Die Schande vom Afrika-Cup

Es ist das unwürdige Ende (zumindest vorläufig) eines insgesamt unwürdigen Fußball-Turniers. Gut 2 Monaten nach dem denkwürdigen Finale des Afrika-Cups meinte der Kontinental-Verband, dass er noch einmal entscheidend eingreifen müsste. Ein Berufungsgericht disqualifizierte den Sieger Senegal und schusterte dem unterlegenen Finalisten den Titel zu.

Zur Erinnerung in aller Kürze: Als in der Nachspielzeit des Finales in Rabat Marokko gegen Senegal der Schiedsrichter einen absurden Elfmeter für die marokkanischen Gastgeber verhängte, verließen die senegalesischen Spieler aus Protest das Feld; zumal derselbe Schiedsrichter Minuten zuvor ein reguläres Tor für sie aus unerfindlichen Gründen annullierte. Erst nach langem Zuredens ihres Kapitäns Sadio Mané kamen sie nach gut 20 Minuten zurück, und die Partie wurde fortgesetzt. Der Marokkaner Brahim verschoss den Strafstoß, und in der folgenden Verlängerung erzielten die Senegalesen den Treffer zum entscheidenden 1:0. So weit, so unschön. Näheres hier (bis zum Ende scrollen).

https://blickueberdenteich.de/das-war-die-woche-die-war-102/

 

Anstatt die sportlich klar entschiedene Sache auf sich beruhen zu lassen und sich mit dem Vize-Titel zu begnügen, legte der marokkanische Verband Protest ein. In der ersten Instanz wurde dieser in der Hauptsache abgeschmettert, allerdings befand die Disziplinarkommission, dass es Regelverstöße gegeben hat. Unter anderem wurde der senegalesische Trainer als „Rädelsführer“ mit 5 Spielen Sperren bestraft, die Gastgeber ihrerseits müssen eine Geldbuße zahlen unter anderem, weil während der gesamten Partie die Balljungen versucht hatten, das Handtuch des senegalesischen Torhüters zu entwenden, das bei strömendem Regen bitter notwendig war.

Doch noch immer wollte sich der marokkanische Verband nicht zufriedengeben und legte Berufung ein. Und tatsächlich entschied jetzt das Berufungsgericht, dass der Protest zulässig sei. Das Ergebnis wurde aufgehoben, die Partie mit 3:0 für Marokko gewertet, die sich damit Afrika-Meister nennen dürfen. Sogar den entsprechenden Paragraphen fand man: Durch das widerrechtliche Verlassen des Spielfeldes habe Senegal die Partie aufgegeben, die 3:0-Wertung sei also zwingend. Kein Wort dazu, dass das Team wieder zurückgekehrt war, dass (sogar dieser parteiische) Schiedsrichter und auch der Gegner Marokko mit einer Fortsetzung einverstanden waren, dass die Begegnung also ihr reguläres Ende fand. Der Sinn der angeführten Regelung, dass nie und unter keinen Umständen ein Team profitieren soll, wenn es ohne Grund vorzeitig die Partie beendet, wurde hier bis ins Lächerliche ausgedehnt. Natürlich war das Verhalten der senegalesischen Spieler grenzwertig, manche werden sagen komplett falsch: Doch mit der gesamten Vorgeschichte, nämlich dass von vornherein Marokko unter allen Umständen triumphieren sollte, unter Umgehung auch der geringsten Maßstäbe an Fairness und Achtung sportlicher Kontrahenten, mit nicht nur in diesem Marokko-Spiel erkennbar einseitigen „Unparteiischen“, war dieses Verhalten zumindest erklärbar. Spätestens nach der Rückkehr war der Verstoß auch „geheilt“, niemand hatte einen echten Nachteil. Und niemand hat den Elferschützen Brahim Diaz befohlen, einen lächerlichen „Panenka“ zu probieren, anstatt dass er den Ball unerreichbar in eine Toreck gedroschen hätte. So schwach war der Versuch, dass manche ihn sogar des absichtlichen Verschießens wegen beschimpften.

Warum jetzt die schwerst mögliche Entscheidung gefällt wurde (nämlich das Aberkennen des regulär zustandegekommenem Ergebnisses), darüber kann ich natürlich nur spekulieren. Tatsache ist, dass der afrikanische Verbandspräsident ein ganz enger Gefährte von FIFA-Boss Gianni Infantino ist. Dass dem Schweizer ein Triumphator Marokko um vieles lieber gewesen wäre als Senegal, konnte jeder unschwer bei der Siegerehrung sehen. Marokko ist nämlich Co-Gastgeber der WM 2030, und wenn einer weiß, wie man sich bei WM-Gastgebern einschleimt und ihnen in den Hintern kriecht jenseits aller Schamgrenzen, dann ist es der erbärmliche Infantino (remember Trump im Dezember). Außerdem hat Infantino ebenfalls schon öfter gezeigt, dass ihm der Sport und auch der Fußballsport völlig gleichgültig sind, Hauptsache der Dollar rollt. Dass ein sportlicher höchst traditioneller Wettbewerb wie der Afrika-Cup katastrophal entwertet wird (allein durch die Tatsache, dass erst nach 2 Gerichtsinstanzen der Sieger feststeht), ist diesem Mann völlig egal .

Und es ist noch nicht vorbei: Der völlig zurecht wutschnaubende Senegal wird Berufung gegen dieses skandalöse Urteil bei CAS einlegen. Ob allerdings der nicht minder skandalumwitterte Sportsgerichtshof diesem stattgeben wird, das bezweifle ich. Zu Fifa-hörig haben sich die Herrschaften bisher erwiesen. Sie folgen auch gerne dem Geld, wie die immer noch geradezu unfassbaren Fast-Freisprüche der dopenden Tennis-Stars Iga Swiatek und Jannik Sinner zeigten, während man die sog. kleinen Fische drakonisch bestraft (kein Fall ist wie der andere, ich weiß).

Letztlich ist es fast egal, wie es ausgeht: Katastrophaler Verlierer ist vor allem der afrikanische Fußball. Mögen die Marokkaner zu Hause mit Hupkonzerten jubeln, mögen die marokkanischen Spieler Jubel-Posts veteilen. Jeder weiß, dass sie sportlich verloren haben. Jeder weiß nun auch, dass sie  erbärmlich-abscheuliche Verlierer sind, nicht nur bei mir werden sie jeglichen Respekt verloren haben. Europäer schauen eh mit einer Mischung aus Verachtung und Belustigung und Respektlosigkeit auf dieses afrikanische Fußballfest. Wer wird nach dieser absoluten Farce schon noch gerne (und vor allem erfolgreich) Argumente suchen, dass dies tatsächlich ein wichtiger Wettstreit ist, der sportlich fair auf dem Spielfeld entschieden wird.

