von Münchner Löwe | Okt. 2, 2025 | Allgemein, Gesellschaft
Am gestrigen Mittwoch schreckte mich eine kreischende Handy-Warnmeldung auf, wie offenbar alle Münchner. Überschrift „Extreme Gefahr“ (samt rot blinkenden Warndreieck). Darunter hieß es: „Amtliche Warnmeldung für München“. Ich möge mich in bekannten Warmedien informieren.
Sonst nichts. Nichts darüber, was passiert ist, keinerlei Hinweise, was ich zu tun oder zu lassen habe (darf ich das Haus verlassen oder nicht?). Und was sind die bekannten Warnmedien? Die Bild? Das Fernsehen (welcher Sender), das Internet (Achtung Fake News?). Gut, ich ahne es, aber warum nicht explizit hinschreiben?
Es war dann dieses Familiendrama im Münchner Norden, Mord und Brandstiftungsamt dem kryptischen Hinweis, der gefunden wurde, dass es auf der Wiesn ein „bombiges Ereignis“ geben würde. Daraufhin entschlossen sich die Verntwortlichen, das Festgebiet zu räumen, man fand nichts, und deshalb begannen ab 17:30 die Feierlichkeiten. Wie ich so lese, (fast) als sei nichts geschehen
Ich kann und will auch nicht beurteilen, ob diese drastische Maßnahme wirklich notwendig war (offenbar gab es tatsächlich konkrete Anhaltspunkte); es wurden im Münchner Norden auch sehr gut präparierte Sprengfallen (offenbar ein Mensch, der gewusst hat, was er da tut) gefunden. Doch was mich wirklich ärgert und auch ängstigt, ist diese aufschreckende Warnung aufs Handy, ohne dass es eine allgemeine Gefahr auch nur im Ansatz gegeben hätte. Zumal der Vorfall ja schon Stunden zurücklag. Will sagen: Entweder es ist wirklich gefährlich für mich (Bombenangriff, Ausfluss von gefährlichen Substanzen!), dann bitte nur zu mit der Warnung, aber bitte benennen und klare Verhaltensaufforderung (und nicht nur, schaun Sie doch bitte ins Internet, wenns gerade passt …). Oder es ist eben nicht so dramatisch (und das war es für die Stadt München zu keiner Sekunde!), dann bitte lassen. Sonst besteht die Gefahr, das niemand mehr auf diese Warnungen achtet, wenn es wirklich gefährlich wird.
Igor Levit – das größte Klaviergenie auf Erden
Nicht nur die Wiesn fand am Abend statt, sondern auch ein gigantischer Klavierabend in der Isarphilharmonie. Der weltbeste Pianist Igor Levit gab sich die Ehre. Nur er und sein Flügel (also kein Orchester und oder Dirigent) verzauberten das Publikum mit wunderbarer Musik (dem Münchner Löwen fehlen gerade die Worte, um dem Grandiosen nur annähernd gerecht zu werden …) von Schubert (Klaviersonate Nr. 21) und Schumann (4 Nachtstücke). Schon das war unfassbar zu Herzen gehend, mitreißend, nahezu perfekt. Aber erst recht der Chopin, mit dem uns Igor Levit nach der Pause beglückte. Lange hat er sich diesem Komponisten ja in der Öffentlichkeit versperrt, weil er ihn laut eigener Auskunft nicht nicht beherrschte. Nun, er scheint lange und effektiv gelernt und studiert zu haben, denn wie er diesen großartigen Komponisten uns Zuhörern nahebrachte, ohne Effekthascherei, nur durch schiere Brillanz, das war magisch und ließ tatsächlich für wertvolle Minuten all das Schreckliche der Welt weit, weit zurück.
Wie immer gab Igor Levit noch eine Zugabe (nachdem ein Zuschauer gnädigerweise sein fiependes Handy zur Ruhe gebracht hatte). Wieder pure Magie, wieder das, warum immer noch so viele Menschen (alt und jung und diesmal wirklich niemand mehr mit Krawatte!) ins Konzerthaus gehen, und sei es nur ein Dauer-Provisorium wie die Philharmonie. Leider waren weder ich noch meine viel mehr musik-bewanderte Schwester in der Lage, das Stück zuzuordnen (Beethoven?), aber das tat unserer Begeisterung keinen Abbruch.
Igor Levit kommt am 11. November wieder nach München, dann mit dem Israelic Orchestra. Sie werden Beethovens „Kaiserkonzert“ spielen (wie passend für mich) und die Schicksalssymphonie von Tschaikowski. Noch in der Nacht habe ich eine Karte geordert, zum von unfassbaren Preis 203 Lire Euro. Gezögert habe ich dennoch keine Sekunde. Werbung in eigener Sache ist halt das beste Verkaufs-Argument.
Servus nach Budapest und Wien
Ich finde, dieser Musikausflug ist der richtige Text zu einem Abschied für 10 Tage (also bis 12. Oktober). Budapest und Wien warten auf mich, 2 stolze europäische Hauptstädte mit viel Kultur, auf die ich mich unfassbar freue (vor allem auch auf 2 tolle Konzerte in Wien). Auch wenn ich dort mit aller notwendigen Technik und Empfangsmöglichkeiten versorgt bin und das Sportgeschehen verfolgen werde (in Grundzügen). Epische oder auch normale Texte darüber verbiete ich mir, höchstens „Gustostückerl“, also ganz kurz und knackig. Aber auch da will ich mir keinerlei Druck machen.
