von Münchner Löwe | Juni 23, 2024 | EM, Fußball
Powerranking der EM-Teams (Top 16)
2 Spieltage sind bei der EURO 2024 absolviert. Insgesamt haben mich die Spiele und die Begeisterung in den Stadien begeistert. Es gibt jetzt nicht das Überteam, auf das ich bedenkenlos meine Wette abschließen würde, aber doch einige sehr beeindruckende Mannschaften. Aber auch solche, die den Erwartertungen weit hinterherhinken. Das Ranking ist natürlich rein subjektiv. Neben den Ergebnissen, spielen auch meine Erwartungen (also das Potenzial aus meiner Sicht) und der Unterhaltungswert eine Rolle. Wenn Deutschland heute gegen die Schweiz nicht verliert, käme es nach dieser Rangliste bereits im Viertelfinale zu einem vorweggenommenen Endspiel zwischen Spanien und Deutschland. Und noch eines: Nicht aller der auserwählten 16 Teams werden auch das Achtelfinale erreichen.
- 🇪🇸 Spanien
Zwei Spiele, zwei überzeugende Auftritte gegen zumindest nominell starke Kroaten und Italiener. Das junge Duo Williams und Yamal sprühen vor Spielfreude. Die Abwehr wirkt nicht hundert Prozent sattelfest, und Torwart Simón muss noch zeigen, was er kann.
- 🇩🇪 Deutschland
Ebenfalls zwei überzeugende Partien gegen allerdings reichlich schwache Schotten und enttäuschende Ungarn. Auch hier bestechen zwei junge Offensivkräfte mit Musiala und Wirtz. Auch hier zeigt die Abwehr unter Druck Unsicherheiten, und Torwart Neuer hat mich gegen Ungarn nicht vollends überzeugt.
- 🇵🇹 Portugal
Eine Ansammlung von Stars, die ich in einem Tippspiel zum Europameister erkoren habe. Unglaublich viel Pltenzial. Und gerade die Altstars Ronaldo und Pepe (wirklich stark!) sind tatsächlich gut integriert, wobei ich den Assist von Ronaldo trotz eigener guter Einschussmöglichkeit nicht überhöhen will. Der Teamspirit scheint zu funktionieren. Leao ist ein toller Stürmer, kann den Unterschied ausmachen, aber seine Schwalberei ist furchtbar.
- 🇫🇷 Frankreich
Nominell vielleicht der beste Kader. Leider lässt Trainer Didier Deschamps seine Ansammlung von Weltklassespielern taktisch nicht von der Leine. Hinten dicht machen, und vorne werden es die Superstürmer schon richten. Funktioniert natürlich besser, wenn ein Kylan Mbappé wieder dabei ist. Spätestens im Achtelfinale wird er dabei sein, aber die Maske nach seinem Nasenbeinbruch wird ihn behindern. Ngolo Kante gefällt mir als Abräumer sehr gut, seine Zeit in Saudi-Arabien hat siener Form nicht geschadet.
- 🇳🇱 Holland
Oranje setze ich ganz knapp hinter Frankreich. Die Stürmer sind mE nicht ganz so gut. Hinten räumt Virgil van Dijk auf, und Schlussmann Bart Verbrügge gehört zu den Besten des Turniers. Mindestens Potenzial fürs Halbfinale, das hängt vom Turnierbaum ab.
- 🇧🇪 Belgien
Sehr unglückliche Niederlage gegen die Slowakei, weil 2 Lukako-Tore aberkannt wurden (und gegen Rumänien gleich noch eines). Der ewige Geheimfavorit ist nicht mehr so stark, aber ein de Bruyne kann jederzeit den Unterschied machen. Ein paar junge, interessante Spieler wie Doku von Manchester City rücken nach. Favorit auf den Sieg in der Gruppe F. Torwart Casteels ist jetzt allerdings nicht der allerstärkste.
- 🇨🇭Schweiz
Beeindruckender Auftakt beim 3:1 gegen Ungarn. Gegen Schottland eher irdisch. Zum ganz großen Wurf dürfte es nicht reichen, weil vorne ein Klassestürmer fehlt. Aber eine gute Achse Sommer-Akanji-Xhaka..Könnte heute schon ein Härtetest gegen Deutschland werden.
- 🇩🇰 Dänemark
Danish Dynamite hätte gegen Italien gewinnen müssen, und auch gegen Slowenien im ersten Spiel war das Team besser. Das Mittelfeld ist das Prunkstück: Christian Erikssen zieht die Fäden, glänzend unterstützt von Hojberg. Ist halt die Frage, wie das Team unter Druck aufspielt.
- 🇮🇹 Italien
Jetzt erst? Jetzt erst! Schwache Leistung ohne Initiative gegen Spanien, die unangenehme Hürde wurde trotz des frühen Rückstands letztlich souverän genommen. Schlüsselspiel morgen gegen Kroatien. Und der Titelverteidiger hat gezeigt, dass man ihn in K.-o.-Spielen erst mal bezwingen muss.
- 🇦🇹 Österreich
Dumme Niederlage wegen eines Eigentors gegen Frankreich. Enormer Druck in der „Todesgruppe“gegen Polen, und es gelang ein Pflichtsieg, der Austria auf ein Weiterekommen hoffen lässt. Vielleicht fehlt das ganz hohe Tempo und absolute Ausnahmekönner. Aber Rangnick hat ein richtig starkes Kollektiv gebildet. Wenn tatsächlich alles ineinandergreift, ist für mich sogar das Viertelfinale drin.
