Das war die Woche, die war

Olympia-Nachwehen im Wintersport und natürlich Fußball.

 

Dortmunds Abgesang für diese Saison

 

Champions-League-Aus und das Ende der (eh nur geringen) Meisterschaftsträume. Borussia Dortmund erlebte eine Woche zum Vergessen. Insbesondere das 1:4 bei Atalanta Bergamo (nach 2:0 im Hinspiel) hallt bestimmt noch eine Weile nach, nicht nur, weil die fest eingeplanten Achtelfinal-Einnahmen in Höhe von 11 Millionen Euronen plus ausverkauftem Wetfalenstadion jetzt fehlen. Der insgesamt desaströse Auftritt zeigte, dass es dem BVB an allem fehlt, was eine echte europäische Spitzenmannschaft ausmacht. Die Einstellung war vielleicht sogar noch in Ordnung, die fehlende Klasse eines Bensebaini oder Can oder Guirassy oder Beier erschütternd. Atalanta ist sicher ein sehr gutes Team, aber doch nach dem Europa-League-Triumph von 2024 arg gerupft. Zuletzt verließ Lookman, der dreifache Torschütze im Finale gegen Bayer Leverkusen, den Verein in Richtung Atlético Madrid. In der Serie A sind die Bergamasken gerade mal Siebter, die erneute Qualifikation für die Champions League scheint schon außer Reichweite.

Doch gegen Dortmund drehten sie den 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel. Fast problemlos, wie es schien. Die haarsträubenden Abwehrfehler des BVB taten das Übrige, und das absurde Zustandekommen des letztlich entscheidenden Elfmeters in der letzten Minute der Nachspielzeit darf als Blaupause eines für die absolute Spitze nicht wettbewerbsfähigen Kaders herangenommen werden. Ein völlig sinnloser Chip von Schlussmann Gregor Kobel in die Füße eines Italieners, und eine noch sinnlosere KungFu-Grätsche von Benebaini im Strafraum führten zum Strafstoß und dem Knock out.

Am Samstag folgte zwar ein sehr ansehnliches Spiel gegen den Branchenprimus FC Bayern, am Ende aber siegten die Münchner nach dem munteren und von beiden Seiten sehr engagiert geführten Schlagabtausch mit 3:2 und entschieden die Meisterschaft. Nein, noch nicht rechnerisch, aber angesichts von 11 Punkten Vorsprung und dem uneinholbar besseren Torverhätlnis hat  kein vernünftiger Mensch noch Zweifel am Titel.

Für die Dortmunder ist die Saison damit faktisch beendet: International sind sie nicht mehr vertreten, im Pokal ebenfalls ausgeschieden. Meister können sie nicht mehr werden, aus den Champions-League-Plätzen können sie angesichts von 8 Punkten Vorspurng auf Platz 5 auch nur noch in der Theorie fallen. Bleiben also nur das Pseudo-Ziel Platz 2 (klar, etwas höhere Prämien und ansehen) und für die Nationalmannschafts-Aspiranten zehn Partien zum Vorspielen, damit sie  Julian Nagelsmann erwählt. Ein Kriterium des Bundestrainers dabei: jedes Tor frenetisch bejubeln.

Atalanta jetzt gegen Bayern

Für insgesamt 5 deutsche Teams geht es ab nächster Woche international weiter. Das mögliche deutsche Duell in der Champions League fällt aus, denn die Losfee bescherte dem FC Bayern Dortmund-Bezwinger Atalanta und Bayer Leverkusen bekommt es mit dem FC Arsenal zu tun, eine wahthaft herkulische Aufgabe für die Werkself gegen den englischen Tabellenführer.
In der Europa League qualifizierte sich der VfB Stuttgart fürs Achtelfinale und trifft dort auf den FC Porto (mehr klingender Name als wirklich formstark). Der zuvor schon gesetzte SC Freiburg bekommt es mit dem belgischen Vertreter KRC Genk zu tun.
Der FSV Mainz schließlich ist in der Conference League noch dabei: Der Achtelfinal-Gegner heißt Sigma Olmütz aus Tschechien. Klingt machbar, die zwei Partien sind aber doch störend im Abstiegskampf.

 

Emma Aicher auf Punktejagd

 

Die zweifache Silbermedaillengewinnerin kam mit reicher „Beute“ zurück von den Rennen in Soldeu/Andorra. In der Abfahrt wurde sie Fünfte, einen Super-G gewann sie und in einem wurde sie Zweite. Macht insgesamt satte 225 Zähler. Damit halbierte sie den Rückstand auf die Weltcup-Führende Mikaela Shiffrin, die Speedrennen in dieser Saison fast ausschließlich auslässt. Jetzt beträgt der Rückstand auf die Slalom-Olympiasiegerin „nur“ noch 219 Punkte, am nächsten Wochenende stehen im Val die Fassa noch mal 3 Speedrennen an (offenbar wieder ohne Shiffrin), in denen Emma Aicher weiter aufholen (sogar überholen?) kann. Etwaige Hochrechnungen sind noch zu früh, aber mir kann niemand erzählen, dass sie nicht von der Deutschen selbst angestellt werden …
Gerade bei ihrem Sieg am Samstag zeigte Aicher ihr unfassbares Skigefühl und ließ der Konkurrenz nicht den Hauch eine Chance. Warum nicht bei Olympia?, schoss es mir durch den Kopf, dann hätte sie auch noch eine Goldene um den Hals hängen.

 

Und sonst?

 

  • Aufstand im Bundesliga-Keller: St. Pauli schien schon abgeschlagen, jetzt landeten die Hamburger bei Bayer Levekusen 1899 Hoffenheim einen 1:0-Überraschungssieg und verließen die Abstiegsränge. Auch Werder Bremen siegte nach zuvor 13 Partien ohne vollen Erfolg. Ob das mühsame 2:0 gegen das abgeschlagene Heidenheim (damit wohl sicherer Absteiger) wirklich die Kehrtwende ist, wird sich zeigen. Trübe schaut es mittlerweile für den VfL Wolfsburg aus (nicht dass ich und der gemeine Fußballfan darüber besonders unglücklich wären). Trotz des deprimierenden 0:4 beim VfB Stuttgart und dem Absturz auf Rang 17 halten die Vverantwortlichen (die wahren Schuldigen an diesem Desaster!) an Trainer Daniel Bauer fest, die Partie nächsten Samstag gegen den HSV dürfte aber die letzte Chance des Cheftrainers sein, der erst im November im Amt ist.
  • Hanfmanns Erfolgslauf: Der deutsche Tennisprofi kann auf eine sehr erfreuliche Woche in Santiago zurückblicken. Beim Turnier in der chilenischen Hauptstadt wurde er erst im Finale von einem sehr gut aufspielenden Darderi gestoppt. zuvor hatte er völlig überraschend den Argentinier Francisco Cerundolo aus dem Turnier genommen.
    Weniger gut lief es für Alexander Zverev. Beim Turnier in Acapulco war schon in der 2. Runde Schluss, der Serbe Kecmanovic erwies sich als zu stark. Den Sieg im mexikanischen Urlaubsort (fernab der Anschläge) sicherte sich mit Cobolli ein weiterer Italiener.
    Weitere Turniererfolge in dieser Woche feierten die Frauen Peyton Stearns (Austin) und Cristina Bucsa (Merida) sowie Daniil Medwedew in Dubai.
  • Die Flugshow des Domen Prevc: Olympia verlief für den Slowenen nicht nach Wunsch, trotz der Goldmedaille im Mixed-Teamspringen. Auf der Flugschanze am Kulm zeigte er wieder seine Ausnahmeklasse. Er gewann am Wochenende beide Tageswertungen und stellte mit 245,5 Metern einen neuen Schanzenrekord auf
    Apropos Kulm: Erstmals durften auch Kombinierer auf eine Flugschanze. Johannes Lamparter  nutzte die Gelegenheit und segelte auf 235 Meter. Allerdings musste er mit den Händen in den Schnee greifen (Volksmund: er rodelte), es wurden also viele Wertungspunkte abgezogen. Den Sieg in der Kombination schnappte ihn deshalb im Langlauf noch Ilkka Herola weg. Der finnische Aufschwúng bei den Kombinierern (3 Olympia-Meaillen) fand also eine würdige Fortsetzung.

