von Münchner Löwe | Okt. 30, 2023 | Allgemein, basketball, bundesliga, Fußball, MLB, NBA
Springboks obenauf
Südafrika hat es geschafft und die Rugby-WM in Frankreich durch ein 12:11 im Finale gegen Neuseeland gewonnen. Im Endspiel gelang ihnen nur Punkte nach Straftritts und kein einziger Versuch. Die Neuaseeländer bissen sich am Abwehrriegel die Zähne aus. Es hat sicher schon schönere Spiele gegeben. Damit haben die Südafrikaner alle K.o.-Spiele m it einem Punkt Vorsprung gewonnen. das nennt man wohl Maßarbeit oder wie es ein Kommentar bei aaas.de nicht schöner hätte formulieren können: Ein Bok springt nur so hoch, wie er muss.
Höhepunkte des Turniers waren die beiden nervenzerfetzenden Viertelfinals Irland – Neuseeland und Frankreich – Südafrika. Spannender kann Sport nicht sein. Mein persönlich zweites Jahreshighlight hinter dem Basketball-Halbfinale D – USA und dem Finale D – Serbien. Immer wieder zu bedauern, dass Rugby in Deutschland so gar keine Rolle spielt und sogar Teams wie Georgien und Rumänien um Lichtjahre voraus sind. Vielleicht schaffen sie ja die Quali, wenn die WM 2027 in Australien mit 24 Teams stattfindet, aber auch das ist Stand heute reichlich unwahrscheinlich.
Die Wüste lebt
Das zweite große Sporterteignis für mich sind derzeit die Play-offs im Baseball, wo man schon in den World Series angelangt ist. Diese bestreiten reichlich überraschend die Texas Rangers und die Arizona Diamondbacks, also die Nummer 5 der American Leagueund die Nummer 6 der National League. Noch nie trafen in den WS zwei Teams mit Bundesstaat-Namen aufeinander (es gibt noch die Minnesota Twins und die Colorado Rockies.
Nach zwei Spielen steht es 1:1, jetzt stehen von heute Nacht an 3 Spiele in Phoenix statt. Die letzten beiden würden wieder in Arlington steigen.
Neuer, Neuer, Neuer
Nach knapp elf Monaten Pause ist Manuel Neuer ins Bayern-tor zurückgekehrt, das Medienereignis der Bundesligasaison bisher. Für mich persönlich wird das Ganze sachon extrem hoch gehangen (Zitat Bild: eines der größten Comebacks eines detschen Sportlers aller Zeiten). Und schon scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, was Manuel Neuer auch ins Tor der Nationalmannschaft zurückkehren darf, Ter Stegen hin oder her. Wohlgemerkt der Neuer, der eine grauenhafte WM 2022 gespielt hat und in seiner Bestform, die allerdings da schon einige Jahre zurücklag, mindestens vier der fünf Gegentore abgewehrt hätte. Aber der Mann ist sankrosankt, der „Retter“ gegen Algerien und Erfinder eines neuen Trowartspiels. Gnädig wird über sein rot- und elfmeterwürdiges Foul im Endspiel gegen Higuain hinweggesehen.
Er ist ein toller Torwart, aber dieses zumindest in Deutschland gebetsmühlenartige „bester Torwart der Welt“ geht mir auf die Nerven. Das war mal, aber ist eben schon lange her. Gerne darf er mich eines Besseren belehren
Bayer bleibt Spitze
Immer noch grüßt Leverkusen als Tabellenführer, und es gewinnt jetzt auch die heiklen und mühseligen Spiele. Ich will niemanden aus dieser Top-Mannschaft herausheben, aber dieser Florian Wirtz ist schon etwas ganz Besonderes, wie sein unglaubliches Sollo am Sonntag gegen Freiburg unterstrich. Und ein Riesenlob für die Kaderzusammensteller. Vier Neuzugänge, vier absolute Volltreffer (Boniface, Jofmann, Xhaka und Grimaldi) sowie ein Trainer Xavi Alonso, der wie die Faust aufs Auge zur Werkself passt. Aber Bayer ist halt Vizekusen, und deshalb wartet man nur auf unnötige Punktverluste, die bei immer schlechter werdenden Wetter und Plätze und die Ballkünstler eingenordet werden. Und bisher blieb man vom Verletzungspech weitgehend verschont.
An diesem Spieltag sind übrigens 42 Tore gefallen. Spricht für die Angreifer, aber bestimmt nicht für die Abswehrreihen. Unterhaltsam ist es allemal. Und dass der FCA nach dem Trainerwechsel in zwei Spielen acht Tore schießen würde und plötzlich attraktiven Fußball zeigt, hätte ich in der Form nie für möglich gehalten. Gegenstück ist der 1. FC Union – unfassbar dieser Absturz, auch wenn ich schon damit gerechnet habe, dass ein erneuter Platz 3 schon sehr schwierig werden würde. waren hier die vermeintlich tollen Transfers von Goosen, Volland und Bonucchi nicht kontraproduktiv, weil gegen die bisherige Vereinsraison? Ich darf ja noch fragen …
Theater um Mazraoui
Der Bayern-Profi hat gespielt gegen Darmstadt, und das vortrefflich, und er kam sogar in die Elf des Tages vom Kicker. Nach einer sehr hektischen Woche um ihn, nachdem er nach dem entsetzlichen und schwerstkriminellen Angriff der Hamas auf Israel seine Sympathie für die palästinensische Sache teilte, ohne den Angriff der Hamas zu verteufeln. Die Bayern hatten zwar ein ihrer Auskunft nach ein intensives Gespräch mit dem Marokkaner, sahen aber von Strafen jedweder Art ab, was ihnen viel Kritik einbrachte, wobei die Art und Weise wie sie den Fall grundsätzlich handhabten, durchaus anerkannt wurde.
Ich bin da zwiegespalten. Auf der einen Seite halte ich die Meinungsfreiheit ein extrem hohes Gut, die ich bis zum Letzten verteidigen würde, auch wenn ich die geäußerte Meinung nicht teilen würde. Andererseits gilt es, den in Deutschland erschreckend hoffähigen und mich zutiefst verstörenden Antisemitismus, nicht zu verwechseln mit auch harter Kritik an Israels Politik, einzudämmen, wo es nur geht.