Um Baseball und die MLB-Play-offs tuts mir leid. Bei wem ich Interesse entfacht haben sollte, den verweise ich mit dem allergrößten Vergnügen auf
justbaseball.de
wo Profis am Werk sind, die sich seit Jahrzehnten mit diesem Sport befassen.
Auf bald und Servus
Philipp aka Münchner Löwe
von Münchner Löwe | Sep. 29, 2025 | Allgemein
Ryder-Cup USA – Europa 13:15
Wenn ich jetzt mit einem knappen Tag Abstand (und einer Nacht) einigermaßen entspannt über den Ryder-Cup schreibe, so hat das mit meiner Gemütsverfassung (am Rande des Nervenzusammenbruchs) während dieses Golf-Treffen der besten Profis aus den USA und Europa wenig zu tun. Dabei hatte im Vorfeld des Schlusstages nichts, aber auch rein gar nichts darauf hingewiesen, dass der dritte und entscheidende Tag noch in irgendeiner Weise spannend werden könnte. So überlegen, so brillant zeigten sich Europas Asse in den beiden Tagen zuvor, angeführt von einem außerirdisch gut spielenden Tommy Fleetwood über Rory McIlroy, Jon Rahm und einige andere. Sie gingen mit einer bis dato nie dagewesenen 11,5:3,5-Führung in den Sonntag. Hauptgesprächsthema war neben der absurden Überlegenheit vor allem das unfassbar unfaire Publikum vor den Toren New Yorks. Das allen Ohrenzeugenberichten nach die beim Ryder-Cup übliche feindliche Stimmung noch um ein Vielfaches übertraf. Aufgeputscht wahrscheinlich auch durch zu viel Alkohol (trotz Wucherpreisen von 18 Dollar für eine Halbe Bier) ergingen sich die Golffans (eher: American Nazis) in übelsten Beleidigungen auch gegen die mitgereisten Ehefrauen und Freundinnen der Europa-Spieler (grundsätzlich hochgeachtet auch in den Staaten). Ein Nazi-Weib (entschuldigung!) stimmte gar per Megafon einen „Fuck-Rory!“-Chant an, nicht sehr erfolgreich, immerhin. Doch all das schien an den Europäern am Freitag und Samstag abzuperlen wie an einer Teflonpfanne.
Und dann wurde alles doch ganz anders in den elf Einzeln. Nur elf, weil der der Norweger Victor Hovland verletzt zurückziehen musste und sein Match gegen Harris English ohne Match mit 0,5:0,5 gewertet wurde. Worauf noch zu sprechen sein wird. Dabei begannen auch die Einzel erst mal ganz nach dem Geschmack der Europäer. Das Scoreboard wurde schnell europäisch-blau, das US-Rot sprenkelte bestenfalls vereinzelt durch. Doch nach und nach änderte sich das Bild. Die Europäer lochten nicht mehr ein, die Amerikaner witterten ihre Chance wie der Hai die Blutspur, und das Publikum tat das Seine. Aus dem Blau wurde nach und nach ein Rot. Cameron Young setzte als Vorhut mit seinem Sieg gegen Justin Rose das erste Zeichen, Justin Thomas holte unmittelbar den ganzen Punkt gegen den bis dato überragenden Fleetwood. Bryson DeChambeau gelang gegen Matthew Fitzpatrick eine unfassbare Aufholjagd und egalisierte einen 5-Loch-Rückstand (und hätte die Partie beinahe sogar gewonnen und nicht nur geteilt). Das Konzept von Europas Teamchef Luke Donald, die Top-Leute vorne aufzustellen, damit die ersten Einzel schnell die Entscheidung (sprich, den 14. Punkt) herbeiführen würden, war gescheitert, erst recht, als im Top-Match der Weltranglistenerste Scottie Scheffler den Nordiren McIlroy (Nummer 2) niederrang. Die Amerikaner spielten dabei wirklich großartiges Golf, die Europäer hielten kaum noch dagegen, offenbar hatten die 2 Tage vor allem auch psychisch mehr Kräfte beansprucht als gedacht, ich denke etwa an den so starken Jon Rahm.
Ausgerechnet Ludvig Aberg, einer der ganz wenigen Unauffälligen an den 2 Tagen zuvor im Team Europa, hielt sein Spiel zusammen und gewann sein Match gegen Patrick Cantlay. Aber ansonsten eine schier unaufhaltsame Rote Welle, die mich fatal an US-Wahlen und die Rot-gefärbten Reps-Staaten erinnerte, der Red Wall im Mittleren Westen.
Mit der Ruhe eines irischen Seemanns
Die bange Frage stellte sich: Wo war der Spieler, der noch den entscheidenden halben Punkt holen würde: Jon Rahm aus Spanien (vs Xander Schauffele) verlor ebenso klar wie der Österreicher Sepp Straka vs JJ Spaun.