Das war die Woche, die war

Trainer-Rauswurf in Wolfsburg, Aicher-Blackout im Fassa-Tal, Mercedes-Triumph in Australien.

 

Den Wölfen bleibt nur Heulen und Zähneklappern

 

Der fast unaufhaltsame Abstieg des VfL Wolfsburg geht weiter. Nach dem eher erbärmlichen 1:2 gegen den Hambuger SV zogen die VW-Verantwortlichen (naja in Wirklichkeit sinds hoffentlich doch noch die Club-Oberen) erneut die Notbremse und feuerten Trainer Daniel Bauer. Außerdem schic kten sie den komplett überforderten Peter Christensen in die Wüste – ein Schritt, den Wohlmeinende mit dem Club (die gibts tatsächlich) schon viel früher getan hätten. Wenn nämlich jemand den durch und durch missratenen Kader (trotz der VW-Fantastilliarden) zu verantworten hat, dann der Sportdirektor.
Jetzt soll ein guter Bekannter helfen: Dieter Hecking, der erklärte Feuerwehrmann der Liga. Den VfL führte er 2015 zum Pokalsieg, ich war damals live vor Ort im Berliner Olympiastadion und später bei der Pk, als er stolz die „King“-Kappe aufsetzte, die seine Kinder für ihn gebastelt/gekauft hatten. Die Kinder sind jetzt junge Erwachsene, und die Situation beim VfL nicht mehr annähernd fröhlich-heiter, sondern vielleicht so bedrohlich wie noch nie in mittlerweile 29 Jahren Bundesliga-Zeit. Ich gönne ja niemanden den Abstieg (als leidgeprüfter Löwen-Fan weiß ich, wie weh dann noch Häme tut), aber wenn der VfL nicht mehr in der Bundesliga wäre, ihr würde wenig bis nix fehlen.
4 Punkte Rückstand sind es jetzt schon auf den Relegationsplatz 16, das Unterfangen wird extrem knackig.

 

Aicher top – Aicher nachlässig

 

3 Speedrennen waren fürs Wochenende im Val d Fassa angesetzt. Für Emma Aicher begann es fast perfekt, als sie sie in der 1. Abfahrt Zweite wurde, nur um eine Hundertstelsekunde geschlagen von der Italienerin Laura Pirovano, die ihren ersten Weltcupsieg überhaupt landete.
Doch Aichers Aufhol- und Punktejagd wurde jäh aufgehalten, vielmehr stoppte sie selbst. Nämlich durch einen eklatanten Fehler in der 2 Abfahrt, durch den sie nur Rang 12 belegte. Noch ärger erging es ihr im Super-G am Sonntag. Ein Tor offenbar hatte sie (mal wieder) offenbar völlig falsch besichtigt, und die 22-Jährige schied aus. Ein typischer Aicher-Fehler. So nonchalant-lässig und trotzdem schnell sie die Pisten herunterfährt, als würde sie einen besseren Trainingslauf absolvieren, so täppisch wirken ihre Torfehler. In drei Super-Gs ereilte sie in diesem Jahr dieses Schicksal; Dreimal dachte ich: Das kann doch gar nicht wahr sein, hier rauszufliegen.
Die durchaus vorhandenen Chancen auf den Gesamtweltcup haben sich damit so gut wie zerschlagen. Niemand wird darob glücklicher sein als Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin war schon sichtlich nervös geworden, traute sich mit zittrigen Knien auf die Super-G-Strecke und belegte Rang 23 (wir reden von der mit Abstand besten Skifahrerin der Welt). Wenn nicht alles verrückt spielt (und sie nächste Woche in einem Slalom rausfliegt), bleibt ihr diese Mutprobe beim Weltcup-Finale in zwei Wochen erspart.
Noch ein Wort zu Pirovano. Sie gewann auch die 2. Abfahrt am Samstag, wieder mit nur einem Hunderstel Vrorsprung – diesmal auf die Österreicherin Conni Hütter. 2 Siege auf derselben Abfahrt an 2 nachfolgenden Tagen mit jeweils nur einem Hundertstel Vorsprung: Ich wüsste nicht, dass es so etwas schon mal gegeben hat. Die italienischen Festspiele im Val di Fassa rundete dann Elena Curtoni mit ihrem Sieg beim Super-G ab.

 

Bei den Männern beschloss das Schicksal, Atle McGrath für den verpasssten Olympiasieg zu entschädigen. Der Norweger, noch einsam im Wald irgendwo bei Bormio nach dem Aus im 2. Duchgang, gewann den Slalom von Kranjska Gora. Zu sagen, es sei ein Hundertstelkrimi gewesen, wäre die Untertreibung des Jahres. McGrath siegte also mit einem Hundertstel vor Landsmann Henrik Kristoffersen. Sein Vorsprung auf den Dritten Lucas Braathen betrug 4/100 Sekunden. Es folgten der Vierte Michael Mat (0.06) und der Münchner Skilöwe Linus Straßer, der als Fünfter gerade mal 9/100 Sekunden Rückstand hatte. Nicht einmal ein Zehntel fehlte also zum Sieg, und deswegen war Straßer auch trotz des verpassten Podestplatzes zufrieden. McGrath aber führt jetzt relativ klar im Slalom-Weltcup; der wäre mehr als ein Ersatz für den verpassten Olympiasieg.

 

Mercedesse bestätigen Favoritenrolle

 

