Forza Italia, Zverevs Reifeleistung und Djokers Rückzug

Die French Open gehen in die entscheidende Phase. Heute stehen die Halbfinals der Frauen an, morgen die der Männer und am Wochenende die Endspiele. Bereits heute spielt Laura Siegemund das Mixed-Finale an der Seite von Edouard Roger-Vasselingegen die britisch-amerikanische (mit ponischem Einschlag?) Paarung Desirae Krawczyk Neal Skupski.

Tennis-Nation Italien

Sowohl bei Frauen (Jasmine Paolini) als auch bei den Männern (Jannik Sinner) ist Bella Italia in der Vorschlussrunde noch vertreten, das hat es bei einem Grand-Slam-Turnier noch nicht gegeben. Und das muss auch noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Paolini bekommt es heute mit der russischen Aufsteigerin Mirra Andreejava zu tun, Sinner morgen (in einem vorgezogenen Endspiel) mit dem bisher sehr überzeugenden Carlos Alcaraz, den ich für morgen leicht favorisiere. Überhaupt ist Italien im Tennis-Aufschwung. 9 Männer sind unter den ersten 101, 5 unter den ersten 50.

Djokovic kampflos raus
Quasi zum Drüberstreuen steht jetzt schon fest, dass Sinner die neue Nummer 1 wird und Novak Djokovic ablöst. Der Serbe musste für das Viertelfinale absagen. In der Partie im Achtelfinale, das er in 5 Sätzen äußerst mühevoll gegen Francisco Cerundolo gewann, zog er sich einen Riss des Innenmeniskus zu, wie die Diagnose am Dienstag ergab. Gestern wurde er noch in Paris operiert, damit ist auch sein Antreten in Wimbledon äußerst unwahrscheinlich, das Ziel heißt jetzt offenbar Olympia in Paris – und auch das könnte knapp werden.
Es vermehren sich die Zeichen, dass die unfassbare Ära der Großen Drei Roger Federer, Rafael Nadal und eben Djokovic sich dem Ende nähert, dass es zum ersten Mal seit ewigen Zeiten ein Jahr ohne Grandslam-Sieger dieser Drei (zuletzt 2002!) geben könnte. Allerdings will ich Djokovic noch nicht abschreiben. Einzelne Turniersiege traue ich ihm zumindest in den nächsten zwei Jahren jederzeit zu, wenn er wieder fit ist. Das haben ja auch Federer und Nadal nach längeren Pausen eindrucksvoll geschafft. Aber ein dauerndes Beherrschen der Szene halte ich fast für ausgeschlossen und wird auch nicht Djokovics Ziel sein. Sondern einzig die  Konzentration auf die wichtigsten Turniere.

Zverev meisterhaft
Ich fand es höchst beeindruckend, wie der Hamburger die Hürde de Minaur gelöst hat. Der Australier ist ja in der Form seines Lebens und er machte Zverev das Leben wahrlich nicht einfach. Doch der nahm die Aufgabe an, blieb geduldig. Er spielte wahrlich nicht fehlerfrei, doch in den entscheidenden Situationen hatte er eben das Itzerl mehr Tenniskönnen und den passenden Gewinnschlag. Knackpunkt war der Tiebreak des 2. Satzes, den Zverev trotz 0:4-Rückstand noch für sich entschied, nachdem er schon beim Stand von 5:6 einen Satzball abgewehrt hat.
Bis zuletzt stand der Sieg auf der Kippe. Sehr wichtig für Zverev war im Hinblick auf seine Kraftreserven, dass er de Minaur in 3 Sätzen schlug, die schon 3:02 extrem anstrengende Stunden dauerten. Zumal er ja schon zuvor fordende Fünfasatz-Matches hatte und Halbfinalgegner Christian Ruud ausgeruht ist aufgrund des kampflosen Sieges gegen Djokovic.
Es ist die vierte Halbfinalteilnahme von Zverev in Paris hintereinander, das allein nötigt schon größten Respekt ab. Vor zwei Jahren zog er sich den bösen Bänderriss gegen Nadal zu, vergangenes Jahr unterlag er dieser Runde eben gegen Ruud. Wie es morgen ausgeht? On verra, wie die Französin so schön sagt.
Noch ein Gala-Content: Zverevs Freundin Sophia Thomalla wird nicht aufgrund ihrer beruflichen Verpflichtungen in Thailand nicht live vor Ort sein.

