Hoffnungsschimmer in Blau gegen den Trumpismus

Blick über den Teich

 

Beim ersten kleinen Stimmungstest nach Trumps Wiederwahl zum Präsidenten vor genau einem Jahr zeigten die „blauen“ Demokraten, dass sie tatsächlich noch Wahlen für sich entscheiden können. Am aufsehen-erregendsten war natürlich, dass der extrem links eingeschätzte Zohran Mamdani neuer Bürgermeister von New York wird. Er holte am Dienstagabend 51 Prozent der Stimmen und setzte sich eindeutig gegen Andrew Cuomo durch (40). Der frühere Gouverneur von New York hatte zwar die demokratischen Vorwahlen klar gegen Mamdani verloren, trat aber als Unabhängiger an. Mit dem Beifall und der Unterstützung von Trump, der explizit zur Wahl Cuomos aufrief, obwohl es mit Curtis Sliwa auch einen (allerdings von vorherein chancenlosen) Kandidaten der Republikaner gab.
Die Wahlbeteiligung in NY war so hoch wie seit 1969 nicht mehr, gerade die Jungen stürmten die Wahlkabinen und verhalfen Mamdani zum historischen Erfolg. Dieser verspricht ein neues, auch vor Normalos bezahlbares New York, unter anderem mit Mietpreisbremsen und kostenlosen Kita-Bremsen. Ob dieser frische Wind ausreicht im poltischen Tagesgeschäft und wenn es zur Finanzierung der hehren Projekte kommt (etwa mit eine Extra-Steuer für Einkommens-Millionäre), bleibt abzuwarten.
Der 34-Jährige ist der erste muslimische Bürgermeister, fand aber auch in der großen jüdischen Gemeinde New Yorks offenbar eine Mehrheit, wobei die Juden sehr gespalten sind über Mamdani und Ansichten. Offenbar allerdings ist Cuomos Plan nicht aufgegangen, Mamdani als radikalen Antisemiten hinzustellen.

Schon bevor Mahdamis Triumph feststand, hatten zwei demokratische Kandidatinnen die Gouverneurswahlen in New Jersey und Virginia gewonnen. In Virginia gewann die Demokratin Abigail Spanberger. Ihre Parteikollegin Mikie Sherrill setzte sich in New Jersey durch, beide gehören eher zur gemäßigten Gruppe. Spanberger ist die erste Frau, die künftig an der Spitze des Bundesstaates Virginia stehen wird. Um es sportlich zu formulieren, wie es CNN in der Nacht tat: „Sweep der Demokraten beim ersten Stimmungstest.“ Als Sweep bezeichnet man im Sport, wenn ein Team in einer Play-off-Serie (Best of 5 oder 7) alle Spiele gewinnt.

Natürlich sollte niemand Wahlen in New York auf die ganzen Vereinigten Staaten übertragen. Trotzdem könnte, ja müsste Mahdanis Triumph ein Aufwecker der nach Trumps Wahl paralysierten Demokraten sein. Weil nicht nur New York, sondern die gesamten USA die verheerende Politik Trumps auch am eigenen Geldbeutel spürt. Ob das dann reicht für die Midterms in einem Jahr, wenn der Kongress neu gewählt wird und die republikanischen Mehrheiten sich im Senat und/oder Repräsentantenhaus zu Gunsten der Demokraten ändern könnten, bleibt abzuwarten. Wenn es denn überhauptzu einigemaßen korrekte Midterms kommt und Terrorist Trump nicht irgendwelche Ausnahmezustände erfindet, damit diese  eben nicht stattfinden.

Trump zeigt sich offiziell gelassen: „Ich stand nicht zur Wahl, und schuld ist nur der Shutdown“, ließ er verlauten.

