von Münchner Löwe | Jan. 27, 2026 | Allgemein
Abschluss der Champions-League-Vorrunde, Nachtslalom in Schladming, Handball-EM in Skandinavien und viel Liga-Sport. Dazu natürlich die Endphase der Australian Open, die ich gesondert behandle.
Slalomfest in Österreich
Der Nachtslalom in Schladming gilt als Nonplusultra der Torlauf-Artisten. Unter Flutlicht vor bis zu 50.000 Zuschauern, ein Großteil von ihnen recht angeheitert, wobei ich das „recht“ eher als Euphemismus betrachte. Der Sieg des Österreichers Manuel Feller am Ganslernhang in Kitzbühel war natürlich die beste Werbung, dass dder eine oder andere nationalbewusste Österreicher sich am Mittwoch aufmacht, um live vor Ort vielleicht sogar einen Heimsieg zu bejubeln.
Wie immer im Slalom ist der Kreis der Favoriten riesig. Neben Feller und dem Deutschen Linus Strasser sind gerade die Norweger und Franzosen zu beachten, dazu aber auch Einzelkämpfer wie der Finne Eduard Hallberg, der Bulgare Albert Popov und natürlich auch der Brasilianer Lucas Pinheiro Braathen.
Als Prolog gibt es schon am heutigen Dienstag den Riesenslalom. Hier ist die grioße Frage: Wie hat Dominator Marco Odermatt die schallende Ohrfeige vom Samstag überstanden, dass er am Samstag auf der Kitzbüheler Streif als zweiter erneut den Sieg verpasste. Kommt er auch nur einigermaßen durch, dürfte ihm der Sieg nicht zu nehmen sein.
Crans Montana im Blickpunkt
Nur einen Monat nach dem schrecklichen Brand in einem Club in Crans Montana fällt der Skizirkus in diesen Wintersportort im Tessin ein. Der Weltcup-Kalender will es so, und eine Absage ist auch deshalb wohl nie ernsthaft überlegt worden, weil nächstes Jahr in Crans Montana die alpinen Weltmeisetrschaften stattfinden werden und gerade die Abfahrten als unabdingliche Tests gelten.
Also bestreiten die Frauen am Freitag und Samstag Abfahrt und Super-G, ehe am Sonntag mit der Männer-Abfahrt die letzte Generalprobe für die Winterspiele ab 6. Februar über die Bühne geht. Mal sehen, ob die SportlerInnen angesichts des Großereignisses tatsächlich das letzte Risiko gehen.
Handballer im Medaillenkampf
Bisher haben sich die Deutschen bei der Europameisterschaft in Dänemark, Schweden und Norwegen vorzüglich geschlagen. Morgen gegen Frankreich erwartet sie die ultimative Prüfung. Ein Unentschieden reicht für den Aufstieg ins Halbfinale und den Medaillenkampf.
Ich sehe die Chancen dazu nicht schlecht: Denn mit Torwart Andi Wolff steht einer der heerausragenden Akteure dieses Turniers zwischen den Pfosten. Seine Leistung gegen Norwegen, als er zwischendurch das Tor derart vernagelte, dass niemand der Nordeuropäer auch nur noch einen Versuch startete, war eine Außerirdische. Das Problem: Nicht einmal ein Wolff kann derlei beliebig wiederholen.
Handball, Deutschland vs Frankreich, da war doch was! Nämlich das absurde Viertefinale bei den Olympischen Spielen in Paris, als die Franzosen 5 Sekunden vor Schluss den Ball in die Hände der Deutschen beförderten und im wahrsten Sinne des Wortes den Sieg wegwarfen. Revanche ist also angesagt, die Franzosen machten ebenfalls einen vorzüglichen Eindruck (bis auf das eher enttäuschende Remis gegen Spanien). Fünfzig zu Fünfzig würde ich die Chancen sehen.
Klarer Turnier-Favorit sind allerdings die Dänen, zumal sie bis zum Finale im heimischen Herning spielen dürfen. Dem Aussetzer gegen Portugal folgen überzeugende Siege gegen Frankreich und Deutschland.