Das wird die Woche, die wird

Die Formel 1 startet in die neue Saison, dazu das Masters in Indian Wells (das inoffizielle 5. Grand slam im Tennis), letzte Zuckungen im Wintersport und natürlich Ballsport allüberall.

 

Alles neu in der Königsklasse

 

Neue Regeln, viel Ärger. Die Formel 1 will grün werden, das Reglement respektive die Autos wurden für die neue Saison komplett neu gestaltet. Auf einen (sehr einfachen) Nenner gebracht: Hybrid ist das neue Zauberwort. Es ist noch nicht die Formel E, aber gesucht wird nicht unbedingt der schnellste Fahrer (das schnellste Team), sondern diejenigen, die mit Aufladen, Batterie-Handling und Ähnlichem am besten zurechtkommen. Die Begeisterung der Fahrer hält sich darob in Grenzen, mal sehen, was die Zuschauer von dem Ganzen halten.

Welcher Rennstall das am besten hingekriegt hat, darüber kann ich nur spekulieren. Offenbar hat Mercedes einen sehr guten Job gemacht, sie überzeugten in den Tests wie auch Ferrari. Jedenfalls gab es um die Silberpfeile die meiste Aufregung. Die Konkurrenz moniert, dass sie das Reglement arg (über?)strapaziert haben.

Dieses Wochenende geht es wie üblich in Melbourne los (vorausgesetzt, die Boliden und der ganze Staff finden einen Weg nach Down under, weil die Routen über Dubai und die Golfstaaten aus Kriegs-Gründen zurzeit gesperrt sind). Ich mag dieses erste Wochenende sehr gerne, alles groovt sich ein, und der Kurs durch die Metropole hat auch interessante Stellen (zum Überholen).

Wie gesagt: Alte Besitzstände kann man getrost in die Tonne klopfen. Natürlich werden trotzdem die üblichen Verdächtigen wieder vorn sein, weil mehr Geld auch sehr viel Manpower bedeutet. Sehr gespannt bin ich auf Aston Martin. Das neue Auto wurde vom Star-Designer Adrian Newey konzipiert: eigentlich eine Erfolgsgarantie, aber die ersten Tests verliefen sehr ernüchternd
Die deutschen Fans werden natürlich den neuen Rennstall Audi besonders interessiert begutachten. Wunderdinge in Form von Podedstplätzen darf niemand erwarten, aber doch sehr viel mehr als weit Hinterherfahren. Ähnliches gilt für Cadillac: Die Amerikaner haben endlich eine Lizenz für die Formel 1 bekommen, es werden diese Saison also elf statt zehn Teams unterwegs sein.

Der Kalender ist übervoll: Bis 6. Dezember (Abu Dhabi) stehen 24 Rennen an. Allerdings fehlt erneut ein deutscher Grand Prix, die Forderungen der Formel 1 sind so hoch, dass weder Hockenheim noch Nürburgring auch nur annähernd mit einer Schwarzen Null herauskämen.

 

Tennis-Elite in Indian Wells

 

Sowohl bei den Frauen als auch bei den  Männern haben alle Stars genannt. Je 96 Profis sind im Hauptfeld, das heißt, die Top 32 haben in der 1. Runde ein Freilos. Das Turnier in Kalifornien hat schon länger den inoffiziellen Titel (5. Grand-Slam-Turnier) – bei den Männern aber mit dem Unterschied, dass durchgängig auf 2 statt 3 Gewinnsätze gespielt wird.
Klarer Favorit ist Carlos Alcáraz, in diesem Jahr noch ungeschlagen und in der Weltrangliste deutlich vorne. Jannik Sinner musste letztes Jahr wegen seiner Dopingsperre passen, ist aber auf Hartplatz immer zu beachten. Bei normalen Turnierverlauf dürfte es am Sonntag in einer Woche auf dieses Finale hinauslaufen (weit aus dem Fenster gebeugt, ich weiß). Ein Alexander Zverev, ein Novak Djokovic sowie die heimische US-Garde um Taylor Fritz und Ben Shelton werden etwas dagegen haben. Von den Deutschen sind noch Daniel Altmaier und Jan-Lennard Struff im Hauptfeld. Wenn ich das richtig sehe, hat allerdings kein einziger Deutscher für die Qualifikation genannt. Yannick Hanfmann hat nach seiner Final-Niederlage von Santiago zurückgezogen.

Offener scheint wieder das Feld bei den Frauen: Eine klare Favoritin vermag ich nicht auszumachen. Überpitzt gesagt, kann jede der Top 8 das Turnier gewinnen, aber auch in der 1. Runde ausscheiden. Eva Lys, Laura Siegemund und Tatjana Maria vertreten die deutschen Farben. Auch hier: keine Qualifikantin aus good old Germany.

 

Weltcups in der Endphase

 

Ski alpin:

Die Frauen bestreiten von Freitag bis Sonntag in Val di Fassa 2 Abgfahrten und einen Super-G. Sollte Emma Aicher ihre Top-Form nach Italien transportieren und erneut kräftig punkten, könnte sie sogar in den kampf um den Gesamtweltcup eingreifen. Zurzeit beträgt ihr Rückstand auf Mikaela Shiffrin 219 Punkte, das scheint aufholbar (etwa mit zwei zwiten und einem dritten Platz, was ihr immer zuzutrauen ist). Die US-Amerikanerin erwägt deshalb zumindest einen Start, es wäre ihr erstes Speedrennen in dieser Saison überhaupt.
Die Männer haben am Samstag und Sonntag in Kranjska Gora einen Reisenslalom und einen Slalom vor der Brust.