- 🏴 England
Mit Bauchweh. Zwar spielen die Three Lions grauenhaften Fußball, aber ein Sieg und ein Remis ,lassen sich nicht völlig wegdiskutieren. Aber es tut schon in der Seele weh, wenn man absolute Superspieler wie Foden, Bellingham (noch der beste) so herumstümpern sieht. Pragmatisch-erfolgreich – genau das was der Fußball-Romantiker nicht braucht (das haben die Deutschen in den 80ern brillant beherrscht … Trotz allem: Es kann weit gehen, auch weil die Abwehr mit Walker steht und auch Torwart Pickford einen guten Job verrichtet Wie bei den Italienern: Man muss sie erst mal schlagen.
- 🇷🇴 Rumänien
Sie scheinen endlich wieder eine gute Fußball-Generation zu haben. Sehr schöne Kombinationen gegen die Ukraine und trotz der Niederlage gestern auch gegen Belgien. Und sie haben einen Puskas und einen Hagi, was soll da bitte schiefgehen?
- 🇹🇷 Türkei
Der Co-Gastgeber: Die erste Partie gegen Georgien war bisher die spektakulärste des Turniers. Mit offenen Visier, also ein Graus aller Trainer, aber ein Fest für die Zuseher. Gegen Portugal wurden die Grenzen aufgezeigt, wobei ein absurdes Eigentor (das absurdeste von mittlerweile sechsen) alles andere als hilfreich war. Sie haben tolle Einzelspieler, aber die Abwehr scheint nicht halbfinalreif, wahrscheinlich ncht mal viertelfinalreif.
- 🇸🇮 Slowenien
Noch ungeschlagen, aber gegen England muss wohl ein Sieg her, um weiterzukommen. Sehr begeisternde und beigeisterungsfähige Spieler. Zwei Ausnahmespieler mit Torwart Oblak und Stürmer Sesko. Ob das reicht, bleibt dahingestellt.
- 🇦🇱 Albanien
Neben den Schotten die besten Fans. Und lange nicht mehr ein belächelter Fußballzwerg, sondern verdienter EM-Teilnehmer. Starke Auftritte gegen die hochfavorisierten Italiener und Kroaten. Besonders auffällig: Asslani von Inter. Schade, dass es gegen Kroatien nicht zu einem Sieg gereicht hat.
- 🇬🇪 Georgien
Habe ich reingenommen, weil sie mit Mamashvili den besten Torwart des Turniers stellen. Mit großer Verve dabei, technisch beschlagen sind sie ohnehin, die Tiflissche Schule lässt grüßen. Eine echte Bereichewrung des Turniers
Und sonst
Die größte Enttäuschung sind bisher die 🇭🇷Kroaten, die wahrscheinlich das Achtefinale verpassen, außer es gelingt ein Sieg gegen Italien. Das Prunkstück Mittelfeld ist doch in die Jahre geworden.
Die 🇺🇦 Ukraine – mein Seelenfavorit: Echtes Herzrasen bei der Hymne und der Schwenk über die jungen Gesichter und der Gedanke, wo diese jungen Burschen wären, wenn sie nicht so gut Fußball spielen könnten.
Einfach nur furchtbar: 🇵🇱 Polen: Das einzige Team, das auch rechnerisch schon ausgeschieden ist. Zwei ganz schwache Leistungen.
von Münchner Löwe | Juni 20, 2024 | EM, Fußball
Schöne Spiele, noch bessere Stimmung
Seit knapp einer Woche läuft sie jetzt, die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland, vulgo: EURO. Und ich bin hellauf begeistert. Lange hab ich drüber sinniert, was ich diesmal so faszinierend finde und bin zu folgendem Ergebnis gekommen.
- Angriff ist Trumpf.
Zumindest bei den meisten Teams. Vor allem auch die zu den Außenseiter zählenden Mannschaften versuchen, Tore zu erzielen. Wie die Albaner, die Georgier, um die beiden vielleicht größten Dark Horses des Turniers zu nennen. Zu den in dieser Hinsicht enttäuschenden Teams sind leider zwei absolute Favoriten, nämlich die Engländer und (nicht ganz so schlimm) die Franzosen. Diese auch offensiv hochbegabten Mannschaften steckenfast schon in einem Zwangskorsett: vor allem hinten sicher stehen, und vorne auf einen Geniestreich warten der Hochbegabten, sei es Jude Bellingham oder Kylian Mbappé, Nase hin oder her. Das Traurige ist: Didier Deschamps und Gareth Southgate haben Erfolg mit ihrer Taktik, der an den zynischsten italienischen Catenacchio erinnert. Gott sei Dank sind die beiden Teams bisher die Ausnahme von der Regel. Wir sehen faszinierende Angriffskombinationen etwa der Georgier und vor allem auch der Deutschen. Und wer mich nur ein bisschen kennt: ich hab beim Fußball keine nationale Brille auf. Aber dieses Team, gerade mit den brillanten Offensivspielern Jamal Musiala und Florian Wirtz, macht schon Spaß. Und vor allem fantastische Weitschusstore sind die Kirsche auf der Torte
- Überwältigende Stimmung
„Endlich ein Fußball-Fest“, habe ich getitelt. Nach der in dieser Hinsicht eher trostlosen WMs in Katar und auch Russland sowie der auch noch corona-geschädigten Paneuropa-EM wieder in ein Turnier in einem echten Fußball-Land. Schön in der Mitte des Kontinents, damit alle Fanscharen eine vergleichsweise kurze Anfahrt/Flug hatten. Die Folge sind umfassbar stimmungsvolle Partien mit begeisterten Fans, die, oh riesiges Wunder!, die Partien tatsächlich begleiten und nicht per furchtbar monotonen Sprechgesang ermorden. Wer hätte gedacht, dass es in der Münchner Arena so laut zugehen kann wie gerade bei Serbien vs Slowenien. Großer Ärger über mich selbst, dass ich die möglichkeit eines Kartenerwerbs nicht genutzt habe. Bei manchen Spielen flog sprichwörtlich das Dach weg wie bei Türkei vs Georgien in Dortmund. Die Fans aller Länder haben riesigen Anteil am Fußballfest.