Erstaunlich die Konstellation in der anderen Hauptrunden-Gruppe. Zwei Spieltage vor Schluss haben gleich vier Mannschaften 4 Punkte auf dem Konto: Schweden, Island, Kroatien und Slowenien. Ein Freudenfest für Hochrechner, wenn ich tippen müsste: Schweden und Island werden es packen.
18 Fußballspiele gleichzeitig
Der 8. und letzte Vorrundenspieltag der Champions League steht am Mittwoch anan, zum 2. Mal in der 36er-Liga und zum 2. Mal mit 18 spielen gleichzeitig, nämlich ab 21 Uhr. Fast unmöglich, da komplett den Überblick zu behalten und erst recht, im Vorfeld auf alle Eventualitäten einzugehen. Zumindest aus deutscher Sicht scheint die Lage recht eindeutig.
- Der FC Bayern ist schon direkt im Achtelfinale und hat bereits vor dem Gastspiel bei der PSV Eindhoven einen Top-4-Platz sicher, für die Setzung in den K.-o.-Runden von einer gewissen Wichtigkeit.
- Eintracht Frankfurt kann auch mit einem noch so hohem Sieg die K.-o.-Runde nicht mehr erreichen.
- Bayer Leverkusen braucht zum Abschluss einen Heimsieg gegen Nachzügler Villarreal. Dann hätte die Werkself mit Sicherheit die Zwischenrunde erreicht, in die Top 8 kann sie nicht mehr vorstoßen. Bei einem Remis und erst recht einer Niederlage beginnt eine elende Rechnerei. Ein Weiterkommen wäre dann aber eher (Remis) unwahrscheinlich respektive sehr unwahrscheinlich (Niederlage).
- Borussia Dortmund hat zumindest die Zwischenrunde praktisch sicher. Bei einem Sieg gegen Inter können die Dortmund sogar noch aufs Vorpreschen in die Top 8 hoffen, da müsste allerdings einiges zusammenkommen. Für alle, die zu Dortmund halten hilft da nur: Neben dem Spiel auch einen Live-Ticker und möglichst auch noch eine Live-Tabelle bereithalten. Der echte Fußball-Fan ist schon längst multitaskingfähig, nämlich auf 4 Geräten: 1 Live-Spiel des Lieblingsvereins, 1 Konferenz, Live Results, Live Tabelle.
Wirklich relevant sind eh nur die Plätze 8 und 24. Die Top 8 stehen direkt im Achtelfinale, die Ränge 9 bis 24 spielen acht weitere Achtelfinalisten in zwei weiteren Partien aus (also noch mehr Spielstress). Es geht wie erwartet eng her. Zwischen Platz 6 und 15 ist nur ein Pünktchen Unterschied.
Und sonst?
- Buundesliga: Schon heute stehen zwei Nachholspiele auf dem Programm: RB Leipzig und 1899 Hoffenheim können mit Erfolgen bei St. Pauli und Werder Bremen die Champions-League-Plätze 3 und 4 festigen. An mehr wird wohl niemand denken trotz des ersten Bayern-Strauchlers. Die Münchner müssen dann am Samstag im Volksparkstadion zeigen, dass sie die Niederlage gegen Augsburg gut verkraftet haben. Die Partie ist zwar das nominelle Topspiel des Spieltages, das ist aber eher eine Reminiszenz an die 80er-Jahre, als die beiden Teams auf Augenhöhe waren. Jetzt trifft ein Abstiegskandidat auf den designierten Meiser (nona).
Borussia Dortmund will den gelungenen Start ins Jahr (3 Siege, 1 Unentschieden) am Sonntag verlängern. Im heimischen Westfalenstadion scheint der Tabellenletzte 1. FC Heidenheim ein mehr als machbarer Kontrahent zu sein.
- England: Tabellenführer FC Arsenal scheint die Galaform verloren zu haben: Der Vorsprung auf Manchester City und Aston Villa beträgt nur noch 4 Punkte, kein allzu bequemes Ruhepolster. Am Samstag müssen die Gunners zu Leeds United: das Stadion an der Elland Road ist ein heißes Pflaster, ein Sieg Pflicht, denn am Sonntag dürften Villa (vs Brentford) und City (bei Tottenham) mit Siegen nachlegen.
