Venezuelas Baseballer krönen sich zum Weltmeister

Als der fantastische Closer Daniel Palencia das letzte Aus der USA besiegelte und der 3:2-Triumph Venezuelas feststand, kannte der Jubel keine Grenzen mehr im Miami-Stadium. Alle Spieler strömten aufs Feld, venezolanische Fahnen schwenkend oder um die Schultern umgehängt, und alle mit Tränen in den Augen. Zum ersten Mal in der Geschichte hatten sich die Baseballer die WM geholt, und wer die geradezu entrückten Gesichter all dieser Profis sah, weiß, was das für das Land bedeutet. Nämlich den wohl größten sportlichen Erfolg, den dieses Land je gefeiert hat. Und auch der letzte – dem Baseball vielleicht nicht so zugängliche – Sportfreund erfuhr, dass diese World Baseball Classics viel, viel mehr sind als ein schnödes Vorbereitungsturnier für die MLB-Saison. So viel Emotionen wie spätestens seit dem Viertelfinale gibt es in der Major League Baseball bestenfalls in entscheidenden Partien der K.-o.-Runden. Auch auf den Tribünen, mindestens zur Hälfte mit venezolanischen Migranten befüllt, war der Jubel riesig. Eines scheint sicher zu sein: Bevor die heimischen Miami Marlins einen derartigen Erfolg feiern können, werden noch Jahre vergehen .

Venezuela gegen die USA, das war in der Nacht zu Mittwoch das Finale der dominanten Pitcher – und das trotz der furchteinflößenden Schlagmänner auf beiden Seiten. Venezuela ging mit 2:0 in Führung, und ihre Werfer schafften gegen die prominente US-Line Up ein geradezu müheloses Inning nach dem anderen. Bis im 8. Durchgang Bryce Harper dann doch einen Ball satt erwischte und zu einem 2-Run-Homer zum 2:2 über den Zaun drosch. Die Wende? Sollten die USA es doch noch schaffen, nachdem die Baseball-Nation Nummer 1 zuletzt bei WMs ohne Titel blieben. Eugenio Suárez von den Seattle Mariners fand die Antwort und sein Double brachte Venezuela wieder in Führung. Und eines hatte das Turnier gezeigt: Eine Führung mit Daniel Palenica als Closer auf dem Mound, das bedeutete in diesen Tagen schon den Sieg, auch jetzt.Kyle Schwarber, der Homerunkönig der vergangenen Saison versuchte sein Glück – Strike Out. Gunnar Henderson traf sogar den Ball – ein leichter Fang für die Verteidiger. David Anthony sah den 100-Meilen-Ball nicht mal – das dritte Aus. Die unfassbare Bilanz des Closer Palencia: 5 Spiele, kein zugelassener Hit und erst recht kein Run. Besser gehts nicht.

Der Ort des Triumphs hätte symbolischer kaum sein können, Miami/Florida. Jenem Land also, das vor drei Monaten das Venezuela überfiel und den regierenden Präsidenten Maduro, den widerwärtigen Diktator, entführte. Der Mann, der das initierte, ließ sich im Stadion allerdings nicht blicken, obwohl sein Wohnsitz Mar a Lago für US-Verhältnisse quasi um die Ecke wohnt. Doch Donald wäre nicht Trump, würde er nicht zumindest einen Teil des Venezolanischen Triumphes für sich reklamieren würde. Es würden „in letzter Zeit gute Sachen für Venezuela geschehen“ und er frage sich, womit diese „Magie“ wohl zusammenhänge? Nach dem Sieg Venezuelas goss er weiteres Öl (sic!) ins Feuer: „Statehood!“, schrieb er, was übersetzt so viel heißt wie: Bald ist Venezuela der 51. Bundesstaat. Zumindest die Kanadier wirds trösten …

Dabei ist Baseball schon lange vor Trumpistan DER Nationalsport in Venezuela, weit vor Fußball, wo das Land mal wieder die WM-Qualifikation verpasst hat. Alle Spieler des World-Classic-Kaders spielen in MLB-Teams, und dort eine zum Teil herausragende Rolle. Zwei absolute Legenden gar nicht lang vergangener Tage reihten sich in die Trainergilde ein. Johan Santana kümmerte sich um die Pitcher, Miguel Cabrera, vielleicht der beste unter vielen guten MLB-Profis aus Venezuela, war Hitting Coach.

 

Das war die Woche, die war

Uli Hoeneß, unfassbar unsachlich

 

Der beschämendste Post der Woche (zumindest im Sport) stammt von Uli Hoeneß. Nach dem 1:1 von Bayer Leverkusen gegen seinen FC Bayern wetterte der Ehrenpräsident, die Leistung des Schiedsrichters sei die „schlechteste gewesen, die es je in der Bundesliga gab“. Darauf antworte ich ähnlich sachlich: Uli Hoeneß hat endgültig den Verstand verloren. Wahrscheinlich hat er durch übermäßigen Verzehr seiner widerwärtigen Würschtl einige Gehirnwindungen verloren.
Was hatte sich also Christian Dingert zu Schulden kommen lassen, dass er diesen Furor gegen sich auslöste? Er wagte es, dass er zwei Bayern-Tore nach Handspiel annullierte. Beim einen war der Fall klar, weil ein Torschütze wie Tah dabei nie unmittelbar die Hand benutzen darf. Auch Kanes Einsatz vorm vermeintlichen 2:1 mit der Hand war zumindest grenzwertig. Außerdem wagte es Dingert nach Konsultation der Fernsehbilder, den Münchner Jackson für ein Brutalo-Foul vom Platz zu stellen. Kein Mensch bei Verstand (noch nicht mal Hoeneß selbst!) würde die Richtigkeit dieser Entscheidung anzweifeln.
Bleibt als „Fehler“ noch eine in der Tat zweifelhafte Gelb-Rote Karte, die Dingert Luis Diaz nach einer vermeintlichen Schwalbe zeigte. Der Schiri selbst befand nach dem Spiel und Ansicht der Fernsehbilder (die er während der Partie nicht nutzen durfte), dass diese Entscheidung „zu hart“ gewesen sei. Ein gutes Zeichen gegen die wieder unerträglich grassierende Fallsucht aller Fußball-Profis und -Amateure war es allemal.

