von Münchner Löwe | Feb. 27, 2024 | Allgemein, bundesliga, Fußball
Eines vorweg. Ich schätze Marcel Reif als Sportkommentator über die Maßen, fand ihn lange Jahre den besten der deutschen Zunft. Auch seine Meinungsfreude mag ich sehr, und meist bin ich mit ihm ziemlich kompatibel. Richtig berührend fand ich seine rede im Bundestag, wo er über seinen Vater und das 3. Reich sprach.
Aber schon die Tatsache, dass er ausgerechnet das springer-Medium sich erwählte, um zweimal in der Woche seine Meinung zum Fußball-Geschehen unter die Leute zu bringen, fand ich befremdlich. aber sogar das war zu ertragen, weil er sich auch vom unerträglichen Matthias Brüggelmann und Co nicht den Schnabel verbiegen lässt.
Um so ratloser, ja erschüttert (im Wortsinn) bleibe ich nach seiner fast schon fundamentalistischen Kritik an den Kritikern und ihre Weise ihrer Kritik des von der DFL geplanten Investors: nämlich die geworfenen Tennisbälle und anderes während eines Fußballspiels, die dieses bis zu einer halben Stunde unterbrachen.
Dass das extrem lästig war gerade auch für Stadionbesucher im Winter, konzediere ich sofort. Womit ich allerdings echte Probleme habe, dass dMarcel Reif allen Kritikern absprach, sich ernsthaft über die Zukunft des Fußballs Gedanken machen. Und dass viele vor allem die Art der Entscheidung kritisierten, nämlich das wohl entscheidende Votum von Martin Kind entgegen der klar formulierten Interesssen seines Vereins Hannover 96. Das „Wohl“ schreibe ich, weil die DFL mit voller Absicht eine geheime Wahl abhielt. Gewählt sei gewählt, und man könne eine Wahl doch nicht so lange wiederholen, bis einem das Ergebnis gefalle. Tja, im Prinzip stimmt das schon, doch
1. hat es vor der letztlich angegriffenen Abstimmung bereits eine Abstimmung gegeben, in der der Investor eben nicht die erforderliche Mehrheit der Delegierten fand
2. Die Wahl formal rechtmäßig sein muss. Siehe gerade Berlin, wo nach zweieinhalb(!) Jahren wiederholt wurde. Nun mag man juristisch drüber streiten, ob eine Stimme des Delegierten entgegen die Interessen des Vereins formal gültig ist oder nicht, moralisch steht das Ganze auf extrem tönernen Füßen. Und genau das haben die Entscheider (ein)gesehen und dass sie den Protest deshalb nicht aussitzen könnten.
In der Sendung nach der Entscheidung blieb Reif bei seiner Meinung: Die Fans haben die Bundesliga in die finanzielle Steinzeit zurückgebeamt, aber ohne Investor sei die Liga nicht mehr konkurrenzfähig, höchstens mit Nolland oder Portugal, aber bestimmt nicht mit der Premier League. Das mag stimmen, aber auch mit Investor wäre das nicht der Fall. Und schaue ich mir gerade die europäischen Wettbewerbe an, stehen insgesamt 5 Bundesligaclubs im Achtelfinale von Champions und Europa League, und außer RBL haben alle mehr oder weniger gute Chancen aufs Viertelfinale.
Richtig geärgert habe ich mich, dass Marcel Reif durchklingen ließ, dass der nächste Protest nicht lange auf sich warten lässt, weil die Protestler jetzt Rückenwind haben, mehr und mehr einfordern und es ja noch genug Tennisbälle gibt. Natürlich, viele wollen gar keine Änderungen, aber dieser Protest war deshalb erfolgreich, weil er
1. sehr gut koordiniert war
2. Es nicht zum Äußersten, also Spielabbruch kam, weil alle Beteiligten die Grenzen kannten und einhielten und außerdem die Unparteiischen sehr gut die Problematik handhabten
3. und am Wichtigsten: die Aktiven Protestler in der Sache und auch in der Art die Mehrheit der Schweigenden und ihr stilles Zustimmen hinter sich wussten.
Weil eben viele zwar durchaus auch finanziellem Fortschritt nicht abgeneigt sind, aber halt Bauchweh mit dem Investor haben. Wobei dieser bis dato kaum bis gar nicht beleuchtet wurde, und da gäbe es ziemlich kritische Punkte zu beleuchten.