Biathlon:

Nach einer Woche Pause gehts für die Skijäger in Kontiolahti weiter: Frauen und Männer bestreiten von Donnerstag bis Sonntag Einzel, Massenstart und Staffeln. Nicht mehr dabei sind Franziska Preuß und Dorothea Wierer, die nach Olympia ihre Karriere beendet haben. Die Deutsche und die Italienerin werden dem Biathlon-Sport fehlen.

 

Und sonst?

 

  • Bundesliga: Die Meisterschaft ist für den FC Bayern praktisch entschieden, jetzt konzentriert sich Vieles auf den Abstiegskampf. Und hier vor allem auf das Nord-Duell Wolfsburg gegen den HSV (Sa., 15:30). Die VW-Städter sind plötzlich auf einem direkten Abstiegsplatz, ein weiterer Trainerwechsel noch in dieser Woche ist ziemlich wahrscheinlich, ansonsten wäre das HSV-Spiel noch eine letzte Chance für Daniel Bauer.
    Praktisch bedeutungslos ist die Partie zwischen Fast-Meister Bayern vs die praktisch geretteten Gladbacher (Fr., 20:30), Nostalgiker dürften wehmütig an die 70er-Jahre denken, als diese Partie das Nonplusultra der Liga war.
  • Internationaler Fußball, Spanien: Schon am Dienstag versucht der FC Barcelona im Pokal-Halbfinale das fast Unmögliche: Es gilt im heimischen Camp Nou ein 0:4 gegen Atlético Madrid aufzuholen. Das zweite Halbfinale bestreiten die baskischen Clubs Athletic Bilbao und Real Sociedad San Sebastian. Das San Mames wird brennen (hoffentlich nur sprichwörtlich).
    Premier League: Die Liga bestreitet schon während der Woche einen regulären Spieltag (am Wochenende ist die 3. Pokalrunde angesetzt). Der FC Arsenal hat die durchaus heikle Aufgabe bei Brighton an Hove Albion (Mi., 20:30). Manchester City, der einzig verbliebene Konkurrent um den Titel, hat zur selben zeit das vermeintlich einfache Heimspiel gegen den Abstiegkandidaten Nottingham Forest vor sich.
  • Radsport: Paris-Nizza, das erste ernstzunehmende Etappenrennen des Jahres. Die Fahrt in den Süden ab Sonntag mit einigen Alpenpässen. Immerhin der zweifache Tour-Sieger Jonas Vingegaard hat gemeldet.
    Der Dominator der vergangenen Jahre fährt lieber am Samstag den Strade Bianchi, die Generalprobe für Mailand-San Remo eine Woche später.
  • Wintersport: Finnische Skispiele in Lahti ab Donnerstag. Neben Holmenkollen und Falun das große Wintersportereignis in Skandinavien (Klugscheißermodus: Finnland gehört doch gar nicht zu Skandinavien). Wettbewerbe im Langlauf und Skispringen, dazu noch die Nordisch Kombinierten inklusive der Frauen.
  • Basketball: In einem Anflug von Humanität haben Euro-League-Macher diese Woche nur einen Spieltag angesetzt. Der FC Bayern muss in die Hölle von Belgrad, wo die Trauben bei Roter Stern sehr hoch hängen. Die Münchner haben eh nur noch theorertische Chancen aufs Minimal-Ziel Play-Ins (Rang 10).
  • Handball: Die Männer-Bundesliga biegt ins letzte Drittel ein. Recht klarer Tabellenführer ist der SC Magdeburg, dahinter streiten 4 Clubs (Berlin, Flensburg, Lemgo und Kiel) um einen verbliebenen Champions-League-Platz, der Rest landet in der European League. Lemgo, das Sensationsteam schlechthin, hat am Donnerstag beim VfL Gummersbach eine enorm schwierige Aufgabe vor sich.
  • Rugby: 4. Spieltag der Six Nations. Frankreich bisher noch makellos mit drei klaren Siegen. Gewinnen sie auch am Sonntag in Schottland, ist ihnen der Sieg schon nicht mehr zu nehmen.

Der unerträgliche Herr Große

Meine selbstverordnete Kurz-Pause war nur einmal ernsthaft in Gefahr: nach dem indiskutablen Auftritt des deutschen Eisschnelllauf-Chefs Matthias Große, der auch den letzten Funken Anstand und auch sämtliche Gepflogenheiten einer kritischen Auseinandersetzung vemissen ließ.

Was war passiert? Der deutsche Eisschnelllauf-Verband lud zu einer Presse-Konferenz, so weit, so normal. Diese fand im Müggelturm in Berlin-Köpenick statt, das sich im Eigentum von des Verbands-Chefs Große befindet, schon ungewöhnlicher, aber im verfilzten deutschen Funktionärstum ist auch derlei schon vorgekommen. In seiner Eigenschaft als Hausherr lud Große die beiden ARD-Journalisten Hajo Seppelt und Jörg Mebus von der Pk aus, er machte von seinem Hausrecht Gebrauch, noch ungewöhnlicher, aber mit deutschem Recht vereinbar: Niemand muss ihm nicht genehme Personen auf sein Grundstück lassen. Was eher nicht geht: Privatleben und öffentliche Funktion (das ist Große nun mal der Verbands-Chef einer olympischen Sportart, die öffentliche Gelder erhält) zu verquicken. Auf neutralem Gebiet wäre ein solcher Ausschluss schlicht undenkbar.

Hajo Seppelt und Jörg Mebus wurden nicht eingeladen, weil sie noch vor Olympia ein äußerst kritisches Stück über die DESG und deren Chef verfasst hatten. „Ein Klima der Angst“ herrsche dort, war ein Punkt, vorn absurden Zahlungen war die Rede. Genau diese kritischen Berichterstattung (und das eher dürftige Olympia-Abschneiden) sollte Thema der Pk werden. „Denunziation, Unwahrheit, Rufmord, Lügner, Hass, Kaputtmacher, Schmutzkampagne, Mist“, so beschimpfte Große aufs Übelste die beiden Abwesenden, mit denen er „nur noch per Anwalt“ kommunzieren wolle.. Er verstieg sich sogar in die irre Behauptung, allein der ARD-Bericht sei Schuld am schlechten Abschneiden der deutschen Athleten in Mailand („Sie haben uns gecrasht“), die noch hinter den eh schon geringen Erwartungen geblieben waren und im Shorttrack gar nicht erst am Start.

Es ist natürlich das gute Recht von Große, Kritiker ebenfalls zu kritisieren. Was gar nicht geht, sie mundtot zu machen aufgrund persönlicher Eitelkeiten. Hajo Seppelt ist auch nicht ein x-beliebger Journalist, er gilt als einer der wenigen in der ARD und überhaupt im deutschen Journalismus (Thomas Kistner/SZ, Jens Weinreich fallen mir spontan ein), die sich des Dopings verschrieben haben und dortige Misstände (manchmal auch nur vermeintlich) aufdecken, fast schon eine Lebensaufgabe. Unter anderen geriet Claudia Pechstein in seine Fänge, in den 2000ern nicht nur die dopingumwitterte Eisschnellläuferin, sondern eben auch die Lebensgefährtin von Matthias Große. Persönliche Fehden bestehen also seit mehr als 15 Jahren (immerhin: das Messer der Vendetta wurde noch nicht gezogen). Dieser Hass auf Seppelt dürfte der Hauptgrund der Ausladung sein.

