Broncos und Seahawks greifen ein

Blick über den Teich, NFL

 

Nach der  Wildcard-Runde ist vor Divisional Round. Wie jedes Jahr lautet eine spannende Frage, wie die beiden topgesetzten Teams die freie Woche überstanden/genutzt haben. Einerseits der Verlust der Spielpraxis, anderseits das Pflegen von Verletzungen, der angeschlagenen Körper.
Anmerkung: Da ich auf die Wildcard-Spiele nicht eingegangen bin, werde ich die Partien bei den jetzigen Spielen ganz kurz Revue passieren lassen.

 

AFC

Denver Broncos (1) – Buffalo Bills (6)

 

Für viele das vorweggenommene Conference Finale: Die Bills konnten sich in einer wilden und bis zuletzt spannenden Partie bei den Jacksonville Jaguars durchsetzen. Ihr erster Play-off-Auswärtssieg seit 30 Jahren. Ein rugby-ähnliches Gedränge in die Endzone brachte kurz vor Schluss letztlich den entscheidenden Touchdown.
Die Broncos konnten sich ausruhen. Ihre Defense dürfte um einiges stärker sein als jene der Jaguars, dafür ist ihr Quarterback Bo Nix noch ein recht heuriger Hase, der im direkten Vergleich zum Bills-Spielmacher Josh Allen wohl den Kürzeren zieht.
Es ist etwas absurd: Die Bills sehe ich dieses Jahr (klar) schwächer als in den vergangenen Jahren, ihre Chancen, in den Super Bowl einzuziehen und diesen sogar zu gewinnen, sind dagegen so gut wie wohl noch nie seit den 90ern (Jim Kelly), weil die Super-Teams Kansas City Chiefs und Baltimore Ravens (zuletzt das Bills-Kryptonid) schon ausgeschieden sind.
Ich erwarte ein Spiel auf Augenhöhe, nicht allzu viele Punkte (bei meinem Tippglück wird es also ein Blowout mit 60+ Zählern).

🧠 Bills (auf der Mission)        🧠 Bills (mir letztlich letztlich egal)

 

(2) New England Patriots – (5) Houston Texans

 

Beide Teams mit zumindest ergebnismäßig klaren Siegen in den Wildcards: Die Patriots setzten sich 16:3 gegen die Los Angeles Chargers durch, die Texans behielten mit 30:6 bei den Pittsburgh Steeelers die Oberhand.
Aussagekraft für die morgige Partie (21:00): Null, nada, niente. Denn die Pats profitierten beim Erfolg gegen LA von einer praktisch nicht existenten Offensive Line der Chargers, die Texans trotz eigener Offensivschwächen von einer praktisch nicht existierenden Offensive der Steelers. Sowohl Pats als auch Texans brauchten dennoch einige Zeit, bis in insgesamt grausam anzuschauenden Partien ihr Sieg feststand.

Eines würde ich prophezeihen: SpielenTexans-Quarterback CJ Strout plus die Offensive noch einmal so verheerend (2 Interceptions, 3 Fumbles), dann werden die Patriots einen klaren Sieg einfangen. Deren Quarterback Drake Maye ist der kommende Star unter den jungen Spielmachern. Auch wenn er gegen die Chargers nicht überragte, er absolvierte sein Play-off-Debüt nahezu fehlerlos. Wenn auf der anderen Seite Strout die Lehren aus seiner Vorstellung in Pittsburgh zieht, dann stehen die Aktien für die Texans gar nicht schlecht. Weil auf die Verteidigung der Texaner, für mich zurzeit die beste der Liga, Verlass ist und sie Maye das Leben sehr schwer machen kann. Deswegen sehe ich tatsächlich hier große Chancen für einen (weiteren) Auswärtssieg).

🧠 Texans           ❤️ Texans (Defense wins Championships)

 

NFC

 

Drei Teams der Division West und die Chicago Bears sind hier übriggeblieben. Wers vorhersagen kann angesichts der Ausgeglichenheit, herzlichen Glückwunsch!

 

(1) Seattle Seahawks – (6) San Francisco 49ers

 

Die Niners setzten in Philadelphia das Ausrufezeichen der Wild Cards, als sie den Titelverteidiger Eagles eliminierten. Erstaunlicherweise war hierfür vor allem die Verteidigung verantwortlich, die das so gefürchtete Laufspiel der Eagles um Shaquon Barkley einigermaßen in Schach hielt. In der Offensive reichte eine durchschnittliche Leistung von Quarterback Brook Purdy und das überragende Angriffs-Taschenmesser Christian McCaffrey für den harterkämpften 23:19-Erfolg.