Schneckles Durchmarsch
Das kann man wörtlich nehmen. Denn gestern musste Laura Siegemund im Mixed zwei Spiel bestreiten und gerade jetzt das Endspiel. Zweimal siegte sie gestern im Matchtiebreak, stand insgesamt fast dreieinhalb Stunden auf dem Platz.
Warum das Finale nicht morgen oder übermorgen? Erstaunliche Terminplanung, Wetterunbill in den Tagen zuvor hin oder her. Ich wünsche dem Schneckle alles Gute.

Das wird die Woche, die wird

Wie weit kommt Houdini Djokovic

Die French Open spielen ab Dienstag das Viertelfinale aus. Alle Einzelspiele sind jetzt für den Centre Court angesetzt. Wirklich heiß wird es wohl nicht, aber es bleibt größtenteils trocken.
Novak Djokovic hat auch das zweite Fünfsatzspiel in Folge überstanden, ja er hat sich Houdini-mäßig aus drohenden Niederlagen befreit. Er spielt erst am Mittwoch gegen den Sieger Christian Ruud vs Taylor Fritz. Als einziger deutscher Einzelspieler ist Sasdha Zverev im Rennen, der gerade seine Partie gegen Holger Rune beginnt.
Bei den Frauen sind noch die Top 4 im Rennen. Hoffen wir mal, dass es jetzt ein bisschen spannender wird als bisher das meist der Fall war.

Freundschaftliche Tests

Nachdem die europäische Saison im Vereinsfußball beendet ist, rückt die EM in den Blickpunkt, die am Freitag in einer Woche mit der Partie Deutschland vs Schottland eröffnet wird. Diese Woche wird fleißíg getestet. Die Deutschen heute gegen die Ukraine und am Freitag gegen Griechenland.Und auch sonst Tests satt. DAZN bringt eine Menge davon, und sonst hilft VPN und das entsprechende Land sicher weiter.

Bayern wartet

Auf den Finalgegner in der Basketball-Bundesliga, den die Niners Chemnitz und Alba Berlin ermitteln. Chemnitz führt 2:1, morgen Spiel 4 in Chemnitz, Spiel 5 wäre in Berlin.

Magdeburg ums Triple
Das Final 4 der Handball-Champions-League findet am Samstag und Sonntag in Köln statt. Am Samstag spielt der deutsche Double-Gewinner zunächst gegen Aalborg, danach kommt es zur Partie THW Kiel vs den FC Barcelona.

Leichtathleten um Europas Kronen
Die EM beginnt am Freitag in Rom und endet am Mittwoch in einer Woche. Seltsame Terminierung. ARD und ZDF berichten in epischer Länge, nur am Sonntag verdrängt die Europawahl kurzfristig die EM aus dem Prime-Time-Programm.

Das war die Woche, die war

Vertane Chance(n)

Ach Borussia. So eine gute erste Halbzeit, und dann steht sie doch mit leeren Händen da. Real Madrid in einem Endspiel zu bezwingen, das ist eine besondere Aufgabe, die besonderer Leistung bedarf. Die war grundsätzlich da, vor allem in der ersten Halbzeit, aber außerdem müssen die Chancen halt genutzt werden, und da hat halt der Karim Adeyemi frei vor Thibaut Courtois nicht geknipst. Man musste kein Prophet sein, um zu ahnen, das sich das rächen würde. Real war viel besser im zweiten Durchgang, ließ weniger zu – und traf halt dann nach einem Standard und einem schlimmen Abwehrfehler.
Niemand weiß, wie die Partie mit einer Dortmunder Führung gelaufen werden. „völlig unverdient“, wie der Boulevard in Richtung Real pöbelt, war der Sieg natürlich nicht, dafür haben die Madrilenen sich schon aus ganz anderen Situationnen befreit.
Folge-Effekt: Eintracht Frankfurt spielt Europa League, und nicht Champions League, schade ums Geld, das die Verantwortlichen hoffentlich noch nicht erwartungsfroh ausgegeben haben.