Der Vorfall darf nicht ohne Konsequenzen bleiben. Immerhin wird auch die DESG vom deutschen Steuerzahler alimentiert, und dieser hat das Recht, dass nicht ein wildgewordener Verbands-Chef seine persönlichen Streitigkeiten austrägt – und zwar jenseits aller Gepflogenheiten. Das Ausladen zweier Journalisten ist in einem Rechtsstaat samt Grundrecht der Meinungsfreiheit und -Vielfalt ein absolutes No go (noch sind wir nicht in Trumpistan). Nichts anderes als ein sofortiger Rücktritt von Große (oder eben Rauswurf durchs Innenministerium) müsste die Folge sein.

Zunächst einmal wird es allerdings nur gegenseitige Klagen ARD/Große geben. Die einzigen sicheren Gewinner: Anwälte, die einzigen sicheren Verlierer: die Sportler.

Molympico, Bilanz II

Ich kann es natürlich nicht wissen, was bei mir tatsächlich für Jahre hängen bleibt, aber ein paar Höhepunkte (welche Wettkampf hat mich geflasht) und Momente (für Jahre, wenn nicht die Ewigkeit) werden sich bestimmt über den Tag hinaus in mein Gedächtnis eingegraben haben.

 

Absolute Höhepunkte (ohne Abstufung)

 

Abfahrt der Männer

 

Die erste Entscheidung überhaupt. Auf der monumentalen Stelvio (eh mein Liebling –  noch vor der Streif), die sich bei Kaiserwetter zwar als schwierig, aber doch fahrbar und fair präsentierte (das haben wir im Weltcup jeweils Ende Dezember schon anders gesehen). Mit dem grandiosen Sieger Franjo van Allmen und den zwei Italienern Giovanni Franzoni und Dominik Paris auf dem Podium. Besser konnte es nicht (los)gehen, zumal auch keiner der Starter zu Sturz kam. Die beste Olympia-Abfahrt aller Zeiten, hatte ich geschrieben, dieser Eindruck hat sich komplett verfestigt.

Franjo van Allmen gewann dann noch zwei Gold-Medaillen, ist vielleicht der größte Olympia-Held, den die Schweiz je hervorgebracht hat.

 

Big Air – tollkühne Männer auch ohne verrückte Kiste

 

Schon die Frauen lieferten ein grandioses Sprung-Spektakel ab, doch was die Männer zeigten, sprengte zumindest mein Vorstellungsvermögen. Passend das Winter-Ambiente, die verschneite Schanze in Livigno und die tanzenden Schneeflocken im Flutlicht. Und dann die 12 tollkühnen Männer auf ihren Skiern, die sich von der Riesenschanze in die Luft schleudern ließen und nach unzähligen Schrauben und Saltis (bis zu sechsfach, wie die Super-Slomo ergab) wieder zu landen, nicht immer sicher, aber fast immer gut drauf.
Was mir aber am besten gefiel: Wie locker die Aktiven miteinander umgingen, wie grandiose Leistungen des Anderen mit echter Freude quittiert wurden. Vielleicht manches auch aufgesetzt und geschauspielert, aber gerade hier, im eher abgelegenen Livigno, da tauchte er auf, der Olympische Geist. Jeder tat sein Bestes, freute sich, wenn ein zusätzliches Schräubchen hier und ein Saltolein mehr dort gelang, und die anderen freuten sich mit und klatschten ab (im Zweifel wird der Viertplatzierte trotzdem vor Ärger in ein Kantholz gebissen haben).
Wer am Ende gewann? Ich müsste nachschauen, ist auch egal. Bleiben wird der Eindruck einer der tollsten Olympia-Stunden (die tollste?), die ich in den vergangenen 2 Wochen erleben durfte.

 

(Eis)Kunst, zum Weinen schön

 

Mit Eiskunstlauf habe ich es nun wirklich nicht, aber bei Olympia gucke ich doch gerne den Besten zu. Beinahe hätte ich die Japaner Riku Miura und Ryuichi Kihara verpasst, weil sie schon als Fünftletzte zu ihrer Kür starteten. Es folgten 4 Minuten des Glücks, der technischen Perfektion und der großen Kunst, die die beiden aufs Eis zauberten. Kein Wackler, kein Auspendeln, dafür perfekte Harmonie und ganz leises Gleiten, Ausdruck höchster Klasse. Gott sei Dank auch wenig Dazwischengequatsche des Kommentators. Als es vorbei war, war Ryuichi Kihara völlig aufgelöst. Den Kampf gegen seine Tränen verlor er haushoch, aber er wusste halt, dass er und seine Partnerin einen der ganz großen Momente der olympischen Geschichte geschaffen hatten. Wie die Eistänzer Jane Torvill und Christopher Deans mit ihrem Bolero 1984 (!).
Gut eine halbe Stunde später stand dann auch fest, dass Riku Miura und Ryuichi Kihara Gold gewonnen hatten (auch weil die Deutschen Minerva Hase und Nikita Volodin gepatzt hatten). Doch das war an diesem magischen Abend fast schon egal. Domo Arigato.

3 Tage später die Frauen-Kür. Und hier Alysa Liu aus den USA. Die sehr viel durchgemacht und zeitweise sogar mit Leistungssport aufgehört hatte. Jetzt war sie wieder zurück, freiwillig, wie sie bekannte – und wie. Ein nahezu perfektes Programm gelang ihr, voller Esprit und sportlicher Höchstschwierigkeiten. Noch viel beeindruckender allerdings die Minuten danach. Normalerweise ist die Kiss-and-Cry-Szenerie so gar nicht mein Ding. Jetzt strahlte da eine junge Frau, vollkommen mit sich im Reinen. Sie hatte ihren Knoten aufgelöst und lange Haare mit abwechselnd braunen und platingoldenen Streifen fielen hinab („wie Jahresstreifen“, erklärte sie). „Ich liebe das Leben“, betonte Alysa Liu dann noch. Wenn ich irgendjemanden irgendetwas glaube, dann dieser wunderbaren 22-Jährigen – und zu diesem Glück, da wette ich, bedurfte es nicht der olympischen Goldmedaille.

