Deutsche Riesen sind meistertauglich

Die Vorrunde der Basketball-Europameisterschaft ist absolviert, und die deutschen Hoffnungen auf eine Medaille, vielleicht sogar auf den Titel, sind durch die 5 Auftritte bestimmt nicht kleiner geworden. 5 überzeugende Erfolge gelangen dem Team, 4 davon mit einer dreistelligen Punkte-Ausbeute. Und das, obwohl der neue Bundestrainer Alex Mumbro wegen akuter Beschwerden am Bauch im Krankenhaus lag und nicht in der Halle war. Mittlerweile ist er aus dem Krankenhaus in Tampere entlassen und dürfte in der K.o.Runde wieder coachen. Jedenfalls wurde er von Alan Ibrahomagic glänzend vetreten, mit dem er in ständiger Verbindung war und ist.

Nun muss ich natürlich einschränken, dass die Gegner nicht unbedingt die allererste Klasse waren. Aber die Art und Weise, wie Franz Wagner, Dennis Schröder und Co. Montenegriner (nach fahriger Anfangsphase), Briten und Schweden beherrscht hatten war eindrucksvoll. Auch die beiden „Auswärtspartien“ gegen Litauen (tausende Fans hatten sich in nahe Tampere gemacht) und Gastgeber Finnland waren letztlich eine klare und ungefährdete Angelegenheit. Und eben nicht nur Wagner und Schröder zeigten ihre Stärke, das ganze Team wirkt extrem harmonisch, vielleicht sogar noch stärker als beim WM-Triumph vor zwei Jahren in Asien. Allerdings mit einer Schwäche, die dem Team böse auf die Füße fallen könnte: den Defensivrebound. Sogar die Finnen angelten sich gegen die Deutschen 19 Rebounds am  offensiven Brett

Können die deutschen Basketballer tatsächlich Europameister werden? Ich sehe nicht, was dagegenspricht, aber ein Selbstgänger ist der Weg vom Achtelfinale ab Samstag bis zur Pokalübegabe am Sonntag eine Woche danach (alles jetzt in Riga) natürlich nicht. Aber in den anderen Gruppen hat sich jetzt auch kein Übergegner herauskristallisiert. Sehr gut haben mir die Türken gefallen, die in einer grandiosen Partie (wohl die beste der Vorrunde) den Titelfavoriten Serbien bezwungen haben. Also ist auch Nikola Jokic, der beste Basketballer der Welt, schlagbar mit seinem serbischen Team. Zumal jetzt mit Bojan Bogdanovic ein sehr wichtiger Spieler fehlt. Schlagbar heißt natürlich nicht, dass Deutschland gegen Serbien (wenn ich aufs potenzielle Halbfinale vorausblicken darf) auch mit Sicherheit schlagen wird, denn da spielt der gewisse Jokic mit …).
Die Türken ihrerseits sind allerdings tatsächlich brandgefählich mit ihrem Super-Center Alperin Sengün von den Houston Rockets, einer meiner absoluten Lieblingsspieler.

Und sonst? Natürlich die absoluten Weltklassespieler Giannis Antetokuonpo (Griechenland) und Luka Doncic (Slowenien), die an einem fabulösen Tag jeden Gegner praktisch im Alleingang bezwingen können. Ob das allerdings in gleich vier Spielen innerhalb von nur einer Woche gelingt, erscheint mir doch fraglich, und die jeweiligen Teams wirken nicht breit genug aufgestellt im Kader für diesen Parforceritt.
Italien und Frankreich (ohne den Außerirdischen Victor Wembanyama), idurchaus stark, mmer gefährlich, allein mir fehlt der Glaube.

Aufmerksame und des Basketballs kundige Leser werden ein Team vermissen: den Alles-Gewinner und Titelverteidiger Spanien, das doch aus aussichtslosesten Situationen noch heil und erfolgreich herauskommt. Doch die Ibero-Freunde müssen stark sein, das verjüngte Team ist tatsächlich in der Vorrunde gescheitert, wurde in seiner Gruppe nur Fünfter, unter anderem hinter der Basketball-Großmacht Georgien. Im letzten Vorrundenspiel gegen Griechenland schien es tatsächlich so, als könnten sich die Spanier Houdini-mäßig aus der Malaise herauswinden, doch jetzt fielen Würfe eben nicht, die sonst in ähnlichen Schlussphase wie von Zauberhand geführt durch die Reuse rutschten.

