guthießen? Sie schweigen dröhnend, haben es also zugelassen, dass eine Minderheit ihrer Fraktion bestimmte, wo es langgeht. Aber wie schrieb schon Erich Kästner: „An allem Unrecht, das geschieht, ist nicht nur der Schuld, der es begeht, sondern auch diejenigen, die es geschehen lassen.“

 

Das Versagen der SPD

 

In ihrem beachtenswerten und höchst respektablen Statement zum Rückzug hat sich Brosius-Gersdorf ausdrücklich für den Rückhalt der SPD bedankt, die sie bis zuletzt unterstützt habe. Bei Lichte betrachtet war diese Unterstützung allerdings nicht genug. Die SPD hatte weder die Kraft noch den Willen, diese ihre Wahlentscheidung mit letzter Entschlossenheit durchzudrücken. Sie fand kein Mittel gegen die nicht nachlassenden Beleidigungen des rechtsradikalen Mileus, kein Mittel gegen den Versager Spahn und dessen rechte Getreue. Sie scheute davor zurück, die Wahl ihrer Kandidatin zum Lackmustest der Koalition zu machen. Teils aus Anständigkeit und um des Koalitionsfriedens willen, teils natürlich aus purer Machtgier. Um weiter in der Regierung zu bleiben, ist Parteichef Lars Klingbeil praktisch jedes Mittel recht, was bedeutet da schon eine Personalie des höchsten deutschen Gerichtes? Um es noch mal zu betonen: „Schuld“ am Desaster trägt einzig und allein die Union, aber die Verteidigung der SPD war halt nur halbherzig und letztlich inkonsequent.

 

Das Kuschen der Medien

 

Über die indiskutablen Fake News rechtsradikaler AfD-Blätter wie Nius und auch der Springer-Hetzer will ich mich gar nicht mehr auslassen. Aber gerade die Medien, die Frauke Brosius-Gersdorf eigentlich wohlgesonnen sind, tragen eine nicht unerhebliche Mitschuld, dass die Juristin letztlich hingeschmissen hat. Was habe ich mich vor Wochen über Kommentare in der „Zeit“ und in der „SZ“ geärgert, die Brosius-Gersdorf den Rückzug nahegelegt haben, um vermeintlich größeren Schaden von der Republik abzuwenden. Anstatt sich vorbehaltlos auf ihre Seite zu stellen, und ihre schamlosen KritikerInnen (Doro Bär, Markus Söder, Saskia Ludwig et all) bloßzustellen. Es mag verständlich sein, wenn die SZ-Autorin sachlich bleibt und vielleicht sogar vernünftige Gründe für einen Rückzug anführt. aber wenn der „Gegner“ ein derart schmutziges, unanständiges Spiel spielt, muss man halt ein bisschen drastischer werden und Spahn eben als völlig „untragbar“ bezeichnen.
Wohin das „Sachlich-bleiben“ führt, sehen wir gerade in den USA. Donald Trump lügt und betrügt fortwährend, und die Demokaraten wussten und wissen nichts dagegen vorzubringen. Gleiches ist jetzt hier zu befürchten. Der rechte Mob hat gesiegt (siehe das ekelhafte Triumphgeheul bei Nius und der Springer-Hetzer). Was hindert die Union, dieses gleiche schmutzige, unmoralische Spiel wieder und wieder zu spielen?, bis sie „ihr“ Verfassungsgericht beisammen hat. Der Supreme Court und dessen entsetzliche Verhältnisse ist offen das Ziel, egal mit welchen Mitteln.