 

Torwart Hellebuyck – Kanadas Nemesis (und damit meine …)

 

Die letzte Entscheidung am Sonntag: Eishockey der Männer, das Traumfinale USA gegen Kanada – die ohnehin heikle Partie zusäthlich aufgeputscht durch die Übernahmefantasien von Donald Trump. Für Kanada ist Eishockey-Gold das mit Abstand wichtigste bei jeden Spielen, manche sagen sogar: das einzige Gold, was zählt. Vor allem, weil 2026 zum ersten Mal seit 2014 wieder alle NHL-Profis (außer die Russen, aus Gründen) dabei waren.
Erzrivalen für die Ewigkeit, eine enorm umkämpfte Partie, insgesamt 62 Minuten Rasanz. Und schnell kristalliserte sich heraus: Es sollte das Match des Connor Hellebuyck werden, dem Giganten im US-Tor. Mit stoischer Ruhe, dafür unfassbaren Reflexen wehrte er auch die gefährlichsten Schüsse ab, ließ sich nur einmal bezwingen; chancenlos war er beim 1:1, das die Kanadier im 2. Drittel erzielten.
Gerade im 3. Drittel wuchs er über sich hinaus, als die Kanadier sich im Minutentakt die besten Chancen erarbeiteten und jedes Mal doch scheiterten. An Hellebuycks Schonern, an den Handschuhen, einmal sogar am Schläger (noch immer weiß niemand, wie Hellebuyck das geschafft hat). Sogar eine 3:5-Unterzahl überstanden die US Boys mehr als eine Minute, allein wegen Hellebuyck (und Nathan McKinnon, der das leere Tor nicht traf – ein nie mehrwegzulöschender kanadischer Albraumschuss).

So retteten sich die USA in die Overtime, wo sie dann nicht mehr 5 gegen 5 spielen, sondern 3 gegen 3. Eine komplett andere Sportart ist das, zwar äußerst  unterhaltsam, aber mit dem beinharten Hockey hat das absolut nichts mehr zu tun. Völlig andere Raumaufteilung. „Die USA werden gewinnen“, sagte ZDF-Expertin Kathrin Lehmann, und sie sollte recht behalten. Jack Hughes traf schon nach 1:41 Minuten – trotz zwei verlorener Zähne, wie sein Siegeslächeln verdeutlichte. Doch als strahlenden Helden und Matchwinner feierten die US Boy – Connor Hellebuyck.

Die Kanadier? Versteinert. Äußerst schweigsam. Leere Gesichter, als sie erst die Silbermedaille, dann noch das Plüsch-Hermelin überreicht bekamen. Conor McDavid, der Superstar der vielen Topstars: Wieder ohne Titel nach 2 verlorenen Finals im Stanley Cup mit den Edmonton Oilers. Wieder mal eine persönliche Auszeichnung als bester Spieler, aber die sind ihm völlig egal. In Erklärungsnot sind nicht nur die Spieler, sondern auch alle Trainer. Das ganze  eishockey-verrückte Land verlangt Aufklärung, warum dieses Spiel verloren ging. Die naheliegende Antwort  „Hellebuyck“ wird trotz aller Richtigkeit nicht genügen.

Hellebuyck verdient sein Geld übrigens in Kanada – beim NHL-Team Winnipeg Jets. Mal sehen, ob sie ihn mit seinem Gold und der Auszeichnung „bester Torwart des Turniers“ überhaupt zurück ins Land lassen.

Leider hat es ein übles Nachspieltreten gegeben. Der Typ im Weißen Haus ließ es sich nicht nehmen, die Kanadier aufs Übelste zu verhöhnen. Fast noch schlimmer: Kein einziger US-Spieler erhob Einspruch, im Gegenteil: Sie können es gar nicht erwarten, der Einladung ins White House zu folgen. Widerliche Opportunisten. Die Frauen haben dagegen die Einladung abgesagt. Toughe Girls, muss ich sagen.

 

Die Unbesiegbare

 

Außerhalb der Eisrinne lief es für die deutschen SportlerInnen nicht so gut, um es noch nett zu formulieren. Daniela Maier allerdings legte im Ski-Cross eine Leistung hin, die mir allerhöchsten Respekt abnötigte. Wenn es nicht den ubezwingbaren Johannes Klaebo (damit ist der sechsfache Triumphator auch genannt) gegeben hätte, würde ich sogar sagen: Ihr Sieg war das überlegenste Gold der Spiele.

Ski-Cross, das ist eine extrem enge Angelegenheit. Ein sehr knapper Vierkampf um beste Positiionen, bei denen auch gedrängelt und gerempelt und geschoben werden kann. Nicht so bei den Läufen von Daniela Maier: Sie startete immer perfekt, raste als Erste in die erste Kurve und ward nicht mehr gesehen. Vier K.o.Runden gab es, viermal landete Daniela Maier einen Start-Ziel-Sieg, ohne dass ihr eine Konkurrentin auch nur nahe gekommen wäre. Keine hatte nicht mal den Hauch einer Chance, auch nur in ihren Windschatten zu kommen, um daraus zu profitieren.

Dass Daniela Maier auch noch eine besondere olympische Vergangenheit hatte, machte die Sache erst recht rund. Vor vier Jahren in Peking kam sie im Endlauf mit der Schweizerin Fanny Smith ins Gehege und wurde nur Vierte. Ein deutscher Protest hatte Efolg – doch noch Bronze, ein Gegenprotest ebenfalls – doch wieder Rang 4. Am Ende gab es das salomonische Urteil und zweimal Bronze. „Ich wollte schon aufhören“, bekannte Maier vor den Spielen. Sie ist das Paradebeispiel für alle, dass es die Möglichkeit zum Wiedergutmachen gibt, wenn man es nur erneut probiert. Das sollte allen Pechmaries und Pechvögeln dieser Spiele (siehe unten) ein Trost sein.

 

Momente, die bleiben

 

Fede, die Große

 

Das unglaubliche Comeback, das gelang. Im April zertrümmerte sich Federica Brignone bei den nationalen Meisterschaften das gesamte linke Bein: Schien- und Wadenbeinbruch, dazu ein Kreuzbandriss. Cortina nur 10 Monate danach? Das klang völlig utopisch. Doch der Gedanke ans Heim-Olympia mobilisierte alle Kräfte, ließ die schlimmsten Schmerzen ertragen. Im Januar die ersten zaghaften Schwünge im Weltcup, in denen Federica Brignone andeutete, dass sie nix verlernt hat. Nur gehen, oder gar hpüpfen, das konnte sie nicht.
Das Olympische Märchen. Sieg im Super-G, Sieg im Riesenslalom. Unten im Ziel warteten die beiden zeitgleichen Zweiten Thea Louise Stjernesund und Sara Hector. Als Fede mit klarer Bestzeit abschwang, gingen sie in die Knie vor Ehrfurcht, mehr Wertschätzung geht nicht. Wertschätzung, die sich die Italienerin in ihrer unfassbar erfolgreichen Karriere mit dem krönenden Abschluss (ist es wirklich der Abschluss?) mehr als verdient hat.

Wer immer Lindsey Vonn für ihren Comeback-Irrsinn kritisiert, muss auch das erfolgreiche Comeback der Federica Brignone im Hinterkopf behalten.

Apropos Lindsey Vonn. Alles gesagt und wie mir scheint auch von allen einschließlich mir. Die Bilder und Schreie des Schmerzes und der Enttäuschung (sehr leider) werden uns verfolgen.