Die Eskalation der üblen Stimme vom Tegernsee kam natürlich mit vollem Bedacht: Schiedsrichter, so die unverhohlene Drohung, haben ein sehr, sehr schweres Leben, wenn sie (auch nur im Zweifel) gegen den FC Bayern pfeifen. Übersetzter Klartext:: „Pfeift im Zweifel für uns, und ich lasse Euch in Ruhe! Wenn nicht, gibt es extremen Ärger!“ Samt dem unfassbaren Ärger doch die zahllosen Bayern-Fans, wie die Kommentare zu den meist sachlichen Spielberichten zeigten.
Schade, dass der DFB zwar Schiedsrichtet Dingert für seine Entscheidungen zwar weitgehend in Schutz nahm, auf Angriffe gegen den unsachlichen Ekel-Brüller vom Tegernsee verzichtete.

Sogar die den Bayern und insbesondere Uli Hoeneß ergebene „Bild“ fand mit übrigens die SR-Leistung alles andere als „die schlechteste aller Zeiten“ und vergab die Note „3“. Krawalliger da schon das ehemalige Fachmagazin „Kicker“ (Note „5“. „Eine unangemessene Spielleitung“ bescheinigten die Kicker-Männer (im Fußball immer noch ein reiner Männer-Club, ein trauriges Kapitel für sich) und unterschlugen dabei, dass die Bayern-Profis gegen wirklich jede Entschedung gegen sie lautstark reklamierten und auch deshalb diese hektik aufkam. Nicht nur der Kapitän Kimmich meckerte und motzte, sondern vor allem auch Kane und Stanisic. Meines Erachtes war der größte Fehler von Dingert, dass er gegen diese Maulhelden nicht mit Gelben Karten vorging.

In der ganzen Schiri-Keilerei ging unter, dass Bayer gegen Bayern ein äußerst unterhaltsames Fußballspiel war. Mit einem höchst unwahrscheinlichen Helden, denn es war letztlich Bayerns nominell dritter Torwart Sven Ulreich, der mit feinen Paraden trotz 9:11-Unterzahl das Remis feshielt. Tragisch, dass der Ersatz-Ersatzmann sich einen Muskelbündelriss zuzog und nun 6 Wochen fehlt. Im spiel stand ihm auch das Glück zur Seite, denn dass Jonas Hofmann bei seinem vemeitlichen Siegtreffer in der Nachspielzeit im Abseits stand, war durch Standbild und angeblich kalibrierter bestenfalls zu erahnen. Proteste der Leverkusener? Fehlanzeige. Obwohl Bayer die verlorenen Punkte im Kampf um Champions-League-Plätze sehr viel mehr schmerzen als den Münchnern, die immer noch souverän die Tabelle anführen mit 9 Punkten auf Borussia Dortmund. Wozu also die Aufregung, frage ich noch mal fassungslos?

 

Ich schaue neidvoll nach Italien

 

Nicht wegen ihrer Fußballer, Gott bewahre! Aber Italia trumpft in zwei Sprtarten auf, die ich sehr gerne mag und in denen Deutschland noch nicht einmal eine Nebenrolle spielt, geschweige denn eine oscar-würdige. Ich rede von Baseball und Rugby, in denen Spieler aus Bella Italia mehr als bella figura machen und machten.

 

Italien im Baseball-WM-Halbfinale

 

Als ich das Ergebnis aus der Vorrunde las, konnte ich es kaum glauben: USA – Italien 6:8. Es verlor also die Baseball-Nation Nummer 1, gespickt mit zwei Dutzend topdotierter MLB-Stars gegen ein Land, das ich bisher überhaupt nicht mir diesem schönen Sport in Vebindung gebracht habe. Natürlich auch wegen meine Ignoranz, denn zumindest Pasquantino von den Kansas City Royals ist mir durchaus ein Begriff. Nur hätte ich ihn trotz des namens nie mit Italien in Verbindung gebracht. Noch einige Spieler mehr sind bei MLB-Clubs angestellt, aber sie sind mir nie in einer tragenden Rolle aufgefallen. Und diese No-name-Truppe besiegt die USA – einer der größgten und gleichzeitig schönsten Rätsel des Sports.
Dieser Triumph war keine Eintagsfliege. Nicht nur gelang den Azzurri der Gruppensieg in der Vorrunde, sie bezwangen auch im Viertelfinale Puerto Rico und treffen heute Nacht auf Venezuela. Höchstwahrscheinlich wird gegen diese Baseball-Nation der Siegeslauf ein Ende finden, aber das tut dem Erfolg nicht den geringsten Abbruch. Als Deutscher, der die zig teils grotesken Fehlversuche eines Aufbaus eines heimischen Nationalteams nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis nimmt, bleibt da nur der allerhöchste Respekt. In Italien wissen Menschen offenbar zumindest im Baseball, was sie tun.

