Woltemade zu den Bayern? oder wie man alles falsch machen kann

Schon die Nachricht an sich hat mich ziemlich verstört. Letzte Woche meldete der FC Bayern, dass man sich mit Nick Woltemade einig sei, auf das der 23-jährige „ab sofort“ bis 2030 beim Fußball-Rekordmeister auf Torejagd gehe. Sogar das jährliche Salär (bis zu 10 Mio/Jahr) gaben die Münchner bekannt. Meine erste Reaktion: Was zur Hölle will Woltemade beim überragend besetzten Meister, wo Harry Kane und Jamal Musiala seine bevorzugten Positionen ganz vorne oder als Verbindung besetzen und vorerst mit Sicheheit nicht zu verdrängen sind.

So weit, so ungut in diesem Millionengeschäft. Gäbe es da nicht das klitzekleine Problem, dass besagter Nick Woltemade schon einen gültigen Vertrag hat. Allerdings nicht beim FC Bayern, sondern beim Liga-Konkurrenten VfB Stuttgart. Bis 2028 und ohne jede Ausstiegsklausel. Den VfB aber haben Bayern weder um Erlaubnis gebeten, dass sie mit ihrem Angestellten über eine Abwerbung sprechen dürfen, geschweige denn erhielten sie die Erlaubnis dafür, wie die Stuttgarter unwidersprochen darlegten. Was gängigen und ziemlich strengen Regeln der Verbände völlig widerspricht. Die besagen nämlich, dass solche Gespräche höchstens in den letzten 6 Monaten der Vertragslaufzeit stattfinden dürfen.

Die Stuttgarter waren verständlicherweise alles andere als amused, und schnell war klar, dass dieser Transfer nicht so einfach über die Bühne gehen würde. Die Bayern selbst hatten das Ganze ja an die Öffentlichkeit gebracht, und so durfte es niemanden verwundern, dass hochbezahlte Experten wie Lothar Matthäus sich dazu äußerten. Der tat etwas für sein Geld und setzte eine Ablösesumme von 80 bis 100 Millionen Euro in die Welt. Und siehe da: Der vfB setzte eben diese Summe als Verhandlungsbasis an, um über einen vorzeitigen Wechsel überhaupt zu reden.

Was wiederum Uli Hoeneß über die Maßen erregte: Lothar Matthäus habe nicht mehr alle Tassen im Schrank, polterte der Ehren-Präsident und Graue Eminzenz derr Bayern. Nur wegen ihm habe der VfB die Summe so hoch angesetzt, und Woltemade sei diese doch nie im Leben wert. Eine These, die nicht nur Matthäus beleidigte (so die Hoeneßsche Intention), sondern auch die Intelligenz der Stuttgarter Vereinsführung, die im Zweifel selbst darauf gekommen wäre, dass sie alle Trümpfe in der Hand haben und diese Summe aberwitzig hoch ansetzen könnten.

Und nicht zuletzt beleidigte Hoeneß auch noch seinen Wunschspieler Woltemade, als er ihm absprach, diese Summe wert zu sein. Der ist in diesem Sommer so etwas wie der heißeste Scheiß im deutschen Fußball. Aus dem Nichts spielte er eine herausragende Rückrunde beim VfB, avancierte zum Nationalspieler und glänzte gerade bei der U-21-EM, die er als Torschützenkönig abschloss. Apropos U-21-EM: Der Zeitpunkt, als die Bayern mit dem angeblich gesicherten Transfer an die Öffentlichkeit gingen, war brillant gewählt; nämlich unmittelbar vor dem Finale gegen England. Dort spielte der bis dato so starke Woltemade geradezu unsichtbar, und ich muss kein Psychologe sein, dass er sich in den Tagen zuvor auch mit anderen Dingen beschäftigt hatte als mit dem bis dahin wichtigsten Spiel seiner Karriere. Woltemade selbst ist bis jetzt wohl der ganz große Verlierer: Der nach nur einem halben Jahr dem Verein den Rücken kehren will, der ihn förderte und an ihn glaubte; der mit seiner Bezahlung (nur 2,5 Millionen Euro) unzufrieden ist, der unbedingt zum Branchenprimus wechseln will (warum auch immer).

