von Münchner Löwe | Sep. 19, 2025 | Allgemein
Leichtathletik-Weltmeisterschaften, Teil II (Dienstag bis Freitag)
Sidney McLaughlin in neuen Sphären
die Stadionrunden mit und ohne Hürden
Meine steile These: Wenn es in Tokio am Donnerstag nicht geregnet hätte, wäre Marita Koch jetzt ihren Weltrekord über 400 Meter los. So stark war nämlich de Auftritt von Sidney McLaughlin-Levine über die Stadionrunde, die sich auch durch die nasse Bahn und entgegenfliegende Tröpfchen kaum beeindrucken ließ. Am Ende standen für sie 47,78 Sekunden, die zweitbeste je von einer Frau gelaufenen 400-Meter-Zeit und nur 18 Hunderstel hinter dem unglaublichen Rekord von Koch aus der Hochzeit des (Anabolika)-Dopings.
Zu langweilig waren der Amerikanerin die 400 Meter Hürden geworden, sie wollte ihre Komfortzone verlassen, das gelang ihr prächtig, nachdem sie sich bisher 2025 relativ rar gemacht hatte.
Hinter McLaughlin-Levine knackte Olympiasiegerin Marileidy Paulino aus der Dominikanischen Republik mit 47,98 Sekunden ebenfalls die 48er-Marke (die drittbeste je gelaufene Zeit. Das sagenhafte Ergebnis rundete Sawar Eid Naser aus Bahrein mit 48,17 Sekunden ab.
Tags darauf konnte Sidney McLaughlin ihre langjährige Hürdenkontrahentin Femke Bol bei eine ebenfalls fantastischen Leistung begutachten. Die Holländerin siegte klar in Weltjahresbestzeit (51,54), blieb aber doch um mehr als eine halbe Sekunde über ihrem Europarekord (50,95). Fehlende Konkurrenz?
Immerhin bestätigte Femke Bol eindrucksvoll ihre Favoritenstellung, das gelang bei den Männern Weltrekordler Karsten Warholm absolut nicht. Der norwegische Jahresbeste vergeigte seinen Lauf und wurde nur Fünfter, eine herbe Enttäuschung. So war die Bahn frei für einen US-Amerikaner. Rai Benjamin hatte in starken 46,52 Sekunden die Nase vorn vor dem bei Großereignissen immer wieder erstaunlichen Alison Dos Santos (Brasilien) und Abderrahman Samba aus Katar. In diesem Spitzenfeld hielt sich der Deutsche Emil Agyekum prächtig und blieb erneut unter 48 Sekunden.
3 Männer aus Botswana hatten sich für den Endlauf über 400 Meter flach qualifiziert, am Ende sprangen für das kleine Land immerhin 2 Medaillen heraus. Busang Collen Kebinatspihi siegte vor Jereem Richards aus Trinidad/Tobago und seinen Landsmann Bayapi Ndori. Das verspricht ein Spektakel für die 400-Meter-Staffel am Sonntag.
Europas Speerwerfer werfen hinterher
Schon länger sind ja die Zeiten vorbei, als man die Wurfdisziplinen getrost an Athleten des alten Kontinents verteilen konnte. Dass aber alle Speer-Medaillen an Athleten aus Amerika gehen würden, war nicht absehbar. Wobei sowohl Weltmeister Keshon Walcott aus Trinida-Tobago, der zweite Anderson Peters und sogar Curtis Thompson einen Namen in der Branche haben. Doch sehr viel höher gehandelt bei den Experten wurde ein Deutscher: Julian Weber kam als souverän Jahresbester nach Tokio, doch wieder mal klappte es nicht mit einer Medaille bei einem Großereignis. Mit 86,11 Metern blieb er weit hinter seiner Bestleistung zurück. „Kein Weltuntergang, aber trotzdem scheiße“, konstatierte Weber. Gesundheitlich angeschlagen war er, und wie viele andere Favoriten kam er mit den Bedingungen (gerade beim Anlauf sind Speerwerfer extrem heikel) nicht gut zurecht.
Hummel hammerstark
Ein anderer aussichtsreicher deutscher Werfer (über)erfüllte die recht hohen Erwartungen. Merlin Hummel schleuderte den Hammer auf 82,77 Meter und verbesserte seinen eigenen Rekord um mehr als einen Meter. Nur der Ausnahme-Athlet Ethan Katzberg verhinderte gar das Gold. Der Kanadier brillierte mit 84,70 Metern (WM-Rekord). Sogar die Weltrekordweite von Juri Sedych (86,74/noch so eine aus finstersten Anabolika-Zeiten) scheint für den Edeltechniker aus Kanada mit seinen fürs Hammerwerfen noch jungen 25 Jahren bei perfekten Bedingungen möglich.
Und sonst?