Vor zwei Wochen sind die Niners und Seahawks schon mal aufeinandergetroffen, in San Francisco, wo Seattle die Oberhand behielt. Aber damals entschieden Kleinigkeiten die Partie, und wenn nicht alles täuscht, werden es auch in der Nacht zu Sonntag Kleinigkeiten sein, die entscheiden.

Abzuwarten bleibt, wie sehr Quarterback Sam Darmold die Rückenverletzung behindert, wegen der er diese Woche im Training kürzertreten sollte. Die 49ers ihrerseits müssen auf jeden Fall auf ihre routinierte Offensivstation George Kittle verzichten, der sich gegen die Eagles einen Riss der Achillessehne zuzog.

Darmold gelang das einmalige Kunststück, in den vergangenen zwei Jahren mit 2 Teams (Minnesota Vikings, Seahawks) mehr als 10 Siege einzufahren, und das, obwohl er so oft wie kaum ein anderer den Ball in die gegnerischen Arme warf. Aber er hat mit Jaxon Smith-Njigba den alles überragenden Passempfänger der Liga in seinen Reihen, der in der Saison durchschnittlich Bälle für mehr als 100 Yards/Spiel fing. Das dürfte der Knackpunkt der Partie sein: Kann San Francisco auch das Angriffsspiel der Seahawks stoppen? Extramotivation ist natürlich, dass der Super Bowl in der Heimstätte der Niners ausgetragen wird.

🧠 Seahawks (der Heimvorteil wirds richten)      ❤️ Seahawks (mein Superbowl-Tipp) 

 

(2) Chicago Bears – (5) Los Angeles Rams

 

Beide Teams „überlebten“ die Wildcards mit Punkten in letzter Minute gegen die Green Bay packers (Bears) respektive die Panthers (Rams). Die Bears zeigten dabei erneut ihre Spezialität, dass sie vermeintlich nicht (mehr) zu gewinnende Partien doch noch drehen. Gegen die Packers etwa holten sie im 4. Viertel och einen 6:21-Rückstand auf.

Aufgeben ist also nicht, und diese Einstellung werden die Bears im heimischen Wrigley Field auch gegen die Rams unbdingt brauchen. Und eine gute Verteidigung, die den hochbegabten Angriff von LA mit Quarterback Matthew Stafford, Wide Reciever Puca Nacua und andere stoppt. Dann könnte auch dank der fanatischen Zuschauer was gehen, die schon so lange auf einen Erfolg warten.

Voraussetzung ist dabei, dass die Bears nicht wieder die Anfangsphase verschlafen, dass Quarterback Caleb Williams seine Fehlpässe minimiert. Dann sind auch die Rams trotz ihrer tollen Namen schlagbar, wie schon die deutlich schwächer eingestuften Carolina Panthers zeigten, die die Kalifornier an den Ran einer Niederlage brachten. Dennoch glaube ich auch hier an einen Auswärtssieg

🧠 Rams              ❤️ Bears (das hätte was im Wrigley Field)

 

Ansetzungen

 

Sa., 22:30: Broncos – Bills (AFC)
So., 02:00: Seahawks – 49ers (NFC)
So., 21:00: Patriots – Texans (AFC)
Mo., 00:30: Bears – Rams (NFC)

Wa so übrigbleibt

Si tacuisses

 

Die Österreicher spielen natürlich absoluten Anti-Handball. Das möchte auch eigentlich keiner sehen.

(Der Deutsche Andreas Wolff vorm EM-Auftakt am Donnerstag gegen Austria)

 

Keine Frage, Andi Wolff ist ein Weltklassetorwart, er gehört zu den Top 3 der Welt, an guten Tagen ist er schier unüberwindlich. Doch offenbar ist ihm in seiner Karriere der eine oder andere Ball zu viel an den Kopf gerauscht, oder wie soll ich diese Beleiding deuten?.