Die Bayern stehen auch miserabel da: Ohne Not haben sie den Transfer herausposaunt. Offenbar sahen sie Bedarf, ihre Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, nachdem die anvisierten Wechsel von Florian Wirtz und Nico Williams und Barcola nicht zustande kamen. Ein teures Posaunen: Entweder sie zahlen die 80 oder 100 oder 120 Millionen, die der VfB letztlich aufruft oder sie verzichten und verzichten damit auf einen verheißungsvollen jungen Stürmer, der ihnen zumindest in mittelfristiger Zukunft weiterhelfen kann. Der VfB kann sich dagegen relativ beruhigt zurücklehnen. Sie haben den wasserdichten Vertrag. Entweder sie werden über die Maßen hoch entschädigt oder sie behalten den Angreifer, der mit seiner Entwicklung auch noch längst nicht am Plafond angekommen ist. Bedenken, dass Woltemade beleidigt ist ode gar seinen Wechsel durch „Streik“ forcieren will, sehe ich nicht. Woltemade scheint zum einen nicht der Typ dafür zu sein, zum anderen muss er erst mal seine Leistung bestätigen. Und letztlich steht 2026 die WM in Amerika an, bei der er unbedingt dabei sein will.

Uns objektiven Betrachtern bleibt ein unterhaltsames Bauern-Theater (zumindest die Vorwürfe zwischen Hoeneß/der Bayern Entourage) und Matthäus, die ja eine jahrelange Feindschaft pflegen. Unendlich viele Experten und Kommentatoren fühlen sich bemüßigt, ihren Senf dazu abzugeben. Ich hoffe nur, dass Nick Woltemade einigermaßen schadlos aus der (auch von ihm) eingebrockten Not herauskommt.

Zverev macht Zverev-Dinge

Zverev raus, Maria raus. Die beiden großen deutschen Hoffnungen mussten schon in der 1. Runde reichlich überraschen und noch viel enttäuschender die Segel streichen. Während Tatjana Maria nach verlorenem Tiebreak im 2. Satz (dort nach 4:2- und 5:4-Führung) mit ihren Kräften bei sengender Hitze am Ende war und im letzten Durchgang gegen die Außenseiterin Katie Volynets schlicht nichts mehr zuzusetzen hatte, zog Zverev gegen den zwar starken, aber keineswegs übermächtigen Arthur Rinderknech in 5 Sätzen den Kürzeren.

Es war ein Zverev, wie er leibt und lebt in einer Partie, die über 2 Tage ging, weil in Wimbledon ohne Ausnahme um 23 Uhr Ortszeit die Lichter ausgehen (also zumindest die Spiele abgebrochen werden). Schon gestern Abend hatte sich Zverev gegen den Franzosen schwer getan, doch alles schien sich zum guten zu wenden, als er mit gewonnenen Tiebreak im zweiten Satz (und abgewehrten Satzball) den 1:1-Ausgleich herstellte. 1:1 führt er, konstatierte auch Expertin (und leider auch ziemliches Fangirl) Andrea Petkovic.

Nach offenbar unruhiger Nacht am Nachmittag die Fortsetzung: Zverev wirkte verschlafen, ließ sich fast ohne Gegenwehr den Aufschlag abnehmen und ließ den 3. Satz wegrauschen. Im 4. nutzte Zverev einige Breakbälle nicht, und so kam es zum nächsten Tiebreak. Und beim Stand von 5:5 nahm Zverev allen Mut zusammen und drosch Rinderknech einen unerreichbaren 2. Aufschlag (der zweithärteste des gesamten Spiels) nur so um die Ohren, holte sich kurze Zeit den Satz.

Jetzt aber doch Zverev, oder? Zumal der Franzose bei größter Hitze immer müder wurde. Doch der Hamburger verhühnerte ein 40:0 und gab den eigenen Aufschlag zum 1:2 ab. Un obwohl sich der wackere Rinderknech kaum mehr auf den Beinen halten konnte, blieb er in seinen Aufschlagspielen reichlich ungefährdet. Warum? Weil Zverev, der im 4. Satz noch so viel Cojones gezeigt hatte, jetzt jegliches Risiko scheute und dem Franzosen wie ein Tennislehrer die Bälle vor die Beine spielte auf dass dieser sich nicht mehr allzu sehr bewegen musste.

Der Matchball war Sinnbild. Rinderknech schubste einen Aufschlag ins Feld, Zverev schubste zurück. So ging es mehrere Schläge hin und her (als würden sich die Herrschaften einschlagen), dann ergriff Rinderknech nach einem allzu dürftigen Ball doch die Initiative und beendete das Match mit einer krachenden Rückhand. Sank zu Boden und feierte den wohl wichtigsten Sieg seiner Karriere, in der er noch nie einen Top-5-Spieler geschlagen hat. Unfassbar: In 5 langen Sätzen und 28 Aufschlagspielen gelang es Zverev kein einziges Break –  gegen einen zwar guten, aber keineswegs mit überragendem Service ausgestatteten Aufschläger.

