Das wird monympia, Donnerstag

Pflichtprogramm

2 absolute Höhepunkte der Spiele, Gott sei Dank nicht gleichzeitig:

17.30: Basketball Männer, Halbfinale, Deutschland – Frankreich. Das fünfte und letzte Aufeinandertreffen dieser beiden Nationen in K.-o.-Spielen im Ballsport (zurzeit steht es 1:2, Basketballerinnen am Mittwochabend). Die deutsche Eineit, zusammengeschweißt durch den WM-Titel 2023 gegen den 2,24-Meter-Star Victor Wembanyama und das berüchtigt unfaire Publikum. Die Vorrundenpartie haben die Deutschen klar gewonnen, aber das zählt jetzt gar nichts mehr. Ich sehe die Deutschen allerdings als gefestigt genug an, dass sie auch in der Hölle Paris-Bercy bestehen können. Irgendwie Wemby ausschalten, naja, und vor allem selbst treffen. Möglichst auch den einen oder anderen Dreier, Herr Wagner. Der Sieger darf gegen die USA untergehen und wird mit Silber belohnt, der Verlierer spielt um Bronze gegen Serbien. Diese Partie gibt es ab 21 Uhr für alle die an Wunder glauben oder einfach tollen Basketball sehen wollen.
21.25: 400 Meter Hürden, Frauen. Weltrekordlerin Sidney McLaughlin aus den USA gegen die holländische Europarekordlerin Femke Bol. Mein olympisches Leichtathletik-Duell überhaupt, auf das ich mich schon lange freue. Zwei, die eine Klasse über allen anderen stehen. Die beiden würden auch über die flache Strecke um Gold laufen, aber das gibt der Zeitplan nicht her. Bolhat in der Mixed-Staffel (flach) mit einer Zeit unter 48 Sekunden ihre Topform angedeutet und führte Oranje zu Gold. Sie hatte dort als Schlussläuferin einen Riesen-Vorsprung der USA aufzuholen und das gelang, auch weil diese  streng nach ihrer Olympia-Ausscheidung auf McLaughlin verzichteten. Die zeigte sich im Hürden-Halbfinale extrem souverän. Vielleicht wackelt sogar der Weltrekord.
Von den anderen Entscheidungen ist aus deutscher Sicht vor allem der Frauen-Weitsprung mit Malaika Mihambo interessant. Die machte es in der Quali spannend mit zunächst zwei ungültigen Versuchen. Sie behielt wie so oft schon in prekären Situationen, sprang 30 Zeintimeter vorm Brett ab und schaffte trotzdem 6,87 Metet. Medaillenhoffnungen darf sich auch Speerwerfer Julian Weber machen (20.25). Und immer spannend: Die 200-Meter der Männer, wo Noah Lyles das Sprintdoppel 100/200 schaffen kann, was ja 100-Meter-Olympiasiegerin Julien Alfred als Zweite über 200 Meter nicht gelang.

🇩🇪 👓

Gleich 3 Teams kämpfen mit mehr oder weniger guten Chancen um Medaillen.

18.00: Beachvolleyball, Männer: Das Duo Ehlers Wickler stehen fix im Halbfinale. Der Gegner wird erst heute im Duell Alvarez Mendoza/Moreno gegen Sjörum/Mol ermittelt.
19.00: Hockey Männer, Finale: Gegner des Weltmeisters ist die Hockey-Nation Niederlande. Alles ist möglich.
20.00: Tischtennis Frauen, Halbfinale Deutschland gegen Japan. Schon der Einzug ins Halbfinale ist ein Riesenerfolg. Der Sieg im Viertelfinale gegen Indien ist vor allem der erst 18-jährigen Annett Kaufmann zu verdanken, die beide Einzel gegen viel höher eingeschätzte Gegnerinnen gewann. Sie ist mir schon vor zwei Jahren bei den European Games live vor Ort positiv aufgefallen. Gegen Japan dürafte allerdings kaum etwas zu holen sein und auch eine Medaille wäre sehr schwer wahrscheinlich gegen Südkorea.