Das war die Woche, die war

Fußball und Tennis, heißt es hier. Baseball (Dodgers vs Blue Jays) in epischer Länge in gesondeten Texten. zuletzt

https://blickueberdenteich.de/ein-venezolaner-rettet-die-baseball-ehre-der-usa/

Münchner machen die Liga lächerlich

 

Bayern vs Bayer – das war in den vergangenen 2 Spielzeiten das Nonplusultra zwischen 2 Teams auf Augenhöhe. Vorbei, dass wussten alle schon vor dem Anpfiff, weil Münchens Trainer Vincent Kompany völlig freiwillig auf das 250-Millionen-Trio Kane-Olise-Diaz verzichtete. Der gestreckte Mittelfinger in Richtung Bundeslgia, wie langweilig das alles ist. Noch erschütternder war dann allerdings der Auftritt der Leverkusener, gegen die jeder Angsthase ein Hasardeur. Ergeben warteten die Werks-Kicker in de eigenen Hälfte auf die Schlachtung, heißt Gegentore, die dan auch fast zwangsläufig durch Gnabry (nach brillantem Zuspiel von Bischof), Jackson (mit dem SZ-gezählten 5. Ballkontakt) und ein Eigentor fielen. Nada, niente, nix: So trostlos ist wohl noch nie eine Rekordserie zu Ende gegeben, nämlich die von insgesamt 36 (!) Partien ohne Auswärts-Niederlage. Niederschmetternd dann auch de Auftritt von Fernando Carro tags darauf, der ein zunächst ausgeglichenes Spiel gesehen haben wollte tatsächlich auch noch (immerhin zutreffend) darauf hinwies, das RB Leipzig doch 0:6 in München vdeloren habe, man also besser sei als die Sachsen. Beschämend in jeder Hinsicht.
Der Gipfel der Demütigung dann in der sonst ereignislosen 2. Halbzeit: Auf einen Schlag brachte Kompany seine 250-Millionen-Spieler: Er brauchte sie nicht, aber er konnte es halt.
Gefühlt sind die Münchner damit schon Meister, obwohl es „nur“ 5 Punkte Vorsprung sind (plus das Fantastillliarden-Torverhältnis) auf, tatsächlich!, Leipzig, das leicht und locker mit 3:1 gegen den VfB Stuttgart gewann. Insgesamt war es ein grauer (grausamer!) Bundesliga-Spieltag mit viel Mittelmaß, was für den November und Dezember Arges verheißt.

 

Sinner wieder die Nummer 1

 

Nach dem Turniersieg von Wien war der Italiener auch beim Masters in Paris (fast) ungefährdet. Mit dem Erfolg im Finale gegen den starken Kanadier Felix Auger-Alliasime verbuchte er den 5. Titel der Saison (trotz der dreimonatigen Doping-Zwangspause zwischen Februar und Mai) und Nummer 23 insgesamt. Damit eroberte er auch die Spitze der Weltrangliste zurück, weil der völlig indisponierte Carlos Alcáraz sein Auftaktmatch gegen Cameron Norrie verlor. Allerdings ist dieser Status bis zum Jahresende gefährdet, weil Alcáraz vor dem ATP Finale kaum Punkte zu verteidgen hat im Gegensatz zu Titelverteidiger Sinner.
Alexander Zverev hatte im Halbfinale beim 0:6, 1:6 nicht den Hauch einer Chance, war allerdings gehandicapt. Mut machen dürfte dem Hamburger sein Viertelfinal-Erfolg gegen „Angstgegner“ Daniil Medwedew nach Abwehr von 3 Matchbällen. Gegen den Russen hatte er zuvor fünfmal in Serie verloren.

Einen schönen Erfolg feierte die 17-jährige Lilli Tagger aus Österreich. Die erst 17-Jährige erreichte in Jiujiang erstmals ein Finale der WTA-Tour, das sie allerdings gegen die Russin Anna Blinkowa verlor. Immerhin verbuchte sie Siege gegen die höher eingeschätte Victoria Golubic (Schweiz) und die Deutsche Tamara Korpatsch. Es scheint nur eine Frage der Zeit, wann die junge Frau (Respektgröße 1,85) mit der so wunderschönen einhändigen Rückhand zum echten Faktor in der Profitour wird. Ihre Trainerin Francesca Schiavone wird den richtigen Weg schon weisen.

 

Und sonst?