- Springfreudige Italiener: Am weitesten hüpfte Mattia Furlani: Seine 8,39 Meter lagen allerdings satte 56 zentimeter hinter dem immer noch gültigen Weltrekord von Dwight Powell: De Amerikaner hatte vor 34 Jahren an gleicher Stelle einen der faszinierendsten Sport-Zweikämpfe de Geschichte gegen Carl Lewis für sich entschieden.
Im Dreisprung führte bis zum letzten Versuch der Konkurrenz überhaupt Andrea Dallavalle. Bis der WM-Favorit Pedro Pichardo aus Portugal noch mal einen draufpackte und auf 17,91 Meter segelte.
- Lange Sprints an die USA: Zunächst ließ Noah Lyles seiner One Man Show vorm 200-Meter-Finale Taten folgen und gewann in superben 19,52 Sekunden knapp vor Landsmann Kennethn Bednarek (19,58) und Bryan Levell aus Jamaika (19,64). Ohne Medaille blieb Olympiasieger Letsile Tebogo, der mit 19,66 2 Zehntel hinter seinem Pariser Goldlauf von 2024 blieb. Trotzdem dürfte er die potenzielle Goldstaffel von Botswana wesentlich verstärken.
Bei den Frauen blieb Melissa Jefferson-Wooden in 21,68 als Einzige unter der 22-Sekunden-Marke.
Wochenend-Programm
- Spannungsgeladene Staffel-Entscheidungen am Sonntag 4×100- und 400x-Meter bei Frauen und Männern. Tags zuvor die Vorläufe. Immer wieder zwei Fragen: Findet der Stab, von Hand zu Hand getragen, ins Ziel? Und wie klappen die Wechsel?
- Siebenkämpferinnen und Zehnkämpfer gelten als die KönigInnen der Leichtathleten. Am Samstag die Entscheidung bei den Frauen, am Sonntag bei den Männern.
- Doch noch Ösi-Medaillen? Die Jahresbeste Victoria Hudson im Speer und Lukas Weißhaidinger mot dem Diskus sind noch große Austria-Trümpfe. Hudson überstand mit dem letzten Wurf die Qualifikation. Gibt ihr das Auftrieb (geschafft!) oder Zweifel (Frau, war das knapp!)?
- Deutsche Hoffnungen: Vor allem Leo Neugebauer und Niklas Kaul im Zehnkampf (die Form ist sehr schwer einzuschätzen) und die Sprintstaffel der Frauen, wo Gina Lückenkemper und Kolleginnen allerdings wohl auf fremdes Staffelstab-Missgeschick angewiesen sind.
von Münchner Löwe | Sep. 18, 2025 | MLB
Blick über den Teich, MLB
9 oder 10 Partien sind in der MLB noch zu spielen (von 162), und doch sind stehen erst 3 von insgesamt 12 Teams in der Post Season fest. In der American League hat noch kein einziges die Play-offs (respektive Wild-Card-Spiele) fix erreicht.
Bevor ich die allgemeine Situation beleuchte, ein Blick zu den aktuellen Partien. Spieler von gestern Nacht, aber auch der größte Pechvogel, war Brandon Pfaadt von den Arizona Diamondbacks. Der Pitcher warf gegen die San Francisco Giants neun brillante Innings, ließ nur einen Hit und einen Walk und folgerichtig keinen Ru zu. Und doch ging sein Team letztich als Verlierer vom Platz. Denn auch die Backs vermochten es nicht, auch nur einen Run auf die Anzeigentafel zu bringen (was auch an der außerordentlichen Leistung von Justin Verlander lag. Der Veteran zeigte wahrscheinlich seine beste Leistung im Giants-Dress und kassierte in 7 Innings nur 3 Hits und keinen einzigen Run.
0:0 stand es also nach 9 Innings (auch nach 10), ehe die Giants-Offensive im 11. Durchgang wie bei der berühmten Ketchup-Flasche überhaupt nicht meh aufzuhalten war und gleich 5 Runs aufs Scoreboard brachten.
AMERICAN LEAGUE
East
Die Toronto Blue Jays verteidigen hartnäckig ihren Vorprung auf die New York Yankees und Boston Red Socks. Die Yankees schienen auf der Überholspur, doch jetzt klappt das Pitching plötzlich überhaupt nicht mehr. 4 Siege müssten sie noch aufholen auf das einzige kanadische Teams der Liga, das scheint auch aufgrund der Konstanz von Toronto schwierig. Immerhin gewannen sie tzueltz zwei High-Scoring-Spiele gegen die abgeschlagenen Minnesota Twins mit 10:9 (nach 10:1-Führung) und 10:5. Damit hielten sie ihrerseits die Red Sox auf 2-Spiele-Abstand.