Umso trauriger, dass die Fans Leidtragende der maroden Deutschen Bahn sind. Haarsträubende Geschichten von gestrandeten Fans in Bahnhöfen etc wg nicht fahrender Züge machen die Runde. Es sind Systemfehler als Folge eines jahrzehntelangen Verkehrsversagens seitens des Bundes und der Länder. Kaputtgespart: zu wenig Züge, zu wenig Personal, zu wenig Wartung – es ist eine veritable Schande, und ganz Europa schaut nicht nur erstaunt zu, sondern leidet aktiv mit.
Sportlicher Ausblick
Leider ist das Format mit den 24 Teilnehmern suboptimal. Denn letztlich scheiden vor dem Achtelfinale nur 8 Teams aus, und schon nach dem 2. Spieltag dürften einige Teilnehmer fix die K.-o.-Runde erreicht haben. Gerade dieser unselige Rückgriff auf die 4 „besten Dritten“ ist fatal, weil hier nicht Vergleichbares verglichen wird mit dramatischen Auswirkungen, nämlich Weiterkommen oder Ausscheiden. Die Teams in einer sog. schweren Gruppe sind doppelt gestraft. Abhilfe? Macht doch gleich 32 Teams mit acht Vierrergruppen, und jeweils zwei tEams kommen weiter.
Und sonst?
Ein paar Anmerkungen zum deutschen Team: Die erste Elf steht, und die muss keinen Vergleich scheuen. Was längst nicht heißt, dass sie jetzt auch in der K.-o.Runde durchcruisen. Aber gerade Musiala und Wirtz, aber auch Gündogan, Kroos und die Innenverteidiger Rüdiger und Tah lassen die Erwartungen hochschnellen.Und Mittelstädt ist die positive Überraschung auf der linken Abwehrseite.
Aber Manuel Neuer fehlt bei meiner Aufstellung?
Ja – gegen die herrschende, ja fast allgemeine Meinung hierzulande bin ich längst nicht überzeugt von ihm. Nehmen wir das gestrige Spiel gegen Ungarn. Geradezu hymnisch wurde Manuel Neuer gelobt, als er den scharfen Freistoß von Szobozlai abwehrte und auch den Nachschuss reaktionsschnell entschärfte. Doch das war kein „Unhaltbarer“ wie alle jubelten, sondern ein Ball, den ein guter Torwart wie Neuer einfach haben muss. Und zwar im Idealfall entweder festhält oder wenigstens nicht nach vorne abwehrt, wo ein Nachschuss droht. Gleiches haben wir dann kurz vor der Halbzeit beim (klaren) Abseitstor der Ungarn gesehen. Wieder eine Abwehr zurück ins Feld, wo dann ein Ungar abstauben konnte. Und der haarsträubende Fangfehler kurz vor Ende war anfängerhaft und nur wegen Kimmichs Rettungstat auf der Linie ohne Folge. Und was macht etwa die tz? Gibt die Note 1 (überragend). Auch fast alle anderen Medien überhöhen die Rettungstat zum Heldenepos (Unser Manu ist wieder der Alte) und bagatellisieren die Fehler. Manu unangreifbar, Kritik ist Gotteslästerung.
Nicht falsch verstehen: Jetzt ist es zu spät für einen Torwartwechsel. Augen zu und hoffen, heißt es für die deutschen Fans, ter Stegen hin ode her.
von Münchner Löwe | Juni 13, 2024 | EM, Fußball, Leichtathletik
Paukenschlag durch Terzic
Dass beim BVB beim Trainerthema nicht eitel Sonnenschein ist, hat sich herumgesprochen. Je nach Lesart hat Edin Terzic Stress nicht nur mit Mats Hummels, son dern mit einem Großteil der Mannschaft. Besser gesagt hatte, denn heute zog er die Notbremse und batum vorzeitige Auflösung des Vertrags, eine Bitte, der die Vereinsführung folgte. So lautet zumindest die offizielle Version, der ich jetzt bis zum beweis des Gegenteils erst mal glaube.
Ob Terzic mit seiner Demission einer Entlassung zuvorgekommen ist, bleibt also Spekulation. Tatsache ist, dass der Trainer das Team mit beeindruckenden ins Champions-League-Finale geführt hat, Tatsache ist allerdings eine unterschnittliche Bundesliga-Saison mit Platz 5, die nur wg der erfolgreichen deutschen Jahreswertung in internationalen Wettbewerben nächste Saison wieder für die Königsklasse reicht (allerdings auch dank des fleißigen Punktesammels der Dortmunder selbst). Doch der internationale Erfolg kaschiert den nationalen Frust, auch das Heim-Aus gegen den VfB Stuttgart im Pokal hat das Befinden nicht gerade gesteigert. Ich persönlich glaube, dass sogar ein CL-Triumph die Situation nicht wesentlich verändert hätte. Vielleciht wäre Terzic die für ihn schwierige Entscheidung (Herzensclub und so) sogar leichter gefallen.