- Basketball: Der FC Bayern setzt das nahezu aussichtslose Unterfangen „Play-Ins-erreichen“ in der Euroleague fort. Am Donnerstag steht die Partie bei Maccabi Tel Aviv an. Gespielt wird, zumindest lauf „flashscore“, tatsächlich in Israel, nämlich in Jerusalem. Nur ein Sieg hilft den Münchnern, wenn sie im Kampf wenigstens um Platz 10 noch eingreifen wollen.
- Wintersport: Auch für die Skispringer sind kurz vor Olympia noch Wettbewerbe angesetzt, nämloich von der Großschanze von Winterberg. Diese lässt Weiten von bis zu 150 Metern zu, das kommt dem Skifliegen schon sehr nahe. Man muss sehen, ob kurz vor Olympia tatsächlich auch alle Top-Springer am Start sind.
von Münchner Löwe | Jan. 26, 2026 | Tennis
Australian Open, Achtelfinale
Normalerweise ist die Runde der besten 16 sehr spannungsgeladen, bei Frauen und Mönnern. Diesmal: Kein Tennis-Thriller nirgends, nur fast schon geprlegte Langeweile, wie ein Favorit nach dem anderen souverän gewann. Insgesamt standen 15 Partien auf dem Programm (Jakob Mensik trat gegen Novak Djokovic verletzungsbedingt nicht an), nur eine einzige ging in einen Entschedungssatz, in dem sich Coco Gauff dann gegen Karolina Muchova mit 6:3 durchsetzte.
Heute etwa waren 4 Matches angesetzt, drei dauerten weit unter 90 Minuten, am längsten stand noch Amanda Anisimova auf dem Platz, nämlich 98 Minuten, eh ihr Sieg gegen die Chinesin Wang Xin feststand.
Über die Gründe, warum fast alles nach Plan geht, kann ich nur spekulieren. Ein Umstand könnte sein, dass die Temperaturen bis auf den Außreißer am Samstag für australische Verhältnisse sehr angenehm sind, das Wetter also nicht hineinpfuscht.
Rekordverdächtige Zahlen
Im Viertelfinale stehen damit sowohl bei Frauen als auch Männern die besten 6 der Setzliste, ich kann mich nicht erinnern, dass es das schon mal gab. Die große Ausnahme: der US-Amerikaner leander Learner Tien. Im Dezember krönte sich der 20-Jährige zum Junioren-Masters-Champion (gegen überschaubare Konkurrenz), jetzt schaffte er erstmals den Einzug ins Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Die Leichtigkeit, mit der der fürs Tennis nur 1,83-Meter große Schützling von Michael Chang am Sonntag Daniil Medwedew vom Platz schoss, war beeindruckend. Sein nächster Gegner Alexander Zverev dürfte gewarnt sein.
Der Hamburger selbst hat allerdings seinen Touch gefunden. Auch dank seiner stark verbesserten Vorhand ließ er im Achtelfinale seinen „Angstgegner“ Francisco Cerúndolo keine Chance. Morgen soll übrigens noch heißter werden als am Samstag. Schon jetzt steht fest, dass von Beginn an mit geschlossenem Dach gespielt wird. Ob und wann es auf den Außenplätzen zu Ballwechseln kommt, ist ungewiss, aber das betrifft nur noch die Doppel- und Nachwuchskonkurrenzen.
Frauen, Viertelfinale
Di.: Sabalenka – Jovic (01:30)
Di.: Gauff – Svitolina (09:00)
Mi.: Aninsimova – Pegula (N.N)
Mi.: Swiatek – Rybakina (N.N)
Männer, Viertelfinale
Di.: Zverev – Tien (ca. 03:30)
Di.: Alcáraz – De Minaur (ca. 11:00)
Mi.: Djokovic – Musetti (N.N)
Mi.: Sinner – Shelton (N.N.)
von Münchner Löwe | Jan. 25, 2026 | NFL
Blick über den Teich, NFL
Die gute Nachricht zuerst: Die beiden Conference Finals in AFC und NFC können stattfinden. Der große Wintersturm samt Eiseskälte, der einige Bundesstaaten der USA mit voller Wucht traf und weitgehend lahmlegte, hat offenbar einen Bogen um die Spielstätten Denver und Seattle gemacht. Dort wird es zwar auch recht unangenehm, aber es bleibt alles im Rahmen.
