Favoriten habens schwer

 

Ob Lou Jeanmonnot, Marc Odermatt oder gar Ilia Malinin. Die höchstgewetteten Sportler vepassten Gold, zwei von ihnen werden trotzdem einigermaßen zufrieden sein – hoffe ich. Ob das auch für die Silber-Staffel der Schwedinnen zutrifft, wage ich leicht zu bezweifeln.
Das Traurige gleich zu Beginn: der Sportgerichtshof bestätigte den Ausschluss des Ukrianers Wladimir Heraskewytsch wegen seines Helmes und den Bildern der im Krieg umgekommenen ukrainischen Sportlern. Ich verkneife mir weitere Kommentare über diese Putin-hörige Bande.

 

Eine Kür zum Vergessen

 

Es sollte ein Höhepunkt der gesamten Spiele werden, und sogar mich lockte die angekündigte Kür des US-Amerikaners Ilia Malinin vor den Fernseher, obwohl ich mit Eiskunstlauf recht wenig anfangen kann. Eissprunglauf, müsste es eh richtiger heißen, denn angekündigt hatte der US-Amerikaner 7 Viefachsprünge und den Rückwärtssalto. Zu sagen, dass die Kür schief ging, wäre die Untertreibung des Jahres, denn ein solches Desaster eines Top-Favoriten hat man noch selten gesehen. Der Vierfach-Axel – nur einfach, da dachten alle noch an einen Ausrutscher. Doch Stolperer und Stürze wechselten sich in schlechter Regelmäßigkeit ab, wunderschön nur der Flip (oder war es der Lutz?), und auch der gefährliche Salto klappte (Gott sei Dank). Doch das konnte einfach nicht reichen, zumal Malinin am Ende sichtlich die Luft ausging. Das konnten nicht mal die wohlgesonnensten Punktrichter übersehen (auch weil das neue System allzu groteske Manipulationen nicht zulässt, es ist immer noch schlimm genug), und tatsächlich machten sie ihren Job. Sie stuften die Kür nur als die 15.-beste ein, und Malinin fiel von Platz 1 nach dem Kurzprogramm auf Rang 8 zurück. Zum Vergessen habe ich getitelt, aber wer kann so ein Desaster schon vergessen? Malinin sicher nicht.

Überhaupt war die Kür der vermeintlich besten Läufer ein wüstes Sturzfestival, kaum einer kam ohne mehrere Fehler durch. So gewann am Ende einer, mit dem wohl niemand gerechnet hat. Mikail Shaidorov aus Kasachstan holte sich mit der besten Kür des Abends die Goldmedaille. Fassungslos stand er in der Box des Führenden und sah, wie er durch Fehler der Konkurrenten Platz um Platz gewann, bis niemand mehr da war, der ihn hätte überholen können. Das zweite Gold für Kasachstan seit dem legendären Langläufer Wladimir Smirnov 1994.

 

Erstes Winter-Gold für Brasilien

 

Gestatten, Lucas Pinheiro Braathen, Gewinner aus Brasilien, zum ersten Mal Samba-Gold. Im leicht verschneiten Bormio nutzte er im 1. Durchgang des Riesenslaloms die ideale Startnummer 1 zu einem fulminannten Lauf, der den Grundstein zum Erfolg setzte. Kein anderer kam auch nur annähernd heran, am ehesten noch Top-Favorit Marc Odermatt, der Überflieger, doch auch er hatte einen Rückstand von 95 Hundertstel.
Im 2. Lauf wurde dann in gestürzter Reihenfolge gestartet, das heißt, Braathen musste als 30. ran (danach nur noch einige echte „Exoten“. Die Schweizer legten vor, erst Loic Meillard, dann Odermatt. Doch die Lauf-Zeiten waren nicht überragend, ja nicht mal die besten im 2. Durchgang. Allen Experten war klar: Würde Braathen auch nur einigermaßen vernünftig herunterkommen, würde es zu Gold reichen, natürlich sehr viel einfacher gesagt als getan.  Braathen zeigte keine Nerven; Sicher und doch schnell absolvierte er den Kurs auf einem bis auf den Anfang absurd leichten, weil allzu flachen Hang ohne Herusforderung. Am Ende hatte er satte 59 Hunderstel Vorsprung auf Odi und gar 1,17 Sekunden auf Meillard.