Es herrschte viel Spannung vor dem ersten Formel-1-Lauf in Melbourne. Würde das neue Reglement auch im Rennen klappen? Können die Fahrer überholen? Können sie vielleicht zu leicht überholen? Halten die Boliden? Funktioniert das Energie-Management?
Nach dem ersten Rennen ist es für ein abschließendes Urteil  natürlich noch viel zu früh, aber ich denke, er gibt Grund zum vorsichtigen Optimismus. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Gerade die ersten Runden, als sich George Russel im Mercedes und Charles Leclerc (Ferrari) mehrmals einander überholten, waren sehr unterhaltsam und eine gute Show. Nachdenklich stimmt allerdings die derzeitige Überlegenheit von Mercedes. Am Ende hatte der Brite Russell die Nase klar vorn vor seinem Teamgefährten Kimi Antonelli, den auch ein total verpatzter Start nicht aus der Bahn warf.
Zweite Kraft scheint tatsächlich Ferrari zu sein. Inwieweit außerdem der Ausnahmefahrer Max Verstappen eine ermeinltiche oder tatsächliche Unterlegenheit seines Red Bulls kompensieren kann, ist eine der vielen Unwägbarkeiten. Nachdem er sein Auto im Qualifying nach einem Defekt an die Wand geworfen hat (im Wortsinn), startete er im Rennen von ganz hinten eine Aufholjagd. Doch diese endete schon auf Rang 6, konnte oder wollte Verstappen nicht mehr, lautete eine der großen Fragen, auf die es noch keine Antwort gibt.
Ein mehr als solides Debüt feierte Audi. Gabriel Bortolotto ergatterte gleich im ersten Rennen als Neunter Punkte für die Ingolstädter. Die Basis von Sauber, dessen Rennstall Audi übernommen hat, scheint gut genug (fast hätte ich geschrieben: sauber genug, aber wer braucht schon Wortwitze?) für weitere Punktefahrten, dann auch für Nico Hülkenberg.

Der 2. Lauf findet schon am kommenden Sonntag in China statt.

 

Und sonst?

 

  • Aufruhr in Köln. Nämlich durch den Stadionsprecher Michael Trippel, der mehrmals unangenehm auffiel, als er vermeintliche Fehlentscheidungen abfällig kommentierte gegen den heimischen FC und für Borussia Dortmund (Pfui! Widerlich!“). Ein absolutes NoGo! Extrem parteiische Stadionsprecher, die sich eher als Heim-Einpeitscher denn als seriöse Informierer verstehen, sind ohnehin zunehmend eine Plage, aber Trippel hat den Bogen eindeutig überspannt. Das fanden auch die zumindest nach außen hin peinlich-berührten Kölner Vereins-Oberen. Niemand verlangt absolute Neutraltät, aber den ohnehin sehr geforderten Schiri derart in den Senkel zu stellen nach zwar umstrittenen, aber keineswegs komplett falschen Entscheidungen, das geht überhaupt nicht.
  • Biathlon: Was war das denn? Sonne in Kontiolahti? Schöner, weiß-glitzernder Schnee und auch noch Zuschauem? Wo war die uns vertraute finnische Trostlosigkeit, wenn der Biathlon-Weltcup im Dezember im grauen, nassen Nebel auf einer notdürftig präparierten Kunstschee-Loipe vor einem Zuschauer-Nirwana die Rennen absolvierte?
    Inspiriert von diesen herrlichen Bedingungen waren jedenfalls die Sportler, die sich beim ersten Treff nach Olympia engagiert ins Zeug legten. Mit Ergebnissen, die einem irgendwie bekannt vorkamen, denn vorne waren wie gehabt hauptsächlich ausschließllich Franzosen, Norweger und Schweden, „Innen“ inkludiert, so viel Frauentag muss sein.
    Um genau zu sein: Bei den Männern siegten Eric Perrot (Frankreich/Einzel), die norwegische Staffel und Sture Lagreid (Norwegen/Massenstart/), bei den Frauen die schwedische Staffel, Julia Simon (Frankreich/Massenstart) und Elvira Öberg (Schweden/Einzel). Wenn ichs richtig sehe, sprengte nur die slowakische Dritte Paulina Fialkova im Einzel die Podest-Bastion der drei großen Nationen, und diese wird nach der Saison die Karriere beenden …
  • Hoffen mit Sechzig: Aufstieg? Ernsthafte Chancen?? Noch im März??? Nach dieser Saison???? Das Schicksal treibt ein böses Spiel mit mir, lässt mich Löwen-Fan vom Aufstieg träumen (so sweet dreams). Nach 5 Siegen in Folge nur noch 3 Punkte Rückstand auf Rang 3 und die Relegation. Schön ist es nicht, wie die Löwen spielen, aber erfolgreich. Nächsten Samstag folgt ein Heimspiel gegen Wehen-Wiesbaden, ich schreib nix dazu, Angst vorm Jinx … (und dem erfahrungsgemäßen Rückschlag).

Das war die Woche, die war

Olympia-Nachwehen im Wintersport und natürlich Fußball.

 

Dortmunds Abgesang für diese Saison

 

Champions-League-Aus und das Ende der (eh nur geringen) Meisterschaftsträume. Borussia Dortmund erlebte eine Woche zum Vergessen. Insbesondere das 1:4 bei Atalanta Bergamo (nach 2:0 im Hinspiel) hallt bestimmt noch eine Weile nach, nicht nur, weil die fest eingeplanten Achtelfinal-Einnahmen in Höhe von 11 Millionen Euronen plus ausverkauftem Wetfalenstadion jetzt fehlen. Der insgesamt desaströse Auftritt zeigte, dass es dem BVB an allem fehlt, was eine echte europäische Spitzenmannschaft ausmacht. Die Einstellung war vielleicht sogar noch in Ordnung, die fehlende Klasse eines Bensebaini oder Can oder Guirassy oder Beier erschütternd. Atalanta ist sicher ein sehr gutes Team, aber doch nach dem Europa-League-Triumph von 2024 arg gerupft. Zuletzt verließ Lookman, der dreifache Torschütze im Finale gegen Bayer Leverkusen, den Verein in Richtung Atlético Madrid. In der Serie A sind die Bergamasken gerade mal Siebter, die erneute Qualifikation für die Champions League scheint schon außer Reichweite.

Doch gegen Dortmund drehten sie den 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel. Fast problemlos, wie es schien. Die haarsträubenden Abwehrfehler des BVB taten das Übrige, und das absurde Zustandekommen des letztlich entscheidenden Elfmeters in der letzten Minute der Nachspielzeit darf als Blaupause eines für die absolute Spitze nicht wettbewerbsfähigen Kaders herangenommen werden. Ein völlig sinnloser Chip von Schlussmann Gregor Kobel in die Füße eines Italieners, und eine noch sinnlosere KungFu-Grätsche von Benebaini im Strafraum führten zum Strafstoß und dem Knock out.

Am Samstag folgte zwar ein sehr ansehnliches Spiel gegen den Branchenprimus FC Bayern, am Ende aber siegten die Münchner nach dem munteren und von beiden Seiten sehr engagiert geführten Schlagabtausch mit 3:2 und entschieden die Meisterschaft. Nein, noch nicht rechnerisch, aber angesichts von 11 Punkten Vorsprung und dem uneinholbar besseren Torverhätlnis hat  kein vernünftiger Mensch noch Zweifel am Titel.

