von Münchner Löwe | Aug. 19, 2024 | Allgemein, Wochenvorschau
Endlich Bundesliga
Wenn ich ehrlich bin: Meine Vorfreude hält sich noch in argen Grenzen, und der Pokal hat wenig Appetit gemacht. Dennoch werde ich och eine gesonderte Vorschau vesuchen am Donnerstag und/oder Freitag.
Während der Woche steigt in den europläischen Wettbewerben jeweils die letzte Qualifikationsrunde. Dabei spielt in der CL unter anderem Red Bull (offiziell: FC) Salzburg vs Dynamo Kiew. Deutsche Beteiligung gibt es nur in der Conference League, wo der 1. FC Heidenheim am Donnerstag bei BK Häkken (Schweden) antritt. Die Rückspiele sind jeweils eine Woche später.
Endspiele in Cincinatti
Ausnahmsweise ganz regulär (wg Olympia-Nachwehen) an einem Montag, also heute. Zunächst spielt Jessica Pegula gegen Aryna Sabalenka (21.00), danach Jannik Sinner vs Francis Tiafoe. Zweimal also USA gegen Europa, wenn man so will
Außerdem beginnt heute die Quali für die US Open. Dominic Thiem bleibt diese erspart, er bekommt als ehemaliger Champion eine Wildcard.
Schließlich noch Tennisturniere in Winston Salem (Männer sowie Monterrey und Cleveland (Frauen). Die Topspieler bereiten sich schon vor Ort in Flushing Meadows vor. Die Auslosung ist am Freitag.
Und sonst
- Die Vuelta kommt ins Laufen und ist mittlerweile in Spanien angekommen. Erstmals warten auch hügelige und bergige Etappen auf die Fahrer.
- Formel 1 ist zurück: Der WM-führende Max Verstappen hat auf dem Dünenkurs in Zandvoort ein echtes Heimspiel (die Holländer folgen ihn zumindest in Europa überall hin. Zuletzt waren die Rennen sehr spannend. Mal sehen, wer die Sommerpause am besten übestanden hat.
- Das 2. Turnier der Fedex-Ausscheidung steht an bei den BMW Championships ab Donnerstag. 50 Profis sind noch dabei, reduziert wird auf 30. Und es geht beim Turnier selbst um 20 Millionen Dollar.
- Diamond League in Polen: Am Sonntag steigt die erste echte Olympia-Revanche. So ist unter anderem Mondo Duplantis am Start. Aber es gibt auch reizvolle Duelle wie das das in Paris angeschlagenen Hochsprung-Europameister Gianmarco Tamberi vs Olympiasieger Hamish Kerr.
von Münchner Löwe | Aug. 19, 2024 | Allgemein, Wochenrückschau
Der Fußball hat uns wieder voll im Griff. Ansonsten pflegen fast alle Sommersportarten eine kleine Olympia-Pause – außer Beachvolleyball und Tennis
Bayer macht Bayer-Dinge
Nämlich späte Tore zum Ausgleich schießen. Und Patrik Schick ist ein Spezialist dafür. Am Samstag traf er in einem höchst unterhaltsamen Super-Cup-Spiel in der BayArena für die Leverkusener. Sowohl Bayer als auch der VfB scheinen für die am Freitag beginnende 62. Bundesliga-Saison gerüstet. Levekusen siegte letztlich im Elferschießen, eine Verlängerung blieb den Teams erspart und den Zuschauern verwehrt. Große Freude über den Titel.
Lahmer Pokal
Die 1. Runde in Deutschland verlief ohne große Überraschungen. Allenfalls bemerkenswert: Die beiden Überraschungs-Halbfinalisten der vergangenen Saison, 1. FC Saarbrücken und Fortuna Düsseldorf sind schon raus. Einen Bundesligisten hat es vor den verbleibendne 4 Partien heute doch erwischt: Der VfL Bochum unterlag beim Zweitliga-Aufsteiger Jahn Regensburg. Das mit großem Bohei angekündigte Groenemeyer-Pokal-Sponsoring am Ärmel hat sich damit schon erledigt. Die Laune ist entsprechend prächtig, genau wie in Hannover, wo der Manager gleich mal Mannschaft und Trainer einen Einlauf gab.