 

Der Bronze-Endspurt

 

Viel war ja von den dauernden vierten Plätzen der Deutschen die Rede (siehe auch Teil III, wenn ich jemals dazu komme …). Reden wir lieber vom schönsten und ergreifensten Bronze, das Deutschland errungen hat.

Teamsprint der Frauen, letzter Wechsel. Coletta Rydzek übernimmt, die Schwedinnen und (sehr erstaunlich) Schweizerinnen sind uneinholbar, nicht aber die Norwegerin Julie Drivenes. Rydzek kämpft sich heran, gleichauf biegen die beiden in die Zielgerade, und es beginnt der wettbewerbs-übergreifend großartigste Schlussspurt dieser Spiele. Rydzek schiebt und skatet wie verrückt, Drivenes hält dagegen, doch die Deutschin hat die Nase vorn. 2 Zehntel entscheiden, mit dem bloßen Auge nicht erkennbar.
Viele deutsche Fans haben sich am Rand die Kehlen heiser geschrien, am lautesten wohl Bruder Johannes (mein Leser Alcides, der auch vor Ort war, wirds bestreiten …). Johannes Rydzek, der Kombinierer, vor vier Jahren selbst Gold-Triumphator. Jetzt hat auch die kleine Schwester ihre Medaille.

 

Und nun – das Wetter

 

(Zu) warm wars, kalt wars, sonnig wars, regnerisch wars, und geschneit hats auch. Der normale Februar-Winter in den italienischen Bergen. Meist alles im grünen (sic!) Bereich, außer …

… Skispringen, die Entscheidung im Super-Team-Wettbewerb der Männer. Zweier-Mannschaften. Alles scheint einen normalen Verlauf zu nehmen. Nach zwei Durchgängen führt Favorit Österreich vor den sensationellen Polen und Norwegen, Deutschland ist Vierter, in Schlagdistanz wenigstens zum Silber-Rang. Die Chancen verschlechtern sich, als Andi Wellinger bei seinem 3. Sprung an Boden verliert. Jetzt beginnt das Drama. Dem zweite Deutschen, Einzel-Olympiasieger Philipp Raimund, gelingt bei sich schon verschlechternden Verhältnissen ein grandioser Satz. Eine echte Kampfansage an die oben verbliebenen Springer, zumal sich das sekündlich Wetter verschlechtert. Die Jury wartet ab, und das ist der Riesenfehler. Denn aus dem „sich verschlechterndem Wetter“ wird ein veritabler Schneesturm. Irgendein irrer Mensch lässt den Polen Kacper Tomasiak vom Bakken, der bleibt chancenlos wegen der wegen des Schnees viel zu langsamen Anlaufspur. Weiteres Zuwarten, das Schneetreiben wird noch dichter. Jeder weiß, bei diesen Verhältnissen wird den Deutschen die Medaille nicht mehr zu nehmen sein, wenn denn gesprungen wird …
Plötzlich jubeln die Österreicher. Das kann nur bedeuten, dass der Wettbewerb abgebrochen wurde, das kommt im Skispringen ziemlich häufig vor. Es zählt also die Wertung nach Durchgang 2: Hinter Gold-Austria und Silber-Polen jubelt Norge über Bronze, um ganze 0,3 Punkte (das ist weniger als eine einzige minimal bessere Haltungsnote) haben die Deutschen die ersehnte Medaille verpasst. Sicher der unglücklichste der 14 vierten Plätze des Olympia-Teams.
Groß ist die Wut bei den Deutschen. Sportdirektor Horst Hüttel prangert an, sehr unsportlich, wie mir scheint. Er hat wohl gehofft, dass die Jury trotz der irregulären Verhätnisse die restlichen  Springer aus Norwegen, Slowenien und Österreich ins Elend hüpfen lässt, auch das hat es schon oft gegeben.
10 Minuten nach dem Abbruch haben sich die Verhältnisse wieder beruhigt, wie es im übrigen die Wetterkarten vorhergesagt. Warum die Jury nicht zugewartet hat, eines der größten Rätsel dieser Spiele.

 

Man will sie nur umarmen und trösten …

 

Wo Sieger sind, da sind auch Besiegte – das sind die brutalen Regeln des Sports. Manche sind leider schon wieder vergessen, manche werden immer in unserem Gedächtnis bleiben oder zumindest sehr lange

 

Der Einsame im Wald

 

Atle Lee McGrath wollte nur noch allein sein. Als klar Führender des ersten Durchgangs hatte er im zweiten Lauf eingefädelt, die ewige Drohung jedes Slalom-Artisten. Sieg weg, alle Gold-Träume weg.
Atle McGrath warf die Stöckle weg, dann begab er sich in Richtung des nahegelegenen Waldstückes und legte sich dort in den Schnee. Der Inbegriff des traurigen Verlierers, es wird bleiben. Hinterher erzählte er, dass sein geliebter Großvater kurz vor den Spielen gestorben sei. Eigens, damit er starten konnte, wurde die Beisetzung verschoben. Schicksal ist eine Bitch.

Ein ähnlich ikonisches Foto gibt es über Lena Dürr. Gerade war sie Zweite des 1. Durchgangs im zweiten Lauf am ersten Tor gescheitert, da stand sie fassungslos noch im Slalomhang. Hinter ihr der strahlend blaue Himmel und die fantastische Bergkulisse um Cortina. Selten habe ich so viel Schönheit und so viel Traurigkeit in einem Foto vereint gesehen.

 

Auch der Superstar ist nur ein Mensch

 

Wie gesagt, im Eiskunstlauf kenne ich mich nicht aus. aber natürlich war mirt Ilia Malinin und seine Quad-Kür ein Begriff. Jene vier Minuten, die er mit sieben Vierfachsprüngen samt Rückwärtssalto zum sportlichen Nonplusultra erhoben hatte. Laut ARD war seine (gelungene) Kür der meistgeklickte Sportclip 2025.

Er musste also das Gold „nur“ noch abholen, erst recht nach dem besten Kurzprogramm, also schon mit gewissem Vorsprung. Es wurden die wohl verheerendsten Minuten, die je ein Top-Favorit überstehen musste (ein sehr großes Wort, ich weiß). Nachdem der vierfache Flip missglückte, ging gar nichts mehr. Plötzlich war da nicht mehr ein absolute Superstar des Sports auf dem Eis, sondern ein verzweifelter Mensch, der plötzlich bei einfachsten Schrittpassagen ins Stolpern geriet. Irgendwie brachte er die Kür zu Ende (was für ein Wille, nicht einfach aufzugeben, sogar den Rückwärtssalto wagte und schaffte er) und wie ein Gespenst saß er mit den fassungslosen Trainern in der Kiss-and-Cry-Ecke und wartete stoisch auf die Noten, die nur verheerend werden konnten (und es auch wurden).
Wahrscheinlich zur Überraschung aller stellte sich Ilia Malinin hinterher den Medien, eine Erklärung hatte er natürlich nicht, wie niemand eine Erklärung für dieses Desaster hatte. Aber jener aufrechte, tapfere Malinin gibt Hoffnung, dass er an diesen schlimmen vier Minuten zuvor nicht zerbrechen wird.