Großes Tennis
Jannik Sinner gegen Daniil Medwedew in Wien. Dieses Finale war ein hochklassiger Thriller, den man nur genießen konnte. Am Ende siegte Sinner, der in diesem Jahr noch mal einen Riesensprung nach vorn gemacht hat. Jetzt fehlt nur noch der Grand-Slam-Sieg, und da sehe ich in den nächsten Jahren durchaus Chancen, auch gegen einen Alcaraz, Djokovic und dem ganzen Rest.
Der in diesem Jahr so enttäuschende Felix Auger-Aliassine hat sich in Basel eindrucksvoll zurückgemeldet und mit einem Finalsieg gegen Hurkacz seinen Titel verteidigt.
Interessant wird sein, ob Boris Becker seinen neuen Schützling Holger Rune wieder in die Erfolgsspur führt. Dass er so was kann, het er in seiner Zeit mit Djokovic nachhaltig unter Beweis gestellt.
Bellinghams Gala
Der Engländer im Real-Dress schießt alles kurz und klein seit seinem Wechsel nach Madrid. Jetzt erfolgte der erste Ritterschlag, denn seine beiden Tore entschieden den Clasico beim FC Barcelona, obwohl Ilkay Gündogan, auch ein Ex-Dortmunder, Barca in Führung gebracht hatte. Da litt Mick Jagger mit Barca im Olympiastadion (das Camp Nou wird umgebaut für Fantastilliarden). Und weil ich gerade bei Ex-Dortmundern bin: Erling Haland war Matchsieger im Manchester-Derby City – United mit 2 Toren und einen Assist für die Citizens.
Titelverteidiger ganz stark.
Während die MLB in die Zielgerade biegt, stehen die NHL und die NBA erst am Anfang der Saison. Aber schon jetzt deutet sich an, dass die Titelverteidiger Las Vegas Knights und Denver Nuggets auch in diesem Jahr das zu schlagende Team sein werden. Die Knights haben in den ersten 9 Spielen 17 von 18 möglichen Punkten gehlt, die Nuggets sind nach 3 Spielen, immerhin bei den Oklahoma City Thunder, Memphis Grizzlies und gegen die LA Lakers noch ungeschlagen.
In der NHL sind die Edmonton Oilers um Leon Draisaitl sehr schwach in die Saison gestartet. Immerhin gelang ihnen im Freiluftspiel gegen die Calgary Flames ein Sieg gegen den Erzrivalen – vor 55 000 Zuschauern.
Furchtbares Unglück
Die Eishockey-Welt trauert um den ehemaligen DEL-Profi der Augsburger Panther Adam Johnson, der nicht mehr zu retten war, nachdem ihm in einem Spiel der englischen Liga eine messerscharfe Kufe den Hals aufgeschlitzt hat. Es gibt offenbar Bilder von dem Unglück, aber die erspare ich mir, und es gibt von mir auch keinen Link. Es musste ja mal passieren, und mich wundert eher, dass es bisher offenbar noch nie zu einem tödlichen Unfall bei solchen Situationen gekommen ist. Ähnlich gefährlich ist ja das Eisschnelllaufen. Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, aber den Hals könnte man besser schützen. In Finnland und Schweden ist ein solcher Halsschutz Pflicht, warum eigentlich nicht weltweit? Ja, natürlich gibt es am Anfang Beschwerden über vermeintliche Unbequemlichkeit, aber im Radsport wird der lange verpönte Sturzhelm nicht mehr ernsthaft diskutiert.
Grässliches in Marseille
Sogenannte Fans in Marseille haben den Bus von Olympique Lyon mit Wurfobjekten aller Art unter Beschuss genommen. Gesichtsverletzungen trug dabei unter anderem OL-Trainer Fabio Grosso, ja der vom Sommermärchen 2006, zu. es gibt ziemlich vestörende Fotos. Das Spiel wurde den Regeln gemäß abgesagt, nichts anderes als die 3 Punkte für Lyon sollte es geben. Mir stellt sich die Frage, warum Marseille ohne große Zwischenfälle Rugby-WM-Spiele über die Bühne bringt, aber im Fußball alles explodiert. Die schon traditionelle Rivalität, ja Feindschaft der beiden Teams im Olympico ist vielleicht eine Erklärung, und dass Fußball ein dankbares Vehikel ist, den Hass auf die ganze Welt Ausdruck zu verleihen.
Das wird die Woche, die wird
Arizona oder Texas
Spätestens in der Nacht zu Sonntag steht der „Weltmeister“ im Baseball fest, also der Sieger der World Series zwischen Texas und Arizona. Weil die Sommerzeit in Europa eine Woche früher endete als in den USA, finden alle Spiele ab kurz nach 1 statt. Prognosen? Sind äußerst schwer. Den Diamondbacks gebe ich allerdings dann gute Chancen, wenn der Bullpen so brilliert wie bis jetzt in der Post Season.
NFL goes Frankfurt
Nach der rauschenden NFL-Deutschland-Premiere im vergangenen Jahr in München finden dieses Jahr sogar zwei Spiele in Deutschland statt, beide in Frankfurt. Am Sonntag trifft Titelverteidiger Kansas City Chiefs auf die Miami Dolphins. Hoffentlich mit einem dann wieder hergestellten Quarterback Patrick Mahomes, der gestern bei der sehr überraschenden Niederlage gegen die Broncos sichtlich an den Nachwirkungen eine Erkältung litt und ohne TD-Pss blieb. Könnte im Waldstadion ein attraktives Spiel werden. Mehr zur NFL morgen in einem gesonderten Beitrag. Cliffhanger: Was ist eigentlich in San Francisco los?
