Das waren sie also, die 25. Olympischen Winterspiele: Faszinierend, nervend, Freud und Leid wie immer sehr nah beieinander.
The day after: Zeit noch für eine Bilanz, die ich in drei Teile aufdröseln werde. Ein allgemeiner Eindruck meiner (Fernseh)spiele, Anmerkungen zum Sport und zum deutschen Abschneiden (ohne Nationalismus, wie ich hoffe) und meine ganz persönlichen Höhepunkte und Momente.
Noch eine Anmerkung: Danach mache ich diese Woche Pause, melde mich vielleicht zum sog. deutschen Clasico wieder, vielleicht aber auch erst nächste Woche erst.
Die Spiele, wir wars, was bleibt
Zum ersten Mal seit 2006 wider Winter-Olympia in Mitteleuropa, nach drei eher verheerenden Austragungen in Sotschi, Pyeongchang und Peking. Und auch wenn sicher nicht alles hunderprozentig gepasst hat mit der Stimmung, mit den Austragungsstätten: Es war ein Vergnügen, Wintersport vor einer echten Wintersportkulisse und echter Begeisterung zu verfolgen.
Nachhaltige Spiele sollten es werden, und trotz neuer Bobbahn in Cortina und arg (unnötig?) modernisierter Biathlon-Stadions in Antholz, das gelang im Großen und Ganzen. Alledings war der Preis sehr hoch, vielleicht für Olympia sogar zu groß. Da die Veranstalter zum größten Teil auf bestehende Anlagen setzten, diese natürgemäß in den italenischen Alpen weit entfernt voneinander sind, gab es nie das große Miteinander der Sportarten. Leider war auch viel Lokal-Patriotismus und Regional-Proporz im Spiel. Der größte Fehler: Brormio sollte unbedingt dabei sein, deshalb mussten die männlichen Alpinen dorthin, obwohl sie in Cortina beste Bedingungen gehabt hätten.
Fur uns als Fernsehzuschauer war das das auch nicht viel anders als ein Weltcup-Wochenende, an dem beliebig zwischen den Orten hin- und hergeschalten wird.
Ein Ausblick auf 2030 verheißt da nichts Gutes: Gastgeber sind die französischen Alpen, mit dem einen Cluster hier und dem anderen Cluster dort, mehrere Autostunden entfernt. Und offenbar wieder der Irrsinn, dass die alpinen Männer und Frauen getrennt werden.
Alles in allem hat die Organisation glänzend gebracht. Auch mit Wetter-Umschwüngen von kalt zu warm zu Schneesturm und -Schmelze kam man gut zurecht (es gibt immer welche, die mosern). Die Sportstätten erwiesen sich als größtenteils absolut olympia-würdig, ausklammern würde ich die Techniker-Disziplinen in bormio und der offenbar viel zu einfache Skicross-Kurs.
Auch wenn es ein paar merkwürdige und diskutable Vorfälle gab (etwa beim Curling und Skilanglauf), ich hatte das Gefühl, dass es äußerst fair zuging (Noten-Gemeckere beim Eiskunstlauf gehört einfach dazu!), de gegenseitige Respekt war da (der Kniefall der Zweiten Stjenesund und Hector vor Triumphatorin Brignone muss jetzt nicht der erwartbare Maßstab sein) und auch die Akzeptanz der Niederlage. Beispielhaft der haushohe Favorit Ilia Malinin, der sich nach seiner komplett missglückten Kür den Medien stellte.
Das IOC
Spielte e mal wieder eine höchst unwürdige Rolle. Es war ja der erste große Auftritt der neuen IOC-Präsidentin Kirsty Coventry, und sie schien in all den politischen und machtpoltischen Kombinen hoffnungslos überfordert. Der unwürdige Rauswurf des Ukrainers Wladislaw Heraskeytsch, der seinen Skeleton-Helm mit Fotos von getöteten ukrianischen Sportlern versah, war nur der traurige Höhpunkt. Der größte Skandal der Spiele, eine unfassbare Entscheidung aus vorgeschobenen Gründen (Trauer wurde als politische Willensbekundung ausgelegt). Das IOC wollte keine Politik in den Spielen, und es hat so politisch gehandelt wie keine andere Instititution. Dass Frau Coventry ob dieser Entscheidung auch noch in Tränen ausbrach, obwohl allein ihr IOC diese verantwortete, war für mich der Gipfel der Heuchelei.
Es gibt ein böses Foto mit Coventry und ihrem Vorgänge Thomas Bach im Hintergrund. Die Marionettenfäden, die der Deutsche in der Hand hatte, sprangen mir förmlich ins Auge.
Ansonsten der übliche Trump-Irrsinn, auch wenn der US-Präsident doch nicht zum Eishockey-Finale und zur Schlussfeier kam. Wie üblich hetzte er in unfassbarer Weise gegen US-Athleten, die mit dem jetzigen Zustand des Landes nicht hundertprozentig einverstanden waren. Man stelle sich vor, Freidrich Merz würde einen deutschen Rodler als Komplettversager und ganz schlimme Person beschimpfen. Keinen Tag länger würd er sein Amt behalten können. In den USA ist derlei an der Tagesordnung. Für die MAGA-Spiele im Sommer 28 in Los Angeles steht das Schlimmste zu befürchten. 1936 wird da wie ein Kindergeburtstag erscheinen.
Das Fernsehen (Streams)
Wer wollte, konnte sich vom linearen Fenrsehen komplett lösen. Man wurde zum eigenen Regisseur, hatte dank der allumfassenden Streams Zugriff zu jeder einzelnen Entscheidung, zu jedem Curling-Vorrundenspiel, gerne auch relive, also als Aufzeichnung. Das hatte den Riesen-Vorteil, dass mir das Gelaber in den öffentlich-rechtlichen erspart blieb, allerdings auch den Nachteil, dass einem auch gute Interviews (die gab es) durch die Lappen rutschte. Die Streams funktionierten ohne Beanstandung, zwar war das Manü von Discovery an Unübersichtlichkeit kaum zu übertreffen, aber irgendwann hatte ich es raus. Der größte Vorteil hier: Wenn mir die deutsche Plaudertasche wie Matthias Stach beim Eisschnelllauf zu sehr auf die Nerven ging, konnte ich zu englischen (ode dänischen) O-Ton wechseln. Ein Genuss für Ohren und Nerven.
ARD und ZDF blieb ich weitestgehend fern. Deshalb erspare ich mir Anmerkungen zu den ReporterInnen und den ExpertInnen. Die leider weniger Experten sind, sondern die schlimmsten Fanboys der deutschen Athleten. Nachvollziehbar, weil sie diese gut kennen, aber komplett unjournalistisch. In Grenzen erträglich, wenn aber jemand wie beim Skicross wiederholt hofft, dass die Sportler doch endlich stürzen mögen, („hoffentlich krachen die endlich zusammen!“), damit der hinterherfahrende Deutsche doch noch weiterkommt, ist es schlicht indiskutabel.
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