Wird sicher spannend
07.30: Freiwasser Frauen. 10 Kilometer. Es geht tatsächlich in der Seine zur Sache, flussauf- und flussabwärts. heute durften sie zum ersten Mal wieder in der Seine trainieren. Aus dem Triathlon gibt es inzwischen 4 bestätigte Fälle mit einschlägigen Erkrankungen. Und bei 10 Kilometern haben Mikroben lange Zeit, sich einen Körper zu suchen. Ich gestehe: Ein bisschen Katastrophentourismus ist dabei.
16.00: Volleyball, Frauen, Brasilien – USA: Steht hier stellvertretend für die 4 Frauen-Halbfinals im Volley- und Handball. Jede dieser Begegnungen hat ihren besonderen Reiz, etwa Handball Dänemark vs Norwegen (21.30),.
19.01: Keirin Frauen. Auch Kampfsprint genannt. 6 Fahrerinnen gleichzeitig fahren auf der 250-Meter-Bahn erst 3 Runden hinter einem Derny mit Überholverbot, dann allein. Mit Haken, Ösen und vor allem Ellenbogen und Schultern wird dort gekämpft. Die Deutschinnen um Lea Friedrich  gehören zum Favoritenkreis.

Appetizer
15.00: Rhythmische Sportgymnanstik, Qualifikation. Es gibt nur eine Gesamtwertung aus den einzelnen Übungen mit Ball, Keule, Ball und Reifen. Die Deutsche Darja Varfolomeev, , ist Favoritin, hat sie doch bei der WM 2023 sowohl die Gesamtwertung als auch alle Einzelwertungen gewonnen, ist also fünffache Titelträgerin. Zumal die Russinnen nicht am Start sind.

monympia tous les jours

K.-o.-Spiele allenthalben, aber relativ wenige Entscheidungen, das war der Spieltag

Souveräne Basketballer

Erstaunlich genug ist schon die Tatsache, dass die deutschen Basketballer als Favorit in eine Partie gegen Griechenland gegangen sind, obwohl das Spiel in der Sportkultur in Hellas eine weitaus größere Bedeutung hat. So hat Panathinaikos Athen dieses Jahr die Euroleague gewonnen, während Bayern und Alba die Play-offs klar verpassten. Und was passierte gestern? Ließen sich die deutschen Weltmeiste nicht einmal von einem desaströsen Start und einem 6:18-Rückstand verrückt machen. Soll sich doch Giannis Antetokuomnpo, einer der Topstars der NBA, austoben. Die Deutschen behielten also weltmeisterliche Ruhe, kamen noch im 2. Viertel haran und setzten sich sukzessive ab, so dass ich das Ende fast schon beruhigt betrachten konnte. „Fast“ auch nur deswegen, weil ich im Basketball halt die tollsten Dinge gesehen können. Jetzt steht das Team im Halbfinale und trifft morgen auf Frankreich, das etwas überraschend Kanada, mE und vom Namen her das zweitstärkste Team im Turnier, eliminierte. Zwar haben die Deutschen das Vorrundenspiel gegen die Gastgeber klar für sich entschieden, aber jetzt scheinen Victor Wembanyama und Co. den olympischen Drive gefunden zu haben. Das andere Halbfinale bestreiten USA und Serbien, das nach einem Overtime-Thriller gegen Australien gewann. Alles andere als ein klarer Sieg der US-Stars morgen wäre eine absolute Sensation.

Am Ende blieb nur Blech

An Jakob Ingebrigsten scheiden sich die Geister. An seiner läufwerischen Klasse besteht kein Zweifel, aber er neigt zu Arroganz wie sein aufreizend lässiger Vorlauf bewies. Jetzt war der Norweger Hauptakteur an einem denkwürdigen 1500-Meter-Endlauf. er schlug ein wahsinnig hohes Tempo an, ungewöhnlich bei einer Mittelstrecke. Offenbar lautete sein Plan, der Konkurrenz einfach wegzulaufen weil sie schlicht nicht so schnell können. Das war eine fatale Fehleinschätzung. Nicht nur hielten drei Läufer mit bis zur letzten Kurve, dort hatten sie noch mehr zuzusetzen als der Titelverteidiger und sausten rechts und links vorbei. So blieb für den Favoriten nur Platz 4 – obwohl er schneller war als bei seinem Sieg in Tokio. Am Ende gewann der US-Amerikaner Cole Hocker iin 3:27,65 Minuten, drei Sekunden unter seiner bisherigen Bestzeit, vor Josh Kerr aus Großbritannien (PB) und seinem Landasmann Jakob Nuguse (PB). Es war mit Abstand das schnellste 1500-Meter-Rennen aller Zeiten, noch der 6. blieb unter den magischen 3:30.

