von Münchner Löwe | Jan. 30, 2026 | Allgemein
Australian Open, Halbfinale
Was habe ich mich beschwert, dass es zu glatt läuft bei den Männern. Nun, angesichts der beiden 5-Satz-Thriller am Freitag bin sicher nicht nur ich besänftigt, sondern jeder Tennis-Fan. 2 Halbfinals, 2 Fünfsatz-Thiriller, zweimal Drama ohne Ende, zweimal siegte nicht unbedingt mein Favorit.
Zunächst Carlos Alcáraz vs Alexander Zverev. Der Weltranglistenerste gegen den Deutschen, der noch nie ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat. Relativ beschaulicher Beginn, Fehler auf beiden Seiten, Carlitos nutzt die erste Aufschlagschwäche zum Break und kurze Zeit später tütet er den ersten Satz ein.
Im 2. Satz wird Zverev stärker, gerade sein 1. Service bereitet dem Spanier unlösbare Probleme. Selbst schafft er ein Break, doch gerade beim Game, als er beim Stand von 5:3 auf den Satz aufschlägt, verlässt ihn der Aufschlag, gegen den überragenden Retournspieler Alcáraz darf man sich so etwas nicht leisten. Break Alcáraz, Zverev verzweifelt und gleich noch mal Break Alcáraz und gleich darauf die 2:0-Satzführung. Wohl niemand in der Rod-Laver-Arena und an den Bildschirmen, der jetzt noch viel Chips auf den Hamburger gesetzt hätte.
Doch die Tennisgötter wollten Drama. Dieses bahnte sich an, als Alcáraz plötzlich sehr viel langsamer agierte und beim eigenem Aufschlag nicht mehr hochsprang. Typischer Fall von Krämpfen, der verzweifelte Alcáraz wankte, war sichtlich gehandicapt, nahm sich eine Pause und rief den Physio. Wass den Regeln zuwiderläuft, denn nach denen darf man wegen einer körperlichen Erschöpfung kein medical timeout nehmen, diese Erschöpfung ist gewissermaßen im Spiel impliziert. Der Stuhlsichiedsrichter gewährte sie dennoch, wegen eine „Adduktorenverletzung“, wie es später zur (lahmen) Begründung hieß.
Zverev regte sich auf, doch er besann sich und gewann diesen am Ende sehr merkwürdigen Satz im tiebreak. Merkwürdig deshalb, weil sich Alcáraz zwar kaum bewegen konnte, Zverev aber nicht so recht wusste, wie er mit dieser Bewegungslosigkeit umgehen sollte. Aus dem Stand knallte Alcáraz einige unerreichbare Bälle, aber irgendwie rettete sich Zverev im Tiebreak.
Der vierte Satz wogte dann hin und her mit dem sich zunehmend erholten Alcáraz. Zverev aber hatte jetzt sein Spiel gefunden und gewann auch diesen Durchgang im Tiebreak. Und als er im fünften Satz als Erster ein Break schaffte, schien er tatsächlich auf der Siegesstraße.
Wenn nur diese verdammte Müdigkeit nicht gewesen wäre, kein Wunder, denn zu diesem Zeitpunkt waren weit mehr als viereinhalb Stunden gespielt. Längst war der Aufschlag des Deutschen nicht mehr so wuchtig und effizient. Dennoch schaffte es Zverev, irgendwie seinen Aufschlag zu halten, weil Alcaraz – auch nicht mehr der Frischeste – einige glasklare Breakmöglichkeiten vergab. Und weil Zverev mit einem unfassbaren Vorhandschuss (mein Schlag des Turniers) aus dem Lauf das Game zum 5:3 machte. Andrerseits tat er beim Aufschlag des Spaniers viel zu wenig, um sich noch ein weiteres Break zu besorgen.
Das sollte sich rächen. Beim Stand von 5:4 schlug Zverev zum Match auf, doch diesmal ließ sich Alcáraz gegen das immer schwächere Service die Chance nicht entgehen – Break. Zverev war tatsächlich gebrochen (Break, gebrochen, hihi), auch wenn es nominell Unentschieden stand sah jeder im Stadion und vor den Fernsehgeräten, dass Zverev ein geschlagener Mann war. Der verwandelte Matchball von Alcáraz war dann nur noch die offizielle Bestätigung, dass alles vorbei war. 5:26 Stunden hatte das Drama gedauert, so lange wie noch nie ein Halbfinale bei den Australian Open. Und noch viel länger werden sehr viele Menschen erregt über dieses Spiel mit so vielen Wendungen reden. „We call it a Klassiker“.
Der unfassbare Djokovic
Das ewig lange Zverev-Match hatte zur Folge, dass das zweite Halbfinale zwischen Titelverteidiger Jannik Sinner und Novak Djokovic erst um kurz vor 22 Uhr Ortszeit begann und kurz vor 2 Uhr nachts endete.
Sinner startete furios, gleich mit einem Break, und sicherte sich ohne Probleme den ersten Satz. Doch Djokovic wollte sich nicht kampflos ergeben wie bei den letzten Aufeinandertreffen in den Grand-Slam-Halbfinals, als er keine Schnitte sah. Sein Aufschlag kam konstant gut und bereitete dem Italiener erhebliche Probleme. Mit dem dritten Breakball nahm der Serbe selbst Sinner den Aufschlag ab und konnte dieses Break trotz bester Chancen von Sinner zum Satzausgleich transportieren.
Satz 3 ging dann wiederum an Sinner, der vierte Durchgang an den Djoker. Und das nächste Drama begann mit dem Titel „Jannik Sinner – oder wie vergebe ich Breakchancen“: je nach Fanlager Komödie oder Tragödie.
1. Beim Stand von 1:0 hat Sinner 2 Breakchancen, Djokovic wehrt ab und gewinnt den Aufschlag zum 1:1.
2. Beim Stand von 2:1 hat Sinner 3 Breakchancen, Djokovic wehrt ab und gewinnt den Aufschlag zum 2:2.
3. Zwei problemlose Aufschlagspiele – 3:3
4. Sinner kassiert das Break zum 3:4, Djokovic nutzt dabei die allererste (und letztlich einzige) Chance im Satz .
5. Beim Stand von 4:3 für Nole hat Sinner 3 Breakchancen, Djokovic wehrt ab und gewinnt den Aufschlag zum 5:3.
6. Djokovic führt 5:4, vergibt 2 Matchbälle in Folge, einen davon mit unfassbar schwachen Volley bei sperrangelweitem Platz. Noch mal Hoffnung für den Titelverteidiger? Nein. Djokovic bleibt stoisch, lässt einen Service-Winner folgen, und den dritten Matchball verwandelt er. Und wie Alcáraz im ersten Halbfinale sinkt er in die Knie, als habe er schon das Turnier gewonnen. Wobei dieses unfassbare Match dem 38-jährigen Djoker schon wie ein Turniersieg vorkommen musste.