Damit sind nach der 1. Runde 4 der 7 deutschen Starterinnen und Starter ausgeschieden. Neben Maria scheiterte auch Qualifikantin Ella Seidel, die böse umknickte und ihre Partie gegen die Spanierin Jéssica Bouzas Maneiro beim Stand von 3:6, 2:3 aufgeben musste. Bänderriss, lautet die niederschmetternde erste Diagnose. Auch Daniel Altmaier ist schon raus. Gegen den Argentinier Gabriel Diallo hatte er letztlich keien Chance.

Im Rennen sind noch noch Eva Lys, Laura Siegemund sowie Jan-Lennard Struff, die sich ihrer Erstrunden-Aufgaben souverän lösten. Morgen wird es für das verbliebene Trio schwer: Struff bekommt es mit Felix Auger-Aliassime aus Kanada zu tun, Siegemund in einem weiteren deutsch-kanadischen Duell mit Leila Fernandez. Lys letztlich trifft auf die starke Tschechin Linda Noskova, für viele eine Geheimfavoritin fürs Turnier.

 

Favoriten straucheln und fallen sogar

 

Die 1. Runde brachte schon viel Unterhaltung. So benötigte Titelverteidiger Carlos Alcáraz 5 Sätze und sehr viel mehr Mühe als erwartet, um den widerspenstigen Italiener Paulo Fognini aus dem Weg zu räumen. De befindet sich mit seinen 37 Jahren auf Abschiedstour und bat den Spanier hernach um ein Autogramm für seine Nichte.
Gerade noch von der Schippe des Ausfallens sprang Taylor Fritz. 0:2-Sätze lag er gegen den französischen Aufschlagriesen Giovanni Mpetshi Perricard zurück und nach gewonnenem 3. Durchgang im Tiebreak des 4. Satzes gar mit 1:5. Dann bekam der junge Franzose das Nervenflattern, sein Aufschlag verließ ihn, und er gab den Tiebreak ab. Auch hier Unterbrechung wegen Sperrstunde und heute die Forsetzung, in der Perricard beim Stand von 4:5 eine kleine Aufschlagschwäche erfuhr und Game und Satz und Match velor.

Tatsächlich draußen sind die hochgesetzten Lorenzo Musetti, Holger Rune und Daniil Medwedew. Auch der als sehr gefährliche Außenseiter Alxander Bublik ist nicht mehr dabei. Der Sieger des Turniers in Halle zeigte seine üble Seite und verlor am Ende ohne jede Lust gegen den Spanier Munar. Bei den Frauen erwischte es Jessica Pegula, eine Mitfavoritin auf den Turniersieg, die nach ganz schwacher Leistung der Italienerin Elisabetta Conciaretto (Nr. 116 der Welt) beugen musste. Die Italienerin trifft nur auf Maria-Bezwingerin Volynets. Auch Olympiasiegerin Qinwen Zheng (vs Katerina Siniakova) ist nicht mehr dabei.

 

Das war die Woche, die war

Tolles Turnier ohne Happy end

 

Während die Club-WM so vor sich hinmäandert, haben die Nachwuchsfußballer richtig Spaß gemacht bei der EM in der Slowakei. Nicht nur, aber vor allem auch das deutsche U-21-Team mit 5 teilweise rauschhaften Siegen (vor allem das 3:0 im Halbfinale gegen Frankreich). Doch die Jungs um Nick Woltemade müssen ohne Pokal heimfahren, weil sie im Endspiel zu Bratislava sich dem Titelverteidiger England mit 2:3 nach Verlängerung beugen mussten. Ein frühes 0:2 glich die Truppe von Trainer Antonio di Salvo zwar durch Treffer der Mainzer Nelson Weiper und Paul Nebel, doch in der Verlängerung konnten sie ein erneut sehr frühes Gegentor nicht mehr antworten.
Natürlich waren die jungen Männer enttäuscht, allesamt schon bei hochklassigen Proficlubs angestellt. Doch so mancher gab eine tolle Talentprobe des großen Könnens, ich stelle mal Torwart Noah Atubolu (SC Freiburg), Mittelfeldmann Rocko Reitz (Gladbach) und Stürmer Nick Woltemade (Stuttgart) heraus. Aber keiner fiel ab, und jeder kann eine sehr gute Karriere vor sich haben.

Im Mittelpunkt stand Nick Woltemade. Nicht nur wegen seiner herausragenden Vorstellungen und der sechs Treffer, die ihn zum Torschützenkönig des Turniers machten. Nach dem Halbfinale sickerte durch, dass der Shooting Star sich einig sei über einen sofortigen Wechsel zum FC Bayern. Verhandlungen hat es offenbar zunächst ohne das Wissen des VfB gegeben, ein Unding! Jetzt streiten die beiden Clubs noch über die Ablösesumme des wechslewilligen Angreifers. Alle Trümpfe liegen dabei beim vfB, denn Woltemade hat noch einen Vertrag bis 2028 – offenbar ohne Ausstiegsklausel. Zu diesem Thema und den unschönen Begleiterscheinungen plane ich einen gesonderten Text für Dienstag oder Mittwoch.