Reitfestspiele für Team Deutschland

Nämlich im sechsten Wettbewerb das vierte Gold. Dies schaffte Christian Kukuk auf Checker 47. Er blieb nicht nur im Grunddurchgang als einer von drei Reitern ohne Fehlerpunkte, sondern legte auch als erster Starter im Stechen einen Nullfehler-Ritt vor. In einer schnellen Zeit, weswegen Steve Guedat (Schweiz/Beauville Z) und Maikel van Vleuthen (Niederlande/Dynamix de Belheme) viel Risiko nehmen mussten und jeweils eine Stange abwarfen. Gold also für Kukuk; sein Checker 47 gehört übigens anteilig Fußball-Nationalspieler Thomas Müller, dessen Frau Lisa begeisterte Dressurreiterin ist. Den beiden gehört eine Pferdezucht. Endlich Fußball-Bezug auch hier …

Finale auf Tahiti

Endlich ließen Wetter und Wellen die Finali in den Surfwettbewerben zu. Der Franzose Kauli Vaast, auf Tahiti und praktisch im Ozean aufgewachsen, erwischte die Superwelle, die ihn zu Gold führte. Naja, er hat sie schon perfekt zu nutzen gewusst. Dem Australier Jack Robinson blieb da nur Silber. bei den Frauen setzte sich die Amerikanerin Caroline Marks hauchdünn gegen die Brasilianerin Tatjana Welton-Webb durch. Großartige Wettbewerbe sind damit zu Ende gegangen, es gibt schon Vorfreude auf LA 2028 – dort soll der Pazifik ja auch ganz hübsche Wellen bereitstellen …

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Medaille für die Hockey-Männer: Die haben sie nach dem harterkämpfen 3:2-Halbfinalsieg gegen Indien sicher. Zweimal gingen die Deutschen in Führung, zweimal konnte de Olympiasieger ausgleichen. Nach der erneuten Führung durch. Nach der erneuten Führung durch Marco Miltkau hatte Indien noch eine Riesenchance, doch der scharfe Schuss flog knapp übers deutsche Gehäuse. Im Finale trifft das Team auf Holland, das sich 4:0 gegen Australien durchsetzte.
– Die Fußballerinnen müssen ihren Goldtraum begraben. In einem weitgehend langweiligen Halbfinale verlor das Team von Horst Hrubesch den USA mit 0:1 nach Velängerung. Eine Unachtsamkeit in der Abwehr brachte die Entscheidung, eine Riesenmöglichkeit kurz vor Schluss wurde vergeben. Im Spiel um Bronze trifft die Auswahl nun auf Spanien, das etwas überraschend Brasilien mit 2:4 unterlag. Dieses Spiel hatte in der 2. Halbzeit sage und schreibe 18 Minuten Nachspielzeit. Das ist einfach lächerlich, wie das die FIFA handhabt. Erneut mein Wunsch, ja meine Forderung: Her mit der effektiven Spielzeit: Uhr anhalten entweder wie im Basketball bei jeder Unterbrechung oder wie im Handball bei jeder längerfristigen Pause. Funktioniert in beiden Sportarten glänzend, und am Ende gibt es wenigstens um den Schlusspfiff keinen Stress.
Letztlich ohne Chance waren die Handballerinnen im Viertelfinale gegen Frankreich. Sie zeigten allerdings trotz der 23:26-Niederlage ihre beste Leistung im Turnier und ärgerten den Gold-Favoriten bis in die 2. Halbzeit hinein.
Beach-Duo souverän: Nils Ehlers und Clemens Wickler gewannen das Viertelfinale gegen die Holländer Stefan Borman und Yorick de Groot mit 2:0 Sätzen. Auch eine Schwächephase im ersten Durchgang als das Paar einen hohen Vorsprung verspielte, änderte nichts am klaren Erfolg. Jetzt treffen die beiden auf das schwedische Paar/Ahman Helvig, das als Gold-favorit gilt.
Tischtennis-Männer gescheitert: Im Viertelfinale gegen Schweden mussten Dmitrij Ovcharov, Timo Boll und Co. sich Schweden klar mit 0:3 Spielen geschlagen geben. Für Boll was es der letzte Auftritt auf internationaler Bühne, dementsprechend wurde der 43-Jährige gefeiert.

Und sonst?

  • Holländischer Weltrekord: Im Bahnrad-Teamsprint gewann Oranje Gold vor Großbritannien
  • Olympischer Rekord! (für die Ewigkeit?): Ein Kunststück der besonderen Art gelang dem Ringer Mijain Lopez: Als erster Sportler in der olympischen Geschichte dem Schwergewichts-Greco-Ringer in ein und derselben Disziplin (bis 130 kg) das fünfte Einzel-Gold. Auf „nur“ viermal Gold kamen die US-Ikonen Michael Phelps (200 Meter Freistil) und Carl Lewis (Weitsprung). Sogar fünf Triumphe kann sogar Isabell Werth vorweisen – allerdings in der Dressur-Mannschaft mit unterschiedlichen Teamkolleginnen und-Kollegen. Mehr zu diesem faszinierendem Athleten hier.