Italien 4. bei den Six Nations

Das gilt fast noch mehr im Rugby. Im traditionellen Turnier der sechs besten europäischen Teams schafften die Azzurri einen vor Jahren noch für unmöglich gehaltenen vierten Platz – vor den ausgemachten Rugby-Nationen England und Wales. Erstmals konnten sie dabei den Ex-Weltmeister England bezwingen, außerdem gelang ein Heimerfolg gegen Schottland (und so blieb man im jeweils nahezu ausverkauften Römer Olympiastadion diese Saison tatsächlich unbesiegt). Die Italiener lieben ihre Rugbyspieler, die ihr Geld auch in lukrativen Profiligen wie Frankreich und England verdienen.

Das europäische Topturnier verlief so spannend wie noch nie. Erst mit einem Straftritt nach Ablauf der 80 Minuten sicherte sich im allerletzten Spiel Frankreich den spektakulären 48:46-Sieg gegen England und die erforderlichen Punkte, um Irland noch von der Tabellenspitze zu verdrängen.

 

Und sonst? (wirklich nur das Wichtigste)

 

 

  • Tennis: Masters-Siege für Aryna Sabalenka und Jannik Sinner. In Indian Wells gewann die Weißrussin ein spektakuläres und hochklassiges Finale gegen Lena Rybakina und revanchierte sich für die Niederlage im Endspiel de Australian Open. Dabe vergab Rybakina im Tiebreak des entscheidnden Satzes einen Matchball.
    Sinner bezwang im Endspielden Russen Daniil Medwedew mit 7:6, 7:6. Medwedew seinerseits, der ein grauenhaftes Jahr 2025 hinter sich hat, bestätigte seinen klaren Formanstieg mit einem beeindruckenden Halbfinal-Erfolg über den Weltranglistenerersten Carlos Alcáraz, der die erste Niederlage des jahres kassierte..
  • Ski alpin: Emma Aicher gibt im Kampf um den Gesamtweltcup nicht auf: Die 22-Jährige fuhr in Are als Vierte im Riesenslalom und Zweite im Slalom jeweils ihre besten Disziplin-Ergebnisse ein. Dabei genoss die in Schweden aufgewachsene Aicher sichtlich ihren Heimvorteil. Was für ein Glück für den Deutschen Skiverband, dass sie sich im Alter von 16 jahren entschied, dass sie für das Heimatland ihrer Mutter fahren will.
    Den Slalom gewann, natürlich, Mikaela Shiffrin. Die Amerikanerin führt jetzt mit 140 Punkten vor der Deutschen. Jeweils ein Wettbewerb pro Disziplin findet ab nächsten Samstag beim Saisonfinale in Lillehammer noch statt. Aufholjagd ist sicher möclich, letztlich aber unwahrscheinlich.
    Einen schönen Erfolg feierte die Österreicherin Julia Scheib. Sie gewann nicht nur den Riesenslalom in Are, sondern holte sich auch die Disziplin-Wertung. Kaum zu glauben: Es ist der erste Riesenslalom-Weltcup für die Skination Austria seit 10 Jahren. Schweib wiederum entschädigte sich für das entäuschende Olympia-Rennen, als sie als klare Favoritin ohne Medaille blieb.
  • Golf: Wie Indian Wells im Tennis gilt The Players in Ponte Vedra bei den Golfprofis als fünftes Major-Turnier. Spannender hätte das Ende kaum sein können, als die schlaggleichen Führenden Camron Young (USA) und Matthew Fitzpatrick (England) im gleichen Flight auf die letzte Bahn gingen. Am Ende hatte Young im äußerst fair geführten Duell (trotz Ryder-Cup-Vibes bei den Zuschauern) die Nase um einen Schlag vorn. Ein Desaster auf der Schlussrunde erlitt der junge Schwede Ludvig Aberg, de mit einer desaströsen 76er-Runde von Platz 1 auf Rang 5 zurückfiel.

Das wird die Woche, die wird

Das erste Rad-Monument, Rückspiele im Europapokal und vielleicht doch endlich die letzten Zuckungen im Wintersport.

 

Engländer kämpfen gegen das kollektive Aus.

 

Mit sechs Teams stehen die Engländer im Achtelfinale. Wenn es ganz, ganz blöd läuft, scheitern alle sechs. Zumindest 4 Teams brauchen ein mehr oder weniger großes Wunder: Tottenham, Manchester City und Chelsea müssen jeweils einen 3-Tore-Rückstand aufholen gegen Atlético und Real Madrid sowie Titelverteidiger PSG. Newcastle bräuchte bei Barca einen Auswärtstriumph. Die noch beste Ausgangsposition hat der FC Arsenal nach dem am Ende glücklichen 1:1 im Hinspiel bei Bayer Leverkusen, während der FC Liverpool gegen Galatasaray in der Anfield Road ein 0:1 kompensieren muss. So wie die Reds gerade ihre Spiele verhühnern, ist das keineswegs ausgemachte Sache.
Völlig klar ist dagegen das Weiterkommen des FC Bayern nach dem beeindruckenden 6:1 bei Atalanta Bergamo. Interessant wird höchstens, wer bei den Münchnern im Tor steht, nachdem jetzt auch Sven Ulreich, der Ersatz des Ersatzes von Manuel Neuer ausfällt. Wenns blöd läuft und Jonas Urbig nach seine Gehirnerschütterung keine Spielerlaubnis erhält, muss (oder darf) tatsächlich der erst 16-jährige Leonard Prescott zwischen die Pfosten: Hochtalentiert ist er, wie man hjört und mit Gardemaß von 1,96 Metern ausgemustert.