Ermittelt werden heute Abend also die beiden Super-Bowl-Kontrahenten, die in 2 Wochen in Santa Clara nahe San Francisco den diesjährigen Champion ausspielen. Ich würde sagen: Alles ist völlig offen, jedem der 4 verbliebenen Teams gebe ich heute Siegchancen. Favorit in 2 Wochen wird auf jeden Fall das NFC-Team sein.
So., 21:00: Denver Broncos – New England Patriots (AFC)
Beim mühsamen Sieg in der Divisional Round über die Buffalo Bills hat sich Broncos-Quarterback Bo Nix in einem der letzten Spielzüge so schwer am Knöchel verletzt, dass er heute fehlt (und auch in einem potenziellen Super Bowl). Das ist natürlich ein Riesennachteil, denn niemand weiß, wie gut sein Ersatz Jarrett Stidham ist, der in dieser Saison bei genau vier Snaps auf dem Feld stand und dabei nicht einen einzigen Pass warf. Der Vorteil: Auch der Gegner aus New England hat keine Ahnung, was ihn erwartet. Die Defensiv-Vorbereitung der Pats-Coaches stelle ich mir interessant vor. Etwa mit Stidhams Vorstellungen aus College-Zeiten? Es wäre auch nicht das erste Mal, wenn ein Backup plötzlich das Spiel seines Lebens abliefert (allerdings auch nicht garantiert).
Die Pats übersprangen in der Runde zuvor die Hürde Houston Texans. Nicht wegen einer überragenden Offensiv-vorstellung, sondern weil Texans Quarterback CJ Strout einen indiskutablen Tag hatte und in der 1. Halbzeit gleich fünfmal den Ball zum Gegner warf. Da schadeten die eigenen 3 Ballverluste nichts. Eines dürfte heute in der Höhe von Denver klar sein: Der hochgelobte Patriots-Quarterback Drake Maye braucht in seinem ersten Play-off-Auswärtsspiel einen weitaus besseren Tag, dass er dazu in der Lage ist, hat er in dieser Saison schon gezeigt.
Und die Broncos? Zumindest nach außen hat Stidham das volle Vertrauen der Trainer, was soll Chefcoach Seaxn payton auch sagen? Inwieweit sich dieses Vertrauen in den Spielzügen in der Offensive widerspiegelt, das ist die große Frage. Eines allerdings ist klar: Nur mit Laufspiel und guter Verteidigung wird es gegen die Patriots nicht gehen. Der Heimvorteil ist nicht zu vernachlässigen, auch nicht die Höhe Colorados. Dennoch:
🧠 Patriots (der Quarterback machts dann halt doch)
❤️ Broncos (eher notgedrungen, weil mir die extrem nevende Pats-Siegesserie mit Tom Brady noch im Magen liegt und längst nicht lange genug vorbei ist.
Mo., 00:30: Seattle Seahawks – Los Angeles Rams (NFC)
Nach Meinung fast aller Auguren und Experten wird der Sieger dieser Partie in 2 Wochen auch die vince-Lombardy-Trophäe in die Luft stemmen. Nur wer das sein wird, darüber gehen die Meinungen auseinander, falls sich besagte Experten überhaupt zu einem Tipp herablassen (auch was die erwartbare Qualität der Auseinandersetzung heute Nacht wird).