Saisonfinale der Tennis-Frauen
Am Montag begann in Cancun (Gott sei Dank nicht Acapulco) das WTA-Finale der acht besten Tennisspielerinnen der Welt und der acht besten Doppel. Dort ist übrigens Laura Siegemund dabei an der Seite der Russin Vera Zwonarewa. (erstes Spiel morgen gegen Gauff/Pegula). Schön fürs Schneckle, aber eben mit Gmäckle wegen der Herkunft von Zwonarewa. Wo bleibt meine Logik, die sich freut, obwohl ich keine russischen Sportler sehen will bei internationalen Wettbewerben aller Art.
Gipfeltreffen in Dortmund
Am Samstagabend (18.30/Sky) ist es wieder soweit mit dem deutschen Schlager BVB gegen Bayern, den ich mit Bedacht nicht Clasico oder so nenne. Dortmund spielt zwar nicht besonders toll, aber erfolgreich und noch ohne Liga-Niederlage. Und die Bayern? Ich kann sie schlecht einschätzen. In den beiden Spielen gegen ebenbürtige Gegner (RB und Bayer) sahen sie nicht besonders gut aus, und der für Neuer degradiert Sven Ulreich rettet so manchen Punkt. Die Mannschaftsteile harmonieren nicht besonders, aber die Offensive ist halt kaum zu stoppen mit den überragenden Kane, Musiala und Sané.
Und sonst?
2. Pokalrunde, Männer-Tennis in Paris, Ligen all über all auf dem Feld und in den Hallen, national und international. Und die Frauen mit Horst Hrubesch kämpfen um ein Olympia-Ticket via Nations League. Heute auf Island, Rudi remember.
von Münchner Löwe | Sep. 12, 2023 | Allgemein, basketball, Fußball
Nach dem f+r ich sehr anstrengenden Wochenende mache ich es diesmal in zwei Teilen. Heute Basketball und Fußball. Morgen der Rest und der Ausblick auf die kommende Woche.
Meine Nerven
Es ist für mich immer noch unwirklich, aber die deutschen Basketballer sind tatsächlich Weltmeister geworden. Acht Spiele acht Siege, lautet die beeindruckende Bilanz. Im Endspiel gegen die Serben war es die erwartet enge Partie, aber am verdienten Erfolg wird hoffentlich niemand deuteln. Und Dennis Schröder ist MvP – völlig verdient. Matchwinner gegen Serbien, als er am Ende wie ein Champion Verantwortung übernahm und sich mit einem Solo für die „deutsche Basketball“-Ewigkeit durch die serbische Abwehr schlängelte. Aber er war nur Primus inter pares einer mannschaftlich extrem geschlossenen Einheit, angeleitet von Trainer Gordie Herbert, der einerseits Freiräume gewährleistete, andererseits auch eine klare Linie verfolgte an der sich alle halten mussten und hielten.
Das Spiel, an das ich sehr lange denken werde, war allerdings die Partie gegen die USA – mein Sporthöhepunkt des Jahres und noch viel mehr. Hier sind die Deutschen über sich hinausgewachsen, haben in einer grandiosen Art und Weise dagegengehalten. Dass dann ein Andi Obst so aus dem Sattel herausgeht und die Dreier nur so versenkt, war in dieser Form nicht zu erwarten, obwohl der Bayern-Profi schon so manchen Sahnetag erwischt hat.
Ja, es fehlten einige Superstars bei den USA, und auch die Serben mit einem Nicola Jokic wären wohl noch stärker gewesen; höchstwahrscheinlich wären diese beiden Teams zu schwer gewesen, aber weiß man es? Es können sich halt nur die messen, die da waren, und da waren die Deutschen halt am besten. Punkt. Und mit Sicherheit war das US-Team keine Ansammlung drittklassiger Spieler, wie ich in manchen Kommentaren bei anderen Seiten lesen musste. Die Zeiten eines Dreamteams 92, als die Gegner Fotos von Jordan, Johnson und Co machten, sind ohnehin vorbei. Kein Grund also, den Triumph in irgendeiner Form madig zu machen. Umso größere Vorfreude auf Olympia 24 in Paris, wenn dann wahrscheinlich wirklich die Besten der Besten am Start sind.
Ende mit Schrecken
Es war klar, dass nach dem 1:4 der deutschen Fußballer gegen Japan Bundestrainer Hansi Flick nicht mehr zu halten war. Für viele völlig unverständlich, hielt der DFB trotz des frühen Vorrundenaus in Katar und den furchtbaren Testspielen im ersten Halbjahr weiter an Flick fest. Dessen Trainer-Reputation resultiert ohnehin allein auf dem „Sextuble“ 2021 mit den Bayern. als sie, in den schwersten Corona-Zeiten, alles abräumten, was abzuräumen war. Sicher eine tolle Trainer-Leistung, aber davor hatte er nie gezeigt, dass er ein Team formen kann und junge Spieler besser.
Jetzt ist Flick also Geschichte, aber allein deshalb ist bestimmt nicht alles gut. Es war ja nicht Flick, sondern gestandene Profis, die sich von den Japanern haben vorführen lassen. Und Flick hat auch nicht auf dem Rasen diese grotesken Fehler gemacht, die wir am Samstag gegen Nippon (und auch die Spiele zuvor) aus deutscher Sicht erleiden mussten. Die Willenslosigkeit, die da einige auf dem Platz zeigten, war allerdings bemerkenswert. Spielten da einige gegen den Trainer?
Jetzt also gegen Frankreich für ein Spiel, und bitte auch wirklich nur ein Spiel, mit Rudi Völler auf der Bank. Der ewige Rudi, der immer wieder einspringt, wenn Not am Mann ist. Ich würde ihm gönnen, wenn das morgen kein Desaster wird gegen ein absolutes Klasseteam. Aber dann möge es auch gut sein mit Tante Käthe, zumindest als Trainer.
Aber einen guten Nachfolger zu finden, wird mitten in der Saison sehr schwierig. Matthäus und Sammer haben schon abgesagt – mal schauen, ob sie dabei bleiben. Es dürfte auf Julian Nagelsmann hinauslaufen: Ein guter Trainer zweifelsohne, aber ob er geeignet für den Job eines Bundestrainers ist? Er ist halt noch sehr jung, und ich sehe ihn eher als Vereinstrainer mit dort täglicher Arbeit. Sonst würde sich ein Blick ins Ausland lohnen. Allen Ernstes fiel ja schon der Name Louis van Gaal – der hätte wirklich was.