Ach, die Frauen spielten auch …
Nämlich am Donnerstag. Ich machs kurz und schmerzlos – analog zu den kurzen und höchstens für die Verliererinnen schmerzhaften Partien. Aryna Sabalenka und Lena Rybakina setzten sich praktisch ungefährdet in je zwei Sätzen gegen Elina Svitolina und Jessica Pegula durch. Keine große Geschichte zu erzählen *
Ein kleiner, böser Vergleich der Halbfinali
Frauen: 2 Spiele, 4 Sätze, Spielzeit insgesamt 2:56 Stunden (2 schon vergessene Partien)
Männer: 2 Spiele, 10 Sätze, Spielzeit insgesamt 9:36 Stunden (2 unvergessliche Tennis-Klassiker)
Ansetzungen der Finali
Frauen, Sa., 09:30: Sabalenka – Rybakina (alle Sympathien für Lena)
* eine kleine Geschichte gabs beim Sabalenka-Match dann doch. Ich hab mich hier ja schon öfter über das meines Erachtens unsportliche Rumgeschreie von Sabalenka mokiert, das sie auch gezielt einsetzt, um die Gegnerin zu stören. Nun, tatsächlich erteilte die großartge Stuhlschiedsrichterin Louise Engzell Sabalenka wegen eines besonders fiesen Schreis verwarnt und erntete ungläubige Blicke. Ich hoffe auf eine Wiedeholung im Finale, gerne auch mit Punkt- und Spielabzug.
Männer, So., 09:30: Alcáraz – Djokovic (all but Nole)
von Münchner Löwe | Jan. 27, 2026 | Allgemein
Abschluss der Champions-League-Vorrunde, Nachtslalom in Schladming, Handball-EM in Skandinavien und viel Liga-Sport. Dazu natürlich die Endphase der Australian Open, die ich gesondert behandle.
Slalomfest in Österreich
Der Nachtslalom in Schladming gilt als Nonplusultra der Torlauf-Artisten. Unter Flutlicht vor bis zu 50.000 Zuschauern, ein Großteil von ihnen recht angeheitert, wobei ich das „recht“ eher als Euphemismus betrachte. Der Sieg des Österreichers Manuel Feller am Ganslernhang in Kitzbühel war natürlich die beste Werbung, dass dder eine oder andere nationalbewusste Österreicher sich am Mittwoch aufmacht, um live vor Ort vielleicht sogar einen Heimsieg zu bejubeln.
Wie immer im Slalom ist der Kreis der Favoriten riesig. Neben Feller und dem Deutschen Linus Strasser sind gerade die Norweger und Franzosen zu beachten, dazu aber auch Einzelkämpfer wie der Finne Eduard Hallberg, der Bulgare Albert Popov und natürlich auch der Brasilianer Lucas Pinheiro Braathen.
Als Prolog gibt es schon am heutigen Dienstag den Riesenslalom. Hier ist die grioße Frage: Wie hat Dominator Marco Odermatt die schallende Ohrfeige vom Samstag überstanden, dass er am Samstag auf der Kitzbüheler Streif als zweiter erneut den Sieg verpasste. Kommt er auch nur einigermaßen durch, dürfte ihm der Sieg nicht zu nehmen sein.
Crans Montana im Blickpunkt
Nur einen Monat nach dem schrecklichen Brand in einem Club in Crans Montana fällt der Skizirkus in diesen Wintersportort im Tessin ein. Der Weltcup-Kalender will es so, und eine Absage ist auch deshalb wohl nie ernsthaft überlegt worden, weil nächstes Jahr in Crans Montana die alpinen Weltmeisetrschaften stattfinden werden und gerade die Abfahrten als unabdingliche Tests gelten.
Also bestreiten die Frauen am Freitag und Samstag Abfahrt und Super-G, ehe am Sonntag mit der Männer-Abfahrt die letzte Generalprobe für die Winterspiele ab 6. Februar über die Bühne geht. Mal sehen, ob die SportlerInnen angesichts des Großereignisses tatsächlich das letzte Risiko gehen.
Handballer im Medaillenkampf
Bisher haben sich die Deutschen bei der Europameisterschaft in Dänemark, Schweden und Norwegen vorzüglich geschlagen. Morgen gegen Frankreich erwartet sie die ultimative Prüfung. Ein Unentschieden reicht für den Aufstieg ins Halbfinale und den Medaillenkampf.
Ich sehe die Chancen dazu nicht schlecht: Denn mit Torwart Andi Wolff steht einer der heerausragenden Akteure dieses Turniers zwischen den Pfosten. Seine Leistung gegen Norwegen, als er zwischendurch das Tor derart vernagelte, dass niemand der Nordeuropäer auch nur noch einen Versuch startete, war eine Außerirdische. Das Problem: Nicht einmal ein Wolff kann derlei beliebig wiederholen.
Handball, Deutschland vs Frankreich, da war doch was! Nämlich das absurde Viertefinale bei den Olympischen Spielen in Paris, als die Franzosen 5 Sekunden vor Schluss den Ball in die Hände der Deutschen beförderten und im wahrsten Sinne des Wortes den Sieg wegwarfen. Revanche ist also angesagt, die Franzosen machten ebenfalls einen vorzüglichen Eindruck (bis auf das eher enttäuschende Remis gegen Spanien). Fünfzig zu Fünfzig würde ich die Chancen sehen.
Klarer Turnier-Favorit sind allerdings die Dänen, zumal sie bis zum Finale im heimischen Herning spielen dürfen. Dem Aussetzer gegen Portugal folgen überzeugende Siege gegen Frankreich und Deutschland.
Erstaunlich die Konstellation in der anderen Hauptrunden-Gruppe. Zwei Spieltage vor Schluss haben gleich vier Mannschaften 4 Punkte auf dem Konto: Schweden, Island, Kroatien und Slowenien. Ein Freudenfest für Hochrechner, wenn ich tippen müsste: Schweden und Island werden es packen.
18 Fußballspiele gleichzeitig
Der 8. und letzte Vorrundenspieltag der Champions League steht am Mittwoch anan, zum 2. Mal in der 36er-Liga und zum 2. Mal mit 18 spielen gleichzeitig, nämlich ab 21 Uhr. Fast unmöglich, da komplett den Überblick zu behalten und erst recht, im Vorfeld auf alle Eventualitäten einzugehen. Zumindest aus deutscher Sicht scheint die Lage recht eindeutig.