Hier spricht der Torwart einer Handball-Nation über einen absoluten Außenseiter. Eben nicht respektvoll, wie ich schon in manch Verteidigungsrede lesen konnte, sondern voller Verachtung, voller deutscher Arroganz (ein Piefke im schlimmsten Sinn und eben kein Nachfolger fürs DÖF). Welcher Handballer will sich schon als „absoluten Anti-Handballer“ bschimpfen lassen.

Damit hat Wolff vorm ersten EM-Spiel am Donnerstag gegen Österreich ein völlig unnötiges Fass aufgemacht. Gerade im Handball können durchgebrannte Sicherungen (etwa ein mit voller Absicht gegen den Kopf von Wolff gefeuerter Ball) schwere Verletzungen nach sich ziehen. Man kennt sich ja gut, ein Großteil der Ösis spielt in der deutschen Bundesliga. Der von Wolff besonders kritisierte Mykola Bylyk ist sogar dessen Kieler Teamkollege, da wird sich nach der EM die Vereinsführung freuen …

Es ist für mich auch nicht der übliche Trashtalk, eben weil Deutschland in allen Belangen überlegen ist. Zumal Wolff mit seinen Deutschen in einem gefährlich engen Glashaus sitzt. Der ganze EM-Kader ist nämlich eher auf Zerstörung und harte Verteidigung (basierend auf den überragenden Torhütern Wolff und Späth) ausgelegt. Bundestrainer Alfred Gislasson nahm lieber gute und harte Verteidiger als eher filigrane Angriffsspezialisten mit (Dahmke statt Freihöfer), was im Vorfeld für gehörigen Ärger sorgte. Mal sehen, wie sich Wolff äußerst, wenn die Deutschen in der Zwischenrunde gegen Top-Favorit Dänemark den österreichischn „Anti-Handball“ zeigen.

Zu hoch hängen möchte ich das Ganze allerdings auch nicht. Vielleicht gehört dieses Klappern wirklich zum unschönen Handwerk. Aber wers Maul derartig unflätig aufmacht wie Wolff, der darf sich über entsprechende Antworten nicht wundern.

 

Trainereffekt bei Real

 

Nur als Nachtrag des Rauswurfs von Xabi Alonso. Das stolze Real Madrid hat sich ruhmlos aus dem spanischen Pokal verabschiedet. Beim abstiegsgefährdeten Zweitligisten Albacete Balompie verloren die Königlichen durch ein Gegentor in letzter Minute mit 2:3 und zeigte eine insgesamt indiskutable Leistung. Nein, Schadenfreude lieggt mir völlig fern, ich bin nur der Chronist …

 

Und sonst?

 

  • Bundesliga: Hinrundenrekord des FC Bayern: Die Münchner gewannen nach 0:1-Rückstand noch mit 3.1 beim 1. FC Köln. Sie beendeten damit die Hinrunde mit 15 Siegen, 2 Remis und 0 Niederlagen (47 von 51 möglichen Punkten). Das unfassbare Torverhältnis lautet nun 66:14; das wären hochgerechnet 132 erzielte Treffer, der bisherige Bestwert, natürlich von den Bayern aufgestellt (1973), liegt bei 101 erzielten Toren.
    Ansonsten war der Mittwoch ein Fest für die Plastikclubs und somit ein Graus der Traditionalisten. Es siegten Leipzig (2:0 vs Freiburg), Hoffenheim (mit 5:1 gegen Gladbach) und Wolfsburg (2:1 vs St. Pauli). Bayer Leverkusen verpasste am Dienstag den Sieg, die Partie beim HSV fiel wegen Tauwetters aus.
  • Biathlon: Dramatische Frauenstaffel zum Auftakt der Rennen in Ruhpolding. Zum abschließenden Schießen kamen fast gleichzeitig gleich 5 Schlussläuferinnen. Die Italienerin Lisa Vitozzi veließ en Schießstand zwar als Erste, wurde aber noch von der Norwegerin Maren Kirkeeide auf der Zielgeraden noch überholt, auch dank eines rüden Manövers offenbar noch haarscharf innerhalb der Regeln. Dritte wurde Schweden vor Frankreich. Das deutsche Team mit Schlussläuferin Franziska Preuß hatte bis zum letzten Schießen noch alle Chancen, doch die Weltcupsiegerin 2025 musste gar in die Strafrunde und musste sich letztlich mit Platz 6 zufriedengeben.
  • Afrika-Cup: Marokko und der Senegal stehen im Finale in Rabat. Die Gastgeber gewannen im Elfmeterschießen gegen Nigeria durch, Senegal setzte sich 1:0 gegen Ägypten durch. Den entscheidenden Treffer erzielte ein alter, aber dort nicht guter Bayern-Bekannter. Sadio Mané (mittlerweile 33 und in Riad aktiv) war mit einem schönen 14-Meter-Flachschuss erfolgreich. Das Endspiel findet am Sonntag (20 Uhr) in Rabat statt.