 

Der Dopingfall Victoria Carl

 

Die Nachricht hat mich getroffen: In einem Dopingtest der Langläuferin wurde das verbotene Mittel Clenbuterol gefunden, das vor mehr als 30 Jahren der deutschen Sprintweltmeisterin Katrin Krabbe zum Verhängnis wurde. Vor allem die Umstände, wie sie gerade vom Verband kommuniziert werden, lassen mich tatsächlich glauben, dass sie eher Opfer extrem unglücklicher Umstände und eigener Nachlässigkeit geworden ist. Getestet wurde sie bei der Militär-WM, die Ende März und damit nach der Weltcup-Saison stattfand. Dort hatte sie wie so oft in ihrer Karriere schweren Husten, der zuständige Militärarzt verabreichte ihr einen Hustensaft zur Linderung. Blöderweise nicht den ohne Clenbuterol (den gibt es), sondern eine ganz ähnliche, aber offenbar stärkere  Version des gleichen Herstellers, in der allerdings das verbotene Mittel enthalten ist. Wohlgemerkt, es war nicht die gewohnte medizinische Begleitung, sondern ein dem Leistungssport eher fremder Arzt.
So lautet zumindest die offizielle Version, die der deutsche Skiverband, die Militärärzte und auch die Sportlerin bekannt machten. Die man jetzt glauben mag oder nicht: Ich bin zwar weit davon entfernt, dass ich per se alle deutschen AthletInnen bewusstes Doping nicht zutraue, aber neige in diesem Fall, dass ich diesen Sachverhalt glaube. Warum soll sie sich für eine Militär-WM bewusst dopen, bliebe die erste ungeklärte Frage.
So weit so ungut, und kein Zweifel. Eine wirklich aufmerksame Victoria Carl hätte das Mittel genauer inspiziert. Aber offenbar ging es ihr wirklich dreckig, sodass sie keine klaren Gedanken fassen konnte (und ein wenig Vertrauen in eine medizinische Begleitung muss auch einem Leistungssportler erlaubt sein). Die Frage ist jetzt die Sanktion, und so leid es mir für Victoria Carl, der Olympiasiegerin im Teamsprint 2022 mit Katharina Hennig. Um eine Sperre dürfte sie kaum herumkommen, die sie dann höchstwahrscheinlich die Olympia-Teilnahme 2026 kosten wird. Eine Ausnahme wäre schon sehr fragwürdig. Andererseits haben zuletzt die Verbände den absurdesten Ausreden geglaubt (kontaminiertes Essen für gleich 19 chinesische Schwimmer, die berühmt-berüchtigte Salbe des Masseurs von Tennis-Profi Jannik Sinner). Da habe ich mich auch in diesem Blog extrem aufgeregt, dass der Italiener mit einer lächerlichen Sperre davonkam. Konsequenterweise müsste ich mich auch über einen Freispruch von Carl aufregen. Wenn es dazu käme, würde ich mich dennoch für Victoria Carl freuen, so weit zu meiner komplizierten Gefühlslage.

 

Die dicke Frau hatte noch nicht gesungen

 

„It aint over, till the fat lady sing.“ Sprich: Es ist im Sportwettkampf erst mit dem Schlusspfiff, der -Sirene, dem -Gong, dem Matchball vorbei. Wieder und wieder höre ich diese Durchhalteparole, wieder und wieder staune ich über die unglaublichen Comebacks, die es im Sport so gibt. Wie jetzt bei der Basketball-EM der Frauen im Finale zwischen Titelverteidiger Belgien und Spanien.

España führte kurz vor Schluss mit 65:53, als dem Team völlig die Nerven versagten. Nichts ging mehr, schreckliche Ballverluste und fürchterliche Fehlwürfe. Belgien kam Punkt für Punkt voran, und doch schienen die Spanier den Sieg über die Zeit zu retten. Sie führten mit einem Punkt und hatten Ballbesitz. Da kann nicht mehr viel passieren, außer in eine in Basketball-Schlussphasen oft üblichen Freiwurf-Orgien die Nerven zu verlieren. Selten gesehen habe ich dagegen, dass eine Spielerin ohne Gegenwehr den Ball verliert. Eine Belgierin stibitzte den Ball und traf ihrerseits zur Führung. Noch eine Chance für Spanien, doch ein Schrittfehler (und weiterer Ballverlust) beendete alle Hoffnungen. „Maximale Grausamkeit“, titelte „As“ über das unfassbare Ende, das bei den Spanierinnen lange hängen bleiben dürfte.