Übernehmen soll jetzt Nuri Sahin, bereits im Winter zusammen mit Sven Bender als eine Art Aufpasser, Berater (sucht es euch aus) geholt wurde. Ein Novize, was verantwortliche Trainerposition betrifft. Kann gutgehen, muss aber nicht. Der Kader passt, zumal Mats Hummels jetzt keinen Grund mehr hat, den Club zu verlassen.
Apropos Hummels: Wenn dessen unverhohlene und öffentlich geäußerte Kritik an Terzic der Grund dafür ist, das Julian Nagelsmann auf ihn für die EM verzichtet, dann wäre das für mich nachvollziehbar. Ansonsten für mich eine völlig unverständliche Entscheidung nach dessen bärenstarken Leistungen gerade in der Königsklasse
Europäisches Leichtathletikfest
Das war die EM, die gestern in Rom zu Ende gegangen ist, trotz des oft mauen Zuschauerzuspruchs gerade in den ersten Tagen. . Passenderweise mit einem (knapp gescheiterten) Weltrekordversuch des schwedischen Überfliegers Mondo Duplantis mit dem Stab. Ich mag die EMs in Olympia-Jahren nichtt, aber was ich gesehen habe, war zum Teil schon stark. Herausragend neben Duplantis seien exemplarisch die Dreispringer Jordan Diaz (18,19) und Pedro Pichardo (18,04) genannt. Malaika Mihambo schaffte mit 7,22 Meter ihre zweitbeste je gesprungene Weite und hlte das einzige deutsche Gold. Und für mich der größte Paukenschlag waren die 44,15, die Alexander Boom über 400 Meter auf die Bahn trommelte. Das wäre vor einer Woche noch Europarekord gewesen.
Unfassb ar dominant waren die Italiener. Erwartetes Gold gab es für Geno Tamberi im Hochsprung und 100-Meter-Olympiasieger Marcell Jacobs über 100 Meter und in der Sprintstaffel. Doch einige Newcomer nutzten den Heimvorteil (der eigentlich keiner war). 11 goldene – Respekt und kleine Zweifel aufgrund zum Teil unglaublicher Leistungssteigerungen.
Die Organisatoren haben sich paar Neuigkeiten einfallen lassen. So kamen in den 1500-Meter-Halbfinals nur je 6 Läufer weiter, unabhängig von der Zeit. Finde ich sehr gut, denn 1500 Meter sind halt ein von Taktik geprägtes Rennen. Genau anders war es in den 100-Meter-Vorläufen. Neben den jeweils 10 Gesetzten kamen die 14 zeitschnellsten ins Halbfinale, unabhängig von ihren Laufplatzierungen. Der Nachteil der unterschiedlichen Windunterstützung wurde hier in Kauf genommen.
Völlig missglückt ist mE dagegen der Versuch, die 10000 Meter mitten ins Programm zu hieven. Gerade, dass parallel Hochspringer und Speerwerferinnen antraten, die bei ihren Anläufen auch die Bahn brauchen und extrem gestört wurden durch die zersplitterten Felder, war sehr unglücklich. Ein Tamberi wäre deshalb fast an 2,29 Metern gescheitert, weil er seine Versuche nicht und nicht starten konnte. Auch die Idee, den 10000-Meter-Europameister in zwei getrennten Läufen zu küren, muss dringend überdacht werden. Höfliche Umschreibung: Lasst den Unsinn bleiben!
Was die Leistungen weltweit wert sind, wird sich in knapp zwei Monaten bei Olympia zeigen. Ich habe den Eindruck, dass die Qualität besser wurde. Das liegt aber auch daran, dass viele in Amerika oder Afrika geborene Athleten ihr Glück bei einem euopäischen Verband suchen. Die daraus resultierende Buntheit der Felder gefällt mir sehr. Alle müssen nur aufpassen, dass es nicht so wird wie im Tischtennis, wo vor allem bei den Frauen eine Armada von asiatischen Spielerinnen startet, weil sie in China oder Südkorea keine Chance sahen.
von Münchner Löwe | Juni 11, 2024 | basketball, EM, Fußball, Leichtathletik, Schwimmen, Wochenvorschau
Beherrschendes Thema der nächsten Zeit wird die Fußball-Europameisterschaft sein. Ob und wie und wie oft ich die begleite, weiß ich offen gestanden auch heute noch nicht. EM-Fieber hat mich noch nicht gepackt. Ansonsten Leichtathletik- und Schwimm-EM, die Entscheidung in der BBL und zumindest Vorentscheidungen in den NBA- und NHL-Finals.
Die verdammten 24
Wie 2006 die WM wird auch die EM in München eröffnet, damals wie jetzt am Freitag, damals Costa Rica, am Freitag Schottland. Eine große Vorschau gibt es hier nicht. Ich sehe ein sehr offenes Turnier mit keinem klaren Favoriten. Viele übliche Bekannte wie Frankreich, Spanien, England und, tatsächlich Deutschland. Ewige Geheimfavoriten wie Belgien und Holland und viele Außenseiter Österreich, Ungarn (nein nicht Österreich-Ungarn), die aufzeigen können, aber auch in der Vorrunde ausscheiden.