Insgesamt also kein Ruhmesblatt von Marcel Reif. Ud es war leider erwartbar, dass dies ganz im Springerschen Sinn war, warum auch immer.
von Münchner Löwe | Feb. 26, 2024 | Allgemein, Wochenrückschau, Wochenvorschau
Zwei wichtige Themen habe ich schon aufführlich behandelt. Den Tod von Andy Brehme und die Entlassung von Thomas Tuchel. Siehe hier https://blickueberdenteich.de/lahme-ente-oder-befreiter-schwan/ und hier https://blickueberdenteich.de/so-viel-mehr-als-elfer-links-unten/
Außerdem hat den deutschen Fußball vor allem die Entscheidung beschäftigt, nicht weiter nach einen Investor zu suchen. Ansonsten war im Sport nicht so wahnsinnig viel los.
Der Erfolg der Tennisbälle
Respektive ihrer Werfer. Aussitzen ging nicht, durchpeitschen auch nicht. Also blies die DFL offiziell die Suche nach einem Investor ab. Die dauernden Unterbrechungen wollten auch kein Ende nehmen. Wobei die Protestierenden ein feines Gespür hatten, wie weit sie gehen konnten, denn an einem Spielabbruch war offenbar niemandem von ihnen gelegen. Auch die souveräne Handhabung der Unparteiischen war extrem förderlich.
Also erst mal kein Investor. Wobei ich weiterhin der festen Meinung bin, dass vor allem das „Wie diese Entscheidung zustandekam mit der unrühmlichen Rol,le des Martin Kind, der aller Wahrscheinlichkeit nach gegen die Interessen seines Vereines gestimmt hat, die entscheidende Rolle an der Vehemenz des Proteste. Das war das Gegenteil von Transparenz, dieser Makel war nicht mehr zu heilen. Und dass dann plötzlich nur noch ein interessierter Investor zum Verhandeln bereit war, war der Sache auch nicht gerade dienlich.
Die Frage wird sein, wie es weitergeht. Da wäre es mal von Vorteil, dass jeder Verein explizit herausfindet, was den eigenen Fans und Mitgliedern wirklich wichtig ist. Wirklich ein nicht weiter zerfledderter Spielplan? Wirklich Selbstbestimmtheit in allen Belangen? Wirklich internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Club und der gesamten deutschen Liga? Ist ja nicht so, dass alle bisher am Hungertuch nagen, aber viele eben weit über ihre Verhältnisse leben. Und die DFL-Führung sollte sich mit diesem Protest einer sehr starken Minderheit, die offenbar noch dazu die Zustimmung der schweigenden Mehrheit fand, ernsthaft auseinandersetzen und nicht von einem Sieg der Chaoten oder Ähnliches schwadronieren. Überhaupt etwas mehr Demut wäre angebracht, nicht wahr Herr Watzke!?
Zu Bild und Marcel Reif, die eine bemerkenswert traurige Rolle gespielt haben, werde ich höchstwahrscheinlich morgen noch ein paar gesonderte Worte finden.Nur eines vorweg: Ich schätze Marcel Reif eigentlich über die Maßen, aber hier …
Ach je, du Bundesliga
Also wurde wieder Fußball gespielt ohne Unterbrechung außer in Frankfurt, aber das dort will ich jetzt nicht beleuchten. Und was soll ich sagen? Am Samstag bei der Konferenz hätte ich eine originelle Abwechslung in Form von Tennisbällen oder einer Drohne oder einem ferngesteuerten Auto samt Fackelbeleuchtung sehnlichst erwartet. Das Gebotene auf den Spielfeldern war auf jeden Fall nicht zum Jubilieren angetan. Die anderen Spiele waren auch nicht viel amüsanter, naja vielleicht der taumelnde BVB. Und so haben wir nach dem 23. Spieltag schon ziemlich festgetackerte Verhältnisse.