Central
Plötzlich müssen die Detroit Tigers um den sicher geglaubten Divisionssieg bangen. „Nur“ noch 4,5 Spiele Vorsprung haben sie vor den Cleveland Guardians, die eine veritable Aufholjagd gestartet haben und zuletzt sechs Siege in Folge eingefahren haben und dabei 3 Partien gegen Detroit für sich entschieden (heute das Letzte der Viererserie).
West
Houston Astros und Seattle Meriners trennen gerade ein halbes Spiel (die Mariners haben eines weniger ausgetragen und wären heute mit einem Erfolg bei den Kansas City Royals gleichauf). Die Drei-Spiele-Serie in Houston der beiden Teams gegeneinander könnte die Entscheidung bringen. Zumindest haben die Astros mit 3 Siegen gegen die Texas Rangers einen weiteren Divisions-Kontrahenten auf Distanz gebracht. Die Rangers haben jetzt 5 Spiele Rückstand, das ist bei 10 Spieen kaum noch aufzuholen (aber schon passiert).
Divisionssieger (Top 2 mit Freilos)
Wenn die Blue Jays nicht einbrechen, dürften sie als bestes Team der American League die Saison beenden, was Freilos für die 1. Play-off-Runde bedeutet. Ähnliches gilt für die Tigers im Rennen um den 2. Freilosplatz. Der West-Sieger (Astros oder Mariners) dürfte nur der drittbeste Gruppenerste werden
Wild Cards (Drittbester Divisionssieger + 3 beste Teams danach)
Fast sicher dabei sind die New York Yankees bei 4,5 Siegen Vorsprung auf die Guardians. Dazwischen lägen die Red Socks sowie der West-Zweite. Sollten die Guardians also ihre 10 Spiele mit einer 8:2-Bilanz oder besser abschließen, können sie durchaus noch hoffen.
Nur noch theoretische Chancen haben die Rangers und erst recht die Royals.
NATIONAL LEAGUE
Hier sind die Verhältnisse deutlich klarer. 2. Conference-Sieger stehen praktisch fest, und es gibt „nur“ noch ein Gerangel um den letzten Wildcard-Platz
East
Die Philadelphia Phillies haben 12 Spiele Vorprung auf die New York Mets, das ist auch in der Theorie nicht mehr aufzuholen. Ein Spannungs-Moment bei den Phillies: Wird Kyle Schwarber doch noch Homerund-König?
Central
Die Milwaukee Brewers haben 5 Siege mehr als die Chicago Cubs. Das dürfte für den Divisionssieg reichen. Die Cubs haben schon einen sicheren Wild-Card-Platz und hier höchstwahrscheinlich Heimrecht. Die Cincinnati Reds bräuchten eine Superserie für die Wild Cards
West
Zweikampf zwischen den Los Angeles Dodgers und den San Diego Padres. Der Titelverteidiger aus LA führt mit 2,0 Siegen. Die Padres hätten ihrerseits den WildCard-Platz sicher, sollten sie die Dodgers nicht mehr abfangen. Giants und Diamondbacks noch mit Wildcard-Hoffnungen. Gerade bei Arizona erstaunt mich das extrem, denn die schienen ihre Saison mit den Abgängen im Juli (Suárez, Naylor) schon abgeschlossen zu haben. Naja: Gegen die Giants (siehe oben) hätten sie die Hits schon brauchen können.
Divisionssieger
Die Brewers dürften das beste Team der Conference werden vor den Phillies. Dodgers/Padres müssten in die Wild Cards, als Divisionssieger wenigstens mit Heimvorteil.
Wild Card
Bei Lichte betrachtet, geht es nur noch um einen freien Platz, um den sich Mets, Diamondbacks und Giants sowie die Reds streiten. Dabei haben die Mets 1,5 Siege Vorsprung auf die Diamondbacks und je 2 auf Reds und Giants. Vor allem aber ist die Form gerade bei den zurückgekehrt; auch bei den Pitchern, zumindest einigermaßen.
Stats
Cal Raleigh von den Marines verbessert weiter seine Rekorde als Catcher und Switch-Hitter (er kann rechts wie links schlagen). Zurzeit hat er 56 Homeruns auf dem Konto, das sind drei mehr als Kyle Schwarber. Die beiden Superstars Shohei Ohtani (Dodgers/51) und Aaron Judge (Yankees/49) dürften in diesen Kampf nicht mehr eingreifen.
Judge führt dafür mit seinem Schlagdurchschnitt von 0.329, und Ohtani wird ja auch als Werfer eingesetzt und wird von Woche zu Woche stärker. Wird spannend, wie das die Dodgers-Crew in den Play-offs angeht.