Das wird monympia, Mittwoch

Pflichtprogramm
13.30: Handball Männer, Viertelfinale, Frankreich gegen Deutschland. Doof gelaufen für die Deutschen, die als Gruppenerster auf die hoch eingeschätzten Gastgeber treffen, die erst ganz langsam ins Turnier gefunden haben. Oder sind die Karabatics und Co. nicht mehr so gut? On verra. Die anderen Viertelfinals sind auch sehenswert, etwa Dänemark vs Schwede (17.30)
18.00: Basketball, Frauen, Viertelfinale. Deutschland – Frankreich, die Zweite: Die Deutschen sind die Überraschung des Turniers. Alles Weitere ist Zugabe, aber beim Deutschen Basketball sehe ich langsam keine Grenzen mehr nach dem Olympiasieg 3×3 und dem souveränen Halbfinaleinzug der Männer. In der Partie Spanien – Belgien wird der Gegner der Siegerinnen ermittelt (14.30).

Wird spannend
12.35: Klettern, Speed Frauen, Viertelffinale, Halbfinale, Finale. Auch wenn Kletterpuristen über diesen Geschwindigkeitsrun die Nase rümpfen: Es ist schon aberwitzig, wie schnell Menschen so einen künstlichen Kletterbaum hochrennen können. Affen werden da neidisch.
19.28: Bahnrad, 4er-Verfolgung Frauen, Finale. Auf den gegenüberliegenden Seiten der 250-Meter-Bahn starten die beiden Teams, man hat bangend die Zeit im Blick, die jede halbe Runde aufleuchtet.. Favoritinnen sind Britinnen, Französinnen und Australierinnen. Ob da die Deutschinnen eingreifen können, wage ich zu bezweifeln.
20.00: Tischtennis, Männer Team Halbfinale: Ob mit deutscher Beteiligung, bleibt abzuwarten, denn im Viertelfinale wartet die hohe Hürde Schwede wit Silbermedaillengewinner Truls Moregard.

Appetizer
17.30: Skateboard, Vorläufe Männer: In einem Parcours mit Wellen und Rampen. Schaun mer mal, was die Herrschaften da veranstalten.

🇩🇪 🇦🇹 👓
09:00: Golf Frauen. Die Proetten führen ein zeimliches Schattendasein. Nelly Korda aus den  ist derzeit die beste Spielerin der Wlet, aber auch sie gewinnt nicht jedes Turnier. Die Österreicherin Emma Spitz sowie  die Deutschen Alexandra Försterling und Esther Henseleit haben höchstens Außenseiterchancen.
20.25: Diskus Männer, Finale. Mit der größten österreichischen Medaillenhoffnung in der LA Lukas Weisshaidinger. Auch Clemens Prüfer konnte sich qualifizieren.Favorit ist aber Weltrekordhalter Mykolas Alekna, dessen Vater Viigilius zweimal Gold im Diskuswurf eroberte und einmal Bronze.

Olympia tous les jours

Zwei Gänsehautmomente ziemlich zur gleichen Zeit, und ein lohnender Schwimm durch die dreckige Seine – das waren nur die Höhepuntke des Montags.