 

  • England: Souverän bleibt der FC Arsenal Tabellenführer  nach dem 2:0 beim FC Burnley: Kein einziger Schuss kam aufs Tor der Londoner. Apropos London: Das Stadtderby zwischen Tottenham und Chelsea entschied der Clubweltmeister (Chelsea) für sich und ist nun mit Repektabstand auf Arsenal (7 Zähler) punktgleich mit den Spurs.De FC Livepool beendete mit dem 2:0 vs Aston Villa die Rekord-Pleitenserie von 5 Partien in Folge.
    3. Liga: 1860 kann Tabellenführer: Vor 2 Wochen besiegten die Löwen den MSV Duisburg, jetzt folgte ein 3:0 gegen Energie Cottbus. Über das leider kaum eine sprach, weil ein Volltrottel in der 2. Halbzeit glaubte, den Gästespieler mit Affenlauten und rassistischen Brüllereinen zu bedenken. Trost für mich: Die Kurve reagierte, identifizierte den Täter, der abgeführt wurde und brüllte ihrerseits: „Nazis raus!“ Sportlich wäre es jetzt halt hübsch, wenn Sechzig auch gegen Nicht-Spitzenreiter bestehen könntgen, wie wäre es nächsten Sonntag bei Jan Regensburg?
  • Handball: Die deutschen Männer trugen 2 Länderspiele gegen Island aus, die schon als Tests für die EM im Januar firmieren. Es gab in Nürnberg ein 42:31 und in München ein 29:31. Ich selbst halbe nix gesehen, aber: Nach der überzeugenden Leistung am Donnerstag mit einem überragenden Juri Knoll schlichen sich am Sonntag viele Fehler ein und einem eher schwächelnden Juri Knoll. Trainer Alfred Gslasson scheint alledings insgesamt noch viel Arbeit zu haben, allerdings sieht er seine Spiele erst Mitte Dezember wieder.
  • Basketball: Die bayern haben in der Euroleague 2 Heimsiege gelandet. Nach dem Erfolg gegen Real Madrid
    https://blickueberdenteich.de/ganz-kurzzeitig-ein-vip-beim-basketball/
    folgte gegen Virtus Bologna ein letztlich überzeugendes 86:70. NBA-Neuzugang Spencer Dinwiddie gab dabei sein Debüt und schaffte immerhin 6 Punkte und 3 Assists.
  • Leichtathletik: Ein ganz Großer des Marathons hat sein letztes Rennen bestritten. Eliud Kipchoge lief die 42,195 Kilometer (ohne um den Sieg mitzurennen) und hat damit alle großen Stadt-Marathons absolviert. Der 40-Jährige hielt mit seinen 2:01,09 lange den Weltrekord und war in einem allerdings inoffiziellen (Labor-Rennen in Wien (mehrere, sich abwechselnde und zwischedurch pausierende Tempomacher) als bis dato einziger Mensch unter der 2-Stunden-Marke geblieben.
    Den Sieg in New York sicherte sich Benson Kipruto. Bemerkenswert der Frauen-Streckenrekord bei widrigen Verhältnissen: Die Kenianerin Helen Obiri blieb in 2:19,51 Sekunden fast 3 Minuten unter der bisherigen Bestmarke.

 

 

 

 

Das wird die Woche, die wird

Champions League, Tennis-Saisonfinali bei Frauen und Männern und die Formel 1 nähert sich dem Saisonende

 

Bayern-Run – wird er von PSG gestoppt?

 

15 Saisonspiele, 15 Siege – so lautet die makellose Bilanz der Münchner in Bundesliga (9), Champions League (3), DFB-Pokal (2) und Supercup gegen den VfB Stuttgart. Jetzt wartet die nominell schwierigste Aufgabe, die Partie in der Königsklasse beim Titelverteidiger Paris Saint Germain (Di., 21:00). Die Franzosen sind allerdings recht mühevoll in die Spielzeit gestartet, brauchten etwa am Samstag gegen OGC Nizza ein Tor in der 4. Minute der Nachspielzeit für den 1:0-Erfolg. Letztlich ist es allerdings fast egal, wie es ausgeht, denn diese Saison dürfte dem FCB der direkte Sprung ins Achtelfinale gelingen (wie auch PSG). Gut für die Psyche wäre ein Erfolg in Paris natürlich trotzdem. Auch für Borussia Dortmund sieht es diesbezüglich gut aus, dementsprechen gelassen können sie nach Manchester zu City fahren (Mi., 21:00), wo ihr Ex-Stürmer Erling Haaland zurzeit alles kurz und klein schießt.

Dringend Punkte benötigen dagegen die anderen beiden deutschen Vertreter: Eintracht Frankfurt hat dabei beim italienischen Meister SSC Neapel eine extrem schwierige, ja fast unlösbare Aufgabe angesichts der derzeitigen verfassung der Hessen (Di., 18:45). Bayer Leverkusen hilft bei Benfica Lissabon nur ein voller Erfolg wirklich weiter (Mi., 21:00).