 

Das traurige Fazit

 

  1. Eine sehr fähige Juristin wurde aus unsachlichen (sehr harmloses Wort für diese Hetzjagd) Gründen ums Amt einer Verfassungsrichterin gebracht. Sie musste ungeheuerliche Beleidigungen von Kirche und dem rechtsradikalen Mob inklusive großer Union-Teile ertragen und es bleibt zu hoffen, dass sie ihre Lehrtätigkeit ohne nachhaltigen Schaden fortführen kann. Aber das Ganze wird sie nicht so einfach aus den Kleidern schütteln können wie einen Sandausflug ans Meer.
  2. Der recht(sradikal)e Mob der Union hat gesiegt. Wie groß der Anteil derer tatsächlich ist, der lieber heute als morgen eine Koalition mit der AfD statt SPD eingehen will, vermag ich nicht zu sagen. Aber die rechte Saat ist angelegt, zum Teil schon aufgegangen: Schwarz-blau (oder gar blau-schwarz?) scheint nur eine Frage der Zeit. Böse gesagt bleibt aber anzumerken: Viel schlimmer als dieser Kanzler und dieser lächerliche bayer. Ministerpräsident kann es kaum werden. Und wie schnell eine Partei ganz nach rechts abdriftet, sehen wir bei den Republikanern in den USA.
  3. Die SPD muss sich ernsthaft hinterfragen: Koalition um jeden Preis oder doch das Bewahren des Urkerns der Partei und sei es zum Preis, in die Opposition zu gehen zu müssen? Ein erstes Indiz wird die Auswahl von der nächsten Kandidatin sein (Union-kompatibel oder doch eigenständig).

 

So viel dann auch zu meinem Plan, dass dieser Blog unpolitisch bleiben soll.

Trauer um 3 Große des Fußball

In nur 2 Tage haben drei große Namen des Fußball diese Welt verlassen, alle viel zu früh: der gewitzte Stürmer, Frank Mill, der so sympathiscge und kenntnisreiche RTL-Reporter Ulli Potofski sowie die Porto-Legende Jorge Costa

 

Frank Mill: ein Fehlschuss machte ihn berühmt

 

Es sind diese Szenen, die mich und alle Fans auch fast 40 Jahren danach völlig ratlos zurücklassen. August 1986, Frank Mill bestreitet am 1. Bundeslgiaspieltag der Saison seine erste Partie für Borussia Dortmund. Und hat ziemlich schnell eine tolle Szene, als er sich filigran und gewitzt an der gersamten Bayermn-Veteidigung samt Schlussmann Jean-Marie Pfaff vorbeischlängelt und nour noch de Ball aus kürzester Entfernung ins Tor schieben muss. Er tut es nicht, sondern beginnt zu überlegen, über was weiß ich: den ersten Jubel im BVB-Dress, wie er sich feiern lässt und mit welcher Geste. es dauerte,und dann schob er den Ball an den Pfosten, vielleicht auch erschchreckt durch den verzweifelt hinterherhechtenden Pfaff. „Eine 4000-prozentige Chance“, befand er später.

Doch sein humorbegabtes Naturell ließ ihn nicht verzweifeln, sondern er konnte über sich und das Malheur herzlich lachen, obwohl wirklich jedes Gespräch mit diesem Thema begann.

Dabei wäre es vollkommen absurd, „Fränkie Mill“ auf diese Szene zu reduzieren. In den 80er- und anfangs der 90er-Jahren gehörte er zu den besten deutschen Stürmern, der sich sogar Weltmeister 90 nennen darf. Beim Championat in Italien absolvierte er allerdings keine Spielminute, was allerdings weniger an seinen Leistungen lag, sondern den beiden Riesen-Angreifern Rudi Völler und Jürgen Klinsmann, an denen es kein Vorbeikommen gab. Und doch wird ihm ein großer Anteil am Triumph zugebilligt; weil er nicht aufmuckte ob seines Reservistendaseins, weil er mit seinem Humor stets für gute Stimmung sorgte. Weil er eben Frank Mill war.