Krönung vor zwei Königen

Das Basketballmärchen ist perfekt. Die deutschen 3×3-Basketballerinnen haben tatsächlich Gold gewonnen. Es war ja schon eine Glanzleistung, überhaupt nach Paris zu kommen mit einem Wurf in letzter Sekunde beim Quali-turnier in Ungarn. Die unglaubliche Vorrunde mit 6 Siegen und nur einer Niederlage nährte schon leichte Hoffnungen. Und in zwei unfassbar spannenden Begegnungen erst im Halbfinale gegen Kanada und noch am Abend im Endspiel gegen Spanien schafften Svenja Bronckhorst, Sonja Greinacher, Marie Reichert und Elisa Mevius die Krönung: Gold vor den Augen des spanischen Königs Felipe und des deutschen Basketballkönigs Dirk Nowitzki, der es sich nicht nehmen ließ, live vor Ort bei der ersten olympischen Basketball-Medaille für Deutschland überhaupt live vor Ort am stimmungsvollen Court am Place de la Concorde zu sein. Er war dann auchn einer der ersten Gratulanten.
Wieder hatten die Frauen im Finale einen 4-Punkte-Rückstand aufgeholt. Sie waren in ihren Partien ja nie haushoch überlegen, aber am nervenstärksten und auch das eingespielteste Team. Und sie hatten mit Greinacher auch die vielleicht beste Spielerin des Turniers in ihren Reihen: eine exzellente Verteidigerin und gute Schützin. Für Bronckhorst hingegen konnte der Abschied vom Leistungssport in ihrem letzten Spiel überhaupt besser nicht sein.
An Spannung nicht zu toppen? Vielleicht nicht aus deutscher Sicht, aber später das Finale der Männer war wenn das überhaupt möglich ist, noch nervenaufreibender zwischen Frankreich und Holland. Es ging in die Verlängerung, wo dann derjenige gewinnt, der als Erster 2 Punkte schafft, also jenseits der Linie trifft. Die Franzosen schafften nur einen Einer, die Holländer waren noch mal am Ball, die Zeit lief ab. Ttsächlich traf Worthy de Jong mit einem unglaublichen Zweier, auf den der weiter anwesende Nowitzki stolz gewesen wäre. Die fanatischen Franzosen verstummten, aber nur kurz, dann feierten sie ihre Silber-Jungs, und auch die Gold-Oranjes. 3×3-Basketball, zum zweiten Mal olympisch, hat sich etabliert als fantastische Version des Hallenbasketballs.

Dem Himmel ein Stück näher

Diese Überschrift, las ich im „kicker“, als in den 70ern der Amerikaner Bob Saegren mit dem Stab 5,63 Meter überwand, damals Weltrekord. Und damals war eine Höhe bereits jenseits der 6 Meter utopisch, aber erst recht die 6,25 Meter, die der Schwede Mondo Duplantis am späten Montag auflegen ließ. Als Olympiasieger stand er fest, die Konkurrenz um Sam Kendricks (5,95/Silber) und Emmanoul Karralis (5,90/Bronze) hatte sich schon längst aus dem Wettbewerb verabschiedet und stand Spalier, um ihren Stabhochsprungkönig zu huldigen. Zunächst übersprang er 6,10 Meter – olympischer Rekord. Jetzt also Weltrekord-Versuche: Nummer 1 scheiterte knapp, Nummer 2 ziemlich klar. In knisternder Spannung also Versuch Nummer 3, und diesmal klappte es. Ohne die Stange zu berühren überflog Duplantis 6,25, die wahrscheinlich sogar 6,30 Meter gewesen wären. Das Stade de France explodierte, und Duplantis feierte ausgelassen, wie man es selten gesehen hatte. Herzte die Freundin, herzte die Trainer, herzte Renaud Lavellinie, vor Duplantis Weltrekordler und mittlerweile ein guter Freund. Jeder Konkurrent klatschte ihn ab ohne Neid: Was für ein Gefühl muss das sein, von vornherein zu wissen, auf keinen Fall Gold zu gewinnen.
Dieser olympische Moment wird bleiben – bei mir hat er sich jetzt schon sehr viel tiefer eingebrannt als das 100-Meter-Finale.

Dreckig zu Gold

Nein, den Schmutz der Seine sah ich den Triathleten nicht an, nachdem sie in der Mixed-Staffel die Seine durchquert hatten. Und zumindest den Deutschen wird er letztlich auch egal sein, Denn zum Abschluss der Wettbewerbe siegte die Staffel Tim Hellwig, Lisa Tertsch, Lasse Lührs und Laura Lindemann vor den USA und Großbritannien. Lindemanns fantastischer Endspurt sicherte das Gold. Im Einzel hatte sie noch Pech, als sie auf der Radstrecke stürzte und den Anschluss an die Spitze verlor. „Dafür lohnt es sich, zwei Tage krank zu sein“, spielte Tertsch auf die Kolibakterien im Fluss an.

Standhaft in der Hölle

In den Ballsportarten kommt es im Viertelfinale ja gleich viermal zum Duell Frankreich gegen Deutschland. Die Volleyballer machten gestern den Anfang, und dem Team um Georg Grozer (Hammer Schorsch genannt) stand gegen die Gastgeber und Weltmeister vor der Sensation. Die ersten zwei Sätze gewannen die Deutschen, die dort wahrscheinlich das beste Volleyball vorführten, das je ein Team aus Germany gezeigt hat. Frankreich glich aus, schaffte im Decider einen klaren Vorsprung. Die Deutschen kamen noch mal heran im Hexenkessel zu Paris, doch zum ganz großen Coup sollte es nicht reichen, weil am Ende die risikoreichen Aufschläge allesamt im Aus landeten. Niemand muss sich etwas vorwerfen. Augenzeugen berichteten, sie hätten noch nie beim Volleyball ein feindseligeres Publikum erlebt als das französische, das bei jedem deutschen Aufschlag zu einem gellenden Pfeifkonzert ansetzte. Dieses ist ja für seine Unsportlichkeit berüchtigt, wie es Jahr für Jahr bei den French Open in Roland Garros zeigt.