- Der FC Bayern ist schon direkt im Achtelfinale und hat bereits vor dem Gastspiel bei der PSV Eindhoven einen Top-4-Platz sicher, für die Setzung in den K.-o.-Runden von einer gewissen Wichtigkeit.
- Eintracht Frankfurt kann auch mit einem noch so hohem Sieg die K.-o.-Runde nicht mehr erreichen.
- Bayer Leverkusen braucht zum Abschluss einen Heimsieg gegen Nachzügler Villarreal. Dann hätte die Werkself mit Sicherheit die Zwischenrunde erreicht, in die Top 8 kann sie nicht mehr vorstoßen. Bei einem Remis und erst recht einer Niederlage beginnt eine elende Rechnerei. Ein Weiterkommen wäre dann aber eher (Remis) unwahrscheinlich respektive sehr unwahrscheinlich (Niederlage).
- Borussia Dortmund hat zumindest die Zwischenrunde praktisch sicher. Bei einem Sieg gegen Inter können die Dortmund sogar noch aufs Vorpreschen in die Top 8 hoffen, da müsste allerdings einiges zusammenkommen. Für alle, die zu Dortmund halten hilft da nur: Neben dem Spiel auch einen Live-Ticker und möglichst auch noch eine Live-Tabelle bereithalten. Der echte Fußball-Fan ist schon längst multitaskingfähig, nämlich auf 4 Geräten: 1 Live-Spiel des Lieblingsvereins, 1 Konferenz, Live Results, Live Tabelle.
Wirklich relevant sind eh nur die Plätze 8 und 24. Die Top 8 stehen direkt im Achtelfinale, die Ränge 9 bis 24 spielen acht weitere Achtelfinalisten in zwei weiteren Partien aus (also noch mehr Spielstress). Es geht wie erwartet eng her. Zwischen Platz 6 und 15 ist nur ein Pünktchen Unterschied.
Und sonst?
- Buundesliga: Schon heute stehen zwei Nachholspiele auf dem Programm: RB Leipzig und 1899 Hoffenheim können mit Erfolgen bei St. Pauli und Werder Bremen die Champions-League-Plätze 3 und 4 festigen. An mehr wird wohl niemand denken trotz des ersten Bayern-Strauchlers. Die Münchner müssen dann am Samstag im Volksparkstadion zeigen, dass sie die Niederlage gegen Augsburg gut verkraftet haben. Die Partie ist zwar das nominelle Topspiel des Spieltages, das ist aber eher eine Reminiszenz an die 80er-Jahre, als die beiden Teams auf Augenhöhe waren. Jetzt trifft ein Abstiegskandidat auf den designierten Meiser (nona).
Borussia Dortmund will den gelungenen Start ins Jahr (3 Siege, 1 Unentschieden) am Sonntag verlängern. Im heimischen Westfalenstadion scheint der Tabellenletzte 1. FC Heidenheim ein mehr als machbarer Kontrahent zu sein.
- England: Tabellenführer FC Arsenal scheint die Galaform verloren zu haben: Der Vorsprung auf Manchester City und Aston Villa beträgt nur noch 4 Punkte, kein allzu bequemes Ruhepolster. Am Samstag müssen die Gunners zu Leeds United: das Stadion an der Elland Road ist ein heißes Pflaster, ein Sieg Pflicht, denn am Sonntag dürften Villa (vs Brentford) und City (bei Tottenham) mit Siegen nachlegen.
- Basketball: Der FC Bayern setzt das nahezu aussichtslose Unterfangen „Play-Ins-erreichen“ in der Euroleague fort. Am Donnerstag steht die Partie bei Maccabi Tel Aviv an. Gespielt wird, zumindest lauf „flashscore“, tatsächlich in Israel, nämlich in Jerusalem. Nur ein Sieg hilft den Münchnern, wenn sie im Kampf wenigstens um Platz 10 noch eingreifen wollen.
- Wintersport: Auch für die Skispringer sind kurz vor Olympia noch Wettbewerbe angesetzt, nämloich von der Großschanze von Winterberg. Diese lässt Weiten von bis zu 150 Metern zu, das kommt dem Skifliegen schon sehr nahe. Man muss sehen, ob kurz vor Olympia tatsächlich auch alle Top-Springer am Start sind.
von Münchner Löwe | Jan. 24, 2026 | Allgemein
Australian Open, 3. Runde
Jannik Sinner sah aus wie ein lebender Leichnam. Völlig apathisch lehnte er seiner Partie gegen den erstaunlichen Amerikaner Eliot Spizzirri an der Werbebande der Rod-Laver-Arena, beim Stand von 1:3 im 3. Satz nicht willens und offenbar auch unfähig, in der mörderischen Hitze von Melbourne auch nur einen weiteren Ballwechsel bestreiten zu können. Signale in die Spieler-Box: Soll ich aufgeben? Ratlosigkeit bei den Betreuern, was zu tun ist. Eine medizinische Auszeit war nicht mehr möglich, die hatte Sinner schon beansprucht. Und dann die Ansage des Stuhlschiedsrichters: „Play is suspended“ (Spiel ist unterbrochen). Ein Rettungsreifen, in dieser speziellen Situationin etwa so wahrscheinlich wie der für einen Schiffbrüchigen auf hoher See nach 2 Tagen.
Aber tatsächlich wahr: Es gab wegen der unerträglichen Hitze tatsächlich eine Pause, damit sie endlich das schützende Dach über die Rod-Laver-Arena zuziehen konnten. Diese reichte Sinner (samt dem einen oder anderen Mittelchen in der Kabine, vielleicht sogar vom berüchtigten Doping-Masseur): Merklich erholt kam der Italiener wieder auf den Platz und siegte doch noch in 4 Sätzen. Der Titelverteidiger war dem Aus gerade noch von der Schippe gesprungen.