 

Achtelfinal-Tableau 

 

Litauen – Lettland (Sa., 17:30)
Griechenland – Israel (So., 20:45)
Türkei – Schweden (Sa., 11:00)
Polen – Bosnien-Herzegowina (So., 11:00)
Deutschland – Portugal (Sa., 14:15)
Italien – Slowenien (So., 17:30)
Serbien – Finnland (Sa., 20:45)
Frankreich -Georgien (So., 14:15)

Alle Partien finden in der Xiaomi Arena in Riga statt. Sie fasst im Basketball 11.000 Zuschauer. Grandios dürfte das Duell zweier baltischer Basketball-Nationen zwischen Lettland und Litauen werden, aber auch Griechenland vs Israel und Italien vs Slowenen (der mögliche deutsche Viertefinal-Gegner wird hier ermittelt) klingt extrem vielvesprechend.

Und jetzt schreib ichs einfach hin, und man nehme mir bitte, bitte ab, dass keine Deutschtümelei oder gar übertriebener Nationalismus dahintersteckt: Deutschland wird Europameister!

Füchse feuen Meistertrainer

Dass ging dann sehr viel schneller als erwartet. Noch gestern schrieb ich über das Zerwürfnis zwischen Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning einerseits und Sportdirektor Stefan Kretzschmar andererseits. In diesen Streit geriet auch Trainer Jaron Siewert, unter dessen Leitung die Füchse ihren ersten Meistertitel überhaupt errangen in der Handball-Bundesliga.

Am Donnerstag ist das Arbeitsverhältnis beendet. Hanning feuerte sowohl Kretzschmar als auch Siewert mit sofortiger Wirkung. Gerade die Trennung von Siewert sei die schweirigste Entscheidung seiner Karriere gewesen, befand das Füchse Urgestein, ohne den der Club in dieser Form nicht existieren würde. Doch erst in der gemeinsamen Ägide mit Kretzschmar und Siewert wurden die Füchse ein Spitzenclub.
Dass das Tischtuch mit Kretzschmar nach dessen Kündigung zum Saisonende zerschnitten war und ein vorzeitiger Ausschluss Ausschluss erfolgte, überrascht nicht; höchstens, dass es noch vor dem Spitzenspiel am Samstag gegen den SC Magdeburg passierte. Warum auch eine Zusammenarbeit mit Siewert praktisch von jetzt auf gleich nicht möglich war, erklärte Hanning nicht explizit. Tatsächlich hatte sich Siewert an die Seite von Kretschmar gestellt und pochte auf personelle Sicherheit über 2026 hinaus, und offenbar reicht das dem Füchse-Urgestein.
Jetzt soll Nicolaj Krickau die Geschicke auf und neben dem Feld leiten. der Däne stieß erst im Sommer vom Ligakonkurrenten Flensburg-Handewitt. Ex-Nationalspieler und Vereinsheld Paul Drux soll als Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainer und Geschäftsführung agieren. Vor allem aber gilt es, die vor allem wg des Kretsche-Rauswurfs aufgebrachten Fans zu beruhigen, ein Sieg gegen den SCM würde da sicher helfen, doch damit allein dürfte es nicht getan sein.

Anisimova lässt die „Brille“ vergessen

US Open, Viertelfinale

 

Frauen

 

Groß war die Sorge, dass Amanda Anisimova zerbrechen nach dem geschichtsträchtigen 0:6, 0:6 im Wimbledonfinale gegen Iga Swiatek, im Tennis-Jargon auch als Brille bekannt. Tatsächlich hatte die Amerikanerin keine tolle Hartplatz-Saison, schied in Montreal und Cincinnati relativ früh aus. Doch jetzt bei den US Open, hat sie wieder die alte Stärke wiedergefunden. gestern Nacht kam es zum mit Spannung erwarteten Wiedersehen mit Swiatek, und letztlich siegte Anisimova souverän.
Sehr nervös begann sie zwar auf dem Arthur Ashe, wen wunderts. Doch als sie mit Hängen und Würgen ihr erstes Game gewonnen hatte (und damit die Brillen-Wiederholung vom Tisch war, war sie wie befreit.