 

In der Europa League muss der SC Freiburg nach Nizza (Do., 18:45), während der VfB Stuttgart Feyenoord Rotterdam erwartet. Ein atttraktives Spiel wartet auf Sturm Graz, das Nottingham Forest empfängt.

 

Sinner oder Alcaraz – wer beschließt 2025 als Nummer 1

 

Die ATP Finals der Männer gehen in Turin ab Sonntag über die Bühne. Neben den Titel geht es auch um die Frage, wer 2025 der beste Spieler der Welt war und als Nummer 1 das nächste Jahr angeht. Zurzeit ist Sinner zwar Weltranglisten-Führender, allerdings hat er aus dem vergangenen jahr viel mehr Punkte zu verteidigen als der Spanier. Heißt (ohne das Ganze bis ins Letzte ausgerechnet zu haben). Sinner muss seinen Titel unbedingt verteidigen und zudem darauf hoffen, dass Alcáraz nicht ins Halbfinale kommt.

Noch steht das Feld für Turin nicht fest: Um den achten und letzten Platz kämpfen im Fernduell Felix Auger-Alliasime (diese Woche in Metz) und Lorenzo Musetti (Athen). FAA hat dabei 160 Punkte Vorsprung, das bedeutet, Musetti muss das Turnie gewinnen und auf ein frühes aus des zurzeit in glänzender Form spielenden Kanadiers hoffen.

 

Die Frauen haben ihr Endturnier in Riad schon begonnen und den ersten Gruppenspieltag (2 à 4 Spielerinnen) absolviert. Gleich vier US-Ameikanerinnen sind dabei, von denen allerdings nur Jessica Pegula (vs Landsfrau Coco Gauff) zum Auftakt siegte. Die gerade noch ins Feld gerutschte Lena Rybakina überraschte mit einem Erfolg gegen Amanda Anisimova, schadlos hielten sich die Turnier-Favoritinnen Aryna Samablenka (vs Jasmine Paolini) und Iga Siatek (vs eine angeschlagene Madison Keys).

 

McLaren-Duell spitzt sich zu – mit der Würze Verstappen

 

Hochspannung in der Formel 1 (naja, wens interessiert) vor dem Grand Prix von Brasilien am Wochenende in Rio. Vor dem viertletzten Rennen fürt Lando Norris mit gerade einem Punkt Vorsprung auf TeamgefährteRivale Oscar Piastri, der gerade ziemlich nach der Sommer-Form sucht. Teamorder ist da ausgeschlossen, was wiederum dem lauernden Titelverteidiger Max Verstappen zu Gute kommen könnte, der nur noch 36 Punkte Rückstand auf Norris hat. Auf dem Programm stehen der Sprint am Samstag (8 Punkte für den Sieger) und das Hauptrennen am Sonntag (wie üblich 25).

 

Und sonst?

 