In der Bundeslga spielte er für die beiden Borussen aus Mönchengladbach und Dortmund. Jupp Heynckes als Glandback-Trainer zögerte keine Sekunde, als die Möglichkeit zur Verpflichtung bestand. Mill hatte mit seinen 1,76 Metern zwar kein Gardemaß, aber eine unendlich feine Technik und den nötigen Torinstinkt. So erzielte er für Rot-Weiss Esse in einer Zweitliga-Saison sagenhafte 41 Tore, noch immer Rekord fürs Unterhaus.
Für Gladbach erzielte er von 1981 bis 86 in 153 Partien 71 Treffer, für den BVB von 86 bis 91 in 187 Spielen 41, dazu gab er zahllose Assists, die damals allerdings noch nicht statistisch erfasst wurden. Sein größter Triumph war 1989 der Pokalsieg, als er im Endspiel gegen Werder Bremen 1 Tor und 2 Assists beisteuerte, sein einziger nationaler Titel.
Zwar kam er nur auf 20 A-Ländrespiele ohne tor, dafür führte er als Kampitän der Olympiamannschaft das deutsche Team zu Bronze bei den Spielen 1988 in Südkorea.
Jetzt ist er mit nur 73 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben.

 

Ulli Potofski – die RTL-Stimme mit Schalker Herz

 

Es wäre höchst ungerecht, Ulrich Potofski, für alle nur Ulli, auf die Tätigkeit des Fußball-Reporters -und Moderators zu reduzieren. Er war zu Beginn des Privatfernsehens Mitte der 80er eine der prägenden Figuren des neuen Senders RTL+, zusammen mit Björn Schimpf und der Kunstfigur „Karlchen“. Doch wirklich bekannt wurde er, als er 1988 für RTL die neukonzipierte Sendung „Anpfiff“ konzipierte: die Bundesliga-Zusammenfassung am Samstagabend, die damals erstmals nicht mehr in der ARD lief. Episch lang war das (meiner Erinnerung nach bis zu 3 Stunden) mit Übertragungen, in denen die Reporter das Spiel live übertrugen. Gpnter Netzer war ein fester Bestandteil, lange bevor dieser zusammen mit Gerhard Delling zur Expertenlegende wurde.
Aber für RTL machte er so vieles mehr, regionale Reportagen und auch Tennis. Er war bei den Australian Open und modertierte lange Jahre für das damalige „Premiere“ und später Sky die Tageszusammenfassung von Wimbledon: mit dem ganz egenem Charme, dem ganz eigenen Blick für Land und Leute. Sehr unterhaltsam, manchmal betont albern (ob immer bewusst, sei mal dahingestellt). Ulli Potofski schaffte es, dass er sich nie zum Narren machte, dass er vor allem sich selbst nicht zu ernst nahm. So sprach er mit einem alten Kühlschrank „im Kühlschrank ist noch Licht“, ganz ähnlich wie Axel Hacke in seinen früheren Kolumnen mit seinem „Bosch“ sprach. Ein Multitalent, und nie verleugnete er sein tiefblaues Herz für Schalke 04, dessen Abstieg von einem Bundesliga-Spitzenteam zu einer durchschnittlichen Zweitliga-Mannschaft ihn sichtlich mitnahm.
Für Sky kommentierte er fast bis zuletzt noch Zweitliga-Spiele, dazu betrieb er einen regelmäßigen Podcast. 73 Jahre wurde Ulli Potofski alt, als er am Dienstagabend nach kurzer schwerer Krankreit verschied.

 

Jorge Costa – Herz und Hirn des FC Porto

 