Ein Mittel gegen die so starke Polin hatte sie sich zurechtgelegt: Den Return mölichst lang mittig vor die Füße von Swiatek spiel. Das gelang zum Teil außerordentlich gut, Swiatek geriet oft in Not, konnte die Ballwechsle längst nicht so dominierend wie erwünscht. Dazu kam das Spielglück, dass ihr im Wimbledonfinale gänzlich abging. Als sie nämlich 3 Matchbälle hatte, wurde plötzlich ihr Arm zentnerschwer. Bei zwei Versuchen scheiterte sie an ihrer Nervosität. Beim dritten zitterte sie den Aufschlag ins Feld, und beim folgenden Schlag blieb der Ball an der Netzkante hängen und fiel wie eine tote Maus und unerreichbar für Swiatek ins gegnerische Feld. Am verdienten Erfolg der Amerikanerin gab es allerdings keinerlei Zweifel

3 Tschechinnen waren im Viertelfinale angetreten, alle drei schiden aus. Barbora Kreijcikova hatte gegen Jessica Pegula ebenso weng Chancen wie Karolina Mucova gegen Naomi Osaka. verletzungsbedingt gar nicht antreten konnte Marketa Vondrousova gegen Titelverteidigerin Aryna Sabalenka.

 

Halbfinale

 

Fr., 01:00: Sabalenka – Pegula
Fr., 02:30: Osaka – Anisimova

Zweimal also eine US-Lokalmatadorin gegen eine wohl leicht favorisierte Gegnerin. Doch soll wohl die bisher im Turnier außergewöhnlich starke und fokussierte Pegula als auch Anisimova gehen keineswegs chancenlos in ihre Partien. Schön für die Zuschaer wäre es natürlich, wenn sie mal ein Dreisatz-Match sehen könnten.

 

Männer, Viertelfinale

 

Jannik Sinne erteilte die nächste Lehrstunde, diesmal gegen den Landsmann Lorenzo Musetti, den er bei seinem Dreisatzsieg (6:1, 6:4, 6:1) nicht den Hauch einer Chance gab. Wer will ihn stoppen, fragen sich die Fans nach einer Gala-Vorstellung nach der anderen?
Andererseits zeigten auch Carlos Alcáraz und Novak Djokovic bärenstarke Leistungen gegen Jiri Lehecka und Martin Fritz. Was der 38-jährige Serbe zum Teil auf den Arthur Ashe zauberte, erinnerte tatsächlich an seine besten Zeiten. Er ließ den fast 10 Jahre jüngeren Amerikaner keine Chance. Kaum zu glauben: Auch im 4. Grand-Slam-Turnier des Jahres hat der Djoker mindestens das Halbfinale erreicht. Es lohnt sich, dass er sich voll und ganz auf diese Highlights konzentriert.
Der vierte Halbfinalist in New York ist Felix Auger-Alliasime: Damit war nach einem eher furchtbaren Jahr tortz eines leichten Aufwärtstrends nicht unbedingt zu rechnen. Im Viertelfinale überwand er auch die Hürde Alex De Minaur, einfach weil er ein bisschen zielstrebiger und weniger fehlerbehaftet agierte als der Australier.

 

Halbfinale

 

Fr., 21:00: Alcaraz – Djokovic
Sa., 01:00: Sinner – Auger-Alliasime

Knüpft Djokovic an seine Leistungen von zuletzt an (und spielt der Körper mit) sehe ich ihn fast auf Augenhöhe. Alcáraz hat sicher die Mittel, um den Serben wie zuletzt in die Schranken zu weisen, aber er muss tatsächlich sein bestes Tennis abrufen ohne viel Firlefanz, damit er kein böses Erwachen erlebt. Auf die Tennisfans wartet ein fest zu guter deutsche Sendezeit.
Bei der anderen Partie wäre schon ein Satzgewinn von FAA eine Riesen-Überraschung.

 

Die Deutschen

 

Im Einzel eh nicht mehr vertreten, verabschiedeten sich zwei deutsche Männer-Doppel aus dem Wettbewerb. Dabei waren die an Nummer 4 gesetzten Kevin Kravietz/Tim Pütz klar favorisiert gegen die indisch-australische Paarung Bhambri/Venus. Auch Jakob Schnaitter/Mark Wallner schieden im Achtelfinale aus. Eine Runde weiter kam zwar Constantin Frantzen mit dem Holländer Robin Haase, doch im Viertelfinale war auch für diese Paarung Schluss.