City souverän
Auch der Start verlief ziemlich nach Plan. Die Großen 3 City, Liverpool und Arsenal vebuchten 2:0-Arbeitssiege. Klasse ist da, aber noch reichlich versteckt. Einen Audtakt nach Maß feierte bei Brighton an Hove Albion. Die Südengländer siegten gleich 3:0 beim FC Everton und sind erster Tabellenführer.
Zverev scheitert ganz knapp
Beim Masters in Cincinatti war im Halbfinale Schluss. Jannik Sinner hatte im Tiebreak des 3. Satzes das bessere Ende für sich und trifft heute Abend auf Francis Tiafoe, der Holger Rune im Semifinale eliminierte. Zverev hatte seine Chancen, aber das zieht sich schon das ganze Jahr dahin. Immer fehlt ein Itzerl zum Turniersieg. Dabei ist Sinner, wie so viele andere, Top-ten-Spieler, von seiner besten Form zu Beginn der Siaon etwas entfernt.
Bei den Frauen meldete sich Aryna Sabalenka zurück. Sie bezwang in Cinci Iga Swiatek mit 6:3, 6:3. Dabei nervelte die Weißrussin, denn sie vergab gleich 9 Matchbälle, und viel hätte nicht gefehlt und Swiatek hätte die Partie noch vollends gedreht. Auch die Frauen spielen das Finale erst am Montag – Olympia und seine Nachwehen. Sabalenka bekommt es mit Jessica Pegula zu tun, die vor einer Woche das Turnier in Toronto gewann.
Wieder Finale, wieder verloren
Das deutsche Beachpaar Ehlers/Wickler bestätigte bei der EM in Holland seine Glanzform. Wie bei Olympia kamen sie in Endspiel, dort allerdings fanden sie erneut ihre Meister. Die Letten Plavins/Fokerots triumphierten in 3 Sätzen, der entscheidende fast demütigend mit 15:5 an das Paar.
Noch besser machten es die deutschen Frauen: Cilja Tillmann/Svenja Müller wurden Europameisterinnen durch ein 2:0 im Finale gegen die Italienerinnen Gottardi/Mennegatti.
Spannendes Tour-Finale
Die der Frauen, versteht sich: Am Ende trennten die Polin Katarzyna Niewiadoma und die zweitplatzierte Vorjahressiegerin Demi Vollering aus Holland gerade mal 4 Sekunden. Die Entscheidung fiel tatsächlich auf den letzten Metern des Anstiegs nach Alpe d´Huez. Vollering hatte eine Attacke gestartet hatte schon das virtuelle Gelbe Trikot, aber die Polin kämpfte sich eindrucksvoll zurück und rettete den hauchdünnen Vorsprung.
Und sonst
- Wout van Aert vorn: Der Belgier erhielt als Zweiter der 2. Vuelta-Etappe 6 Sekunden Zeitgutschrift, die ihn in Leadertrikot hievten. McNulty aus Australien hatte den Prolog in Lissabon für sich entschieden..
- Hideki Matsuyama brilliert: Beim 1. Fedex-Play-off siegte der Japaner mit 2 Schlägen Vorsprung auf Victor Hovland und Xander Schauffele. Einen hohen Vorsprung hatte de Golfprofi in der Schlussrunde abgegeben, mit zwei brillanten Birdies auf den letzten beiden Löchern sicherte sich der Olympia-Dritte den 10 Sieg auf der PGA-Tour.
von Münchner Löwe | Aug. 17, 2024 | Allgemein, MLB
Etwa 120 Spiele haben die Teams jetzt absolviert, 40 stehen also noch aus. Einige Teams können sicher für Play-offs repektive Wild Card planen, einige sind noch voll in der Verlosung, und für manche heißt es jetzt nur noch, das Jahr einigermaßen zu Ende zu bringen. Ein kleiner Überblick, wie es so steht vorm letzten Fünftel der Saison. Wenn ich von „sicher“ schreibe, dann ist das noch nicht mathematisch fix, aber sehr wahrscheinlich bei all den Unwägbarkeiten.