  • Bundesliga: Das Meisterschafts-Rennen scheint für Bayern schon entschieden, also gilt die Konzentration dem Abstiegskampf: Dort steht für Borussia Mönchengladbach nach dem Sieg bei St. Pauli das enorm wichtige Heimspiel gegen den 1. FC Köln an (Sa., 18:30). Eine Niederlage gegen rheinischen Erzrivalen wäre in jeglicher Hinsicht ein Desaster.
    Ansonsten eher ein Spieltag Grau in Grau, immerhin garniert mit weiteren regionalen Duellen am Sonntag (VfB – Augsburg/17:30 und Frankfurt – Mainz/19:30).
  • England: Match des Spieltags ist das Spiel ManCity vs FC Liverpool. Die Reds habenam Samstag endlich mal wieder in der Premier League gewonnen (2:0 vs Aston Villa), doch bei den Cityzens wird sich zeigen, ob das Team die Kurve gekriegt hat. Der absurd abwehrstarke FC Arsenal (erst 3 Gegentreffer, kaum zugelassene Torschüsse) hat bei Aufsteiger FC Sunderland (mit Ex-Spieler Granit Xhaka) eine durchaus knifflige Aufgabe.
  • Handball: Nach den zwei Island-Länderspielen (Sieg und Niederlage fürs deutsche Team) geht es wieder in der Bundesliga rund. Vieles läuft nach einem knappen Saisondrittel auf einen Titel-Dreikampf zwischen der SG Flensburg-Handewitt (18 Punkte/10 Spiele), SC Magdeburg (17/9) und THW Kiel (16/10) hinaus. Dieses Trio hat mit HSV Hamburg, den Rhein-Neckar Löwen und Bergischer HC durchweg lösbare Heimspiel vor sich. Überraschungsteam bisher ist der TBV Lemgo auf Rang 4, der seinen Vorgänger in dieser Hinsicht aus der vergangenen Spielzeit, Hannover-Burgdorf, empfängt.
    Zuvor gibt es am Mittwoch, Donnerstag noch die 2. Pokalrunde.
  • Basketball: Unfassbar, aber es gibt diese Woche nur einen Euroleague-Spieltag. Die Bayern müssen zu Paris Basketball (Do., 21:00), die wie die Münchner eine 4:4-Siegesbilanz haben.
  • Motorsport: Die Rallye-WM setzt sich in Japan fort. Das Top-Trio Elfyn Evans (247), Sebastien Ogier und Kalle Rovenperä (je 234) trennt nur 13 Punkte. We die Gesamt-Rallye über die 3 Tage gewinnt, erhält 25 Zähler (Zweiter: 18, Dritter: 15), dazu gibt es eine gesonderte Punkte für die letzte Wertungsprüfung und die sogenannte Power Stage (jeweils (5-4-3-2-1). Wenn ichs richtig abgeschrieben habe …

Ein Venezolaner rettet die Baseball-Ehre der USA *

Blick über den Teich, World Series

* ich weiß natürlich, dass diese Überschrift eine schamlose Übertreibung ist. Die ich aber angesichts der kriegs(ähnlichen)-Handlungen von Trump gegen Venezuela passend und witzig finde; sie ist im übrigen auch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Ihr werdets lesen und verstehen, hoffe ich.

 

Toronto Blue Jays – LOS ANGELES DODGERS 4:5/11 Inn. (3:4)

 

Der Countdown in Toronto hatte begonnen, und er war bei 2 angelangt. 2 Outs fehlten im 9. Inning also nur noch, und die heimischen Blue Jays würden die 4:3-Führung verteidigen. Damit diese unglaubliche 7. Partie dieser noch unglaublicheren World Series gegen die Dodgers gewonnen haben und die Stadt und ganz Kanada würde den ersten WS-Triumph nach 1993 feiern. Knisternde Erwartung: Am Schlag stand Miguel Rojas, der nominell schwächste in der Line Up der Dodgers, der den Ball nur selten trifft und erst recht nicht satt. Dafür ist er ein umso besserer Verteidiger, wovon noch die Rede sein soll. Und was tat Miguel Rojas – der Nicht-Homerun-Schläger. Drosch den Ball über den Zaun: Homerun, Ausgleich, die Siegesfeier fiel (erst mal) aus.
Doch im unteren 9. Inning hatten die Blue Jays erneut die Chance: Bases loaded, 1 Aus: am Schlag Dalton Varsho: der trifft den Ball, flach, durchaus gefährlich: aber er rollt in Richtung von Miguel Rojas,dem so großartigen Verteidiger und wahrscheinlich noch voller Adrenalin ob seiner offensiven Heldentat ein paar Minuten zuvor. Rojas klaubte den Ball nicht nur mühelos auf, sondern beförderte ihn auch mit einem perfekten Wurf zur Homebase. Wo er um Sekundenbruchteile rechtzeitig im Handschuh seines Catchers Will Smith landete, bevor der heranstürmende Isiah Kiner-Falefa die Homebase erreichte: ein bisschen mehr nach rechts oder links, ein bisschen weniger hart – und Kiner-Falefa hätte den sieg- und World-Series-bringenden Punkt geschafft.

Will Smith wiederum war es im 11. Inning vorbehalten, mit seinem Home Run den letztlich tatsächlich entscheidenden Punkt zu schaffen. Denn auf diesen Punkt hatten die Blue Jays tatsächlich und endgültig keine Antwort mehr.