8 Punkte Vorsprung beträgt weiter der Vorsprung von Bayer auf Bayern. Restspannung bleibt nur, weil Bayer eben Bayer Vizekusen ist. Doch der Fußballgott hat sich offenbar entschieden, und so verhalf diesmal ein veritabler Fehler von Mainz-Torwart Robin Zentner zum mühsamen Heimsieg. So etwas wie Spannung kommt höchstens noch im Dreikampf um die zwei CL-Plätze hinter Bayer und Bayern zwischen dem VfB Stuttgart, Borussia Dortmund und RB Leipzig auf. Und nicht mal der Abstiegskampf haut vom Hocker. Köln, Darmstadt und Mainz haben sich nach unten abgesetzt und spielen neben den zwei sicheren Abstiegsplätzen nur noch den Relegationspaltz 16 aus. Und dann gibt es halt noch einen Haufen Bewerber um die Europa und Conference League. Ich weiß: Sport, Pferde und Apotheken, aber so sieht es zurzeit halt aus.
Freiburger Drama
Höhepunkt der internationalen Woche war die bemerkenswerte Aufholjagd des SC Freiburg in der Europa League Zwischenrunde gegen den RC Lens. 0:2 lagen die Breisgauer zurück, und starteten eine fulminante Aufholjagd, die sie noch in die Verlängerung brachte, in der dann Michael Gregoritsch den umjubelten Siegtreffer schoss. Verabschiedet hat sich dagegen Eintracht Frankfurt in der Conference nach einem 1:2 gegen Union St. Gilloise aus Belgien. Trostlos und schade für die Fans.
Der BVB schaffte im CL-Hinspiel ein 1:1 bei der PSV Eindhoven. Riesenärger gab es über den Elfer für die Holländer. Er war mE mehr als zweifelhaft, aber nicht ein 0-%-Elfer, wie Verursacher Mats Hummels bemängelte. Experte Hatthias Sammer verstieg sich gar in die These einer allgemeinen Benachteiligung aller deutschen Clubs, weil zu wenig Einfluss in den Verbandsetagen. Kleiner haben wir es gerade nicht?
Erster Titel zum Abschied
Ein ziemlich spektakuläres Endspiel um den englischen Liga-Cup entschied letztlich der FC Liverpool mit 1:0 nach Verlängerung gegen den FC Chelsea für sich. Er bescherte dem zum Saisonende scheidenden Trainer Jürgen Klopp einen ersten Titel nach seiner Erklärung. Gut im Rennen sind die Reds weiter im Kampf um die Meisterschaft, und die Europa League ist auch noch drin.
Dämpfer für die Weltmeister
Eine für mich unerwartete Niederlage kassierten die deutschen Basketballer in der EM-Qualifikation. Nach dem Sieg gegen Montenegro verloren die Weltmeister ohne ihre NBA-Profis Franz und Moritz Wagner, Dennis Schröder sowie Daniel Theis in Bulgarien. Kein Beinbruch, weil sich in jeder Vierergruppe drei Teams qualifizieren, aber ein klares Warnsignal.
Und sonst?
– Mal wieder Ausfälle bei den Alpinen. Diesmal betraf es beide Super-Gs in Val di Fassa, denn es gab zuviel (!) Schnee. Angesichts des nahenden Saisonendes Mitte März bezweifle ich, dass die Rennen an anderer Stelle gefahren werde.
– Marco Odermatt schon Gesamtweltcupsieger: Der Schweizer gewann auch den 7. Riesenslalom der Saison und sicherte sich bereits 10 Rennen vor Saisonschluss die große Kristallkugel. Manuel Feller gewann den Slalom, auch weil der nach dem 1. Durchgang Linus Strasser den zweiten ziemlich verbremste und auf Platz 3 zurückfiel
– Weite Flüge in Oberstdorf. Der Slowene Timi Zajc und Stefan Kraft aus Österreich sicherten sich die beiden Einzelkonkurrenzen in Oberstdorf. Zweimal Zweiter wurde Peter Prevc, der zum Saisonende seine Karriere beenden wird. Zu früh? Slowenien flog souverän zum Zweierteam-Titel.
– Die Füchse Berlin schafften in letzter Sekunde ein 31:31 bei der SG Flensburg-Handewitt und können in der Handball-Bundesliga weiter von ihrem ersten Meistertitel träumen.Einziger ernsthafter Konkurrend ist Titelverteidiger SC Magdeburg mit drei Punkten Rückstand, aber einer Partie weniger.