Dass es zu einer Unterbrechung kommen würde, war angesichts der unzumutbaren Bedingungen nur eine Frage der Zeit. Die Organisatoren hatten dies schon tags zuvor und noch mal am Vormittag angekündigt und auch klare Regeln, wann das der Fall sein würde. Warum sie trotz der erwarteten Temperaturen von 40 Grad die Partien ohne Dach beginnen ließen, wird ihr Geheimnis bleiben. Doch der Zeitpunkt der Unterbrechung irritiert mich enorm – und entsprach meines Erachtens eben nicht den selbst aufgestellten Regeln. Normalerweise werden Wetterunterbrechungen wegen Hitze und (viel öfter) Regens direkt nach Ende eines Games verkündet, doch dies unterließ der Schiedsrichter. Erst als Sinner für alle ersichtlich sich als nicht mehr spielfähig zeigte, kam es zur Unterbrechung. Von „Lex Sinner“ muss da leider die Rede sein. Dass die Organisatoren unter keinen Umständen den zweimaligen Champion und Titelverteidiger wegen einer Aufgabe aus dem Turnier verlieren wollten. Die sie selbst verschuldet hätten, weil sie die Partie bei offenem Dach begonnen ließen. Das „lex Sinner“ lässt sich auch daraus schließen, dass die Partien auf den anderen Plätzen (wo es nicht weniger heißt war) erst 5 Minuten danach unterbrochen wurden. 5 Minuten, die Sinner allem Anschein nach nicht mehr hätte auf dem Platz stehen können. Der ja bekanntermaßen, mit Hitze nicht so gut zurechtkommt wie andere Profis. Ich wage die nicht sehr waghalsige Behauptung: Wären die Zeichen umgekehrt gewesen, und der Außenseiter Spizzirri wäre dermaßen in den Seilen gehangen, nie im Leben hätte es diese Unterbrechung zu diesem gegeben. „Quod licet Jovi, non licet bovi“, das wussten schon die alten Römer.
Turnier der Favoriten …
Sinner bleibt dem Turnier also erhalten, und wir dürfen davon ausgehen, dass er bis zu seiner nächsten Partie am Montag gegen seinen Landsmann Luciano Darderi wieder voll bei Kräften ist. Damit steht fest, dass es im Achtelfinale nur noch gesetzte Spieler gibt, von den Top 8 ist tatsächlich nur der Kanadier Felix Auger-Alliasime raus, den erwischte es schon in der 1. Runde wegen einer Verletzung. Eine solche Dominanz der Etablierten hat es meines Wissens noch nie gegeben. Der junge US-Amerikaner Leander Tien ist als Nummer 25 der am schlechtesten klassierte Profi in der Runde der besten 16. Für mich ist es Turnier-Sensation, dass es eben keine Überraschungen gegeben hat. die
Auch die beiden Oldies mit voller sentimentaler Unterstützung haben es nicht geschafft: Stan Wawrinka (gegen Taylor Fritz) und Marin Cilic (Casper Ruud) wehrten scih zwar nach (schwindenden) Kräften, mussten sich aber jeweils in 4 Sätzen beugen. Im besten Spiel des bisherigen Turnierverlaufs setzte sich der Italiener Lorenzo Musetti gegen den so starken Tomas Machac aus Tschechien nach 5 dramatischen Sätzen und vierteinhalbstunden Hitzekampf durch.
Geradezu Spaziergänge legte Altmeister Novak Djokovic hin, der nach 3 Partien noch ohne Satzverlust ist und sehr viele Kräfte sparen konnte. Die wird er brauchen, wahrscheinlich schon am Montag gegen den tschechischen Himmelstürmer Jakob Mensik.
Alexander Zverev hielt die deutsche Fahne hoch. Er gab zwar auch gegen Cameron Norris einen Satz ab, doch zeigte er eine klar verbesserte Vorhand, die er gegen den äußerst unangenehmen Argentinier Francisco Cerundolo auch brauchen wird. Die Partie findet am australischen Abend statt (morgen 9 Uhr MEZ), und auch die Hitze soll sich zumindest für Sonntag und Montag wieder verziehen. Eine Glatze will sich Zverev schneiden lassen – für den Fall dass er die nächste Runde erreicht das Turnier gewinnt.
Achtelfinale, Männer
So.: Alcáraz – Paul
So.: De Minaur – Bublik (mein Must see : Lokalmatador vs Zauberer)
So.: Zverev – Cerundolo
So.: Medwedew – Tien
Mo.: Musetti – Fritz
Mo.: Djokovic – Mensik
Mo.: Shelton – Ruud
Mo.: Sinner – Darderi
… und der Favoritinnen
Auch hier haben 7 der Top 8 das Achtelfinale erreicht, auch hier erwischte es die Nummer 7: nämlich die Italienerin Jasmine Paolini, und das kam gegen das US-Supertalent Iva Jovic nicht besonders überraschend. Iga Swiatek (Nr. 2) hatte zwar gegen die Russin Anna Kalinskaya einen Aussetzer-Satz, gewann aber mit 6:1, 1:6 und 6:1. Gewisse Mühe hate auch Aryna Sabalenka (Nr. 1) gegen die Neu-Österreicherin Anastasia Potapova, als sie zweimal einen Tiebreak benötigte.
Immerhin sind bei den Frauen noch 2 Ungesetzte im Wettbewerb: die Chinesin Wang Zin, die Kasachin Julia Putintsewa und die Sensations-Qualifikantin Maddison Inglis, die vom Nichtantreten der exzentrischen Japanerin Naomi Osaka (Bauchmuskelzerrung) profitierte. Dagegen erlebten die von mir noch so gelobten Tschechinnen einen schwarzen Samstag: 4 traten an, 4 schieden mehr oder weniger sang- und klanglos ohne Satzgewinn aus. So bleibt die wunderbar-vielseitige Karolina Muchova die letzte Verbliebene nach ihrem Freitag-Erfolg gegen die Polin Linette.
Achtelfinale Frauen
So.: Sabalenka – Mboko
So.: Jovic – Putintseva
So.: Gauff – Muchova
So.: Andreewa – Svitolina (Russin vs Ukrainerin, das wird sehr herzlich)
Mo.: Keys/TV – Pegula
Mo.: Anisimova – Wang
Mo.: Rybakina – Mertens
Mo.: Swiatek – Inglis
von Münchner Löwe | Jan. 22, 2026 | Allgemein
Souveräne FavoritInnen
Zwei Runden sind jetzt beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres 2026 gespielt, doch der sogenannte Happy Slam ist bisher eine arg dröge Angelegenheit. Zumindest für diejenigen, für die Überraschungen oder wenigstens Nailbiter-Thriller dazugehören. Davon konnte an den ersten 5 Wettkampftagen nicht die Rede sein. Die Favoriten gerieten noch nicht mal ins Stolpern, geschweige denn fielen sie über die Erst- und Zweitrundenhürden.
In Zahlen ausgedrückt: 15 der Top 16 gesetzten Männer sind noch im Turnier. Felix Auger-Alliasime (7) schied als einziger aus, körperlich angeschlagen gab er auf. In der 2. Runde musste nicht einer der verbliebenen 15 Top-16-Spieler mehr als 4 Sätze gehen, am heutigen Donnerstag gab es nur 3-Satz-Begegnungen. Ob Alcáraz, Sinner, ob Djokovic oder Shelton – sie alle cruisten geradezu durchs Turnier.