Kaum noch Hoffnung, wäre da nicht das alte Schlachtross Shane Lowry. Der Ire hielt sein Spiel offen bis zum letzten Loch, als er mit der Seelenruhe eines abgehärteten irischen Seemanns einen Zwei-Meter-Putt versenkte (und danach wie ein aufgeputschter Flummi herumsprang. Der entscheidendecPunkt (nach Ryder-cup-Regularien genügen dem Titelverteidiger vierzehn Zähler). Die „dicke Frau“ hatte endlich für Europa gesungen, und niemand anderer würde diesem Bild besser entsprechen als der, sagen wir euphemistisch: untersetzte Shane Lowry
Die ganz große Europa-Katastrophe (sportlich, versteht sich) war also abgewendet, und spätestens als Tyrell Hatton gegen Collen Morikawa ein weiteres Remis gelang, waren auch die Verschwörungstheorien Makulatur, nach denen Voictor Hovland bis Absicht nicht gespielt habe, um kampflos zu einem halben Punkt zu kommen. Die eh völlig irre sind, weil kein einziger Spieler mit der geringsten Selbstachtung freiwillig auf das Abenteuer „Einzel im Ryder-Cup“ verzichten würde, egal wie feindselig die Stimmung ist.
See You again in Trumpistan 2029
Am Ende stand ein 15:13 auf dem Scoreboard, und damit auch ein „echter“ Sieg der Europäer. Die US-Boys hatten mit ihrem grandiosen Schlusstag das Gesicht mehr als gewahrt (zumindest einigen von ihnen war das indiskutable Gebaren der Fans sichtlich peinlich/Justin Thomas). Wenn dann alle zur Ruhe gekommen sind, sich der Pulverdampf verzogen hat, sollten die Verantwortlichen sich zusammensetzen, wie solch skandalösen Zuschauer-Vorfälle zu vermeiden sind. Und zwar, ohne dass der Wettbewerb, der natürlich auch von Rivalität samt Schnähungen (im Rahmen!) lebt, zu sehr leidet (und nicht zu einer trostlosen Angelegenheit mutiert wie der Tennis-Laver-Cup Europa vs World
Wobei: Der nächste Ryder-Cup in den USA findet in vier Jahren statt (2027 in Irland, wo dann Shane Lowry trotz seiner dann 50 Jahre ein rauschendes Heimspiel genießen dürfte). Wenn Trumpistan allerdings bis 2029 so fortschreitet, herrscht dann in den USA Diktatur, und ein freundschaftliches Golfertreffen zwischen Amerikanern und Europäern wäre kaum vorstellbar.
von Münchner Löwe | Sep. 29, 2025 | Allgemein
Blick über den Teich, MLB
Die reguläre Saison ist spektakulär zu Ende gegangen. Tatsächlich fielen einige wichtige Entscheidungen erst am 162. und letzten Spieltag, an dem die MLB die maßgeblichen Partien zeitgleich angesetzt hatte. Zum Spieler des Tages avancierte Alejandro Kirk von den Toronto Blue Jays. Der Catcher stellte mit seinem Grand Slam (dem ersten seiner Karriere) zum 5:1 die Weichen früh auf den unbedingt notwendigen Sieg gegen die Tampa Bay Rays und beseitigte zudem aufkommende Zweifel mit einem weiteren 3-Run-Homerun. Angeblich ist der Mexikaner 1,73 Meter groß, und ganz bestimmt fast genauso breit.
Durch den Sieg sicherten sich die Blue Jays nicht nur den Divisions-Sieg gegenüber den sieggleichen New York Yankees und damit Freilos in der 1. Play-off-Runde, sondern gleich das Heimrecht für die Divisional Finals (gegen die Yankees ode Red Sox) und gegebenenfalls die Conference Finals.
Den schwarzen Tag für New York rundeten die Mets ab, die in der National League die Play-offs verpassten. 0:4 verloren sie bei den Miami Marlins und mussten den Cincinnati Reds den Vortritt lassen, obwohl diese ihre letzte Partie ebenfalls verloren. Noch Anfang September wurde ihnen eine mehr als 80-prozentige Wahrscheinlichkeit zugestanden, dass sie die Post Season erreichen, ein Wert, den ich damals schon als reichlich hoch angesehen habe.
Am Sonntag entschied sich auch erst, wer in der American League die Central Division gewinnen würde. Es sind die Cleveland Guardians, die tatsächlich vor den Detroit Tigers landeten. Dabei hatten sie zeitweise schon 15 Siege Rückstand auf das Team aus Motor City, einen derartigen Swing hat es in der MLB noch nie gegeben. Zumindest bleibt den Tigers die ganz große Blamage erspart, weil sie sich den letzten Wild-Card-Platz sicherten. Weniger aus eigener Stärke, sondern weil die Houston Astros völlig einbrachen.
Folgende Entscheidungen sind also gefallen
American League
Divisionssieger sind die Blue Jays (East), Guardians (Central) und Seattle Mariners (West).
Freilos in der 1. Runde erhalten die Blue Jays und Mariners
Die Guardians empfangen in einer Best-of-3-Wildcardrunde die Tigers. Yankees und Red Sox schnappten sich die weiteren WC-Plätze und spielen in New York die zweite Serie aus.
National League
Divisionssieger sind die Philadelphia Phillies (East), Milwaukee Brewers (Central) und Los Angeles Dodgers (West).
Brewers (bestes Team der Liga) und Phillies mit Freilos
Dodgers in den Wild Cars vs die Reds. Außerdem empfangen die Chicago Cubs die San Diego Padres
Ansetzungen, Wild Cards. Gespielt wird Best of 3 in einem Ballpark.