Watzkes Irrflug
Bisher hatte sich Hans-Joachim Watzke einen glänzenden Ruf als Fußball-Funktionär erarbeitet, der Borussia Dortmund vorm Ruin gerettet und in erfolgreiche Zeiten geführt hat. Dieser Ruf hat extrem gelitten – und wahrscheinlich nicht nur bei mir. Wie er vor ein paar Monaten gegen all die wetterten, die sich gegen einem Investor der DFL sträubten, war schon peinlich genug. Uneinsichtig wie ein bockiges Kind räumte er damals alle Bedenken beiseite, obwohl das Konzept einfach nicht ausgereift genug war, um es durchzuwinken..
Wie er in der vergangenen Woche gegen das neue Ausbildungskonzept wetterte, setzte allerdings allem die Krone auf. Ohne Sachkenntnis, wie sich zeigte. Kurz gesagt soll bei den ganz jungen Spielern der Spaß an der Sache und nicht der tabellarische Erfolg im Vordergrund stehen. Mit neuen Spielformen wie zum Beispiel mit einem Kleinfeld auf vier Tore. Da kann sich keiner mehr verstecken, ist viel öfter am Ball, muss sich technisch durchsetzen.
Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, muss sich zeigen. Aber es ist nicht der Untergang des Abendlandes, wenn nicht Monate danach noch Tabellen auf Ergebnisse hinweisen. Und jeder, der sich auch in irgendeiner Form sportlich mit anderen misst, will auch gewinnen. Ich erinnere mich mit Grausen an frühe Tischtennis-Partien mit meinem Vater und – noch schlimmer – an eine desaströse Niederlage gegen die Mädchen unserer Klasse. Natürlich war der Schiedsrichter schuld … Das nagt, und im „Revanche“Spel“ schoss ich vier Tore. Na ja
Was ich damit sagen will: uch wenn es keine offiziell bekundeten Spiele mehr geben sollte. Man strengt sich trotzdem an – und wir reden hier von Kindern, die höchstens zehn Jahre alt sind. Ich persönlich kann von all den Jugendtiteln ohnehin wenig anfangen: Viel wichtiger ist die Ausbildung zu einem gestandenen Profi, aber viele Trainer sehen leider nur den kurzfristigen Erfolg. Ein Fehler des Systems?
Und Rubiales geht doch
Mitten in den Sportwahnsinn am Sonntag mit Fußball, Basketball, Rugby et all ploppte die Meldung auf, dass Luis Rubiales jetzt doch als Präsident des spanischen Fußball-Verbandes zurücktritt. Jener Rubiales, der die Frauen-Weltmeisterin Jenni Hermoso bei der Siegerehrung auf den Mund geküsst hat, offenbar ohne deren Willen. Ich persönlich fand es ja noch viel schlimmer, als er nach dem Schlusspfiff sich ungeniert und in unmittelbarer Nähe seiner Königin und deren Tochter längere Zeit sich ungeniert vor Freude an den, Entschuldigung, Sack gefasst hat und später eine Spielerin wie einen Sack Mehl über den Platz trug. Die folgenden Wochen waren furchtbar: über den Triumph der Spanierinnen sprach kein Mensch mehr, sondern es gab nur noch die Diskussion über die Statthaftigkeit. Juristen hatten ihre Freude, ob das Verhalten von Rubiales eine „schwere“ oder „sehr schwere“ gewesen sein. Dass dann die Mama aus Protest sich in den Hungerstreik in einer Kirche verzog, war dann zum Drüberstreuen. Wird sie jetzt wieder essen?
Immerhin konnten wir auch in Deutschland so einiges lernen, wie einige Fußball-Granden es mit den Frauenrechten so halten. Karl-Heinz Rummenigge, ein guter Bekannter von Rubiales, fand das „nicht so schlimm“. Na ja, der Kalle halt …
von Münchner Löwe | Sep. 10, 2023 | basketball
Es ist vollbracht! Zum ersten Mal überhaupt sicherten sich die deutschen Basketballer den WM-Titel. Wie im Viertelfinale gegen Lettland, als sie nur mit Glück dem Ausscheiden entkamen, und dem Thriller im Halbfinale gegen die USA machten es die Jungs um Trainer Gordon Herbert extrem spannend. Gott sei Dank, dass die WM vorbei ist. Noch so ein Spiel hätten meine Nerven vielleicht nicht mehr mitgemacht. Und wenn sogar Leute, die mit Basketball wenig am Hut haben, vor Aufregung kaum mehr hinschauen können …
Dabei sah es Mitte des letzten Viertels vemeintlich komfortabel aus bei einer Zwölf-Punkte-Führung. Doch die schmolz so schmell dahin wie die Butter in der Sonne, und die Serben, trainiert vom Deutschland-Kenner Svetislav Pesic kamen bis auf drei Punkte heran. Dann übernahm endgültig der Mann das Kommando, der qua Amt dazu prädestiniert ist. Dennis Schröder fasste sich ein Herz, wagte ein Slalom-Dribbling durch die beinharte Serben-Abwehr und legte den Ball souverän zwischen die Reuse. Ein echtes Meisterstück des Kapitäns, der insgesamt 28 Punkte auflegte. Wenn es noch irgendeinen Zweifel an seiner Befähigung gab, dass er auch wichtige Spiele entscheiden kann, wie ihn ein begnadeter Bild-Redakteur vor der USA-Partie hatte, sind diese verschwunden. Völlig zu Recht wurde er zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt – trotz seiner furchtbaren Partie vs Lettland.
Doch wie in den Partien zuvor hatte jeder so seine Verdienste. Franz Wagner schaffte am Ende 19 Punkte, Voigtmann glänzte in der Verteidigung wie das gesamte Team im zweiten Durchgang. Da kam Bojan Bojanovic, der in der ersten Hälfte eine grandiose Partie mit 15 Punkten ablieferte und die Deutschen vor schier unlösbare Probleme stellte, nur noch auf zwei Zähler. Dafür sprang einer ein, der eigentlich für die Verteidigung zuständig ist: Alexsa Avramovic drehte vor allem im Schlussabschnitt auf, erzielte innerhalb kürzester Zeit sechs Punkte (ein Dreier, drei Freiwürfe nach Foul bei Dreierversuch). Der Mann war drauf und dran, Albträume bei den deutschen Basketball-Fans zu verursachen, doch ganz am Schluss gingen auch ihm die Kräfte aus.