 

Xabi Alonso – gescheitert am Ego-Präsidenten

Als hätte Reals Clubchef Florentino Perez nur drauf gewartet: Nach dem 2:3 im Supercupfinale gegen Erzrivale FC Barcelona gab Real Madrid die Trennung von Trainer Xabi Alonso bekannt. Angeblich erfolgte sie im gegenseitigen Einvernehmen, noch angeblicher war es sogar Alonso, der um Freistellung aus seinem Vertrag gebeten hatte.

Gerade sieben Monate dauerte die Ära Real-Alonso. Was gab es für Hoffnungen, als der Spanier im Sommer bei einem seiner drei Herzensvereine (neben FC Bayern und Liverpool) als Trainer anheuerte; bei dem er als Spieler 5 höchst erfolgreiche Jahre ( Meister, Champions-League-Sieger) gefeiert hatte. Bei Bayer Leverkusen hatte er schon sein Gesellenstück vollbracht (wenn ich eine deutsche Meisterschaft so abwertend bezeichnen darf), jetzt erfolgte der nächste Schritt zum ach so tollen Star-Ensemble der Königlichen (davon später mehr).

Es begann auch verheißungsvoll: 13 der ersten 14 Saison-Partien gewann Real, darunter ein beeindruckendes 2:1 in der Liga gegen Barca, das sogar noch höher hätte ausfallen können. (*) Und doch war vielleicht dieser Triumph schon der Anfang vom Ende. Alonso hatte es nämlich gewagt, Vini jr. vorzeitig vom Feld zu nehmen, nicht zufrieden mit dessen Defensiv-Verhalten. Vini zeterte und moserte und vergoss dann beim Vereinspräsidenten Perez heiße Tränen des Wehklagens.

Dazu muss man zweierlei wissen: Vini ist ein unfassbar begabter Fußballspieler, leider mit einem genauso unfassbaren Ego ausgestattet (warum solche Egomanen Mannschaftssportarten betreiben und nicht Tennis oder Golf spiuelen, ein unlösbares Geheimnis). Und leider bei aller Angriffskunst (es ist mitunter wirklich großartige KUNST) selten gewillt, auch Abwehrarbeit zu verrichten, die im modernen Fußball nach Auffassung fast aller Trainer aber elementar wichtig ist.
Zum anderen ist Perez, ein milliardenschwerer Bau-Unternehmen (nicht fragen, wie das geht und ging) nicht minder egozentrisch. Und Vini jr. ist sein erklärter Lieblingsspieler. Unvegessen ist, als er per ordre e mufti vor gut einem Jahr dem gesamten Team die Reise zur Ehrung des Ballon d’Or verweigerte, weil sein Lieblingsspieler Vini nicht mit dem 1. Platz, sondern dem 2. Rang ausgezeichnet wurde (wohl aber der damalige Trainer Carlo Ancelotti in einer anderen Kategorie und das Team selbst).

Alonso war also trotz des Clasico-Sieges angezählt (musst du auch erst mal hinbekommen), und als danach einige Spiele verloren gingen oder gegen Abstiegskandidaten schnöde unentschieden endeten, da sah es schon ganz schlecht aus für den Trainer: der angeblich die Kabine verloren hatte. Doch eine erneute Siegesserie und immer bessere Auftritte schienen Alonso zu retten, bis eben das Finale gegen Barca doch den Kopf kostete (sportlich martialisch ausgedrückt). In diesem Finale wehrte sich die Truppe übrigens nach Kräften, holte zweimal einen Rückstand auf (auch dank eines Zaubertreffers von Vini).