Und sonst?
– ein absurder Wettbewerb: Kanu-Cross heißt die neueste olympische Errungenschaft. Vier Kajakfahrer gleichzeitig stürzen sich in den Eiskanal, das kennt man vom Skifahren und Snowboard. Dort klappt es einigermaßen, doch beim Kanu erinnert das Ganze eher an Autoscooter, wenn sich die Kanus gegenseitig rammen, und die Slalomstangen dem Gegner mit Absicht vor den Bug geknallt werden. Sicher amüsant, aber der sportliche Wert erschließt sich mir nicht. Dann könnte man auch das Wiesn-Teufelsrad olympisch machen, wäre das nicht eine Idee für die Spiele 2040, wenn sie denn wirklich wie erhofft/befürchtetin Deutschland stattfinden. Seis drum: Am Ende fanden sich auch hier zwei Goldene: Noemie Fox aus Australien (nicht zu verwechseln mit Kanu-Ikone Jessica Fox) und Finn Butcher aus Neuseeland jubelten über Gold. Für den Deutschen Noah Hegge blieb Bronze
– Geschlagene Simone Biles: Am Schwebebalken blieb sie gar ohne Medaille nach einem unfreiwilligen Abgang, und am Boden musste sie sich trotz einer spektakulären Kür mit Silber hinter der Brasilianerin Rebecca Andrade begnügen. Barren-Weltmeister Lukas Dauser war nach seiner Bizeps-Verletzung nicht wieder voll fit und wurde nur Siebter.

🇩🇪🇦🇹👓
Im Teamsprint sicherte das Bahnradtrio Pauline Grabosch, Emma Hinze und Lea Friedrich Bronze. Die dreifachen Weltmeisterinnen mussten ihren Traum von Gold trotz Weltrekordes im Vorlauf begraben, weil dort die Britinnen und Neuseeländerinnen noch schneller waren.Die Britinnen holten letztlich Gold
Klettermaxe Jakob Schubert: Der Österreicher beeindruckte in der Lead-Quali und darf sich Hoffnungen auf Gold machen.

 

Monympia tous les jours

Was für ein Sonntag. Und einer der Sportstars, sei es Novak Djokovic, Scottie Scheffler und Noah Lyles. Und die deutschen Reitersleute schwimmen weiter auf der Goldwelle.

Djoker komplettiert die Titelsammlung

Ehre wem Ehre gebührt. Ich mag Novak Djokovic nicht besonders (um es noch vorsichtig auszudrücken), aber sein Tennisspiel ist ist immer noch erstaunlich. In einem hochklassigen Finale bezwang der Serbe den Spanier Carlos Alcaraz, der ihn in Wimbledon noch besiegt hatte. Zum Teil unfassbare Ballwechsel faszinierten die Zusschauer in Roland Garros. Vielleicht wollte der Djoker das Olympiagold etwas mehr als der junge Spanier, so engagiert hat er in diesem Jahr überhaupt noch nicht gespielt. Dieser Titel fehlte dem 37-Jährigen noch in seiner ansonsten kompletten Sammlung – und es war realistisch gesehen sein letzter Versuch. Es war Titel Nummer 99, Zahlenfetischisten rechnen schon weiter: Titel auch bei den US Open Anfang September, es wäre Nummer 100 und sein 25. Grand-Slam-Erfolg, womit er den Alltime-Rekord der Margaret Court übertreffen würde. Und dann darf er gerne aufhören …

Schefflers Aufholjagd

Nahezu gleichzeitig sicherte sich der Amerikaner Scottie Scheffler, zurzeit mit Abstand bester und konstantester Golfer der Welt, mit einer sagenhaften 62er-Schlussrunde noch das Gold, das er eigenntlich schon abgeschrieben hatte. Ein absolut olympiawürdiges Finale mit Traumschlägen, aber auch furchbaren Felhleinschätzungen. So versanken Rory McIllroys Hoffnungen in einem Wasserhindernis. Jon Rahm versemmelte bei schon 4 Schlägen Vorsprung die letzten 9 Löcher inklusive Triplebogey an der 14. Der Brite Tom Fleedwood holte Silber, Hideki Matsuyama aus Japan Bronze.