Wahrscheinlich ist der Portugiese hierzulande nicht so bekannt, obwohl er in Deutschland seinen größten sportlichen Erfolg von so vielen Triumphen feierte. 2004 führte der beinharte Verteidiger in der Gelsenkirchener Arena AufSchalke den FC Porto als Kapitän zum Endspielsieg der Champions League gegen die AS Monaco. Als U-20-Spieler war er zudem Mitglied der portugiesischen Weltmeiter um Luis Figo; die so vielversprechende „Goldene Generation“, die dan doch titellos blieb bei EMs und WMs.
Jorge Costa war der Spielführer der vielleicht erfolgreichsten Zeit des ruhmreichen portugiesischen Clubs. 8 Meisterschaften feierte er, 5 Pokalsiege, und ein Jahr vor der Champions League holte sich Porto auch den damaligen UEFA-Pokal, jeweils angeleitet von der Trainer-Legende José Mourinho, für den Porto und seine Erfolge der Grundstein einer Weltkarriere war.
Jorge Costa blieb als Spieler dagegen fast durchgehend beim FC Porto, erst ganz am Ende wagte er 1995 nach 16 Jahren ein Engagement bei Standard Lüttich. Als Trainer war er nicht sonderlich erfolgreich, war eher als Weltenbummler bekannt, den es unter anderen nach Rumänien, Zypern, Gabun und Indien zog.
Erst vor gut 6 Monaten kam er zurück, übernahm beim FC Porto das Amt des Sportdirektors. Noch am Dienstag gab er ein Fernseh-Interview, kurze Zeit später beende ein Herzstillstand sein Leben im Alter von nur 53 Jahren. „Eine unverzichtbare Größe des Vereins“, kondolierte der FC Porto, und Mourinho, mittlerweile Trainer bei Fenerbahce, befand anlässlich der Partie bei Feyenoord: „Er ist Teil meiner Geschichte.  Ich habe seine Kinder kennengelernt, als sie noch wirklich klein waren. Jetzt sind sie groß geworden.“ Und er versprach: „Ich werde jetzt für mein Team da sein. Und danach werde ich weinen.“

 

Mögen alle Drei in Frieden ruhen.

 

 

Das wird die Woche, die wird

Andere Sportarten standen zuletzt im Mittelpunkt, doch jetzt rückt König Fußball und die neue Saison (zumindest in Europa) wieder in den Vordergrund. Dazu Masters-Tennis in Nordamerika.

 

Zverev weiter auf Mission Wiedergutmachung

 

Auch der Satzverlust gegen den Australier Alexej Popyrin konnte den Deutschen nicht stoppen. Er steht bereits im Halbfinale des Masters von Toronto und trifft dort in der Nacht zu Donnerstag auf den Russen Karen Khatschanow, der nach eher verhaltenem Jahresbeginn in Topform ist und zuvor auch in Wimbledon die Runde der besten Vier erreicht hat. In der unteren Hälfte werden heute Nacht bei den Partien Rublew gegen Fritz und De Minaur gegen Shelton die beiden anderen Semifinalisten ermittelt.
Genau so weit sind die Frauen beim Pendant in Montreal. Die Sensations-Kanadierin Victoria Mboko und Lena Rybakina sind schon im Halbfinale, heute Nacht kommen Madison Keys/Clara Tauson und Elena Switolina/Naomi Osaka dazu.

Die Finals sind schon für Freitag angesetzt, weil schon das nächste Masters in Cincinnati wartet. Dort werden bei den Männern auch die Topleute Jannik Sinner und Carlos Alcáraz wieder ins Geschehen eingreifen, die sich für Toronto eine  schöpferische Pause nahmen. Erneut abgesagt hat allerdings Novak Djokovic seine Teilnahme. Grand Slam oder nix, heiißt offenbar die Devise des 38-Jährigen, denn schon Ende August warten die extrem kräftezehrenden US Open. Ansonsten hat die komplette Weltelite gemeldet.
Nach de Kanada-Trennung sind Frauen und Männer in Cinci wieder vereint. Auch die Frauen werden praktisch mit der kompletten Weltelite am Start sein.
Zurzeit läuft noch die Qualifikation, unter anderem mit Ella Seidel , Laura Siegemund sowie Jan-Lennard Struff.

 

Königsklasse schon im Gange

 

Die Topclubs können sich noch schonen, aber die Qualifikation im Kampf um die Geldtöpfe ist bereits im vollen Gang. Diese und nächste Woche (jeweils Dienstag und Mittwoch) steht die 3. Runde an (Hin- und Rückspiele), unter anderem mit namhaften Paarungen wie das „Öresund-Derby“ Malmö-Kopenhagen,  RB Salzburg vs FC Brügge und vor allem OGC Nizza vs Benfica.

Wer nicht genug hat, darf sich am Donnerstag in der Qualifikation der Europa und Conference League was Hübsches aussuchen. Wie wäre es mit dem schwedisch-norwegischen Knaller Häcken vs Bergen (Do., 19 Uhr).