AMERICAN LEAGUE
Eastern
Weiter ein heißer Zweikampf zwischen den New York Rangers und den Baltimore Orioles um Rang 1, zZ führen die Yankees mit einem Spiel. Dieser dürfte fast sicher einen der zwei Freilose der Conference League in der 1. Play-off-Runde bedeuten. Platz 2 hätte einen sicheren Wild-Card-Platz inne, wahrscheinlich als Nr.-4-Spot.
Für die Yankees sprechen die bessetre Form, der auf dem Papier einfachere Spielplan mit mehr Heimspielen und die Tatsache, dass sie auch die letzte noch ausstehende 3-Spiele-Serie gegen die Os zuhause bestreiten dürfen.
Die Boston Red Sox sind noch im Wild-Card-Rennen mit aufholbaren 2,5 Siegen Rückstand. Tampa Bay Rays und Toronto Blue Jays sind raus.
Central
Die Cleveland Guardians verteidigen hartnäckig ihre Spitzenposition vor den Minnesota Twins ((3,0) und den Kansas City Royals (5,0) Sie sind gleichauf mit den Yankees und vor dem direkten Einzug in die 2. Play-off-Runde. Twins und Royals bestens im Wild-Card-Rennen. Ein Kapitel für sich sind die Chicago White Sox. Mit 30:93 Siegen sind sie auf dem schlechtesten Weg, den absoluten Negativrekord von 42 Siegen in einer Saison zu unterbieten.
West
Die Houston Astros haben den Tornaround vollbracht und sind stehen vor dem erneuten Divisiionssieg, der ihnen Heimrecht für die Wild-Card-Runde bescheren würde. Dagegen setzen die Seattle Mariners ihre Abwärtsspirale fort, sind nicht nur 3 Siege hinter den Astros, sondern sogar 4,5 hinter dem letzten Wild-Card-Spot. Titelverteidiger Texas Rangers hat keine Chancen mehr, kämpfen gegen die LA Angels und Oakland Athletics nur noch gegen den letzten Divisionsplatz.
Wild Card
Der Platz für den 2. der Eastern (Orioles/Yankees) ist praktisch sicher. Zurzeit belegen die Twins und Royals als Fünfte und Sechste die letzten Spots. Seriöse Chancen können sich nur noch die Red Sox einräumen, der Rest bräuchte schon eine außergewöhnliche Erfolgsserie.
NATIONAL LEAGUE
Eastern
Die Philadelphia Phillies dürften den Divisionssieg sicher haben bei 8.0 Siegen vor den Atlanta Braves. Die stecken in einem hübschen Zweikampf mit den New York Mets, Ausgang ungewiss. Washington Nationals und Miami Marlins sind raus.
Central
Hier ist die Sache noch klarer: Die Milwaukee Brewers haben gar 10 Siege Vorsprung auf die Cincinatti Reds und die St. Loiis Cardinals, die nach verheißungsvollem Start mehr und mehr abgebaut haben. Dasselbe gilt auch für die Pittsburgh Pirates bei zuletzt 1:9 Siegen, mit denen sie sich aus dem Rennen rausgeschossen haben.
West
Hier geht es am spannendsten zu: Die Los Angeles Dodgers führen mit „nur“ 3 Siegen vor den Arizona Diamondbacks und San Diego Padres, die jetzt beide nach 8 Siegen in Folge wieder mal eine Niederlage kassierten. Alle 3 Teams werden wir in der Post Season wiedersehen., anders als die San Francisco Giants (wahrscheinlich) und Colorado Rockies (sicher)..