 

Die starke Antwort von Lando Norris

 

Vor zwei Wochen kübelte aller Spott über den Briten, als er in Montreal seinem McLaren-Teamgefährten Oscar Piastri ins Heck fuhr und ausscheiden musste. Unreif sei er, es müsse sofort eine Teamorder her. Lando Norris antwortete in Spielberg auf seine Weise. Mit einer unfassbaren Qualifikationsrunde und einer halben Sekunde Vorsprung auf Piastri holte er de Pole Position. Im Rennen wehrte er alle Angriffe des Australiers souverän ab. Der Rest hatte ohnehin nichts zu melden, die Ferarris von Charles Leclerc und Lewis Hamilton landeten auf Platz 3 und 4.
Schon in der 1. Kurve zu Ende war das Rennen für Max Verstappen, zum Entsetzen seiner holländischen Landsleute, die  wie in den Jahren zuvor zu tausenden die Tribünen säumten. Er wurde vom übereifrigen Kimi Antonelli abgeschossen, wie man so unschön schreibt. Der zerknirschte Entschuldigung nutzt dem vierfachen Weltmeister herzlich wenig, einen erneuten Titel muss er wohl langsam abschreiben. Folgerichtig ranken sich Transfergerüchte (zu Mercedes, also anstatt oder mit Antonelli?). Dabei hat die sogenannte silly season, die Zeit im Spätsommer/Herbst,, noch gar nicht begonnen, wo es tagtäglich die heißesten Gerüchte rund um die Königsklasse gibt.

 

Und sonst?

 

  • Club-WM: Die Bayern haben sich mit einem 4:2 gegen Botafogo fürs Viertelfinale qualifiziert und treffen dort auf Cl-Sieger Paris Saint Germain. Der sportliche Wert ist überschaumbar, aber 50 Millionen sind den Bayern sicher. Geld für Woltemade?
    Sensaationell raus ist Manchester City, das in einer wilden Partie nach Verlängerung mit 3:4 sich dem saudischen Club Al Hilal beugen musste. Was für ein Triumph auch für Neutraine Simone Inzaghi.
    Borussia Dortmund spielt heute Nacht gegen Monterrey. Zuvor treffen noch Juventus und Real aufeinander.
  • Leichtathletik: Bei der Team-EM wurde die deutsche Mannschaft Dritter hinter Italien und Polen. Die ganz tollen Einzelleistungen blieben aus.
    Eine solche schaffte die Österreicherin Victoria Hudson in der B-Gruppe. Die Europameisterin schleuderte den Speer auf die Weltjahresbestenweite von 67,76, gleichzeitig auch nationaler Rekord.
  • Motorrad: Matc Marquez bleibt in der MotoGP unschlagbar. In Assen gewann er sowohl Sprint als auch das Hauptrennen am Sonntag. In diesem stürzte sein jüngerer Burder Alexis in de 5. Runde und blieb ohne WM-Punkte. Mittlerweile hat Marc Marquez 78 Zähler Vorsprung auf Alexis und gleich 126 auf Francisco Bagnaia.

Das wird die Woche, die wird

Anfang Juli, das heißt es wird Zeit für zwei Weltereignisse des Sports: die Tour de France und Wimbledon, die klaren Aushängeschilder des Radsports und Tennis. Wer dann immer noch nicht genug hat, dem bleibt ja die Club-WM …

 

Pogacar unschlagbar – oder vielleicht doch nicht?

 