Mit am spannendsten machte es noch Alexander Zverev, der sowohl gegen den Kanadier Diallo als auch gegen den Franzosen Muller einen Durchgang abgab. Der Hamburger war aber nie ernsthaft in Gefahr, dass ihn eines seiner berüchtigten frühen Aus‘ ereilen würde.
Bei den Frauen das gleiche Bild. Favoritinnensiege, wohin man sieht. Die Überlegenheit war manchmal schon peinlich. Nur die Schweizerin Belinda Bencic tanzte aus der Reihe: Sie verlor am Donnerstag das wahrscheinlich unterhaltsamste Frauen-Match der ersten beiden Runden gegen die unglaublich aufspielende Nikola Bartunkova; eine tschechische Qualifikantin, die mir bis dato völlig unbekannt war, mich aber mit ihrem abwechlungsreichen (Angriffs)Tennis wirklich begeisterte.
Lags vielleicht am Wetter, das die FavoritInnen so souverän agierten? Die gefürchtete australische Sommerhitze ist bisher jedenfalls ausgeblieben, die Sportlerkörper werdens dankbar aufgenommen haben. Erst für Samstag werden 38 Grad erwartet (und am Dienstag gar 40 Grad).
Stan, the Man
Und doch – völlig vertan war die Zeit via Eurosport respektive Discovery+ mit Tennis Down under natürlich nicht. Dafür sorgte etwa ein (ganz) alter Bekannter. Stan Wawrinka erinnerte in seinen beiden höchst unterhaltsamen Matches zunächst gegen Lajos Drere dann gegen Arthur Gea an glorreiche Zeiten: als er dank seiner so wunderschönen einhändigen Rückhand insgesamt drei Grand Slams gewann, darunter 2014 in Melbourne. Als Dank spendierten die Verantwortlichen dem 40-jährigen Schweizer jetzt nicht nur eine Wild Card, sondern Auftritte auf den großen Plätzen. Wo ihn ein Großteil der Fans stürmisch anfeuerten. Ob das dann auch am Samstag gegen Taylor Fritz reicht – ich setze ein kleines Fragmichzeichen.
Einen vorzüglichen Eindruck hinterließ auch Marin Cilic, mit 37 ist der Kroate geradezu ein junger Hüpfer im Vergleich zu Wawrinka. Er deklassierte nicht nur den Deutschen Daniel Altmaier (zwei Sätze endeten 6:0), sondern eliminierte auch den viel höher eingestuften Denis Shapovalov. Gelernt ist gelernt.
Deutsches Damen-Desaster
Das „Damen“ nur der Alliteration wegen, bei mir sind es „Frauen“, die Tennis spielen. Am traurigen Abschneiden der Deutschinnen ändert das wenig, als Einzige erreichte Laura Siegemund wenigstens die 2. Runde, in der sie nach teilweise quälend langen dreieinhalb Stunden an der australischen Qualifikantin Maddison Inglis scheiterte. Die Australier halten von Miss Inglis so wenig, dass sie diese nicht mal mit einer Wild Card bedachten (die sonst quais jeder Aussie männlich oder weiblich erhält).
Auch ansonsten herrschte nur deutsche Trübseligkeit, obwohl sie alle keineswegs übermächtige Gegnerinnen hatten. Doch eine Olga Selekhmeteva (Ella Seidel), Petra Marcinko (Tatjana Maria), Sofian Cirstea (Eva Lys) erwiesen sich jeweils als zu stark für die deutsche Kontrahentin in der 1. Runde. Keine von den Bezwingerinnen hat übrigens die 2. Runde überstanden …
Und sonst?
- Fallgrube United Cup: Bei der Mixed-WM vor gut 2 Wochen Perth und Sydney spielten vor allem zwei Akteure groß auf. Belina Bencic gewann für die Schweiz alle 6 Einzel und 5 der 6 Mixed-Doppel, Hubert Hurkacz war bei den Männern das Maß aller Dinge, bezwang unter anderem Zverev und Fritz. Jeweils in der 2. Runde war jetzt Schluss mit lustig, zumindest die Einzelkonkurrenz ist jeweils vorbei für vermeintlich gefährliche „dark horses“, die in Wirklichkeit sehr, sehr dunkel blieben. Wahrscheinlich fehlte „Linda Belinda“ der weise Rat des Landsmannes Wawrinka.
- Neuer Geheimfavorit: Dass der Tscheche Tomaz Machac mit dem Schläger umzugehen weiß (wie so viele seiner Landsmänner und vor allem -Frauen), ist bekannt. Dass der 25-Jährige aber die sehr schwierig erscheinenden Kontrahenten Grigor Dmitrov und Stefanos Tsistsipas mit zwei extrem beeindruckenden Vorstellungen geradezu vom Platz scheuchen würde, überraschte mich dann doch. Der zweifelhafte Lohn für ihn: Ich erhebe ihn zu meinem Geheimfavorit. Angesichts meiner brillanten Tipps in einem Turnier-Bracket kann das nichts Gutes bedeuten für den armen Mann (und Gutes für den kommenden Gegner Lorenzo Musetti?).
von Münchner Löwe | Jan. 20, 2026 | Allgemein, Fußball, ski alpin, Wintersport, Wochenrückschau
Ski-Gott Odermatt, deutsches Handball-Glück und Absurdes vom Afrika-Cup
Brignones wundersames Comeback
Es war die Story des Riesenslaloms von Kronplatz, der am heutigen Dienstag ausgetragen wurde. Italiens Ski-Heroin Federica Brignone war nicht ur erstmals seit ihrem Schien- und Wadenbeinbruch im April wieder am Start, sie überzeugte auch durch zwei mehr als ansprechende Fahrten und wurde am steilsten hand der Saison (Neigung zum Teil 65 Prozent) erstaunliche Sechste, fuhr also als beste Italienein sofort wieder mitten in die Weltelite und landete unter anderem vor den Spezialistinnen Paula Moltzan und Valerie Grenier.
Nur mit dem Sieg und auch mit dem Podest hatte sie nichts zu zun. Den sicherte sich erneut Julia Scheib, mit der Österreich in seiner lange schwächsten Disziplin plötzlich eine absolute Siegläuferin hat und Gold-Favoritin fürs Rennen bei Olympia. Scheib raste von Rang 3 kommend noch an Camille rast und Sara hector vorbei und sicherte sich ihren vierten Saisonsieg.