Magdeburg Meister

Die Handballer des SCM haben auch die Aufgaben Rhein-Neckar Löwen und Wetzlar mehr oder weniger souverän siegreich gelöst. 30 Siege, je 2 Unentschieden und Niederlagen lautet die beeindruckende Bilanz. Zuletzt 14 Siege in 15 Partien sind Beleg der Ausnahmestellung in der Bundesliga. Das Double ist dank des Pokalsiegs schon sicher, nächstes Wochenende wird das Triple im Final Four der Champions League angegangen.

Bayern-Basketballer in der Endspielserie

Drei souveräne Siege gegen extrem ersatzgeschwächte, aber sich dennoch tafer wehrende Würzburger stellten kein echtes Problem dar. Jetzt warten sie entspannt auf den Finalgegner. Die Niners Chemnitz führen mit 2:1 Siegen gegen Alba Belin und haben morgen in eigener Halle einen Matchball. Eindrucksvoll war ihr Sieg gestern gegen die Berliner. Nach dem 3. Vietel lagen sie noch mit 8 Punkten zurück, um sich dann mit einem sagenhaften 31:11-Lauf den Sieg zu sichern. Und das, obwohl ihr bester Spieler Yebo früh ausgeschlossen wurde.

US-Finalserien stehen

Nur kurz hier zu NBA und NHL: An anderer Stelle ausführlich genug. In der NBA haben sich in den Conference Finals die Boston Celtics im Osten (4:0 gegen die Indiana Pacers) und die Dallas Mavericks im Westen (4:1 gegen die Minnesota Timberwolves) recht klar (überraschend?) durchgesetzt. Die Finalserie beginnt in der Nacht zu Freitag in Boston.
NHL: Hier setzten sich in den Conference Finals die Florida Panthers (4:2 gegen die New York Rangers) und Edmonton Oilers (4:2 gegen die Dallas Stars durch: zweimal das schlechter klassierte Team. Hier beginnt die Endspielserie in der Nacht zum Sonntag in Sunrise/Florida.

Favoritinnen souverän
Spannungslos verlief das Achtelfinale der Frauen bei den French Open gestern . In acht Partien gab es nur ein Dreisatzspiel. Die Top 4 sind allesamt noch dabei. Bisher mit Abstand die aufregendste Partie bei den Frauen war der Thriller in der 2. Runde zwischen Titelverteidigerin Iga Swiatek und der nach Babypause zurückgekehrten Naomi Osaka, in der die Japanerin einen Matchball vergab und vor allem einen vermeintlich ganz leichten Volley, der ihr bei eigenem Aufschlag zwei weitere Matchbälle gebracht hätte. Im Achtelfinale gewann die fast schon ausgeschiedene Polin 6:0, 6:0 und gab bei 58 gespielten Punkten nur 10 ab, das heißt kein einziges Game führte über Einstand. Eine verkürzte Trainerstunde, die nur 40 Minuten dauerte.

Houdini Djokovic

Ganz anders bei den Männern.Novak Djokovic entpuppt sich als Entfesselungskünstler. Nach dem nächtlichen Thriller am Samstag brauchte er heute wieder 5 Sätze, um sich gegen den Argentinier Francisco Cherundolo durchzusetzen. Wieder lag er 1:1 Sätze zurück, und diesmal sogar im 5. Satz 2:4. Stört ihn nicht. Er bewahrte wieder die Nerven und gewann mit 6;3.
Erwischt hat es dagegen Daniil Medwedew. Er unterlag in vier Sätzen dem Australier Alex de Minaur, der eine Runde zuvor Jan-Lennard Struff ausgeschaltet hatte.
Heute Abend spielt noch Sascha Zverev gegen Holger Rune. Auf ihn würde im Viertelfinale Di Minaur warten. In der anderen Tableau-Hälfteläuft alles auf ein Halbfinale Jannik Sinner vs Carlos Alcaraz hinaus, die bisher sehr souverän auftraten.