Donald Trump und alle US-Amerikaner können also aufatmen. Die Trophäe bleibt in den USA; ebern weil ein Mann aus Venezuela zwei absurd gute Momente seines Sportlerlebens in einem Spiel vereinigte. Die Dodgers wiederum schafften ein Kuststück, das zuletzt den New York Yankees gelang: die Titelverteidigung.

 

Viele Heldengeschichten …

 

Allein diese elektisierenden World Series hatte so viele Geschichten zu erzählen: so viel Unglaubliches, zuvor noch nie (sehr selten) Gesehenes.

  • der unfassbare Rookie-Pitcher der Blue Yays Trey Yesavage, der im 5. Spiel gleich 12 Strike outs warf und die Dodgers-Stars wie Lehrbuben aussehen ließ. Er war auch Teil dieses Game-7-Thrillers, als er im 7. Inning 3 Schlagmänner ausmachte, allerdings im 8. Inning den Homerun von Max Muncy zum 4:3 hinnehmen musste.
  • Will Klein: im legendären 18-Inning-Thriller des Spiel 3 der entscheidende Mann, als er als letzter Werfer der Dodgers 4 unglaubliche Innings warf und keinen einzigen Run zuließ. Vorher und nachher ward er nicht mehr gesehen.
  • Shohei Ohtanis Monsterspiel 3: 9-mal trat er an zu einem At Bat: 2 Homeruns, 2 Doubles, fünfmal ließen ihn die Toronto Werfer freiwillig (viermal) und fast freiwillig per Walk auf die erste Base.
  • Addison Barger: im 1. Spiel trat er als Einwechselspieler an und schlug einen Grand Slam (Homerun mit geladenen Bases). Noch nie gab es so etwas in World Series, die immerhin ihre 120. Auflage erlebten.
  • der malade Bo Bichette: kaum laufen konnte der Toronto-Profi, als er nach einer gut einmonatigen  Verletzung zu den World Series zurückkam. Was ihn nicht abhielt, im 7. Spiel einen 3-Run-Homer über en Zaun zu dreschen.
  • Miguel Rojas: sein Homerun war erst der zweite in einem 7. Spiel der World Series, der im 9. Inning einen Ausgleich bedeutete. Zuletzt hatte es das 1960 gegeben …
  • Will Smith: entscheidender Homerun, was will man mehr? Vielleicht diese Geschichte. Namensvetter ist nämlich nicht nur de berühmte Schauspieler, sondern ein Relief(Ersatz)-Pitcher, der von 2021 bis 2023 mit 3 verschiedenen Teams (Atlanta Braves, Houston Astros, Texas Rangers) die World Series gewann. Damit steht seit 5 Jahren ein Will Smith in den Siegerlisten.

 

 … aber nur ein Supermann

 

Und doch verblasst all das im Vergleich zu Yoshinobu Yamamoto. Dem Pitcher gelang im 2. Spiel der World Series ein Complete Game. In seinem 2. Start (Spiel 6) absolvierte er 6 fast fehlerfreie Innings, in denen er nur einen Run zuließ. Wahrscheinlich hätte er sogar noch ein Inning mehr werfen können (Pitchcount erst bei 90 oder so), doch Team-Manager Dave Roberts dachte vielleicht tatsächlich schon an das 7. Spiel. Wo sprichwörlich „jede Hand, jeder Arm gebraucht wird.
Also auch jene des Japaners, obwohl dieser erst tags zuvor geworfen hatte. Im 9. Inning kam er auf den Mound, mit einem Aus im Rücken, aber auch 2 Mann auf Base. Er überstand das 9. Inning (auch dank der starken Defensivleistungen nicht nur von Rojas, im 10. Inning eliminierte er (immer einen gegnerischen Homerun und damit die Niederlage vor Augen) drei letztlich hoffnungslose Schlagmänner, im 11. Inning schließlich ließ er zwar Vladimir Guerrero per Double und Barger per Walk auf Base, provozierte aber auch mit seinem Wurf, dass Alejadro Kirk in das spiel-, serien- und trophäenentscheidende Double Play schlug.
Statistisch war das dann der 3. Sieg für ihn in den World Series, und angesichts dieser famosen Leistung konnten die Journalisten einfach nicht anders und wählten ihn zum MvP der World Series – trotz Landsmann und Super-Superstar Shohei Ohtani.