Schließlich noch der Liebling aller Fußball-Romantiker. Bodö Glimt hat nach dem 3:0 zu Hause gegen Sporting beste Chancen, und außerhalb von Lissabon (hier auch bestenfalls die Hälfte der Stadt, die andere hält eh zu Benfica) drücken wohl alle den tapferen Norwegern mit dem Mini-Etat die Daumen.

Weitere deutsche Clubs im Europapokal

 

In der Europa League lief es für den SC Freiburg (0:1 in Genk) und den VfB Stuttgart (1:2 fgegen Porto) wahrlich nicht nach Plan. Nach der Nullnummer in Ostrau hat wenigstens Mainz in der Conference League realistische Chancen auf den Aufstieg.

 

Die Sehnsucht des Tadej Pogacar

 

Der Slowene hat im Radsport alles gewonnen, bis auf den Eintages-Klassiker Mailand – San Remo, bei dem immer etwas oder jemand dazwischenfunkte, zuletzt  in Person von Matthew van der Pool. Am Samstag steht also das erste sogenannte Monument des Jahres auf dem Programm, und wieder wird die Frage sein, wie es Pogacar angeht. Sein Klassiker-Rezept, 50 Kilometer vor dem Ziel sich auf Nimmerwiedersehen zu verabschieden, hat gerade bei der „Primavera“ ihre Tücken, wartet doch etwa 10 Kilometer vorm Ende der sagenumwobene Poggio (und danach nur noch die rassende Abfahrt ins Ziel). Andrerseits: Was hat der überragende Slowene schon zu verlieren? Denn auf die herkömmliche Art (Antritt erst am Poggio) kam er bisher nicht zum Triumph. Und seine Nemesis van der Poel ist ein ausgemachter Remo-Spezialist und prädestiniert für derlei Ankünfte.
Wie es aussieht, ist nur Eurosport2 live dabei, der Hauptsender ergeht sich im ewigen Wintersport. Apropos …

 

Kampf um die Weltcupkugel

 

Genau vor einer Woche habe ich Emma Aicher abgeschrieben im Kampf um den Gesamtweltcup. Außenseiterin ist die Deutsche im Duell mit der sagenhaften Mikaela Shiffrin immer noch, doch die Ausgangsposition vorm Saisonfinale in Lillehammer hat sich wieder leicht verbessert.
140 Punkte sind es noch Rückstand auf die Amerikanerin. In jeder der vier Disziplinen steht noch je ein Rennen aus. Während Shiffrin bisher wenn überhaupt nur zaghaft ein paar Super-Gs bestritten hat und die Abfahrten bisher komplett mied, kann Aicher hier zweimal voll Punkten. Wenn sie dann wirklich mit Vorsprung in die abschließenden Techniker-Wettbewerbe Slalom und Riesenslalom (Dienstag, Mittwoch in einer Woche) geht, kann alles passieren. Wie gesagt, nicht sehr wahrscheinlich, aber auch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Frei nach Franz Beckenbauer möchte man ihr zurufen: Geh raus und fahr runter! Das kann sie mit einer Lässigkeit wie keine andere.

 

Und sonst?

 

  • Baseball: Die World Classics gehen in die entscheidnde Phase. Die Halbfinali stehen in der Nacht zu Montag und Dienstag an. Jeweils in Miami treffen zunächst die USA auf die Dominikanische Republik, tags darauf ist Venezuela klarer Favorit gegen die sensationellen Italiener, die in der Vorrunde sogar die US Boys mit 8:6 besiegten.
    Gerade in der DomRep und Venezuela ist Baseball Nationalsport. Praktisch alle Spieler sind zum Teil extrem wichtige Profis in der MLB.
    Ein Träumchen wäre natürlich ein Finale USA gegen Venezuela in Miami. Praktisch vor der Haustür eines gewissen Donald Trumps. Der aber wohl kneifen würde, weil ein US-Triumph keineswegs feststeht.
  • Bundesliga: Hoffentlich verzieht sich der Pulverdampf nach den gerade von den Münchnern inszenierten Schiri-Drama. Die Bayern empfangen den 1. FC Union, ein Sieg ist fest eingeplant.
    Extraspannung im Abstiegskampf und hier vor allem in Wolfsburg. Der heimische VfL (17.) trifft auf Werder Bremen, das mit 4 Punkten Vorsprung auf Rang 15 liegt.
  • Tennis: Teil 2 des Sunshine-Doubles oder: nach Indian Wells ist vor Miami. Wieder sind alle Top-Frauen und -Männer am Start. Titelverteidiger sind Aryna Sabalenka aus weißrussland und der Tscheche Jakub Mensik. Während Sabalenka erneut zu den Top-Favoritinnen gehört, läuft es für Mensik dieses jahr noch überhaupt nicht.
  • Basketball: Mit der Niederlage in letzter Sekunde gegen Efes haben sich die eh kleinen Chancen des FC Bayern aauf die K.-o.-Runde weiter verringert. Diesen Donnerstag empfängt der Meister das Team aus Dubai. Ja Dubai gehört zu Basketball-Europa, die Petro-Dollar machen das möglich.
  • Eishockey: Die DEL-Hauptrunde ist absolviert, jetzt geht es mit der K.-o.-Phase erst richtig los. Zunächst allerdings ermitteln die Plätze 7 bis 10 in den Play-Ins die zwei restlichen Play-off-Teilnehmer. In Best-of-3-Serien treffen ab Dienstag die Fischtown Bremerhaven und Nürnberg Ice Tigers sowie Grizzlys Wolfsburg und Schwenningen Wild Wings aufeinander. Die Top 6 jaben eine Woche Pause.
  • Leichtathletik: Der Höhepunkt der Hallensaison mit der WM im polnischen Turun. 3 Tage volles Programm. Prominenteste Starterin der 13 deutschen StarterInnen ist Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye. Der Olympia-100-m-Zweite Kinshane Thompson führt eine Garde sehr starker jamaikanischer Sprinter an.