 

Heimclubs bereits unter Druck

 

Vor dem 2. Spieltag der 2. Bundesliga ist die Ausgangslage klar: Von den 9 Heimmannschaften müssen 8 eine Auftaktniederlage des vergangenen Wochenendes kompensieren. Wer erneut verliert, steht schon gewaltig unter Zugzwang. Einzig Eintracht Braunschweig kann zu Hause gegen Greuther Fürth einen Auswärtssieg vergolden, das einzige Duell zweier Auftaktgewinnen. Namhafte Partie sind selbstredend wieder dabei wie Nürnberg gegen Darmstadt (Freitag, 18:30), der Ostschlager Dresden – Magdeburg (Sa., 13:30) und die Partie Lautern – Schalke (Sa., 20:30). Interessant, dass die DFL die Partien nicht auf die vermeintlich attraktiveren Erstligazeiten angesetzt hat, obwohl das Oberhaus noch pausiert. Um die Fans nicht zu verwirren?

 

Golfen für Millionen

 

Die Fedex-Ausscheidung beginnt schon, der der dreiwöchige Abschluss der US-Turnierserie, in der der Sieger am Ende 20 Millionen Dollar gewinnt. 3 Turniere zum Abschluss, beim ersten in Memphis sind 70 Profis dabei, beim zweiten 50 und zum Abschluss wie gehabt dann nur noch 30, die dann je nach Punktestand mit einem Handicap starten. Die Wertung führt derzeit klar der Amerikaner Scottie Scheffler vor dem Nordiren Rory McIlroy und dem Östereicher Sepp Straka an. Mit dabei zum Auftakt sind auch die Deutschen Stephan Jäger und Matti Schmid, der als 70. gerade noch ins Feld rutschte.

 

Und sonst?

 

  • Radsport: Polen-Rundfahrt und Vuelta die Burgos
  • Basketball: Die EM-Vorbereitung nimmt langsam Formen an. Der deutsche Kader ist benannt (ohne Isaiah Hartenstein und Moe Wagner, mit Dennis Schröder und Franz Wagner. Wenn ich das richtig sehe, hat das Team noch keine Testspiele auf dem Programm, Das Team trifft am Freitag (20.05) in Ljubljana und am Sonntag (17:30) in Mannheim auf Slowenien mit einem angeblich sehr fitten anstatt fetten Luka Doncic. (Danke neuronal für den Hinweis). Magenta wird übertragen

Das war die Woche, die war

Zwei Frauen-Großereignisse fast ohne Beachtung (Open Championships im Golf, Tour de France), der Auftakt der neuen Saison in der 2. und 3. Liga und eine erneute McLaren-Demonstration in Budapest.
Anmerkung: Ein tolles Sportfest gab es bei den sogenannten Finals in Dresden in verschiedenen Sportarten. Ich bin aber schlicht nicht dazu gekommen, das näher zu verfolgen (oder gar vor Ort zu sein)und verweise auf andere Zusammenfassungen wie etwa hier

https://www.zdfheute.de/sport/die-finals/2025-dresden-zuschauerrekord-bilanz-100.html

 

Frankreich kann doch die Tour gewinnen

 

Die französischen Männer hatten ein trauriges 40-jähriges Jubiläum ohne heimischen Sieg bei der Großen Sschleife, dafür sind jetzt die Frauen eingesprungen. Genauer gesagt Pauline-Frevot, die die enorm anspruchsvolle, bis zuletzt äußerst spannende Tour gewann. Nicht durch Zufall oder Etappenglück, sondern mit zwei reifen Leistungen bei zwei extrem schweren Teilstücken am Wochenende mit Bergankunft am Col de la Madeleine und am Sonntag bei eine Berg- und Talfahrt mit Ziel im Ski- und Mountainbike-Gebiet von Châtel Les Portes du Soleil. Die Holländerin Dana Vollering wurde Zweite vor der polnischen Titelverteidigerin Katarzyna Niewiadoma.