Wenig später war Schluss, und die Spieler konnten ihr Glück kaum fassen. Die Jubelszenen wirkten allerdings nicht ganz sooo exstatisch wie nach dem USA-Spiel. Sie waren tatsächlich einfach zu kaputt, nervlich und körperlich. Wie sehr so ein Turnier an die Substanz geht, war auch Gordon Herbert in einer bermerkenswerten Szene anzusehen. Fast apathisch kauerte er am Boden.
Doch er wird sich erholen: Und immer mit diesem Triumph in Verbindung gebracht werden. Wie Pesic, der das deutsche Team 1993 in München zum EM-Triumph führte und sich jetzt als guter Verlierer zeigte.
Ein Extralob gehört dem Team von Magenta Sport, die eine grandiose Übertragung abgelierfert haben – wie schon im gesamten Turnier. Mitreißender und doch auch immer sachlicher Kommentar, und wunderbare Analysen und Interviews nach der Partie. Es gibt doch immer Preise für die beste Sportsendung des Jahres. Der müsste auf auf jeden Fall an die Jungs gehen – wie die Basketballer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Mannschaft des Jahres werden. Fun Fact: Mit keiner Silbe erwähnten sie den Rauswurf von Hansi Flick, auch nicht in der Nachberichterstattung. Peinlich genug, dass die offizielle Meldung darüber mitten in die spannende Schlussphase platzte. Aber vielleicht ist das tatsächlich ein bisschen eng gedacht.
Eine Frage bleibt für mich noch offen: Wie ist die Luft im Hause Bastian Schweinsteiger/Ana Ivanovic? Wie der Deutsche und die Serbin das Spiel, zusammen gesehen haben (wenn sie das denn getan haben), das wäre sicher interessant zu sehen sein.
von Münchner Löwe | Sep. 10, 2023 | basketball, Fußball
Größer könnte die Diskrepanz nicht sein: hier die Basketballer, die am Freitag in einer begeisternden Partie die favorisierten USA bezwangen und heute gegen Serbien um WM-Gold kämpfen. Das war individuelle Klasse gepaart mit Mannschaftsgeist, das bis zu Tode strapazierte „Einer für alle, alle für einen“ wurde hier tatsächlich mit Leben erfüllt, man kann die einzelnen Heldentaten gar nicht alle aufzählen. Und dort am gestrigen Samstag? Sahen wir fürchterliche deutsche Fußballer, die völlig verdient auch in dieser Höhe mit 1:4 gegen Japan verloren. Hier gab es Fehler über Fehler, niemand half den anderen. Die Auftritte bei der WM, als man trotz der Niederlage eben jenen Japanern überlegen war und im ersten Halbjahr wurden noch einmal übertroffen in negativer Hinsicht – man möchte es kaum glauben.
Fast noch bizarrer als die Leistung der Mannschaft war hinterher der Auftritt von Hansi Flick. Reichlich konfus analysierte er hinterher bei RTL die Partie, das sei ihm noch zugestanden nach dieser auch für ihn wahrscheinlich nicht zu erwartenden Demontage seiner Elf. Doch auch in der PK mit einigem Abstand behauptete er: „Ich finde, wir machen das gut, und ich bin der richtige Trainer. Wir sind überzeugt, von den, was wir tun, und deshalb geht es mit mir auch weiter.“ Kein Wort der Selbstkritik. Er habe seine Mannschaft gut auf den Gegner vorbereitet. Aha.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll: vielleicht beim Abwehrverbund, in dem sage und schreibe drei der kriselnden Dortmunder ihr Unheil anrichten durften noch dazu auf – wie bei Nico Schlotterbeck links – auf einer für ihn völlig ungewohnten Position. Die Dortmunder haben ja schon Defensiv-Probleme, wenn es gut läuft, aber jetzt … Und warum Flick den völlig überforderten und fehlerhaften Schlotterbeck nicht wenigstens zur Pause von seinen Leiden erlöste – es bleibt Flicks Geheimnis. Aber Schlotterbeck war nur der Schlechteste unter vielen Schlechten
Erschütternd war die mangelnde Kreativität. Wo war eigentlich der spritzige Florian Wirtz, der in den drei Bundesligapartien zuvor mit Lob überhäuft wurde. Einmal, bei der feinen Vorlage vor dem 1:1 durch Leroy Sané blitzte sein außergewöhnliches Können auf. Doch in der 2. Halbzeit, als die Japaner sich zurückzogen, fiel auch ihm nicht das Geringste ein, die Abwehr auszuhebeln. Es war furchtbar, mit anzusehen.
Klar, die Japaner können wunderbar Fußball spielen, vor allem wenn man sie lässt. Sie zeigten die Leichtigkeit und Inspiration, die ich bei den Deutschen vermisste, und nur ter Stegen und ihrem Unvermögen vor dem Tor sei gedankt, dass es ergebnismäßig nicht noch schlimmer wurde.
In einem dreiviertel Jahr steht die Heim-EM an. Mehr denn je ist zweifelhaft, ob dann Flick noch der Trainer ist; ich hoffe nicht, wenn ich das mal so sagen darf. Von Vorfreude kann nicht im Entferntesten die Rede sein eher von Angst, was am Dienstag die Franzosen um Kylian Mbappé mit diesem defensiven Trümmerhaufen anstellen könnten. Aber vielleicht noch schlimmer im Hinblick auf die Zukunft und die EM wäre ein dahingewurschteltes Unentschieden, das den DFB-Verantwortlichen wahrscheinlich mit einem verbandstypischen Weiter so quittieren würden.