Habermas war ein Handball-Fan

Der große und so bedeutende Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas ist am gestrigen Samstag im Alter von 96 Jahren gestorben. Ich hatte das Vergnügen und die Ehre, diesen tollen Menschen in den 80er-Jahren anlässlich einer Geburtstagsfeier meines Vaters kennenzulernen.
Da ich wusste, dass Jürgen Habermas in Gummersbach aufgewachsen ist und lange Zeit dort gelebt hat, sprach ich ihn als Sitznachbar bei Wein und Krautwickeln (oder waren es Maultaschen?) auf den hiesigen Handball-Club VfL Gummersbach an (was man halt so redet mit dem größten deutschen Philosophen der damaligen Zeit). Der VfL war zu dieser Zeit das absolute Um und Auf im deutschen und auch europäischen Vereinshandball. Zu meiner hellen Freude erwies sich Habermas als Freund des Handballs (wie konnte es auch anders sein, wenn er in dieser Handball-Stadt aufgewachsen war?, dachte ich wohl großspurig-naiv), und wir fachsimpelten einige Zeit über den VfL und dem damaligen bayerischen Erzrivalen TV Großwallstadt. Er wusste sehr gut Bescheid über die damaligen Stars Heiner Brand (VfL) und Knut Klühspies (TVG), und am Ende wetteten wir sogar, wer denn am Saisonende Meister werden würde.
Das war im Dezember (höchstwahrscheinlich 1982, wie meine jetzige Nach-Recherche ergab), und im folgenden Mai stand tatsächlich fest, dass Gummersbach sich den Titel geholt hat. Um was wir gewettet haben, weiß ich nicht mehr, aber zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich meine Wettschuld nie eingelöst habe. Das will ich nachholen, und so werde ich dem VfL Gummersbach in memoriam ihres berühmten Fans Jürgen Habermas eine Spende zukommen lassen.

Das wird die Woche, die wird

Europapokal-Achtelfinale, Formel 1 in China und letzte Zuckungen im Wintersport

 

Schafft Bayer eine Sensation?

 

In der Zwischenrunde der Champions League hat sich Bayer Leverkusen mehr schlecht als recht gegen Olympiakos Piräus durchgesetzt, jetzt wartet ein vermeintlich übermächtiger Gegner: Der FC Arsenal hat nicht nur die Gruppenphase ohne Punktverlust überstanden, die Londoner führen auch die Premier League an. Und doch gibt es viel Kritik an den Gunners, weil sie angeblich extrem unattraktiv agieren und allein von ihren fantastischen Eckbällen profitieren. Da mag auch Neid mitspielen, aber tatsächlich finde auch ich die Partien mit dem FC Arsenal meist recht unansehnlich; wie überhaupt die Premier League diese Saison viel an spielerischen Glanz verloren hat.
Bayer ist klarer Außenseiter, zumal die Werkself dieses Jahr auch in der Bundesliga noch ihre Form suchen und um eine erneute Qualifikation für die Königsklasse kämpfen muss.

Derlei Sorgen hat der FC Bayern nicht – im Gegenteil, die Meisterschaft scheint für die Münchner bereits fix zu sein. Also gilt die ganze Konzentration der Champions League. Wozu Atalanta Bergamo in der Lage ist, davon wissen die Dortmunder ein traurig Lied zu singen, als der BVB nach de 2:0-Hinspiel-Erfolg in Norditalien mit 1:4 untergingen. Ob den Bergamasken auch gegen die Bayern ein solcher Coup gelingt, das wage ich zu bezweifeln, obwohl (oder weil?) nicht Manuel Neuer, sondern Jonas Urbig zwischen en Pfosten steht. Der ehemalige Kölner macht seine Sache als Ersatz für den ehemaligen Welttorhüter (Betonung: ehemaliger!) ausgezeichnet. Schon im vergangenen Jahr zeigte er  im Champions-League-Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen eine tadellose Leistung.

Von den übrigen Spielen sticht die Auseinandersetzung Real Madrid gegen Manchester City heraus, eine Paarung, die wir gefühlt in jedem Jahr in einer K.-o.-Runde sehen. Ermittelt wird der potenzielle Bayern-Gegner fürs Viertelfinale, beide Teams zeigen zuletzt bestenfalls schwankende Leistungen. Als relativ klarer Favorit gelten dennoch die Cityzens von Trainer Pep Guardiola: Der ehemalige Barca-Coach ist so etwas wie ein Erzrivale der Madrilenen.