 

Und da waren noch …

 

Selbstverständlich gab es noch viel mehr strahlende Sieger, (googlelt Philipp (sic!) Raimund) und traurige Verliererinnen (Ebba Andersson/Staffel samt Auferstehung im 50er). Aber vor allem gab es wie bei jeden Spielen die skurillen, (aber)witzigen Momente, die niemand vorhersehen kann. An die wir uns alle lange erinnern und die uns alle erinnern, dass hier Menschen (und sogar Tiere) am Werk sind.

 

Endspurt um Platz 27

 

Massenstart der Männer im Biathlon: Die Sieger und fast alle Platzierte sind schon längst im Ziel, da tauchen auch die Letzten in der Schlusskurve auf. Es sind Fabien Claude, Nicola Romanin und Campbell Wright: Plötzlich bleiben sie stehen, anstatt gemächlich auszutrudeln. Auf ein Zeichen fangen die Drei plötzlich an wie wild zu sprinten und zu endspurten, als hinge ihr Leben (oder wenigstens eine Medaille) davon ab. Ein Zielfoto musste letztlich entscheiden, und da hatte der Franzose Claude (Biathlon: klar ein Franzose!) die Nase Skibindung (diese ist maßgeblich) knapp vor Romanin aus Italien und dem Ami Wright. Einen schöneren Sprint um Platz 27 hat es wahrscheinlich noch nie gegeben, die begeisterten Zuschauer dankten es mit frenetischem Applaus.

 

Er will doch nur spielen

 

Langlaufsprint, Qualifikation. Die Besten sind schon durch, aber trotzdem wird noch (verbissen wollte ich schreiben, aber …) um jede Zehntelsekunde gekämpft. Normalerweise nimmt niemand mehr groß Notiz davon, aber plötzlich tauchte ein ungebetener Gast auf. „Nazgul“, ein zweijähriger tschechischer Wolfshund war vom nahen Zuhause ausgebüxt, und seine fassungslose Besitzerin sah am Fernseher, wie er die Läuferinnen Konstantina Charalampidou und Tera Hadzic ins Ziel begleitete. Die fanden das weniger lustig  – Hadzic: Ich wusste nicht, ob es ein Wolf ist“ (die es in den nahen Bergen gibt), wohl aber das Publikum, das regelrecht verzückt dem äußerst verspielten Nazgul beim Laufen, Toben und Schnüffeln zusah, bevor ihn ein mutiger Funktionär einsammelte. Der Sportwelt bleibt das tierische Tun beim Gott sei Dank nicht verbissenen Endspurt erhalten, es gibt sogar ein offizielles Zielfoto. Zumindest die Griechin hat ihren Frieden geschlossen. „Ich bin jetzt berühmt wegen eines Hundes, der über die Ziellinie gelaufen ist, und jetzt wollen alle mich interviewen. Es ist das erste Mal, dass ich überhaupt Interviews gebe“, sagte Charalampidou.

 

Der Curling-Brawl

 

Gemeinhin gelten Curling-SpielerInnen als extrem fair. Sogar WM-Partien bestreiten sie der Sage nach ohne Schiedsrichter, die Gentlemen und Ladies regeln das gerne selbst. So verwunderte es doch sehr, dass in einem Vorrundenspiel Schweden und Kanadier aneinandergerieten. Ein Schwede monierte einen Regelverstoß (eine zweite Berührung beim Anschieben), was der Kanadier mit einem herzhaften „Fuck off!“ antwortete (der überblendende Piep-ton bei derlei Beleidigungen war offenbar grade ausgefallen …). Ein heftiger Wortwechsel war die Folge, den das staunende Publikum wegen der verkabelten Spieler in den Wohnzimmern zuhause verfolgen durften.
Auch hinterher (die Kanadier hatten letztlich gewonnen) glätteten sich die Wogen nicht, die gegenseitigen Beschuldigungen hielten an. „Es ist Olympia“, hatte die ZDF-Expertin und aktive Curlerin Sara Messenzehl eine Erklärung. Immerhin fand der Kanadier Kennedy so etwas wie eine Entschuldigung. „Ich habe zwar Recht, aber die Wortwahl war nicht in Ordnung.“

 

Ich nehm mir die Ski, wie es mir gefällt

 

Am Schlusstag wurde die Welt noch Zeuge eines dreisten Diebstahls. Skilanglauf, 50 Kilometer, nicht nur olympische Premiere für die Frauen, sondern auch Stresstest für Mensch und Material. Weswegen die Regelhüter den Skiwechsel vorgesehen haben, in einer extra ausgewiesenen Wechselzone. Jeder Läuferin „gehört“ eine Wechselbox, in der frisch (und vielleicht besser) gewachste Skier bereitstehen. Die Startnummer entspricht der Boxennummer, so weit, so gut, so einfach.
Menschen irren, und die Russin Darja Neprajewa irrte. Nämlich zur Nummer 12 anstatt zur Nummer 14. Sie schnallte sich die Skier an und stob davon, nicht gerade unerkannt, doch uneinholbar. Blöd halt, dass die Skier weg waren für die tatsächliche Besitzerin Kathrin Hennig-Dotzler. Blöd vor allem für die deutschen Techniker, die sich nach vermeintlich getaner Arbeit (ein zweiter Skiwechsel ist nicht mehr vorgesehen) schon zurückgezogen hatten in ihren Truck und das Equipment schon abgebaut. Plötzlich also viel Hektik statt Ruhe nach dem äußerst anstrengenden Olympia. Irgendwie kriegten sie es hin und stellten Hennig-Dotzler noch ein paar Skier in die Box.
Und Neprajewa? Die wurde mit ihrer Beute auch nicht glücklich. „Ich merkte schnell, dass ich mit den Skiern nicht zurechtkam“, berichtete sie reichlich zerknirscht. Obwohl oder weil sie bestens präpariert waren. Den Regeln entsprechend wurde sie disqualifiziert (aber nicht aus dem Rennen genommen). Der deutsche Bundestrainer fand den treffendsten Vergleich. „Das war, als ob ein McLaren in die Ferrari-Box kommt, um sich dort frische Reifen abzuholen.“ Wers erratische Ferrari kennt: Sie hätten diese aufgezogen, wenngleich nur drei.

 

Das war dann der zweite Teil. Ob ich mich noch zu einer „deutschen“ Analyse aufraffe, ich bezweifle es und verweise auf die ausufernde Berichterstattung zu diesem Thema.

Apropos Ausruhen. Bis frühestens Sonntag ist dieser Laden nun geschlossen, deutscher Fußball-Clasico hin oder her.

 

 

 

 

 

 

 

Molympico, Bilanz I

Das waren sie also, die 25. Olympischen Winterspiele: Faszinierend, nervend, Freud und Leid wie immer sehr nah beieinander.