Jetzt stehen sie bereit, die Gscheidhaferl, die schon immer wussten, dass das mit dem jungen (sic) unerfahrenen (sic, sic) Alonso und Real nicht gut gehen konnten. In der „ZEIT“ stand was von „Zwischenschritt“, den der Spanier unbedingt hätte gehen müssen vor der ultimativen Aufgabe Real. Leider vergaß der Autor, uns Lesern mitzuteilen, welcher Club in diesem Sommer diese „Zwischenstation“ hätte sein können. Auch nach näherem Durchforsten in Europa fällt mir kein Team ein, das diesbezügliche Kriterien erfüllt, erst recht keines, das im Sommer auf Trainersuche war.

Es war schlicht die Ergebniskrise, der Feind jeden Trainers. Wobei ich anmerken will, dass ich das Real dieser Tage nicht für titelreif halte: eine überalterte und verletzungsanfällige Abwehr (Alaba, Rüdiger), ein nach dem Karriere-Ende der Ballvirtuosen  Kroos und Modric reichlich fantasieloses Mittelfeld, nur mit dem überforderten Jude Bellingham. Und vorne eben zwei Superstürmer (Vini, Mbappé, dazu Rodrygo) ohne Verteidigungswillen. Einen Vorwurf muss ich Alonso dann doch machen, dass er nicht auf die eine oder andere echte defensive und kreative Verstärkung gepocht hat. Wenn ich übrigens schreibe „nicht titelreif“ für die Champions League, schließt das nicht die eine oder andere wundersame „Remontada“ (Aufholjagd) im heimischen Bernabéu aus.

Jetzt soll es erst mal Alvaro Arbeloa richten, bisher der Cheftrainer der 2. Mannschaft Castilla. Arbeloa hat zusammen mit Alonso gespielt, beim FC Liverpool waren sie die Mittelfeldstrategen. Er hat bisher (außer Castilla) null Trainererfahrung. Vielleicht genügt es schon, vor Vini und Mbappé zu kuschen. Gewinnt Real halt ohne Stürmer-Abwehr.

Und Alonso? „Gescheitert“ habe ich getitelt, „chancenlos zerschellt“ wäre vielleicht treffender gewesen. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass wir ihn bald auf der Trainerbank eines renommierten Clubs sehen werden. Denn er hat Fußball-Verstand und -Verständnis wie nur ganz wenige.

 

* zu Flick: So ist das im Fußball (im Sport überhaupt): Nach dem 1:2 im Oktober gegen Real forderten viele seinen Rauswurf, weil er völlig überfordert sei. Jetzt gilt er als unbezwingbarer Finaltrainer.

Das wird die Woche, die wird

Sport satt, nämlich Fußball, Handball-EM und Wintersport

 

Bundesligisten im Doppeleinsatz

 

Der kurze Zeit sehr strenge Winter ist offenbar wieder dabei, der Englischen Woche in der Fußball-Bundesliga steht nichts mehr entgegen – außer Tauwetter, siehe Hamburg. Der 17. Spieltag m Dienstag/Mittwoch – nicht zu vergessen das Topspiel zwischen Augsburg und Union am Donnerstag, komplettiert die Hinrunde, die Rückrunde startet am Wochenende. Partien, die es sich vielleicht lohnt zu gucken, sind während der Woche Stuttgart vs Frankfurt (Di., 18:30), eine Art Best of the Rest neben den Großen, HSV – Leverkusen (Di., 20:30, abgesagt wg. Tauwetters) und Köln vs Bayern (Mi., 20:30). Letztere Partie nur unter dem Gesichtspunkt, ob Rib und Rob (Ribéry und Robben) mit Oliseh und Diaz tatsächllich Zauber-Nachfolger gefunden haben und wie hoch letztlich tatsächlich die Hinrunden-Rekordtormarke (zurzeit 63) der Bundesliga-Geschichte gesetzt wird.
Am Samstag zum Topsiel des Tages müssen die Münchner dann nach Leißzig (Sa., 18:30). Mit dabei ist dann wieder aif Leipziger Seite der ivorische Star Yan Diamonde, nachdem die Elfenbeinküste im Viertelfinale des Afrika-Cups gescheitert ist.

Am Wochenende startet dann auch die 2. Bundesliga, und die Jagd auf Schalke beginnt. Der Tabellenführer handelte sich zum Jahresabschluss eine Pleite bei Eintracht Braunschweig ein, der Vorsprung auf Platz 3 (Darmstadt) beträgt immer noch 4 Punkte. Fast standesgemäß geht es für die Knappen mit einem echten Schlager los, denn sie sind am Samstagabend (20:30) im Berliner Olympiastadion bei Hertha BSC zu Gast.