1. Spiele
Di., 19:08: Guardians – Tigers (AL)
Di., 21:08: Cubs – Padres (NL)
Mi., 00:08: Yankees – Red Sox (AL)
Mi., 03:08: Dodgers – Reds (NL)
2. Spiele
Mi., 19:08: Guardians – Tigers
Mi., 21:08: Cubs – Padres
Do., 00:08: Yankees – Red Sox
Do., 03:08: Dodgers – Reds
Etwaige dritte Spiele würden am Donnerstag (Ortszeit) stattfinden
Stats, Schlagmänner
Homeruns: Cal Raleigh (Mariners) knackte noch die 60er-Marke, unfassbar für einen Catcher. Zweiter Kyle Schwarber (Phillies/56) vor Shohei Ohtani (Dodgers/55)
Schlagdurchschnitt: Aaron Judge (Yankees) mit 0.331 vor Bo Bichette (Blue Jays/0.311). Der Vorspung besagt alles. Wenn ich dann noch bedenke, dass Judge den Ball gerne aus dem Stadion prügelt (55 Homeruns, 30 Doubles)
RBIs: Kyle Schwarber (132) vor Pete Alonso (Mets/126) und Cal Raleigh (125)
MVP: Ich fände es schön für Raleigh (American League), wenn seine außergewöhnliche Saison mit dieser persönlichen Ehre bedacht werden würde. Die 60 Homeruns sind ja MLB-Rekord für einen Catcher, dessen vornehmlichste Aufgabe die extrem anstrengende aud auch psychisch fordende (Kauer-Stellung hinter der Platte ist. Al eine Art Denker und Lenker der Defensive (samt Hinweisen für seinen Pitcher). Doch was machen die ungefähr 100 Voter mit Aaron Judge
In der National League gibt es natürlich das „Einhorn Ohtani“, der als Werfer zunehmend eine trafende Rolle spielte.
Pitcher
ERA: Paul Scenes von den Pittsburgh Pirates (0.197). Er lässt also hochgerechnet nicht mal 2 Punkte pro Spiel zu, unwirklich. Und er ist erst 23 Jahre alt. Wenn er jetzt noch ein wettbewerbsfähriges Team findet … Und lange wird er das nicht mehr mitmachen bei den knausernden Pirates, dessen Eigentümer gleich mehrere Igel in der Tasche hat.
Strikeouts: Garrett Crochet (Boston Red Sox/255) vor Tarik Skubal (Tigers/241) und Logan Webb (SF Giants/224)
WHIP (Walks und Hits per Inning): Tarik Skubal (Tigers/0,89) vor Jake de Grom (Rangers/0,92) und Bryan Woo (Mariners/0,96)
Win/Loss: Max Fried (Yankees 19/5) vor Crochet (Red Sox/18:5) und Carlos Rodon (Yankees/18:9). Schwachsinniges Stats-Element.
Kepler Watch
Der Berliner beendete seine erste Saison bei den Phillies und seine 11. insgesamt (zuvor Minnesota Twins) mit18 Homeruns, 52 RBIs und einem Schlagdurchschnitt von 0,216. Leichtar Aufwärt-Trendzuletzt
von Münchner Löwe | Sep. 24, 2025 | Allgemein
Blick über den Teich, MLB
Ich weiß natürlich, dass insgesamt in Big City wirklich nicht alles super gelaufen ist (allein schon Donalds irrer Auftritt vor der UNO), aber für die Baseballteams der Stadt hätte es kaum besser kommen können. Die Yankees sicherten mit einem Sieg gegen die Chicago White Sox den Einzug in die Play-offs und dürfen nach der Toronto-Niederlage gegen Boston sogar chancenreich auf den Divisionssieg hoffen; die Mets siegten bei den Chicago Cubs (nach Riesen-Rückstand) und haben im Wild-Card-Rennen wieder einen Sieg Vorsprung auf die Cleveland Guardians (Niederlage in Pittsburgh und Arizona Diamondbacks (Sieg vs die LA Dodgers: deshalb nur das „fast“ perfekt).
Und so schaut es aus, 5 Spieltage vor Schluss (für einige Teams 6).
AMERICAN LEAGUE
Ein bisschen mehr Licht ins Dunkel ist gekommen: Die Toronto Blue Jay, NY Yankees und Seattle Mariners haben sicher die Post Season erreicht. Aber noch immer steht kein Divisionssieger rechnerisch fest (und somit auch kein einziges Team, das sich die Wild-Card-Serie erspart und direkt in der 2. Runde steht).
Eastern Division
Die Yankees knabbern zwar fleißig am Rückstand zu den Blue Jays, aber noch haben die Kanadier die Nase um einen Sieg vorn. Zudem hätten sie bei Gleichstand den Tiebreaker zu ihrem Gunsten, so dass de facto NY noch 2 Spiele aufholen muss. Möglich, weil sie mit White Sox (2 Partien und Orioles (3) das etwas einfachere Restprogramm haben als die Jays gegen Red Sox (2) und Tampa Bay Rays (3). Fast sicher ist jetzt schon, dass der Divisionszweite Heimrecht in der Wldcard-Runde genießt. Die Red Sox haben praktisch keine Chancen mehr auf den Divisionssieg, können aber einen Wildcard-Spot erreichen (siehe dort).