Wild Card
Für mich sind Dbacks und Padres durch. Um den letzten Spot matchen sich Braves und Mets, da wage ich keine Vorhersage.
von Münchner Löwe | Aug. 15, 2024 | Olympia, Paris
Zum Abschluss meiner Olympia-Betrachtung möchte ich einen Blick aufs deutsche Abschneiden werfen, eher ein allgemeines und ein wenig Spekulatius, warum dem so ist. Und im zweiten Teil ein paar Zahlenspielereien, grob anhand des Medaillenspiegels.
🇩🇪 👓 und ein bisschen 🇦🇹
Die nackten Zahlen: Das deutsche Team hat 33 Medaillen gewonnen, vier weniger als 2020 in Tokio, davon 12 Goldene, 2 mehr als bei den Corona-Spielen. Das entspricht im Großen und Ganzen meinen Erwartungen (nicht dass ich das überall im Einzelnen überblickt hätte). Es hat große positive Überraschungen gegeben wie die 3×3-Gold-Basketballfrauen, aber auch einige herbe Enttäuschungen: Hier sei vor allem Langstreckenschwimmer Florian Wellbrock genannt, bei dem Trainer und Experten immer noch rätseln, warum er weit hinter seinen Bestzeitenvund Erwartungen blieb. Zumal seine Trainingskollegen Lukas Märtens (Gold über 200 Meter) und Oliver Clemet (Silber im Freiwasser) reüssierten.
Was insgesamt auffällt: In den sogenannten olympischen Kernsportarten haben die deutschen den internationalen Anschluss verloren: Leichtathletik, Schwimmen und Turnen sind sehr medaillenträchtig, siehe Zahlenspiele. Allerdings ist hier auch die internationale Konkurrenz am größten. Gerade die Beckenschwimmer können mE sehr zufrieden sein mit einigen Bestzeiten und Endlaufteilnahmen.
Praktisch ein Ausfall sind alle Kampfsportarten: Nur im Boxen und Judo sprangen je eine Medaille heraus. Die ehemalige Goldschmiede Fechten ist völlig versiegt: Nur zwei Starter insgesamt und kein einziges Team sind ein erschütterndes Armutszeugnis. Auch Schützen und Segler, immer für mehrere Medaillen gut, gingen leer aus. Bedenklich stimmt mich hier, dass man von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht mal in die Nähe von Edelmetall kam.
Grandios dagegen die Reiter mit viermal Gold und die Kanuten mit 2 Goldenen, seit Jahrzenhten der verlässlichste Medaillenlieferant.
Außerdem wirklich bemerkenswert: Es waren in den Mannschaftssportarten nicht nur so viele deutsche Teams wie noch nie qualifiziert (insgesamt 10), sie haben auch allesamt die K.-o.-Runde erreicht, also die Vorrunde mit zum Teil sehr schönen Leistungen überstanden und letztlich 4 Medaillen gewonnen. Aber pro Mannschaftssport gibt es halt nur eine Medaille/Disziplin für ein Team mit mindestens 12 Mitgliedern.
Was schon lange ein Problem ist, wenn man ein relativ schwaches Abschneiden bei Olympia als Problem für dieses Land ansieht, ist die Tatsache, dass viele höchstbegabte Nachwuchssportler den Sprung in die allgemeine Spitze nicht schaffen: Weil sie sich eben nach der Schule um ihr Studium/Berufsleben kümmern müssen, während andere Nationen praktisch Vollprofis haben. Vom Sport leben können die wenigsten, von einer etwaigen Vorsorge fürs Alter brauche ich gar nicht zu sprechen. Also eher kein Zufall, dass die Mannschaftssportarten, wo zumindest die Männer gut bis sehr bezahlt werden (die Frauen-Teams sind ein trauriges Thema für sich), relativ erfolgreich waren und die Reiter mit der wahrscheinlich weltweit besten Pferdezucht so herausragend.