Dagegen steigt meine Vorfreude aufs Basketball-Finale von Minute zu Minute. Bringt den Cup nach Hause! Und sogar wenn nicht, weil die Serben eine extrem gute Mannschaft sind auch ohne Superstar Nicola Jovic: diesen großen Sportmoment vom Freitag kann euch und uns niemand mehr nehmen.
von Münchner Löwe | Sep. 8, 2023 | basketball, NBA
So, eine gute Dreiviertelstunde hatte ich jetzt Zeit, meine Nerven wieder runterzubekommen nach diesem Basketballkrimi der Deutschen im WM-Halbfinale gegen die USA. 113:111 – mit so einem Ergebnis durfte niemand rechnen, weder mit dem Sieger noch mit dieser Punkteflut. Und genau diese Ungewissheit, wie es jetzt wirklich ausgeht, ist das Faszinierende am Sport und eben auch speziell im Basketball in einer spannenden Schlussphase wie heute.
Jetzt es gab aus deutscher Sicht ein Happy End und den Einzug ins WM-Finale. Freut mich wirklich für die Jungs. Und ich bin wahrlich nicht deutschtümelnd in dieser Beziehung, wie jeder, der mich nur ein bisschen kennt, bestätigen wird.
Klar, bei den US-Boys fehlten die absoluten Superstars wie Stephen Curry, Kevin Durant und LeBron James. Aber das war immer noch eine Top-Auswahl der NBA, der besten Liga der Welt. Jeder der eingesetzten Spieler dort ist in seinem Club führend. Dazu ist Trainer Steve Kerr mehrfacher Meistercoach und war außerdem ein brillanter Spieler mit etlichen NBA-Titeln. Und sie haben ja heute keinesfalls enttäuscht, hatten eine grandiose Trefferquote, zeigten wiederholt ihr außergewöhnliches Können.
Nein, die Deutschen brauchen sich diesen Erfolg nicht eine Sekunde miesmachen zu lassen. Was mich am meisten beeindruckte, war, dass sie ihr hochklassiges Spiel praktisch die ganze Zeit durchgehalten haben.
Es war eine tolle Mannschaftsleistung, in der alle eingesetzten Spieler ihren wichtigen Beitrag geleistet haben. Aber es waren drei Spieler neben Franz Wagner, der ist sowieso outstanding, die mich besonders fasziniert haben. Da ist zum einen Andi Obst. Die Bayern-Fans wissen, dass er an einem guten Tag praktisch aus jeder Position treffen kann. Aber das in einem WM-Halbfinale gegen ausgebuffte NBA-Profis zu zeigen, das ist schon grandios. Letztlich war es sein unglaublicher Dreier kurz vor Schluss trotz großer Bedrängnis, der die Partie entschied. Steve Kerr, selbst in seiner aktiven Zeit ein grandioser Distanzschütze, hatte ja vor ihm gewarnt. Jetzt wird er ihn wahrscheinlich gleich mit zu seinen Golden State Warriors mitnehmen 😀.
Zum Zweiten will ich Daniel Theis nennen. Er hatte eine furchtbare Saison, weil er kaum eingesetzt wurde wegen Verletzungen. Jetzt zeigte er vorne und hinten eine überragende Leistung. Kämpfte unermüdlich, trieb immer wieder an, debattierte mit den Schiedsrichtern (nie so weinerlich wie Doncic, wohlgemerkt). Ein echter Leader.
Und last but not least Dennis Schröder. Wie er zurückkam nach dem furchtbaren Spiel gegen Lettland, das er selbst selbst als das schlechteste seiner Karriere bezeichnete, war fantastisch. Kritik, Hohn und Spott – und zwar nicht nur wegen dieses Spiels, sondern, dass er in wichtigen Spieln generell untertauche, musste er sich von manchen Kritikern über sich ergehen lassen. Dabei hatte er zuvor Klasseleistungen gezeigt und wesentlichen Anteil, dass die Deutschen überhaupt so weit kamen. Trainer Gordie Herbert und das Team sagten ihm offenbar die richtigen Worte. Nicht nur traf er diesmal fast ausschließlich die richtigen Entscheidungen. Er übernahm in wichtigen Situationen auch Wurf-Verantwortung. Und für mich fast das Beste: Im Schlussabschnitt, als die Amerikaner ihn beim Ballvortrag hart bedrängten, leistete er sich nicht einen Ballverlust. Das macht einen Spielmacher aus.
Und jetzt? Wartet Serbien. Und eine fast schon jetzt kitschige Geschichte steht damit fest. Denn die Serben werden von Svetislav Pesic trainiert. Und der wiederum führte die Deutschen 1993 bei der EM zum ersten und einzigen Titel.
Das Wichtigste wird sein, von diesem emotionalen Höhepunkt wieder runterzukommen. Wie schwer das sein kann, haben die deutschen Fußballer beim WM-Triumph 2014 gezeigt. Nach dem unglaublichen 7:1 gegen Gastgeber Brasilien mühten sie sich zu einem glücklichen 1:0 im Finale gegen Argentinien. Am Sonntag wissen wir mehr. Übrigens überträgt neben Magenta Sport auch das ZDF (14.40 Uhr). Eine entsprechende Pressemitteilung verteilte der Sender übrigens kurz nach 16 Uhr, also bevor das Halbfinale beendet war. Dieser Jinx-Versuch ging schief …
von Münchner Löwe | Aug. 28, 2023 | Allgemein, basketball, Frauen-WM, Fußball
Wo anfangen, wo aufhören. Zig Welt- und Europameisterschaften, dazu das geballte Fußball-Programm in den europäischen Ligen (die ich hier schnöde ignoriere), und dies und das und jenes. Ich versuche das mal zu sortieren. Wie erwähnt: Rein subjektiv und mit viel Mut zur Lücke.