Odi, Herrscher am Lauberhorn
Wenn es denn eine Abfahrt gibt, die Marco Odermatt auf dem Leib geschneidert ist, dann ist es Lauberhorn in Wengen. Obwohl wegen des Windes stark verkürzt (Start direkt am Hundsschopf), war der Schweizer eine Klasse für sich und triumphierte mit 79 Hunderststelsekunden Vorsprung auf Vincent Kriechmayr und den erstaunlichen Italiener Giovanni Franzoni.
Odermatt triumphierte im Schatten der Bergriesen Eiger, Jungfrau und Mönche zum vierten Mal in Folge und löste Landsmann Beat Feuz als Rekordmann ab. „Ich hab fast ein schlechtes gewissen“, bekannte er im SRF. Schon vor einer Woche hatte er in Adelboden eine Rekordmarke eier Skilegende eingestellt, als er zum fünften Mal den Riesenslalom an diesem traiditonshang für sich entschied. Da Odi noch einige Jahre Skifahren vor sich hat, dürfte er auch hier bald ganz allein ganz oben in der Liste der Sieger stehen.
Wenn ich schreibe, „erstaunlicher Franzoni“, bezieht sich das auf den Super-G. Tags zuvor hatte der Italiener in dieser Disziplin für mich reichlich überraschend gesiegt (trotz guter Trainingsergebnisse). Das Rennen war fast 15 Sekunden länger und mit allen Schweirigkeiten der Strecke gespickt, und Franzoni düpierte mit einer Glanzfahrt die Konkurrenz. Zweiter wurde Stefan Babinsky mit seinem besten Karriere-Ergebnis im Weltcup for Franjo van Allmen, der sich vor Odermatt den letzten Podestplatz sicherte.
Im Slalom dominierte ganz klar die norwegische Schiene: Atle McGrath triumphierte vor seinem besten Freund Lucas Braathen (für Brasilien startend) und Henrik Kristoffersen. Wie herzlich Braathen seinem Kumple gratulierte, so sieht Fairness aus. Best of the Rest wurde der Schweizer Weltmeister Loic Meillard, Linus Strasser klassierte sich als einziger Deutscher in den Weltcuprängen und wurde letztlich Elfter, mit 2,65 Sekunden Rückstand auf den Sieger (ohne eklatanten Fehler, die muss er bis zum Olympiarennen in einem Monat finden).
Aichers Triumphfahrt
Sie kann alles (außer Riesenslalom), das wissen alle. Am Sonntag brachte Emma Aicher im Super-G endlich mal wieder eine fast fehlerfreie Fahrt ins Ziel, und siehe da, die grüne „1“ leuchtete auf, und dies sollte an diesem strahlenden Wintertag keiner anderen Läuferin mehr gelingen. Es ist der zweite Saisonsieg der vielseitigen Deutschen mit schwedischen Wurzeln nach dem Abfahrtssieg Mitte Dezember in St. Moritz. Im Gesamtweltcup katapultierte sie sich auf Platz 3, allerdings mit Respektabstand zur Führenden Mikaela Shiffrin. Die hat zwar beschlossen, dass sie keine Abfahrten (und voererst auch keine Super-Gs) mehr fährt, dafür gewinnt sie (fast) jeden Slalom. Wie am vergangenen Dienstag den Nachtslalom von Flachau, als sie vor Landsfrau Paula Moltzan und der Österreicherin Katharina Truppe triumphierte, zum 7. Mal im 8. Saisonrennen.
Handballer plötzlich mit weißer Weste
Die beste Nachricht ereilte die deutschen Handballer schon vorm abschließenden Vorrundenspiel gegen Spanien. Da nämlich hatten die Österreicher Serbien bezwungen, und damit stand fest, dass die Mannschaft um die überragenden Torhüter Wolff und Späth auch mit einem knappen Sieg die Hauptrunde erreichen würde und dies sogar ohne Punktverlust, weil aufgrund der EM-Arithmetik die Niederlage zuvor gegen Serbien aus den Ergebnissen fallen würde.
Die Partie gegen Spanien war dann die erwartet zähe Angelegenheit. Das deutsche Team lag zwar fast die gesamte zeit in Führung, aber nie mit mehr als drei Toren, was im Handball wahrlich kein geruhsames Polster ist. Doch in den entscheidenden Phasen konnten sich die Deutschen auf ihren Schlussmann verlassen (im Gegensatz zu den Iberern auf ihren Mann zwischen den Pfosten). Diesmal war es vor allem der junge David Späth, der mit ein paar Glanzparaden den spaniern den Zahn zog. Am Ende stand es 34:32, das reichte zum Gruppensieg.
In der Hauptrunde ab Donnerstag warten jetzt allerdings mit Dänemark, Frankreich, Norwegen und Portugal durchweg höher einzuschätzende Kontrahenten. Eine gewaltige Steigerung muss also her, soll das Ziel „Halbfinale“ Wirklichkeit werden, dafür wäre nämlich ein Platz unter den ersten zwei notwendig.
Skandal beim Afrika-Cup
Schon vor dem Finale beim Afrika-Cup zwischen Gastgeber Marokko und Senegal ging es hoch her. hier die Mahgreb-Staaten, dort Zentralfrika – mit gegenseitigen Vorwürfen. Einer lautete: Der afrikanische Verband würde alles tun, dass die Marokkaner auch den Titel holen würden.
Zunächst blieb im Finale am Sonntag in Rabat alles im Rahmen, bis sich in der Nachspielzeit der kongolesische Schiedsrichter zu einem der Hauptdarsteller aufschwang. Zunächst verweigerte er aus eher fadenscheinigen Gründen einen Treffer Senegals, und sein verfrühter Foulpfiff machte auch eine Video-Überprüfung unmöglich. Minuten später entschied er nach einem Zupferchen an Real-Star Brahim Diaz nach minutenlanger VAR-Konsultierung auf Strafstoß, mindestens umstritten, für mich indiskutabel. Die Situation eskalierte. Wutentbrannt verließen mehrere Senegalesen das Feld, angestiftet von ihrem Trainer. Ein Spielabbruch drohte – mit ungeahnten Konsequenzen für alle Beteiligten.
In solchen Fällen ist es notwendig, dass zumindest einige Akteure kühlen Kopf behalten. Hier war es Sadio Mané, der senegalesische Kapitän. Er blieb nicht nur auf dem Feld, sondern signalisierte zunehmend vehement, dass bitte auch seine Mitspieler die Wut runterschlucken sollten und die Partie würdig beenden sollten. Manes* Wort ist in Senegal Gesetz (seitdem er das Land vor 4 jahren als Kapitän zum Afrika-Sieger führte), und tatsächlich bequemten sich die Spieler zurück aufs Feld.