Central Division
Die Cleveland Guardians haben es vollbracht. Mit dem Sieg im direkten Duell gegen die Detroit Tigers haben sie die Führung in der Division übernommen, in der sie schon weit abgeschlagen schienen hinter dem Team aus Motor City. Super-Pitcher Tarik Skubal von den Tigers erlebte gestern Nacht ein horribles 6. Inning. Zunächst musste er 3 Infield-Hits hinnehmen (2 gar durch perfekte Bunts), dann traf er Cleveland Designated Hitter David Fry mit einem von dessen Schläger abgefälschten 99-Meilen-Pitch am Kopf. Fry wurde minutenlang auf dem Feld behandelt und per Elektorwagen abtransponiert. Der schon direkt nach seinem Wurf (für dessen Folgen er nichts konnte) sichtlich mitgenommene Skubal fabrizierte unmittelbar danach einen Wild Pitch, den die Guardians zum Anschluss nutzten, und nach zwei weiteren Runs stand es plötzlich 3:2 für die Guardians, die den Vorsprung im 7. Inning auf 5:2 erhöhten. Der starke Cleveland-Bullpen ließ dann nichts mehr anbrennen.
Immerhin haben die Tigers ihr Schicksaal in zwei weiteren direkten Duellen noch in der Hand, aber der Trend spricht eindeutig gegen sie. Und die Dreier-Serie zum Abschluss in Boston hat es ebenfalls in sich und könnte die Saison gänzlich ruinieren.
Western Division
Nach dem hart und auch erst spät erkämpften Sieg gegen Nachzügler Colorado Rockies sicherten sich die Seattle Mariners zumindest schon einmal die Play-off-Teilnahme. Auch am Divisionssieg dürfte es angesichts von nunmehr 4 Siegen Vorsprung auf die Houston Astros keine Zweifel mehr geben, zumal sie nach dem Sweep am Wochenende auch den Tiebreaker gegenüber den Texanern haben.
Kampf der Divisionssieger
Praktisch sicher steht fest, dass der Eastern- und Westernsieger nach Saisonschluss die zwei besten Bilanzen aufweisen und deshalb ein Freilos erhalten. Im Kampf um Platz 1 und das Heimrecht in den Play-offs inklusive Conference Finals haben die Blue Jays/Yankees einen kleinen, aber feinen Vorteil gegenüber den Mariners.
Wild Cards
Alles läuft auf den Showdown am Wochenende in Boston hinaus, wenn die Red Sox 3 Partien gegen die Tigers bestreiten. Nur eines dieser beiden Teams ist sicher in den Play-offs, das andere hätte noch Chancen, wenn nämlich die Houston Astros weiter schwächeln, wobei deren Aufgabe am Ende mit den 3 Partien bei den LA Angels nicht unlösbar erscheint.
NATIONAL LEAGUE
Das Rennen um die 3 Divisionssiege ist gelaufen, es geht nur noch um einen Wildcard-Platz, den die NY Mets, Cincinnati Reds und Arizona Diamondbacks untereinander ausfechten dürften.
Eastern Division
Die Philadelphia Phillies sind weit entschwebt (11 Siege vor den Mets). In der Theorie könnten die Mets sogar noch von dem Miami Marlins eingeholt werden in der direkten Dreierserie in Miami.
Central Division
Ähnlich klare Verhältnisse: Die Milwaukee Brewers sind nicht mehr von Platz 1 zu verdrängen. Die Chicago Cubs sind als Zweiter sicher in der Wildcard-Runde dabei.
Western Division
Noch das knappste Rennen: Die LA Dodgers liegen nur 1,5 Siege vor den San Diego Padres. Beide kalifornischen Teams sind sicher in den Play-offs. Die Diamondbacks noch mitten im Wid-Card-Rennen, aus dem sich die San Francisco Giants zu 99 Prozent verabschiedet haben.
Kampf der Divisions-Sieger
East (Phillies) und Central (Brewers) sind (fast) uneinholbar vor dem Westen. Es geht noch um Platz 1 in der Conference, in dem Brewers 2,5 Spiele vor den Phillies liegen.
Wild Card
Wie gesagt: ein wüster Dreikampf um einen freien Platz. Die Mets mit einem Sieg Vorsprung auf Diamondbacks und Reds. Bei Gleichstand hätten sie jeweils das Nachsehen. Die Diamondbacks ihrerseits haben den Tiebreaker gegenüber den Reds.
Restprogramm: Mets bei den Cubs (2) und bei den Marlins (3).
Backs: vs Dodgers (2) und bei den Padres (3)
Reds: vs Pirates (2) und bei den Brewers (3)
So kurz vor den Play-offs müssen Top-Teams wie Brewers und Padres nicht unbedingt ein Nachteil sein, weil hier vielleicht Spieler (insbesondere Pitcher) geschont werden.
Nur der Vollständigkeit halber: Theoretisch könnten bei einem allgemeinen Schwäche-Anfall des oben genannten Trios auch noch die St. Louis Cardinals, Miami Marlin und sogar noch die San Francisco Giants eingreifen. Ich hab zumindest ein halbes Auge drauf …
von Münchner Löwe | Sep. 19, 2025 | Allgemein
Leichtathletik-Weltmeisterschaften, Teil II (Dienstag bis Freitag)
Sidney McLaughlin in neuen Sphären
die Stadionrunden mit und ohne Hürden
Meine steile These: Wenn es in Tokio am Donnerstag nicht geregnet hätte, wäre Marita Koch jetzt ihren Weltrekord über 400 Meter los. So stark war nämlich de Auftritt von Sidney McLaughlin-Levine über die Stadionrunde, die sich auch durch die nasse Bahn und entgegenfliegende Tröpfchen kaum beeindrucken ließ. Am Ende standen für sie 47,78 Sekunden, die zweitbeste je von einer Frau gelaufenen 400-Meter-Zeit und nur 18 Hunderstel hinter dem unglaublichen Rekord von Koch aus der Hochzeit des (Anabolika)-Dopings.