Die beiden Divisionsrivalen aus Seattle und LA trafen in dieser Saison schon zweimal aufeinander, zweimal war es äußerst knapp. Zuletzt im November setzten sich die Seahawks in einem gleichsam absurden wie unterhaltsamen Shootout gegen die Rams durch, was ihnen den Heimvorteil bescherte. Ob es heute erneut zu einem Offensiv-Feuerwerk kommt, wage ich eher zu bezweifeln, Play-offs machen die Trainer eher vorsichtig, und gerade die Seahawks mit ihrem Quarterback Sam Darmold werden vesuchen, ihre große Anzahl von Ballverlusten zu minimieren. Zumindest in der Theorie heißt das: lieber einen gefährlichen Pass weniger, die Defense wirds dann schon richten. Apropos Darmold: Einst sogar von den darbenden New York Jets mit Schimpf und Schande davongejagt, zeigte er letztes Jahr in Minnesota und eben jetzt in Seattle, dass er doch mehr ist als nur ein brauchbarer Quarterback. Eher einer, mit dem man 10+ Spiele/Saison gewinnt.
Ginge es allein nach dem besten Spieler auf dem Feld, wäre die Sache klar: Seahawks Wide Receiver Jaxon Smith-Njigba klaubt praktisch jeden Ball aus der Luft, der auch nur in seine Nähe kommt, egal wie irre seine Laufwege zuvor auch waren. Die Rams-Verteidigung erscheint mir auch nicht so sattelfest, als dass sie alle Passversuche von Darmold verhindern könnte. Verzichten müssen die Gastgeber allerdings auf ihren Running Back Zach Charbonnet, zuletzt durchaus ein tragendes Element in der Offensive.
Auf der anderen Seite ist Rams Spielmacher Matthew Stafford trotz seiner mittlerweile 37 Jahre immer noch einer der besten der Liga, verfügt mit Puca Nacua und Davante Adams ebensfalls über exzellente Ballfänger – und überdies kann das Laufspiel um Kyren Williams jeden Gegner überrennen, sogar die beinharte Defense der Seahawks.
Eine völlig offene Partie also: die im Zweifel von Unwägbarkeiten wie verschossene Field Goals (und überhaupt die Special Teams) entschieden werden könnte. Außedem die große Frage: Können die wahnsinnigen Seattle-Fans, die mit ihrem Ddüsenjet-Lärm und Trampeln im eigenen Stadion schon kleine Erdbeben ausgelöst haben (wirklich gemessen!), am Ende den kleinen, aber feinen Unterschied ausmachen?
🧠 Seahawks (ich vertraue aufs Erdbeben …)
❤️ Seahawks (Sam Darmold, der Verkannte)
von Münchner Löwe | Jan. 24, 2026 | Allgemein
Australian Open, 3. Runde
Jannik Sinner sah aus wie ein lebender Leichnam. Völlig apathisch lehnte er seiner Partie gegen den erstaunlichen Amerikaner Eliot Spizzirri an der Werbebande der Rod-Laver-Arena, beim Stand von 1:3 im 3. Satz nicht willens und offenbar auch unfähig, in der mörderischen Hitze von Melbourne auch nur einen weiteren Ballwechsel bestreiten zu können. Signale in die Spieler-Box: Soll ich aufgeben? Ratlosigkeit bei den Betreuern, was zu tun ist. Eine medizinische Auszeit war nicht mehr möglich, die hatte Sinner schon beansprucht. Und dann die Ansage des Stuhlschiedsrichters: „Play is suspended“ (Spiel ist unterbrochen). Ein Rettungsreifen, in dieser speziellen Situationin etwa so wahrscheinlich wie der für einen Schiffbrüchigen auf hoher See nach 2 Tagen.
Aber tatsächlich wahr: Es gab wegen der unerträglichen Hitze tatsächlich eine Pause, damit sie endlich das schützende Dach über die Rod-Laver-Arena zuziehen konnten. Diese reichte Sinner (samt dem einen oder anderen Mittelchen in der Kabine, vielleicht sogar vom berüchtigten Doping-Masseur): Merklich erholt kam der Italiener wieder auf den Platz und siegte doch noch in 4 Sätzen. Der Titelverteidiger war dem Aus gerade noch von der Schippe gesprungen.