Glaub man den Auguren, müssen die Fahrer die 3.000 Kilometer rund durch Frankreich ab Samstag in Lille gar nicht erst in Angriff nehmen. Denn klarer Favorit ist erneut Tadej Pogacar. Nach einem grandiosen Frühjahr mit Siegen un ter anderem bei den Monumenten Flandern-Rundfahrt und Lüttich-Bastogne-Lüttich ersparte er sich sogar die Strapazen des Giros. Offenbar ist der Slowene in Top-Form.
Gefährlich werden kann ihm wohl allenfalls Jonas Vingegaard. Der Däne ließ wie gehabt die Frühjahrsklassiker aus und konzentriert sich allein auf die Tour. Dass er dort mit Pogacar wenigstens einigermaßen mithalten konnte, zeigte er beim beim Criterium Dauphiné, die er hinter Pogacar als Zweiter beendete und in den Bergen fast ebenbürtig war.
Beim Criterium zeigte auch ein Deutscher auf. Florian Lipowitz wurde hinter Pogacar und Vingegaard Dritter und ließ sogar Hollands Hoffnung Doppelolympiasieger Remco Evenepoel, hinter sich. Dennoch wird er in seinem Bora-Team nicht als Kapitän in die Tour gehen. Diese Rolle hat der 36-jährige Primoz Roglic inne. Ein starker Rundfahrer, gewiss, aber immer wieder für kräfteraubende Stürze gut. Kurios: Sowohl Roglic (Skispringen) als auch Lipowitz (Biathlon) begannen ihre Karriere als Wintersportler, bevor sie umsattelten.
Die Entscheidung wird wie immer in den Bergen fallen. Ins Auge fallen die Bergankünfte am Mont Ventoux (16. Etappe/22. Juli), Superbagneres (14./19.Juli) und das Dach der Tour in Col de la Loz (2320 m Seehöhe/18./24. Juli).
2 Einzelzeitfahren wird es geben: Rund um Caen (flach 33 km/5. Etappe/9. Juli) und das Bergzeitfahren hoch nach Peyragudesüber 10,9 Kilometer und der 16-prozentigen Rampe am Flughafen.
Nach dem olympia-bedingten Schlussakkord 2024 in Nizza wird die Tour wie immer auf dem Camps Elysee enden, und zwar am 27. Juli.

 

Alles spricht für Alcáraz – oder widerwpricht etwa ein Fritz (Sinner)?

 

Schon am Montag gebührt Alcáraz als Titelverteidiger die Ehre, auf dem Center Court von Wimbledon das Turnier zu eröffnen. Paolo Fognini dürfte zwar unterhaltsame Elemente einbringen, letztlich aber chancenlos sein. Wie Pogacar gilt auch Alcáraz bei fast allen Experten als mehr oder weniger klarer Fvorit auf den Einzeltitel, es wäre sein dritter in Folge auf dem heiligen Rasen. Nicht nur gewann er das epische French-Open-Finale vor knapp einem Monat in Paris gegen Jannik Sinner, sondern zwei Wochen danach auch die Generalprobe in Queens, praktisch ohne Eingewöhnung auf Rasen.
Zumindest nominell geht Jannik Sinner als Nummer 1 ins Rennen. Trotz leichter Rasenschwächedürfte der Italiener wieder weit kommen, ob es zum Finale oder sogar mehr reicht, bleicbt indes abzuwarten.
Als Best of the Rest hat sich Taylor Fritz empfohlen, der die Rasen-Turniere in Halle/Westfalen und zuletzt auch Eastbourne (dort allerdings gegen eher zweitklassige Konkurrenz) für sich entschied.
Fritz wäre ein möglicher Viertelfinal-Gegner von Deutschlands einzig seriöser Titelhoffnung (naja) Alexander Zverev. Der hat absurderweise in Wimbledon allerdings noch nie die Runde der besten Acht erreicht.
Nicht nur mein Dark horse ist Alexander Bublik. Der Kasache brillierte in Halle und hat das perfekte Rasenspiel. Und natürlich immer der ewige Novak Djokovic, der Finalist 2023 und 2024 und 24-malige Grand-Slam-Triumphator.

So klar die Sache bei den Männern scheint, so offen ist das Feld bei den Frauen. Wimbledon war zuletzt ein (H)ort der Überraschungen. Zuletzt siegten dort die Tschechinnen Barbora Krejcikova (2024), Marketa Vondrousova (2023) und Lena Rybakina aus Weißrussland (2022). Alles tolle Spielerinnen, gewiss aber auch aufgrund von Verletzungen keineswegs dominierend in der Tour. Dagegen sind die Top-Frauen Aryna Sabalenka, Iga Swiatek und Coco Gauff bisher nicht mal in die Nähe eines Turniersieges in Wimbledon gekommen. Schon in der 3. Runde könnte es zum Knaller Vondrousova vs Sabalenka kommen. Ich persönlich bin auch sehr auf das Abschneiden von Australian-Open-Siegerin Madison Keys gespannt, die grundsätzlich alles für ein gutes Rasenspiel mitbringt, es aber bisher nie auf den Rasen brachte.
Und Tatjana Maria? Der Queens-Siegerin (und gleich zur Königin gekürte) Schwäbin ist alles zuzutrauen, nach oben und unten. Nach einer machbar klingenden Erstrundenaufgabe gegen Katie Volynets wartet allerdings wahrscheinlich Jessica Pegula, gerade die Siegerin von Bad Homburg geworden.