Für die Dortmunder ist die Saison damit faktisch beendet: International sind sie nicht mehr vertreten, im Pokal ebenfalls ausgeschieden. Meister können sie nicht mehr werden, aus den Champions-League-Plätzen können sie angesichts von 8 Punkten Vorspurng auf Platz 5 auch nur noch in der Theorie fallen. Bleiben also nur das Pseudo-Ziel Platz 2 (klar, etwas höhere Prämien und ansehen) und für die Nationalmannschafts-Aspiranten zehn Partien zum Vorspielen, damit sie  Julian Nagelsmann erwählt. Ein Kriterium des Bundestrainers dabei: jedes Tor frenetisch bejubeln.

Atalanta jetzt gegen Bayern

Für insgesamt 5 deutsche Teams geht es ab nächster Woche international weiter. Das mögliche deutsche Duell in der Champions League fällt aus, denn die Losfee bescherte dem FC Bayern Dortmund-Bezwinger Atalanta und Bayer Leverkusen bekommt es mit dem FC Arsenal zu tun, eine wahthaft herkulische Aufgabe für die Werkself gegen den englischen Tabellenführer.
In der Europa League qualifizierte sich der VfB Stuttgart fürs Achtelfinale und trifft dort auf den FC Porto (mehr klingender Name als wirklich formstark). Der zuvor schon gesetzte SC Freiburg bekommt es mit dem belgischen Vertreter KRC Genk zu tun.
Der FSV Mainz schließlich ist in der Conference League noch dabei: Der Achtelfinal-Gegner heißt Sigma Olmütz aus Tschechien. Klingt machbar, die zwei Partien sind aber doch störend im Abstiegskampf.

 

Emma Aicher auf Punktejagd

 

Die zweifache Silbermedaillengewinnerin kam mit reicher „Beute“ zurück von den Rennen in Soldeu/Andorra. In der Abfahrt wurde sie Fünfte, einen Super-G gewann sie und in einem wurde sie Zweite. Macht insgesamt satte 225 Zähler. Damit halbierte sie den Rückstand auf die Weltcup-Führende Mikaela Shiffrin, die Speedrennen in dieser Saison fast ausschließlich auslässt. Jetzt beträgt der Rückstand auf die Slalom-Olympiasiegerin „nur“ noch 219 Punkte, am nächsten Wochenende stehen im Val die Fassa noch mal 3 Speedrennen an (offenbar wieder ohne Shiffrin), in denen Emma Aicher weiter aufholen (sogar überholen?) kann. Etwaige Hochrechnungen sind noch zu früh, aber mir kann niemand erzählen, dass sie nicht von der Deutschen selbst angestellt werden …
Gerade bei ihrem Sieg am Samstag zeigte Aicher ihr unfassbares Skigefühl und ließ der Konkurrenz nicht den Hauch eine Chance. Warum nicht bei Olympia?, schoss es mir durch den Kopf, dann hätte sie auch noch eine Goldene um den Hals hängen.

 

Und sonst?

 

  • Aufstand im Bundesliga-Keller: St. Pauli schien schon abgeschlagen, jetzt landeten die Hamburger bei Bayer Levekusen 1899 Hoffenheim einen 1:0-Überraschungssieg und verließen die Abstiegsränge. Auch Werder Bremen siegte nach zuvor 13 Partien ohne vollen Erfolg. Ob das mühsame 2:0 gegen das abgeschlagene Heidenheim (damit wohl sicherer Absteiger) wirklich die Kehrtwende ist, wird sich zeigen. Trübe schaut es mittlerweile für den VfL Wolfsburg aus (nicht dass ich und der gemeine Fußballfan darüber besonders unglücklich wären). Trotz des deprimierenden 0:4 beim VfB Stuttgart und dem Absturz auf Rang 17 halten die Vverantwortlichen (die wahren Schuldigen an diesem Desaster!) an Trainer Daniel Bauer fest, die Partie nächsten Samstag gegen den HSV dürfte aber die letzte Chance des Cheftrainers sein, der erst im November im Amt ist.
  • Hanfmanns Erfolgslauf: Der deutsche Tennisprofi kann auf eine sehr erfreuliche Woche in Santiago zurückblicken. Beim Turnier in der chilenischen Hauptstadt wurde er erst im Finale von einem sehr gut aufspielenden Darderi gestoppt. zuvor hatte er völlig überraschend den Argentinier Francisco Cerundolo aus dem Turnier genommen.
    Weniger gut lief es für Alexander Zverev. Beim Turnier in Acapulco war schon in der 2. Runde Schluss, der Serbe Kecmanovic erwies sich als zu stark. Den Sieg im mexikanischen Urlaubsort (fernab der Anschläge) sicherte sich mit Cobolli ein weiterer Italiener.
    Weitere Turniererfolge in dieser Woche feierten die Frauen Peyton Stearns (Austin) und Cristina Bucsa (Merida) sowie Daniil Medwedew in Dubai.
  • Die Flugshow des Domen Prevc: Olympia verlief für den Slowenen nicht nach Wunsch, trotz der Goldmedaille im Mixed-Teamspringen. Auf der Flugschanze am Kulm zeigte er wieder seine Ausnahmeklasse. Er gewann am Wochenende beide Tageswertungen und stellte mit 245,5 Metern einen neuen Schanzenrekord auf
    Apropos Kulm: Erstmals durften auch Kombinierer auf eine Flugschanze. Johannes Lamparter  nutzte die Gelegenheit und segelte auf 235 Meter. Allerdings musste er mit den Händen in den Schnee greifen (Volksmund: er rodelte), es wurden also viele Wertungspunkte abgezogen. Den Sieg in der Kombination schnappte ihn deshalb im Langlauf noch Ilkka Herola weg. Der finnische Aufschwúng bei den Kombinierern (3 Olympia-Meaillen) fand also eine würdige Fortsetzung.

Das war die Woche, die war

Australian Open, Handball-EM und der Hauch einer Bayern Krise. Dazu letzte Winter-Wettbewerbe vor Olympia.