Bei den Pitcher brilliert Pal Scenes von den ansonsten völlig chancenlosen Pittsburgh Pirates. Ein ERA von 2,03 (er kassiert auf 9 Innings hochgerechnet gerade mal zwei Runs) ist das Maß aller Dinge. In der zweiten maßgeblichen Statistik (von unendlich vielen) WHIP (Walks und Hits per Inning) íst er mit 0,96 Vierter: Dort „führt“ Tarik Skubal, den Überpitcher der Detroit Lions mit 0,86. Pitcher, die nicht mal einen Läufer pro Inning auf Base lassen, machen jeden Manager froh und beruhigt (und trotzdem „platzen“ sie auch manchmal).
Kepler Watch
Die Formkurve des Phillie-Profis zeigt weiter nach oben. In den vergangenen 7 Spielen hatte er einen Schlagdurchschnitt von mehr als 0.300 und schlug dabei 2 Homeruns. Ein sogenanntes Monsterspiel war dabei, als er vor einer Woche gegen die Mets gleich 5 RBIs beisteuerte, 5 Spieler also durch seine Schläge zur Homeplate brachte. Der Berliner könnte ein Faustpfand für die Play-offs werden, vor allem auch angesichts angeschllagener Batter. Konsequent wird er allerdings nicht gegen linkshändige Werfer eingesetzt, mal sehen, ob das in Play-offs durchzuhalten ist.
von Münchner Löwe | Sep. 16, 2025 | Radsport, Wochenrückschau
Anmerkung: Leichtathletik-WM und Basketball-EM finden ausführliche Würdigung in gesonderten Texten.
Vingegaard triumphiert, und kaum einer spricht darüber
Wie erwartet, hat sich der zweitbeste Radprofi der Welt die drittwichtigste Länderrundfahrt des Jahres gesichert. In Abwesenheit des überragenden Tour-Triumphators Tadej Pogacar ließ es Jonas Vingegaard fast gemütlich angehen, sofern das bei zahllosen Bergetappen möglich ist, unter anderem mit dem Agrelu vielleicht einer der schwierigsten Anstiege überhaupt. Der Däne kontrollierte das Feld und die wenigen Kontrahenten, die ihn wirklich gefährlich hätten werden können, vor allem diejenigen, die nicht die Torur de Tour gute einen Monat zuvor in den Beinen hatten.
Dies gelang, obwohl Vingegaard selbst den Tour-Qualien Tribut zollen musste. Am Ende hatte er 1:16 Minuten auf den Portugiesen Joao Almeida und schon 3:11 auf den Briten Thomas Pidcock.
Doch das geriet fast nur Nebensache: Gemeldet und dabei war auch ein israelisches Team, der Rennstall Israel-Premier Tech. Dieses Team sah sich zunehmend Beleidigungen und sogar tätliche Angriffe während des Teamzeitfahrens ausgesetzt. Proteste gegen die Israel-Politik und der Angriffe gegen Gaza. Ziel der Proteste: Ein Boykott und Ausschluss des Teams.
Diese Proteste griffen zunehmend auf die Rundfahrt selbst über. Mehrere Etappen mussten gekürzt oder abgeändert werden, und die Schlussetappe, eigentlich die Ehrenfahrt für die Sieger, musste ebenfalls abgebrochen werden. Mit der Folge einer improvisierten Siegerehrung.
Die Spanier und ihre Regierung gehören traditionell zu den schärfsten Kritiker gegen die Politik des Staates Israel, noch ein Erbe aus der Franco-Zeit. Auch wenn Staats-Chef Pedro Sanchez den 7. Oktober klar als Terror-Akt bezeichnete: vehement wie kaum ein anderes EU-Land fordert Spanien eine 2-Staaten-Lösung, anerkennt Palästina als eigenständigen Staat. Da kam die Vuelta, nach Tour und Giro die dritte Rundfahrt über 3 Wochen, als Vehikel gerade recht.
Und mancher sieht den Radpsort schon in echter Gefahr. Dessen Attraktivität ist der freie Zugang aller Zuschauer zu praktisch jeder Stelle eines Rennens. Sogar wenn die Veranstalter es wollten, könnten sie nie eine gesamte Etappe über 200 Kilometer und mehr absperren. Der Radsport lebt ja auch davon, dass die Fans so unmittelbar am Geschehen dabei sind und nimmt Behinderungen Übereifriger (Achtung: Euphemismus!) wie bei manch irrer Bergetappe in Kauf. Doch alle waren sich einig: Letztlich wollen die Fans den fahrern nichts Böses. Wenn diese Erkenntnis nicht mehr gilt, wir es schwierig, denn wenn ein dahinrasendes Feld bewusst gestört wird (also die „Störer“ Behinderungen und Stürze herbeiführen wollen), wird es extrem schwierig. Wie das zu lösen wird, dürfte die Veranstalter und den Weltverband noch viel Kopfzerbrechen bereiten.
Und sonst?