Dem Staat sind die Sportler immerhin 300 Millionen Euro im Jahr wert, dazu kommen viele Berufsoldaten und -Polizisten, die beim Staat angestellt sind, aber von der Arbeit oft freigestellt. Wichtig wäre eine mittelbare Förderung: Das beginnt beim bisher so vernachlässigten Schulsport (mehr in der Breite ergibt auch mehr in der Spitze) und geht zu einer Art Boni für Leistungssportler bei der Berufswahl als Anerkennung für geleistete Dienste. Zumal Arbeitgeber mittlerweile wissen müssten, dass Leistungssportler bereit sind, sehr viel auf sich zu nehmen und diese Einstellung auch in ihrem Job zum Ausdruck bringen. Beispiele dafür gibt es genug.
Alles keine Allheilmittel: Einen echten Schub würden höchstwahrscheinlich Olympische Spiele in Deutschland bringen sogar nachhaltig. Australien (Sydney 2000 und Brisbane 2032), Großbritannien (London 2012) und jetzt eben Frankreich, wo die Sportler der Gastgeber so erfolgreich waren wie vorher noch nie, sind ein Beleg dazu. Schon eine wirklich gute, seriöse und aussichtsreiche Bewerbung für 2036 oder besser 2040 wäre für viele Talente eine große Motivation und eben auch ein Zeichen: Dass Leistungssport „uns“ als Nation was wert ist. Dabei ist mir natürlich klar, dass Olympia hierzulande kritisch gesehen muss, gerade bei diesem geldgierigen, intransparenten,all es zermalmenden IOC und dessen Neigung zum Gigantismus. Aber wenn sich etwa Berlin seriös aufrafft mit den schon bestehenden (Olympiastadion! Halle am Ostbahnhof!) und ein paar temporären Sportstätten mitten in der Stadt (Beachvolleyball vorm Brandenburger Tor!, Klettern unterm Funkturm!) – warum eigentlich nicht? Das einmalige Paris nicht kopieren wollen, aber durchaus als Vorbild nehmen, wie man Stadt und Spiele vereint. Sich auch von etwaigem Gegenwind nicht aus der Bahn werfen lassen. Aber ich befürchte, das wird mit der deutsch-eigenen Kleinstaaterei und Bürokratie zerredet – oder soll ich doch darauf hoffen?
Seitenblick auf Austria 🇦🇹
2 Goldene und insgesamt 5 Medaillen haben die Österreicher gewonnen, und liegen damit gerade noch im Soll der ausgerufenen 5 bis 10. die man sich so vorstellte im Ösi-Land. Auch hier sind nicht alle Träume aufgegangen: Felix Auböck indiskutabel im Schwimmen, Lukas Weißhaidinger trotz guter Weite ohne Medaille mit dem Diskus, die Weltmeister-Schwestern Alexandri nur Blech im Synchronschwimmen samt großen Ärger über die Bewertung. Dafür hat das Binnenland plötzlich zwei Olympiasieger im Segeln, die zwar nicht gerade wie Kai aus der Kiste sprangen, aber doch als positive Überraschung gelten müssen. Sommerspiele werden in Österreich immer die zweite Geige spielen hinter den Schneemännern. Das war auch jetzt zu beobachten, als sich ein großer Teil der Sportberichterstattung sich ums Comeback des Skihelden Marcel Hirscher drehte.
Zahlenspiele
Werdet Schwimmer oder Turner
Zumindest, wenn ihr Medaillensammler werden wollt. 15 Sportlerinnen und Sportler haben in Paris 4 und mehr Medaillen geholt, 12 im Schwimmen, 3 im Turnen. Sie haben einfach mehr Möglichkeiten dazu. Wer 100 Meter gut schwimmen kann, schafft das auch über 200 oder 50 Meter, dazu die Staffeln. Torri Huske aus den USA hatte insgesamt 4 Starts allein über ihre Spezialstrecke 100 Meter Freistil, gewann 4 Medaillen und eine noch über 100 Meter Schmetterling.
Schwimmer Leon Marchand war der einzige Paris-Starter, der viermal Gold gewann auf 4 Einzelstrecken.