– Mark Allen holte die Players Championships im Snooker gegen den Chinesen Zhang
– Turniersiege im Tennis schafften Jordan Thompson in Los Cabos, wo er an der Seite von Purcell auch das Doppel für sich entschied, Sebastian Baez in Rio, Karem Katschanow in Doha sowie die Italienerin Jasmine Paolini. Wer?
Das wird die Woche, die wird
Letzte Hoffnung für die Hrubesch-Mädels
Ein Endspiel um Olympia gibt es für die deutschen Fußball-Frauen um Interimstrainer Horst Hrubesch: Nach der Niederlage gegen Frankreich im Halbfinale der Nations League kommt es am Mittwoch in Heerenveen zum entscheidenden Spiel gegen Holland, das das zweite Halbfinale gegen Weltmeister Spanien verlor. Wer siegt, fährt nach Paris, wer verliert, hat dann Ferien.
Formel 1 rollt an
Dieses Wochenende startet die neue Saison in der Formel 1. Das erste Rennen ist bereits am Samstag in Bahrain. Insgesamt stehen 24 Rennen und außerdem 7 Sprints auf dem Programm, so viele wie noch nie. Haushoher Favorit ist wieder Max Verstappen, der beste Fahrer erneut im besten Auto. Keine Fahrerwechsel, ein Novum. Ferrari und Mercedes dürften Platz 2 unter sich ausmachen. McLaren schätze ich stark ein, aber eigentlich ist es mir ziemlich schnuppe. Sportart zu Tode gesiegt.
Wintersport satt
– Die Alpinen versuchen ihr Glück in Aspen (Männer: 2 RS, Slalom) und Kvitfjell (Frauen: Abfahrt, Super-G)
– Die Biathleten bestreiten ihr Wochenende am Holmenkollen in Oslo.
– Langläufer und Skispringer sind in Lahti zu Gange
Ballsport satt
– Basketball national und international. Bayern national top, in der Euroleague ziemlich abgeschlagen. Zumindest die Play-Ins sind noch nicht außer Reichweite, für Alba Berlin schon
– Handball national und international. THW Kiel und SC Magdeburg mit guten Aussischten auf den direkten Einzug ins Viertelfinale. Alle deutschen Vertreter in im EHF-Cup gut im Rennen. Stärkste Liga der Welt halt ….
– Tennis: Männer in Dubai, Santiago und Acapulco (mit Sascha Zverev vs Daniel Altmaier.) Frauen in Austin und San Diego
Ach ja, last but not least. Sepp Maier wird am Mittwoch 80 Jahre alt. Vielleicht fällt mir zur Katze von Anzing noch was ein.
von Münchner Löwe | Feb. 23, 2024 | bundesliga, Fußball
Die Ereignisse haben mich überrollt. Da wollte ich einen hübschen Text schreiben, warum ich (offenbar) der Minderheit angehöre, die es für sinnvoll erachtet hätten, wenn Thomas Tuchel auch noch in der nächsten Saison Bayern-Trainer wäre, da kam die Meldung, dass zum Saison-Ende Schluss ist. Und zwar erst am Ende der Saison und nicht sofort, was angeblich mehr als die Hälfte aller Teilnehmer in einer Befragung befürworteten.
Ich versuche zu ergründen, was hinter genau dieser (Mittel)-Entscheidung stecken könnte.
Zuletzt also drei Niederlagen in Folge, ein ziemlich zerrüttetes Verhältnis zumindest zu den (vermeintlichen) Führungsspielern Thomas Müller und Joshua Kimmich. Wachsender Unmut. Nach menschlichem Ermessen ist die Meisterschaft weg, der Champions-League-Triumph ist zwar denkbar, doch den hat wohl niemand ernsthaft im Visier. Und mindestens Platz 4 in der Bundesliga, also die erneute Qualifikation für die Champions League, dürfte auch kein Problem darstellen angesichts von 10 Punkten Vorsprung auf Platz 5 und gar 17 auf Platz 6.
Es gibt also nicht mehr viel zu gewinnen und noch weniger zu verlieren, die Zeit für den sofortigen Wechsel würde sich also anbieten. Doch offenbar sehen die Verantwortlichen keinen idealen Kandidaten, der sofort verfügbar ist (und sich den FC Bayern antun will und erst recht nicht mitten in der Saison). Zinedine Zidane wäre frei, doch der spricht kein Deutsch, laut Stellenausschreibung aber unabdingbares Kriterium. José Mourinho wäre auch frei und lernt angeblich auch Deutsch, aber Mourinho und Bayern, so viel Popcorn gibt es nicht für dieses Theater. Abgesehen davon ist Mourinho nach etlichen Fehlversuchen (ManUnited, Roma) nicht vermittelbar und seine zynische Defensiv-Spielweise bei Bayern erst recht nicht.