- Bundesliga: Nach 3 Spieltagen gibt es nur noch eine verlustpunktfreie Mannschaft, natürlich ist das der FC Bayern. Die Münchner machten es am Samstag mit dem 5:0 gegen den HSV noch gnädig, denn nach einer halben Stunde stand es bereits 4:0.
Werder Bremen wird zum „Trainer-Killer“. Nach dem 4:0 in Gladbach zogen die Borusiia-Verantwortlichen die Notbremse und feuerten Gerald Seaune. Schon nach dem späten 3:3 bei Werder am Spieltag zuvor musste Bayer Leverkusens Coach Erik ten Hag seinen Hut nehmen. Für ihn kam Kasper Hujland, der am Freitag beim 3:1 gegen Eintracht Frankfurt ein erfolgreiches Debüt feierte
- England: Fast unaufhaltsam strebt der FC Liverpool der Titelverteidigung entgegen (naja, dort haben wir ja immerhin schon den 4. Spieltag absolviert, also ganz klare Verhältnisse. Mit Ruhm bekleckert hatten sich die Reds nicht in Burnley, doch in de Nachspielzeit verwandelte Mo Salah einen berechtigten Elmeter zum vierten Sieg im vierten Spiel. Eine derart makellose Bilanz hat kein anderer Premier-League-Club.
Zumindest Manchester City wird extrem aufatmen. Im Stadtderby gegen United gelang ein souveränder 3:0-Erfolg, zu dem Erling Haaland zwei Treffer beisteuerte. Der Norweger scheint wieder in absoluter Topform, denn am Dienstag davor erzielte er beim 11:1 seiner Nationalmannschaft gegen Moldau gleich 5 Treffer. Norge ist damit ganz nah am Ziel einer WM-Teilnahme.
- Handball: Die Füchse schlittern in der Bundesliga nach dem Rauswurf des Meistertrainers Jaron Siewert und Sportdirektor Stefan Kretzschmar in die Krise. Beim VfL Gummersbach kassierten die Hauptsädter eine empflindliche Niederlage, gegen die sich nur Welthandballer Mathias Gisdel wirklich wehrte. Und das, obwohl angeblich die Mehrheit der Spieler Siewerts Rauswurf gefordert hatten. Das könnte eine sehr ungemütliche Saison für den Hauptstadt-Club werden. verlustpunktfrei sind noch Vizemeister SC magdeburg und der THW Kiel.
- Tennis: Die deutschen Daviscupper haben die Auswärtshürde Japan souverän genommen auch ohne Alexander Zverev und Daniel Altmaier. Das Beschwerlichste war wohl die weite Anreise. Ein Erfolgreiches Debüt feierte der 17-jährige Justin Engel mit einem Sieg gegen Rei Sakamoto (im Matchtiebreak). Damit haben die Deutschen das Top-8-Turnier Ende November in Bologna erreicht. Wie völlig überraschend auch Österreich, das in Ungarn auch ohne Top-100-Spieler gewann. Überraschend draußen sind auch die USA, das gegen Tschechien den Kürzeren zog. Die Auslosung der Viertelfinali ist morgen. Einziges nicht-europäisches Land ist Argentinien.
Turniersiege bei den Frauen feierten zwei Teenager: die 19-jährige Tiantsoa Rakotomanga Rajaonah in Sao Paulo und die 17-jährige Iva Jovic in Guadalajara.
von Münchner Löwe | Sep. 16, 2025 | Allgemein
Leichtathletik-WM, Teil I
Die ersten drei Tage in Japans Hauptstadt sind Geschichte, höchste Zeit für mich, nach Basketballstress mich dem (angeblich) größten Sportereignis des Jahres hinzuwenden
3 Hundertstel entscheiden den Marathon
Es war ein denkwürdiger Einlauf, als der Deutsche Amanal Petros und Felix Simbu aus Tansania gleichzeitig das Nationalstadion in Tokio erreichten, wo sie dann noch eine knappe Runde ins Ziel zu bewältigen hatten. Petros zog den Endspurt an, doch Simbu konterte und erreichte tatsächlich als Erster das Zielband. Mit bloßen Auge war das nicht zu erkennen, und zunächst auch nicht die eletronische Zeitmessung, die für beide 2:09,48 Stunden anzeigte. Anstatt 2 Goldene zu vergeben, musste als letztmögliche Entscheidungsfindung das Zielfoto her: Der Afrikaner hatte 3 Hunderstelsekunden weniger für die 42,195 Kilometer gebraucht als der Deutsche, die knappste Entscheiung in der Marathon-Geschichte (ich kann mich dunkel an zwei russische Geher erinnern, die Hand in Hand ins Ziel gingen, aber mit meiner Google-Suche komme ich erst mal nicht weiter.