 

Alcáraz schafft den Karriere-Grand-Slam

 

Nix wurde es mit dem Rekord-Triumph von Novak Djokovic. Obwohl er im Finale den ersten Satz gegen Carlos Alcáraz für sich entschid und zumindest teilweise richtig gutes Tennis spielte, der Spanier war doch in den entscheidnden Momenten zu stark und gewann in vier Durchgängen. Damit sicherte er sich nicht nur den insgesamt 7. Grand-Slam-Titel der Karriere, sondern vervollständigte auch so früh wie zuvor noch kein Profi die Sammlung. Je 2 Titel hat er nämlich zuvor in Paris, Wimbledon und Flushing Meadows errungen.
Dem Djoker lieb dagegen der 25. Triumph versagt, mit dem er alleiniger Rekordhalter geworden wäre (es bleibt bei der geteilten Führung mit Margareth Court). Dass er überhaupt das Finale mit seinen 38 Jahren erreichte, spricht für sich, war aber auch glücklichen Umständen geschuldet wie die Verletzung von Lorenzo Musetti im Viertelfinale. Aber allein, wie er sich im Halbfinale gegen Titelverteidiger jannik Sinner durchsetzte, nötigt sogar mir, dem erklärten Nole-Hater, größten Respekt ab. Eine wirklich realistische Chance gebe ich dem Serben, im Juli in Wimbledon.

Bei den Frauen triumphierte Lena Rybakina. Einerseits überraschend, weil die Kasachin bisher nur einen Wimbledontitel aufzuweisen hatte und nur als Nummer 8 ins Turnier ging. Andererseits fast naheliegend. Seit Spätherbst ist Rybakina ungeschlagen, gewann im November souverän das WTA-Finale. Leider habe ich bei meinem Melbourne-Tipp ihrer Niederlage im Vorberereitungsturnier in Brisbane gegen Karolina Muchova zu viel Bedeutung beigemessen …
Beeindruckend jedenfalls, wie sich die über 1,80 Meter große Rybakina im Finale gegen Aryna Sabalenka mit ihrem Aufschlag aus der Affäre rettete. Ein Finale, das tatsächlich über 3 Sätze ging und mehr als 2 Sunden dauerte (2:19). Eine Rarität bei diesem eher spannungsarmen Turnier; gerade die Frauen-Matches waren meist doch eine sehr einseitige und damit auch eintönige Angelegenheit (genauso übrigens wie die Männer-Matches, natürlich ausgenommen die beiden 5-Satz-Thriller im Halbfinale).

 

Deutscher Erfolgslauf gestoppt

 

Auch der Kanzler konnte nicht helfen, oder lags gar an Friedrich Merz. Jedenfalls zeigten sich die unbesiegbaren handball-Dänen bei der Heim-EM im Finale auch tatsächlich als unbesiegbar. Zwar hielten die Deutschen eine Halbzeit sehr gut mit und konnten die Partie zeitweise sogar ausgeglichen gestalten, doch letztlich hatten sie gegen Danish Dynamite doch keine Chance und verloren mit 27:34 (zu) deutlich. Immerhin eine klare Steigerung zum Olympiafinale, als vom gleichen Gegner regelrecht demontiert wurden.

Ausgerechnet der dänische Ersatztorhüter Kevin Möller sorgte für die Vorentscheidung. Noch während der 1. halbzeit ersetzte der Keeper der SG Flensburg-Handewitt den eher glücklosen Emil Nielsen, und seine Paraden ebneten den Weg. Er überstrahlte zeitweise sogar Andi Wolff im deutschen Kasten, der gerade im ersten Durchgang nicht ganz an seine vorherigen Weltkassepartien heranreichte.

Erstau licherweise blieb Mölle auch die gesamte 2. Halbzeit im Tor (außer bei einem einigen Siebenmeter). Dass er zum Mann der partie offiziell ausgezeichnet wurde, das hätte vor der partie wohl niemand prophezeit.

Das junge deutsche Team wird mit dem Finaleinzug mehr als zufrieden sein, gerade die Siege gegen Frankreich und Portugal durfte nicht jeder erwarten. Im Endspiel selbst kamen manche nicht an ihr Leistungsvermögen heran, gerade im Angriff Uncins und Knorr. Und wer weiß, wie alles gelaufen wäre, hätte nicht Abwehrchef Kiesler nach einer Würge-Attacke gegen Mthias Gisdel früh mit Rot vom Parkett gemusst.

 

ARD – Unterirdische Kommentatoren

 

Ein Wort zur Fernsehberichterstattung: Die deutschen Spiele wurden in ARD und ZDF gezeigt, und größer könnte der Qualitätsunterschied nicht sein. Im ZDF überzeugten mich Reporter martin Schneider und Experte Sven Christophersen. Voller Sachkenntnis ohnehin, mit viel Engagement, aber jederzeit fair in der Einordnung – was des Gegners Leistung betrifft ebenso wie die der Schiris. Bei der ARD dagegen überboten sich Florian Nass und Jogi Bitter an peinlichem Nationalismus, jede Entscheidung gegen Deutschland war ein Affront, jeder Fehlwurf des Gegners wurde bejubelt (ich übertreibe nur wenig). Alles war immer nur schwarz, rot, geil – absolut zum Fremdschämen. Und letztlich auch gefährlich in einer Sportart, wo die allerwenigsten so regelfirm sind, um das ewige Klammern, Halten, Stoßen, vielleicht auch Würgen richtig einordnen können. Gerade hier bräuchte es eine objektive Anleitung und nicht dumpfbackiges Pro-Deutschland-Gebrüll. Überspitzt gesagt: Mehr Nationalismus sehe ich auch bei einem AfD-Parteitag nicht (nein, ich behaupte nicht, das Nass und Bitter der AfD anhängen. Aber ihre Art der Kommentierung mögen sie bitte überprüfen!).

 

Die Bayern – plötzlich nervös

 

Kaum läuft es nicht mehr ganz so flüssig, zeigen die Münchner Fußballer Nerven. Zu besichtigen beim in der Tat aufreibenden 2:2 beim Aufsteiger Hamburger SV. Von Beginn an war viel Hekik im Spiel, Haken und Ösen auf beiden Seiten, und Schiri Harm Osmers zeigte sich in der Zweikampfbewertung in der Tat samft überfordert, allerdings auf beiden Seiten.
In der Endphase, als die Bayern verzweifelt den Siegestreffer versuchten, musste der Frust raus. Bei jedem Pfiff (oder unterlassenem Pfiff) gegen München stürmten mehrere Byyern-Profis auf den unparteiischen ein. Die Regel, dass nur noch der Kapitän protestieren darf, die gilt offenbar nicht mehr (das bedaure ich schon seit einigen Monaten). Sogar Harry Kane, der als Engländer angeblich die Fairness und die Achtung gegen den Referee mit der Muttermilch aufgesogen hat, beteiligte sich am Schiri-Bedrängen.