Also wartet man: und zwar auf Xabi Alonso, den designierten Meistertrainer von Bayer Leverkusen, an dem er wesentlichen Anteil hätte. Ja, er war bei Bayern, aber erst in der Endphase seiner fantastischen Fußballer-Karriere. Warum soll Alonso zu den Bayern wechseln, auch oder vor allem wenn er mit Bayer Meister wird. Hier kann er vergleichsweise ruhig arbeiten, die Entscheidungswege sind kurz, Geld ist zwar nicht im Übermaß da, aber doch mehr als reichlich für seriöse Wünsche. Und die Mannschaft selbst ist noch längst nicht am Ende ihrer Entwicklung. Und sogar wenn Alonso Bayer und Leverkusen zu eng werden sollte, wofür es keinelei Anhaltspunkte gibt: Ihm stehen alle Türen offen, und die zwei Ex-Vereine, mit denen er seine wichtigsten Triumphe gefeiert hat, werden früher (FC Liverpool) oder später (Real Madrid) einen neuen Trainer brauchen, und da steht Alonso ganz oben auf der Liste.
Mich würde es also extrem wundern, wenn Xabi Alonso zu den Bayern als Trainer wechselt, erst recht schon zur nächsten Saison.
Das Gute am Weitermachen mit Tuchel: Er kann jetzt ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten und Namen seine Vorstellungen bringen. Und die Spieler sind befreit, sie sehen ein Ende ihrer Leidenszeit. Also eine lahme Ente, die trotzdem Beine machen kann.
Außerdem wüsste ich erst mal keinen Namen, der auf all die Begehrlichkeiten und Befindlichkeiten wirklich passt. Zumal der FC Bayern sich gerade nicht als Trainer-Verein darstellt. das war er eigentlich noch nie, aber seit dem Abgang von Pep Guardiola 2016 gleicht der Trainerstuhl eher einer Drehtür. Es haben sich namhafte Männer versucht, wenn ich das noch richtig zusammenkriege …: Carlo Ancelotti, Niko Kovac, Hansi Flick, Julian Nagelsmann und eben jetzt Thomas Tuchel. Keiner mehr als zwei Jahre. Sie alle sind mehr oder weniger gescheitert wegen Erfolglosigkeit (jede Saison neben der gottgegebenen Meisterscxhaft, aber ohne die Champions League gilt ja schon als Misserfolg und wenn schon, dann scheitere man wenigstens an Manchester City oder Real Madrid, aber bitte nicht gegen Villarreal oder Atlético Madrid. Und sogar mit Erfolg wie Hansi Flick, der 7 Titel holte, aber entnervt von der Geschäftsführung (damals noch Salihamidzic und Kahn) das Weite suchte, und die schien mit der deutschen Nationalmannschaft auch sehr attraktiv, zumindest bis Katar 2022 …
Die Geschäftsführung, und da komme ich zum eigentlichen Problem. Auf die kann sich nämlich niemand verlassen bzw kann sich niemand darauf verlassen, dass sie auch wirklich etwas zu sagen hat. Und das liegt an der grauen Eminenz des Vereins, des Patrons, ohne den nichts geht. Nämlich Uli Hoeneß und seinen willfährigen Domestiken und viel mehr Karl-Heinz Rummenigge. Die können nicht loslassen. Gerade Uli Hoeneß. Seine Verdienste um den Verein wird niemand bestreiten. Er führte den Club zur absoluten Spitze in Europa und damit auch der Welt. Dass die Bayern den anderen zumindest deutschen Clubs so haushoch überlegen sind, liegt auch an Hoeneß. Und spätestens seit das neue Stadion abbezahlt ist und die Bayern Alleineigentümer sind (ein Münchner Löwe kann da nur seufzen angesichts von so viel blauer Unfähigkeit und Hochmut), fließt das Geld praktisch von alleine. Die Megafirmen streiten sich um Anteile, die Champions League und damit 70+x Millionen/Jahr sicher) ist praktisch garantiert. Und genau der Umstand, dass auch schwerwiegende Fehler in der Transferpolitik ohne sportlichen Niedergang einhergehen können, macht für Fehler