 

Zahlereien

 

98 Minuten dauerte der 2. Durchgang, ehe Auger-Alliasime gegen de Minaur den Satzball zum 7:6 (9:7) verwandelte. Insgesamt dauerte de Viersatzpartie 4 Stunden 13 Minuten.
5/5: So lautet nun die Viertelfinalbilanz von Naomi Osaka bei Grandslam-Turnieren. Bisher hat sie auch jedes Mal das Turnier gewonnen.

 

 

 

Was so übrigbleibt

Der Wechsel von Donnarumma von PSG zu City, Uli Hoeneß findet Worte gegen den Kapitalismus, und Ärger bei den Füchsen vorm Handball-Spitzenspiel

 

City löst das Torwartproblem

 

Wobei ich erst jetzt wie viele andere auch erfahren habe, dass Trainer Pep Guardiola auf der Position zwischen den Pfosten ecten Handlungsbedarf sah. Egal, jetzt hat der Ex-Meister die Chance genutzt und den bei Paris St. Germain in Ungnade gefallenen Gianluigi Donnarumma verpflichtet. Wir reden tatsächlich von jenem italienischen Supergoalie (und Europameister), der mit seinen fantastischen Leistungen maßgeblich zum Champions-League-Triumph von PSG beigetragen hat. Mag sein, dass er mit den Fuß nicht allerhöchsten (Manuel-Neuer)-Ansprüchen genügt, dafür beherrscht der 1,97-Meter-Riese die eigentliche Tätigkeit des Schlussmanns, nämlich seinen Kasten mit zum Teil grandiosen Paraden (oft mit der Hand, notfalls per Fuß) sauberzuhalten. Trotz der fantastischen Offensivleute wie Vitinha, Kvaratshkelia und Dembélé – ohne Donnarumma im Kasten wäre Paris nie soweit gekommen.
Damit hat sich deren Trainer Luis Enrique für die neue Spielzeit natürlich angreifbar gemacht: Wehe mit dem zum Nachfolger erkorenen Lucas Chevalier (der mit den Füßen so toll sein soll) klappt es nicht, angesichts der (brutal) schweren Gegner in der Champions League (Barca, Bayern, Tottenham, Atalanta, Bilbao, Leverkusen, Sporting und Newcastle) kann das ein böses Erwachen werden.
Der bisherige Stammkeeper Ederson hat City in Richtung Istanbul verlassen. Dort wird der Brasilianer für Fenerbahce auflaufen, in der aufgemotzten türkischen Liga und der Europa League (u. a. gegen den VfB Stuttgart).
Die Chancen für Stefan Ortega auf Einsätze bei den Cityzens sind damit fast auf null gesunken. Denn hinter Donnarumma ist noch James Trafford einzuordnen.

 

Also sprach Uli Hoeneß

 

Ich war fassungslos, was die letzten sechs, acht Wochen im internationalen Fußball los war. Wir (die DFL/d. A.) müssen Stärke zeigen und nicht das Geld der Araber, der amerikanischen Hedgefonds nehmen

Hehre Worte, die der Ehrenpräsident des FC Bayern bei einer Dankesrede sprach, als er bei einer Feier einen Ehrenpreis der Deutschen Fußball Liga erhielt. Die allerdings sehr viel glaubwürdiger wären, wäre Uli Hoeneß in seiner Zeit als Manager und Präsident nicht zum Sinnbild des Raubtier-Kapitalismus‘ avanciert; der die Münchner mit allen erlaubten und auch unerlaubten (Kirch-Millionen) zum alleinigen und auf unabsehbare Zeit unantastbaren Krösus in Deutschland geführt hatte. Der gerne die Millionen aus Katar und Saudi-Arabien mitnahm, die diese als Werbepartner zahlten.
Nur weil jetzt die Premier League, Barca, Real und PSG noch obszönere Fantastilliarden-Summen zahlen (können), bedeutet das ja auch nicht, dass die Bayern plötzlich gönnerhaft werden. Und wenn er die Konkurrenz auffordert, nicht fremdes Geld zu rekrutieren, will er damit natürlich auch die Alleinherrschaft der Münchner in der Bundesliga manifestieren. Nicht dass ein milliardenschwerer Scheich auf die Idee kommt, etwa den HSV oder Borussia Dortmund mit Aber-Millionen zu unterstützen, was nach den jetzigen 50+1-Regularien in Deutschland unmöglich ist.
Also ein eher durchsichtiges Manöver eines Mannes, der alles, aber auch alles im Sinne des Vereins sagt und auch danach handelt. Der, das muss ich allerdings auch sagen, jeden der Bayern-Familie bedingungslos unterstützt, wenn diese unverschuldet in Not geraten sind: Gerd Müller, Lars Lunde und Jürgen Wegmann seien hier genannt. Fast, muss ich einschränken, denn das gilt nicht für die Ex-Bayern Bernal, Matthäus und Hamann …