Dass es zu einer Unterbrechung kommen würde, war angesichts der unzumutbaren Bedingungen nur eine Frage der Zeit. Die Organisatoren hatten dies schon tags zuvor und noch mal am Vormittag angekündigt und auch klare Regeln, wann das der Fall sein würde. Warum sie trotz der erwarteten Temperaturen von 40 Grad die Partien ohne Dach beginnen ließen, wird ihr Geheimnis bleiben. Doch der Zeitpunkt der Unterbrechung irritiert mich enorm – und entsprach meines Erachtens eben nicht den selbst aufgestellten Regeln. Normalerweise werden Wetterunterbrechungen wegen Hitze und (viel öfter) Regens direkt nach Ende eines Games verkündet, doch dies unterließ der Schiedsrichter. Erst als Sinner für alle ersichtlich sich als nicht mehr spielfähig zeigte, kam es zur Unterbrechung. Von „Lex Sinner“ muss da leider die Rede sein. Dass die Organisatoren unter keinen Umständen den zweimaligen Champion und Titelverteidiger wegen einer Aufgabe aus dem Turnier verlieren wollten. Die sie selbst verschuldet hätten, weil sie die Partie bei offenem Dach begonnen ließen. Das „lex Sinner“ lässt sich auch daraus schließen, dass die Partien auf den anderen Plätzen (wo es nicht weniger heißt war) erst 5 Minuten danach unterbrochen wurden. 5 Minuten, die Sinner allem Anschein nach nicht mehr hätte auf dem Platz stehen können. Der ja bekanntermaßen, mit Hitze nicht so gut zurechtkommt wie andere Profis. Ich wage die nicht sehr waghalsige Behauptung: Wären die Zeichen umgekehrt gewesen, und der Außenseiter Spizzirri wäre dermaßen in den Seilen gehangen, nie im Leben hätte es diese Unterbrechung zu diesem gegeben. „Quod licet Jovi, non licet bovi“, das wussten schon die alten Römer.
Turnier der Favoriten …
Sinner bleibt dem Turnier also erhalten, und wir dürfen davon ausgehen, dass er bis zu seiner nächsten Partie am Montag gegen seinen Landsmann Luciano Darderi wieder voll bei Kräften ist. Damit steht fest, dass es im Achtelfinale nur noch gesetzte Spieler gibt, von den Top 8 ist tatsächlich nur der Kanadier Felix Auger-Alliasime raus, den erwischte es schon in der 1. Runde wegen einer Verletzung. Eine solche Dominanz der Etablierten hat es meines Wissens noch nie gegeben. Der junge US-Amerikaner Leander Tien ist als Nummer 25 der am schlechtesten klassierte Profi in der Runde der besten 16. Für mich ist es Turnier-Sensation, dass es eben keine Überraschungen gegeben hat. die
Auch die beiden Oldies mit voller sentimentaler Unterstützung haben es nicht geschafft: Stan Wawrinka (gegen Taylor Fritz) und Marin Cilic (Casper Ruud) wehrten scih zwar nach (schwindenden) Kräften, mussten sich aber jeweils in 4 Sätzen beugen. Im besten Spiel des bisherigen Turnierverlaufs setzte sich der Italiener Lorenzo Musetti gegen den so starken Tomas Machac aus Tschechien nach 5 dramatischen Sätzen und vierteinhalbstunden Hitzekampf durch.
Geradezu Spaziergänge legte Altmeister Novak Djokovic hin, der nach 3 Partien noch ohne Satzverlust ist und sehr viele Kräfte sparen konnte. Die wird er brauchen, wahrscheinlich schon am Montag gegen den tschechischen Himmelstürmer Jakob Mensik.
Alexander Zverev hielt die deutsche Fahne hoch. Er gab zwar auch gegen Cameron Norris einen Satz ab, doch zeigte er eine klar verbesserte Vorhand, die er gegen den äußerst unangenehmen Argentinier Francisco Cerundolo auch brauchen wird. Die Partie findet am australischen Abend statt (morgen 9 Uhr MEZ), und auch die Hitze soll sich zumindest für Sonntag und Montag wieder verziehen. Eine Glatze will sich Zverev schneiden lassen – für den Fall dass er die nächste Runde erreicht das Turnier gewinnt.