Nach dem Schlusspfiff ging das Schiri-Bashing erst recht los. Wlchen Bayern man die Reporter auch befragten, zunächst gab es eine Breitseite gegen den Schiri. Der aus meine Sicht bei allen brenzligen Entscheidungen richtig lag (zumindest nicht völlig falsch), sowohl beim Elfer für den HSV unterbliebenen Strafstößen für die Bayern wegen Hand (klar angeschossen) und Foul (nicht genug). Klar, es hat schon Schiris gegeben, die die beiden Strafstöße gegeben hätten und haben, aber wie lautet ein ehernes Grundrechtsgebot: Keine Gleichheit im Unrecht.

Im Laufe der zeit wunderte ich mich, warum sich die Bayern so aufführten. Sie, die doh so souverän durch die Liga cruisen. Doch jetzt sah ich nicht nur extrem unsympathische Profis (sogar der für mich sympathische Kane mutierte zum Bayern-Deppen), sondern geradezu panische Spieler und Verantwortliche. Ob da vielleicht sogar mehr dahintersteckt als 2 verlorene Pünktchen? Weil jeder spürt, dass jetzt, wo es langsam ernst wird, die wunderbare Leixhtigkeit des Seins verschwunden ist ode zumindest auf den rumpeligen Winter-Spielfeldern nicht mehr zum Tragen kommt.

Noch ist das Spekulatius. Noch ist auch de Abstand auf den Zweiten Borussia Dortmund komfortabel (6 Punkte und das uneinholbar bessere Torverhältnis). Aber jetzt noch eine Niederlage gegen das formstarke Hoffenheim und gleichzeitiger Dormund-Sieg – und plötzlich wären beide Teams in Reichweite.

 

Werder verliert die Nerven

 

Hier hat die Panik schon zur üblichen Raktion geführt: Einen Tag nach dem 1:1 zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach feuerten die Bremer Verantwortlichen den Coach. Horst Steffen, erst im Sommer vom Zweitligisten SV Elversberg gekommen, muss gehen. Zehn Spiele ohne Sieg – das hat noch nie einem Bundesliga-Coach gut getan. Obwohl nach Auffassung vieler Experten, die viel näher an Werder sind als ich, diesen Schritt für verfrüht halten. Wer den sich windenden Arnd Zeigler, der Stadionsprecher im Weserstadion, gestern bei seiner Sendung sah, weiß von was ich rede. Nur Diplomatie und Achtung vor seinem herzensclub bewahrten die Verantwortlichen vor einer Tirade, da bin ich mir sicher.

Natürlich hat Steffen, der den Noname-Club Elversberg fast in die Bundesliga geführt hätte, nicht alles richtig gemacht. Aber die Sportliche Leitung beging einen Fehle nach dem anderen, vor allem in der Kaderzusammenstellung. Die gipfelte darin, dass sie den durchaus begabten Victor Boniface verpflichtete. Jenen Angreifer, der nur Tage zuvor durch den Medizincheck beim AC mailand gefallen war. Kann man sogar eingehen, dieses Risiko, allerdings bitte mit Netz und dippelten Boden, hier also guten Backups. Diese fehlen komplett, es kam, wie es kommen musste. Boniface fehlt bis zum Ende wegen einer Knieverletzung (das die mailänder moniert hatten), die traurige Bilanz: ein Stürmertor.

 

Schweizer Trost am Unglücksort

 

Die Brand-Katastrophe in Crans Montana ist noch längst nicht verdaut (am Sonntag erlag ein Mann seinen Verletzungen), da machte der Skizirkus im Schweizer Ort Station. Alles natürlich im Zeichen des Unglücks, aber eben auch mit viel sportlichem Wert: zum einen weil in nicht einmal einer Woche die Olympischen Abfahrten anstehen, zum anderen, weil Crans Montana 2027 die alpinen Skiweltmeisteschaften ausrichtet.

Am Freitag schien sich das Unglück, das diesen Ort 2026 ereilt hat, fortzusetzen. Beim Super-G der Frauen stürzten von den ersten 6 Starterinnen drei, darunter Lindey Vonn, die an einer tückischen Strecke in den Schnee musste. Zwar konnte die Amerikanerin aus eigener Kraft ins Ziel schwingen, von dort wurde sie aber per Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen – zur Beobachtung. Offenbar hat sie sich eine Knieverletzung zugezogen, nicht an ihrem künstlichen Gelenk allerdings. Ob und in welchem Fitnesszustand sie jetzt nach Cortina reist, ist völlig unklar. Schon am Sonntag steht die Abfahrt von der Tofana auf dem Olympischen Programm, kurz darauf die Kombi-Abfahrt (Dienstag) und Super-G (Donnerstag). Das Rennen wurde nach Vonns Sturz abgebrochen.

Tags darauf strahlender Sonnenschein. Und mit der Schweizerin Marjorie Blanc eine Super-G-Siegerin, die ganz in der Nähe aufgewachsen ist. Blanc, in dieser Saison noch nicht sehr auffällig, legte eine nahezu fehlerfreie Fahrt hin und siegte Sofia Goggia aus Italien und Abfahrtsweltmeisterin Breezy Johnson, die für Vonn für die USA in die Bresche sprang. Während Kira Weidle-Winkelmann auf Platz 5 überzeugte, beging Emma Aicher mal wieder einer unfassbaren Leichtsinnsfehler und schied aus.

Van Allmen überragt

Die Abfahrt am Sonntag war ebenfalls eine Schweizer Angelegenheit. Nämlich die von Weltmeister Franjo van Allmen, der die gesamte Konkurrenz förmlich deklassierte. 65 Hundertstelsekunden lag er vor dem Italiener Dominik Paris, das klingt gar nicht sooo viel. Wenn man allerdings bedenkt, dass andrerseits zwischen Paris und dem Zwölften Muzaton sogar nur 63 Hunderstel lagen, dann zeigt das die Ausnahmefahrt. In dieser Form erhebe ich van Allmen zum Favoriten für die Olympia-Abfahrt von der Stelvio diesen Samstag – und bin mit dieser Einschätzung bestimmt nicht allein.

 

Dennis Schröder – der 11. Verein

 

Das Gastspiel bei den Sacramento Kings dauerte nur gut drei Monate, jetzt ist der deutsche Welt- und Europameister ein „Cavalier“. Die Cavs aus Cleveland sicherten sich die Dienste des Deutschen, er kommt gemeinsam mit dem äußerst talentierten Keon Ellis aus Kalifornien, für ihn geht DeAndre Hunter nach Sacramento.