Hier will ich mich aber über das Format auslassen, ja aufregen. 24 Teams, das ist nicht nur eine Verwässerung der EURO, die mit 16 Teams ein perfektes Tableau hatte. Ärgerlich ist vor allem, dass die besten vier Dritten weiterkommen. Es werden also Äpfel mit Birnen verglichen. Diejenigen, die eh eine schwere Gruppe haben, haben es also nicht nur schwieriger, unter die besten 2 zu kommen, sondern auch im Rennen um einen dritten Platz einen gehörigen Nachteil. Da frage ich mich, warum man nicht gleich auf 32 Teams aufstockt mit 8 Vierergruppen, wo dann jeweils die ersten beiden weiterkommen. Dann wären jetzt halt Teams wie Schweden, Irland, Griechenland und so auch noch dabei, so what? Und wenn man schon aufs 24er-Feld beharrt. Warum nicht drei Spiele der Dritten, die Sieger kommen weiter, und es dazu gibt es einen echten Lucky Looser unter den Verlierern dieser Partien. Ein weiterer Nachteil, den ich gar nicht so gering erachte. 4 der 6 Gruppensieger wissen noch nicht, gegen welchen der Dritten sie antreten müssen (klar ist nur, dass es nicht der „eigene“ Gruppendritte ist). Es gibt also keinen klaren Turnierbaum, sondern einen mit vielen Unwägbarkeiten.
Lasst uns trotzdem auf eine unterhaltsame EM hoffen.
Europäische Kräftemessen
Die Leichtathleten sind bei ihrer EM in Rom schon auf der Zielgeraden mit den letzten Wettkampftagen heute und morgen. Aus deutscher Sicht steht Malaika Mihambo im Blickpunkt, die schon in der Quali 7,03 Meter sprang und auch laut eigener Ansicht in glänzender Form ist. Die einzige echte Gold-Hoffnung. Ein Hingucker sind immer die Staffeln, und heute geht der Ausnahmesportler Mondo Duplantis mit dem Stab auf Höhenjagd. Es gibt wohl kaum eine sicherere Goldmedaille.
Seit gestern läuft auch die Schwimm-EM in Belgrad mit allen Disziplinen außer Wasserball. Die Beckenschwimmer greifen allerdings erst ab nächsten Montag ins Geschehen ein.
Beide Veranstaltungen stehen allerdings im Schatten der Olympischen Spiele, die der klare Saisonhöhepunkt sind. Ein interessantes Kräftemessen ist es allemal, wie einige Wettbewerbe in Rom zeigten.
BBL spannender als erwartet
Die Finalserie der Basketballer zwischen Bayern München und Alba Berlin geht in die Entscheidung. Alba hat für mich überraschend das zweite Spiel in München gewonnen und zwar beeindruckend klar. In der Theorie können sie jetzt mit zwei Heimsiegen in der Arena am Ostbahnhof die Serie für sich entscheiden. Terminiert sind die Begegnungen für Mittwoch und Freitag (20.30 und 18 Uhr). Spiel 5 fände am Sonntag wiederum in München statt. Das 3. Spiel wird nicht nur bei Dyn, sondern auch im ARD-livestream gezeigt.
Und sonst
– die beiden Finalserien in NBA und NHL: Jeweils bisher zwei Heimsiege. der Boston Celtics gegen die Dallas Mavericks und der Florida Panthers gegen die Edmonton Oilers. Jetzt je zwei Spiele in Dallas und Edmonton. Hier nur so viel: Der auch hier so gerühmte Angriff der Oilers um Conor McDavid und Leon Draisaitl ist noch überhaupt nicht auf Touren gekommen. Mehr in gesonderten Texten.
– 24 Stunden von LeMans: eines der 3 Rennen der (inoffiziellen) Triple Crown (neben F1 in Monte Caro und 500 Meilen von Indianapolis)
– Tennis auf Rasen: die Männer in Stuttgart und ’s-Hertogenbosch, die Frauen auch in ’s-Hertogenbosch und Nottingham. French-Open-Finalist hat zwar für Stuttgart gemeldet, eine Absage ist aber ziemlich wahrscheinlich und wäre nach den Anstrengungen körperlich und geistig auch verständlich, wenn nicht sogar ratsam
– die US Open im Golf: Wer schlägt Scottie Sheffler, lautet die Frage nach dessen 5. Turniersieg. Aus deutscher Sicht sind Martin Kaymer Stephan Jäger dabei, Sepp Straka vertritt die österreichischen Farben. Wer es mit Wahrscheinlichkeiten ohne jede Ahnung hat, tippt auf Kim als Sieger, denn von denen starten gleich drei.
von Münchner Löwe | Juni 11, 2024 | basketball, EM, Fußball, Leichtathletik, Tennis, Wochenrückschau
Ein Tag Verspätung, man möge ihn mir verzeihen. Die French Open, letzte Tests vor der Fußball-EM und die ersten Entscheidungen in der Leichtathletik, das waren die intenationalen Höhepunkte, aber längst nicht alles. Ich inkludiere übrigens den Montag.
Zverev stark, Alcaraz stärker
Erstmals im Pariser Finale, aber dort fand Alexander Zverev in Carlos Alcaraz seinen Meister. In einer zimelich wechselhaften Partie musste er dem Spanier sich in fünf Sätzen beugen. Aus dem Spie werde ich nicht wirklich schlau, aber mir schienen nach diesen anstrengenden zwei Wochen beide Akteure nicht auf dem Gipfel ihrer Tenniskunst. Wirlich großartig war es selten, beide mit viel Auf und Abs und leider selten beide gleichzeitig im Flow.
Letztlich siegte Alcaraz: Er war der vielseitigere, gewitztere und am Ende auch fittere Akteur. 6:2 im fünften Satz – das ist schon deutlich.