 

Mit Knallhart-Handball zur Medaille?

 

Die Männer-EM beginnt am Mittwoch, und das Ziel des deutschen Teams lautet Edelmetall, vielleicht sogar Gold. Doch die Auslosung hat einen sehr harten Weg beschert. Weniger in der Vorrunde, wenn Österreich, Spanien und Serbien die Gegner sind, das klingt schon knackig genug. Aber wenn die Truppe  ersten Zwei erreicht, trifft sie in der Hauptrunde höchstwahrscheinlich auf Dänemark und Frankreich, dazu vielleicht Aufstreber wie Portugal und  Norwegen.
Richten soll es eine Knallhart-Abwehr und vor allem die Torhüter Andi Wolff (Europameister vor 10 Jahren) und David Späth, die weltweit zu den besten ihres Fachs zählen.
Los geht es am Donnerstag (20:30) gegen Österreich (mit vielen Bundesliga-Akteuren), es folgen die Partien gegen Serbien (Sa., 20:30) und Spanien nächsten Montag.

Klarer Titelfavorit ist Dänemark, der souveräne Olympiasieger von 2024 (auch dank einer Finalgala gegen Deutschland). Frankreich hat vielleicht einen besseren Ruf als Team, das vermag ich nicht einzuschätzen.

 

Winter-Klassiker, wohin man schaut

 

Männer-Abfahrt am samstag in Wengen, klassischer gehts nicht . das 4,2-Kilometer-Rennen mit Hundsschopf, Minschg-Kante, Österreicher-Loch und Schluss-S vor malerischer Postkarten-Kulisse (leider nicht für Dänen mehr) mit den Bergriesen Eiger, Mönch und Jungfrau. Bei Sonnenschein gibt es nicht Schöneres für die Augen im Ski-Winter. Tags zuvor steht ein Super-G an gleicher Stelle an (stark verkürrzte Strecke), am Sonntag der Spezialslalom.
In den Speedrennen geht der Sieg jeweils nur über marco Odermatt, schon ein Wengen-Spezialist, im Slalom gibt es ein gutes Dutzend Sieganwärter.

Die Frauen lassen diesmal Cortina aus, weil dort in einem Monat die Olympia-Wettbewerbe stattfinden. Stattdessen geht es nach Tarvisio, wo Abfahrt und Super-G angesetzt sind. Chance für Lindsey Vonn, an ihrem Legendenstatus zu basteln, Chance aber auch für Emma Aicher, mit einem Platz ganz vorne Selbstvertrauen für die olympischen Tage zu tanken.

Die Biathleten machen bei der zweiten deutschen Traditionsstrecke Station. Nach Oberhof stehen die Rennen in Ruhpolding an mit Staffeln, Sprint und Verfolger. Norweger und Französinnen sind das Maß aller Dinge, SchwedInnen, etwa die Öberg-Schwestern und Samuelson haben auch schon aufgezeigt.

Dem deutschen Team fehlt noch ein Sieg in diesem Winter: Kommt es zu Durchbruch für Weltcup-Titelverteidigerin Franzi Preuß oder gar ein Debüt ganz oben auf dem Stockerl für Philipp Nawrath?

 

Berlin Game der NBA

 

Am Donnerstag ist es so weit. In der Halle am Ostbahnhof gibt es das erste reguläre Match der NBA in Deutschland, wenn die Orlando Magic auf die Memphis Grizzlies treffen. Die Magic sind das „deutsche“ Team der US-Basketball-Liga mit den Nationalspielern Franz und Moritz Wagner sowie Tristan da Silva. Ob Franz nach seine Knöchwelverletzung rechtzeitig fit wird, bleibt abzuwarten, er macht zwar den Trip mit, doch die Teamführung machte deutlich, dass er auf keinen Fall verheiuzt werden soll, dafür haben die Magic mit ihrem besten Mann noch zu viel vor in dieser Saison. Moritz jedenfalls gab am Sonntag sein Debüt nach mehr als einjähriger Pause wegen Krezbandriss, noch etwas rostig, aber voller Einsatz. Bei da Silva schwankt im zweiten NBA-Jahr die Form, gute und schwache Partien wechseln sich unregelmäßig ab, genauso die Frage, ob sein Dreier fällt oder nicht.
Auch die Grizzlies haben Deutschland-Bezug. Der finnische Trainer Tommy Iisalo coachte lange in der BBL und führte 2023 die Telekom Baskets Bonn in die Finalserie, in der allerdings sich Ulm als besser erwies. Seit Mai ist der Chefcoach bei Memphis und hat sich mit seinem kompromisslosen Verhalten gegen Starspieler Ja Morant zwar nicht dessen Frendschaft, wohl aber Respekt in der Liga verschafft. Amit Orlando und Memphis nicht nurfür ein Spiel nach Europa fliegen, kommt es am Samstag in London zu einer weiteren Partie zwischen diesen beiden Kontrahenten.