 

Kretschmar kündigt Rückzug an

 

Im Erfolgsfall werden die größten Fehler gemacht: Noch steht nicht fest, ob diese allgemein gültige Lebensweisheit auf Handballmeister Füchse Berlin zutrifft. Tatsache ist jedoch: Stefan Kretzschmar, Handball-Ikone, wird die Hauptstädter mit Ende dieser gerade begonnenen Saison verlassen, wo er als Sportvorstand tätig war. Offenbar im Unfrieden, weil er und Bob Hanning unterschiedliche Auffassungen haben, die jetzt offenbar unüberbrückbar werden.
Wer die beiden Alpha-Tiere Hanning und Kretzschmar kennt (ich tue das allerdings nur aus der Ferne) wundert sich eh, dass es nicht viel früher eskalierend knallte. Offenbar hat die unfassbare Erfolgssaison 24/25 der Berliner einiges kaschiert, die in der ersten Meisterschaft überhaupt und dem Champions-League-Finale mündete. Es gab offenbar Unruhe, die allerdings nie über ein gewisses Grundrauschen hinausging.
Im Gegenteil: Die Zukunft scheint rosig: Der zigfache Welthandballer und zurzeit mit Abstand beste Spieler der Welt, Mathias Gisdel, hat noch einen Vertrag bis 2029. Aus der grandiosen Jugend klopfen viele Akteure an den Bundesliga-Kader an. Die Hauptstadt und der gewachsene Verein sind attraktiv für viele in- und ausländische Topspieler. Bob Hanning hat das jahrzehntelang aufgebaut in den verschiedensten Funktionen, doch erst als „Kretsche“ dazu stieß, haben die Berliner den entscheidenden Schritt nach vorne gemacht.
Und jetzt? Knirscht es deutlich. Die Verträge von Kretzschmar und auch Meistertrainer Jaron Siewert laufen 2026 aus, und erstaunlicherweise gab es  keine Anzeichen, dass sie verlängert werden. Warum nicht, bleibt Spekulation. Will Hanning den Ruhm nicht teilen? Will er einen namhaften Supercoach, um den Verein in der Hauptstadt noch sexier und attraktiver zu machen?Im harten Kampf um Berliner Aufmerksamkeit gegen Fußballer, Eishackler, Basketballer und -innen, Volleyballer und den ganzen Kulturbetrieb. Bei diversen Ehrungen des Vereins standen die drei Proatgonisten eher weit voneinander entfernt; das konnte Zufall sein, aber auch etwas bedeuten …
Wie sich herausstellte, bedeutete das etwas. Weil sich Kretzschmar außerstande sah, Vertragsverhandlungen zu führen, ohne dass er selbst wusste wissen, wie es mit ihm selbst weitergeht, wird er die Füchse verlassen. Ob das dann tatsächlich erst zum Saisonende geschieht oder Hanning, dessen Geduldsfaden manchmal arg dünn ist, ihn schon früher hinauskomplimentiert (vulgo: feuert), bleibt abzuwarten. Meine Glaskugel behauptet: Kretzschmar wird nicht mehr lange in offizieller Funktion bei den Füchsen tätig sein.
Eines zumindest haben die Protagonisten wahrscheinlich geschafft: Weit über die Handballblase hinaus ist das anstehende Topspiel zwischen den Füschen und dem Meister-Vorgänger (und Champions-League-Triumphator) SC Magdeburg in den Blickpunkt gerückt. Zu sehen am Samstag auch in der ARD, der Fußball-Bundesliga-Pause sei dank.