Achtelfinale, Männer
So.: Alcáraz – Paul
So.: De Minaur – Bublik (mein Must see : Lokalmatador vs Zauberer)
So.: Zverev – Cerundolo
So.: Medwedew – Tien
Mo.: Musetti – Fritz
Mo.: Djokovic – Mensik
Mo.: Shelton – Ruud
Mo.: Sinner – Darderi
… und der Favoritinnen
Auch hier haben 7 der Top 8 das Achtelfinale erreicht, auch hier erwischte es die Nummer 7: nämlich die Italienerin Jasmine Paolini, und das kam gegen das US-Supertalent Iva Jovic nicht besonders überraschend. Iga Swiatek (Nr. 2) hatte zwar gegen die Russin Anna Kalinskaya einen Aussetzer-Satz, gewann aber mit 6:1, 1:6 und 6:1. Gewisse Mühe hate auch Aryna Sabalenka (Nr. 1) gegen die Neu-Österreicherin Anastasia Potapova, als sie zweimal einen Tiebreak benötigte.
Immerhin sind bei den Frauen noch 2 Ungesetzte im Wettbewerb: die Chinesin Wang Zin, die Kasachin Julia Putintsewa und die Sensations-Qualifikantin Maddison Inglis, die vom Nichtantreten der exzentrischen Japanerin Naomi Osaka (Bauchmuskelzerrung) profitierte. Dagegen erlebten die von mir noch so gelobten Tschechinnen einen schwarzen Samstag: 4 traten an, 4 schieden mehr oder weniger sang- und klanglos ohne Satzgewinn aus. So bleibt die wunderbar-vielseitige Karolina Muchova die letzte Verbliebene nach ihrem Freitag-Erfolg gegen die Polin Linette.
Achtelfinale Frauen
So.: Sabalenka – Mboko
So.: Jovic – Putintseva
So.: Gauff – Muchova
So.: Andreewa – Svitolina (Russin vs Ukrainerin, das wird sehr herzlich)
Mo.: Keys/TV – Pegula
Mo.: Anisimova – Wang
Mo.: Rybakina – Mertens
Mo.: Swiatek – Inglis
von Münchner Löwe | Jan. 22, 2026 | Allgemein
Souveräne FavoritInnen
Zwei Runden sind jetzt beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres 2026 gespielt, doch der sogenannte Happy Slam ist bisher eine arg dröge Angelegenheit. Zumindest für diejenigen, für die Überraschungen oder wenigstens Nailbiter-Thriller dazugehören. Davon konnte an den ersten 5 Wettkampftagen nicht die Rede sein. Die Favoriten gerieten noch nicht mal ins Stolpern, geschweige denn fielen sie über die Erst- und Zweitrundenhürden.
In Zahlen ausgedrückt: 15 der Top 16 gesetzten Männer sind noch im Turnier. Felix Auger-Alliasime (7) schied als einziger aus, körperlich angeschlagen gab er auf. In der 2. Runde musste nicht einer der verbliebenen 15 Top-16-Spieler mehr als 4 Sätze gehen, am heutigen Donnerstag gab es nur 3-Satz-Begegnungen. Ob Alcáraz, Sinner, ob Djokovic oder Shelton – sie alle cruisten geradezu durchs Turnier.
Mit am spannendsten machte es noch Alexander Zverev, der sowohl gegen den Kanadier Diallo als auch gegen den Franzosen Muller einen Durchgang abgab. Der Hamburger war aber nie ernsthaft in Gefahr, dass ihn eines seiner berüchtigten frühen Aus‘ ereilen würde.
Bei den Frauen das gleiche Bild. Favoritinnensiege, wohin man sieht. Die Überlegenheit war manchmal schon peinlich. Nur die Schweizerin Belinda Bencic tanzte aus der Reihe: Sie verlor am Donnerstag das wahrscheinlich unterhaltsamste Frauen-Match der ersten beiden Runden gegen die unglaublich aufspielende Nikola Bartunkova; eine tschechische Qualifikantin, die mir bis dato völlig unbekannt war, mich aber mit ihrem abwechlungsreichen (Angriffs)Tennis wirklich begeisterte.