 

Und sonst?

 

  • Internationale Ligen, England: Im Blickpunkt steht das Mancester-Stadtderby zwischen City und United (Sa., 13:30). United nach vergleichsweise ansprechendem Start in der Krise. Teammanager Roben Amorim wurde schon gefeuert, aber auch mit neuen Coach flog man im FA-Cup schon in der 1. Runde raus (mit der Folfge, das in dieser Saison nur noch Ligaspiele anstehen). City hat mit 3 zum teil überflüssigen Remis den Abstand zu Arsenal nicht verkürzen können, er beträgt immer noch 6 Punkte. Die Abhängigkeit von den Toren Erling Haalands ist frappierend.
    Spanien: Real trifft auf Levante (Sa., 14:00): Das wäre nicht weiter erwähnenswert, aber die Madrilenen haben nach der Niederlage im Supercup-Endspiel in Dschidda Trainer Xabi Alonso nach einem knappen halben Jahr schon gefeuert (angeboten hätte sich: in der Wüste gelassen …). Jetzt soll es der Coach der 2. Mannschaft, Arbeloa, richten. Wie Alonso war auch Arbeloa ein großartiger Mittelfeldspieler, die beiden haben sogar bei Liverpool gemeinsam gespielt.
  • Basketball: Stimmungsvoll wird es am Donnerstag im SAP Garden, wenn der FC Bayern das griechische Team Panathinaikos Athen empfängt, dessen fans mit Sicherheit für viel Radau sorgen. Die Münchner haben nur noch theoretische Chancen auf die K.-o.-Runde, Panathinaikos kämpf als 7. sogar um einen Top-6-Rang und die direkte Qualifikation fürs Viertelfinale.
  • Tennis: Die Australian Open werfen ihre Schatten voraus. Im Form des Qualifiationsturniers. Drei Runden gilt es zu überstehen, dann haben die Profis die 1. Runde erreicht, und allein das dortige Preisgeld sichet einen Großteil des (Reise)-Budgets fürs Jahr.
    Der junge Deutsche Justin Engel ist schon in der 1. Runde gescheitert. Yannick Hanfmann hatte Glück: Da der Finne Emil Ruusovuori die Teilnahme absagte, rückte er ohne Quali-Müh(l)e ins Hauptfeld nach.
  • Snooker: Das Masters in London ist nach der WM vielleicht das wichtigste Turnier im Jahr und gehört zur „Triple Crown“. Die komplette Weltelite ist folgerichtig am Start. Gespielt wird im Ally Pally, allerdings ist es sehr, sehr, sehr viel ruhiger als vor zwei Wochen bei der Darts-WM an gleicher Stelle.
  • US Sport: In der NFL stehen am Wochenende 4 Partien der Divisional Round auf dem Programm. Mehr dazu in einem gesonderten Text.

 

 

Und da war noch

Leistungssport ist mittlerweile in vielen Bereichen eine todernste Angelegenheit, durchgetaktet und -organisiert bis ins Letzte. Doch manchmal gibt es Geschichten und Geschichtchen, die das Herz erfreuen.

Anmerkung: Ich will die Hauptdarstellerin wirklich auf keinen Fall lächerlich machen.

 

Jeder Tennisspieler, jede Akteurin des Weißen Sports hat diesen Traum: Einmal bei den Profis mitwirken, zeigen, dass man kaum schlechter ist als die Wirkllichkeit. Vor der Umsetzung dieser Träume schützt (in beide Richtungen, wie ich behaupten möchte), die Weltrangliste und daraus folgende Qualifikationskriterien. In der Theorie, wie sich zeigen sollte.