Dort begann das nächste Drama, der Elfmeter. Der marokkanische Superstar Diaz sollte es richten, Torschützenkönig des Turniers und einer der besten Spieler. Diaz lief also an im mittlerweile strömenden Regen zu Rabat, und er entschied sich zu einem „Panenka“. Jener unfassbar frechen Variante also, in dem der Ball nur in die Mitte geschlenzt wird ohne Tempo, in der Hoffnung der Torwart werde schon in eine Ecke fliegen. Der Tscheche Antonin Panenka wurde so berühmt 1976 in Belgrad im EM-Endspiel gegen Deutschlands Sepp Maier im Elfmeterschießen, nicht so aber Diaz. Senegals Schlussmann Fernando Mendy nämlich hatte den Braten gerochen, bleib stehen und hatte nicht die geringste Mühe, den Ball abzufangen.
„Alles abgesprochen“, hieß es später in den aszialen Netzen verdrossen, und das war tatsächlich auch mein erster Gedanke. Bis ich in die verzweifelten Augen von Diaz schaute. Verzweiflung darüber, dass er nicht Marokko zum ersten Afrika-Triumph sein 1975 (1975!) geschossen hatte. Wenn das geschauspielert war, dann herzliche Gratulation zum nächsten Oscar!
Also Verlängerung: Es kam fast, wie es kommen musste. Mit einem Gewaltschuss in den Winkel bezwang Senegals Pape Gueye Marokkos vorzüglichen Schlussmann Bono, und dieses eine Tor sollte reichen. Afrika-Triumph für Senegal, der zweite nach 2022.
Immerhin durfte sich Marokko über den Fairnesspreis freuen, und diese Auszeichnung ist mindestens so absurd wie der FIFA-Friedenspokal für Donald Trump. Mit Fairness hatte es nämlich wenig bis nichts zu tun, wie sich Marokko übers (gut organisierte) Turnier gerierte. Den Vogel schossen am Finaltag die Balljungen ab, die mit Unterstützung von Ersatzspielern immer wieder versuchten, das Handtuch von Senegals Torhüter Mendy zu stehlen, damit dieser sich nicht die regennassen Handschuhe abtrocknen konnte. Es ging so weit, das Senegal seinerseit den Ersatztorwart abstellte, der danach nichts anderes zu tun hatte, als die fortwährenden Angriffe auf Mendys Eigentum abzuwehren. Famos bewältigte er diese Aufgabe.
Das mag afrikanisch-folkoristisch klingen (wie wir diesen Afrika-Cup lieben gelernt haben), ist aber schlicht bodenlos und ein katastrophales Zeichen im Hinblick auf die WM 2030, die ja in Marokko, Spanien und Portugal stattfinden wird. Auf keinen Fall daaarf eine derartige Unverfrotenheit mit einem Fairnesspreis bedacht werden, wenn da nicht mein Freund Gianni Infantino seine widerwärtigen Schleimpfoten im Spiel hatte.
von Münchner Löwe | Jan. 19, 2026 | Allgemein
Was für eine Sportwoche! Handball-EM, Australian Open im Tennis (siehe gesondeter Text), Hahnenkammrennen, viel anderer Winter- und Ballsport.
Handball-Cracks droht frühes Aus
Die Deutschen träumen vom EM-Halbfinale, doch schon heute könnte nach dem 3. Vorrundenspiel gegen Spanien das Turnier in Dänemark, Schweden und Norwegen bereits beendet sein. Wenn nämlich Andi Wolff und Co die Partie gegen die Iberer nicht gewinnen. Falls Serbien zuvor gegen Österreich siegreich bleibt, muss der Erfolg sogar mit 3+ Toren Unterschied her. Alles wegen der völlig überflüssigen Niederlage gegen Serbien.
Falls der Hauptrundeneinzug tatsächlich gelingt, warten vier absolute Hochkaräter: neben Co-Gastgeber Dänemark sind das Frankreich sowie wahrscheinlich Norwegen und Portugal. Wenn das mit dem „Man wächst an den Aufgaben“ stimmt, dann steht ausgezeichneten Leistungen nichts mehr entgegen.
Es entbehrt natürlich nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die von Weltklasseschlussmann als „Anti-Handballer“ beschimpften Ösis den Deutschen das Leben erheblich leichter machen können mit einem Erfolg gegen Serbien vor der eigenen Partie mit Spanien. Ein Sieg, und die Ausgangsposition wäre plätzlich sehr viel einfacher, dann genügt ein schnöder Sieg und man hätte auch schon 2 statt 0 Punkte für die hauptrunde. Ob das Austria gelingt, wage ich allerdings angesichts der bisher gezeigten Leistungen zu bezweifeln, ohne dass ich sie des Anti-Handballs bezichtigen würde …
Ob mit Deutschland oder nicht, das Turnier verspricht hochklassig zu werden, zumindest der „Dänen-Zweig“ eben mit Frankreich und Co. Die Halle in Herning ist stimmungsvoll, wie allerdings schon bei der Eishockey-WM muss an der Spielfläche immer wieder gearbeitet werden.
Ansonsten sind die Färöer mein sentimentaler Favorit. Die Spieler von der winzigen Insel (40.000 Einwohner) feierten am Sonntag den ersten EM-Erfolg überhaupt und haben gute Chance aufs Weiterkommen. Mindestens ein Zehntel der Bevölkerung wird am Dienstag in Oslo live vor Ort die Daumen drücken. Herzerwärmend.
Die Streif – immer noch das Maß aller Dinge
Fragt man ambitionierte Skirennläufer und erst recht die verwegenen Abfahrer: Sie würden wahrscheinlich immer einen Sieg in Kitzbühel am Hahnenkamm allen anderen Erfolgen vorziehen, sogar einem Olympiatriumph. Die Streif ist jedes jahr eine Herausforderung, wer hier gewinnt, bekommt nicht nur eine eigene Gondel am Hahnenkamm, sondern hat den Olymp des Skisport erlangt. „Mausefalle“, „Steilhang“, „Hausbergkante“ sind Streckenabschnitte, die jedem Skifan geläufig sind. Entschieden wird das Rennen allerdings weniger an diesen Herausforderungen, sondern in den eher unspektakulären Gleitstücken, wo man es zwar nicht gewinnen, wohl aber (vielelicht auch durch die falsche Skiwahl) verlieren kann. 40.000 Zuschauer werden am Samstag wieder erwartet samt der österreichischen Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Arnie darf natürlich nicht fehlen.