Zu langweilig waren der Amerikanerin die 400 Meter Hürden geworden, sie wollte ihre Komfortzone verlassen, das gelang ihr prächtig, nachdem sie sich bisher 2025 relativ rar gemacht hatte.
Hinter McLaughlin-Levine knackte Olympiasiegerin Marileidy Paulino aus der Dominikanischen Republik mit 47,98 Sekunden ebenfalls die 48er-Marke (die drittbeste je gelaufene Zeit. Das sagenhafte Ergebnis rundete Sawar Eid Naser aus Bahrein mit 48,17 Sekunden ab.
Tags darauf konnte Sidney McLaughlin ihre langjährige Hürdenkontrahentin Femke Bol bei eine ebenfalls fantastischen Leistung begutachten. Die Holländerin siegte klar in Weltjahresbestzeit (51,54), blieb aber doch um mehr als eine halbe Sekunde über ihrem Europarekord (50,95). Fehlende Konkurrenz?
Immerhin bestätigte Femke Bol eindrucksvoll ihre Favoritenstellung, das gelang bei den Männern Weltrekordler Karsten Warholm absolut nicht. Der norwegische Jahresbeste vergeigte seinen Lauf und wurde nur Fünfter, eine herbe Enttäuschung. So war die Bahn frei für einen US-Amerikaner. Rai Benjamin hatte in starken 46,52 Sekunden die Nase vorn vor dem bei Großereignissen immer wieder erstaunlichen Alison Dos Santos (Brasilien) und Abderrahman Samba aus Katar. In diesem Spitzenfeld hielt sich der Deutsche Emil Agyekum prächtig und blieb erneut unter 48 Sekunden.
3 Männer aus Botswana hatten sich für den Endlauf über 400 Meter flach qualifiziert, am Ende sprangen für das kleine Land immerhin 2 Medaillen heraus. Busang Collen Kebinatspihi siegte vor Jereem Richards aus Trinidad/Tobago und seinen Landsmann Bayapi Ndori. Das verspricht ein Spektakel für die 400-Meter-Staffel am Sonntag.
Europas Speerwerfer werfen hinterher
Schon länger sind ja die Zeiten vorbei, als man die Wurfdisziplinen getrost an Athleten des alten Kontinents verteilen konnte. Dass aber alle Speer-Medaillen an Athleten aus Amerika gehen würden, war nicht absehbar. Wobei sowohl Weltmeister Keshon Walcott aus Trinida-Tobago, der zweite Anderson Peters und sogar Curtis Thompson einen Namen in der Branche haben. Doch sehr viel höher gehandelt bei den Experten wurde ein Deutscher: Julian Weber kam als souverän Jahresbester nach Tokio, doch wieder mal klappte es nicht mit einer Medaille bei einem Großereignis. Mit 86,11 Metern blieb er weit hinter seiner Bestleistung zurück. „Kein Weltuntergang, aber trotzdem scheiße“, konstatierte Weber. Gesundheitlich angeschlagen war er, und wie viele andere Favoriten kam er mit den Bedingungen (gerade beim Anlauf sind Speerwerfer extrem heikel) nicht gut zurecht.
Hummel hammerstark
Ein anderer aussichtsreicher deutscher Werfer (über)erfüllte die recht hohen Erwartungen. Merlin Hummel schleuderte den Hammer auf 82,77 Meter und verbesserte seinen eigenen Rekord um mehr als einen Meter. Nur der Ausnahme-Athlet Ethan Katzberg verhinderte gar das Gold. Der Kanadier brillierte mit 84,70 Metern (WM-Rekord). Sogar die Weltrekordweite von Juri Sedych (86,74/noch so eine aus finstersten Anabolika-Zeiten) scheint für den Edeltechniker aus Kanada mit seinen fürs Hammerwerfen noch jungen 25 Jahren bei perfekten Bedingungen möglich.
Und sonst?
- Springfreudige Italiener: Am weitesten hüpfte Mattia Furlani: Seine 8,39 Meter lagen allerdings satte 56 zentimeter hinter dem immer noch gültigen Weltrekord von Dwight Powell: De Amerikaner hatte vor 34 Jahren an gleicher Stelle einen der faszinierendsten Sport-Zweikämpfe de Geschichte gegen Carl Lewis für sich entschieden.
Im Dreisprung führte bis zum letzten Versuch der Konkurrenz überhaupt Andrea Dallavalle. Bis der WM-Favorit Pedro Pichardo aus Portugal noch mal einen draufpackte und auf 17,91 Meter segelte.
- Lange Sprints an die USA: Zunächst ließ Noah Lyles seiner One Man Show vorm 200-Meter-Finale Taten folgen und gewann in superben 19,52 Sekunden knapp vor Landsmann Kennethn Bednarek (19,58) und Bryan Levell aus Jamaika (19,64). Ohne Medaille blieb Olympiasieger Letsile Tebogo, der mit 19,66 2 Zehntel hinter seinem Pariser Goldlauf von 2024 blieb. Trotzdem dürfte er die potenzielle Goldstaffel von Botswana wesentlich verstärken.