anfällig. Man nehme die drei gegenwärtigen Innenverteidiger deLigt, Kim und Upamecano, die insgesamt mehr als 200 Millionen Euro gekostet haben, sehe ich das Abwehrverhalten (wahrlich nicht nur dieser drei) an, und versteht, was ich meine. Sicher: Jeder für sich ist ein sehr guterSpieler und für sich allein der Transfer sogar sinnvoll trotz des Preises. Aber eine Mannschaft ist halt viel mehr als nur die Summe aller Einzelspieler. Und keiner hat bei den Bayern einen echten Leistungssprung gemacht, was auch an den dauernden Trainer- und Systemwechseln liegt
Und warum dann Tuchel noch ein weiteres Jahr? Zum einen bin ich der Meinung, dass Konstanz gerade auf dem Posten des Cheftrainers extrem wichtig ist. Zum anderen wird niemand die Fachkompetenz von Tuchel ernsthaft in Zweifel ziehe, okay die Kimmichies schon. Natürlich gilt das nur, wenn die Forderungen des Trainers erfüllt werden, und sei es die ominöse und von ihm erfundene „Holding Six“, die es zu verpflichten gilt. Mit dem ab März wirkenden Sportdirektor Max Eberl kommt auch ein frischer Wind in den verein, der Hoeneß und Rummenigge hoffentlich wieder in den verdienten Ruhestand als wohlwollende, aber nicht eingreifende Beobachter zurückbläst. Ich fände es halt sehr spannend und letztlich auch erfolgsversprechend, wenn Tuchel mal machen dürfte. Und by the Way, die Münchner haben zurzeit in der Liga mehr Punkte gesammelt als in den vergangenen Jahren zum gleichen Zeitpunkt, und nur wg Bayers unwirklichen Erfolgslauf ist man aus dem Meisterrennen.
Aber natürlich gibt es ein paar Tücken. Ein Rebuild der Mannschaft ist praktisch unmöglich. Das liegt an den 20 Millionen+x Euro/Jahr, die Spieler wie Kimmich, Goretzka und andere bis mindestens 2025 sicher verdienen. Ein Abgang vor Ablauf der Vertragszeiten ist also unwahrscheinlich. Aber sogar die Bayern haben nicht unendlich Geld, siehe auch oben, die Verteidiger … Und die paar Spieler, die den hohen Ansprüchen Tuchels an eine Holding Six stellt, sind äußerst rar und dementsprechend teuer, wenn sie denn zu haben sind.
Bayern trennt sich also von Tuchel, Stand jetzt zum Saisonende. Scheidet der FCB aber Anfang März gegen Lazio aus, dürfte sich das Thema dann schon erledigt haben. Oder gar schon bei einer Niederlage am Samstagabend gegen Red Bull Leipzig. Schaun mer mal, dann sehn wirs schon.
von Münchner Löwe | Feb. 21, 2024 | Fußball, Sonstiges
Zwei ziemlich amüsante Nachrichten geisterten dieser Tage durch die Medien. Endlich mal was eher Lustiges bei all dem Ernst
Eingesperrt im stillen Örtchen
Einen Protestgrund der ganz besonderen Art fand der Bezirksligist VfB Fichte nach dem 1:4 gegen den FC Gütersloh II. Die Mannschaft musste in der 2. Halbzeit ohne ihren Trainer Jan Kubovic auskommen. Den war nach der in der Toilette eingesperrt, und niemand fühlte sich bemüßigt, den Coach aus seiner misslichen Lage zu befreien. Obwohl er schrie und klopfte und das eigentlich doch so stille Örtchen in ein lauten Ort verwandelte.Es kam sogar ein Hausmeister, der nach einer halben Stunde endlich reagierte, doch der hatte nicht das passende Werkzeug parat und musste erst mal unverrichteter Dinge abrücken. Immerhin war der Mann so gnädig und informierte weitere Menschen von des Trainers Pein. Endlich hatte einer den Geistesblitz wie einst Alexander, der Große, der den Gordischen Knoten einfach mit seinem Schwert durchtrennte. Ein solches brauchte ein offenbar fußstarker Mann gar nicht und trat die Tür kurzerhand ein – leider erst nach Spielschluss.