Übertragen wird das Ganze bei Amazon Prime. Mir hat das im vergangenen Jahr hervorragend gefallen mit ihrem Studio vor Ort und auch den Reportern vor Ort. Das ist einfach was anderes, als wenn sich die Eurosport-Crew fast ausschließlich aus ihrem Studio in München meldet. Schaum wir mal, ob es wieder so gut wird.

 

Deutschinnen voller Hoffnung

 

Die Fußball-EM der Frauen in der Schweiz beginnt am Freitag. 16 Mannschaften haben sich qualifiziert.  Das deutsche Team rechnet sich durchaus Chancen aus, die Gruppe mit Polen, Dänemark und Schweden ist allerdingsh kein Selbstgänger, auch wenn gerade die Däninnen ihre wirklich gute Zeit hinter sich haben.
Ich kann tatsächlich zum Team wenig sagen, prägende Spielerinnen wie Torhüterin Almuth Schult und Stürmerin Alexandra Popp sind nicht mehr dabei, dafür hat sich Giulia Gwinn, so etwas wie das Postergirl, in den Vordergrund gespielt. Christian Wück ist der Bundestrainer, der in dieversen Jugendnationalmannschaften schon gezeigt hat, dass er mit frauen arbeiten kann.

Als große Favoritinnen schätze ich England und Spanien ein. Die Engländerinnen profitieren von der in allen Belangenbesten Liga zumindest in Europa, die Spanierinnen von ihren glänzenden Einzelspielerinnen, wobei ihre beste Akteurin, Aitana Bonmati  mit einer Meningitis ins Krankenhaus musste. Wann sie ins Turnier eingreifen kann, ist derzeit noch unklar. Wenn allerdings eine Mannschaft einen solchen Verlust kompensieren kann, dann die Weltmeisterinnen von 2023.

 

Und sonst

 

  • Die Fußball-Club-WM: Nach der ewigen Vorrunde werden gerade die Achtelfinali gespielt und dann am Freitag und Samstag die Viertelfinali. Wers braucht …
  •  Diamond League in Eugene: Mal sehen, welche Leichtathleten sich den Trip zur US-Westküste antun.
  • Formel 1 in Silverstone: Das Heimrennen für Lando Norris (McLaren), George Russell (Mercedes) und Lewis Hamilton (Ferrari). Obs was hilft gegen WM-Leader Oscar Piastri (McLaren) und Weltmeister Max Verstappen (Red Bull)?
  • Golf: BMW Open in München Eichenried. Die ganz großen Namen suche ich vergeblich, vielleicht Sergio Garcia und Matthew Fitzpatrick. Am Schlag ist immerhin die deutschen Top-Spieler Stephan Jäger und Matti Schmid wowie auch Martin Kaymer.

Was vom Basketball so übrigbleibt

Bayern sind Meister

 

Nach den Titel für die Münchner Fußballer und Fußballerinnen hat jetzt auch der FC Bayern Basketball Grund zum Jubel. Sie bezwangen in einer spannenden Best-of-5-Serie ratiopharm Ulm mit 3:2. Gerade die 5. Partie zehrte an den Nerven von Fans und Faninnen. Matchwinner wurde letztlich ein deutscher Weltmeister: Johannes Voigtmann in der absoluten schlussphase verwandelte 3 entscheidende Dreier und ließ den SAP Garden dann doch ein bisschen überschäumen. Ansonsten ist der Münchner Basketballzuschauer eher ein stiller Genießer. Immerhin dabei waren auch die Bayern-Granden Uli Hoeneß samt seiner Ehefrau Susi (ohne den es dieses Projekt vor gut 15 Jahren wahrscheinlich nie gegeben hätte) und Herbert Hainer, der tapfer wenigsagend Fragen zum anstehenden Wec hsel von Nick Woltemade eher nicht beantwortete.
Für die Münchner bedeutete der Titel auch die Rettung der Saison, nachdem sie im Pokal sensationell gescheitert waren und vor allem auch in der Euroleague mit dem Verpassen der Play-offs das Ziel klar verfehlt hatten. In der Euroleague werden sie einen neuen Angriff wagen, im Gegensatz zu Alba Berlin, das freiwillig (?) sich aus der Königsklasse zurückgezogen hat und künftig in der Champions League (nur der drittwichtigste Wettbewerb in Europa) versuchen wird.