5 Millimeter entscheiden

Der schnellste Mann der Welt heißt Noah Lyles. Zumindest ist der Amerikaner 100-Meter-Olympiasieger geworden. Knapper hätte der Erfolg nicht ausfallen können, denn der lag bei 9,78 Sekunden nur 5 Tausendstel  vor dem Jamaikaner Kishane Thompson. Diese Tausendstel-Entscheidungen finde ich nicht so prickelnd, sie gibt es auch etwa im Schwimmen nicht., wo es dann halt 2 Goldmedaillen gibt. Es war ein in der Breite unfassbar schnelles Rennen. Der Achte kam mit 9,91 Sekunden ins Ziel. So faszinierend der Sprint ist: Das unfassbare Buhei drumherum, Glitzer, Glamour, besondere Einlaufmusik finde ich völlig übertrieben; es wird meines Erachtens den anderen Disziplinen, wo das alles nicht stattfand, nicht gerecht.
Da wäre zum Beispiel Ethan Katzberg. Fast schon ein Hänfling für seine Disziplin Hammerwerfen. Im ersten Versuch schleuderte der schnauzbärtige Kanadier das Gerät auf mehr als 84 Meter, schon die Entscheidung, denn im letzten Jahrzehn hatte nur er diese Weite erzielt. Am Ende lag er mehr als Mehr Meter vor dem Zweiten Bence Halasz aus Ungarn, deutlicher geht es kam noch.

Doch noch Weltrekorde im Schwimm-Becken

Nämlich zwei am Schlusstag durch den Amerikaner Bobby Finke über 1500 Meter und die US-Lagenstaffel der Frauen und damit insgesamt vier. Finke führte von Beginn an in einem faszinierendem Rennen gegen den bärenstarken Italiener Gregorio Paltinieri, auch lange unter der alten Rekordmarke, bevor ihm etwas die Luft ausging. Und der Staffelerfolg im letzten Wettbewerb ist für die Amis doppelt wertvoll, denn so konnten sie mit 8 Goldmedaillen noch den Medaillenspiegel im Schwimmen vor Australien für sich entscheiden, immer bei Großereignissen eine Prestige-Angelegenheit zwischen den beiden führenden Schwimm-Nationen. Und Sarah Sjöström, die unermüdliche Schwedin, sprintete zu 50-m-Gold im Freistil.

Doppelschlag von Jessica von Bredow-Werndl

Die deutsche Dressurreiterin eroberte auch Einzelgold mit ihrer großartigen Stute Dalera. Sie verwies Isabell Werth/Wendy, die ihre üppige Medaillensammlung weiter aufstockte, und Charlotte Fry/Glamourdale auf die Plätze. Die favorisierte Dänin Cathrine Laudrup-Dufour kam auf dem offenbar nicht mehr ganz frischen Freestyle nur auf Platz 5. Dressur ist und bleibt eine Frauen-Angelegenheit. Als einziger Mann kam der Brite Carl Hester/Fame unter die besten 10. Ein klarer Fall für eine eigene Wertung …

Ein Chinese zuviel

Das ist übehaupt nicht abwertend gemeint für diese fantastische Tischtennis-Nation. Es war ja schon überraschend dass es kein rein-chinesisches Finale gab. In dem aber sicherte sich Fan Zhengdong Gold gegen den Schweden Truls Moregard. Nach verlorenem ersten Satz zog Fan an und gewann letztlich sicher in fünf Sätzen.