Anstatt über verlorenes Gold zu hadern (naja: ein bisschen schimpfte er er schon über sich „beim nächsten Mal schaue ich mich nicht mehr um“) , bejubelte Petros sein Silber. Und beschämte gleichzeitig alle Deutschen, die dieses Land von Flüchtlingen möglichst besenrein haben wollen. „Ich habe Deutschland so viel zu verdanken“, sagte er in der ARD. 2012 war er aus Äthiopien geflohen, seine Mutter wohnt immer noch im bitterarmen ostafrikanischen Land – mitten im Kriegsgebiet ohne Strom und Internet. „Ich habe sie seit 8 oder 9 Jahren nicht mehr gesehen.“
Dass die allerbesten Marathonis der Welt den Titelkämpfen fernblieben, weil sie sich lieber auf die lukrativen Stadtläufe in New York, Berin etc konzentrieren – tut da keinen Abbruch. Wer nicht dabei ist, kann eben auch nicht gewinnen. Erstmals Gold gewonnen hat mit Felix Simbu ein Leichtathlet für Tansania, das 68. Land in der WM-Geschichte, das wenigstens einen Titel eroberte (Österreich fehlt in dieser Aufstellung übrigens …).
Malaika Mihambo – mehr als Silber war nicht drin
Kam der 2. Platz für Petros völlig überraschend, entsprach das Silber für Malaika Mihambo letztlich den Erwartungen. Mit 6,99 war sie klar vor der Dritten Natalia Linares (6,92) und noch klarer hinter Weltmeisterin Tara Davis-Woodhall. In einem ihrer berühmte letzten Versuche flog Mihambo zwar weit über die angezeigte Siegesweite hinaus, doch er war klar übergetreten. Und da es (noch?) keine Messung dieser ungültigen Versuche gibt, ist es müßig zu überlegen, ob er denn gereicht hätte, wenn Mihambo das Brett ideal getroffen hätte.
10,61 Sekunden – FloJo ist gar nicht mehr so weit
Eine unfassbare Zeit trommelte 100-Meter-Weltmeisterin Melissa Jefferson-Wooden auf die schnelle Bahn im Naitonalstadion. 10,61 Sekunden bedeuten WM-Rekord, und sogar die unknackbar gehaltenen 10,49 Sekunden von Frorence Griffith-Joyner aus dem Jahr 1988 (bei den damaligen US-Trials für Olympia in Seoul aufgestellt) scheinen in Reichweite. Denn nahezu windstill war es gewesen, als Jefferson-Wooden ihr Rennen hinlegte und vor der Jamaikanerin Tina Clayton (10,76) und Olympiasiegerin Julian Albert (10,84) triumphierte. Nur mal hochgerechnet: 1m/Sekunde Wind-Unterstützung bringen etwa ein Zehntell, 2 Meter/Sekunde sind zulässig für Weltrekorde …
Mal wieder nicht in einem großen Finale dabei war Gina Lückenkempfer, die im Halbfinale mit 11,11 Sekunden klar scheiterte. Nicht schlecht, aber die seit Jahren beste Springerin Deutschlands kann sich bei weltweiten Großereignissen leider auch nicht steigern.
Was mich fast direkt zur bisher fast unglaublichsten Weltmeisterin führt. Denn die Schweizerin Ditaji Kambudji triumphierte über 100 Meter Hürden: Also in einer Disziplin, in de Euopäerinnen seit Jahren kaum mehr etwas zu melden haben. Kambundji galt im Finale ohne Topfavoritin (dafür höchst ausgeglichen auf Top-Niveau) durchaus als chancenreich, aber höchstens auf eine Medaille. Aber dass sie ihre Bestzeit um gleich 16 Hundertstelsekunden auf tolle 12,24 Sekunden steigerte, die letztlich zum Sieg reichten vor 2022-Weltmeisterin Tobi Amusan aus Nigeria. „Das fägt“, sagte sie auf Schwyzerdütsch (machte ihr also richtig Spaß) über ihr brillantes Rennen mit Blitzstart und ohne sichtbaren Fehler über den Hürden.
Kamboundji eroberte als erste Schweizerin WM-Gold in der Leichtathletik und tat es ihren Landsmaännern Werner Gühthör (dreimal im Kugelstoßen) und Andre Bucher. Allerdings ist sie nicht die erste Medaillengewinnerin aus ihrem Land. Denn vor sechs Jahren stürmte ebenfalls eine Kamboundji. Ihre ältere Schwester Mujinga stürmte 2019 zu Bronze über 200 Meter. Diese drückte aus der Heimat die Daumen, wo sie ein Kind erwartet.
Dem Himmel ein Stück näher *
Ach ja, der Mondo! Am Montagabend (Nachmittag MESZ) begeisterte dann noch die Stabhochsprung-Show die Zuschauer im Stadion und aun den Fernsehgeräten. Gleich 7 Männer meisterten 5,90 Meter (normalerweise garantiert diese Höhe eine Medaille), Sam Kendricks reichten nicht mal 5,95 zu Edelmetall.