Hängepartien bis ganz zum Schluss

Nicht geht mehr: Seit Montag 18 Uhr ist Transferschluss – bis im Januar der Wechselwahnisnn von Neuem ausbricht. Der sogenannte Deadline Day, eine Errungenschaft, die unter anderem auch den Transfer“Jourmalisten“ hervorgebracht hat, brachte noch mal Spektakuläres, nicht alle Teams sind wunschlos glücklich. Glücklich all jede allerdings, die den Kaufrausch der entlischen Premier League für sich nutzten.

 

Das Beste (Teuerste!) kam zum Schluss

 

Schon seit Langem spekulierte Alexander Isak mit einem Wechsel von Newcastle United zum FC Liverpool. Der schwedische Stürmerstar, einst auch bei Borussia Dortmund, trat in den Streik. Und am letzten Tag klappte es tatsächlich noch mit dem Transfer. Für schlappe 150 Millionen wechelst der Angreifer zum englischen Meister. Der damit eine irre Off-Season geradezu würdig beschloss. Die 150 Millionen sind der geldfließendste Transfer dieser Saison (nur PSG gab von Jahren mehr für die beiden Spieler Neymar (222 Mios) und Kylian Mbappé (180) aus. Pool vollendete damt einen Irrrsinns-Ausgabesommer. Zuvor hatten unter anderem Florian Wirtz (140 Mios) und Hugo Ekitiké (95 Mios) der Bundesliga in Richtung FReds den Rücken gekehrt. Von „Schnäppchen“ wie Jeremy Fringpong und ein paar andere Transfers in mittleren zweisteligen Mio-bereich fange ich erst gar nicht an. Der amerikanische Besitzer Fenway Group, dem auch die Baseballer der Boston Red Sox gehören, hatte sehr weite Spendierhosen an.

 

Milliardenliga Premier League

 

Insgesamt wechselten Profis für mehr als 3 Milliarden Pfund nach oder innerhalb Englands. Die unfassbaren Fernseheinahmen machen es möglich, dass auch Aufsteiger wie Sunderland (Granit Xhaka) oder gar Zweitligisten wie Leeds United mehr ausgeben können als das Gros sogar der Spitzenclubs auf dem Festland. Was die Preise ins Unermesliche steigen lässt: Profitioet hat dabei unter anderem der VfB Stuttgart, der für Nick Woltemade 85 Millionen (plus möglciher Boni) kassiert, die Newcastle vergangene Woche im Vorgriff auf die Isak -Mios ohne mit der Wimper zu zucken auf den Tisch der Schwaben blätterte (man möchte sich das bildlich vorstellen). Eine Summe, die Uli Hoeneß schwachsinnig hielt, aber letztlich nur den Marktgesetzen folgte..

 

Last-Minute-Käufe der Bundesliga

 

Kommt er jetzt oder kommt er nicht. Bis sogar nach Montagabend war nicht völlig klar, ob Nicolas Jackson zum FC Bayern wechselt. Dabei schien Freitag alles klar, als Jackson nach München flog, um dort den medizinischen Test zu absolvieren. Am Samstag aber verletzte sich Chelsea-Stürmer Delap, und die Londoner gaben plötlich Rotes Licht. Vermeintlich „endgültig“, doch da Jackos unbedingt zu den Münchnern wollte, verhandelte deren Sportvorstand Max Eberl weiter, und tatsächlich schaffte er den Transfercoup (der dann heute, jetzt aber wirklich endgültig!“, bestätigt wurde. Jacson wird aun die Münchner ausgeliehen, für stolze (viele sagen: aberwitzige) 16 Millionen. Dazu gibt es eine Kaufverprlichtung 2026, wenn gewisse Bedingungen, die jedoch erstaunlicherweise nicht durchgestochen wurden, erfüllt sind. Damit wären wir bei den 80 Millionen, die die Münchner „unter keinen Umständen!“ an die Stuttgarter für Woltemade zahlen wollten.