 

Japanerin Yamashita triumphiert

 

Die Britisch Open der Golferinnen waren eine asiatische Angelegenheit mit europäischer Beteilung. Am Ende siegte die Japanerin auf dem Kurs in Royal Porthcrawl mit zwei Schlägen Vorsprung (277/-9) auf ihre Landfrau Minami Katsu und der Engländerin Charley Hull, die mit 2 Bogeys am Ende der Schlussrunde ihre Siegchancen vergab, dennoch die europäische „Ehre rettete“ (Löwe, gehts noch höher?).
Gleich 5 Asiatinnen kamen in die Top 10, dagegen mit Megan Khang nur eine US Amerikanerin. Die Deutschinnen hatten letztlich mit der Entscheidung nichts zu tun. Beste war die Olympiazweite Esther Henseleit auf dem geteilten 23. Rang.

 

Norris mit Taktik-Coup

 

Den Start verhunzt (nicht zum ersten Mal) und trotzdem gewonnen. Lando Norris profitierte von einer taktischen Meisterleistung seines McLaren-Teams und siegte vor dem australischen Teamkollegen Oscar Piastri und George Russell im Mercedes. Im Gegensatz zur Konkurrenz kam er mit nur einem (statt 2) Boxenstopp aus und rettete sechs Zehntel vor Piastri ins Ziel, der allerdings am Ende auf dem überhol-feindlichen Kurs auf allzu hohes Risiko verzichtete (zur Erleichterung und wahrscheinlich auf Anweisung der McLaren-Crew). Damit verkürzte sich Norris‘ Rückstand in der WM-Wertung zu Piastri auf 9 Punkte. Die beiden Teamkollegen werden den Titel unter sich ausmachen, denn der Dritte, Titelverteidiger Max Verstappen, liegt im klar unterlegenen Red Bull bereits 97 Zähler zurück, das sind fast vier Rennsiege à 25 Punkte.
Fahrer des Tages war Gabriel Borteloto. Der brasilianische Sauber-Teamkollege von Nico Hülkenberg belegte den hervorragenden 6. Platz und ließ damit unter anderem Max Verstappen/9., Kimi Antonelli/10., und Lewis Hamilton/12. hinter sich – und das ohne Renn(Wetter)-Glück oder einer Ausfall-Orgie, sondern allein mit fahrerischer Klasse.
Jetzt steht eine dreiwöchige Pause an, in der auch jegliches Arbeiten an den Boliden verboten ist.

 

Gastgeber dominieren 1. Spieltag

 

9 Partien, 8 Heimsiege, das ist die fast makellose Bilanz des 1. Spieltages. Allein der 1. FC Magdeburg patzte beim Zweitligaauftakt vor eigener Kuliise, gegen den (geografischen) Nachbarn Eintracht Braunschweig.
Erster Tabellenführer ist Aufsteiger und Pokalfinalist Arminia Bielefeld, offenbar immer noch auf der Erfolgswelle im Frühling reitend. Die Ostwetfalen deklassierten den Aufstiegs-Mitfavoriten (sofern ich überhaupt welche ausmachen kann) Fortuna Düsseldorf gleich mit 5:1. Nicht viel besser erging es Absteiger VfL Bochum, das bei Darmstadt 98 eine 1:4-Klatsche erfuhr.

Eine Klasse darunter beherrschten Unentschieden das Geschehen. Gleich 6 Partien endeten Remis, darunter auch die Begegnung Rot-Weiss Essen gegen 1860 München. Eine schöne Geste zeigte dabei Löwen-Torschütze Florian Niederlechner, der mit seinem Jubel des am Freitag gestorbenen Sohnes von Bayern-Ersatzschlussmann Sven Ulreich gedachte. Beide Familien sind eng befreundet, das zählt natürlich viel mehr als eine Vereins-Rivalität, die bei einer so traurigen Nachricht eh keine Rolle spielen sollte. Erster Tabellenführer ist die SV Wehen-Wiesbaden nach dem 3:1 gegen Absteiger Ulm 46.