Ein Ausnahmeathlet, gewiss, aber halt auch in der richtigen Sportart. Ein Ausnahmeringer kann pro Olympia nur einmal Gold gewinnen. Mijain Lopez aus Kuba hat das bisher einmalige Kunststück geschafft, zum fünften Mal hintereinander bei Sommerspielen dieselbe Disziplin zu gewinnen. Er ist seit 2008 (!) ungeschlagen. Und doch ist Superschwergewichtler griechisch-römisch in der „ewigen“ Rangliste der erfolgreichsten Olympioniken nur unter ferner liefen zu finden. Wollte er die 18 Goldenen des Rekord-Olympioniken Michael Phelps erreichen, müsste er bis 2072 ringen und gewinnen, dann wäre er 90 Jahre alt …
Ein Sonderfall sind die Reiter: Die können zwar auch nur höchstens 2 Medaillen/Spiele gewinnen, aber halt bis ins hohe Alter aktiv sein mit immer neuen Pferden. Isabell Werth etwa ist 55 Jahre alt. Mittlerweile hat sie seit 1992 acht Goldmedaillen erritten, davon siebenmal mit dem deutschen Team. Weitere Teilnahmen und auch Goldmedaillen zumindest 2028 und 2032 würde ich nicht ausschließen, zumal sie jetzt mit Wendy ein noch relativ junges und doch schon erfolgreiches Pferd hat, das sie zu Gold und Silber führte.
Ach, ihr Finnen
Eine Sportnation, der ich anhänge – und zwar nicht nur im Winter. Und jetzt ohne jede Medaille. Nicht in der Leichtathletik auf Nurmis oder Virens Spuren in der Langstrecke oder die zahlreichen Speerwerfen. Auch nicht im Schießen oder Segeln. Nichts, nada in 329 Wettbewerben.
Effiziente Chinesen
91 Medaillen gewann das Reich der Mitte, davon waren gleich 40 aus Gold. Ein tolles Verhältnis: Und das, obwohl Schwimmerin, na klar, Zhang Yufei sechsmal Edelmetall holte, aber nicht ein einziges Mal ganz oben auf dem Stockerl stand. Nur mal zum Vergleich. Auch die USA holten 40-mal Gold, bei insgesamt 126 Medaillen.
– erstaunliche Holländer: Dieses verhältnismäßig kleine Land gewann 34 Medaillen, so viele wie noch nie. Vor allem Hockey (2 Gold) und Bahnradsport (3 Gold, 5 Medaillen) waren Oranje-Domänen. Mit Radsprinter Harry Lavreysen als Star, der bei 3 Starts dreimal Gold einheimste. Und natürlich meine Favoritin Femke Bol mit 3 Leichtathletik-Edelmetall (Gold, Silber, Bronze).
– wunderbare Karibik: zumindest die Zwerginseln Domenica und Santa Lucia, für das Dreispringerin Thea Lafond und Julien Alfred über 100 Meter das erste Gold überhaupt holten. Witzigerweise am selben Tag binnen Minuten. Alfred steuerte über 200 Meter noch Silber hinzu. Herb enttäuschten dagegen die Jamaikanerin mit der schlechtesten Leichtathletikbilanz seit 2000.
So, das war es meinerseits von Olympia. Der Sport macht keine Pause, es wird mir also auch die kommende Zeit an Themen nicht mangeln.
von Münchner Löwe | Aug. 14, 2024 | Allgemein, Olympia, Paris
Heute will ich mich mit MAGISCHEN MOMENTEN der Spiele beschäftigen.
Alle olympischen Spiele haben ihre besonderen Momente, an die sich Sportfans noch Jahrzehnte danach erinnern. Jahrzehnte! Bei mir ist das Hochspringerin Ulrike Meyfarth 1972 und die 200-Freistil-Staffel 1984. Oder Hermann Maiers unfreiwilliger Skiflug in den Tiefschnee 1998 samt Gold-Comeback zwei Tage später. Jetzt habe ich 6 besondere Begebenheiten der Spiele in Paris herausgepickt, es könnten natürlich auch zehn oder 15 sein, aber echte Magie geschieht eben wirklich selten.