16 Jahre jung und sooo erfolgreich
Ich gebe es ja zu, die Rhythmische Sportgymnastik steht jetzt nicht ganz oben meiner bevorzugten Sportarten. Hin und wieder ein Blick dahin, Faszination und auch ein bisschen Irritation darüber, wie beweglich der menschlichen Körper sein kann. Ich fürchte, es wird bitter nachgeholfen. Aber wenn ein 16-jähriges deutsches Mädchen (mit russischen Wurzeln) bei einer Weltmeisterschaft wie gerade in Valencia fünf von fünf Titeln abgreift, das ist das jede Erwähnung wert. Darja Varvolomeev heißt das Wunderkind, das die Fachwelt entzückt. Vergesst Regina Weber oder Magdalena Brzeska, falls die Euch ein Begriff sind. Ich hoffe, wenigstens im Nachgang erhält sie die Aufmerksamkeit, die ihr bisher doch ziemlich versagt blieb. Aber vielleicht ist ihr das auch recht, nicht so im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. Schade für sie, dass es bei Olympia nur die Mehrkampfentscheidung gibt. Und da ist vielleicht sogar das deutsche Fernsehen live dabei.
Traurige Nullnummer in Budapest
Wirklich viele Medaillen durfte der deutsche Leichtathletik bei der WM nicht erwarten, erst recht nach prominenten Ausfällen wie Weitspringerin Malaika Mihambo. Aber gar kein Edelmetall – das ist doch eine veritable Enttäuschung und hat es auch noch nie gegeben. Und was eigentlich noch mehr Sorgen macht, wie brach man in manchen Disziplinen darstellt. Dass man in den Laufwettbewerben mit den Stars aus den USA, der Karibik und Afrika nicht mithalten kann, ist bekannt. Andererseits zeigen etwa die Norweger und die grandiose Femke Bol, dass man auch als weißer Europäer(in) in die Phalanx einbrechen kann. Was mich wirklich irritierte war der Umstand, dass es auch in den Wurfdisziplinen, sonst verlässliche „Retter“ der deutschen Bilanz, unfassbare Lücken gab wie Kugelstoßen der Männer oder Speerwerfen der Frauen. Da läuft einiges schief. Ich habe vieles nur relive gesehen weil zeitweise Bodensee-urlaubend, aber das sind meine drei Höhepunkte einer insgesamt sehr stimmungsvollen WM mit sehr spannenden Entscheidungen. Ich hoffe einfach mal, dass die Sieger- und Medaillenlisten nicht nachträglich korrigiert werden müssen.
– das Beste kommt zum Schluss, und das beinahe wortwörtlich. Der unglaubliche Endspurt der Femke Bol in der 400-m-Staffel, der die Holländerinnen im letzten Wettbewerb der WM noch zum Sieg führte. Hier hat jemand alles gegeben und nicht nur heiße Luft produziert. (Ich sag jetzt nicht, an wen ich gerade denken muss …). Und das nach dem furchtbaren Auftakt, als sie in der Mixed-Staffel (schön, dass es das auch bei den Leichtathleten gibt) den vermeintlich sicheren Sieg durch einen Sturz kurz vor Schluss wegwarf. Das Gold über 400 m Hürden war ja fest eingepreist, aber dass sie ihre Staffel in dieser Form zum Sieg führen würde. Wau!
– Stabhochsprungshow. Was für ein Wettbewerb. Keine Medaille mit 5,90 Metern. „Nur“ Silber mit 6,00 Metern. Und Mondo Duplantis in anderen Sphären. Es war schlicht grandios, was die Stabis am Samstag zeigten, wobei sie natürlich von idealen Bedingungen (kein Wind, große Wärme) profitierten. Wer das nicht spannend fand, dem ist nicht zu helfen. Und auch die Frauen-Konkurrenz war außerordentlich mit am Ende zwei Goldmedaillen für Nina Kennedy und Katie Moon, die sich auf den geteilten Sieg einigten. Schön, dass es diese Möglichkeit gibt und nicht bis zum Exzess „gerittert“ werden muss.
– Der Halbzeit-Weltmeister. Ein großer Vorteil der Zehnkämpfer ist, dass man sie in zwei Tagen bestens kennenlernen kann mit ihren Höhen und Tiefen. Man denke an Frank Busemann, Silbermedaillen-Gewinner 1996 und immer noch in der ARD präsent. Und jetzt fasziniert Leo Neugebauer die darbende deutsche Leichtathletik. Und er menschelte, was ihn fast noch sympathischer macht, war er doch nach einem unglaublichen Auftakt nach dem ersten Tag auf Gold-, aber auf jeden Fall Medaillenkurs. Zeigt Schwächen zu Beginn des zweiten Tages, rappelt sich am Ende auf mit zwei persönlichen Bestleistungen. Es reichte dann halt nicht zur Medaille, weil andere weniger Ausschläge hatten. Und am Ende jubelte Kanada mit Gold und Silber. Nichtdestotrotz ist Neugebauer einer der wenigen deutschen LA-Hoffnungen für die Zukunft.
Nur der Himmel als Grenze?
Was für ein Start der deutschen Basketballer. Klar, den Sieg über Japan durfte man erwarten, die andererseits immerhin Finnland mit ihrem NBA-Star Lauri Markkanenbezwangen. Aber dass sie ohne ihren besten Franz Wagner die mit NBA-Profis gespickten Australier bügeln würden, hätte ich ehrlich gesagt nicht geglaubt. Dennis Schröder überflügelte mit seinen 30 Punkten sogar Dirk Nowitzki bei einem deutschen WM-Spiel. Maodo Lo blühte gerade noch rechtzeitig auf, Daniel Theis war in der Defensive eine Bank. Man darf also hoffen, dass es tatsächlich sehr weit gehen kann. Das Viertelfinale ist zumindest ganz nah, denn dafür dürften Siege gegen Finnland und die Kap Verden reichen, die mit allem Respekt zu bezwingen sind. Und dann? Ist alles möglich. Wobei für mich Kanada und die USA noch ein Stückerl besser einzuschätzen sind.
Frankreich dagegen ist schon draußen. Auch wenn ich sie nicht im Viertelfinale gesehen habe, mit so einem frühen Aus und einer Niederlage gegen Lettland war nicht zu rechnen. Sie werden sich hoffentlich steigern für Heim-Olympia 24.