Insgesamt 6 englische Teams haben das Achtelfinale erreicht. So viel zum Thema internationaler Wettbewerb

Champions League, Achtelfinale Hinspiele

Di., 18:45: Galatasaray – FC Liverpool
Di., 21:00: Atalanta – FC Bayern
Di., 21:00: Atlético – Tottenham
Di., 21:00: Newcastle – FC Barcelona
Mi., 18:45: Leverkusen – FC Arsenal
Mi., 21:00: Real Madrid – Manchester City
Mi., 21:00: PSG – FC Chelsea
Mi., 21:00: Bodö Glimt – Sporting Lissabon

 

Jeweils am Donnerstag finden auch die Achtelfinal-Hinspiele in der Europa und Conference League statt. 3 deutsche Teams sind noch im Einsatz. Der VfB Stuttgart empfängt in der EL den FC Porto (18:45). Auch wenn die Portugiesen längst nicht mehr den Glanz vergangener Jahre verströmen, eine durchaus knifflige Aufgabe für die Schwaben. Der SC Freiburg bekommt es mit dem belgischen Vertreter KRC Genk zu tun (21:00).

In der Conference League schließlich muss der FSV Mainz 05 zum tschechischen Club Sigma Olmütz. Klingt machbar, fordert trotzdem physische und psychische Kräfte, die den Rheinhessen vielleicht im Abstiegskampf abgehen.

 

Oslo ruft zu den Holmenkollen-Spielen

 

Das Geschehen rund um die altehrwürdige Schanze gehört immer noch zu den Höhepunkten einer jeden Saison. Das gilt für die komplette Elite der Langläufer, Kombinierer und Skispringer, die sich ein Stelldichein geben. Ein Triumph dort und die persönliche Ehrbezeugung des Königs (der trotz der familiären Turbulenzen live vor Ort sein wird) – das ist fast so viel wert wie ein Olympiasieg.
Für die Kombiniererinnen und Kombinierer sind die Wettbwerbe gleichzeitig auch das Saisonfinale. Als klar Führende gehen die Norwegerin Ida Marie Hagen und der Österreicher Johannes Lamparter in die letzten Wettbewerbe.
Normalerweise sind die Skispung-Wettbwerbe in Oslo Bestandteil der Raw Air, der Serie im Norden. Diese entfällt dieses Jahr allerdings wegen Olympia und dem dicht gedrängten Programm. Als Weltcup-Gesamtsieger steht Domen Prevc schon fest, ein Sieg am Holmenkollen schmückt aber jedermanns Erfolgsliste gewaltig.

 

Königsklasse in China

 

Die große Frage lautet: Bestätigt sich der Formel-1-Auftakt in Melbourne, als die Mercedesse von George Russell und Kimi Antonelli die Konkurrenz recht klar distanzierten? In der kurzen Zeit zwsichen den Rennen war es natürlich unmöglich, große Veränderungen an den Fahrzeugen vorzunehmen. Das neue Reglement und die total neuen Autos hinterließen einen gemischten Eindruck. Vor allem der vierfache Weltmeister Max Verstappen erneuerte seine Kritik und schimpfte, er sei sich vorgekommen wie beim Mario Cart. Für ein abschließendes Urteil ist es noch zu früh, aber: Ich persönlich will einen Rennfahrer sehen, de alles aus dem Auto herausholt und nicht einen, der Energie-Management betreibt und schonend vom Gas, wie es die Hybrid-Wagen erfordern. Mal sehen, wie sich das Ganze entwickelt.
Weils so schön ist, gibt es in Schanghai auch schon den ersten Sprint (Samstag, 04:00), der eigentliche Grand Prix findet dann am Sonntag um 8 Uhr unserer Zeit statt.

 

Und sonst?

 

  • Bundesliga: Im Blickpunkt steht der Abstiegskampf, in den die halbe Liga noch verwickelt ist – mit mehr (Wolfsburg, St. Pauli, Mainz) und weniger (HSV, 1. FC Union) großen Sorgen. So lautet das Topspiel des Tages das Duell der Aufsteiger HSV gegen Köln (Sa., 18:30) und nicht das Duell der Meister 24 und 25 zwischen Bayer und Bayern (Sa., 15:30). Der VfL Wolfsburg mit dem neuen Trainer Dieter hecking muss zum Champions-League Aspiranten 1899 Hoffenheim (Sa., 15:30), da können die VW-Städter nur positiv überraschen.
  • Tennis: Das Masters in Indian Wells geht in die entscheidende Phase. Am Wochenende stehen dann schon die Finali bei den Frauen (Samstag) und Männern (Sonntag) an. Bisher haben sich die FavoritInnen keine Blöße gegeben (Stand: Montagabend), wenn ich vom verletzungsbedingten Ausscheiden von Coco Gauff mal absehe.
  • Eishockey: Mit zwei Spieltagen am Freitag und Sonntag wird die Vorrunde der DEL abgeschlossen. Große Spannung sehe ich nicht mehr, allenfalls das Fernduell um Platz 2 zwischen den Straubing Tigers und den Mannheim Adler. Klar auf Platz 1 sind die Köner Haie mit sagenhaften 12 Punkten Vorsprung auf Straubing. Als Absteiger stehen schon länger die Dresdner Eislöwen fest. Die Sachsen können allenfalls noch darauf hoffen, dass der Zweitliga-Meister kein Aufstiegsrecht hat. Das allerdings wird sich erst im April geklärt haben.
  • Basketball: Eine äußerst stimmungsvolle Partie wartet auf den FC Bayern. Am Donnerstag empfangen die Münchner in der Euroleague den türkischen Spitzenclub Anadolu Efes – samt stimmgewaltigen Anhang im SAP Garden. Mit Svitislav Pesic haben sich die Bayern konsolidiert, der Weg zumindest in die Play-Ins scheint aber fast aussichtslos.
  • Wintersport: Für die Frauen stehen nach 2 Speed-Wochenenden wieder technische Wettbewerbe an. In Are gibt es am Samstag einen Riesenslalom und am Sonntag einen Slalom. Wenn Emma Aicher überhaupt  Hoffnungen auf den Weltcup hat, dann müsste sie einerseits im Slalom sehr vorne landen und andererseits auf einen Slalom-Ausfall von Mikaela Shiffrin hoffen (was Emma natürlich nicht macht und Mikaela natürlich auch nicht passiert).
    Die Männer bestreiten in Courchevel zwei Super-Gs (Freitag und Sonntag) sowie eine Abfahrt (Samstag). Marco Odermatt kann den eh schon sicheren Weltcup-Gesamtsieg auch rechnerisch festzurren.
  • Motorsport: Die Kenya Rallye war früher ein echtes Abenteuer, wo die Fahrer nicht nur in der Wüste um Sekunden kämpften, sondern jederzeit damit rechnen mussten, dass die dortigen Bewohner auftauchten (ein Zusammenstoß mit einem Löwen oder Elefanten ist wenig ersprießlich für alle Beteiligten). Das Ganze wird seit Längerem zwar entschärft mit abgesteckten Strecken, ist aber immer noch eine herausforderung für Mensch und Maschine. Nach 2 WM-Läufen in Monte Carlo und Schweden führt der Brite Elfyn Evans (60 Punkte) vor Oliver Solberg aus Schweden (47), ja Schweden und nicht Norwegen wie Papa Petter Solberg.