Ein Frauen-Turnier Irgendwo in Afrika (das musste jetzt sein), genauer Nairobi/Kenia. Sehr untere Kategorie, sogenanntes W35 (es gibt sogar noch W15). Eine Teilnehmerin sagt ab, das geschieht. Auf der Suche nach Ersatz stoßen die Organisatoren auf Hajar Abdelkader, der sie eine Wild Card geben. Sie hatten sie gefragt, ob sie Tennis spielen könne, und die Ägypterin sagte „Ja“ und behauptete gar, ausreichende Wettkampferfahrung mitzubringen. Das genügte. (Ich erinnere mich sofort an den Witz, den mein Vater oft erzählte: „Können Sie Klavier spielen?“ – „Keine Ahnung, ich habe es noch nie probiert.“)

Nun denn, Frau Abdelkader durfte tatsächlich auf den Platz, in einem regulären Profiturnier mit Schiedsrichter und allem Drum und Dran. Und schnell beschlich die Zuschauer das Gefühl, das der Begriff „Tennis spielen können“ offenbar ein sehr dehnbarer ist. Uncharmanter gesagt: Die gute Hajar (ich darf doch Hajar sagen) hatte kaum Ahnung, wie man den Schläger hält, geschweige denn, was damit anzufangen ist. Was zugegebenermaßen auch nicht das Einfachste ist, sogar die Topstars üben stundenlang pro Tag.
Auf der anderen Seite des Feldes stand Lorena Schoedel, die deutsche Nummer 1026 in der Welt, eine 25-jährige Lehramtstudentin, wie das „Tennis Magazin“ ermittelte. Die das Ganze  offenbar recht ernst nahm. Anfangs, weil sie vielleicht keine Ahnung hatte, was da eigentlich los war, danach, um sich gegen eine Anfängerin nicht unsterblich zu blamieren.
Das Ergebnis überrascht dann nicht: 6:0, 6:0, für Schoedel versteht sich* … Ganze drei Punkte (von 51) ergatterte die überforderte Ägypterin. Zwei resultierten aus Doppelfehlern von Schoedel (die 1026 der Welt), einer aus einem leichten Fehler der Deutschen. Auf der anderen Seite fabrizierte Mrs. Hajar 20 Doppelfehler – bei insgesamt 6 Aufschlagspielen und dabei überhaupt nur 24 ausgespielten (naja) Punkten ist das eine stolze Leistung.
Immerhin 37 Minuten dauerte das Ganze: aber nur aufgrund der Tatsache, dass es keine Ballkinder gab und sich die Spielerinnen die kreuz und quer durch die Landschaft (Irgendwo nach Afrika, schenkelklopf) geschossenen Bälle erst wieder zusammenklauben mussten.
Weil heutzutage sehr wenig geheim bleibt auf dieser Welt, gibt es von der Glanzleistung auch ein Video.

https://www.youtube.com/watch?v=QsDPcwwKcZQ

Schon der kurze Schnipsel zeigt (offenbar gibt es auch die volle Version der Partie), dass mehr als bloße Aufregung die 20 Doppelfehler von Hajar Abdelkader verursachten. Eher stellt sich die Frage, wie sie überhaupt 4 Bälle regulär ins Feld gebracht hat, davon Chronisten zufolge sogar einen ersten Aufschlag. Abdelkanar schien auch die Regeln nicht zu kennen und musste von ihrer Spielpartnerin („Gegnerin“ erscheint mir hier ein sehr hartes Wort) angeleitet werden, wie die Regeln sind: wer zum Beispiel wann von wo aufschlagen muss. Ob die Ägypterin wenigstens die Zählweise (15, 30, 40) beherrschte, ist leider nicht übermittelt.

Das Netz der Netze schäumte: „Schlechtestes Profidebüt aller Zeiten“, war noch das Harmloseste, was es  zu lesen gab. Tennis Kenya sah sich genötigt, eine Entschuldigung auszusprechen. „Im Nachhinein hätte diese Wildcard nicht vergeben werden dürfen. Es wird nie wieder geschehen.“ Ob ich das bedauern solloder erfreut zur Kenntnis nehme, überlasse ich der Fantasie meiner Leserinnen und Leser.

 

* Wer jetzt noch nägelkauend auf den weiteren Turnier-Verlauf von Schoedel wartet: Sie verlor in der 2. Runde gegen Yufei Ren, und die ist immerhin schon Nr. 486 der Welt.