Dem derzeitigen Herrscher der Alpinen fehlt allerdings noch ein Sieg (und die Gondel). Marco Odermatt kam bisher über zweite Plätze am Hahnenkamm nicht hinaus. Auch jetzt gilt er als Favorit, vor allem auch durch seinen erneuten Fabellauf am Lauberhorn, doch in Kitz wachsen plötzlich Leuten Flügel, die sonst eher die zweite Geige spielen. Wie 2025 der Kanadier James Crawford, der völlig überraschend siegte (und seitdem gar nichts mehr auf die Reihe bekommt).
Eingerahmt wird die Abfahrt am Samstag vom Super-G tags zuvor und dem Slalom am Sonntag. Am Ganslernhang gibt es dem bisherigen Saisonverlauf etwa 20 Kandidaten auf dem Triumph, derTriumphator wird ebenfalls mit einer Gondel bedacht. Ob der Münchner Linus Strasser ausgerechnet hier wieder in die Erfolgsspur zurückfindet, ich habe ernsthafte Zweifel. Gerade die Franzosen und Norweger scheinen eine neue Stufe gefunden zu haben.
Für die Frauen stehen nach 2 Speed-Wochenenden wieder technische Wettbewerbe an. Schon am Dienstag in Kronplatz/Italien ein Riesenslalom, am Wochenende im tschechischen Spindlermühle Riesenslalom und Slalom. Vielfahrerin Emma Aicher lässt allerdings zumindest das Rennen in Italien aus, Riesenslalom ist mit Abstand die schwächste Disziplin der jungen Deutschen. Vielleicht gibt aber in ihrer italienischen Heimat Federica Brignone nach ihrem Beinbruch ihr Saison-Debüt. Zumindest im Hinblick auf Olympia in gut zwei Wochen stehen die Startcancen offenbar sehr gut.
Champions League auf der Zielgeraden
Der 7. und vorletzte Spieltag ist für Dienstag und Mittwoch angesetzt, und es können tatsächlich Vorentscheidungen fallen. So kann der FC Bayern mit einem Heimsieg über St. Gilloise (Mi., 21:00) die direkte Qualifikation fürs Achtelfinale klarmachen. Wichtige Auswärtspartien haben Eintracht Frankfurt bei Quarabag Agdam (Mi., 18:45), Borussia Dortbund (Tottenham) und Bayer Leverkusen bei Olympiakos Piräus (bveide Di., 21:00). Ich erspare mir große Hochrechnungen, wer wann wie weiterkommt in dieser 36er-Tabellenur soviel: Nur volle Siege helfen wirklich weiter.
Auch in der Europa League gibt es am Donnerstag den 7. Spieltag. Der SC Freiburg (vs Maccabi Tel Aviv/18:45) und de VfB Stuttgart (bei AS Rom/21:00) haben noch Chancen au einen Platz unter den besten Acht.
Zeit für die Flieger
Vor Olympia ist noch Skiflug-WM, nämlich in Oberstdorf. Zeit für so manchen Spezialisten, die sich in die Luft legen und wie ein Adler dahinschweben. Die Slowenen sind meist ganz vorn dabei, nicht nur der Saison-Dominierende Domen Prevc, sondern auch Ante Lanisek und Timi Zajc. Die Deutschen haben an den 3 Wettkampftagen auf der Heini-Klopfer-Schanze (Einzel und Team) höchstens Außenseiter-Chancen. Neben Slowenen gilt es vor allem, auf die Österreicher und Japaner zu achten und den einen oder anderen Norweger. Und natürlich immer, ob auch alle Anzüge regelkonform sind (immer wieder ein Aufreger, zuletzt bei Stefan Kraft aus Österreich).
Der Weltrekord von Domen Prevc (255,5 Meter) scheint mir nicht in Gefahr, Flüge über 230 Meter+ sollten aber schon drin sein, wenn Thermik und Anlauf stimmen, immer auch ein Vabanque-Spiel der Veranwtwortlichen.
Und sonst?
- Bundesliga: Topspiel ist die Partie des zweiten borussia Dortmund beim 1. FC Union. Die Berliner schweben als Neunte zwischen den Welten. Zu weit weg von den internationalen Plätzen einerseits, von den Abstiegsrängen andrerseits.
Zündstoff berspricht die partie von Eintracht Frankfurt gegen 1899 Hoffenheim. Die Hessen erstmals ohne Trainer Dino Toppmöller auf der Bank, Hoffenheim ist so etwas wie das Team der Stunde (FC Bayern natürlich außer Konkurrenz). nach 2 heimsiegen gegen Gladbach und Leverkusen.
- England: Topsiiel ist die Partie zwischen Tabellenführer FC Arsenal und Rekordmeister Manchester United. Die Gäste boten zuletzt beim begeisternden 2:0 im Stadtderby gegen City das beste Spiel seit Langem, so entfesselt hab ich Spieler und Fans lange nicht gesehen, und Sir Alex Ferguson sah auf der Tribüne gleich um 10 jahre jünger aus. Arsenal ist also gewarnt, kann alledings angesichts des Vorsprungs von immer noch 7 Punkten einigermaßen beruhigt in die Partie gehen.
- Basketball: Der FC Bayern scheint in der Euroleague konsolidiert, zumindest zu Hause. Zwei Heimspiele stehen diese Woche, und sowohl Partizan Belgrad (Di., 20:30) als auch Valencia (Do., 20:30) erscheinen machbare Gegner. 2 Siege wären acuh notwendig, soll die Aufholjagd in Richtung Play-Ins noch von Erfolg gekrönt sein.
- Wintersport: Nove Mesto hat sich in den vegangenJahren als ein Biathlon Hot Spot erewiesen, auch wenn die TschechInnen nicht ganz vorne mitmischen. Die Stimmung war jedenfalls gigantisch und wird auch ab Donnerstag gigantisch sein (mehr als 30.000 Zuschauer/Tag), wenn Einzel, Single Mixed, Mixed-Staffel und Massenstart auf dem Programm stehen. Es ist das letzte Weltcup-Wochenende vor Olympia, also auch letzte Formüberprüfung und letzte Chance, sich für die Wettbewerbe in Antholz zu qualifizieren.
- US Sport: Die 2 Conference Finals finden am Sonntag statt, in denen die beiden Super-Bowl-Teilnehmer ermittelt werden. Zunaächst empfangen in der AFC die Denver Broncos die New England Patriots (21:00), danach (00:30) in de NFC die Seattle Seahawks die LA Rams. Mehr in einem gesonderten Text am Freitag.
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