Nun ist Lucas Pinheiro Braathen kein Ungekannter, geschweige denn ein Exot, wie es das brasilianische Länderkürzel vemuten ließe. Geboren ist er in Norwegen, und er gehört seit Jahren zur Top-Elite im Slalom und auch im Riesenslalom. Vor 3 Jahren überwarf sich der Exzentriker mit dem norwegischen Verband, es ging um Werbeeinnahmen. Er trat zurück, doch nicht einmal ein Jahr Pause gönnte er sich. Zwar war eine Rückkehr ins Norge-Team für ihn ausgeschlossen, doch dank seiner brasilianschen Mutter war es ihm ein Leichtes, die Staatsbürgerschaft des südamerikanischen Landes zu erhalten. Seit anderthalb jahren hat deshalb Brazil einen Weltklasse-Skifahrer, und seit dem 14. Februar 2026 einen Olympiasieger. Seine norwegischen Freunde und Rivalen? Landeten auf den Platzen 5 (Atle McGrath) und 7 (Henrik Kristoffersen). Noch schlimmer erging es den Österreichern. Im dritten Einzelrennen der Männer das 3. Fiasko, denn als solches erachtet die Skination Austria die medaillenlosen Ränge 8 und 9 für Stefan Brennsteiner und Marco Schwarz.

Odermatt beendet die Spiele mit 2 Silber- und einer Bronze-Medaille, der Sieg-Besessene wird es süß-sauer quittieren, zum Slalom tritt er nicht mehr an. Braathen kann am Montag ein zweites Mal in die Medaillenränge fahren – oder etwa noch mal zu Gold?

 

Kirkeeide siegt, Jeanmonnot „nur“ Dritte

 

Maren Kirkeeide hatte am Mittwoch ein eher katastrophales Einzelrennen. 5 von 20 Schüssen verfehlte sie, 5 Strafminuten – das reichte nur zum 49. Rang. Nur drei Tage später schaffte sie es zur Goldmedaille im Sprint. Diese sicherte sie sich mit einer ihrer gefürchteten Schlussrunden, in der sie die nach dem 2. Schießen noch führende Ocaene Michelon in einem unfassbaren Endspurt noch überflügelte. Dabei kam der später gestarteten Norwegerin zu Gute, dass sie über die Zeiten der Französin genau Bescheid wusste. Bronze sicherte sich Favoritin Lou Jeanmonnot, die sich einen Schießfehler leistete. Müßig hochzurechnen, ob es bei ihren 23,7 Sekunden Rückstand ohne Fehler zu Gold gereicht hätte, ich tendiere zu einem klaren Vielleicht …

 

Anderson fällt, Norwegen siegt

 

Was hatte ich vor den Staffeln (zugegeben der Männer)  geschrieben? Es verbietet sich, die Einzelergebnisse hochzurechnen. Das wissen spätestens seit Samstagmittag auch die Schwedinnen. So überlegen waren sie in den bisherigen drei Rennen, überließen der Konkurrenz nur 2 läppische Bronzemedaillen. Und alles schien nach Plan zu laufen, als Ebba Anderson als Zweite mit schon recht großem Vorsprung in die Loipe ging. Was konnte da schon geschehen?
Etwa dies: Sturz in einer der angesichts der weichen Schneeverhältnisse komplizierten Abfahrten. Anderson verlor die Führung an Norwegen (in Schlagdistanz), aber große Sorgen machte sich niemand bei Sverige – angesichts der fulminanten Läuferinnen Frida Karlsson und Jonna Sundling, die da noch warteten. Und dann? Ein zweiter Sturz Andersons, gar mit Salto mortale. Fatal war aber, dass eine Bindung hinüber war – und kein Helfer in der Nähe, der ihr einen Ersatzski hätte reichen können. Mit einem Ski humpelte sie mehrere hundet Meter weit, bis sie endlich einen Ersatzski bekam. Der Rückstand auf Norwegen betrug nun uneinholbare anderthalb Minuten, die Gesichtszüge von Karlsson entgleisten, die an der Wechselmarke wartete.
Es ist der Schwedin hoch anzurechnen, dass sie ihr Möglichstes vesuchte. Zwar waren die Norwegerinnen mit Schlussläuferin Heidi Weng außer Reichweite, doch die Laufleistung genügte wenigstens zur Silbermedaille vor den Finninnen, diee ihrerseits ihr Glück über Bronze kaum fassen konnten. Nur zu Blech (also Rang 4) reichte es für die deutsche Staffel, obwohl gerade Schlussläuferin Pia Fink ein exzellentes Rennen lief und die viel schneller eingeschätzte Jessica Diggins hinter sich ließ.

 

Und sonst?

 

  • Eisschnelllauf: Sage noch eine, dass die langen Strecken langweilig sind. In einem faszinierenden Endspurt rettete Gina Lollobrigida über 5000 Meter als letzte Starterin in der letzten Runde den hauchzarten Vorsprung von nur einem Zehntel auf die Hlländerin Merel Conijin und Ragne Wiklund aus Norwegen und sicherte ihr zweites Gold.
  • Eishockey: Eine überraschende 3:4-Niedelrage kassierten die deutschen Männer um Leon Draisaitl gegen Lettland. Draisaitl vergab ein paar veritable Schuss-Chancden, die Abwehr wirkte nicht imme sattelfest. Im letzten Gruppenspiel trifft Deutschland auf die USA und ist dort klarer Außenseiter. Also muss das TEam höchstwahrscheinlich in die zwichenrunde, um das Viertelfinale noch zu erreichen.