The day after: Zeit noch für eine Bilanz, die ich in zwei Teile aufdröseln werde. Ein allgemeiner Eindruck meiner (Fernseh)spiele und meine ganz persönlichen Höhepunkte und Momente. Eigentlich wollte ich noch die DeutschInnen beleuchten – ich muss passen.

Noch eine Anmerkung: Danach mache ich diese Woche Pause, melde mich vielleicht zum sog. deutschen Clasico wieder, vielleicht aber auch erst nächste Woche erst.

 

Die Spiele, wie wars, was bleibt

 

Zum ersten Mal seit 2006 wieder Winter-Olympia in Mitteleuropa, nach drei eher verheerenden Austragungen in Sotschi, Pyeongchang und Peking. Und auch wenn sicher nicht alles hunderprozentig gepasst hat mit der Stimmung, mit den Austragungsstätten: Es war ein Vergnügen, Wintersport vor einer echten Wintersportkulisse und echter Begeisterung zu verfolgen.

Nachhaltige Spiele sollten es werden, und trotz neuer Bobbahn in Cortina und arg (unnötig?) modernisierter Biathlon-Stadions in Antholz, das gelang im Großen und Ganzen. Allerdings war der Preis sehr hoch, vielleicht für Olympia sogar zu groß. Da die Veranstalter zum größten Teil auf bestehende Anlagen setzten, diese naturgemäß in den italienischen Alpen weit entfernt voneinander sind, gab es nie das große Miteinander der Sportarten. Leider war auch viel Lokal-Patriotismus und Regional-Proporz im Spiel. Der größte Fehler: Brormio sollte unbedingt dabei sein, deshalb mussten die männlichen Alpinen dorthin, obwohl sie in Cortina beste Bedingungen gehabt hätten.
Für uns als Fernsehzuschauer war das das auch nicht viel anders als ein Weltcup-Wochenende, an dem beliebig zwischen den Orten hin- und hergeschalten wird.

Ein Ausblick auf 2030 verheißt da nichts Gutes: Gastgeber sind die französischen Alpen, mit dem einen Cluster hier und dem anderen Cluster dort, mehrere Autostunden entfernt. Und offenbar wieder der Irrsinn, dass die alpinen Männer und Frauen getrennt werden.

 

Alles in allem hat die Organisation glänzend funktioniert. Auch mit Wetter-Umschwüngen von kalt zu warm zu Schneesturm und -Schmelze kam man gut zurecht (es gibt immer welche, die mosern). Die Sportstätten erwiesen sich als größtenteils absolut olympia-würdig, ausklammern würde ich die Techniker-Disziplinen in Bormio (zu flacher Hang) und der offenbar viel zu einfache Skicross-Kurs.

Auch wenn es ein paar merkwürdige und diskutable Vorfälle gab (etwa beim Curling und Skilanglauf), ich hatte das Gefühl, dass es äußerst fair zuging (Noten-Gemeckere beim Eiskunstlauf gehört einfach dazu!). Der gegenseitige Respekt war da (der Kniefall der Zweiten Stjernesund und Hector vor Triumphatorin Brignone muss jetzt nicht der erwartbare Maßstab sein) und auch die Akzeptanz der Niederlage. Beispielhaft der haushohe Favorit Ilia Malinin, der sich nach seiner komplett missglückten Kür den Medien stellte.

 

Das IOC

 

Spielte mal wieder eine höchst unwürdige Rolle. Es war ja der erste große Auftritt der neuen IOC-Präsidentin Kirsty Coventry, und sie schien in all den politischen und machtpoltischen Kombinen hoffnungslos überfordert. Der unwürdige Rauswurf des Ukrainers Wladislaw Heraskeytsch, der seinen Skeleton-Helm mit Fotos von getöteten ukrianischen Sportlern versah, war nur der traurige Höhepunkt. Der größte Skandal der Spiele, eine unfassbare Entscheidung aus vorgeschobenen Gründen (Trauer wurde als politische Willensbekundung ausgelegt). Das IOC wollte keine Politik in den Spielen, und es hat so politisch gehandelt wie keine andere Instititution. Dass Frau Coventry ob dieser Entscheidung auch noch in Tränen ausbrach, obwohl allein  ihr IOC diese verantwortete, war für mich der Gipfel der Heuchelei.
Es gibt ein böses Foto mit Coventry und ihrem Vorgänger Thomas Bach im Hintergrund. Die  unsichtbaren Marionettenfäden, die der Deutsche in der Hand hatte, sprangen mir förmlich ins Auge.

Ansonsten der übliche Trump-Irrsinn, auch wenn der US-Präsident doch nicht zum Eishockey-Finale und zur Schlussfeier kam. Wie üblich hetzte er in unfassbarer Weise gegen US-Athleten, die mit dem jetzigen Zustand des Landes nicht hundertprozentig einverstanden waren. Man stelle sich vor, Friedrich Merz würde einen deutschen Rodler als Komplettversager und ganz schlimme Person beschimpfen. Keinen Tag länger würd er sein Amt behalten können. In den USA ist derlei an der Tagesordnung. Für die MAGA-Spiele im Sommer 28 in Los Angeles steht das Schlimmste zu befürchten. 1936 könnte da wie ein Kindergeburtstag erscheinen.

 

Das Fernsehen (Streams)

 

Wer wollte, konnte sich vom linearen Fernsehen komplett lösen. Man wurde zum eigenen Regisseur, hatte dank der allumfassenden Streams Zugriff zu jeder einzelnen Entscheidung, zu jedem Curling-Vorrundenspiel, gerne auch relive, also als Aufzeichnung. Das hatte den Riesen-Vorteil, dass mir das Gelaber in den öffentlich-rechtlichen erspart blieb, allerdings auch den Nachteil, dass einem auch gute Interviews (die gab es!) durch die Lappen ging. Die Streams funktionierten ohne Beanstandung, zwar war das Menü von Discovery an Unübersichtlichkeit kaum zu übertreffen, aber irgendwann hatte ich es raus. Der größte Vorteil hier: Wenn mir die deutsche Plaudertasche wie Matthias Stach („Übrigens …“) beim Eisschnelllauf zu sehr auf die Nerven ging, konnte ich zu englischen (oder holländischen) O-Ton wechseln. Ein Genuss für Ohren und Nerven (wem holländisch gefällt).

ARD und ZDF blieb ich weitestgehend fern. Deshalb erspare ich mir Anmerkungen zu den ReporterInnen und den ExpertInnen. Die leider weniger Experten sind, sondern die schlimmsten Fanboys der deutschen Athleten. Nachvollziehbar, weil sie diese gut kennen, aber komplett unjournalistisch. In Grenzen erträglich, wenn aber jemand wie beim Skicross wiederholt hofft, dass die Sportler vorne doch endlich, endlich stürzen mögen, („hoffentlich krachen die endlich zusammen!“), damit der hinterherfahrende Deutsche doch noch weiterkommt, ist es schlicht indiskutabel.