Die Manschaft sei ohne ihren Trainer völlig kopflos gewesen, beharrte Fichtes Fußball-Abteilungsleiter Jobst Hölzenbein. Und ein bis dato „ergebnisoffenes“ Spiuelk sei gekippt. Keiner des FC Gütersloh habe reagiert, bemängelte Hölzenbein, was für ein Fußball-Name, denn sofort denke ich an Bernd, WM-Finale 1974, Schwalbe, Elfmeter, Ausgleich, Weltmeister.Ach Bernd … Und der Schiri habe darauf bestanden, das Spiel fortzusetzen, vielleicht hatte er ein Date mit einer Frau.
Tja, so eine Abwesenheit des Cheftrainers kann schon zutiefst veunsichern. Andererseits: Ich denke gerade an Joshua Kimmich, wie er befreit wäre, wenn er die mürrische Miene von Thomas Tuchel nicht mehr sehen müsste. Oder die Spieler von Pep Guardiola, wenn sie nicht ihren ständig mit den Armen rudernden Trainer an der Seitenlinie ertragen müssten. Oder gar einst die Spieler von Dynamo Kiew, die angesichts der zur Salzsäure erstarrten Valeri Lobanowski auf der Trainerbank sich immer fragen mussten, der er jetzt wirklich noch am Leben sei. Vor allem die Neuen im Verein mussten sich an dessen völlige Bewegungslosigkeit, egal ob bei 30 Grad plus oder minus, erst gewöhnen.
Und doch: Dem Protest muss stattgegeben werden. Ich fordere ein Wiederholungsspiel, und notfalls kann Jan Kubovic ja den nächsten Baum suchen.
https://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/23786316_Zweite-Halbzeit-findet-ohne-ihn-statt-Bielefelder-Fussballtrainer-auf-der-Toilette-eingesperrt.html
„Das ist meine Kabine“
Auf Trainerentlassungen reagieren die Coaches höchst unterschiedlich. So lobten Galdbachs Verantwortliche, dass Jupp Heynckes seinen Dienstwagen schlüsselferig, vollgetankt und bestens gewartet übergeben hätte. Viele Trainer packen ihr Zeug zusammen, stopfen den Krempel ins eigene Luxusgefährt und brausen mit durchdrehenden Rädern auf erst mal Nimmerwiedersehen davon. Manche lassen sich dazu herab, bei meist offener Seitenscheibe noch mehr oder weniger freundliche/sinnvolle Worte zur Entlassung zu äußern, immer eingedenkt der Abfindung, die den Abschied vesüßt.
Und Niko Laukötter von der 2. Vertretung des FC Bocholt. Der baute die von ihm in freundlicheren (Corona)-Zeiten mit eigenen Händen errichtete Kabine, mit Discokugel (!) wieder ab. „Das ist ja meine“, sagte er sich, und seine Ex-Spieler unterstützten ihn bei seinem Tun. Dem Coach wurde ja auch übel mitgespielt, wurde ihm doch mitgeteilt, dass er zur kommenden Saison nicht mehr Trainer sein würde. Offenbar auch gegen den Willen seiner Spieler, die ob dieser Entscheidung kurzerhand zu einem Pflichtspiel nicht antraten, es wird kampflos zu Gunsten des Gegners SV Brünen gewertet. Und bis Mittwoch ließ sich auch niemand mehr blicken.Wohlgemerkt: Es geht um wichtige Zähler in der Kreisliga A Rees-Bocholt. Ich stelle mir geradeThomas Tuchel vor, wie er den hochmodernen Kabinentrakt der Bayern …, ach nein, er hat ihn ja nicht selbst gebaut.