 

Gewinner Baseball

 

Was Besseres als diese World Series hätte dieser Sportart nicht passieren können: Schon die Ansetzung LA vs Toronto, USA vs Kanada in diesen Trump-Zeiten (51. Bundesstaat und so). Und das Team Kanada forderte nicht irgendein doofes Provinzteam, nichts für ungut, Milwaukee Brewers oder Philadelphia Phillies, sondern mit den LA Dodgers das meistgehasste und reichste und mit Superstar überbesetzte Team der National League. Tatsächlich drückte ganz Kanada den Blue Jays die Daumen, wie Staatspräsident Mark Carney in einem ersten Kondozenschreiben in einem Schreiben versicherte, in dem er trotz der Niederlage den Stolz aller Kanadier übermittelte. (Wahrscheinlich gibt es ein paar Besitzer von kanadischen NHL-Clubs, die insgesamt heilfroh sind, denn die warten ebenfalls seit 1993 auf einen Stanley Cup Triumph für Kanada. Mein Trost: Mit einem Sieger ausgerechnet aus Los Angeles wird auch Trump nicht wirklich glücklich sein …
Und dann diese unfassbare Serie, mit Drehungen und Wendungen wie selten gesehen: Matchfolge 1:0, 1:1, 1:2, 2:2, 3:2, 3:3, 3:4 aus Sicht der Jays. In sieben zum Teil epischen Partien.

 

(Ein bisschen) Deutschtümelei

 

Die deutschen Zuschauer durften teilhaben, nicht nur diejenigen, die den League Pass besitzen. Erstmals seit Ewigkeiten gab es (bei Sportdigital+) alle Post-Season-Spiele in deutscher Sprache, die World Series mit dem großartigen Axel Goldmann am Mikrofon. Nicht zu unrecht lobte er seinen Sender hinterher (und meinte sehr verient auch sich selbst).
Und doch gäbe es noch einiges zu vebessern: Goldmann kommentierte alleine, von irgendwo in einem Kabäuschen (das wir nie sahen) – vielleicht sogar von daheim? Wie wäre es, wenn sich nächstes Jahr Goldmann (oder ein anderer)  mit einem Kollegen und dazu vielleicht sogar einem Experten (warum eigentlich nicht Phillies-Profi Max Kepler?) in einem vorzeigbaren Studio zusammensetzt, wo dann die ewigen Inning-Pausen vernünftig mit Analysen und Geschichten/Geschichtchen überbrückt werden?
Und noch eins, liebes, besser liebgewonnenes Sportdigital1+: Es gibt Menschen, die diese Spiele relive sehen wollen am nächsten Morgen; weil sie sich nicht die Nächte um die Ohren schlagen wollen (oder Werbe-Pausen überbrücken). Es wäre dann sehr hilftreich, wenn Eure Baseball-Übertragungen nicht nur auf 3 Stunden angesetzt wären und danach das Relive schnöde abbricht …

Es gibt Spiel 7 – was auch sonst?

Blick über den Teich, World Series

 

Toronto Blue Jays – Los Angeles 1:3 (3:3)

 

Ganz plötzlich war das Spiel zu Ende. Und die zuvor drei Stunden lang infernalisch lärmenden Fans im Rogers Centre in Toronto verstummten ebenso abrupt, als hätte ein Geist am Halloween-Abend den Stecker gezogen. Statt des greifbar nahen Sieges und dem Triumph der World Series heißt es nun für die Kanadier (und natürlich auch die Dodgers). Alle Konzentration für Spiel 7 heute Nacht, den ultimativen Showdown einer durch und durch bemerkenswerten World Series.

Wirklich begriffen, was da passiert war, hatten wahrscheinlich zunächst die wenigsten Zuschauer live und auch an den Fernsehgeräten. Die Konstellation war trotz des 1:3-Rückstandes im 9. Inning blendend für die Blue Jays. Denn es standen Läufer auf den Bases 2 und 3 – bei keinem Aus, also fast eine Run-Garantie. Da zog Dodgers-Manager Dave Roberts die Notbremse, und die hieß Tyler Glasnow. Eigentlich ein Starting Pitcher, kam er in dieser heiklen Situation ins Spiel, und was er vollbrachte, grenzte an ein Wunder. Seinen ersten Wurf traf Ernie Clement hoch, aber nicht weit genug, als dass Myles Straw von der 3. Base nach Hause laufen könnte. 2. Pitch: Ball. 3. Pitch: Andres Giménez trifft den Ball nicht voll,  Kiké Hernandez fängt ihn locker und wirft ihn geistesgegenwärtig zur 2. Base (Miguel Rojas) und macht damit auch Addison Barger aus, der aschon erwartungvoll in Richtung 3. base gelaufen war. Double Play – over and out.