Es ist zum Verzweifeln: noch mehr VAR-Irrsinn

Um es vorwegzunehmen. Ich war immer ein klarer Verfechter des VAR, also Video Assistant Referee, der am Bildschirm die schlimmsten Fehler der Schiedrichter auf dem Feld korrigieren würde. Also keine Phantomtore hier, nicht gepfiffene Schwalben dort. an Deutlichkeit nicht zu übersehen heißt es: Nur klare Fehlentscheidungen können überprüft werden.

Meine Freude darob wird auch nach sieben Jahren Woche für Woche auf eine harte Probe gestellt. Weil die Schiedsrichter im Kölner Keller (noch: Bundesliga) und sonstwo vor ihren Bildschirmen für ständigen Unmut sorgen. Sie greifen mE viel zu oft ein (gefühlt: immer, wenn irgendetwas vermeintlich nicht passt) und oft auch falsch. ihre Entscheidungen sind nicht stringent und auch losgelöst von der Spielleitung (streng oder locker?). Millimeter-Abseits (wo ist das schöne im Zweifel für den Angreifer geblieben?) per kalibrierter Linie (die trotz Halbautomatik nicht die allein seligmachende Wahrheit ist) und die immer konfusere Handspiel-Auslegung (ich versuche gar nicht erst, sie zu verstehen) tun ihr Übriges. Die Überprüfung dauert ewig (warum kein Zeitlmit? Wenn nach 2 oder meinetwegen Minuten kein fehle feststellbar, bleibts bei der ursprünglichen Entscheidung). Niemand traut sich mehr zu jubeln, weil der Torpfiff allenfalls ein vorläufiger ist.

Immerhin ein Gutes hatte das Ganze bisher: die Eingriffe durften nur bei 3 speziellen Situationen (vereinfacht: Tor, Elfmeter, Rote Karte) erfolgen. Wer die FIFA und ihre irrlichternden Entscheider (es sind tatsächlich ausschließlich Männer) kennt und fürchtet, ahnte, dass es dabei nicht bleiben würde. Und tatsächlich: In der vergangeen Woche trat das IFAB (das Regelkomitee der FIFA, mehr siehe unten) zusammen und gebar den nächsten Blödsinn, ich kann es leider nicht anders sagen. Künftig wird der VAR auch Eckbälle überprüfen. Angeblich soll das ganz schnell gehen, also kaum länger, als es ohnehin dauert, bis der Ball wieder im Spiel ist. Auf dem ersten Blick mag es tatsächlich einfach erscheinen, ob der Verteidiger oder Stürmer zuletzt am Ball gewesen ist. Das Gegenteil sehen wir bei jedem NBA-Spiel. Dort dürfen nämlich die Trainer eine solche Aus-Entscheidung mittels Challenge anfechten. Dann sehen wir in Super-Zeitlupe einen zwischen Spieler A und Spieler B hin und her flippernden Ball und erkennen auch viel: die toll definierten Arme, die breiten Schultern und/oder die riesigen Hände der Kombatanten. Was wir meist auf keinen Fall sicher erkennen: Wer denn jetzt zuletzt am Ball war? Nicht anders wird es im Fußball sein: die wirklich strittigen Fälle wird auch der VAR nicht lösen können (aber er wird notgedrungen so tun). Der ehemalige deutsche Top-Schiedsrichter Felix Brych hatte das bewährte Mittel: Im Zweifel gibt es Abstoß. Denn ein zu Unrecht nicht gegebener Eckball (also Abstoß) wird nie so viel Ärger machen wie ein zu Unrecht gegebener Eckball, der unmittelbar zu einem Tor führen kann (wie wir grade allzuoft sehen). Und was ist mit etwaigen Regelverstößen vorm Eckball? Wie weit soll „zurückgespult“ werden? Wird dann ein nicht gegebenes Foul gepfiffen? Alles völlig unklar, wie das gehandhabt werden soll. Es ist typisch für die von Kriminellen geführte FIFA, ein eh schon komplett verfahrenes Ding wie den VAR noch komplizierter und langwieriger zu machen.