Und sonst?
– eine Überraschungssiegerin im Straßenrennen. Die Amerikanerin Kristen Faulkner gewann im Alleingang. Sie setzte sich etwa 5 Kilometer ab und profitierte davon, dass sich die viel höher eingeschätzten Marianne Vos aus Holland und Lotte Kopecky (Belgien) gegenseitig belauerten. Keine der beiden wollte echte Nachführungsarbeit verrichten. Lieber auf Gold verzichten, als das die Kontrahentin (es lebe die niederländisch-beligsche Rivalität) gewinnt.
Drama im Badminton: Goldfavoritin Carolina Marin aus Spanien war im Halbfinale auf dem besten Weg zum Sieg gegen die Chinesin Jing Bao He. Erster Satz gewonnen, Führung im 2. Satz. Dann brach bei einem. Ausfallschritt eine alte Knieverletzung wieder auf. Lange Behandlungspause. Mit einem Verband probierte es Marin noch mal, doch nach ein paar Ballwechseln musste sie aufgeben. In den Armen ihrer Betreuer weinte sie hemmungslos, die Chinesin tröstete und war sichtlich velegen ob des geschenkten Erfolgs, wusste nicht genau, was sie machen sollte. Ein Rollstuhl wurde herangekarrt, doch die stolze Spanierin wollte ihn nicht und verließ erhobenen Hauptes unter tosenem Applaus des Publikums den Court. Diese Bilder gingen mir unter die Haut und konnten niemanden kaltlassen.
(Süd)Koreanischer Durchmarsch: Im Bogenschießen gab es in 5 Wettbewerben fünfmal Gold. Die Deutschen blieben bei einmal Silber im Mixed-Team leicht unter den Erwartungen. Florian Unruh erreichte zwar das Einzel-Halbfinale, hatte dort aber trotz guter Serien gegen den Amerikaner Brady Ellison und im Match um Platz 3 gegen den Koreaner Wooseok Lee keine Chance.

🇩🇪 👓
3 Erfolgreiche Ballsportler: Alle Teams haben die Vorrunde überstanden und stehen nun in der K.-o.-Runde. Dort kommt es zu deutsch-französichen Festspielen. Gleich viermal treffen die Vertretungen aufeinander: Männer und Frauen im Handball, Frauen im Basketball und Männer im Volleyball. Einerseits für jeden Athleten ein Festival der Gefühle bei unvergleichlicher Atmosphäre (zB 27.000 Zuschauer beim Handball in Lille), andererseits bliebe man bei einer Niederlage gegen die Gastgeber ohne Medaille. Mein Tipp: Die Handballer und Volleyballer schaffen es, die Handballerinnen nicht. Den Basketballerinnen gebe ich eine 50:50-Chance.
Schon im Halbfinale stehen die Hockey-Männer nach einem harterkämpften 3:2 gegen Argentinien. Dort wartet Rekordweltmeister Indien, gegen die das Team bei Olympia 2020 das Spiel um Platz 3 verlor.

 

 

 

Das wird monympia, Montag

Nach dem Wahnsinnswochenende geht es jetzt ein bisschenn ruhiger zu.

Pflichtprogramm
14.23: Turnen, Frauen, Boden. Noch nicht genug von Simone Biles gesehen? Jetzt der krönende Abschluss der Turnwettbewerbe. Sie springt gefühlt bis in die deckenbeleuchtung, so viel höher als die Konkurrenz. Aus deutscher Sicht spannend wird das Barrenfinale mit Weltmeister Lukas Dauser.
17.30: 3×3 Frauen Halbfinale. Erst Spanien gegen USA, dann Deutschland gegen Kanada. Am selben Abend noch Spiel um Platz 3 und Finale. Dasselbe auch bei den Männern.
19.00: Stabhochsprung Männer: Da beginnt zumindest das Finale. Doch Überflieger Mondo Duplantis wird erst später, vielleicht nach einem „Probesprung“ so über 5,75 Meter, ernsthaft ins Geschehen eingreifen. Am Gold des Schweden zweifelt niemand, die Frage, bleibt ob mit Weltrekord und wer die anderen Medaillen gewinnt.

Wird spannend
08.00: Triathlon, Mixed-Staffel. Es geht wieder durch die Seine. Ein echter Sprint über 300 Meter Schwimmen, 7 km Radfahren und 1,8 km Laufen
15.30: Kanuslalom, Kajakcross, Männer und Frauen. Neue Disziplin, die sich erst eingrooven muss. Aber wenn es dann um di Medaillen geht, wird es sicher unterhaltsam.

Appetizer
12.13: Kitesurfen Frauen und Männer: Die Läufe 5 bis 8 bei Frauen und Männer. Nicht so hoch wie die Wellen auf Tahiti, aber es kann durchaus hoch hinausgehen.

🇩🇪 🇦🇹 👓
09.00: Beachvolleyball, Achtelfinale: Svenja Tillmann/Cinja Tillmann treffen auf ein lettiches Paar.
10.00: Klettern, die Boulder-Variante wo der Österreicher Jakob Schubert zu den Goldfavoriten gehört.
12.30: Hockey Frauen, Viertelfinale: Deutschland – Argentinien. Die Danas auf Medaiallenmission. Argentinien hatte schon mal eine bessere Mannschaft.
17.00: Volleyball, Männer: Deutschland – Frankreich. Die Halle wird toben.