Leichtathleten in Fahrt
Ein grandioses Duell schon im Hinblick auf Olympia zeichnet sich über 400 Meter Hürden der Frauen ab. Sydney McLaughlin legte in Atlanta 52, 70 Sekunden vor, Femke Bol antwortete am Sonntag in Stockholm mit 53,07. Beide haben noch Potenzail nach oben.
Der Brite Matthew Hudson-Smith vebesserte in Oslo seinen eigenen Europarekord auf 44,07 Sekunden, der Äthopier Hagos Gebrhiwet lief über 5000 Meter mit 12:36,73 Minuten die zweitbeste je gelaufene Zeit. Insgesamt schafften in diesem Rennen 13 der ersten 16 eine pewrsönliche Bestzeit.
In Stockholm riss Stabhochspringer Armand Duplantis die neue Weltrekordmarke von 6,25 Meter dreimal nur ganz knapp.

Was war mit Nelli los?
Die Ausnahmegolferin Nelli Korda verpasste den Cut bei den US Open: Eine 80er-Runde zum Auftakt ließ sich auch von ihr nicht mehr korrigieren. Den Sieg sicherte sich letztlich die Japanerin Yuka Saso. Schon 2021 hatte sie die Open gewonnen, damals startete sie noch für die Philippinen.
Apropos Golf: Bei den European Open in Hamburg gewann der Engländer Canter 2 Schläge vor Lawrence und Wiesberger. Und in Toronto siegte der Schotte MacIntrye.

Die Besten im Westen – und jetzt?

Blick über den Teich, NHL

Edmonton Oilers – Dallas Stars 2:1 (4:2)

Wenn noch jemand den geringsten Zweifel daran hat, dass Connor McDavid zurzeit der beste Eishockey-Spieler des Planeten ist, möge sich das 1:0 anschauen, das sich jeder Fan am liebsten einrahmen würde.

https://www.nhl.com/de/video/dal-edm-mcdavid-scores-goal-against-jake-oettinger-6354182791112

Ein Treffer für die Ewigkeit, und er war der Türöffner für den harterkämpften Sieg der Oilers gegen die Dallas Stars und den Einzug ins Stanley-Cup-Finale als bestes West-Team. Dass es in Überzahl erzielt wurde, tut der Schönheit nicht den geringsten Abbruch. Noch im ersten Drittel assistierte McDavid zum 2:0 durch Zach Hyman, ein Ergebnis, das sämtliche Statistiken verhöhnt. 3:12 Schüsse im ersten Drittel aus Oilers-Sicht, am Ende waren es 10:35, und nur einer dieser 35-Dallas-Schüsse überwand Stuart Skinner Mitte des 3. Drittels – und bei diesem Gegentor sah der Goalie nicht besonders gut aus.
Den Oilers war es einerlei, erstmals steht Gretzky-Town in der Ära McDavid in den NHL Finals. Dort treffen sie auf die Florida Panthers, die allerdings den Heimvorteil haben.

Draisaitl-Watch
Der Kölner durfte bei 21:27 Eiszeit einen Assist für den McDavid-Zaubertreffer verbuchen, (es war der Assist für den Assist). Er hält nun bei bei 28 Scorerpunkte und auf Platz 2 hinter (natürlich!) McDavid (31) und vor evan Bouchard(27/ebenfalls Oilers).

Meine 🇫🇮 Finnen
Haben sich ohne Scorerpunkt verabschiedet. Miro Heiskanen war einer der beiden Verteidiger, die McDavid austanzte vor seinem Tor. Insgesamt kam er auf sagenhafte 30:28 Minuten Eiszeit – zuviel des Guten?