Auch die anderen Regeländerungen sind beim näheren Betrachten alles andere als zielführend.

  • So darf der VAR jetzt auch bei einer 2. Gelben Karte für den Spieler X einschreiten, die ja eine Gelb-Rote Karte und damit den Ausschluss zur Folge hat. In der Therorie muss der VAR also bei jedem Foul (eigentlich ja: Zweikampf)  eines Gelb-belasteten Spielers prüfen, ob ein Foul erneut Gelb-würdig war (das ist zumindest die letzte Konsequenz). In der Praxis soll er wohl nur einschreiten, ob eine zweite Gelbe Karte zurecht gezogen wurde (wenn ichs halbwegs richtig verstanden habe). Weiter völlig außen vor bleibt dabei, ob denn die erste Gelbe Karte, auch weiterhin nicht überprüfbar, zu Recht oder zu Unrecht gezogen wurde (wobei dieses in vielen Fällen auch eine reine Ermessensentscheidung des Schiris ist). Ich bin wirklich gespannt, wie das umgesetzt wird.
  • Um das Zeitspiel einzugrenzen, soll der Ball wieder schneller im Spiel sein, das wäre tatsächlich toll. Mit der Folge, dass künftig auch bei Einwürfen und Abstößen die 8-Sekunden-Regel gelten soll. Werden diese überschritten, soll das Recht am Ball wechseln (Einwurf der anderen Mannschaft, Ecke Team B statt Abstoß Team A). Klingt gut, aber dem Schiedsrichter obliegt jeweils die Aufgabe, die letzten 5 Sekunden per Finger anzuzeigen (zurückzählt). Also eine weitere Pflicht, obwohl die Schiris jetzt schon mit dem immer schnelleren Spiel überfordert scheinen (ich sags sehr, sehr freundlich).
    Es gäbe ja eine ganz einfache, zugegebenermaßen revolutionäre, Möglichkeit, das Zeitspiel zumindest folgenlos zu machen: die effektive Spielzeit (2x 30 oder 2x 35 Minuten). Entweder wie im Basketball bei jeder Unterbrechung oder wie im Handball bei längeren Pausen (etwa nach Verletzungen, bei Auswechslungen) auf Zeichen des Schiris (das berühmte „T“). Die effektive Spielzeit hätte den höchst erfreulichen Nebeneffekt, dass die Nachspielzeit wegfiele (und hier die Nachspielzeit der Nachspielzeit). Fußball ist weiterhin die einzige Sportart, wo es allein im Ermessen des Schiris liegt, wann wirklich Schluss ist (den Sonderfall Rugby und „letzter Angriff“ lasse ich jetzt außen vor). Das wiederum ist der Urquell von sehr vielem und sehr großem Unmut Woche für Woche.

All diese Änderungen treten ab Juni 2026 in Kraft. Die WM-Spiele 2026 ab 8. Juni sind also der erste Versuchsballon, ob und wie diese gehandhabt werden, es bleibt also null Zeit fürs Justieren, und die möglichen Problemfelder der Änderungen habe ich ja aufgezählt. Die Kombattanten des wichtigsten Turniers eines 4-Jahres-Zeitraum sind also die Versuchskaninchen, ob es klappt. „Interessant“ ist noch das freundlichste Wort, das mir dazu einfällt.

 

IFAB – ein beonderer  Fall für sich

Steht für International Football Association Board: also das internationale Gremium, das  sämtliche Regeländerungen berät und beschließt. Einmal im Jahr (Ende Februar/Anfang März) kommen die Vertreter für ein Wochenende meist in einem schicken Resort auf einer britischen Insel zusammen.
Das entscheidende Gremium besteht immer aus acht Männern (Frauen sind nicht per se ausgeschlossen, es war aber noch nie eine dabei). Gleich 4 Vertreter kommen aus Großbritannien, seit jeher je einer aus England, Schottland, Wales und Irland. Weil die Briten als Mutterland des Fußball gelten und die Grundregeln aufgestellt haben im späten 19. Jahrhundert, soll nichts über ihren Kopf entscheiden werden. Klang schon immer etwas schräg, wird umso schräger, weil die Briten im Weltfußballs schon längst die Herrschaft abgegeben haben. Aber da sieht sich die FIFA plötzlich der Tradition verpflichtet, die sie sonst so gerne mit Füßen tritt (sic). Die anderen vier Mitglieder stellt die FIFA, der Präsident (zurzeit also Gianni Infantino einer von ihnen). Um eine Regeländerung durchzusetzen bedarf es sechs Stimmen. Eine Besonderheit gibt es außerdem noch. Die 4 FIFA-Mitglieder müssen en bloc abstimmen, also mit einer Stimme sprechen, die Briten dürfen splitten.

Die Besonderheit der Zusammensetzung ist natürlich komplett antiquiert. Sie hat allerdings den unbestreitbaren Vorteil, dass Modetrends sich eben nicht sofort in veränderten Regeln wiederfinden.

Natürlich handeln diese 8 Herrschaften nicht im luftleeren Raum. Es gibt eine Unzahl von Beratern (ehemalige Spieler und Trainer). Oft gibt es tatsächlich Versuchsanordnung in einer (nicht zu wichtigen) Liga, in der auch unterschiedliche Ansätze der Regelauslegung ausprobiert werden.