Und da war natürlich die Szene, die gerade in Deutschland Aufsehen erregte, als ein vermeintlicher Ausball von Alcaraz gut gegeben wurde. Er hätte im 5. Satz Das Rebreak zum 2:2 bedeutet. Sicher sehr ärgerlich, und jetzt darf nett spekuliert werden über das was wäre wenn. Doch dazu ein paar Anmerkungen
– ich finde es äußerst unglücklich, wenn das Hawk Eye offiziell nicht angewendet wird, gleichzeitig aber gezeigt wird. Damit wird eine Schein-Wirlichkeit suggeriert, die, wenn ich es richtig verstehe, gar nicht existiert, weil das System noch nicht hundertprozentig angewendet wird.
– des halb von „Zverevs Wembley-Moment“ oder „Skandal-Entscheidung“ zu schwadronieren, wie es die Bild gemacht hat, ist um Längen übertrieben
– Alcaraz war zu diesem Zeitpunkt schon der klar bessere Spieler. Klar, es gibt die zweite Luft und so und die Pferde/Apotheke.
Alcaraz aber hat mit nur 21 Jahren geschafft, was Tennis-Helden wie Pete Sampras, Ivan Lendl und Boris Becker nie hinkriegten. Grand-Slam-Siege auf allen drei Belägen Sand (Paris), Rasen (Wimbledon 2023) und Hadcourt (New York 2022). Fehlt noch Melbourne, aber man muss kein allzu großer Prophet sein, dass er das auch mal hinbekommt, Sinner hin, Djokovic/Zverev her.
Es gab trotzdem einen deutschen Sieg in Paris. Laura Siegemund siegte an der Seite von Edouard Roger-Vasselin im Mixed. Eine Zufalls-Paarung, die erst zwei Stunden vor Meldeschluss zusammenfand. Schon der dritte Grand-Slam-Sieg vom Schneckle. Eine doppelte Olympia-Hoffnung für die Doppelspezialistin an gleicher Stelle in zwei Monaten.
Igas Machtdemonstration
In der 3. Runde stand Iga Swiatek gegen Naomi Osaka vor dem Aus, als die Japanerin einen Matchball vergab und auch sonst riesige Gewinnmöglichkeiten. Danach war die Polin nicht aufzuhalten, überrollte die Konkurrenz wie Steffi Graf zu ihren besten Zeiten. Mit 23 Jahren hat sie schon viermal in Roland Garros triumphiert.
Endspiel-Verliererin Yasmine Paolini wird trotzdem hochzufrieden Paris verlassen. Sie hat in diesem Jahr den Durchbruch geschafft, ist mittlerweile auf Platz 7 der Weltrangliste zu finden. Quasi zum Drüberstreuen stand sie auch mit Sara Errani im Doppelfinale, wo sie sich allerdings dem Duo Gauff/Siniakova geschlagen geben musste. Erstaunlich genug, dass zwei eher kleine Spielerinnen (Paolini misst 1,63, Errani 1,67) so weit gekommen sind. Siniakova war mit Abstand die beste Volley-Spielerin auf dem Platz.
Und auch bei den Männern stand ein italienisches Doppel im Finale. Simone Bolelli/Andrea Vavassori (was für schöne männliche Vornamen) verloren gegen Mate Pavic (er siegte mit Siegemund 2016 im Mixed) und Marcelo Arévalo aus El Salvador in zwei Sätzen
Eurosport/Discovery+ zeigten jedes Spiel auch relive. Tolle Versorgung mit einem kleinen Haken. Bei den Aufzeichnungen weiß der Zuschauer, wie lange eine Partie dauert, wann sie zuu Ende geht, kann sich also in etwa ausrechnen, wie viele Sätze es gibt.
Neuer patzt – und bleibt im Tor
Die letzten Tests vor der Fußball-EM, die am Freitag beginnt, aber in allen Nationen gibt es kaum konkrete Antworten, dafür aber offene Fragen. Die Deutschen spielten 0:0 gegen die Ukraine und 2:1 gegen Griechenland und dabei lange nicht so beeindruckend wie im März bei den Siegen in Frankreich und gegen Holland. Kein allzu großer Grund zu echter Besorgnis, dafür aber eine neuentbrannte Torwart-Debatte, weil Manuel Neuer sich in beiden Spielen einen gewaltigen Patzer leistete.
Jetzt ist der in Deutschland bisher zum Heiligen erkorene (Prädikat: unfehlbar, bester Keeper aller Zeiten) im Brennpunkt. Plötzlich gibt es Zweifel (die ich immer schon hatte) seit Nagelsmanns Entscheidung im März pro Neuer. 80% der Stimmen einer Kicker-Umfrage präferieren jetzt Marc-André ter Stegen. Doch so gerne ich den Barca-Schlussmann im deutschen Tor gesehen hätte und sehe, jetzt einen Wechsel vorzunehmen wäre eher irrsinnig, zumal auch ter Stegen sich nach seiner Verletzung sich in diesem Jahr nicht in alles überragender Form zeigte. Deshalb kann ich es nachvollziehen, dass Nageslmann entschieden eine Torwart-Debatte ausschließt, das klare Vertrauen ausspricht und Neuers gute Taten (die es ja in beiden Partien gegeben hat) hervorhebt. Klar ist natürlich auch: Das Schicksal des Bundestrainers ist eng mit den Leistungen Neuers verbunden. Man male sich ein Achtelfinal-Ausscheiden nach einem schweren Neuer-Patzer aus …
Auch die anderen Länder haben ihre Baustellen. England, für viele Experten mindestens Co-Favorit, leistete sich ein peinliches 0:1 gegen Island, der Nemesis 2016. Hier darf jetzt Trainer Gary Southgate erklären, warum er auf einen Klassestürmer wie Jack Grealish verzichtet. Auch die anderen hochgehandelten Teams wie Frankreich, Spanien und Portugal vermochten nicht vollends zu überzeugen, um es noch vornehm . Verspricht viel Spannung in einem für mich vollkommen offenen EM-Rennen
Fulminanter Belgier in Rom
Vier der 6 Tage der Leichtathletik EM sind vorbei, doch knapp zwei Monate vor Olympia ist da doch viel Muster ohne großen Wert. Für mich bisher die beeindruckendste Leistung schaffte gestern der Belgier Alexander Boom, der in 44,15 Sekunden nur knapp am 400-Meter-Europarekord vorbeischrammte. Und vom ZDF-Reporter beschämend wenig gewürdigt wurde
Was sonst noch auffiel
– starke Italiener: bereits 8 Goldene bei der Heim-EM. Sehr breit aufgestellt in vielen Disziplinen
– mäßige Deutsche: noch ohne Goldmedaille. Sehr gut Felicitas Krause mit Silber über 300 Meter Hindernis. Hätte auch Gold sein können, aber (zum Glück?) wurde die Disqualifikation der siegreichen Französin zurückgenommen. Bei den Männern holte Karl Bebendorf auf der gleichen Strecke Bronze. Joshua Hartmann wurde über 200 Meter disqualifiziert, Gina Lückenkämpfer nach verkorkstem Start über 100 Meter immerhin noch Fünfte.