Lags vielleicht am Wetter, das die FavoritInnen so souverän agierten? Die gefürchtete australische Sommerhitze ist bisher jedenfalls ausgeblieben, die Sportlerkörper werdens dankbar aufgenommen haben. Erst für Samstag werden 38 Grad erwartet (und am Dienstag gar 40 Grad).
Stan, the Man
Und doch – völlig vertan war die Zeit via Eurosport respektive Discovery+ mit Tennis Down under natürlich nicht. Dafür sorgte etwa ein (ganz) alter Bekannter. Stan Wawrinka erinnerte in seinen beiden höchst unterhaltsamen Matches zunächst gegen Lajos Drere dann gegen Arthur Gea an glorreiche Zeiten: als er dank seiner so wunderschönen einhändigen Rückhand insgesamt drei Grand Slams gewann, darunter 2014 in Melbourne. Als Dank spendierten die Verantwortlichen dem 40-jährigen Schweizer jetzt nicht nur eine Wild Card, sondern Auftritte auf den großen Plätzen. Wo ihn ein Großteil der Fans stürmisch anfeuerten. Ob das dann auch am Samstag gegen Taylor Fritz reicht – ich setze ein kleines Fragmichzeichen.
Einen vorzüglichen Eindruck hinterließ auch Marin Cilic, mit 37 ist der Kroate geradezu ein junger Hüpfer im Vergleich zu Wawrinka. Er deklassierte nicht nur den Deutschen Daniel Altmaier (zwei Sätze endeten 6:0), sondern eliminierte auch den viel höher eingestuften Denis Shapovalov. Gelernt ist gelernt.
Deutsches Damen-Desaster
Das „Damen“ nur der Alliteration wegen, bei mir sind es „Frauen“, die Tennis spielen. Am traurigen Abschneiden der Deutschinnen ändert das wenig, als Einzige erreichte Laura Siegemund wenigstens die 2. Runde, in der sie nach teilweise quälend langen dreieinhalb Stunden an der australischen Qualifikantin Maddison Inglis scheiterte. Die Australier halten von Miss Inglis so wenig, dass sie diese nicht mal mit einer Wild Card bedachten (die sonst quais jeder Aussie männlich oder weiblich erhält).
Auch ansonsten herrschte nur deutsche Trübseligkeit, obwohl sie alle keineswegs übermächtige Gegnerinnen hatten. Doch eine Olga Selekhmeteva (Ella Seidel), Petra Marcinko (Tatjana Maria), Sofian Cirstea (Eva Lys) erwiesen sich jeweils als zu stark für die deutsche Kontrahentin in der 1. Runde. Keine von den Bezwingerinnen hat übrigens die 2. Runde überstanden …
Und sonst?
- Fallgrube United Cup: Bei der Mixed-WM vor gut 2 Wochen Perth und Sydney spielten vor allem zwei Akteure groß auf. Belina Bencic gewann für die Schweiz alle 6 Einzel und 5 der 6 Mixed-Doppel, Hubert Hurkacz war bei den Männern das Maß aller Dinge, bezwang unter anderem Zverev und Fritz. Jeweils in der 2. Runde war jetzt Schluss mit lustig, zumindest die Einzelkonkurrenz ist jeweils vorbei für vermeintlich gefährliche „dark horses“, die in Wirklichkeit sehr, sehr dunkel blieben. Wahrscheinlich fehlte „Linda Belinda“ der weise Rat des Landsmannes Wawrinka.
- Neuer Geheimfavorit: Dass der Tscheche Tomaz Machac mit dem Schläger umzugehen weiß (wie so viele seiner Landsmänner und vor allem -Frauen), ist bekannt. Dass der 25-Jährige aber die sehr schwierig erscheinenden Kontrahenten Grigor Dmitrov und Stefanos Tsistsipas mit zwei extrem beeindruckenden Vorstellungen geradezu vom Platz scheuchen würde, überraschte mich dann doch. Der zweifelhafte Lohn für ihn: Ich erhebe ihn zu meinem Geheimfavorit. Angesichts meiner brillanten Tipps in einem Turnier-Bracket kann das nichts Gutes bedeuten für den armen Mann (und Gutes für den kommenden Gegner Lorenzo Musetti?).
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