Für Schröder ist es die 11. Station – rekordverdächtig (der steht bei 13/ein gewisser Ish Smith, der wirklich so heißt …), aber vielleicht ein Glücksfall. Denn während die Kings das schlechteste Team der gesamten NBA sind und längst keine  Chancen mehr haben auf die Play-offs (großer Seufzer des Kings-Fans), ist Cleveland eine äußerst starke Mannschaft. In der vergangenen Saison waren die Cavs im Grunddurchgang das mit Abstand beste Team in der Eastern Conference, sie scheiterten allerdings in der 2. Runde am späeren Finalisten Indiana Pacers, auch weil mit Darius Garland und Evan Mobley zwei wichtige Spieler fehlten. Gerade die Verletzungsanfälligkeit von Spielmacher Garland dürfte die Cavs dazu bewegt haben, sich den deutschen Kapitän zu angeln, der diese Position glänzend ausführt. Anführer ist Donovan Mitchell, einer der elegantesten Profis der Liga, Evan Mobley wurde 2025 zum besten Defense-Spieler gewählt

Es besteht also nicht der geringste Grund zur Häme, die ich hier und dort schon lesen musste.

Das wird die Woche, die wird

Olympische Winterspiele in Mailand (und in den nahegelegenen) ab Freitag und Super Bowl Sonntagnacht zwischen den Seahawks und Patriots – zwei absolute Jahrshöhepunkte, die ich in gesonderten Texten beleuchten werden. Bleibt diese Woche nur noch das Pokal-Viertelfinale und viel Liga-Sport.

 

Geteiltes Pokal-Viertelfinale

 

Seit einigen Jahren wird der DFB-Pokal im Viertelfinale schon bei der Geburt getrennt. 4 Spiele an 4 Tagen, aufgeteilt in 2 Wochen. Neuerung diesmal, dass die Wochen aufeinanderfolgen und nicht durch die internationalen Wettbewerbe noch weiter auseinander gerissen werden. Diese Woche kommt es zu den Begegnungen Leverkusen – St. Pauli (Di., 20:45) und Holstein Kiel vs Titelverteidiger VfB Stuttgart (Mi., 20:45, nächste Woche dann Hertha BSC vs SC Freiburg (Dienstag, 10. 2.) und der vermeintliche Topschlager FC Bayern gegen RB Leipzig (Mi., 11.2.) auf dem Programm.
Hertha und der Pokal, das ist eine fast unendliche Leidensgeschichte. Seit 1985 das Endspiel fest in der Hauptstadt ausgetragen wird, hat es die Profimannschaft noch nicht ein einzigeds Mal ins Finale geschafft,  jir im Jahr 1993 die sogenannten Amateure, die dann allerdings gegen Bayer Leverkusen mit 0:1 den Kürzeren zogen.

 

Schier endlose Darts-Liga

 

Die 8 vermeintlich besten Profis haben ab diesen Donnerstag gut zu tun. Da startet die Premier League das lukrative Einladungsturnier. Insgesamt 16 Spieltage plus ein Finalturnier stehen bis 28. Mai an, jeweils am Donnerstag. Meist in britischen Städten, aber auch mit Abstechern nach Dublin, Rotterdam, Antwerpen und Berlin. .
Der Modus ist seit einigen Jahren unverändert: Es gibt pro Abend Viertelfinale, Halbfinale und Finale, dafür gibt es Punkte, die summiert werden.

Weltmeister Luke Littler ist der ganz klare Favorit. Zu souverän war der Auftritt bei der WM vor gut einem Monat im Ally Pally. Neu dabei sind WM-Finalist Gian va Veen aus Holland (per Geldrangliste) sowie der Engländer John Rock, der eine Wild Card erhielt.

Titelverteidiger ist Luke Humphries. Außerdem dabei sind noch die Waliser Jonny Clayton und Gerwayn Pryce (Letzterer wahrscheinlich, damit es einen Bad Boy gibt sowie Steve  Bunting aus England und Ex-Weltmeister Michael van Gerwen aus Holland.

 

Und sonst?

 

  • Bundesliga: Die etwas schwächelnden Bayern (2 Partien ohne Sieg!) empfangen am Sonntag (17:30) mit 1899 Hoffenheim das derzeit heißeste Team der Liga, in diesem Jahr mit insgesamt 5 Siegen noch ohne Punktverlust. Nominelles Topspiel am Samstagabend ist die Partie von Borussia Mönchengladbach gegen Bayer Leverkusen, nur Ignoranten würden das Rheinderby nennen. Mit dem neuen Trainer Riera versucht Eintracht Frankfurt schon am Freitagabend beim 1. FC Union sein Glück, parallel zur Olympischen Eröffnungsfeier im Mailänder Sansiro Stadion, vielleicht ganz gut so.
  • England: Am Sonntagabend gibt es einen veritablen Schlager: Meister FC Liverpool empfängt den Titel-Vorgänger Manchester City. Pool kämpft nur noch um Platz 5, der zeimlich sicher die Qualifikation für die Champions League bedeutet (wegen der englischen Überlegenheit in der EC-Jahreswertung), City hat noch eine theoretische Chance auf den Titel bei 7 Punkten Rückstand auf Arsenal, da helfen nur Siege.
    Apropos England: Während der Woche finden die Halbfinal-Rückspuel im Liga-Cup statt. Am Diensstag empfängt der FC Arsenal den FC Chelsea (Hinspiel 3:2),, am Mittwoch Manchester City das Woltemade-Team Newcastle United (2:0).
  • Basketball: Wieder mal 2 Spieltage in der Euroleague. 2 Heimspiele für den FC Bayern gegen französische Teams, am Dienstag gegen Paris Basketball, am Donnerstag gegen AS Monaco. Nur 2 Siege wahren die winzige Chance auf die Play-Ins.
  • Handball: Unfassbar, aber es gibt für die Männer tatsächlich eine spielfreie Woche nach der EM.
  • Tennis: Hier ist nix mit Pause, allerdings nehmen sich die Topspieler eine solche. Es gibt Frauen-Turniere in Cluj (Raducanu, Pliskova), Ostrau (Maria, Korpatsch) und Abu Dhabi (Bencic, Alexandrowa, Tauson) sowie bei den Männern in Montpellier (Auger-Aliassime, Cobolli, Wawrinka). Für mich angesichts des Sport-Reichtums tatsächlich Grund, Abstand zu halten.