Immerhin: In Eugene stellte Leo Neugebauer bei den US Studentenmeisterschaften mit 8961 Punkten einen fantastischen deutschen Rekord im Zehnkampf auf und ist damit größte deutsche Gold-Hoffnung in Paris
– Goldener Schweiz-Montag: Angelica Moser im Stabhochsprung und Timothé Mumenthaler über 200 Meter. Eine Nation im Aufschwung.
Bayern-Basketballer patzen
Die Finalserie Bayern München gegen Alba Berlin steht nach 2 Spielen überraschend 1:1. Dem klaren Heimsieg der Münchner in Spiel 1 folgte am Montag eine ebenso klare Heimniederlage, wobei dort vor allem die starke Alba-Verteidigung über praktisch die gesamte Spielzeit beeindruckte. Jetzt folgen 2 Spiele in Berlin (Mittwoch und Freitag). Vorhersagen möchte ich da wenig.
Und sonst
– siegte Max Verstappen in Montreal. Hab das Rennen nicht gesehen, muss aber einigermaßen unterhaltsam gewesen sein mit Wetterkapriolen und einigen Führungswechseln Eines scheint klar. Die Dominanz der Red Bull des vergangenen Jahres ist dahin. Zumindest drei weitere Teams (McLaren, Ferrari und auch Mercedes) sind mehr oder weniger in Schlagdistanz. Ob das für alle Strecken gilt, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall wird es spannender als zuletzt.
– hier kurz der Blick über den Teich: In den Finalserien der NHL und der NBA steht es jeweils 2:0. Die Florida Panthers gewannen 3:0 und 4:1 gegen die Edmonton Oilers. Die Boston Celtics 107:89 und 105:98 gegen die Dallas Mavericks. (Viel) mehr dazu in gesonderten Beiträgen.
– Barca wenigstens im Handball vorn: Die Katalanen gewannen das Final 4 in Köln. Im Endspiel gewannen sie ganz knapp gegen Aalborg mit 31:30. Die beiden deutschen Clubs SC Magdeburg und THW Kiel verloren ihre Halbfinals eben gegen Aalborg und Barcelona. Kiel gewann dann das deutsche Spiel um Platz 3.
– Laura Ludwig zum 5. Mal bei Olympia: Die deutsche Olympia-Siegerin von 2016 schaffte die nationale Qualifikation mit Louisa Lippmann. Von der Weltspitze scheint das Paar allerdings noch ein erhebliches Stück entfernt. In Ostrau war im Achtelfinale Schluss.Für das beste deutsche Paar Svenja Müller/Cinja Tillmann im Viertelfinale
– Scottie Sheffler erneut Turniersieger: Der überragende Golfprofi dieses Jahres das Memorial Tournament und damit schon das 5. Turnier in diesem Jahr, drunter das Masters.Der Österreicher Sepp Straka wurde geteilter Fünfter, verhunzte mit einer 76er-Schlussrunde eine Top-3-Platzierung
– Primoz Roglic gewinnt das Criterium du Dauphine: Das Etappenrennen gilt als wichtigster Test für die Tour de France. Nicht dabei war allerdings Roglics slowenischer Landsmann Tadej Pogacar, bisher der überragende Fahrer des Jahres.
von Münchner Löwe | Juni 2, 2024 | Fußball, Tennis
Erst Real Madrid, dann Novak Djokovik: Samstagabend bis früh in die Nacht durfte der Sportfan mal wieder erleben, dass die wahren Champs wirklich erst dann geschlagen sind, wenn der Schlusspfiff ertönt oder der Matchball gespielt ist. Leidtragende waren erst Borussia Dortmund und Lorenzo Musetti: Überlegen, doch letztlich den Sack nicht zumachend und am Ende überrollt.