Einen wunderbaren Kommentar schrieb dazu ein gewisser Linksaußen (12:03) bei aaas.de.
https://www.allesausseraas.de/mittwoch-21-02-2024/#comment-767906
„Wenigstens zeigt ich damit, dass ich nicht die Kabine verloren habe.“ Danke dafür.
https://www.focus.de/sport/fussball/irre-szenen-beim-1-fc-bochholt-nach-seinem-rauswurf-baut-dieser-kreisliga-trainer-die-ganze-kabine-ab_id_259691046.html
Während ich das schreibe, bricht die DFL die Suche nach einem Investor ab. Muss ich erst mal sacken lassen.
von Münchner Löwe | Feb. 20, 2024 | Fußball
Eine sehr traurige und für mich völlig überraschende Meldung ereilte uns diese Nacht. Andy Brehme ist im Alter von nur 63 Jahren gestorben, offenbar wegen akuten Herzversagens. Nichts hatte sich angekündigt, noch vor einem Monat fand er ergreifende Worte für Franz Beckenbauer, der sein Teamchef war, als Deutschland 1990 den Weltmeister-Titel errang. Brehme ist der erste deutsche Weltmeister, der von uns gegangen ist.
Und dieses Endspiel in Rom, ein ziemliches Gewürge gegen ein ultra-defensives Argentinien, wird immer mit dem Namen Andi Brehme verbunden bleiben. Als es nach einem, nunja, Foul an Rudi Völler Elfmeter gab, schritt er zur Tat, weil er sich im Gegensatz zu Kapitän Lothar Matthäus sicher fühlte. Und gegen den Strafstoßkiller Sergio Goygochea vewandelte er ganz sicher: hart, platziert ins linke untere Eck.
Doch Andy Brehme täte jeder bitter Unrecht, reduzierte er ihn auf diesen Elfmeter. Das ganze Turnier in Italien war das Seine, es war ja auch quasi ein Heimspiel für ihn, der gerade seine beste Fußballzeit bei Inter Mailand in der Serie A erlebte. Im Achtelfinale gegen Holland in „seinem“ Mailänder San-Siro, diesem fulminanten Spiel mit Rijkaards Spuckattacke gegen Rudi Völler und dem folgenden Doppel-Rot, war es sein grandioser Schlenzer etwa zehn Minuten vor Schluss ins lange Eck, der die Vorentscheidung brachte. Und im Halbfinale gingen die Deutschen durch seinen grotesk grotesk abgefälschten Freistoß gegen England in Führung, der sich per unhaltbarer Bogenlampe hinter Keeper Peter Shilton ins Tor senkte. Und es versteht sich, dass er im notwendigen Elfmeterschießen seinen Versuch sicher verwandelte.
Brehme war so etwas wie das Lieblingskind von Beckenbauer, von allen Abwehrspielern kam er mit seiner fantastischen Technik der Leichtigkeit des Kaisers am nächsten. Mir fällt auch nach längerem Überlegen kein (nicht nur) deutscher Spieler ein, der mit beiden Füßen gleichermaßen so begabt war.
Sein Herzensverein neben Barmbek Uhlenhorst war für den Hamburger Jung der 1. FC Kaiseslautern, wo er als Profi durchstartete. Unvergessen sind für mich die Bilder nach dem Abstieg der Roten Teufel 1996 (er war nach seiner Erfolgskarriere in München und Mailand in die Pfalzzurückgekehrt), als er nach dem entscheidenden Spiel gegen Bayer Leverkusen wie ein Schlosshund heulend in den Armen von Bayer-Stürmer Rudi Völler lag. Da zeigte einer in der Niederlage echte Trauer und einer im Erfolg keinerlei Triumphgeste, sondern echtes Mitgefühl. Echte Freude blieben Brehme und Völler – bis zuletzt.
Umso schöner für Brehme, dass er mit den Lauterern noch die bisher einmalige Erfolgsgeschichte schreiben durfte. Sofortiger Wiederaufstieg und dann als Aufsteiger die Meisterschaft. Er war da nicht mehr der Hauptakteur, aber immer mit all seiner Klasse ein wichtiger Helfer, wenn ihn Trainer Otto Rehagel brauchte.
Ruhe in Frieden, Andy Brehme. Schöne Worte fand Walter Zenga, der Torwart der so erfolgreichen Inter-Mannschaft. „Ciao amico mio, das hättest du mir nicht antun dürfen, das hättest du uns allen nicht antun dürfen“, schrieb er auf Instagram: „Du bist zu früh weggegangen, mein Freund, aber ich weiß, dass du uns von oben beschützen wirst. Und wie immer wirst du dort stehen und die Elfmeter schießen, einen mit dem Rechten und einen mit dem Linken…“
https://www.sport1.de/news/fussball/champions-league/2024/02/inter-trauert-um-brehme-emotionale-worte-von-zenga
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