Bei den Frauen blieb Melissa Jefferson-Wooden in 21,68 als Einzige unter der 22-Sekunden-Marke.
Wochenend-Programm
- Spannungsgeladene Staffel-Entscheidungen am Sonntag 4×100- und 400x-Meter bei Frauen und Männern. Tags zuvor die Vorläufe. Immer wieder zwei Fragen: Findet der Stab, von Hand zu Hand getragen, ins Ziel? Und wie klappen die Wechsel?
- Siebenkämpferinnen und Zehnkämpfer gelten als die KönigInnen der Leichtathleten. Am Samstag die Entscheidung bei den Frauen, am Sonntag bei den Männern.
- Doch noch Ösi-Medaillen? Die Jahresbeste Victoria Hudson im Speer und Lukas Weißhaidinger mot dem Diskus sind noch große Austria-Trümpfe. Hudson überstand mit dem letzten Wurf die Qualifikation. Gibt ihr das Auftrieb (geschafft!) oder Zweifel (Frau, war das knapp!)?
- Deutsche Hoffnungen: Vor allem Leo Neugebauer und Niklas Kaul im Zehnkampf (die Form ist sehr schwer einzuschätzen) und die Sprintstaffel der Frauen, wo Gina Lückenkemper und Kolleginnen allerdings wohl auf fremdes Staffelstab-Missgeschick angewiesen sind.
von Münchner Löwe | Sep. 16, 2025 | Allgemein
Leichtathletik-WM, Teil I
Die ersten drei Tage in Japans Hauptstadt sind Geschichte, höchste Zeit für mich, nach Basketballstress mich dem (angeblich) größten Sportereignis des Jahres hinzuwenden
3 Hundertstel entscheiden den Marathon
Es war ein denkwürdiger Einlauf, als der Deutsche Amanal Petros und Felix Simbu aus Tansania gleichzeitig das Nationalstadion in Tokio erreichten, wo sie dann noch eine knappe Runde ins Ziel zu bewältigen hatten. Petros zog den Endspurt an, doch Simbu konterte und erreichte tatsächlich als Erster das Zielband. Mit bloßen Auge war das nicht zu erkennen, und zunächst auch nicht die eletronische Zeitmessung, die für beide 2:09,48 Stunden anzeigte. Anstatt 2 Goldene zu vergeben, musste als letztmögliche Entscheidungsfindung das Zielfoto her: Der Afrikaner hatte 3 Hunderstelsekunden weniger für die 42,195 Kilometer gebraucht als der Deutsche, die knappste Entscheiung in der Marathon-Geschichte (ich kann mich dunkel an zwei russische Geher erinnern, die Hand in Hand ins Ziel gingen, aber mit meiner Google-Suche komme ich erst mal nicht weiter.
Anstatt über verlorenes Gold zu hadern (naja: ein bisschen schimpfte er er schon über sich „beim nächsten Mal schaue ich mich nicht mehr um“) , bejubelte Petros sein Silber. Und beschämte gleichzeitig alle Deutschen, die dieses Land von Flüchtlingen möglichst besenrein haben wollen. „Ich habe Deutschland so viel zu verdanken“, sagte er in der ARD. 2012 war er aus Äthiopien geflohen, seine Mutter wohnt immer noch im bitterarmen ostafrikanischen Land – mitten im Kriegsgebiet ohne Strom und Internet. „Ich habe sie seit 8 oder 9 Jahren nicht mehr gesehen.“
Dass die allerbesten Marathonis der Welt den Titelkämpfen fernblieben, weil sie sich lieber auf die lukrativen Stadtläufe in New York, Berin etc konzentrieren – tut da keinen Abbruch. Wer nicht dabei ist, kann eben auch nicht gewinnen. Erstmals Gold gewonnen hat mit Felix Simbu ein Leichtathlet für Tansania, das 68. Land in der WM-Geschichte, das wenigstens einen Titel eroberte (Österreich fehlt in dieser Aufstellung übrigens …).
Malaika Mihambo – mehr als Silber war nicht drin
Kam der 2. Platz für Petros völlig überraschend, entsprach das Silber für Malaika Mihambo letztlich den Erwartungen. Mit 6,99 war sie klar vor der Dritten Natalia Linares (6,92) und noch klarer hinter Weltmeisterin Tara Davis-Woodhall. In einem ihrer berühmte letzten Versuche flog Mihambo zwar weit über die angezeigte Siegesweite hinaus, doch er war klar übergetreten. Und da es (noch?) keine Messung dieser ungültigen Versuche gibt, ist es müßig zu überlegen, ob er denn gereicht hätte, wenn Mihambo das Brett ideal getroffen hätte.