Wer die Chancen nicht nutzt …
Was war das für eine erste Halbzeit des BVB. Praktisch an die Wand spielten die Borussen die Königlichen von Real Madrid, allein es fehlten die Tore. Die beste Chance vergab Karim Adeyemi nach brillantem Zuspiel von Mats Hummels, der jedem Vergleich zum Toni-Kroos-Traumpass gegen die Bayern standhält (did you see that, Mr. Nagelsmann?). Doch er konnte Real-Torwart Thibault Courtois nicht überwinden. Wie überhaupt der Belgier, der nach seinem Kreuzbandriss sein erstes CL–Spiel in dieser Saison bestritt, eine unglaubliche Ruhe ausstrahlte und den Dortmundern den Zahn zog. Außerdem war es fast tragisch, wie wirkungslos die Borussen-Ecken verpufften. Und so ließen die Madrilenen das Angriffs-Feuerwerk, leider aus Borussensicht nicht effizient abgeschlossen über sich ergehen mit dem Wissen, ja Wissen!, dass sie das schon überstehen würden. Da fällt mir ein wenig besserwisserisch ein: Wenn Experten und andere von nicht effektiv sprechen, meinen sie „nicht effizient“. bastian Sick und viele andere haben sich darüber schon länger ausgelassen.
Und fast erwartbar sollte sich der Chancenwucher rächen. Nach der Pause und wahrscheinlich ein paar sehr klaren und treffenden Worten von Trainer Carlo Ancelotti gab es halt dann nicht mehr die sperrangelweiten Real-Lücken in der Abwehr. Mit zunehmender Spieldauer kippte das Geschehen in Richtung Madrid. Und dann zeigte Toni Kroos, wie man eine Ecke schlägt. Scharf und und punktgenau auf den Kopf von Daniel Carvajal, und der nur 1,73 Meter große Verteidiger (ehemals Bayer LeverkusenI überwand Gregor Kobel. Danach zeigte Real seine ganze Königsklassen-Klasse, setzte die Borussen enorm unter Druck sodass Fehler nicht ausblieben. Einen grausamen Fehlpass von Maatsen in der eigenen Hälfte nutzte letztlich Vinicius jr zum 2:0, die Entscheidung, zumal Niklas Füllkrug bei seinem vermeintlichen Anschlusstreffer knapp aber doch eindeutig im Abseits stand.
So durfte Toni Kroos in seinem letzten Real-Spiel sich mit dem insgesamt 6. Champions-League-Titel krönen, so viele hat nur der große Francisco Gento und außerdem auch der gestern eingewechselte Luca Modric.
Die Auferstehung des Djokers
Zum 27. Mal: Ich bin kein Fan von Novak Djokovic, im Gegenteil, ich mag ihn nicht, wegen seiner Art, seiner endlosen Balltipperei beim Aufschlag. Aber ebenfalls zum 27. Mal: Aus für mich leidvoller Erfahrung weiß ich, dass der Serbe wirklich erst bei einem vom Gegner verwandelten Matchball geschlagen ist (Federer Wimbledon-Finale 2019, ein Albtraum). So auch heute Morgen beim faszinierendem Drittrundenspiel der French Open gegen einen zeitweise brillanten Lorenzo Musetti. Die Partie begann aufgrund der Wetterkapriolen erst um 22.40 Uhr Pariser Zeit und endete weit nach 3 Uhr nachts nach mehr als 4 Stunden Spielzeit. Musetti hatte nach verlorenem ersten Satz sich die beiden nächsten Sätze geholt. Da sah Djokovic wie ein wandelnder Leichnam aus, schlurfte nur über den Platz, vermeintlich sich ergebend. „Am Rande einer Niederlage“ sei er, konstatierte Wolle Nadvornik am Eurosport-Mikrofon, und jeder wird diesen Eindruck gehabt haben – wenn es halt nicht der Djokovic wäre.
Und dann? Drückte der Serve den Turbo-Boost wie einst Michael Knight bei bei seinem Wunderauto KITT, der irgendwo in seinem Körper versteckt sein muss. Quasi von einer Sekunde auf die andere war da plötzlich ein springlebendiger Djokovic auf dem Platz, als sei es nicht weit nach Mitternacht, als seien nicht mehr als drei Stunden gespielt. Beim Stand von 2:2 im 4. Satz gelang ihn ein Break, und danach gab es den besten Djokovic in diesem Jahr, das für ihn bisher so gar nicht laufen wollte. Musetti spielte weiter großartig, doch Djokovic agierte in eigenen Tennis-Sphären, praktisch fehlerlos. Ich streiche für den letzten Satz das „praktisch“. Er verwandelte den ersten Matchball nach 4:32 Stunden, es war 3:20 Uhr. Genau ein Game sollte er in dieser Zeit trotz erbitterter Gegenwehr von Musetti abgeben. So endete der 5. Satz 6:0, dauerte aber auch 37 Minuten, also gut 6 Minuten per Game. Klar, auch weil es die Spieler mit der Gameclock nicht mehr ganz so genau nahmen. So feierte Djokovic ausgelassen, Musetti bleibt die Ehre, ein großes Spiel geliefert zu haben. Mit einem Sieg hätte er seinem italienischen Landsmann Jannik Sinner zur Nummer 1 der Weltrangliste verholfen. Der muss das jetzt selbst hinkriegen, indem er wenigstens das Halbfinale in Paris erreicht.
Für Djokovic geht die Reise weiter, und vielleicht war genau dieses Spiel der Schlüssel zu einem doch noch erfolgreichen Jahr. Er hat eindrucksvoll gezeigt, dass er es noch kann, die Frage ist jetzt halt, wie er diesen Kraftakt zu dieser sehr späten Zeit wegsteckt und ob er so was wiederholen kann. Morgen trifft er im Achtelfinale auf den Argentinier Francisco Cerundolo, wir dürfen gespannt sein. Ich persönlich befürchte allerdings bei allem Respekt, dass das eine eher leichte Aufgabe für ihn wird.
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