 

 

Warum ich Sport so liebe

LIssabon, Estadio da Luz. Benfica gegen Real, ein Klassiker zweier Traditionsclubs. Es läuft schon die Nachspielzeit, außer in Lissabon sind alle anderen 17 Vorrundenpartien der Champions League an diesem seltsamen letzten Spieltag beendet.
3:2 führt Benfica, doch ein Blick auf die Blitztabelle zeigt, dass dieses Ergebnis nicht reicht für den anvisierten Platz 24 im 36er-Feld, der gerade noch das Weiterkommen bedeuten würde. Das Stadion merkt es, die Zuschauer am Fernseher wissen es eh, nur auf der Benfica-Bank scheint man ahnungslos. Auf dieser sitzt José Mourinho, ruhmüberhäufteTrainer-Legende und unter anderem auch bei Real sehr erfolgreich, jetzt wieder in der portugiesischen Heimat. Verteidigerstratege Mou wechselt sogar Abwehrkräfte ein, das Ergebnis will er halten. Torwart Anatolij Trubin schindet nach einer Parade Sekunden, als er auf dem Rasen liegen bleibt, das Entsetzen auf den Rängen ist groß.
Doch irgendjemand auf der Benfica-Bank hat offenbar noch mal nachgerechnet, jetzt heißt es plötzlich: Nach vorn! Nach vorn! Noch ein Freistoß für Benfica, der baumlange Trubin stürmt mit vor, der großartig getretene Ball fliegt in den Real-Strafraum, direkt auf die Stirn des Schlussmannes und von dort unhaltbar ins Tor.

Da Luz explodiert. Freudentaumel. Aufstieg in die Zwischenrunde statt schnödes Vorrundenaus. Mourinho verliert jegliche Contenance, hüpft vor der Real-Bank auf und ab (er entschuldigt sich später). Die unfassbare Pointe der allerletzten Sekunden der letzten noch laufenden Partie dieser ewig langen Vorrunde. Benfica der Nutznießer der ewig langen Pause in der ersten Halbzeit. Nur deshalb wurde die 2. Halbzeit später angepfiffen, nur deshalb  noch gespielt, als es auf allen anderen Plätzen schon vorbei war. Nur deshalb war noch Rechenzeit. Schön für Benfica, blöd gelaufen für Marseille, längst zu Tatenlosigkeit verrteilt.

Weil Sport und Fußball so viele Pointen bereithält: In dieser Zwischenrunde ist einer der zwei  möglichen Gegner von Benfica und Mourinho: Real Madrid. Die Königlichen ihrerseits verpassten durch die Niederlage die sicher geglaubte Direkt-Qualifikation fürs Achtelfinale, für sie wird  diese Zwischenrunde eher Schmach denn Grund zur Glücksseligkeit – mit der Gefahr der Total-Blamage.  Auch der andere potenzielle Gegner hätte zumindest für Mou viel Charme: Es wäre Inter Mailand, auch hier feierte der Trainer große Triumphe, holte 2010 unter anderem die Champions League, welcher Bayern-Fan erinnert sich nicht voller Traurigkeit ans Finale.

 

Meine Kritik am Format

 

Die letzten 10, vielleicht sogar 15  Minuten dieser Konferenz waren natürlich fantastisch. Denn nicht nur in Lissabon (letztlich erfolgreich) sondern auch in Limassol und Bilbao (jeweils erfolglos) hätte ein Tor noch viel bewegen können für Paphos und Athletic. Ansonsten war dieser letzte Spieltag mit den 18 gleichzeitigen Partien viel zu unübersichtlich, als dass nur im Entferntesten Spannung hätte aufkommen können jenseits des eigenen Lieblingsclubs. Nicht mal meine Auffassungsgabe und mein Equipment reichten, dass ich immer den Überblick behielt; obwohl ausgestattet mit Fernseher (1 Livespiel), Laptop (Konferenz in Bild), iPad (Live-Tabelle) und iPhone (Live Scores).

Ich befinde mich ja in herzlicher Diskussion mit Befürwortern und Gegnern in diesem neuen CL-Format mit 36 Clubs in EINER Tabelle. Die Partien bis zu diesem letzten Spieltag scheinen mir viel zu belanglos. Niederlagen werden oft achselzuckend hingenommen, auch wenn Top-Gegner aufeinanderprallen. Da in einem 36er-Feld nicht jeder gegen jeden spielen kann, muss es Ungerechtigkeiten geben (wer dieses Jahr gegen die überragenend Teams FC Arsenal und/oder  FC Bayern spielen musste, hatte einfach Pach gehabt). Und wenn dann am Ende ein Verein genau weiß, dass er trotz einer Führung noch ein Tor braucht, allein weil Reiner Zufall Regie geführt hat, so ist das nur die geringste Ungerechtigkeit.

Das frühere Formal mit 8 Vierergruppen (bis 2024) hatte natürlich auch Schwächen, weil hier die Fronten um den Aufstieg in die K.o.Runde oft früh geklärt waren. Auch hier gab es Ungerechtigkeiten, weil die einen eine sogenannte hammergruppe, die anderen lauter Jausngegner erwischten. Doch wenigstens war innerhalb der Gruppe alles gleich, alles übersichtlich. Der Fan wusste Bescheid. Und es war auch nicht möglich, trotz einer negativen Bilanz die K.o.Runde zu erreichen, wie zB jetzt ein halbes Dutzend Teams wie Benfica, das seit September 3 Siege und 5 Niederlage sammelte und auch ein negatives Torverhältnis hat (10:12).

 

Deutsches Abschneiden

 

Dass die Bayern direkt ins Achtelfinale ziehen würden, war schon vor dem letzten Spieltag klar. Trotzdem gab es beim 2:1 bei PSV einen klaren Gewinner,nämlich Schlussmann Jonas Urbig, der mit einigen starken Paraden bestätigte, dass er für die Neuer-Nachfolge bereit ist. Ausgeschieden, auch das stand schon fest, ist Eintracht Frankfurt, das zum Abschluss mit 0:2 gegen Tottenham verlor.
In die Zwischenrunde müssen (oder dürfen, je nach Anschauung) Bayer Leverkusen (3:0 gegen Villarreal) und Borussia Dortmund (0:2 vs Inter). Die Chancen stehen 50:50, dass die beiden Bundesligisten in dieser Zwischenrunde aufeinandertreffen. Ob es dazu kommt oder nicht, klärt sich in der morgigen Auslosung. Die Alternative wären Olympiakos Piräus (Bayer) und Atalanta Bergamo (BVB). Jetzt kann jeder  Fußballfreuned für sich entscheiden, was besser ist für den deutschen Fußball: Direktes Duell, ein Team sicher weiter, eines sicher raus. Internationale Duelle: 2 Teams möglicherweise weiter aber eben auch: beide Teams raus.

Ich nehme es eher kölsch: es kütt, wie es kütt …