 

Cooper Flagg die Nummer 1

 

Wie angekündigt haben die Dallas Mavericks im Draft um die besten Nachwuchsspieler Cooper Flagg als ersten Pick gezogen. Die Mavs hatten ja in der Draft Lottery bei nur 1,8 Prozent Wahrscheinlichkeit das Glück des ersten Loses gezogen. Flagg gilt als Ausnahmetalent, der nach Meinung aller Experten den Basketball fürs nächste Jahrzehnt prägen wird. Ein Ballyhoo um ihn vielleicht nicht ganz so sehr wie vor zwei Jahren um Victor Wembanyama, aber nicht wenig dahinter.
Der Forward von der für seine starke Basketball-Ausbildung bekannten Uni Duke bringt alles mit, was ein guter Spieler braucht. Stark in Offensive und Defensive, mit gutem Wurf ausgestattet und auch robust genug gegen die Muskelpakete in der NBA. Mit 18 Jahren ist er noch blutjung.
Doch dass er bei den Mavericks gelandet ist, ist ein zweischeniediges Schwert. Die ambitionierten Texaner haben große Pläne, wollen in den Play-offs möglichst weit kommen. Sie haben mit Kyrie Irving (derzeit allerdings noch veletzt) und Anthony Davis zwei absolute Star-Spieler. Ob da Flagg sich wirklich ausprobieren kann, auch Fehler machen darf, das wird sich zeigen. Auch und vor allem, wie viel Verantwortung ihm Trainer Jason Kidd in heiklen Phasen überlassen will. Andererseits: Er kann beschützt von Klassespielern sich entwickeln, es geht gleich um etwas bei ihm. Anders als bei vielen Supertalenten, die in so schwachen Teams spielen, dass sie nicht und nicht weiterkommen

An zweiter Stelle holten sich die San Antonio Spurs Dylan Harper, dem ebenfalls eine glänzende Zukunft bescheinigt wird. Spurs und Mavs sind nun im ohnehin so starken Westen zwei weitere Aspiranten auf die Play-off-Plätuze, de Unterschied der beiden Konferenzen West und Ost ist ohnehin schon dramatisch hoch.

Auch 2 Akteure der BBL, beide von ratiopharm Ulm wurden in der 1. Runde gezogen. Die Chicago Bulls sicherten sich die Dienste des Franzosen Noa Essengue, die New Jersey Nets die des Israeli Ben Sharaf. Im Hinblick auf die Draft hatten die Ulmer gar die Liga und die Bayern um Verlegung der Partien 4 und 5 gebeten, damit sich die Speiler nicht zwischen Finale und Draft entscheidn müssten. Das Gesuch wurde schnöde abgelehnt. Essengue flog am Mittwoch nach New York und fehlte in der entscheidenen Meisterschaftspartie, Saraf blieb zwar zu Hause, dürfte aber die nacht vorm Fernseher verbracht haben und dementsprechend abgelenkt gewesen sein.

 

Deutsche Frauen chancenlos

 

Wie erwartet war fürs DBB-Team im EM-Viertelfinale Schluss. Gegen Belgien verlor das Team um die WNBA-Profis Leonie Fiebig und Luisa Geisensöder letztlich klar und chancenlos mit 59:83. Konnte Deutschland in der 1. Hälfte noch einigermaßen mithalten (36:41), hatte es gegen den Titelverteidiger und haushohen Favoriten im 2. Durchgang nicht den hauch einer Chance. Vielleicht wäre es mit den Sabally-Schwestern Satou (WNBA) und Nyara (Aufbautraining) sowie der verletzten Kapitänin Marie Julich besser gelaufen. So wie vor einem Jahr bei Olympia, als die Mannschaft Belgien in der Vorrunde besiegte. Immerhin: Im ersten Platzierungsspiel gewannen die Deutschinnen gegen die Türkei mit 93:73, was ihnen eine Partie um Platz 5 gegen Tschechien beschert. Die K.o.Spiele finden allesamt in Piräus statt, doch die Atmosphäre in der höchstens zu einem Zehntel gefüllten Halle ist gespentisch. Der Grieche mag seine Männer-Teams frenetisch anfeuern, Frauen-Basketball lässt ihn gut klimatisierten halle offebar völlig kalt.

 

Und sonst

 

  • Der Verdacht bei Tyrese Haliburton auf Achillessehnenriss hat sich bestätigt. Der Spielmacher der Indiana Pacers, der sich im 7. Spiel der NBQ Finals gegen Oklahoma City Thunder nach 7 Minuten vverletzte, wird dem Team ungefähr ein Jahr lang fehlen.
  • Kevin Durant zu den Houston Rockets. Der 37-Jahre alte Forward, 15-mal im Allstar-Team arf zu einem seiner 3 Wunschteams wechseln. Die Phoenix Suns Suns erhalten im Gegenzug Dillon Brooks, Jalen Green, die Nummer 10 der Draft 25, also Khaman Maluach, ein sehr versierter Center, sowie noch 4 Second-Round-Picks. Wahrscheinlich das Beste, was die Suns kriegen konnten, nachdem bekannt war, dass sie Durant unbedingt loswerden wollten.