6. Flugshow am Boden
Besser: In der Luft. Seit 2016 ist Simone Biles die mit Abstand beste Turnerin der Welt. Auch bei den Spielen 2020 war das so, aber da spielten ihre Nerven nicht mehr mit und sie gab auf, sagte dem Leistungssport erst mal adieu. Jetzt das olympische Comeback, und am Boden zeigte sie gleich mehrere Küren (oder wie die Mehrzahl von Kür halt heißt), die dem Betrachter schlicht den Atem raubten. Es gibt schon unzählige Elemente, die nach ihr benannt werden, die keine Frau auch nur ansatzweise beherrscht und auch nur ganz wenige Männer. Am besten war das bei ihrer Bodenkür für den Mehrkampf zu beachten, als sie meterhoch in die Lüfte sich aufschwang, dort saltierte und rotierte, dass mir schon beim Zuschauen schwindelig wurde, und felsenfest zum Stand kam. Das Publikum rastete aus. Aber Simone Biles ist eben kein Roboter. Bei der Bodenkür fürs Einzel wirbelte die US-Amerikanerin zwar genauso schwungvoll durch die Luft, aber diesmal zeigte sie sich nicht ganz so standfest, sondern musste das Karrée zweimal verlassen und kassierte Strafpunkte. So reichte es nur zu Silber. Und was tat sie? Gratulierte der fantastischen Brasilianerin Rebeca Andrade und lag ihr im Wortsinn bei der Siegerehrung beifall-gebend zu Füßen.
5. Nerven, meine Nerven
Okay, jetzt tümelt es ein bisschen Deutsch, man möge es mir verzeihen. Aber mein persönlicher Spannungsmoment kulminierte im 3×3- Basketball-Finale der deutschen Frauen gegen Spanien. Das Team um Svenja Brunckhorst und Sonja Greinacher hatte einen so grandiosen wie alle Experten überraschenden Triumphzug ins Endspiel hinter sich. Jetzt sollte gegen Spanien die Krönung erfolgen. Ein echter Nailbiter, wie man so schön-schlimm sagt. Rückstand, Aufholjagd, Führung, Ausgleich. Getroffene Würfe und gruselige Ballverluste – auf beiden Seiten. Vor den Augen des spanischen Königs Felipe und den zwei europäischen Basketball-Königen Dirk Nowitzki und Pau Gasol. Am Ende hatten die Deutschen die Nase vorn und holten das höchstwahrscheinlich überraschendste Gold fürs Land.
4. Der Superstar liefert zum ersten Mal ab
Jetzt wissen wir es: Leon Marchand ist der erfolgreichste Olympionike mit 4 Goldenen und einer Bronzenen in der Lagenstaffel. Der Vorschusslorbeer auf den Ausnahme-Schwimmer war riesig, noch dazu in der französischen Heimat. Die Stimmung in der Halle dementsprechend aufgeputscht vor seinem ersten Finale über 400 Meter Lagen. Von Anfang führt Marchand. Frenetischer Jubel bei jedem Zug auf der Bruststrecke, als sich der Sieg schon abzeichnete. Kurze Zeit später stand das erste Gold feste und brachte die Stimmung zum Überkochen. Trotz der noch folgenden Glanzleistungen: Das erste gold strahlt vielleicht doch am schönsten.
3. Logischer Weltrekord
Die Leichtathleten boten insgesamt eine tolle Leistungsshow. Wirklich magisch wurde der Stabhochsprung. Alle Entscheidungen im Stade de France waren an jenem Abend gefallen, und Mondo Duplantis stand auch schon als Olympiasieger fest. Jetzt ging er den Weltrekord an. 6,25 Meter, das ist bei manchen Häusern der 3. Stock. Keiner der 80 000 Zuschauer war gegangen, die geschlagenen Konkurrenten erhoben sich zum Beifallklatschen. Wie es sich für ein guten Film gehört, scheiterte Duplantis beim ersten Versuch knapp. Er hatte die Höhe an jenem Tag also drin. Der zweite ging klar schief: War Mondo etwa doch müde? Dann der 3. Versuch, und jetzt klappte es. Ohne die Stange auch nur zu berühren flog Duplantis über sie hinweg und ab in die Unendlchkeit. Alle Last fiel von ihm ab, er lief jubelnd zur Familie, zu den Trainern, und ein Kollege nach dem anderen klatschte ihn ab.
Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Armand Duplantis spätestens im nächsten Jahr seinen eigenen Weltrekord verbessert und noch einmal und noch einmal. Doch dieser gleißende Moment wird für immer bleiben.
2. Das Ende, das es nicht geben konnte
Immer wenn ich glaube, dass mich im Sport nichts mehr überraschen kann, werde ich eines besseren belehrt. Griechen als Fußball-Europameister? 2004! US-College-Boys Eishockey-Olympiasieger, gegen das übermächtige Russland? 1980! So war ich auch der festen Meinung, dass ein Handball-Team mit zwei Toren Vorsprung bei noch 12 Sekunden Spielzeit eine Partie nicht mehr verlieren kann, zumindest nicht in einem Olympia-Viertelfinale. So wie ich dachte jeder Handball-Experte. Denkste, wie die Partie Frankreich vs Deutschland zeigte.Die Gastgeber führten nach einer aufreibenden Partie 29:27.Es fiel der Anschlusstreffer, na und? 6 Sekunden vor Schluss nahm der französische Trainer bei eigenem Ballbesitz eine Auszeit. Sie hätten den Ball nur irgendwohin ins Publikum werfen müssen, die Zeit wäre abgelaufen. Doch der Franzose Mmoh, bis dato bester Mann seiner Mannschaft, bekam den famosen Einfall, den Ball über den als 2,08-Meter-Riesen Julian Köster überlobben zu wollen. Der fing den Ball ab, passte umgehend nach vorn zum völlig freistehenden Uscins, der den perplexen französischen Torwart in letzter Sekunde überwand. Unentschieden, also Verlängerung, in der sich dann das deutsche Team nach kaum weniger spannenden 10 Minuten durchsetzte. Und erst im Finale gegen Dänemark wurde es gestoppt. Deprimierend klar. Wunder gibt es eben doch nicht immer wieder.
1. Der Engel von Paris
Eröffnungsfeier. strömender Regen und trotzdem spektakuläre Bilder. Das Entzünden des olympischen Feuers in einem Ballon, die offiziellen Reden, der Ritt durch die französische Kultur begleitet von federleichter Musik. Schon viel zum Schwelgen, auch zum Nachdenken. Jetzt war die Eröffnung zu Ende. Eigentlich: Doch dann kam sie, tatsächlich. Celine Dion. Auf einer Empore des Eiffelturms, hell illuminiert stand sie da. Und sie sang ein wunderschönes altes Edith-Piaf-Lied über die Liebe, begleitet von einem Pianisten auf einem Klavier, auf dem sich zahllose Regentropfen spiegelten. Mucksmäuschenstill war es, nur diese wunderbare Stimme der Celine. Auch all jene, die die traurige, ja tragische Geschichte der Kanadierin nicht kannte, der Tod von Familienangehörigen, ihre schwere Krankheiten, ihre lange Zeit des Nicht-Auftretens; er musste ergriffen sein, außer er hat ein Herz aus Stein. In ihrem weißen Kleid, vom Regen durchfeuchtet, glich sie einem Engel. Spätestens jetzt war klar: Es werden tolle Spiele, es müssen gute Spiele werden. Und es wurden großartige Spiele, vielleicht sogar die besten aller Zeiten, wer will das schon vergleichen?.
Bei all den großartigen Bildern, den fantastischen Leistungen, den unvergleichlichen Sportstätten, den charmanten Gastgeber: Wer in ein paar Jahren an die Spiele 2024 denkt, wird sich auch an Celine Dion erinnern, wie sie dort in ihrem weißen Kleid auf dem Eiffelturm stand und mit ihrer Stimme die Welt verzauberte und für einen kurzen Moment zum Stillstand brachte.
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