Damit geriet eine umstrittene Entscheidung der Refs unmittelbar vor Glasnows Einwechsung wieder ins Blickfeld. Ein weiter Schlag von Barger blieb hinten in der Spielumrandung stecken. Sowohl Straw von der 1. Base also auch Barger nutzten die Chance, umrundeten das Feld und liefen auf die Home Base. Doch die Dodgers hatten das Verteidigen eingestellt und monierten einen unspielbaren Ball, was den Regeln gemäß nur ein Ground Rule Double bedeuten würde. Dem schloss sich der Umpire an, und diese Entscheidung wurde auch nach Ansicht der Videobilder bestätigt: mit der Folge, dass Straw und barger zurück auf Base 3 und 2 mussten (siehe oben) Ich kenne mich im Baseball jetzt wahrlich nicht genug aus, aber für mich war der Ball, auch wenn er feststeckte, gut sicht- und spielbar. Wie formulierte es mlb.com so schön? „This ball was ruled dead. And now the Dodgers – and the World Series itself – are still alive.

 

3. Inning entscheidet

 

Viel vorzuwerfen haben sich die Blue Jays nicht. Starting Pitcher Kevin Gausmann hatte abermals einen starken Tag, schaffte etwa in den ersten beiden Innings gleich 5 Strikeouts und hielt 6 Innings durch. Doch eine Schwächephase von ihm im 3. Inning entschied die Partie. 2 LA-Spieler hatte er schon ausgemacht, allerdings auch Tommy Edman (Double) und Shohei Ohtani (absichtlicher walk, warum nur? könnte ich dämlich ex post fragen?) auf Base gelassen. Will Smith schaffte ein weiteres Double – 1:0 Dodgers. Nach einem weiteren (unabsichtlichen) Walk für Freddy Freeman brachte Mookie Betts mit seinem Double zwei weitere Teamkollegen (Ohtani, Smith) nach Hause – 3:0. Ausgerechnet Mookie Betts, der bis dato in den World Series praktisch nichts getroffen hatte.
Das war es an LA-Offensive. Im gesamten restlichen Spiel brachten sie nur noch einen einzigen Hit und 2 Walks zu Stande.

Und die Blue Jays? Die beschäftigten zwar Doders-Pitcher Yoshinobu Yamamoto viel besser als in Spiel 2 (5 Hits, 2 Walks, lange Pitchier-Batter-Duelle und auch noch ein Fielding Error)), so dass der Japaner „nur“ 6 Innings durchhielt (und kein komplettes Spiel schaffte). aber mehr als ein Run (ebenfalls im 3. Inning durch Addison Barger). sprang nicht heraus. In allen Statistiken waren sie besser (fielding, hitting, pitching), doch das nutzte nichts aufgrund des vermaledeiten 3. Inning.
Die mangelnde Effizienz verdeutlichen 2 Kennzahlen: 1 von 9 bei Runners in Scoring Position (mindestens Base 2), und insgesamt strandeten 8 Spieler, left on Base, wie es in den Stats so unschön heißt.

 

Ansetzung, Spiel 7

 

So., 01:00: Blue Jays – Dodgers (3:3)

Wie geschrieben: der ultimative Showdown. Wie es aussieht, werden die Blue Jays Veteran Max Scherzer als Starting Pitcher auf den Mound schicken. Zumindest ofiziell haben die Dodgers diesbezüglich noch nichts verlauten lassen. Viel spricht für Shohei Ohtani, aber nach seinem superkurzen und supereffizienten Auftritt ist auch der Einsatz von Tyer Glasnow vorstellbar. Entscheidend werden dann höchstwahrscheinlich eh die Esatzwerfer auf beiden Seiten sein.

🧠 Dodgers (wg des xten Momentum Shifts dieser Serie? Ich könnte aber genausogut eine Münze schmeißen)
❤️ Blue Jays (Go Canada, go! Gilt in diesen Trump-Unzeiten mehr denn je!)