Ausblick
Florida Panthers vs Edmonton Oilers, das ist nominell die Nummer 3 des Ostens und die Nummer 5 des Westens. In Dallas dürfte der eine oder andere froh sein, dass es dort nicht zu einem Doppel-Finale Stars (NHL) und Mavs (NBA) kommt. Los geht es erst in der Nacht zu Montag MESZ. Interessant ird sein, wie nach der extrem engen Taktung der Play-offs die Teams mit der vergleichsweise langen Pause (5 bzw 6 ganze Tage) zurechtkommen, wer vielleicht die Reha besser nutzen kann und welche Trainer sich was richtig Nettes einfallen lässt. Personelle Ausfälle gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine, wer wie fit ist, steht auf einem anderen Blatt.

Ansetzungen (MESZ)
So. 09/06, 02:00: Panthers – Oilers
Di., 11/06, 02:00: Panthers – Oilers
Fr., 14/06, 02:00: Oilers – Panthers
So., 16/06, 02:00: Oilers – Panthers
Mi., 19/06, 02:00: Panthers – Oilers (wenn nötig)
Sa., 22/06, 02:00: Oilers – Panthers (wenn nötig)
Di., 25/06, 02:00: Panthers – Oilers (wenn nötig)

Warum die Champs Champs sind

Erst Real Madrid, dann Novak Djokovik: Samstagabend bis früh in die Nacht durfte der Sportfan mal wieder erleben, dass die wahren Champs wirklich erst dann geschlagen sind, wenn der Schlusspfiff ertönt  oder der Matchball gespielt ist. Leidtragende waren erst Borussia Dortmund und Lorenzo Musetti: Überlegen, doch letztlich den Sack nicht zumachend und am Ende überrollt.

Wer die Chancen nicht nutzt …

Was war das für eine erste Halbzeit des BVB. Praktisch an die Wand spielten die Borussen die Königlichen von Real Madrid, allein es fehlten die Tore. Die beste Chance vergab Karim Adeyemi nach brillantem Zuspiel von Mats Hummels, der jedem Vergleich zum Toni-Kroos-Traumpass gegen die Bayern standhält (did you see that, Mr. Nagelsmann?). Doch er konnte Real-Torwart Thibault Courtois nicht überwinden. Wie überhaupt der Belgier, der nach seinem Kreuzbandriss sein erstes CL–Spiel in dieser Saison bestritt, eine unglaubliche Ruhe ausstrahlte und den Dortmundern den Zahn zog. Außerdem war es fast tragisch, wie wirkungslos die Borussen-Ecken verpufften. Und so ließen die Madrilenen das Angriffs-Feuerwerk, leider aus Borussensicht nicht effizient abgeschlossen über sich ergehen mit dem Wissen, ja Wissen!, dass sie das schon überstehen würden. Da fällt mir ein wenig besserwisserisch ein: Wenn Experten und andere von nicht effektiv sprechen, meinen sie „nicht effizient“. bastian Sick und viele andere haben sich darüber schon länger ausgelassen.

Und fast erwartbar sollte sich der Chancenwucher rächen. Nach der Pause und wahrscheinlich ein paar sehr klaren und treffenden Worten von Trainer Carlo Ancelotti gab es halt dann nicht mehr die sperrangelweiten Real-Lücken in der Abwehr. Mit zunehmender Spieldauer kippte das Geschehen in Richtung Madrid. Und dann zeigte Toni Kroos, wie man eine Ecke schlägt. Scharf und und punktgenau auf den Kopf von Daniel Carvajal, und der nur 1,73 Meter große Verteidiger (ehemals Bayer LeverkusenI überwand Gregor Kobel. Danach zeigte Real seine ganze Königsklassen-Klasse, setzte die Borussen enorm unter Druck sodass Fehler nicht ausblieben. Einen grausamen Fehlpass von Maatsen in der eigenen Hälfte nutzte letztlich Vinicius jr zum 2:0, die Entscheidung, zumal Niklas Füllkrug bei seinem vermeintlichen Anschlusstreffer knapp aber doch eindeutig im Abseits stand.
So durfte Toni Kroos in seinem letzten Real-Spiel sich mit dem insgesamt 6. Champions-League-Titel krönen, so viele hat nur der große Francisco Gento und außerdem auch der gestern eingewechselte Luca Modric.