 

Ledecky kann es auch spannend

 

Die 800 Meter der Frauen waren mein persönlicher Höhepunkt der Becken-Wettbewerbe der Schwimm-WM in Singapur. Drei Starterinnen kämpften um den Sieg, lagen bis zur letzten Wende praktisch gleichauf. Am Ende siegte die überragende Langstrecklerin der vergangenen Jahre, Katie Ledecky, ganz knapp vor der erstaunlichen Australierin Lani Pallister und der kandaischen Gold-Sammlerin Summer McIntosh und sicherte sich ihren insgesamt 23. WM-Titel. Zuvor hatte sie in Singapur schon über 1500 Meter (wie so oft völlig ungefährdet) und mit der US-Staffel über 4×200 Meter triumphiert.

Noch erfolgreicher war Summer McIntosh mit 3 Titeln. Dennoch war die erst 18-jährige Kanadierin nicht vollends zufrieden mit den Titelkämpfen. Zum einen wegen des verpassten Sieges gegen Ledecky, vor allem aber, weil sie über 400 Meter Lagen den anvisierten Weltrekord verfehlte. So sauer habe ich noch selten eine gerade gekürte Weltmeisterin gesehen …

Die Deutschen schafften 2 Goldmedaillen im Becken. Die von Weltrekordler Lukas Märtens über 400 Meter Freistil kam erwartet, die von Anna Elendt über 100 Meter Brust ziemlich überraschend, zumal sie nur mit  viel Glück überhaupt n den Endlauf gekommenn war. Stark auch der Langstreckler Sven Schwarz, der über 800 und 1500 Meter jeweils Silber holte und sich beide Male nur dem Tunesier Ahmed Jaouadi geschlagen geben musste. Der viermalige Freiwasser-Champion Florian Wellbrock kam über 1500 Meter nicht über Rang 5 hinaus, dürfte Singapur dennoch höchstzufrieden verlassen.

Insgesamt waren es unterhaltsame Titelkämpfe. Gerade die Final-Sessions jeweils über 2 Stunden waren sehr komprimiert und ließen kaum Längen zu (ja, Siegerehrungen gehören halt dazu). Da kann die längliche Leichtathletik nur lernen, ich fürchte, sie tut es nicht.

 

Und sonst?

 

  • Zeigt sich Alexander Zverev von seinem Erstrundenaus in Wimbledon (samt Seelen-Offenbarung vor der Welt-Öffentlichkeit) gut erholt. Beim Masters-Turnier in Toronto gewann er dreimal ohne Satzverlust, profitierte allerdings in der 3. Runde auch von der Aufgabe seines „Angstgegners“ Fernando Cerundolo.
    Bei den Frauen sind alle Deutschinnen schon ausgeschieden. Eval Lys hatte gegen Wimbledonsiegerin Iga Swiatek keine Chance, freute sich dennoch über immerhin 4 Spielgewinne (2:6, 2:6).
  • Die US-Sprinter zeigen auf: Bei der WM-Ausscheidung in Eugene zeigte sie, dass die Titel über 100 und 200 Meter nur über sie gehen. Herausragend etwa die 10,65, die Melissa Jefferson-Wooden auf die Bahn knallte. bei den Männerns siegte auf selber Strecke Kenny Bednarek mit 9,79. Einen Junioren-Weltrekord stellte der erst 16-jährige (!) Cooper Lutkenhaus über 800 Meter (nein, das ist kein Sprint) auf, der als Zweiter hinter Donovan Brazier nur 1:42,27 Minuten brauchte – eine geradezu unfassbare Leistung für dieses Alter.
  • Finnischer Heimsieg: Bei der 1000-Seen-Rallye triumphierte der zweifache Weltmeister Kalle Rovenperä, der zum ersten Mal zu Hause gewann und den ersten finnischen Sieg in Finnland seit 8 Jahren landete. Es war die schnellste WM-Rallye der Geschichte: Rovenperä hatte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 129,9 km/h – und das auf Schotterstraßen mit hunderten Sprüngen.