Seit die Alpinen Wettbewerbe beendet sind, hat meine Olympia-Begeisterung deutlich nachgelassen, aber ein paar Momente haben mich dann doch beeindruckt (oder eben gar nicht).

 

Die überlegene Daniela Maier

 

Was die Freestylerin beim Skicross veranstaltete, hatte schon Dominanz-Ausmaße wie beim Lamgläufer Johannes Klaebo. Die Deutsche fuhr nicht nur die klar beste Qualifikationszeit, sondern landete in 4 K.-o.-Läufen 4 mehr oder deutliche Start-Ziel-Siege. Verdienteres Gold habe ich bei diesen Spielen noch selten gesehen.
Daniela Maier machte damit ihren Frieden mit Olympia, denn in Peking war sie eine der tragischen Figuren, als sie im Finale zunächst Vierte wurde, dann wegen einer Disqualifikation der Schweizerin Fanny Smith, mit der sie ins Gehege kam, auf Platz 3 vorrückte, nach einem Protest wieder auf Rang 4 zurückfiel und schließlich nach einem Gegenprotest mit geteilten Bronze bedacht wurde. Es war ein absolut unwürdiges, sich über Jahre hinziehendes  Hin und Her, das letztlich beide Medaillengewinnerinnen beschädigte.

4 Jahre arbeitete sie auf diesen Moment hin, nichts und keine konnte sie auch nur ansatzweise stoppen. Gerade am Start, der im Skicross so wichtig ist, hatte sie gezielt gearbeitet. Das Ergebnis: Keine kam so schnell auf Touren wie sie, deshalb war sie immer schon in der ersten Kurve vorn. Beinahe unfassbar: Es war erst das zweite deutsche Gold außerhalb der Eisrinne von Cortina. Na, das 2. Gold, wisst Ihr noch wer das war? *

 

Kanada weint, US Girls feiern

 

Dass das Frauen-Finale im Eishockey Kanada gegen USA heißen würde, war von vornherein klar. Noch nie in der Olympischen Geschichte (seit 1998 gibts Frauen Eishockey) hieß das Endspiel anders. Die USA waren klarer Favorit. Nicht nur demontierten sie die Kanadierinnen in der Vorrunde mit 5:0, im vergangenen Jahr hatten sie alle 4 Aufeinandertreffen zum Teil deutlich gewonnen, eine endete sogar zweistellig. Doch im Finale ging es nicht so leicht von der Hand, die Kanadierinnen stemmten sich mit allem gegen die Niederlage, gingen sogar durch einen Shorthander (Tor in Unterzahl) in Führung. Erst 2 Minuten vor der Schlusssirene glichen die US Girls aus, und in der Overtime hatten sie das bessere Ende für sich, als Spielführerin Hilary Knight in ihrem letzten großen Spiel zum 2:1 traf.
Hilary Knight und auf der anderen Seite Kanada-Kapitänin Marie-Philip Poulin – sie hatten die letzten 15 Jahre Frauen-Eishockey geprägt und auf eine neue Stufe gehoben. Poulin erzielte gleich in 3 Olympischen Finals das Siegestor. Nach dem Endspiel beließen die beiden es nicht nur beim üblichen Handshake, sie fielen sich um den Hals, als wollten sie der ganzen Welt zeigen, dass Fairness und gegenseitiger Repekt trotz der größt möglichen Rivalität noch immer das Wichtigste ist. 2 große Sportlerinnen, hierzulande auch Nerds wie mir (wenn auch nicht unbedeint im Eishockey) leider fast gänzlich unbekannt.
Bronze sicherte sich die Schweiz: Im Spiel um Platz 3 bezwangen die Eidgenössinnen Schweden mit 2:1 und wiederholten den Bronze-Coup von 2014. Best of the Rest – ein großer Erfolg des Schweizer Eishockeys.

Kanada vs USA – am Sonntag wird es eine Wiederholung geben, wenn in der letzten Entscheidung überhaupt die beiden Männer-Teams aufeinandertreffen. Ein sogenanntes Traumfinale. Viel Feuer ist im Spiel, das durch die geistesgestörten Übernahmefantasien des US-Präsidenten noch angefacht wurden (das Gute: das Mütchen ist schon gekühlt durch ein schlägerei-reiches Aufeinandertreffen vor ziemlich genau einem Jahr in Montreal). Wäre schön, wenn es auf beiden Seiten mäßigende Charaktere gäbe wie Hilary Knight und Mari-Philip Poulin.

 

Platz 4 – der deutsche Spezialplatz

 

Philipp Horn schien auf dem besten Weg zur Bronzemedaille. Nach dem letzten Schießen im Biathlon-Massenstart war er Dritter, hinter den beiden unerreichbaren Norwegern Dale und Lagreid, aber immerhin 7 Sekunden vor dem Vierten Quentin Fillon-Mallet. Vorzüglich hatte der Deutsche geschossen, ließ von insgesamt 20 Scheiben nur eine stehen. Sein französischer Konkurrent hatte 3 Strafrunden mehr absolviert, also etwa 450 Meter mehr in den Beinen. Das musste sich doch auswirken!
Doch der Vorsprung in der Schlussrunde schmolz und schmolz, etwa einen Kilometer vor dem Ziel war Horn eingeholt, und als der Franzose bei einem Anstieg alles in die Wagschale warf, hatte Horn nichts mehr entgegenzusetzen und fiel auf den bei Olympia so vermaledeiten vierten Platz zurück. Holz-Horn statt Bronze-Horn, hämte es.
Der holzige (blecherne, schokoladene) 4. Platz: Auf den sich die Deutschen spezialisiert zu haben scheinen. Gleich 12-mal landeten sie auf dem ersten Rang hinter den Medaillen, gerade die BiathletInnen hatten diesen geradezu abonniert, etwa in beiden Staffeln. Viele finden ja die deutsche Bilanz unbefriedigend (mir persönlich ist der Medaillenspiegel eher wumpe), in mancher Entscheidung ein bisschen mehr Glück (Skispringer um 0,3 Punkte verpasst samt Abbruch) oder eben auch mehr Können (klar verpasste Biathlon-Medaillen), und die Sache sähe auch außerhalb des Eiskanals sehr viel freundlicher aus.

 

Skibergsteigen – was für ein Schmarrn

 

Die neueste Olympische Sportart hat mich so was von überhaupt nicht abgeholt. Der Sinn und Zweck der Übung erschloss sich mir nicht, zumindest nicht in der Sprintversion. Die gestaltete sich derart, dass alle sechs Teilnehmer eines Laufes den Anstieg ohne große Überholmöglichkeit absolvierten und alle die Abfahrt ohne jede Überholmöglichkeit absolvierten und dazwischen noch eine Treppe absolvieren mussten (mit Überholmöglichkeit). Entschieden wurden die Rennen aber bei den Wechseln;  beim Skiabschnallen respektive Skianschnallen respektive Felle-Abziehen. Gerade da schien es für manchen erhebliche Probleme zu geben (und die Medaillen schwammen dahin wie eben Felle dahinschwimmen).
Für mich alles ein Muster ohne Wert, die Sieger haben trotzdem eine Erwähnung erwähnt: Es siegten Marianne Fatton aus der Schweiz (die Deutsche Tatjana Faller wurde, eh klar, Vierte) und Oriol Cardona. Dieser ist der erste spanische Goldmedaillengewinner bei Winterspielen aus Spanien seit Francisco Ochoas Slalom-Triumph 1972 in Sapporo.

 

* Philipp Raimund im Skispringen von der Kleinen Schanze