Die Auferstehung des Djokers

Zum 27. Mal: Ich bin kein Fan von Novak Djokovic, im Gegenteil, ich mag ihn nicht, wegen seiner Art, seiner endlosen Balltipperei beim Aufschlag. Aber ebenfalls zum 27. Mal: Aus für mich leidvoller Erfahrung weiß ich, dass der Serbe wirklich erst bei einem vom Gegner verwandelten Matchball geschlagen ist (Federer Wimbledon-Finale 2019, ein Albtraum). So auch heute Morgen beim faszinierendem Drittrundenspiel der French Open gegen einen zeitweise brillanten Lorenzo Musetti. Die Partie begann aufgrund der Wetterkapriolen erst um 22.40 Uhr Pariser Zeit und endete weit nach 3 Uhr nachts nach mehr als 4 Stunden Spielzeit. Musetti hatte nach verlorenem ersten Satz sich die beiden nächsten Sätze geholt. Da sah Djokovic wie ein wandelnder Leichnam aus, schlurfte nur über den Platz, vermeintlich sich ergebend. „Am Rande einer Niederlage“ sei er, konstatierte Wolle Nadvornik am Eurosport-Mikrofon, und jeder wird diesen Eindruck gehabt haben – wenn es halt nicht der Djokovic wäre.
Und dann? Drückte der Serve den Turbo-Boost wie einst Michael Knight bei bei seinem Wunderauto KITT, der irgendwo in seinem Körper versteckt sein muss. Quasi von einer Sekunde auf die andere war da plötzlich ein springlebendiger Djokovic auf dem Platz, als sei es nicht weit nach Mitternacht, als seien nicht mehr als drei Stunden gespielt. Beim Stand von 2:2 im 4. Satz gelang ihn ein Break, und danach gab es den  besten Djokovic in diesem Jahr, das für ihn bisher so gar nicht laufen wollte. Musetti spielte weiter großartig, doch Djokovic agierte in eigenen Tennis-Sphären, praktisch fehlerlos. Ich streiche für den letzten Satz das „praktisch“. Er verwandelte den ersten Matchball nach 4:32 Stunden, es war 3:20 Uhr. Genau ein Game sollte er in dieser  Zeit trotz erbitterter Gegenwehr von Musetti abgeben. So endete der 5. Satz 6:0, dauerte aber auch 37 Minuten, also gut 6 Minuten per Game. Klar, auch weil es die Spieler mit der Gameclock nicht mehr ganz so genau nahmen. So feierte Djokovic ausgelassen, Musetti bleibt die Ehre, ein großes Spiel geliefert zu haben. Mit einem Sieg hätte er  seinem italienischen Landsmann Jannik Sinner zur Nummer 1 der Weltrangliste verholfen. Der muss das jetzt selbst hinkriegen, indem er wenigstens das Halbfinale in Paris erreicht.

Für Djokovic geht die Reise weiter, und vielleicht war genau dieses Spiel der Schlüssel zu einem doch noch erfolgreichen Jahr. Er hat eindrucksvoll gezeigt, dass er es noch kann, die Frage ist jetzt halt, wie er diesen Kraftakt zu dieser sehr späten Zeit wegsteckt und ob er so was wiederholen kann. Morgen trifft er im Achtelfinale auf den Argentinier Francisco Cerundolo, wir dürfen gespannt sein. Ich persönlich befürchte allerdings bei allem Respekt, dass das eine eher leichte Aufgabe für ihn wird.