 

Und sonst

 

  • nutzten die Buli-Club den 1. September weidlich (Auszug):
    – RB Leipzig gibt Stürmer Luis Openda an Juventus ab, holt dafür Conrad Harder von Sporting Lissabon.
    – Bayer dünnt weiter aus: Vertriediger George Hincapié get zum FC Arsenal, Stürmer Victor Bonifache zu werder Bremen, und Gustavo Puerta fix zu Racing Santander. Dafür kommt noch Ezequiel Fernández aus Saudi-Arabien
    – Der HSV holt Leihweise Sambi Kokonga (3 Millionen) und Fabio Vieira (leihweise vom FC Arsenal. Vieiera ist der Sohn des 98er-Weltmeisters Patrick.
    – Leo Scienza verlässt Heidenheim in Richtung Leeds United für 10 Millionen, großer Seufzer an der Ostalb ob des Verlusts ihres Freistoßgenies.
  • Und noch europäische Top-Transfers (Auszug)
    – Kolo Muani leihweise von PSG zu Tottenham
    – Manchester United gibt Anthony (Real Betis/245 Mios) und Jadon Sancho (Aston Villa/Leihe) ab.
    – Olympique Marseille lässt Adrien Rabiot zur AC Milan ziehen. Jener Verteidiger also, der in eine üble Kabinenschlägerei        bei OM verwickelt war.

 

Zu schlechter Letzt: Bayers Rekordrauswurf

 

Den Deadline Day nutzte Bayer Leverkusen und feuerte Chefcoach Erik ten Hag nach nur 2 Spieltagen und einen Punkt. Offenbar sah die Clubführung um Sportdirektor Simon Folfes keine Chance mehr auf einen Kit. Erst am 1. Juli hatte der Holländer sein Amt beim Ex-Meister angetreten, nachdem Meistercoach Xabi Alonso in Richtung heimatliches Real Madrid entfleucht war.

Ein millionenschweres Missverständnis, das die Bayer-Crew schnellstmöglich aus der Welt haben wollte. Gewiss, der Trainer äußerte sich vielleicht nicht immer kollegial und im Sinne des Vereins, als er einen Weggang nach dem anderen zu kommentieren hatte und den Aderlass nicht gerade diplomatisch kritisierte. Natürlich: Auf dem Platz herrscht Konfusion und wenig Ordnung. Zu bestaunen war das am Samstag in Bremen, als sich Patrik Schick und Ezequeiel Palacios minutenlang stritten, wer einen Folulefmeter treten darf.
Und doch bleibt bei mir als grundsätzlicher Bayer-Sympathisant ein ganz übler Beigeschmack: Das ten Hag ein wunderbares Opfer der völlig missglückten Personalpolitik ist und dass der eigensinnige ten hag höchstwahrscheinlich von vornehrein der falsche Mann für den kompletten Neuaufbau war.
Natürlich war klar, dass ein Florian Wirtz nicht zu halten sein dürfte, dass der eine oder andere Spieler (Frimpong) den Club ebenfalls verlassen würde. Aber dass praktisch das komplette Meisterteam 2024 (nicht 2014) den Abflug machen würde, das konnte keiner ahnen. Die gesamte Achse Hradecky, Tah, Xhaka, Wirtz fiel weg, dazu wichtige Akteure wie Frimpong und Adli plus jetzt am Ende gar noch Boniface und Hincapié. So einen komplett-Ausverkauf eines Spitzenteams der Bundesliga hat es noch nie gegeben. Und da soll der Trainer der Alleinschuldige sein? Der zutreffend bekannte, er müsse Houdini oder wenigstens Harry Potter sein, um das zu lösen. Ohne Achse, ohne Mannschaftsrat, ohne Hierarchie im Team, dafür mit umso schlaueren Leuten wie jetzt auch Mittelfeldmann Robert Andrich, der den Trainer gleich noch den letztern Stoß über den Jordan gab, als er weder eine Ordnung durch den Trainer sah und jedwede Taktik vermisste („Jeder machte seins“)

Wahrscheinlich auch durch die Hetzjagd des „Kicker“ schon nach dem 1. Spieltag (hat der betreffende Redakeur auf ten Hag als ersten Bundesliga-Rauswurf viel Geld gewettet?) blieb jetzt tatsächlich nichts anderes übrig, zumal wegen der Länderspiele ein wenig Ruhe einkehrt. Alles auf Null stellen und dann irgendwie versuchen, das gute Dutzend Neuzugänge zu einem großen Ganzen zu formen. Man will den Verantwortlichen (und dem armen Trainertropf) alles gute wünschen, ja wenn es nicht der Pillenclub wäre),