10,61 Sekunden – FloJo ist gar nicht mehr so weit
Eine unfassbare Zeit trommelte 100-Meter-Weltmeisterin Melissa Jefferson-Wooden auf die schnelle Bahn im Naitonalstadion. 10,61 Sekunden bedeuten WM-Rekord, und sogar die unknackbar gehaltenen 10,49 Sekunden von Frorence Griffith-Joyner aus dem Jahr 1988 (bei den damaligen US-Trials für Olympia in Seoul aufgestellt) scheinen in Reichweite. Denn nahezu windstill war es gewesen, als Jefferson-Wooden ihr Rennen hinlegte und vor der Jamaikanerin Tina Clayton (10,76) und Olympiasiegerin Julian Albert (10,84) triumphierte. Nur mal hochgerechnet: 1m/Sekunde Wind-Unterstützung bringen etwa ein Zehntell, 2 Meter/Sekunde sind zulässig für Weltrekorde …
Mal wieder nicht in einem großen Finale dabei war Gina Lückenkempfer, die im Halbfinale mit 11,11 Sekunden klar scheiterte. Nicht schlecht, aber die seit Jahren beste Springerin Deutschlands kann sich bei weltweiten Großereignissen leider auch nicht steigern.
Was mich fast direkt zur bisher fast unglaublichsten Weltmeisterin führt. Denn die Schweizerin Ditaji Kambudji triumphierte über 100 Meter Hürden: Also in einer Disziplin, in de Euopäerinnen seit Jahren kaum mehr etwas zu melden haben. Kambundji galt im Finale ohne Topfavoritin (dafür höchst ausgeglichen auf Top-Niveau) durchaus als chancenreich, aber höchstens auf eine Medaille. Aber dass sie ihre Bestzeit um gleich 16 Hundertstelsekunden auf tolle 12,24 Sekunden steigerte, die letztlich zum Sieg reichten vor 2022-Weltmeisterin Tobi Amusan aus Nigeria. „Das fägt“, sagte sie auf Schwyzerdütsch (machte ihr also richtig Spaß) über ihr brillantes Rennen mit Blitzstart und ohne sichtbaren Fehler über den Hürden.
Kamboundji eroberte als erste Schweizerin WM-Gold in der Leichtathletik und tat es ihren Landsmaännern Werner Gühthör (dreimal im Kugelstoßen) und Andre Bucher. Allerdings ist sie nicht die erste Medaillengewinnerin aus ihrem Land. Denn vor sechs Jahren stürmte ebenfalls eine Kamboundji. Ihre ältere Schwester Mujinga stürmte 2019 zu Bronze über 200 Meter. Diese drückte aus der Heimat die Daumen, wo sie ein Kind erwartet.
Dem Himmel ein Stück näher *
Ach ja, der Mondo! Am Montagabend (Nachmittag MESZ) begeisterte dann noch die Stabhochsprung-Show die Zuschauer im Stadion und aun den Fernsehgeräten. Gleich 7 Männer meisterten 5,90 Meter (normalerweise garantiert diese Höhe eine Medaille), Sam Kendricks reichten nicht mal 5,95 zu Edelmetall.
Und ganz kurz kam sogar eine ganz kleine Spannung über den Sieger auf: Als nämlich der Grieche Emmanouis Karalis im 1. Versuch nur hauchzart an 6,15 Meter scheiterte, da sah ich beim Überflieger Armand Duplantis tatsächlich so etwas wie Erleichterung. Aber wahrscheinich war das doch nur Einbildung, denn wie der Schwede danach souverän diese Höhe meisterte, verdeutlichte allen: Nur Ich habe hier das Sagen und Siegen. Nachdem Karalis auch mit 2 weiteren Versuchen (nicht mehr ganz so knapp) die Latte riss stand der Sieg von Duplantis fest. Doch der Ausnahmeathlet ließ sich nicht Lumpen und ließ die neue Weltrekordhöhe von 6,30 Meter auflegen. Beim ersten Mal scheiterte er relativ klar, beim zweiten schon knapper, und es war allen klar, dass er diese Höhe an diesem Abend „drin“ hatte. Das bewies er dann im dritten Versuch, als er ohne die Latte auch nur zu berühren, über diese Höhe flog. Alle Konkurrenten stürmten danach zu ihm, um zu gratulieren. Karalis als Erster (und anhänglichster, der ihn gar nicht mehr loslassen wollte).
Alle Stabhochspringer wissen, was sie dem derzeit bekanntesten und beliebtesten Leichtathleten der Welt zu verdanken haben, der ihrer so komplizierten Disziplin einen unglaublichen Bekannheitsgrad beschert. Den Stabhochsprung allerdings schon spätenstens seit Sergej Bubkas (und Jelena Isinbajewas) Zeiten hat. Aber immer wieder faszinierend und herzerwärmend, wie kollegial die Konkurrenten miteinander umgehen. Wie etwa Sam Kendricks dem Australier Curtis Marschall zu dessen 5,95 gratulierte, obwohl dem Amerikaner damit klar war, dass er damit Bronze verlor. Wenn diese hewrzlichkeit nur gespielt war, muss Kendricks unbedingt den Oscar gewinnen.
Duplantis macht sie alle besser: Mich würde absolut nicht wundern, wenn Karalis nächstes Jahr nicht nur 6,15 springen würde (zurzeit ist seine Bestleistung 6,08 Meter), sondern vielleicht sogar 6,20 und höher. Und der Schwede selbst? Hat ja schon gesagt, dass für ihn sogar 6,40 realistisch erscheinen. Dennen er nächstes Jahr Zentimeter für Zentimeter näherkommen will.
* die Überschrift habe ich dem Kicker „geklaut“, der 1972 (!) auf der Erbebnisseite so titelte, als Bob Saegren mit 5,63 Weltrekord sprang
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