Unglück im Übermaß
Eine Warnung für die Basketballer: Auch die Volleyballerinnen sind mit zwei Siegen in die EM gestartet, und dann folgte das Desaster. Niederlagen gegen die als schwächer eingeschätzten Tschechinnen und Schwedinnen. Chancenlos gegen die Türkei und Polen. Und schwere Verletzungen bei den Zuspielerinnen Hanna Ortmann und Anne Hölzig. Ein Turnier zum Vergessen und leider sehr trübe Aussichten, was eine Olympia-Qualifikation betrifft. Aber auch hier: faszinierende Spiele und Lust auf mehr im Viertelfinale, auch ohne die Deutschinnen.
Rubiales nervt tierisch
Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich Egomanen an ihren Ämtern festhalten und einfach nicht wissen, wann genug genug ist. Siehe Luis Rubiales, Chef des spanischen Fußball-Verbandes. Eigentlich müsste Spanien auf einer Wolke der Glückseligkeit schweben nach dem WM-Triumph der Fußballerinnen vor einer Woche. Stattdessen debattiert das Land über den auf- und ausfälligen Rubiales, der Jenni Hermoso auf den Mund küsste und unmittelbar neben seiner Königin (und deren Tochter) sich ans Gemächt fasste. Das ist schon schlimm genug. Aber wie er jetzt gegen die nahezu komplette spanische und auch internationale Öffentlichkeit weiter an seinem Posten klebt, ist schon fast wieder bewundernswert. War doch nicht so schlimm, sie wollte es doch auch. Immer wieder ungern gehört sind diese Ausflüchte. Rubiales plant sogar eine Klage gegen Hermoso, die Anwälte wird es freuen. Doch sogar die FIFA hat von dem Gebahren genug und suspendierte Rubiales. Hilft alles nicht. Er will weitermachen. Sollen die verdammten Spielerinnen doch streiken, egal was die Regierung sagt und die männliche Fußballprominenz um Xavi und Xavi und Real und Barca. Immerhin: Die Mama hält noch zu ihm und ist wegen der unmöglichen Behandlung ihres Sohnes in den Hungerstreik getreten. Ach ja. Kalle findet es auch nicht schlimm. „Wenn man Weltmeister wird, ist man emotional. Und was er da gemacht hat, ist – sorry, mit Verlaub – absolut okay“, sagte der 67-Jährige jüngst am Rande des „Sport-Bild-Awards“. Was man bei derlei Anlässen halt von sich gibt an Chauvi-Sprüchen.
Ein Großer tritt ab
Wirklich große Titel hat John Isner nie gewonnen, und doch dürfte in den vergangenen 15 Jahren kaum ein Spieler im Wortsinn so großen Eindruck hinterlassen wie der 2,06-Meter-Rise aus den USA. Jetzt hat er bekannt gegeben, dass er nach heute startenden US Open dem aktiven Profitennis Good bye sagen wird. Unfassbare 14 000 Asse hat er laut ATP geschlagen, so viele wie kein anderer. Die retteten ihn oft ins Tiebreak. Und für die Ewigkeit ist das Duell mit Nicolas Mahut in Wimbledon. 70:68 im 5. Satz, das wird es nicht mehr geben. Ein eigener Wiki-Eintrag für ein einzelnes Match. Muss man auch erst mal schaffen.. https://de.wikipedia.org/wiki/John_Isner_%E2%80%93_Nicolas_Mahut_(Wimbledon_2010)
Geldregen für Hovland
Und noch ein erfolgreicher Norweger nach den Leichtathleten Ingebrigtsen und Warholm. Dieses Volk ist unglaublich. Golfprofi Viktor Hovland sicherte sich beim PGA-Finale in Atlanta die Fedex-Wertung der PGA. Versüßt wird dieser Triumph mit insgesamt 18 Millionen. Zweiter wurde Xander Schauffele, Amerikaner mit deutschen Wurzeln (man greift nach allem, was möglich ist). Bester Deutschsprachiger aus DACH war der Österreicher Sepp Straka.
Ein Rekord für Verstappen
Neunter Formel-1-Sieg in Folge für Max Verstappen, und das vorm heimischen holländischen Publikum in Zandvoort. Das ist dann doch einer Erwähnung wert in einer sonst ziemlich langweiligen WM. Der Red Bull ist natürlich das beste Auto, aber die PS so konstant auf die Straße zu bringen, das ist grandios. Man sieht das ja an Teamkollegen Sergio Perez, der mit dem gleichen Auto manchmal weit hinterherfährt. Verstappen wird Weltmeister, darüber gibt es schon jetzt keine ernsthaften Zweifel mehr. Zwei Fragen bleiben offen: Gewinnt Red Bull alle Rennen der Saison, und wie hoch wird die Sieges-Rekordmarke von Verstappen sein? Ach ja: Haudegen Fernando Alonso sorgt als Zweiter noch für einen sportlichen Höhepunkt für Spanien.
Das wird die Woche, die wird
Am heutigen Montag beginnen die US Open. Ich habe dann doch zugegriffen und mir das Ticket bei sportdeutschland.tv besorgt für letztlich 20 Euronen. Verheißungsvoll: Man kann die Spiele offenbar ohne Spoiler auch relive sehen, das macht die Nachtspiele interessant. Mehr zum Tennis in einem gesonderten Post heute oder morgen. Heute am 17 Uhr steht u. a. die Partie Thiem vs Bublik auf dem Programm, ich ahne nichts Gutes für den Österreicher.
Basketball-WM geht weiter mit dem dritten Vorrundenspiel und dann zwei Zwischenrunde-Partien. Für D schaut es wie geschrieben sehr gut aus. Magenta Sport überträgt jede Partie, gegebenenfalls mit englischen O-Ton.
Die Volleyball-EM der Frauen hat die entscheidende Woche mit der K.-o.-Runde ab Viertelfinale. Trotzdem oder deshalb?) toller Sport
Liga satt in den europäischen Fußball-Ligen. Und auch ein Blick nach Amerika zu Messi und die MLS dürfte sich lohnen. Bisher schießt er alles kurz und klein.
Rückspiele in der Qualifikation der europäischen Wettbewerbe. Eintracht am Donnerstag gegen Levski Sofia, Hinspiel 1:1.
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