Und ganz kurz kam sogar eine ganz kleine Spannung über den Sieger auf: Als nämlich der Grieche Emmanouis Karalis im 1. Versuch nur hauchzart an 6,15 Meter scheiterte, da sah ich beim Überflieger Armand Duplantis tatsächlich so etwas wie Erleichterung. Aber wahrscheinich war das doch nur Einbildung, denn wie der Schwede danach souverän diese Höhe meisterte, verdeutlichte allen: Nur Ich habe hier das Sagen und Siegen. Nachdem Karalis auch mit 2 weiteren Versuchen (nicht mehr ganz so knapp) die Latte riss stand der Sieg von Duplantis fest. Doch der Ausnahmeathlet ließ sich nicht Lumpen und ließ die neue Weltrekordhöhe von 6,30 Meter auflegen. Beim ersten Mal scheiterte er relativ klar, beim zweiten schon knapper, und es war allen klar, dass er diese Höhe an diesem Abend „drin“ hatte. Das bewies er dann im dritten Versuch, als er ohne die Latte auch nur zu berühren, über diese Höhe flog. Alle Konkurrenten stürmten danach zu ihm, um zu gratulieren. Karalis als Erster (und anhänglichster, der ihn gar nicht mehr loslassen wollte).
Alle Stabhochspringer wissen, was sie dem derzeit bekanntesten und beliebtesten Leichtathleten der Welt zu verdanken haben, der ihrer so komplizierten Disziplin einen unglaublichen Bekannheitsgrad beschert. Den Stabhochsprung allerdings schon spätenstens seit Sergej Bubkas (und Jelena Isinbajewas) Zeiten hat. Aber immer wieder faszinierend und herzerwärmend, wie kollegial die Konkurrenten miteinander umgehen. Wie etwa Sam Kendricks dem Australier Curtis Marschall zu dessen 5,95 gratulierte, obwohl dem Amerikaner damit klar war, dass er damit Bronze verlor. Wenn diese hewrzlichkeit nur gespielt war, muss Kendricks unbedingt den Oscar gewinnen.
Duplantis macht sie alle besser: Mich würde absolut nicht wundern, wenn Karalis nächstes Jahr nicht nur 6,15 springen würde (zurzeit ist seine Bestleistung 6,08 Meter), sondern vielleicht sogar 6,20 und höher. Und der Schwede selbst? Hat ja schon gesagt, dass für ihn sogar 6,40 realistisch erscheinen. Dennen er nächstes Jahr Zentimeter für Zentimeter näherkommen will.
* die Überschrift habe ich dem Kicker „geklaut“, der 1972 (!) auf der Erbebnisseite so titelte, als Bob Saegren mit 5,63 Weltrekord sprang
von Münchner Löwe | Sep. 15, 2025 | basketball, Fußball, WNBA, Wochenvorschau
Leichtathletik-WM in Tokio, Beginn der Champions-League-Gruppenphase: Außerdem sind die Frauen-Basketballerinnen in den Play-offs der WNBA beschäftigt.
Mehrkämpfer-Premiere und 400-Meter-Fernduell bei den Frauen
Drei äußerst interessante Wettkampftage haben wir bei der Leichtathletik-WM in Tokio bereits hinter uns gebracht mit dem Höhepunkt des erneuten Stabhochsprung-Weltrekordes von Armand Duplantis auf nunmehr sagenhafte 6,30 Meter. Die nächsten Tage stehen im Zeichen der Mehrkämpfer. Dabei havben sich die Terminplaner etwas Neues einfallen lassen, denn am Sanmstag gibt es sowohl den 2. Tag der Siebenkämpferinnen als auch den ersten Tag der Zehnkämpfer. Also volles Programm schon am Morgen (Ortszeit) im Nationalstadion.
Im Mittelpunkt stehen die 400 Meter: Beri den Frauen treffen die Topläuferinen über die Stadionrunde allerdings nicht direkt aufeinander, weil Sidney McLaughlin-Levrone die Strecke flach läuft, Femke Bol indes über die Hürden. Anhand einer Punktetabelle ließe sich wenigstens inoffiziell ermitteln, wer die bessere Leistung erbracht hat (wenn denn beide übehaupt Weltmeisterin werden.).
Die ganz brutale Hitze gibt es offenbar nicht mehr, vor allem die immense Luftfeuchtigkeit macht allerdings gerade Lanstrecklern zu schaffen.
36 Teams, 1 Tabelle
Die 2. Auflage des neuen Europapokal-Formats, in dem diese Woche der 1. Speiltag in der Champions League stattfindet.
36 Teams spielen je 8 Spiele (bis Ende Januar): vier daheim, 4 auswärts. Die Teams wurden in 4 Stärkestufen (Töpfe) eingeteil, jedes Team trifft auf 2 Teams pro Topf. Die ersten 8 Teams kommen direkt ins Achtelfinale, 9 bis 24 treffen in einer Zwischenrunde aufeinander. Ab Platz 25 ist die internationale Saison vorbei
Brutal erwischt hat es zumindest auf dem Papier Eintracht Frankfurt, aber auch Titelverteidiger PSG, das durchgehend schwierige Kontrahenten erwischt hat. Diese beiden Teams sind von Anfang an echt gefordert.
Meine Skepsis gegenüber dem Format hat sich mehr oder weniger bestätigt: Zuzugeben ist, dass es sehr viel mehr interessantere und für sich auch spannendere Partien gegeben hat. Allerdings bleibe ich bei meiner Kritik, dass jedes einzelne Spiel viel wenige Wert ist, dass die Tabelle am Anfang viel zu unübersichtlich ist. Und der letzte Spieltag mit 18 Partien gleichzeitig hat sich als Faace herausgestellt.
Erfahrungswerte konnten gesammelt werden: 16 Punkte (plus gutes Torverhältnis) reichen mit zeimlicher Sicherheit fürs Achtelfinale direkt, 12 Punkte zumindest für die Zwischenrunde.
Diese Woche (Dienstag, Mittwoch, Donnerstag) gehört allein der Champions League. Die Schlager jeden Tages, wie die exklusive Löwen-Instrospektion ergab.
Di.: Juventus – BVB (21:00) Remember Finale 1997 in München, Lars Ricken lupft immer noch
Mi., FC Bayern – Chelsea (21:00) Deutscher Meister vs Clubweltmeister
Do. ManCity – Napoli (21:00) Pep Guardiolas neuformiertes Team gegen den Italo-Champion
Deutsches Duell in der WNBA
Die Play-offs sind schon im Gange. In der 1. Runde (Best of 3) kommt es zu einem Duell deutscher Natioalspielerinnen, wenn die Phoenix Mercury auf Titelverteidiger New York Liberty treffen. Fürs Team aus Arizona läuft Satou Sabvally auf, für New York Leonie Fiebig. Die hatte mit ihrem Team am Samstag den besseren Auftakt, siegte bei den Mercurys nach Verlängerung. Dort hatte Fiebig mit 5 Punkten gehörigen Anteil am Sieg. Sabally ihrerseits erwischte einen schwarzen Tag, traf nur 2 von insgesamt Wurfversuchen zu 9 Zählern.Schon in der Nachht zu Donnerstag kann New York zu Hause die nächste Runde fixieren. Sollte das nicht gelingen, ginge die Serie zurück nach Phoenix.
Im New Yorker Team ist ja aucn Satou Saballys jüngere Schwester Nyary, die allerdings an einer Verletzung laboriert.
Und sonst?
- Bundesliga: Nominelles Topspiel des 4. Spieltags ist die Partie RB Leipzig vs 1. FC Köln (Sa., 18:30): Leipzig hat nach dem 0:6-Desaster in München die nächsten beiden Spiele gewonnen, ohne dabei sondelich zu glänzen. Aufsteiger Köln is mit 7 Punkten glänzend gestartet. In Hamburg treffen „meine“ beiden Absteiger-Tipps HSV und Heidenheim aufeinander, die beide noch auf den ersten Saisonsieg warten. Spannung verspricht auch das rheinische Duell zwischen Leverkusen und Gladbach. Bei den Gästen steht Coach Gerard Seaune nach dem 0:4-Heimdebakel gegen Werder unter Erfolgszwang.
- Internationaler Fußball, England: Nächser Top-Schlager in der Premier League: Vizemeister FC Arsenal empfängt Manchester City (So., 17:30). Wer da verliert, hat erst mal den Anschluss an Tabellenführer FC Liverpool (Stadtderby vs Everton/Sa., 13:30) verloren.
Italien: Römisches Derby zwischen Lazio und der AS. Nach zahllosen Ausschreitungen diesmal ein sehr früher Anstoß am Sonntag (12:30). Obs hilft?
- Handball: Nordduell zwischen dem ganz schwach gestarteten Hannover-Burgdorf (1 Sieg aus 3 Spielen) und dem noch velustpunktfreien THW kiel (Do, 19:00).
In de Champions League empfängt Meister Füchse Berlin Aalborg Handbold, VTitelverteidiger SC Magdeburg muss zum FC Barcelona.
- Formel 1: Abschluss der Rennen in Europa mit dem Grand Prix in Baku/Aserbaidschan (So., 13:00). Die McLaren von Piastri und Norris kämpfen um den WM-Sieg, der stark verbesserte Titelverteidiger Max Verstappen um den Tagessieg.
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